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07.04.10Leser-Kommentare

Wikileaks: Die Medien haben versagt

Die Veröffentlichung des Videos aus einem der beiden Apache-Kampfhelikopter, die 2007 eine Gruppe Zivilisten im Irak niedermähten, ist nicht nur eine beispiellose Blamage fürs Pentagon - sondern auch und vor allem für die US-Mainstreammedien.

Das ist eine Waffe: Video und Funk aus dem KampfhelikopterEs gibt einen Grund dafür, warum Verleger, aber auch Journalisten die neue Konkurrenz der Blogger und anderer selbstautorisierter Publizisten im Internet nicht mögen: Sie erlauben sich Dinge, die in der Medienwelt aus politischen und kommerziellen Gründen tabu sind.

Für manche dieser Tabus gibt es gute oder wenigstens juristische Gründe. Andere beruhen ganz einfach auf Bequemlichkeit, Kommerzdenken und der Verflechtung zwischen der «Vierten» mit der realen Staatsgewalt.

Und während das Publikum den mangelnden Biss der Mainstream-Medien bis vor einigen Jahren lediglich erahnte, kriegt es jetzt immer häufiger Beweise dafür, dass Zeitungen, TV- und Radiosender bisweilen die Wahrheit nicht an den Tag bringen wollen oder sie gar fälschen.

Ein ausserordentlich gutes Beispiel dafür ist das jetzt von Wikileaks veröffentlichte Video aus einem der beiden Kampfhelikopter der Amerikaner, welche 2007 in New Bagdad eine Gruppe von 12 Zivilisten niedermähten.

Über den Zynismus der US-Soldaten im Cockpit und ihre eiskalten Sprüche muss man sich dabei nicht aufregen, auch wenn sie ein zusätzliches PR-Desaster für die USA darstellen, weil die Soldaten wie Teenage-Cowboys an einer Videospielkonsole rüberkommen. Krieg ist unmenschlich, und die Protagonisten schützen sich mit Abstumpfung.

Tatsächlich könnte man sogar die Fotokameras mit Teleobjektiv, welche die beiden getöteten Reuters-Journalisten in der Gruppe der Iraker mit sich tragen, in der Aufregung für Granatwerfer halten, wie das die Heli-Besatzungen ganz offensichtlich tun. Über diese Dinge kann man durchaus diskutieren.

Aber eben erst, wenn man das Video gesehen hat. Und das hat das Pentagon drei Jahre lang unter Verschluss gehalten, obwohl Reuters die Herausgabe aufgrund des Freedom of Information Acts verlangt hatte; die "Untersuchung" des Militärs brachte kein Fehlverhalten der Soldaten zu Tage, und der Beschuss des Fahrzeugs, mit dem weitere Zivilisten einen Überlebenden abtransportieren wollten und in dem zwei kleine Kinder sassen, die verletzt wurden, war nach Angaben der Verantwortlichen "unerklärbar". Wer das Video ansieht, kann sich diese Aussage wiederum nicht erklären. Und allen Widersprüchen und Abwiegelungen der Militärs zum Trotz hat keins der grossen Medienhäuser der USA die Geschichte aufgedeckt und das Video beschafft. Das kriegte erst ein kleines, mittelloses "Whistleblower"-Portal im Internet zustande.

Neben der totalen Blamage für das Pentagon und den erneuten Imageschaden für die USA in der restlichen Welt zeigt das Video, respektive seine Veröffentlichung auf Wikileak, vor allem eines: Dass die amerikanischen Medien keine wirklich heissen Eisen mehr anzufassen bereit sind.

Ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass das Video, welches Wikileaks nach eigenen Angaben von mehreren Seiten aus Militärkreisen zugespielt wurde, auch grossen Zeitungen und TV-Ketten vorlag. Denn wer Kopf und Karriere riskiert, weil er oder sie es nicht ertragen kann, dass die Wahrheit vertuscht wird, wendet sich an die grössten und vertrauenswürdigsten Outlets.

Das macht die Veröffentlichung des Videos auf Wikileaks zur Schande für die Mainstreammedien: Entweder sie hatten das Video nicht - weil ihnen die Whistleblower nicht mehr trauen -, oder sie hatten es und veröffentlichten es nicht. Beides ist eine journalistische Bankrotterklärung.

Bei Skandalen, welche die Regierung oder das Militär schlecht aussehen lassen, kann man indes vor allem in Kriegszeiten und vor allem in den USA selbst als grosser Konzern nur zu leicht als Nestbeschmutzer oder gar Verräter an der "nationalen Sicherheit" hingestellt und massiv geschädigt werden. Schlimm daran ist, dass diese Schäden als schwererwiegend eingeschätzt werden als der schleichende Verlust jeglicher Glaubwürdigkeit und Kontur, dem inzwischen fast alle amerikanischen Medien unterworfen sind.

Wie real indes auch der Druck von der Politik ist, beweist der Umstand, dass das Portal Wikileaks von den US-Militärgeheimdiensten bereits als Bedrohung eingestuft wurde.

