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01.07.08

YiGG-Relaunch: Neunziger haben angerufen, wollen ihr Webdesign zurück

yigg-logoDie Social-News-Seite Yigg hat sich einem Relaunch unterzogen und bekommt für das Resultat viel Kritik ab. Zu Recht.

Yigg startete ursprünglich nicht nur als Klon des erfolgreichen us-amerikanischen Social-News-Dienstes Digg, sondern auch noch unter der Domain digg.de. Man musste diese dann aber aus den offensichtlichen, juristischen Gründen ablegen. Das nur als Anekdote am Rande.

Yigg war seinerzeit einer der ersten Dienste seiner Art in Deutschland, und hätte als First Mover den Markt nicht nur anführen sondern auch in den Mainstream führen können. Letzteres geschah allerdings nicht ansatzweise. Selbst eine für hiesige Verhältnisse vergleichbare Größe -also in der Größenordnung des heise-Newstickers- konnte man über all die Jahre nicht erreichen.

Yigg ist selbst zwar verhältnismäßig groß: laut deutsche-startups.de zählte IVW bei yigg letzten Monat 2,5 Millionen Unique Visits und 3,7 Millionen Page Impressions. Für Social-News-Verhältnisse bleibt yigg damit trotzdem nur ein Riese unter Zwergen.

Die Gründe,warum yigg in Deutschland nicht längst durch die Decke gegangen ist, lassen sich recht leicht ausfindig machen. Spam ist seit längerer Zeit ein massives Problem auf yigg. Ein eher suboptimales Communitymanagement tat sein Übriges. Und obendrauf ein Design, das nicht sehr einladend war.

Zumindest letzteres hätte sich nun ändern können. Denkste.

Der Relaunch

Optisch entzückt yigg jetzt mit einem gemütlichen orangefarbenen Rahmen:

YiGG

yigg-stimmenIch bin kein Designer. Aber wenn ich einzelne Elemente wie den Zähler der Stimmen sehe, dann frage ich mich, wer so etwas 2008 ernsthaft umsetzt. Das gesamte Design wirkt lieblos und billig.

Wenn eine Webseite ein neues Design erhält und damit auch der Seitenaufbau umgestellt wird, ist es normal, dass ein Teil der Nutzer auf die Barrikaden gehen. Man will eben nicht die eigenen Gewohnheiten ändern und sich an Neues gewöhnen müssen.

Was aber yigg aktuell auf der eigenen Startseite und in den Blogs (mehr Blogreaktionen) an massiver Kritik entgegen schwappt, dürfte deutlich machen, dass die Möglichkeit eines erfolgversprechenden Neuanfangs vermasselt wurde. Das geht weit über das übliche Bashing aufgrund von Veränderungen hinaus.

Denn abgesehen von den fragwürdigen grafischen Entscheidungen hat die bereits vor dem Relaunch unrühmliche Usability der Seite sich nicht zum Besseren geändert.

Beispiel:

Klicks auf die Headlines der News in der Übersicht führen ab sofort nicht wie gewohnt zur Quelle sondern erstmal zur Detailseite - da waren die PI-Zahlen wohl zu gering. Den direkten Link zur Quelle hingegen muss man erstmal suchen (Tipp: Er befindet sich in kleiner Schrift unterm Screenshot).

Da man diese Detailseite auch über den Link zu den Kommentaren erreicht, gibt es keinen anderen als den im Zitat genannten Grund, dies abzuändern. Übrigens: beim großen Vorbild digg gelangt man sowohl mit dem Klick auf den Screenshot als auch mit dem Klick auf den Titel bei der Quelle.

Es wird von Fehlern en masse berichtet:

Mein Avatar ist weg und es kommt nicht wieder. Meine Freunde habe ich 5min gesucht, Meine Gruppen bis jetzt nicht gefunden und der Gipfel: MEINE selbst gegründeten Gruppen sind weg!

Diese werden bei yigg auf Serverprobleme zurückgeführt.

Features, die man anderenorts vermisst , scheinen bald wieder reaktiviert zu werden. Von einem reibungslosen Relaunch ist man hier weit entfernt.

Ein besonders schwerwiegender Fehler: Die Yigg-Buttons, welche man in Blogs einbauen konnte, funktionieren nicht mehr und werden von den Bloggern entfernt. Das Wordpress-Plugin zum automatischen Einstellen der Beiträge scheint ebenfalls nicht mehr zu funktionieren. Hier verliert man wertvolle Verbündete.

Selbst gesehen habe ich es nicht, aber selbst eingeloggte Nutzer sollen Layer Ads zu sehen bekommen. Nun, das ist wenigstens konsequent.

Fazit

Von Innovation weit und breit keine Spur. Wie auch, man ist ja damit beschäftigt, sich selbst über Wasser zu halten.

Neuartige Dienste für Kommunikation über und Austausch von Links wie friendfeed oder Nachrichtenaggregatoren wie der Memetracker Rivva stellen eine zunehmend ernstzunehmende Konkurrenz für das alte, stark negativ vom Gruppendenken beeinträchtigte Voting-Prinzip von yigg& co. dar. Das muss man beobachten und reagieren.

Mit dem Relaunch zeigt yigg aber vor allem eins: Kreisklasse.

Spätestens wenn zusätzlich direkte Konkurrenten wie digg -wie angekündigt- in den deutschen Markt eintreten, wird es eng, sehr eng für den Dienst mit dem Hamster im Logo. Leider muss man sagen: zu recht.

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