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09.12.10Leser-Kommentare

Wikileaks: Gefahr für die Netzneutralität

Wikileaks ist keine Revolution, sondern eines ihrer Symptome. Aber möglicherweise das mit den bisher schwerwiegendsten Konsequenzen: Es dürfte zu einer breiten Allianz gegen die Netzneutralität führen.

Der neudeutsche "Shitstorm", den dieser Tage Unternehmen wie die Schweizer Postbank Postfinance über sich ergehen lassen müssen, weil sie der Organisation Wikileaks die Zusammenarbeit entzogen hat, wird seine Spuren hinterlassen. Und auch wenn wir sie dannzumal nicht mehr als solche erkennen werden, werden wir wahrscheinlich darunter zu leiden haben.

Die Skriptkiddies und Cyber-Anarchos, die in heller Empörung Paypal, Mastercard und eben Postfinance mit DDoS-Angriffen überziehen und deren Facebook-Seiten mit Beschimpfungen zumüllen, leisten ihrer eigentlichen Absicht den gleichen Bärendienst, für den ich auch zunehmend das Vorgehen von Wikileaks halte.

Die sehr beschränkte Machtdemonstration wird eine unbeschränkte und langanhaltende Gegenbewegung aus einer unheiligen Allianz von Wirtschaftsvertretern, Konzernsauriern und Politikern zur Folge haben, die sich bereitwillig vor den Karren jener Leute spannen lassen, welche unter dem Vorwand staatspolitischer und gesellschaftlicher Räson aus purem Eigenininteresse die Netzneutralität und die freie Architektur des Internets zu zerstören versuchen.

Das wird ihnen natürlich nicht gelingen, aber wie sehr unsinnige Regulierungen und politische Panikmache die Entwicklungsmöglichkeiten einschränken und bereits eingefallene Mauern durch neue Zäune zu ersetzen vermögen, brauche ich angesichts der Grotesken, welche sich namentlich Deutschland mit Internet-Regulierungen leistet, wohl niemandem zu erklären.

Das folgende ist nicht mehr als meine sprichwörtlichen "two cents" zum Thema. Aber als Journalist sehe ich die Vorgänge in einem anderen Licht als viele Kollegen, welche Wikileaks für eine Revolution und den "alten Journalismus" für überholt und korrupt halten.

Die Revolution ist nicht Wikileaks

Die Revolution besteht nicht in Wikileaks, sondern im Internet. Das ist eine banale Feststellung. Welch breite disruptive Wirkung die Technologie haben könnte, wissen wir seit mehr als einem Jahrzehnt; dass sie zugleich ungeheure Chancen bietet, wissen zumindest all jene, die sich damit tagtäglich auseinandersetzen. Allerdings gibt es auch viele Interessensträger, welche die Chancen als Gefahren für ihre Geschäftsmodelle erkannt haben und seither nach einer Argumentation suchen, das Internet in streng kontrollierte Bahnen zu kanalisieren.

Wikileaks ist eine grundsätzlich begrüssenswerte Erscheinung, die in der Übergangsphase garantieren könnte, dass der Journalismus von den Verlagen nicht trotz serbelndem Geschäftsmodell im Austausch gegen protektionistische Regulierungen der Politik geopfert wird. Wenn ein "neutrales" Gremium als Anlaufstelle für Whistleblower dafür sorgt, dass keine (öffentlichkeitsrelevante) Information mehr durch Absprachen und Einflussnahmen aus den Medien gehalten werden kann, gibt es für diese Medien auch keinen Grund mehr, solche Absprachen zu treffen.

Einschub: Eigentlich sollte der Markt diese Garantie leisten, aber zumindest in den USA ist seit 9/11 auch in namhaften Medienhäusern eine Bereitschaft zum Kuschen zu erkennen, die über alles bisher dagewesene hinausgeht und ihre Ursachen in einer Mischung aus wirtschaftlicher Bedrohung (durch das Internet) und politischer Gleichschaltungs-Polemik hat.

Die Absicht der Wikileaks-Gründer und Träger könnte aber nach hinten losgehen. Nämlich dann, wenn die Wirkung des "Vorzeigeportals" Wikileaks in der Summe geringer ausfällt als die Reaktion, die sie hervorruft.

Deswegen erscheint mir der Frontalangriff auf die USA das Falscheste, was man derzeit zur Stärkung der Internet-Demokratie und der Informationsfreiheit tun kann. Wer jubelt, dass Wikileaks (ausschliesslich mit Hilfe der alten Medien) in den Schlagzeilen stehe und den Politikern gezeigt habe, was eine Harke ist; wer Unternehmen angreift, die sich aus dem Tauziehen mit legitimen Mitteln raushalten wollen, der liefert den Gegnern Argumente für mehr Kontrolle, mit denen die unentschiedene (und ignorante) Mehrheit überzeugt werden wird.

Erst jetzt und erst durch das Aufsehen rund um Wikileaks nämlich hat wohl auch der hinterste amerikanische Lokalpolitiker verstanden, dass Wikileaks (lies: das Internet) jederzeit all seine Machenschaften an die Öffentlichkeit bringen und er nichts dagegen unternehmen kann. Er wird deswegen ohne jeglichen Sachverstand jedem Kontrollversuch zustimmen.