Was es, wie sich jetzt gerade zeigt, durchaus auch ist. Denn Organisationen und Gruppierungen, die Skandale Aufdeckten und das Gekungel der Medien mit der Politik anprangerten, gibt es seit eh und je. In den USA beispielsweise das Project Cencorship Censored, das jedes Jahr die übelsten Fälle und Themen auflistet, die unter den Teppich gekehrt wurden - worüber die Zeitungen irgendwo in 12 Zeilen berichten.

Aber mit dem Internet sind auch die Whistleblower nicht mehr auf die Gnade der Besitzer der Druckerpressen angewiesen, und ein Video - grade ein Video! - wird durch Youtube oder auf irgendeiner Website blitzschnell aus aller Welt verlinkt und gespiegelt. Da hilft kein nachträglicher Rückruf mehr, wie er gelegentlich sogar bei Zeitungsgeschichten vorkam, die einfach in den folgenden Tagen langsam in eine andere Geschichte umgebogen und dann vergessen wurden.

Wikileaks und ähnliche Organisationen sind deswegen nicht nur für das Militär und die Politik, sondern auch für die Medien eine Bedrohung. Sie machen deutlich, wieviel und was die grossen Medienhäuser aus Gefälligkeit der Politik und den andern Konzernen gegenüber verschweigen oder manipulieren.

Und sie übernehmen eine weitere Rolle, welche die Verlage immer weniger zu spielen bereit waren: Die der politischen Aufpasser, der Mahninstanz, welche Korruption und Diktatur in Schach halten muss.

Angesichts dieser Konkurrenz müssten sich die Verleger eigentlich in einer beispiellosen Schlacht um die heissesten und kritischsten Geschichten befinden, Unzahlen von investigativen Journalisten beschäftigen und dem Publikum mit aller Macht verdeutlichen wollen, dass sie eine Aufgabe wahrnehmen, ohne die auch in einer Demokratie die Willkür zu herrschen beginnt.

Stattdessen verklagen sie Google wegen verletzten Copyrights.

Kommentare

  • LexX Noel

    07.04.10 (03:33:01)

    Ich weiss schon warum ich keine Zeitung lese, keine Nachrichten im TV schaue und sowie so mein TV wie Radio ganz abgeschafft habe. Eben weil ich diese Lügen-Märchen nicht mehr ab kann, welche die so genannten Mainstream Medien Tag für Tag immer wieder aufs neue verbreiten. Politiker sind eh für mich Lügner und Betrüger, die Mainstream Medien sind keinen Deut besser in der Hinsicht. Das scheinbar zu 99% aus Dummen oder Wegsehern bestehende Deutsche Volk tut den Rest dann dazu. Widerwärtig!

  • Ralf

    07.04.10 (06:30:54)

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Nagel auf den Kopf getroffen!

  • Herbert

    07.04.10 (07:58:19)

    Vielen Dank für die unaufgeregte und treffende Analyse! @LexX: Etwas mehr Gelassenheit, ganz im Stil des Beitrags, wäre sicher angenehmer für dich.

  • Gunther

    07.04.10 (08:16:17)

    Es ist schon eine erschreckende Entwicklung wenn man sich noch etwas anderes aus den letzten Tagen in Erinnerung ruft: Über das iPad haben die Journalisten in allen Details berichtet, vom Gerät, vom Verkaufsstart, vom Verkauf, vom Test und sich sogar teilweise - wie bei den Stuttgarter Nachrichten geschehen - als "bekehrt" bezeichnet. Aber über ein Video, das zeigt, wie vom Militär Zivilisten erschossen werden, darüber schreiben sie anscheinend nur widerwillig. Und auch erst dann, wenn es wo anders schon von vielen gesehen wurde. Das ist Zynismus auf höchstem Niveau und zeigt, wo der Journalismus langsam angekommen ist. Es ist erschreckend. Ich bin wirklich froh, dass die Nachrichten und Informationen auf derartige Kanäle im Kern nicht mehr angewiesen sind.

  • Gernot

    07.04.10 (08:43:43)

    Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, bekam WikiLeaks das Video verschlüsselt zugespielt und musste einigen Aufwand betreiben um es zu entschlüsseln. Falls andere Medien das Video ebenfalls hatten, denke ich, sie sind vor dem selben Entschlüsselungsproblem gestanden. Dass WikiLeaks am ehesten das Know How, die Ressourcen und Verbindungen hat, um es zu decodieren halte ich nicht für ungewöhnlich.

