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22.06.08Leser-Kommentare

Lifestreaming: FreundeNews, das deutsche FriendFeed?

Am Montag startet ein neuer Lifestreaming-Dienst aus Deutschland. Mit einer einfachen Bedienung und dem Fokus auf Web-2.0-Diensten aus dem deutschsprachigen Raum will FreundeNews das bisher hauptsächlich bei Early Adopters und Bloggern populäre "Lifestreaming" in den Internet-Mainstream bringen.

Als Vincent Nicolai Mitte April einen deutschen Klon des bei Early Adopters populären Lifestreaming-Dienstes FriendFeed ankündigte und durchblicken ließ, neben dem fast identischen Namen "FreundeFeed" auch ein an das US-Vorbild angelehntes Logo zu verwenden, war die Empörung in Teilen der Blogosphäre groß. Klar, dass er es genau darauf anlegte.

Und Nicolai bekam, was er wollte: Selbst TechCrunch berichtete über sein Vorhaben - wenn auch nicht gerade mit netten Worten. Egal ob es wirklich geplant war, eine Kopie von FreundeFeed zu entwickeln oder ob es lediglich darum ging, Aufmerksamkeit zu generieren - morgen wird der Lifestreaming-Dienst aus Deutschland offiziell online gehen und Kritiker können aufatmen: Das Projekt, das statt FreundeFeed nun FreundeNews heißt, kommt sehr viel eigenständiger daher, als man es erwartet hätte.

Anders als FriendFeed oder die zahlreichen anderen Lifestreaming-Angebote soll FreundeNews nicht auf Early Adopters ausgerichtet werden, sondern möglichst schnell den Internet-Mainstream erreichen. Das erfordert eine besonders einfache, leicht verständliche und auf die wesentlichen Funktionen beschränkte Oberfläche. Unter freundenews.de/public könnt ihr euch bereits ein Bild von der noch nicht fehlerfreien Testversion des Dienstes machen. Wenn man eine optische Parallele ziehen möchte, dann nicht mit FriendFeed sondern eher mit Yahoos Social-Bookmarking-Portal del.icio.us. Eine Ähnlichkeit mit dessen Farben, Aufbau und Struktur ist nicht von der Hand zu weisen.

Überrascht hat mich die äußerst intuitive Bedienung, bei der sich selbst Nutzer zurecht finden werden, für die "Lifestreaming" bisher noch gar kein Begriff war. Nach der Registrierung wird man direkt zur Dienste-Seite geführt, auf der man sein Konto mit den Social-Web-Anbietern verknüpft, über deren Aktivitäten man seine Kontakte auf dem Laufenden halten möchte.

Die Auswahl an Anbietern ist noch recht übersichtlich, enthält mit Mister Wong, Webnews, YiGG, Qype, andUnite, MyVideo, joinR, Jimdo, Six Groups, myblog.de, Photocase, und gutefrage.net aber bereits diverse Web-2.0-Services aus Deutschland, die bei anderen Lifestreaming-Angeboten fehlen (noch nicht alle sind in der oben verlinkten Testversion integriert). Den Fokus auf Diensten aus dem deutschsprachigen Raum sieht das FreundeNews-Team als ein zweites Alleinstellungsmerkmal.

FreundeNews - Dienste

Nachdem man die gewünschten Dienste in seinem Konto aktiviert hat, erscheinen die dort durchgeführten Aktivitäten in chronologischer Reihenfolge unter "Meine News". Wer andere Nutzer der Seite als Kontakte hinzufügt, kann deren Lifestream mit einem Klick auf die Rubrik "Freunde News" verfolgen. Jede angezeigte Aktion von Usern kann kommentiert werden. Wer gerade keine Aktivitäten auf anderen Seiten hat, aber seinem Mitteilungsbedürfnis freien Lauf lassen möchte, kann seinen Kontakten und der Welt erzählen, was ihn gerade bewegt. Zudem lassen sich RSS-Feeds (z.B. vom eigenen Blog) in den persönlichen Lifestream integrieren. Mit dem netzwertig.com-Feed funktionierte dies in der aktuellen Testversion leider nicht.

FreundeNews

Nach dem diskutablen "Start" des Projektes (siehe oben) ist es Vincent Nicolai und seinen beiden Kollegen Kai Richard König und Ole Riesenberg gelungen, einen Service auf die Beine zu stellen, der tatsächlich Potenzial hat, Lifestreaming einer breiten Masse schmackhaft zu machen. Während fortgeschrittene User mit Affinität für Funktionsvielfalt, Exportmöglichkeiten und Entwickler-Schnittstellen am besten einen großen Bogen um FreundeNews machen, können neugierige Internetnutzer, die bisher nicht mit Lifestreaming in Berührung kamen, ruhig einen Blick auf den Service riskieren. Die übersichtliche und intuitive Bedienung macht es leicht, sich schnell zurecht zu finden und lässt beim Anwender zu keiner Zeit die Frage aufkommen, was eigentlich der nächste Schritt sei.