Man kann von den USA halten, was man will, aber sie waren bisher der wichtigste Garant von Netzneutralität und Redefreiheit. Den Macht- und Geldhabern in dieser Situation zu zeigen, dass diese Freiheiten letzlich für sie selbst zur grössten Bedrohung überhaupt werden könnten, klingt nicht nach einer Strategie.

Rohe Daten sind keine Information und keine Öffentlichkeit

Das wäre anders, wenn die bisherigen Veröffentlichungen von Wikileaks über alle Zweifel erhaben und ihr Nutzen für die Gesellschaft eindeutig erkennbar wäre. Aber was Wikileaks derzeit vor allem beweist, ist, dass

  • verfügbare Daten noch nicht Information sind;

  • dass die alten Medien noch immer ein quasi-Monopol auf Aufmerksamkeit haben und

  • dass letzlich Verschwörungstheorien und der Thriller rund um die Information mehr interessiert als diese selbst.

Abgesehen davon, dass jeder einen in Gang bringen kann, hat sich also an den Informationsflüssen noch nichts geändert. Auch nicht an den journalistischen Prozessen, die über Jahrhunderte entstanden sind und aus Beschaffung, Beurteilung, Aufbereitung und Verbreitung bestehen.

Denn rohe Daten sind noch keine Information, und Information ist noch keine Öffentlichkeit. Wer Öffentlichkeit schaffen will, braucht Information plus Relevanz und / oder Interesse. An den grundlegenden Abläufen, wie aus rohem Wissen Öffentlichkeit entsteht, vermag das Internet und ganz bestimmt Wikileaks allein noch nichts zu verändern. Betroffenheit ist Trumpf, und wer sich filmen lässt, wenn er ein Kätzchen quält, muss nicht mehr nur den Lokalsender und die Polizei, sondern eine weltumspannende Internet-Hetzjagd fürchten. Dass das mehr interessiert als tiefgreifende Gesetzesanpassungen, daran hat das Internet noch nichts geändert.

Journalisten haben nicht aus Spass auf ethische und moralische Regeln bei der Verarbeitung von Daten zu Öffentlichkeit geachtet, sondern aus simplen ökonomischen Notwendigkeiten. Ein Informant, den man preisgibt, wird einem nicht nur nichts mehr erzählen, sondern auch andere Informanten ("Whistleblower") abschrecken; wenn man irrelevante Vorgänge unnötig ans Licht zerrt, werden Quellen versiegen, wenn man Unwahrheiten kolportiert oder Einzelinteressen aufsitzt, wird das Publikumsvertrauen schwinden.

Wikileaks unterliegt diesen Regeln genauso wie jedes andere Outlet. Als ungefilterte Datenhalde verliert es Brisanz, ohne Redaktion verkommt es zum Verleumdungsportal, und durch Gewichtung wiederum wird es zum Interessenträger.

Die Ignoranz zum Gegner machen

Das ist es bereits, indem seine Macher öffentlich ankündigen, wen sie "aufs Korn nehmen" werden. Das wäre weiter nicht schlimm, denn selbst beim Untergang von Wikileaks wird ja nicht die Idee für einen "Steinbruch geprüfter, unkommentierter Daten" im Internet untergehen.

Aber die aktuelle Provokation macht bisher unbeteiligte, ignorante und mächtige Leute zu radikalen Gegnern der Presse- und Redefreiheit, die gerade jetzt dank des Internets auf extrem viel weitere Kreise als die "Presse" ausgeweitet werden könnte.

Die Wikileaks-Macher haben eine grössere Verantwortung als die Journalisten, weil die innerhalb alter Regelsätze operieren, während Wikileaks die Entstehung der neuen mitprägt. Weil ohnehin klar ist, dass auch Wikileaks - wie jede Redaktion - allein schon durch die Auswahl der Themen Stellung bezieht (um nicht zu sagen einer Agenda nachkommt), sollte die auf einer Strategie beruhen, die weiter geht als einen möglichst hohen Aufmerksamkeitsgrad zu erreichen.

Vielleicht sehe ich es ja nicht, aber derzeit scheint mir Wikileaks die Aufmerksamkeit vor allem der falschen Leute zu gewinnen.

Die Revolution wird nicht mehr gestoppt, aber sie könnte einen wesentlich blutigeren und weniger erfolgreichen Ausgang nehmen, nur weil zu früh ein paar schlafende Hunde geweckt wurden.

Kommentare

  • AndyCgn

    09.12.10 (19:51:34)

    Ich halte diese Meinung für - sagen wir - fragwürdig. Der ganze Artikel beruht darauf, dass nur die Gegner der freien Meinungsäußerung aktiv werden. Die "bisher unbeteiligte, ignorante und mächtige Leute" hatten schon immer Vorbehalte, noch bevor WikiLeaks seine erste Enthüllung veröffentlicht hat. Wenn diese Leute nun WikiLeaks als Grund für Zensur anführen, müssen Menschen, die die Wahrheit erfahren wollen, dagegen ankämpfen. Nicht derjenige, der die Wahrheit aufdeckt ist der Böse, sondern der, der Böses tut. Und dem sollte man nicht helfen, indem man eventuelle Horrorszenarien aufmalt, die die vielen Interessierten lähmen. Ich halte auch die Spam-Angriffe für kontraproduktiv. Aber sie zeigen, dass der Wissensdurst sehr groß ist. Das es bei den Veröffentlichungen um Rohdaten handelt finde ich begrüßenswert. So kann jeder für sich entscheiden, was er von den Vorgängen hält. Ich sehe die Sache nicht aus dem Blickwinkel eines Journalisten (da ich keiner bin) und ich bin sicher, dass man handwerklich besser hätte vorgehen können. Doch es ist ein Anfang! In meinen Augen eine kleine Umkehrung zur Horrorvision von Georg Orwells 1984.