  • Torsten

    07.04.10 (09:07:05)

    Peter Sennhauser: Die Eingangshypothese ist falsch - die großen Medienhäuser haben den Skandal entdeckt und aufgedeckt. David Finkel hat sogar ein Buch geschrieben: The Good Soldiers. Das Video selbst bringt keine neuen Erkenntnisse. Nur eines: Jeder kann zusehen wie Menschen erschossen werden. Du magst das als Akt der Aufklärung sehen - ganz so einfach ist es aber nicht. Würdest Du als Chef Videos publizieren, wie Deine Mitarbeiter erschossen werden? Gernot: Das sollte Wikileaks doch Mal genauer erklären: Ein Whistleblower gibt ihnen verschlüsselte Daten? Ich glaube kaum, dass das Pentagon einzelne Dateien verschlüsselt - und die dann von Unbefugten kopieren lässt.

  • LexX Noel

    07.04.10 (09:12:36)

    Die Dummheit des Menschen ist Unendlich, trifft in deinem Fall wohl zu. Gelassener damit umgehen, wenn ich sowas nur lese, dann kommen mir schon echte Zweifel in wie weit Jemand wie Du überhaupt verstanden hat worum es geht.

  • Stefan

    07.04.10 (09:15:12)

    Ein sehr gelungener Artikel. Wie Ralf schon sagte, kann man gar nichts mehr hinzufügen. Einfach schade, gibts Medienlese nicht mehr ...

  • Peter Sennhauser

    07.04.10 (09:27:07)

    Torsten, richtig ist, dass möglicherweise dieses Beispiel für die These nicht taugt, obwohl ich Deine Einschätzung, die Mainstreammedien hätten den Fall "aufgedeckt", nicht teile: Ihn aufzudecken hätte bedeutet, die Durchschlagskraft des Videos zu erreichen. Finkels Buch befasst sich mit dem "Surge" und dabei (offenbar, ich habe es nicht gelesen) zur zum Teil mit diesem einen Vorfall. Ich lasse mich also der mangelnden Recherche in diesem Fall überführen - der Artikel ist, wie die Uhrzeit zeigt, spontan in der Aufregung über das 17minütige Video entstanden; an der Hauptthese halte ich fest. Nebenbei: Das Video bringt die Erkenntnis, dass der Krieg zu dem Videospiel geworden ist, als das ihn die psychisch nachhaltig geschädigten Soldaten (auf US-Seite) beschreiben. Und die, dass die Befehlshaber über lückenlose Beweisketten für solche Vorfälle verfügen, aber in "offiziellen Untersuchungen" regelmässig zum Schluss kommen, es sei nichts passiert oder es fehle die Information für eine Einschätzung. Gernot: Von einer NYT, einer Washington Post und Time Magazine erwarte ich, dass sie die Ressourcen und Connections für alles auch haben, was Wikileaks hinkriegt.

  • Thomas Matterne

    07.04.10 (09:36:13)

    Ich glaube der Lobgesang auf das Internet und Wikileaks, und der Abgesang auf die Medien ist ein bisschen zu laut und zu falsch. Folgender Versuchsvorschlag: Einfach mal auf die Straße gehen und zehn Leute nach Wikileaks fragen, mit etwas Glück findet man 2 oder 3, die es mit Wikipedia verwechseln. Dieses Video, dessen Erkenntnisgewinn tatsächlich bei Null liegt und nur etwas visualisiert, was längst bekannt ist, ist allein deshalb im Gespräch, weil es die Medien eben doch aufgegriffen hat. Die Veröffentlichung des Videos in diversen Blogs ist unter uns gesagt wertlos und würde den (selbstüberschätzten) Kreis politische Blogger und Blogkommentatoren nie verlassen. Bekannt ist das Video nur, weil die Medien es eben doch nicht totschweigen. (Und angesichts des oben erwähnten in sich doch recht geschlossenen Kreises, hätte man das Video sehr wohl totschweigen können. Wenn die bösen Medien tatsächlich so böse und korrupt wären.)

  • Torsten

    07.04.10 (09:38:56)

    Die Erkenntnis mit dem Krieg als Videospiel ist auch alles andere als neu und eine höchst triviale Erkenntnis ist es dazu. Aber unterscheiden sich die Kommentare der Soldaten so sehr von Einsätzen in Vietnam und Co? Zu Deiner These der Konkurrenz zwischen Wikileaks und den US-Medien: guck Mal auf Wikileaks.org. Ganz unten steht eine Liste der "steadfast supporters" - US-Verlage und Medienorganisationen haben Wikileaks am Leben gehalten, als sie zum Beispiel von einer Schweizer Bank verklagt und ihrer Domain beraubt wurden. Einige Verlage würden es wahrscheinlich lieben, die Recherche auf Wikileaks auszulagern. Gerade dieser Fall zeigt aber sehr schön, dass mit dem Dokument alleine außer einem kurzfristigem emotionalem Aufwallen wenig zu erreichen ist. In welchem Kontext das Dokument steht, wie es zu bewerten ist, haben Journalisten in ständiger Recherche und Text-Arbeit zu Tage gebracht - lange bevor Wikileaks es kannte. Dass Reuters oder die NYT jedes Dokument bekommen muss, das Wikileaks auch bekommt, halte ich für eine schwache Behauptung - jeder recherchierende Journalist bekommt in seinem kleinen Kreis ab und an Dokumente, die selbst der "Spiegel" nicht bekommen hat. Kritik muss man aber tatsächlich an den Medienhäusern in Deutschland üben. Nicht ein Artikel, den ich gesehen habe, hat die Rolle von Wikileaks hinterfragt, nicht einer hat eine weitere Original-Quelle oder Sachverstand hinzu gezogen - allenfalls ein, zwei Statements der NYT oder AP wurden als Beigabe zu einer Nacherzählung des Videos präsentiert. Das reicht aber nicht. Falls es andere Beispiele gibt, bin ich für einen Hinweis dankbar.

