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18.12.10

Yahoo dementiert Delicious-Schließung: "Die Presse ist schuld"

Rund 24 Stunden gab Yahoo keine konkrete Aussage zu Meldungen über die angebliche Schließung von Delicious. Nun heißt es, der Dienst solle veräußert werden. Für die Verwirrung verantwortlich ist nach Ansicht von Yahoo die Presse.

 

Was würdet ihr machen, wenn ihr als Verantwortliche bei einem Internetkonzern plant, einen eurer Dienste zu verkaufen oder als Open Source zu veröffentlichen, weil er nicht mehr zu eurer Unternehmensstrategie passt?

Würdet ihr das Verkaufsvorhaben von vorn herein offen kommunizieren (intern und extern), um sicherzustellen, dass so viele Nutzer wie möglich dem Service treu bleiben (was sich positiv auf den Preis und euren Ruf auswirkt), oder würdet ihr euch für eine interne Formulierung des Vorhabens entscheiden, die als Schließungsvorhaben gedeutet werden könnte, und - nachdem die Kunde dazu an die Öffentlichkeit gelangt ist - fast 24 Stunden damit warten, offiziell bekannt zu geben, dass ihr nicht den Stecker zieht sondern den Service verkaufen wollt?

Ich bin mir sicher, die meisten von euch würden sich für die klare, offene Kommunikation entscheiden. Yahoo ging im Fall Delicious jedoch den anderen Weg: Es ließ erst zu, dass ein interner Slide bei Twitter publik wurde, und widersprach dann fast einen ganzen Tag lang nicht Meldungen, dass auf dem Slide die Schließung von Delicious (und einigen anderen Yahoo-Angeboten) beschrieben wurde.

Nein, stattdessen reagierte das Unternehmen auf die sich verselbstständigende Nachricht einer Delicious-Schließung mit einer Antwort, die dem (fiktiven) Buch "PR für Dummies: So produzieren Sie leere Worthülsen" entstammen könnte (siehe hier am Artikelende).

Erst nach mutmaßlich langwierigen internen Krisenmeetings und Freigabeprozessen konnte dann rund 24 Stunden später endlich eine Mitteilung im Delicious-Blog veröffentlicht werden , die klarstellt, dass Delicious nicht dicht gemacht wird sondern veräußert werden soll. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits Hundertausende ihre Delicious-Bookmarks exportiert und sich bei anderen Diensten umgeschaut.

Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, lässt es sich das Delicious- Yahoo-Team im Blogbeitrag nicht nehmen, die Presse für die Falschmeldungen verantwortlich zu machen ("Speaking for our team, we were very disappointed by the way that this appeared in the press.").

Unsympathischer kann sich ein (ohnehin lädiertes Unternehmen) kaum verhalten.

Eine alternative Erklärung für das Geschehene wäre, dass in der Tat eine Schließung von Delicious angedacht war und dass Yahoo diesen Plan erst nach den gestrigen Protesten ad acta gelegt hat. Ein besseres Licht auf Yahoo wirft das aber auch nicht.

Einige meiner persönlichen Schlüsse aus dem Ereignis:

  • Delicious wird irgendwann verkauft oder als Open Source veröffentlicht - ein Backup der Bookmarks empfiehlt sich dennoch
  • Die Erkenntnis, dass Kommunikation schnell und ehrlich sein sollte, ist noch nicht überall angekommen
  • Von Yahoo sollte man als Anwender wirklich nichts mehr erwarten

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