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11.07.08

Yahoo Open Strategy: BOSS - Baue die eigene Suchmaschine ohne Limits

Mit BOSS öffnet Yahoo den eigenen Suchindex zum Erstellen von Suchdiensten aller Art. Revolutionär dabei ist, dass es keinerlei Einschränkungen gibt.

Wenn man das ganze Geplänkel rund um Yahoo (das Hin-und-Her mit Microsoft, die nicht ganz freiwillige Verlobung mit Google, die Frage , ob sie, kurzfristig betrachtet, im besten Interesse der Shareholder gehandelt haben, oder im Interesse der eigenen Eitelkeiten, usw.) einmal ausklammert, dann bleibt Yahoo mit der angedachten neuen Ausrichtung ein ernstzunehmender Kanditat, die Zukunft des Web nachhaltig zu transformieren. Man sollte Yahoo nicht zu schnell abschreiben.

 

Zur Erinnerung: im April hat Yahoo die Strategie der neuen Offenheit angekündigt, vieles bei Yahoo wird geöffnet, alles bei Yahoo wird sozial, wir haben berichtet . Im Mai haben sie dann mit SearchMonkey den ersten Schritt gemacht und damit Entwicklern die Möglichkeit gegeben, die Suchergebnisse zu verändern und gegebenfalls mit zusätzlichen (semantischen) Informationen anzureichern.

Diese Woche wurde nun das zweite Stück im Puzzle lanciert: Yahoo! Search BOSS. BOSS steht dabei für ‘Build your Own Search Service’, es ist eine offene Plattform, auf der Drittentwickler auf Basis der Suche von Yahoo Suchdienste entwickeln können.

Die grundsätzliche Idee ist nicht neu, Yahoo hat ähnliches in Form von Search Builder schon angeboten, Google hat Custom Search Engines, wo man auf den gesamten Suchindex von Google zugreifen kann und das Ranking umgewichten kann, usw.

Google aber ist dafür bekannt, dass es weitestgehend offen ist. Über unterschiedlichste APIs bekommt man programmatischen Zugang auf fast alles. Der Teufel steckt jedoch im Kleingedruckten, immer gibt es Begrenzungen und Zugriffslimits. Diese sind zwar so bemessen, dass kleinere und auch mittelgrosse Mashups locker damit leben können, wirklich populär werden dürfen sie aber nicht.

 

Neu an BOSS nun ist, dass Yahoo dabei sämtliche Einschränkungen fallen lässt. Entwickler bekommen unlimitierten Zugriff auf den gesamten Suchindex von Yahoo und können:

  • die Suchergebnisse auf Basis von eigenen Daten umbewerten
  • eigene Ressourcen in die Suchergebnisse hineinmischen
  • die Präsentation nach belieben gestalten und branden
  • ihren Suchdienst monetarisieren

Warum sie das machen, scheint klar: sie haben wenig zu verlieren. Der Marktanteil schrumpft, Google ist bezüglich der Suchergebnisse einfach besser. Doch Google muss alles für alle richtig machen und verlässt sich dabei auf die eigene Heuristik. Aber es gibt eine Unmenge an Daten, die für das eine oder andere Vertikal durchaus wertvolle Zusatzinformationen liefern könnten (man denke nur an die Möglichkeiten die Yahoo mit del.icio.us hätte), die Google aber ignoriert (weil es den Menschen misstraut, weil es keinen Zugriff darauf hat, etc.) oder ignorieren muss.

Wenn es Yahoo gelingt, den Besitzern dieser Daten einen ausreichend grossen Wertvorschlag zu machen – und das scheint mit BOSS gegeben, das Problem von Yahoo ist ja nicht, besonders schlechte Ergebnisse zu liefern, sondern nur nicht die besten – dann könnte das der Anlass für einige spannende Innovationen im Komplex Suche sein.

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