  • kadekmedien

    09.12.10 (20:14:18)

    Nun, zunächst einmal bleibt festzustellen, dass es Wikileaks sehr wohl gelungen ist, Öffentlichkeit herzustellen, und zwar durch relevante Informationen. Wären die gelakten Cables nicht relevant, hätte es keine Hetzjagd gegeben… Und zum Neuem am Internet gehört, dass gefiltert werden muss – nachdem veröffentlicht wurde. Denn wer mag sich länger anmaßen zu entscheiden, welche Information relevant oder irrelevant ist? In dieser Angelegenheit hat die gesamte freie Presse versagt, und ihr Versagen ist der Grund dafür, dass es Wikileaks überhaupt gibt. Und die Strategie, nun die Gegner freier Meinungsäußerung und freiheitlicher Gesellschaftsstrukturen auf den Plan zu rufen, ist perfekt. Ein sichtbarer Feind lässt sich leichter bekämpfen als ein im Dunkeln vermuteter.

  • hANNES wURST

    09.12.10 (20:57:35)

    Ihren Bedenken stimme ich nicht zu. Die Denial-of-Service Attacken geschehen unabhängig von WikiLeaks, sie sind zu vergleichen mit einer empörten Demonstration (maßgeblich wegen der Verhaftung von Assange und wegen dem WikiLeaks Boykott durch einige Firmen) - mit fragwürdigen, aber nicht unbedingt unverständlichen Ausschreitungen (auch die Maßnahmen gegen WikiLeaks sind allerdings fragwürdig). Ich sehe außerdem die Nähe von Journalismus und WikiLeaks überhaupt nicht, WikiLeaks ist eher das Ereignis als der Bericht darüber. http://hanneswurst.wordpress.com/2010/12/01/warum-politische-geheimnisse-unhaltbar-sind/ Stelle Sie sich eine Frage: angenommen, die Berichte auf WikiLeaks sind allesamt wahrheitsgetreu (das wissen wir ja noch nicht). Wäre es dann Ihr Wunsch, dass alle bisher durch WikiLeaks bekannt gewordenen Informationen im Verborgenen geblieben wären?

  • benno

    09.12.10 (21:17:21)

    danke! endlich mal ein artikel zu dem thema, dem ich voll zustimmen kann ... und zur frage von hannes wurst: ja, auf jeden fall wäre es besser, wenn die cables nicht an die öffentlichkeit gekommen wären! was da drin steht, das sind doch dinge, die jeden nur interessieren, weil er sensations-geil ist. inhaltlich würde ich drauf wetten, dass es aus jedem land genau solche berichte auch umgekehrt gibt. und was interessiert jetzt zum beispiel die deutschen, ob die amis auch gemerkt haben, dass westerwelle unfähig ist oder ob nur wir das wissen ... wikileaks bringt damit nur leute in gefahr, die aus weniger zivilisierten ländern nach washington berichtet haben. ich will nicht wissen, was beispielsweise in china mit jemandem passiert, der dasselbe macht wie der fdp-fuzzi aus'm westerwelle-büro.

  • hANNES wURST

    09.12.10 (21:26:37)

    Details von und über die FDP Zentrale interessieren mich auch nicht besonders, sehr wichtig fand ich aber zum Beispiel diese Information: http://www.collateralmurder.com/ Was der Spiegel zur Zeit aus den Depeschen zieht, ist ebenfalls relevant: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,733748,00.html Wer sich seinen "Info Kick" ziehen will, ist auf bild.de wohl besser bedient. Die Leaks auf diese Stufe zu stellen, würde mir nicht einfallen.

  • mspro

    09.12.10 (21:37:07)

    "Den Macht- und Geldhabern in dieser Situation zu zeigen, dass diese Freiheiten letzlich für sie selbst zur grössten Bedrohung überhaupt werden könnten, klingt nicht nach einer Strategie." Wie (und wie lange) hätte man es ihnen denn noch verheimlichen können?

  • sonnenspitze

    09.12.10 (23:16:54)

    Ich bin hier der gleichen Meinung wie Herr Sennhauser, dass die USA bis dato der wichtigste Garant für Netzneutralität war. Dabei liegt sicher die Betonung auf dem Wort "war", denn dass hier ein Umdenkungsprozeß stattfindet, hat sich ja bereits bemerkbar gemacht. Und somit werden die Unterstützer von Wikileaks mit ihren aktuellen Aktivitäten der Meinungsfreiheit weitere Grenzen ziehen, ohne dass sie dieses wahrsacheinlich wollen. Wie schon Rosa Luxemburg vor fast 100 Jahren sinngemäß sagte: "die Freiheit des einzelnen stösst an seine Grenzen, wenn sie die Freiheit des anderen einschränkt."