  • Martin

    07.04.10 (10:23:29)

    «Netzwertig» selbst zeigt, dass die Publikumsinteressen anders liegen – obiger Artikel folgte auf «CloudApp: Datei-Sharing mit zwei Klick» und wurde inzwischen abgelöst durch «Linkwertig: DailyDeal, iPhone OS 4.0, Bebo, Twitter» und «Statistik: Zahl aktiver deutschsprachiger Twitter-Nutzer wächst wie nie zuvor» …

  • Fisch

    07.04.10 (10:23:43)

    LOL, ist aber nicht dein ernst oder?

  • Bastian

    07.04.10 (10:29:49)

    Das Video selbst bringt keine neuen Erkenntnisse. Nur eines: Jeder kann zusehen wie Menschen erschossen werden. Die Aussagen der US-Militär wie z.B. man wisse nicht wie die Kinder zu schaden kommen konnten und ähnliches werden mit dem Video komplett aufgehoben. Des Weiteren sieht man mit welcher Grausamkeit man jegliche Rettungsaktion eines verwundetetn Menschen unterbunden hat. Ich tippe einfach mal, dass dieses Video mehr Menschen ehen, als das Buch je an Leserschaft erreicht hat. In der Hinsicht ist es durchaus etwas neues.

  • pell

    07.04.10 (10:40:35)

    Es wäre eine Premiere, wenn bei netzwertig irgendein Artikel einen Fokus auf das Thema und nicht auf die scheinbare wunderbare neue Welt des Internets hätte.

  • Torsten

    07.04.10 (10:52:23)

    Bastia: Nein, auch bei dem Transporter und den verwundeten Kindern gab es durch das Video keine neuen Erkenntnisse. Dass Du die vorher nicht kanntest, bedeutet nicht, dass Informationen tatsächlich neu sind. Und ja: die Veröffentlichung des Videos hebt die Diskussion auf eine neue Ebene. Ob die aber über kurzfristige emotionale Elemente hinaus geht, ist keineswegs gewiss.

  • Peter Sennhauser

    07.04.10 (10:54:45)

    Pell, Neuigkeiten: "die scheinbare wunderbare neue Welt des Internets" IST das Thema von netzwertig.com. Ein kleiner Hinweis darauf ist der Name des Blogs... ;-)

  • Jens Best

    07.04.10 (10:55:42)

    Spannend ist doch jetzt der Umgang der us-amerikanischen Medien NACH der Veröffentlichung durch wikileaks. Die deutsche Situation kann ich selbst ganz gut beobachten, weiss jemand wie die journalistischen Reaktionen auf die Veröffentlichung in USA waren/sind?

  • Jens Weinreich

    07.04.10 (11:01:41)

    @ Peter Sennhauser: Ich bin ja auch gern dabei, wenn Versäumnisse der herkömmlichen Medien angeprangert und diskutiert werden. So wie Sie das hier aber tun, ist es lediglich: ärgerlich. Sie schreiben zum Beispiel: Ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass das Video, welches Wikileaks nach eigenen Angaben von mehreren Seiten aus Militärkreisen zugespielt wurde, auch grossen Zeitungen und TV-Ketten vorlag. Denn wer Kopf und Karriere riskiert, weil er oder sie es nicht ertragen kann, dass die Wahrheit vertuscht wird, wendet sich an die grössten und vertrauenswürdigsten Outlets. Das macht die Veröffentlichung des Videos auf Wikileaks zur Schande für die Mainstreammedien: Entweder sie hatten das Video nicht – weil ihnen die Whistleblower nicht mehr trauen -, oder sie hatten es und veröffentlichten es nicht. Beides ist eine journalistische Bankrotterklärung. Ich kann die vielen Fragen gar nicht zählen, die derartige Sätze zwingend erforderlich machen. Im Kern geht es darum: Können Sie Ihre Behauptungen und Vermutungen belegen? Haben Sie überprüft, wem das Video vorlag, haben Sie also nur ansatzweise recherchiert? Das sind, zugegeben, rhetorische Fragen. Denn man liest es ja, dass Sie all das nicht getan haben. Dennoch maßen Sie sich an, aus dieser Geschichte mal eben eine Fundamental-These zu stricken. Nachdem Sie Torsten auf korrekte Sachverhalte hinweist, kommentieren Sie unter 6.1: Ich lasse mich also der mangelnden Recherche in diesem Fall überführen – der Artikel ist, wie die Uhrzeit zeigt, spontan in der Aufregung über das 17minütige Video entstanden; an der Hauptthese halte ich fest. Dann hätten Sie den Beitrag sein lassen sollen. Es macht sich immer besser, mit journalistischer Leistung zu argumentieren und nicht nur altbekannte Thesen wiederzukäuen.

