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07.01.09

Windows Live: Wann räumt Microsoft auf?

Nicht nur Google bietet neben seiner Suche eine ganze Reihe nützlicher Onlinedienste. Auch Microsoft tut dies, primär unter seiner Marke Windows Live. Die Ansätze sind nicht schlecht, aber als Nutzer fühlt man sich schnell verloren.

Wenn man mehr als eine halbe Stunde braucht, um die Struktur und Zusammenhänge der Webservices eines großen Onlineanbieters zu verstehen, was verrät das dann über dessen zukünftige Erfolgschancen? Wie wahrscheinlich ist es, dass es ihm gelingt, einem deutlich überlegeneren Konkurrenten Paroli zu bieten? Ich spreche (natürlich) von Microsoft. Ich hatte mir schon länger vorgenommen, mich intensiver mit den Kommunikations- und Produktivitätswerkzeugen des IT- und Software-Riesens zu beschäftigen, die vor einiger Zeit unter der Marke Windows Live gebündelt wurden.

Ähnlich wie Google bietet Microsoft mit Windows Live eine ganze Reihe kostenloser Services rund um Kommunikation, Social Networking und Produktivität. Während Google diese durch vorbildliche Pressearbeit und eine klare und differenzierte Struktur seiner Angebote erfolgreich bei den Internetnutzern bekannt gemacht hat, kann man dies vom Wettbewerber aus Redmond leider nicht sagen.

Microsofts bekannter Webmail-Service Windows Live Hotmail verzeichnet global mehrere Hundertmillionen Benutzer, der Windows Live Messenger ist in vielen Teilen der Welt der führende Instant Messenger und das MSN-Portal in zahlreichen Ländern eine der meistbesuchten Sites überhaupt - besser könnte die Ausgangslage für Microsofts Onlineambitionen also nicht sein.

Doch obwohl sich auch das Feature-Portfolio durchaus sehen lassen kann, gelingt es der Web-Sparte des IT-Giganten, durch fehlende/falsche Marketing-/ PR-Aktivitäten, eine schlechte Struktur, unklare Navigationen und sich teilweise überschneidende Produkte, seine gute Basis gehörig zu torpedieren.

Symptomatisch für das derzeitige Windows Live-Problem ist die Situation der drei Services aus dem Bereich Dateisynchronisation/Hosting: Mit Live Sync, ehemals FolderShare, lassen sich Dateien zwischen Windows- und Mac-Rechnern synchronisieren. SkyDrive bietet 25 Gigabyte webbasierten Speicherplatz zum Ablegen von Dateien in der Cloud. Live Mesh als Dritter im Bunde kombiniert quasi beide Funktionen und synchronisiert in Kürze auch Mobiltelefone und andere unterstützte Geräte.

Drei ähnliche Angebote, sich überschneidende Funktionalität und ungünstigerweise nicht gerade umfangreich dokumentiert. Während SkyDrive über das Windows Live Portal erreichbar ist, sucht man zentrale Links zu Live Sync und Live Mesh dort vergebens.

Die Verwirrung nimmt nicht ab sondern zu, je länger man seine Entdeckungsreise durch das Windows Live-Universum fortsetzt. Spaces fungiert als eine Art Social Network, doch die Übergänge zu Hotmail, Windows Live Profil oder Windows Live Menschen (universale Kontaktverwaltung) sind undeutlich, zumal jede Seite gleich auszusehen scheint. Manch ein Service hat direkte Anbindung an den Windows Live Messenger und die dortigen Kontakte, andere nicht.

Wusstet ihr, dass Microsoft mit dem Windows Live Kalender eine ansehnliche Alternative zu Google Kalender in petto hat? Oder dass mit Windows Live Events ein Veranstaltungsplaner existiert? Auch gibt es eine Reihe kostenloser Download-Programme, u.a. eine Fotosoftware ähnlich Googles Picasa und ein Desktop-Tool zum bequemen Veröffentlichen von Blogbeiträgen bei verschiedenen Anbietern.

Nicht zu vergessen Office Live Workspace, dass unter eigener Flagge läuft, und das mir bis heute völlig unbekannte Windows Live OneCare - ein kostenpflichtiges Sicherheitspaket für Computer, welches als Zusatzangebot für 50 Euro jährlich 50 Gigabyte Onlinespeicher zur Sicherung von Fotos bereitstellt. Wollte Microsoft nicht eigentlich, dass man dafür Live Mesh oder SkyDrive verwendet?

Ich könnte noch ein bisschen so weitermachen, belasse es aber dabei. Microsoft hat noch einiges an Arbeit vor sich, will es im Laufe des gerade begonnenen Jahres wirklich zu einem ernstzunehmenden All-in-One-Anbieter im Web werden und in den angesagten Anwendungsbereichen Social Networking, Sharing und Hosting in der Cloud sowie Online-Produktivität Erfolg haben. Wobei die Redmonder aufgrund der immer größeren Bedeutung von Software as a Service (SaaS) gar keine andere Wahl haben, als dies anzugehen.

Verwirrend: unterschiedliche Navigationsmenüs

Navigation und Struktur der Sites müssen verbessert, sämtliche verfügbaren Dienste unter einem einzigen Dach vereint und an einigen Stellen unnötiger Ballast (= sich überschneidende Produkte) über Bord geworfen werden. Auch bei Google bedarf es einiger Klicks, bis man zur Übersicht sämtlicher Dienste gelangt. Dort sind dann aber auch wirklich alle aufgelistet, inklusive Logos und prägnanter Erklärungen.

In der Windows Live-Übersicht aber fehlen eine ganze Reihe von Services, die Erläuterungen sind unkonkret und als Nutzer bekommt man das ungute Gefühl, dass sich der erhoffte Durchblick in Microsofts Online-Dschungel nicht so schnell einstellen wird. Was Windows Live hinterlässt, ist der Eindruck eines aufgeräumten Chaos. Das ist besser, als ginge es ausschließlich chaotisch zu, doch reicht es nicht aus, um Microsoft bei seinen Internetplänen dahin zu bringen, wo es 2009 eigentlich hin muss.

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