  • Sebastian Kurt

    09.12.10 (23:57:02)

    Der Gedanke mit der Demonstration die aus empörung über das aktuelle Geschehen zustande kommt kam mir auch. Und wie es eben im realen Leben bei Demonstrationen nicht immer ohne Ausschreitungen ausgeht, auch hier. Die DDoS-Attacken sind die Steinewerfer des Internet. Meine bescheidenen Geschichtskenntnisse sagen mir, oft waren Demonstrationen der Anfang einer Bewegung. Ab und an brachte sie den Stein ins Rollen.

  • Martin Weigert

    10.12.10 (00:21:15)

    Die DDoS-Attacken sind die Steinewerfer des Internet. Schönes Zitat!

  • AndyCgn

    10.12.10 (01:50:11)

    @sonnenspitze: Nicht die Unterstützer von WikiLeaks werden der Meinungsfreiheit weitere Grenzen setzen, sondern diejenigen, die die Macht haben das zu tun. WikiLeaks und dessen Mitarbeiter nutzen die noch bestehenden Rechte um Informationen, die meiner Meinung nach jeden interessieren müssten, ans Licht zu bringen. Die Frage ist: Können wir damit leben, dass wir Informationen erhalten, die uns aus unserer komfortablen, angepassten Welt reißen und uns zum handeln aufrufen?

  • Marco

    10.12.10 (01:51:26)

    Um mich kurz zu fassen, ich gehe in sogut wie allen Punkten mit diesem Beitragkonform: http://www.lawblog.de/index.php/archives/2010/12/07/kriegsgerat-serverplatz/ Gruuuuß

  • kadekmedien

    10.12.10 (06:55:03)

    »aus weniger zivilisierten ländern nach washington berichtet« Benno, was hast Du für ein Weltbild?

  • kadekmedien

    10.12.10 (07:02:13)

    Das Problem ist, dass »Netzneutralität« ein Wunsch ist, der nicht in Erfüllung gehen wird, da das »Netz« eine privatwirtschaftlich organisierte Infrastruktur ist. Diesbezügliche Interessen finden am »Markt« Ausgleich, auf welche Weise auch immer. Und Herr Sennhauser vermischt in diesem Artikel zwei Sachverhalte, die ansonsten nichts miteinander zu tun haben.

  • Peter Sennhauser

    10.12.10 (08:47:10)

    Kadek, die Öffentlichkeit haben die (alten) Partnermedien von Wikileaks hergestellt. Und eine Hetzjagd ist kein Indiz für relevante Basisinformation, so viel hat uns die Geschichte gelehrt, meine ich doch.

  • Peter Sennhauser

    10.12.10 (08:52:51)

    Ich gehe davon aus, dass alles, was auf Wikileaks veröffentlicht worden ist, wahrhaftig ist. Und ja, es gibt Daten und Informationen, welche die Öffentlichkeit nicht haben muss oder sogar nicht haben darf. Diplomatie zum Beispiel basiert auf Vertraulichkeit, und ein Diplomat, der gegenüber seinen Analysten nicht mehr Klartext reden kann, kann seinen Job nicht machen - das haben die Russen nach der Revolution beim Versuch, die "Geheimdiplomatie" abzuschaffen, sehr schnell gelernt. Im Informationswesen ist es wie überall: Es gibt Grauzonen, es gibt Absprachen, und viele davon dienen der Gesellschaft und dem Frieden weit mehr als die vollständige Transparenz. Es ist die Aufgabe des Journalismus, an "geheime" Informationen heranzukommen, aber eben auch, die Relevanz dieser Information einzuordnen und Schaden und Nutzen der Veröffentlichung (immer im Hinblick auf die Gesellschaft) abzuschätzen.

  • Peter Sennhauser

    10.12.10 (08:54:58)

    Guter Einwurf, dummer Satz, sehe ich ein. Allerdings gibt es noch ausreichend Beispiele von Politikern (weit weniger Macht- und Geldhabern), die noch nichts gemerkt haben und erst auf Steinewerfer reagieren...

  • kadekmedien

    10.12.10 (08:58:02)

    Wie Wikileaks Öffentlichkeit hergestellt hat – in dem Falle also mit den Partnermedien – ist doch egal, wenn der Akt zu Öffentlichkeit führt… Und doch, die Hetzjagd ist ein Indiz für relevante Basisinformationen. Sie offenbart nämlich als Reaktion die den zugrunde liegenden Informationen beigemessene Tragweite. Oder, um es volkstümlicher auszudrücken: »Getroffene Hunde bellen.« – Daher weißt Du, wenn die Hunde bellen, ist was im Busche ;)

  • Peter Sennhauser

    10.12.10 (09:01:16)

    Du setzt voraus, dass Du von Wikileaks überhaupt nicht und von allen anderen immer manipuliert wirst. Allein die Auswahl der Daten, die Wikileaks veröffentlicht, ist ein Positionsbezug. Ich habe grosse Zweifel daran, dass die massenhafte Veröffentlichung der internen Kommunikation von diplomatischen Stellen der Gesellschaft mehr nutzt als sie schadet. Wer schon mal in einem Unternehmen gearbeitet hat, das sämtliche Mitarbeitergespräche und Gehaltsverhandlungen offen durchgeführt hat weiss, dass dies dem Frieden und der Gerechtigkeit nicht halb so zuträglich ist, wie man in der Theorie glauben mag.

