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30.08.08

YouTube: Mit geklauten Videos Geld verdienen

Mit Video ID ermöglicht YouTube das Monetarisieren von piratisiertem Material ohne die User zu verklagen. 90 Prozent der beteiligten Unternehmen machen davon Gebrauch.

youtube_floating.gif Mit dem Kauf von YouTube hat sich Google neben dem mit Abstand beliebtesten Video-Portal vor allem auch eine Myriade an Klagen von Rechteinhabern eingehandelt. Google wäscht seine Hände in Unschuld und meint, (verkürzt gesagt) den Anforderungen des DMCA zu entsprechen und als Plattformbetreiber nicht für die Aktivitäten der User haftbar zu sein.

Aber eines ist klar: ein guter Teil der Popularität von YouTube besteht darin, dass einfach alles, also auch urheberrechtlich geschütztes und piratisiertes Material, gefunden werden kann. Google profitiert davon und alle wissen es.

Gleichzeitig scheint sich aber auch bei den Rechteinhabern zunehmend die Erkenntnis durchzusetzen, dass auch sie davon profitieren, wenn User – in den meisten Fällen Fans – Clips posten und dass es nicht immer das Sinnvollste ist, gegen jede Copyright-Verletzung undiskriminiert vorzugehen. Vor allem, wenn sie sich dadurch gegen die Verhaltensweisen einer neuen Generation stemmen, die das Sharen und die Allgegenwärtigkeit von Videos, Bildern oder Musik als gegeben nimmt und von den alten (kontrollierten) Distributionskanälen einfach nicht bedient wird.

Liberale Medienunternehmen wie die BBC haben deshalb begonnen, YouTube zwar keinen Freibrief für das beliebige Posten von Material zu geben, aber von Usern hineingestellte Videos der BBC unter Vorbehalt zu dulden, solange sie nicht missbräuchlich verwendet werden.

Die New York Times hat diese Woche einen Artikel publiziert, der eine Lösung für dieses Problem skizziert:

YouTube stellt für Medienunternehmen eine Technologie namens Video ID bereit, mit denen Rechte verletzende Videos aufgespürt werden können. Sie können dann das Entfernen der Videos veranlassen, oder sie können es auch dabei belassen und die vom jeweiligen Video erzielten Werbeeinnahmen kassieren.

Überraschenderweise nehmen laut Google 90% der 300 Unternehmen, die Video ID verwenden, die letztere Möglichkeit war. Im Durchschnitt verdoppelt sich dabei das Volumen der von ihnen monetarisierbaren Views.

Diese Lösung ist nicht perfekt und nicht für alle geeignet. Aber für die, die sich damit arrangieren können, schlägt sie drei Fliegen mit einer Klappe:

  • Rechteinhaber verdienen an piratisierten Videos und Ermöglichen die virale Verbreitung jenseits der von ihnen angebotenen Kanäle. Die kann signifikant sein, weil User oft wesentlich besser miteinander vernetzt sind.
  • User können das posten, was sie gut finden, ohne gleich mit der rechtlichen Keule erschlagen zu werden.
  • Google vermeidet Klagen und verdient natürlich auch.

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