  • Signal

    07.04.10 (11:15:37)

    Schau auf die Internet Seiten selbiger Medien, groß behandelt wird und wurde das Thema nicht: http://www.cnn.com/ - http://www.washingtonpost.com/ - http://www.time.com/time/

  • Klopfer

    07.04.10 (11:38:44)

    Sicher ist es eine gewagte Behauptung, dass das Video auch anderen vorlag. Nur: Am Ende werden beide Möglichkeiten angesprochen. Entweder sie hatten das Video und haben es nicht veröffentlicht, oder sie hatten es nicht. Darauf bezieht sich die These, sie basiert ja nicht allein darauf, dass andere das Video auch hatten. Die Schwächung einer Möglichkeit bedeutet gleichzeitig die Stärkung der anderen. Andere Alternativen gibt es in unserem Makrouniversum nicht: Entweder man hat ein Video, oder man hat es nicht. Daran ändert keine journalistische Recherche etwas, die Gesetze der Logik kann ein Journalist ebenso wenig ändern wie Scotty die Gesetze der Physik. Der Rest ist einfach nur Kommentar.

  • Caspar

    07.04.10 (12:08:15)

    Ich wundere mich ein wenig über die Aussagen hier. "Traditionelle Medien" werden beschimpft, dass Sie "Lügen" verbreiten würden. Das mag im einzelnen stimmen, aber lehrt uns nicht gerade das Internet, das wir immer wieder kritisch hinterfragen müssen? Wir erwarten von den Medien, dass Sie uns aufklären uns Meinungen präsentieren, die wir dann entweder aktzeptieren oder nicht. Wo bleibt da die eigene Meinungsbildung??? Wir sollten endlich lernen mit den Medien richtig umzugehen, nämlich alles zu hinterfragen, was in Zeitungen und Blogs steht, was im Radio und Podcasts gesagt und was im Fernsehen und auf YouTube gezeigt wird (Auch wenn es vielleicht richtig war)! Erst dann erlangen wir selber Unabhängigkeit und können eine diferenzierte Meinung bilden. Die Medien hatten zwar immer den Anspruch uns sachlich zu informieren, gelungen ist dies aber selten, wenn gar nie und zwar nicht weil Medien versagt haben, sondern weil wir Leser uns immer mit der Wahrheit, die uns vorgebetet wurde, abgefunden haben. Wir müssen mehr hinterfragen! Erst dann finden wir vielleicht die richtige Wahrheit. Auf Zufälle wie dieses zugespielte Video dürfen und durften wir uns niemals verlassen!

  • Mike Hauser

    07.04.10 (12:15:53)

    Ich finde es wirklich ermüdent, wie netzwertig-Schreiber krampfhaft permanent Blog vs Holzmedien/TV-Kampf anzetteln wollen. 1. Der Vorfall erschien bereits in einem Buch "Good Soldiers" der WaPo. Ja, hat der Schreiber nicht mitbekommen oder schlimmer noch einfach ignoriert - weil er auf Recherche verzichtete. 2. Es gibt KEINERLEI Hinweis darauf, dass das Video den Medien vorlag. Meinung als Begründung für einen komplette Argumentationskette - miserabler Journalismus. 3. Wikileads KANN solche Stunts durchführen, da es beispielsweise nicht per Einstweilige Verfügung zum Schweigen gebracht werden kann. Ist das nun die Schuld von Medienunternehmen? Wo ist die Nachricht, der Erkenntnisgewinn für den Leser? 4. Unterstützen, wie schon in den Comments gepostet, Medienunternehmen Wikileads weil sie etwas tun können, was ein Unternehmen nicht kann. Mangelnde Recherche oder wieder einfach auslassen von unbequemen Fakten. Ganz ehrlich, wenn ich normale journalistische Maßstäbe bei netzwertig anlegen würde, die ich an ein Holzmedium habe, würden etwa 95 Prozent der Beiträge von netzwertig in die Tonne wandern. Die Vermischung von Meinung und Nachricht ist KEIN guter Journalismus. Abschreiben ohne Eigenrecherche (wann hat der Schreiber das letzte mal eine Quelle persönlich befragtß) ebenfalls nicht (was ja den Großen immer vorgeworfen wird). Daher wäre ich sehr, sehr vorsichtig mir zu wünschen, Medien würden wie Blogs, Vlogs oder Wikileaks operieren. Dieser Artikel ist das beste Beispiel, warum solche teilwerbefinanzierten Hobbyprojekte keine Alternative sind.

  • Falk D.