  • Peter Sennhauser

    10.12.10 (09:14:46)

    Mit Verlaub: Publikumsinteresse gleich Relevanz? Dann sind Sexaffären irgendwelcher B-Prominenz und Schlagersternchen relevanter als jeder Entscheid im Weissen Haus und Wikileaks auf der völlig falschen Schiene. Relevanz hat eben NICHT mit Betroffenheit (allein) zu tun. Und es ist absolut bedeutend, dass es Wikileaks nicht gelungen ist Öffentlichkeit herzustellen, sondern dass dazu Partnermedien nötig waren, die den Filterauftrag des Journalismus erfüllt haben. Einer meiner Punkte ist eben der, dass dieser Filtervorgang vor der Schaffung von Öffentlichkeit unausweichlich nötig ist. Denn von allem, was auf Wikileaks zugänglich gemacht wurde, ist nur ein sehr kleiner Teil relevant. Bei Hetzjagd denke ich übrigens an eine Million Menschen, die sich via Internet auf die Jagd nach der Frau machen, die ein Kätzchen in eine Mülltonne gelockt hat. Offenbar ein Weltereignis, das auf einem Video basiert. Der Völkermord in Darfur dagegen interessiert trotz vielen (komplizierten...) Dokumentationen im Verhältnis sehr viel weniger Menschen.

  • Martin

    10.12.10 (09:56:22)

    Sehr schöner und interessanter Bericht. Aber sei doch so gut, und verwässere die Namen in deinem Screenshot. Als guter Journalist über Bildniveau denunziert man möglichst keine Fremnden. ;-)

  • Florian Steglich

    10.12.10 (10:52:44)

    'It's probably the biggest story this newspaper has ever been involved with,' says Javier Moreno, El Pais editor-in-chief (Guardian) Ich glaube, die Diskussion über die Relevanz der Cablegate-Dokumente ist nicht zielführend. Es gibt nicht nur das offensichtliche Publikumsinteresse (und nein, nicht nur bei den lustigen Äußerungen über deutsche Politiker, die der Spiegel anfangs leider in den Vordergrund gestellt hat), sondern auch die offensichtliche Besorgnis auf der Seite vieler Regierungen, so egal ist das alles also nicht. Dein Punkt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gerade dieser Dokumente ist der wichtigere: Wieso hat Wikileaks nicht etwas "moralisch einwandfreieres" - etwa die angekündigten üblen Interna einer US-Großbank - publiziert, gegen das sich vernünftigerweise niemand hätte stellen können? Es ist nicht völlig unplausibel, dass Wikileaks genau die Konfrontation sucht, die Du im Artikel beschreibst. Dieses Vorgehen klärt die Fronten und verteilt die bislang Indifferenten - Du sagst zurecht, dass sich dabei Politiker eher auf die Seite der scharfen Hunde stellen dürften, aber es gibt ja auch noch die Medien, die sich durchaus zur Wikileaks-Seite hingezogen fühlen könnten, zumal wenn sie auch schon für die Veröffentlichung angegriffen werden. Gut möglich, dass Wikileaks mit diesem Konfrontationskurs den Durchbruch des Prinzips "Leaking" beschleunigt. Ob das gut oder schlecht ist, ist dann eine andere Frage.

  • Gaby Stäheli

    10.12.10 (11:29:12)

    Vielen Dank für die differenzierte Sichtweise auf Wikileaks, die hat mir in der bisherigen Debatte für oder wider Wikileaks etwas gefehlt. Auch mir etwas mulmig zumute beim Gedanken daran, dass der ganze Trubel um Wikileaks Menschen dazu verleiten könnte immer und überall zu versuchen etwas aufzudecken und vertrauliche Informationen und Daten bekannt zu geben und hinter jeder Aktivität Komplotte und Verschwörungen zu vermuten. Dies betrifft dann ja nicht nur politische Themen, sondern zieht sich durch die ganze Gesellschaft privat, politisch und wirtschaftlich. Wer hat denn zu bestimmen, welche Daten wir in der Öffentlichkeit sehen wollen? Klar wollen wir Komplotte aufdecken, aber gleichzeitig wollen wir auch unsere Privatspäre schützen. Wer sagt wo das eine aufhört und das andere anfängt? Wikileaks?

  • hANNES wURST

    10.12.10 (11:50:31)

