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10.02.11

"YouTube für Texte": Ein erster Blick auf Newsgrape

Wenige Wochen, nachdem das österreichisch-deutsche Startup Newsgrape sein Spendenziel bei Kickstarter erreicht hat, geben die Gründer den Startschuss für eine erste Beta-Version ihrer neuartigen Publikationsplattform für das geschriebene Wort.

 

Felix Häusler und Leo Fasbender - das österreichisch-deutsche Gründerduo hinter Newsgrape - haben ihr Versprechen gehalten und wenige Wochen nach dem Erreichen des Spendenziels bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine erste Beta-Version des "YouTube für Texte" scharf geschaltet.

Die zwei Studenten bezeichnen das aktuelle Stadium der Plattform als "Pre-Beta", was als wichtiger Hinweis für die Erwartungshaltung der ersten Besucher angesehen werden kann - abgeschlossen ist die Arbeit an Newsgrape nämlich noch lange nicht, und mit Bugs und anderen Ungereimtheiten ist zu rechnen.

Bei Newsgrape dreht sich alles um von Nutzern verfasste Texte, welche über einen Browser-Editor formatiert und veröffentlicht werden. Für jeden Beitrag stehen grundlegende Formatierungswerkzeuge zur Verfügung. Neben dem Titel und Teaser können Publizisten ein Titelbild wählen und ihr Werk mit Fotos und Videos anreichern.

Bevor ein Beitrag bei Newsgrape veröffentlicht werden kann, müssen Autoren ihn einer Kategorie, maximal drei Genres und einzelnen Sprachen zuordnen. Wer beispielsweise einen Text auf Deutsch verfasst, kann festlegen, dass er nur Anwendern serviert wird, die gemäß ihrer Profileinstellung des Deutschen mächtig sind. Zusätzlich lassen sich Tags und Angeben zur geografischen Relevanz definieren. Je mehr Meta-Angaben eingetragen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Artikel eine an ihm interessierte Leserschaft erreicht.

Anschließend kann der Text veröffentlicht werden und erscheint auf der persönlichen Newsgrape-Profilseite, in der Übersicht neuer Artikel, über die Suchefunktion sowie im Kontext der gewählten Kategorien, Genres und Tags - genau so, wie man es also von bei YouTube hochgeladenen Videos gewohnt ist. Artikel können kommentiert, positiv oder negativ bewertet sowie als Favorit gespeichert werden. Autoren, deren Beiträge einem gefallen, lassen sich abonnieren. So sieht ein Artikel bei Newsgrape aus .

Auf der Homepage listet Newsgrape eine Auswahl an am besten bewerteten, am meisten gelesenen, am meisten kommentierten und am häufigsten abonnierten Artikeln. Unter dem Menüpunkt "E-Go" sammelt Newsgrape sämtliche personalisierten Inhalte, die durch Abonnements und Favorisierungen zustande kommen. Dort treffen auch eventuell von anderen Community-Mitgliedern erhaltene Nachrichten ein. Eine Verknüpfung des Newsgrape-Kontos mit Facebook und Twitter ist möglich (der Twitter-Connect funktionierte in meinen Tests allerdings nicht), um Aktivitäten und neue Textkreationen weiterzuempfehlen.

Eine Besonderheit von Newsgrape sind so genannten Magazine: von Nutzern angelegte, themenspezifische Artikelsammlungen, unter deren Dach mehrere Autoren ihre Texte publizieren. Wie einzelne Autoren können auch Magazine abonniert werden. Autoren haben die Möglichkeit, sich für die Integration in existierende Magazine bei deren Gründern zu "bewerben" oder ein eigenes Magazin zu starten. Eine Profilseite für ein Magazin sieht zum Beispiel so aus . RSS-Feeds fehlen leider bisher.

Die Darstellung der bei Newsgrape publizierten Beiträge wird automatisch an die jeweilige Bildschirmgröße angepasst, wodurch sich Texte auch problemlos auf Tablets und Smartphones darstellen lassen.

Noch nicht implementiert ist das angekündigte Vermarktungssystem, welches es erfolgreichen Autoren auf Wunsch erlauben soll, durch eine von Newsgrape realisierte Vermarktung ihrer Inhalte bis zu 75 Prozent der dadurch erzielten Werbeeinnahmen zu verdienen.

[photos title="Newsgrape in Bildern"]

Mein erster Eindruck von Newsgrape entspricht in etwa dem, was ich mir von der Plattform erwartet habe. Und das ist in diesem Fall ein Kompliment. Die Grundfunktionalität ist vorhanden, die Algorithmen sind aktiv, die Entdeckungs-, Such- und Abofeatures funktionieren und erste Texte und einige sehr wenige Magazine können bereits angeschaut werden. Ein Benutzerkonto ist dafür nicht notwendig, dieses benötigt nur, wer das Benutzererlebnis personalisieren, kommentieren und favorisieren oder eigene Inhalte auf der Plattform distribuieren möchte.

Die Homepage für nicht angemeldete User wird derzeit nur auf Englisch angeboten. Nach dem Login lässt sich zwar im Profil die Sprache auf Deutsch umstellen, aber hier wird Newsgrape seinem Pre-Beta-Status treu und mischt munter Deutsch und Englisch.

Plattformen, Dienste und Systeme, um eigene Texte im Netz zu veröffentlichen, existieren im Überfluss. Der revolutionäre Charakter von Newsgrape erreicht daher in diesem Aspekt sich nicht die Dimensionen von YouTube zum Start seines Videoportals. Die Herausforderung für Autoren - egal ob Amateure oder Profis - liegt dagegen in der Erhöhung ihrer Reichweite und in der Schaffung einer loyalen Leserschaft. Leser hingegen streben danach, weniger Energie mit dem Aufspüren interessanter, relevanter und qualitativer Inhalte zu verbringen. Für beide Gruppen schafft Newsgrape eine Anlaufstelle, die das Potenzial hat, diese Bedürfnisse zu befriedigen.

Mittelfristig planen die Newsgrape-Gründer Felix Häusler und Leo Fasbender auch Partnerschaften mit etablierte Nachrichtenmedien, die mit eigenem Content bei dem Dienst vertreten sind - bedenkt man, dass die Attraktivität von Newsgrape für User von der Qualität und Vielfalt der Texte abhängig ist, eine sinnvolle Idee, für die sich hoffentlich Interessenten finden.

Bis hierhin haben Häusler und Fasbender alles richtig gemacht und ihren Kickstarter-Spendern gezeigt, dass sie es mit ihrem Vorhaben ernst meinen. Die Pflicht ist geschafft, jetzt kommt die Kür. Erst diese entscheidet darüber, ob aus Newsgrape tatsächlich eines Tages eine Publikationsplattform mit internationaler Bedeutung werden könnte. Das Fundament dafür steht jedenfalls.

Um Newsgrape auszuprobieren, benötigt ihr kein Konto bei der Site. Für alle, die bei Newsgrape selbst etwas veröffentlichen oder die Personalisierungs- und Abofunktionen nutzen wollen, haben wir zehn Einladungen. Die ersten zehn von euch, die einen entsprechenden Kommentar unter Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse im dafür vorgesehenen Feld hinterlassen, sind dabei!

Update: Die Einladungen sind weg.

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