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04.02.11

wunderlist: Der steile Aufstieg eines Taskmanagers

Innerhalb von drei Monaten hat der Taskmanager wunderlist des Berliner Startups '6 Wunderkinder' fast 300.000 Nutzer gewinnen können, ein Großteil davon in den USA. Eine beachtliche Entwicklung.

 

Als uns im November eine Mail des Berliner Startups 6 Wunderkinder in Bezug auf dessen zu diesem Zeitpunkt gerade gestarteten Taskmanager wunderlist erreichte, konnte ich ein innerliches Kopfschütteln nicht vermeiden. Nahezu im Wochentakt (bewusst überspitzt) schienen wir im vergangenen Jahr Hinweise zu Tools zu erhalten, die sich auf die ein oder andere Weise dem Thema Aufgabenverwaltung und To-Do-Listen widmeten.

Zwar bin ich selbst ein Freund entsprechender Anwendungen (mein aktueller Favorit ist Springpad, hier vorgestellt), aber wieso das Netz damit von Startups und Internetagenturen regelrecht überschüttet wird, wollte mir (und will mir noch immer) nicht in den Kopf.

Da wunderlist, das solide Funktionalität bietet und sich durch ein besonders gefälliges Design auszeichnet, zum Launch ausschließlich als Software für Mac und Windows angeboten wurde, war es für uns kaum relevant, weshalb wir bisher nicht über den Dienst berichtet haben. Kollege Thomas Mauch bei unserem Schwesterblog rund um Produktivität imgriff.com stellte das Tool und seine Kernfeatures im November kurz vor und attestierte ihm klares Potenzial.

In einem aktuellen Blogbeitrag geben die Berliner "Wunderkinder" (deren Team-Seite mittlerweile neun Mitglieder listet) nun einen Statusbericht und überraschen mit beeindruckenden Zahlen: Etwa 800.000 Downloads und fast 300.000 User kann wunderlist bisher vermelden. Für einen neuen Anbieter im überfüllten Markt für Aufgabenmanager ist dies ein äußerst beachtliches Resultat.

Am 19. Dezember veröffentlichte das Startup eine iPhone-Applikation. Zu diesem Zeitpunkt lag die Userzahl bei fast 40.000, was nach so kurzer Zeit auch nicht schlecht ist. Dann jedoch ging es steil bergauf: In weniger als zwei Monaten hieß wunderlist rund 250.000 neue Nutzer willkommen, die Zahl der Downloads wuchs von 100.000 auf 800.000 an. Etwa 10.000 User entscheiden sich momentan pro Tag für wunderlist.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass ein derartiges Wachstum für ein Tool zur Erstellung von To-Do-Listen angesichts der heftigen Konkurrenz möglich wäre - erst recht nicht bei einer App, die nicht dem gut vernetzten Startup-Ökosystem des Silicon Valley entstammt. Und trotzdem gelang es wunderlist, einen Großteil seiner User auf der anderen Seite des Atlantiks zu gewinnen.

Neben einer aktiven Presseansprache sieht wunderlist-Mitgründer Robert Kock vor allem das Branding und den Fokus auf Design und Einfachheit als Grund für den gelungenen Start - sowohl in puncto Produkt als auch bei der Produktpräsentation. "Solange die Großeltern wunderlist nicht verstehen, solange müssen wir am Aspekt der Simplizität arbeiten", so Kock.

Ebenfalls hilfreich waren Top-Platzierungen der iPhone-App im App Store - in zehn Ländern erreichte wunderlist den ersten Platz in der Kategorie "Produktivität", und sowohl in Deutschland als auch den USA wurde das Tool als "App der Woche" vorgestellt.

Mit einem Desktop-Client für Mac und Windows sowie einer iPhone-App ist es dem gratis angebotenen Dienst gelungen, in drei Monaten von null auf knapp 300.000 Nutzer zu wachsen. Für das kommende Quartal könnten die Aussichten daher kaum besser sein, denn in etwa einer Woche soll die iPhone-App Gesellschaft von einer iPad-Applikation erhalten. Für die nächsten zwei bis vier Wochen wurde außerdem eine Weboberfläche für den Browser sowie eine Android-App angekündigt. Offenbar fanden die 500.000 Euro Risikokapital, die der High-Tech Gründerfonds im Dezember in 6 Wunderkinder investierte, schnell ihren Weg in Entwicklerressourcen.

Interessant ist an der Geschichte um das Berliner Startup auch die Tatsache, dass wunderlist nur die Vorstufe für eine umfangreiche Produktivitätsplattform mit dem Namen wunderkit ist. Im Laufe das Jahres soll wunderkit fertig sein. Wie es aussieht, könnte diese in Startupkreisen eher seltene "Teaser-Strategie" (man baut ein Tool, welches Aufmerksamkeit generiert und den Weg für eine viel größere Anwendung ebnet) am Ende tatsächlich aufgehen.

Andere Dienste und Tools mit Taskmanager-Elementen sind unter anderem Producteev, Licorize, Things, Doit.im, Remember The Milk, Springpad, The Deadline , Teux Teux oder Idonext.

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