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21.07.11 12:05, von Martin Weigert

wooga, SoundCloud & ResearchGATE: Die deutschen Startup-Aushängeschilder

Die deutsche Startup-Landschaft hat zwar keine Webgiganten hervorgebracht, aber dennoch zahlreiche auch international bedeutsame Internetfirmen. wooga, SoundCloud und ResearchGate sind die derzeitigen Aushängeschilder.


 

Dass bei einem flüchtigen Blick auf die deutsche Startup-Welt der Eindruck entstehen kann, wenige der hiesigen Jungunternehmen im Internetbereich hätten es auf internationaler Bühne zu etwas gebracht, ist allgemein bekannt.

Beschäftigt man sich jedoch etwas genauer mit der Thematik, erkennt man, dass es doch eine ganze Reihe aufstrebender Webdienste aus Deutschland mit europäischer oder gar globaler Relevanz gibt (siehe hier). Was fehlt, sind lediglich Giganten, die man im einem Atemzug mit den führenden US-Onlineriesen nennen würde.In der letzten Zeit führte ich mehrmals Gespräche, in denen die Frage aufkam, welche Startups aus deutschen Landen international gesehen die größten, prominentesten Hoffnungsträger sind. Welche relativ kürzlich gegründeten Dienste würde man im Hinblick auf ihren bisherigen Erfolg sowie ihre globale Rolle als deutsche Aushängeschilder anführen?

Da aussagekräftige wirtschaftliche Kennzahlen aufgrund des frühen Stadiums im Unternehmens-Lebenszyklus für die Antwort nicht zur Verfügung stehen, müssen zur Bewertung unterschiedliche, teilweise subjektive Behelfskriterien herangezogen werden. Dazu zählen Aspekte wie die Anzahl der Nutzer sowie das Wachstumstempo, der Bekanntheitsgrad und die Marktdurchdringung bei der Kernzielgruppe, das strukturelle sowie finanzielle Entwicklungspotenzial der jeweiligen Branche, die Summe an investiertem Kapital, das Renommee sowie die Erfahrung der Gründer und Geldgeber, die öffentliche Aufmerksamkeit durch internationale Medien, die Geschäftsentwicklung im Vergleich zu eventuellen Konkurrenten sowie die Aussichten auf einen Exit.

Unter Betrachtung sämtlicher dieser Faktoren komme ich zu folgender Topp-3-Liste der Startup-Superstars aus Deutschland: wooga, SoundCloud, ResearchGATE.

1. wooga

Das Anfang 2009 in Berlin gegründete Social-Game-Unternehmen wooga ist ein Phänomen: Innerhalb von etwas mehr als zwei Jahren hat sich wooga mit fünf Facebook-Spielen von null auf den zweiten Platz der weltweiten Anbieter von Spielen für soziale Netzwerke vorgearbeitet (sofern man Electronic Arts und PopCap Games noch als zwei separate Anbieter zählt). Nur Platzhirsch Zynga erreicht mehr aktive User pro Monat.

wooga-CEO Jens Begemann und seinen Mitgründern Philipp Moeser und Patrick Paulisch haben offensichtlich eine magische Formel für den Erfolg mit Social Games gefunden. Sonst wäre es ihnen nicht gelungen, in einem dicht gedrängten Markt als Underdog und ohne Verwurzelung im Silicon Valley derartig durch die Decke zu schießen.

Angetrieben von über 20 Millionen Euro Risikokapital von teils namhaften US-Investoren, einer wachsenden Beachtung durch die führenden US-Tech-Medien sowie der nicht unrealistischen Aussicht auf eine ähnlich positive wirtschaftliche Entwicklung wie Zynga scheint wooga momentan alle Voraussetzungen zu erfüllen, um eines Tages wie von CEO Begemann anvisiert zu einem der Top-Drei-Spieleanbieter weltweit zu werden - Spiele allgemein, nicht nur Social Games!

Einzig die vollständige Abhängigkeit von Facebook trübt das Bild. Die gestrige Ankündigung von wooga, Spiele für Smartphones anbieten zu wollen, klingt zumindest, als ob die Hauptstädter bereits an dieser Problematik arbeiten. Etwas weniger als 100 Angestellte stehen momentan auf woogas Gehaltsliste.

2. SoundCloud

SoundCloud beobachten wir schon seit dem Beta-Launch Anfang 2008. Ein Jahr zuvor begaben sich die zwei Schweden Alexander Ljung und Eric Wahlforss nach Berlin, um eine Plattform für Musiker und Musikinteressierte mit internationalem Fokus zu starten (siehe unser Interview mit Alexander Ljung).

Mittlerweile ist die hippe und technisch stets auf der Höhe der Zeit befindliche Plattform nicht nur DJs und Musikern rund um den Globus ein Begriff, sondern positioniert sich seit gut einem halben Jahr auch als Onlinedienst zur Veröffentlichung beliebiger Tonaufnahmen - eine Art YouTube für Audio also.