    07.04.10 (12:16:18)

    Gernot: Das sollte Wikileaks doch Mal genauer erklären: Ein Whistleblower gibt ihnen verschlüsselte Daten? Ich glaube kaum, dass das Pentagon einzelne Dateien verschlüsselt – und die dann von Unbefugten kopieren lässt. Die Videos der Apache werden, wie sämtliche anderen Daten darin auch, AES-verschlüsselt gespeichert. Etwaige "Finder" eines solchen Helikopters sollen keine zeitnahen Informationen aus dem Abschuss eines Elements erhalten und die US-Army will exklusiv entscheiden können, ob und was sie mit der Kanonenkamera beweist und was nicht.

  • Ralph Schneider

    07.04.10 (12:24:48)

    @Jens Weinreich: Angesichts dieses schockierenden Videos und der Tatsache, dass ich davon bis heute nichts wusste, obwohl ich durchaus mehrere Mainstream Medien von NYTimes bis SpOn konsumiere, sondern erst durch diesen Blogbeitrag darauf hingewiesen wurde (da ich Wikileaks nicht kenne - ich bin normaler Konsument, kein Journalist, kein Blogger), finde ich es geradezu zynisch, Herrn Sennhauser mangelnde Recherche vorzuwerfen und nahezulegen, er hätte "den Beitrag lassen sollen". @Torsten: Das Video fügt dem Bekannten nichs hinzu? Das Gegenteil ist der Fall: Ständig lesen wir von derartigen Übergriffen, sie werden als "Kollateralschaden" hingenommen, auch von uns Konsumenten. Das Video hingegen zwingt jeden, der es gesehen hat, sich zu der gezeigten Realität zu verhalten. Diese Bilder zu sehen ist schlichtweg eine vollkommen andere ebene, als in einem nüchternen journalistischen Text darüber zu lesen. Menschen sterben zu tausenden in den Zeitungen - aber zu sehen, *wie* sie sterben und wie mit unserer Zustimmung getötet wird - that makes the difference!

  • JJ Preston

    07.04.10 (12:33:51)

    Man kann bei CNN.com die offizielle Senderreaktion verfolgen: Ein ehemaliger Brigadegeneral kommentiert es rechtfertigend, und auch im Situation Room wird es so dargestellt, dass die Reporter ja selbst schuld gewesen seien. CNN-Pentagon-Korrespondentin Barbara Starr rechtfertigt, dass man die Schüsse im Situation Room auf die Unbewaffneten nicht zeige, mit dem Respekt vor den Hinterbliebenen der beiden Journalisten. Sie berichtet von der Untersuchung des Militärs, dass niemand die Schuld daran habe, weil keiner damit hätte rechnen müssen, dass sich dort Journalisten aufhalten (kein Wunder, sind ja fast alle "embedded" - solche hätten im 2. Weltkrieg auch Vergewaltigungen von Wehrmachtssoldaten an russischen Frauen wahlweise totgeschwiegen oder gerechtfertigt), und der Angriff sei gerechtfertigt. Es sei eine grausame Erinnerung an die fürchterlichen Dinge, die in einem Krieg eben passieren. "Sehr trauriges, sehr gefährliches Business, besonders für Journalisten". (Zitat Starr). CNN berichtet also - wie zu erwarten war - so unabhängig wie etwa "Der Stürmer"... ABC hingegen lässt in zwei Artikeln im Web deutlich kritische Stimmen zu Wort kommen, was nahe legt, dass der Sender nicht wie CNN auf militärischen Kuschelkurs geht. Beispielsweise berichtet ABC von der Forderung der irakischen Journalistenvereinigung und zitiert ihn, dies sei nur ein weiteres Verbrechen zu den Verbrechen, die US-Streitkräfte gegen Journalisten und Zivilisten begangen hätten. Und MSNBC berichtet immerhin darüber, dass die noch nicht endgültige Bestätigung der Authentizität von Audio und Video daran liege, dass das US-Militär seine eigenen Aufzeichnungen nicht finden könne (jeder Idiot kann das als Zeitschinden erkennen, insofern ist diese Veröffentlichung wohl als versteckte Kritik zu verstehen).

  • Torsten

    07.04.10 (12:35:43)

    Ralph Schneider: Das mit der anderen Ebene schrieb ich oben schon. Was war jetzt die Kritik an meinem Kommentar?

  • Peter Sennhauser

    07.04.10 (12:39:08)

    Jens: Ich erhebe nirgends den Anspruch, dass es sich bei meinem Posting um eine detaillierte Analyse oder gar eine Recherche handle, ich sage auch nicht, die Medien seien böse (korrupt allerdings sind sie). Und es liegt mir fern, Wikileaks zum Stern am Himmel journalistischer Integrität hochzujubeln. Ich habe den Fall lediglich als exemplarisches Beispiel für das angeführt, was die Konsumenten von der Medienwelt wahrnehmen, was zugegeben nichts neues ist, sich aber an Hand von solchen Beispielen gelegentlich aufzeigen lässt. Es ist schlicht mehr als anzunehmen, dass ein Team oder ein Reporter der NYT, der Washington Post oder des WJS bei hartnäckiger Recherche unweigerlich früher oder später auf das Video gestossen wäre. Das ist weder Vermutung noch Unterstellung, sondern ein Erfahrungswert und ganz einfach logisch. Der Punkt daran ist: Entweder die über den Reuter-Vorstoss berichtenden Medien hatten das Video, und haben's nicht veröffentlicht, oder sie hatten's nicht - und beides ist fragwürdig.