    etwas “moralisch einwandfreieres” – etwa die angekündigten üblen Interna einer US-Großbank Tatsächlich befürchte ich eher, dass die Moralität von WikiLeaks durch diese Veröffentlichung stärker gefährdet werden könnte. Es gibt einen fließenden Übergang von der Freiheit der eigenen Gedanken über den privaten Bereich, den Freundeskreis, den Bekanntenkreis, die Kollegen, den Arbeitgeber, also damit auch zu Konzernen. Der Staat - der Leviathan - befindet sich in einer anderen Kategorie, denn er wird vom Volk legitimiert und hat dadurch besondere Rechte und Pflichten. Diese Rechte und Pflichten müssen gesetzlich genau definiert sein, dazu gehört auch, dass genau definiert sein muss, in welchen Fällen der Staat Geheiminformationen produzieren und verwenden darf. Die Veröffentlichung von Geheimnissen anderer (juristischer) Personen halte ich für wesentlich problematischer, weil die Partizipation und besondere Verpflichtung wahrscheinlich nicht gegeben ist. Im Prinzip muss gelten, dass Geheimnisse dann aufgedeckt werden sollten, wenn diese Geheimnisse durch Gesetze nicht ausdrücklich legitimiert sind. Es kann jedoch zum Beispiel nicht legitim sein geheimzuhalten, wenn ein Land sich schwere Kriegsverbrechen zuschulden kommen lässt. Selbst wenn die Bürger eines Staates intern die Verheimlichung solcher Verbrechen legitimieren würden, so kann diese Geheimhaltungspflicht vor der Staatengemeinschaft keinen Bestand haben. In solchen diplomatisch äußerst schwierigen Fällen (zum Beispiel die Entführung von Khaled el-Masri) ist ein etablierter Whistleblower das Beste, was den Menschen passieren kann. Es ist immer etwas unangenehm, als Deutscher dieses Argument zu verwenden, aber ich vermute, dass der Holocaust nicht stattgefunden hätte, wenn es in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts so leicht wie heute gewesen wäre, Staatsgeheimnisse einer internationalen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

  • Peter Sennhauser

    10.12.10 (11:51:00)

    Danke für die Präzisierung, Herr Steglich. Dein Punkt mit den Medien, die Partei ergreifen werden, ist aber auch sehr ambivalent: Sie könnten sich nämlich gegen das freie Internet stellen und sich als berechen- und verhandelbare "vierte Gewalt" positionieren. Leistungsschutzrecht lässt grüssen. Ahnte ich's nicht besser, würde ich behaupten, die Medienkonzerne haben sich genau zu diesem Zweck verschworen und Wikileaks portiert.

  • Peter Sennhauser

    10.12.10 (11:53:28)

    Gut gesehen, Martin. Aber auf Facebook gibt's ja keine Fremden, nur Freunde.

  • Dr.-Schiwago-Mutter

    10.12.10 (12:06:16)

    Ich sehe das recht simpel: Einen "Kampf um die Netzneutralität" wird es demnächst ohnehin geben. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn eine etwas breitere Öffentlichkeit als die "Netzgemeinde" jetzt schon mal bemerkt, worum es dabei geht - bevor das Thema von vornherein durch geschicktes Agenda-Setting und PR-Gelaber der Politiker und Provider dominiert wird.

  • Gerhard

    10.12.10 (12:12:51)

    Die Netzneutralität wird bzw. wäre sowieso immer mehr und mehr ins Hintertreffen geraten - somit fungiert die ganze Wikileaks-Geschichte eher als Katalysator. Auf der einen Seite dürfte das für uns Nutzer negative Auswirkungen haben - eben was beispielsweise die Netzneutralität betrifft; andererseits haben Leak-Portale jetzt Hochsaison bzw. sind "hipp". Wenn es dadurch aber zu einem Überhang an Leaks kommt, dann verlieren diese ihre Wirkung. Man stumpft dabei quasi ab. Wikileaks ist an sich eine gute Sache - WIE und was jedoch veröffentlicht wurde ist manchmal jedoch fragwürdig. Ob Wikileaks so quasi einen Paradigmenwechsel auslöst? Das wird erst die Zeit zeigen schätze ich - in ein paar Monaten wissen wir mehr.

  • benno

    10.12.10 (12:23:17)

    @hannes wurst: bei collateral murder gebe ich dir insofern recht, dass es da interessant war, was wikileaks da veröffentlicht hat ;) @kadekmedien: ich habe offene augen und dann sehe ich länder, in denen menschen als dissidenten umgebracht werden ... und die bezeichne ich als unzivilisiert. nenn's wie du willst, meine folgerung daraus bleibt gleich ...

  • Andre

    10.12.10 (16:35:15)

    Die DDoS-Attacken sind die Steinewerfer des Internet. Das ist eine sehr gute Beschreibung von Sebastian Kurt

  • Max

    10.12.10 (16:52:48)

    "An den grundlegenden Abläufen, wie aus rohem Wissen Öffentlichkeit entsteht, vermag das Internet und ganz bestimmt Wikileaks allein noch nichts zu verändern. " Ich finde das diese Aussage falsch ist. Sie mag für kurzfristige Aufmerksamkeit richtig sein, aber langfristig ist das Vorhandensein der Rohdaten extrem wichtig, denn mit weiteren Informationen (nicht zwingend geheimen) können heute noch "nutzlose" Informationen, extrem an Wichtigkeit gewinnen. Für manche Erkenntnisse braucht man Daten über Jahre hinweg um sie zu erkennen und da reichen redaktionell gefilterte Informationen meist nicht aus. Der Zweite Punkte ist das mit der Zugänglichkeit der Daten für alle, viel mehr "Man-Power" für die Analyse vorhanden ist als wenn sie nur durch Journalisten und Experten abgedeckt wird. Selbst wenn sich nur 1% der Internetnutzer für "nicht-hype" Informationen interessiert und weniger effizient ist im analysieren als Journalisten, werden diese noch immer breitere und bessere Analysen erstellen als die Journalisten allein. Vielleicht in etwas längerer Zeitdauer und mit einigen Zwischenstufen aber die Analyse wird langfristig genauer und besser sein. Den Kritikpunkt das mit den Cables Menschen in Gefahr gebracht werden finde ich etwas einseitig. Laut Umfragen wollen viele Deutsche das keine deutschen Soldaten in Afghanistan kämpfen. Viele Menschen kommen da ums Leben und warum kann unsere Regierung gegen unseren Willen in unserem Auftrag Menschen töten? Die Antwort ist einfach zu wenig Transparenz und vor allem zu wenig Öffentlichkeit. Deswegen finde ich es gut das Wikileaks lernfähig war und die "alten" Strukturen zur Generierung von Öffentlichkeit genutzt hat. Ich bin mir sicher das durch die Reaktionen von Firmen und Politikern viele bisher passive gut informierte Personen überzeugt wurden endlich auch aktiv ihr Wissen und ihre Möglichkeiten einzusetzen. Und das finde ich gut und wichtig.