Was Angaben zur Geschäftsentwicklung betrifft, gibt sich SoundCloud selbst für ein Social-Web-Startup ungewöhnlich zugeknöpft. Nicht einmal den prozentualen Anteil zahlender Premium-Nutzer verraten die Wahlberliner. Ums Geld Sorgen machen müssen sie sich jedoch vorerst nicht:

Anfang des Jahres regnete es für Soundcloud zehn Millionen Dollar von Index Ventures und Union Square Ventures, zwei der bekanntesten US-Venture-Capital-Firmen und Investoren bei vielen der populärsten amerikanischen Webservices. Auch Hollywood-Star und Promi-Geek Ashton Kutcher hat sich an der mittlerweile über fünf Millionen Mitglieder zählenden Audioplattform beteiligt.

SoundClouds größte Schwäche ist die Frage nach der Tauglichkeit des gewählten Freemium-Geschäftsmodells. Mit etwa 50 Angestellten erscheint die Gefahr einer zu hohen Cash-Burn-Rate zum aktuellen Zeitpunkt jedoch eher gering. Und schon allein wegen der enormen Unterstützung durch allerlei A-Multiplikatoren und -Musiker gehört SoundCloud für mich derzeit zu einem der drei deutschen Startup-Superstars.

3. ResearchGATE

Die Bestimmung des Startups, das diese Topp-Drei-Liste komplettiert, ist schwieriger. Ich habe mich für ResearchGATE entschieden. Bei dem von drei deutschen Forschern in Boston entwickelten und kürzlich nach Berlin übergesiedelten Service handelt es sich um das weltweit führende soziale Netzwerk für Wissenschaftler und Forscher.

Vor zwei Monaten konnten die ResearchGATE-Macher Ijad Madisch, Sören Hofmayer und Horst Fickenscher das Erreichen der Marke von einer Million Mitgliedern verkünden. Für die gewählte Nische ist das ein beachtlicher Meilenstein.

Für eine rosige Zukunft von ResearchGATE spricht neben der Verankerung bei der Zielgruppe auch die jüngste Kapitalspritze durch die zwei Silicon-Valley-VCs Benchmark Capital - das sich auch schon bei eBay und Twitter engagiert hat - sowie Accel Partners, einem der ersten Facebook-Investoren.

Als Erlösquellen fungieren unter anderem kostenpflichtige Stelleninserate sowie Präsenzen von wissenschaftlichen Institutionen, Events oder akademischen Einrichtungen innerhalb des Netzwerks. Update: ResearchGATE hat uns darüber informiert, dass sowohl Stelleninserate als auch institutionelle Profile kostenfrei sind. Die derzeit einzige Erlösquelle stellt eine Whitelabel-Lösung dar, die ausgewählten Forschungseinrichtungen als internes Kommunikationstool dient. /Update Ende

Wie viel Umsatz bisher auf diese Weise generiert wurde, ist nicht bekannt. Sieht man ResearchGATE, das rund 60 Mitarbeiter beschäftigt, aber als eine Mischung aus Facebook und LinkedIn für Wissenschaftler und Forscher, erscheint es nicht abwegig, dass sich attraktive Monetarisierungsoptionen eröffnen.

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Kommentare: wooga, SoundCloud & ResearchGATE: Die deutschen Startup-Aushängeschilder

Mit soundcloud hat es dann zumindest eins von diesen Startups in meinen Alltag geschafft. Vielleicht nicht täglich, aber alle paar Tage nutze ich es allemal.

Diese Nachricht wurde von Robert Wild am 21.07.11 (12:12:39) kommentiert.

Das wirft doch mal wirklich einen Spot auf deutsche Startups. Gut! Mir scheint es, als wird unter anderem mit internationalem Namen, gern ein wenig kaschiert, dass man ausgerechnet aus diesen Breitengraden kommt. Zu schade, ermutigt es doch auch andere...

Diese Nachricht wurde von Nic Haase am 21.07.11 (14:00:56) kommentiert.

soundcloud ist das bessere myspace. bzw. das was myspace sein wollte aber nie schaffte... oder wo purevolume hinwollte... oder was restorm auch nicht so erfolgreich schafft (da zu umfassend).

Diese Nachricht wurde von _s_k_ am 21.07.11 (14:57:14) kommentiert.

Schon sehr interessante Start ups. Bin mal gespannt wer von denen in 3 Jahren noch exestiert und es schafft. Ich wünschen allen toi toi toi.

Diese Nachricht wurde von Martina am 21.07.11 (21:51:30) kommentiert.

Ich finde wooga interessant und auch das Wachstum ist enorm. ABER 1. handelt es sich um spiele und da kann man relativ schnell viele User erreichen, da es sowieso ein virales Thema ist und 2. Wachstum alleine reicht nicht, wenn das kein Umsatz bringt. Und das ist fü mich der Punkt, wo ich mich frage, wie die ihre Millilonen Investitionen alle amortisieren wollen? Ich kenne keinen der Geld dafür ausgibt. Vielleicht wird Zynga die kaufen (darauf sind die sicher aus), wenn nicht wird es so ausgehen wie bei studivz. Nur Nutzer alleine bringen noch lange keinen Gewinn. Aber vielleicht klärt mich einer mal auf?

Diese Nachricht wurde von Marcus am 22.07.11 (12:13:45) kommentiert.

Zynga hat 2010 597,5 Millionen Dollar Umsatz und 27,9 Millionen Dollar Gewinn gemacht (siehe). Mit virtuellen Gütern lassen sich also durchaus gute Geschäfte machen.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 22.07.11 (14:20:54) kommentiert.
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