  • Torsten

    07.04.10 (12:39:18)

    JJ Preston: Ist es möglich Informationen jenseits der Schwarz/Weiß-Brille wahrzunehmen? "A sagt meine Meinung, also ist a kritisch und sagt die reine Wahrheit! B sagt, was meiner Meinung nicht widerspricht - kein Wunder, dass sind doch alles Nazis!!11!.

  • Mike Hauser

    07.04.10 (12:39:28)

    @Schneider: Der Artikel hier auf Netzwertig fügt dem Bekannten NICHTS hinzu, was nicht gestern schon auf SPON, NYtimes,Guardian, WaPo oder sonstwo schon stand. Im Gegenteil, es lässt vieles wichtiges (absichtlich?) weg. Hätten Sie die von ihnen erwähnten entsprechenden Medien gestern sorgfältig gelesen (ok, die liefern ein paar News mehr am Tag als dieser Blog hier, da kann man das mal überlesen) - dann wüssten sie bereits bestens Bescheid und könnten über dieses peinliche Nachtreten vom Herrn Sennhauser nur milde lächeln.

  • Torsten

    07.04.10 (12:39:40)

    JJ Preston: Ist es möglich Informationen jenseits der Schwarz/Weiß-Brille wahrzunehmen? "A sagt meine Meinung, also ist a kritisch und sagt die reine Wahrheit! B sagt, was meiner Meinung widerspricht - kein Wunder, dass sind doch alles Nazis!!11!.

  • Gernot

    07.04.10 (12:42:34)

    Doch. Wikileaks Infrastruktur baut drauf auf, dass ein Haufen Nerds ne Menge Rechenpower und Ressourcen in das Projekt stecken. Die haben ein recht großes Netzwerk (Im Sinne von "kennen jede Menge Nerds mit zugriff auf Rechenpower"), und Kryptographie-Knowhow haben die eh, sonst ginge das alles nicht. Also genau das was man braucht, wenn man ein verschlüsseltes Video bekommt. Ob sich so ein NYT-Reporter mit dem ganzen technischen Kram auseinandergesetzt und Rechenzeit auf nem Rechnercluster bekommt, um die Verschlüsselung zu knacken, halte ich für schwieriger.

  • Nemi

    07.04.10 (13:02:38)

    Was man bei all der Medienschelte nicht vergessen darf, ist dass Medien eben nicht nur einem journalistischen Anspruch folgen, sondern eben auch einem wirtschaftlichen Interesse folgen. Wenn du als Sender/Zeitung so eine Geschichte bringst, passieren drei Dinge: - Du wirst als journalistischer Held gefeiert weil du mutig warst und die unbequeme Wahrheit präsentiert hast - Dir wird von der Gegenseite Manipulation und Vaterlandsverrat vorgeworfen und in den USA stehste dann ganz schnell in der "Linken" Ecke - Trotz des guten journalistischen Rufs wird die Wirtschaft die mit der Gegenseite (die du dann hast) verknüpft ist ihre Werbung nicht bei dir schalten, desweiteren verlierst du andere Vergünstigungen und Exklusivinterviews mit einer grossen Reihe von Leuten wirst du auch nicht mehr erhalten. Dass die Medien wirtschaftliche Interessen vor die Aufdeckung der Wahrheit stellen liegt also schlicht daran dass sie überleben wollen. Wenn du diese Geschichte beispielsweise in einem Buch veröffentlichst funktioniert das schon wieder ganz anders. Auf der anderen Seite steht aber auch der Konsument, den es meist gar nicht mehr interessiert. Der will ja selbst im Internet lieber furzende Hirsche, glucksende Babys und brandheisse Infos über Bigbrother-Bewohner und alles über amerikanische Idole und deutsche SingSangPüppchen wissen.

  • Torsten

    07.04.10 (13:06:29)

    Peter Sennhauser: Reporter sind auf das Video gestoßen, sonst hätte Reuters es nicht anfordern können. Dass geheime Verschluss-Sachen zwangsläufig in den Händen von Journalisten landen, entspringt nicht journalistischer Erfahrung, sondern vielleicht dem zu intensiven Genuss von Spionagethrillern. Was man sehr wohl vermuten kann ist, dass der Inhalt eines solchen Videos durchsickert, dass Details der internen Untersuchung nach außen dringen - und genau das ist passiert und wurde publiziert.