  • conform

    11.12.10 (13:18:25)

    Ich gebe dem User "Kadmedien" vollkommen recht, wenn er die Meinung äußert, dass "Netzneutralität" wirklich nur ein frommer Wunsch ist. Wahrscheinlich hat es ein solches auch noch nie gegeben. Dafür ist die Verflechtung zwischen Politik und wirtschaftlichen Interessen von Betreibern einfach viel zu groß. Und ein solches wird nach den Wikileaks-Publikationen mit Sicherheit noch verstärkt, selbst wenn keine weiteren Störaktionen und Netzwerkangriffe von Wikileads-Anhängern mehr stattfinden.

  • Thomas Zwietasch

    11.12.10 (15:56:25)

    Die Geschichte belohnt die Mutigen! Während die Loser nur Labern!!!

  • matze

    12.12.10 (03:19:53)

    was da drin steht, das sind doch dinge, die jeden nur interessieren, weil er sensations-geil ist Na ja, also die Cables über Pfizer und Nigeria oder über den Klimagipfel haben doch weniger was mit Sensationslust zu tun. IMHO kommt die Presse ihrer angestammten Aufgabe wenig bis gar nicht nach. Dadurch entsteht doch so etwas wie WL, es füllt ein Informationsvakuum aus. Klassische Medien sind teilweise den Regierungen oder bestimmten Parteien zu nahe (siehe BILD oder FOX News) und wiederum sind manchmal unsere gewählten Politiker vielleicht den Unternehmen bzw. deren Lobbyisten zu nahe. Und der Satz mit den Steinewerfern des Internets ist echt gut.

  • Dorian

    12.12.10 (18:12:07)

    Danke Peter! Gescheiter Artikel zu diesem brisanten Thema. Zu denken geben sollte: - Nur amerikanische Depeschen wurden veröffentlicht. Was würde passieren (Mit den Whistleblowers), wenn russische oder chinesische Depeschen veröffentlicht würden? - Der Inhalt, mit Ausnahme einiger Depeschen zu Nordafrika, hat nichts Neues an den Tag gebracht. Im Gegenteil: Die amerikanische Diplomatie scheint auf Zack, eloquent, kann gut analysieren. Genau was man von einem Aussendienst sich wünscht. - Ich gehe mit Peter einig: Die Chance, dass die "Revolution" hier schneller als uns allen lieb ist ihre Kinder fressen wird, ist gegeben. Die unheilige Allianz aus mächtigen Leuten (siehe oben), die viel zu verbergen haben, ist gerade deutlich mächtiger geworden.

  • Robert Frunzke

    13.12.10 (00:15:21)

    Ich denke, die Rolle der klassischen Medien zur Popularität wird in diesem Artikel völlig überbewertet. Auch wenn WikiLeaks keine Medien-Partner gehabt hätte, so wäre der ganze Medienrummel trotzdem entstanden - vielleicht lediglich mit ein paar Tagen Verzögerung. Eine der inhärenten Aufgaben der Presse ist doch Informationen aufzufinden, zu filtern und zu verteilen. Damit und davon lebt sie. Die Rolle von WikiLeaks war und ist klar - ungefilterte Informationen bereitzustellen. Das ergibt eine geradezu ideale Partnerschaft. So oder so hätte sich die Presse darauf gestürzt. WikiLeaks ist nach diversen Veröffentlichungen auch schon ein Stück Infrastruktur geworden - so wie die freie Presse an und für sich schon ein paar Jahrhunderte "einfach dazu gehört". Man muss die Rolle der Presse nicht mehr extra betonen. Aber warum man deshalb die Rolle von WikiLeaks hier so herunterspielen muss ist mir unklar. Presse & Whisteblower(-Plattformen wie WikiLeaks) sind ein sich ergänzendes Konstrukt, aber keine Konkurrenten! Dem Rest des Artikels stimme ich weitestgehendst zu - gerade Wirtschaftsunternehmen versuchen sich aus der Schlammschlacht herauszuhalten, das ist eigentlich legitim. Allerdings hatten manche Unternehmen auch recht früh durch eine Abkehr von WikiLeaks Farbe bekannt - wodurch sie sich gerade erst IN diese Schlammschlacht hinein begeben haben. An diesem Punkt ist mir es ehrlich gesagt auch egal, ob sie jetzt durch DDoS-Angriffe genervt oder 'gar geschadet werden.. die Manager, die diese Entscheidungen getroffen haben sollten von Ihren Aufsichtsräten dafür belangt werden, dass sie (wahrscheinlich eigene) politische Interessen den Interessen des Unternehmens vorgezogen haben - vorrausgesetzt, die Aufsichtsräte machen sich die Situation überhaupt bewusst. "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.".. (Nietzsche, .. mal wieder)

  • kuekenstall

    13.12.10 (06:16:30)

    Ein Zerstören der Netzneutralität würde - wenn es wirklich so weit kommen würde - chinesische Verhältnisse in den "freien" Westen übertragen. Und ein solches werden sich selbst die eifrigsten Politker in den USA und anderswo nach meiner Meinung nicht wagen. Auf der anderen Seite stellt sich für mich die Frage, inwieweit die Wikileaks-Sympathisanten dazu beitragen, die "Hemmschwelle" der Politiker herunter zu setzen.