Ich bin sehr gespannt, wie sich FreundeNews entwickeln wird. Die Erfolgsformel ist simpel: Je mehr deutsche Dienste unterstützt werden, desto größer ist der Anreiz für User, FreundeNews aktiv zu nutzen. Von Vincent Nicolai erfuhr ich, dass in Kürze auch Facebook Updates (leider nur Status & Bilder) integriert werden können. Auch laufen Gespräche mit einigen großen deutschen Social Networks.

Sollte es den FreundeNews-Machern gelingen, über exklusive Kooperationen Aktivitäten der sonst nach außen gut abgeschlossenen sozialen Netzwerke in die Lifestreams der Nutzer einfließen zu lassen, würde ich dem Projekt spätestens dann aus Sicht der Nutzerakzeptanz sehr gute Zukunftsaussichten attestieren. Das sagt zwar noch nichts über das wirtschaftliche Potenzial aus, aber bevor man mit Lifestreaming Geld verdienen kann (wie auch immer dies ablaufen soll), muss man die Anwender erst dafür begeistern. Das Fundament von FreundeNews dafür ist solide.

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Kommentare

  • Marcel Weiss

    22.06.08 (21:19:03)

    Während fortgeschrittene User mit Affinität für Funktionsvielfalt, Exportmöglichkeiten und Entwickler-Schnittstellen am besten einen großen Bogen um FreundeNews machen Ich habe das dumpfe Gefühl, dass an vorderster Stelle ich damit gemeint bin. :D friendfeed ist bei weitem nicht an den 'fortgeschrittenen User' gerichtet. Es ist ein überaus leicht und intuitiv zu bedienender Dienst. Man kann das als deutsche Copycat kopieren. Aber wenn man Grundprinzipien dabei nicht bedenkt, wird es trotzdem nichts mit einer vergleichbar guten Userexperience. (Ich sehe weder etwas 'like'- noch 'hide'-ähnliches und Kommentare sieht man erst nach einem Klick).

  • caschy

    22.06.08 (21:47:12)

    Im Vergleich zu den USA sind wir Deutschen (auch aufgrund geringerer Einwohnerzahl) ein kleiner Schiss (entschuldigt die Gossensprache). Denn sein wir mal ehrlich: die Nutzerzahlen bei den ganzen dt. Diensten sind sehr gering (Ausnahme Wong). Solche Dienste werden doch zumeist eh von Bloggern selber genutzt. Mit meinem WP-Plugin wird getrackt, wie oft jmd. die Social Bookmarking Funktion & Co nutzt - und die ist bei einem relativ gerne gelesenen Blog (rund 1000-1200 Feedlesern) so verschwindend gering, dass man den ganzen Krempel fast ganz entfernen kann.

  • Bernd

    22.06.08 (22:03:10)

    Mit einer einfachen Bedienung und dem Fokus auf Web-2.0-Diensten aus dem deutschsprachigen Raum Ja aber diese Dienste nutzt kaum ein deutscher Otto-Normal-Surfer! Alles schön und gut aber trotzdem nur was für Freaks. Schade.

  • Thomas Frütel

    22.06.08 (22:14:59)

    Statt auf Early-Adopter, die schwer vom wesentlich mächtigeren FriendFeed wegzubringen sein dürften, auf den Normaluser abzuzielen, ist sicher nicht die schlechteste Strategie. Allerdings sehe ich wie Bernd das Problem, dass diese User überhaupt kein Bedürfnis für Lifestreaming haben, da sie ihr Leben eben nicht Online führen.

  • Martin Weigert

    22.06.08 (23:35:37)

    Wo kein Bedürfnis ist, muss man eins kreieren. Vermutlich ist DAS die große Herausforderung für einen Lifestreaming-Dienst, der mehr als die paar Tausend Web-2.0-Jünger ansprechen möchte.

  • Mirko Riedel

    23.06.08 (14:11:40)

    Ich glaube auch, dass für so einen Dienst Deutschland zu klein ist. Amerikaner sind auch deshalb erfolgreich mit Ihren Startups, weil sie jedesmal die 10fache Aufmerksamkeit und potenzielle Reichweite erzeugen. Freunde...blub wirds hier schwer haben.

  • Christian

    24.06.08 (18:02:04)

    Na ich bin mal gespannt wie es sich entwickelt. Vielleicht beheben die Jungs ja noch die Bugs, wer weiß.

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