  • Caio Gutzwiller

    13.12.10 (21:57:29)

    @Peter Sennheiser: sie beantworten die Frage nicht, die Herr hANNES wURST ihnen gestellt hat. Deshalb noch einmal: angenommen, die Berichte auf WikiLeaks sind allesamt wahrheitsgetreu (das wissen wir ja noch nicht). Wäre es dann Ihr Wunsch, dass alle bisher durch WikiLeaks bekannt gewordenen Informationen im Verborgenen geblieben wären?

  • Caio Gutzwiller

    13.12.10 (22:02:30)

    Nein. Nicht Wikileaks. Aber was Wikileaks sagt ist klar (auf deren Website deutlich nachzulesen): Sie veröffentlichen was im öffentlichen Interesse steht und oder historische Bedeutung hat. Also keine Privatsachen. Haben sie bisher auch nicht. Ausserdem haben sie eine Harm-Minimizing-Policy: so haben sie bei den Cables die USA gefragt, was zensuriert werden müsste, um einzelne Personen nicht zu schädigen und DIE (die USA!!!) haben sich geweigert, dazu Stellung zu nehmen. Mal ganz abhängig, ob man für den Herrn Assange und sein Wikileaks ist: interessant, oder nicht?

  • Caio Gutzwiller

    13.12.10 (22:07:20)

    Sorry falsch. Wikileaks hat jede Menge Daten über Russland zum Beispiel. Erst ist jetzt mal die USA dran. Dann kommt auch der Rest der Welt noch. Bin dann mal gespannt auf die Zusammenhänge zwischen Schweiz und Waffenhandel zum Beispiel...

  • Peter Sennhauser

    13.12.10 (23:13:50)

    Herr Gutzwiller (nun denn, offenbar siezt man jetzt): Mehr als das habe ich dazu nicht zu antworten, weil ich nicht alles, was Wikileaks "veröffentlicht" hat, gelesen habe. Haben Sie?

  • Caio Gutzwiller

    13.12.10 (23:32:35)

    @Peter Sennheiser: Lassen sie mich die Frage umformulieren: Gehe ich richtig in der Annahme, dass sie bei keiner einzigen (ihnen bekannten) Wikileaks-Veröffentlichung der Meinung sind, dass es gut war, sie ans Tageslicht zu bringen? Sie dürfen mich gerne Caio nennen.

  • Peter Sennhauser

    13.12.10 (23:37:48)

    Mein Name ist SennhAUser, Herr Gutzwiller, und Ihre Annahme ist falsch. (Wobei sich das bei weitem nicht auf das Video beschränkt.)

  • Frank Waldmann

    15.12.10 (17:36:01)

    Es wird in spätestens 20 Jahren eine vollständige Kontrolle von Netzinhalten geben. Schon der Rundfunkstaatsvertrag schreibt Anstalten vor, was drin sein darf und für wie lange. Jetzt, ausgelöst durch WikiLeaks, wurden wirklich schlafende Hunde geweckt. Die Basis war noch nicht bereit für diese Art von Informationen. Die Vorwürfe gegen Assange kamen aber (gewollt von ihm?) zum richtigen Augenblick und er konnte nur eines tun. Den Moment ausnutzen und auskosten. Der Rest wird sich zeigen. Es ist aber in meinen Augen definitiv so, dass die Politiker die Netzneutralität auflösen werden, falls es sie jemals wirklich gab. Ein Szenario falls es bleibt? Inhalte werden bei neuen Seiten nur noch nach Vorabnahme publiziert, Google löscht alle, den Behörden missfallenden Daten, ggf. dürfen nur noch registrierte Unternehmen Webseiten anmelden, etc. etc. etc.

  • ProLeaks

    16.12.10 (00:56:57)

    Rohe Daten sind keine Information und keine Öffentlichkeit Das sagt schon alles, nur sehen tun es manche Leute etwas anders.

  • Peter Pan

    22.12.10 (04:39:38)

    Zu Pressefreiheit siehe auch: Der Lange Atem Journalistenpreis und Chomskys Propagandamodell.

  • anonym

    02.01.11 (17:12:55)

    Aus meiner Sicht bedeudet eine "Netzneutralität" dass aaccess provider Datenpakete unverändert und gleichberechtigt übertragen können, unabhängig davon, woher diese stammen und welche Anwendungen die Pakete beinhalten. Eine staatliche Regulierungsstelle, deren Einrichtung nach den Wikileaks-Veröffentlichungen mir durchaus als denkbar erscheint, dürfte unser System einer freien Marktwirtschaft aus den Angeln heben.

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