  • Clemens Gleich

    07.04.10 (13:19:39)

    Naja, sie hatten dieselbe Chance wie die vielen Leute auf Twitter, Facebook und Co: das bereits entschlüsselte Video als News verwursten. Das haben erstaunlich wenige Große getan. Immerhin gibt es aktuell (hauptsächlich in Amerika) eine Diskussion über Krieg an sich anlässlich des Themas. Das Gute an solchen Veröffentlichungen ist, dass sie eindeutig zeigen, dass es den sauberen Krieg, den viele sich einbilden, nicht gibt, nicht geben kann. Was in diesem Video gezeigt wird, ist, ob es einem gefällt oder nicht, Alltag in jedem Kriegsgebiet.

  • Ulrich Voß

    07.04.10 (14:24:00)

    Also ich kann die Kritik von Jens Weinreich ansatzweise nachvollziehen, allerdings muss ich sagen, dass es aus dem Artikel ganz klar hervorgeht, dass man das nicht nachrecherchieren kann und das auch nicht gemacht wurde. Es geht lediglich darum, zu sagen, was der Fall a) bedeutet, dass nicht gesendet wurde. Dem Artikel hätte es aber auch gut getan, wenn der Fall b) genauso ausführlich diskutiert worden wäre, denn die Auswirkungen auf den Journalismus sind ähnlich dramatisch. Das ist inzwischen glücklicherweise bei Carta passiert: http://carta.info/25236/wikileaks-institutionenbeben-durch-video-veroeffentlichung/ Lesen Sie dort, was der (mögliche) Verlust des "Oligopols für Whistleblowing" der klassischen Medien durch Wikileaks bedeutet ...

  • Martin

    07.04.10 (14:39:54)

    @Gernot: Doch. Wikileaks Infrastruktur baut drauf auf, dass ein Haufen Nerds ne Menge Rechenpower und Ressourcen in das Projekt stecken. Die haben ein recht großes Netzwerk (Im Sinne von “kennen jede Menge Nerds mit zugriff auf Rechenpower”), und Kryptographie-Knowhow haben die eh, sonst ginge das alles nicht. Spekulation, eigentlich weiss man über Wikileaks fast gar nichts. Cui bono?

  • Marcel

    07.04.10 (14:46:24)

    Entweder sie hatten das Video nicht – weil ihnen die Whistleblower nicht mehr trauen -, oder sie hatten es und veröffentlichten es nicht. Beides ist eine journalistische Bankrotterklärung. So ein Blödsinn. Was können die Medien dafür, wenn ihnen das Material nicht zugespielt wird. Natürlich werden solche Akten mittlerweile lieber öffentlich im Internet verbreitet, als es ein-zwei Medienpartnern zur Verfügung zu stellen. Sie können sich sicher sein, dass Ihre "Mainstreammedien" solch ein Video sicherlich dankend angenommen hätten.

  • Christof

    07.04.10 (14:53:32)

    lieber peter, deine analyse ist irgendwie verquer. es ist doch völlig egal, wo dieses video veröffentlicht wird, hauptsache es wird veröffentlicht. das problem ist doch, dass ihr blogger dauernd einen gegensatz zwischen bloggern und traditionellen medien konstruiert. warum? die behauptung, die traditionellen medien hätten das video gehabt, aber nicht veröffentlicht, ist absolut unhaltbar.

  • Melanie

    07.04.10 (16:15:16)

    Wir haben zum Thema eine spannende Parallele zum Spiel "Call of Duty 4: Modern Warfare" gefunden. Wen es interessiert: http://www.evangelisch.de/themen/medien/die-pflicht-ruft-erschiessen-wir-ein-paar-aufstaendische15516

  • JürgenG

    07.04.10 (18:00:43)

    Diese "Analyse", da muss ich Jens Weinreich voll zustimmen, ist tatsächlich einfach ärgerlich. Dieses komische in Bausch und Bogen verdammen der alten Medien, reflexhaft, oder, wie selbst eingestanden "spontan, in der ersten Aufregung", das bringt keinen weiter und wirft in letzter Konsequenz ein schlechtes Licht auf die Blogger. Und ernsthaft kann keiner daran zweifeln, dass eine NYT das Video nicht veröffentlicht hätte, hätte sie es denn gehabt, in entschlüsselter Form. Und dass ein großteil der Menschen das "von der Medienwelt wahrnehmen" was sie hier beschreiben, das ist wohl die unhaltbarste Behauptung von allen. So nehmen einige wenige, die immer noch versuchen, die alten Kampflinien zwischen den Medienarten aufrecht zu erhalten, die Medien wahr.

  • base rate

    07.04.10 (18:33:53)

    "Project Censored" heißt es, Peter. Nicht "Project Censorship", und schon gar nicht "Cencorship"!

  • Mike Hauser

    07.04.10 (18:36:06)

    Das Schöne an einem Blog und der ganzen tuften Web 2.0-Kultur ist doch, dass man so unglaublich flexibel und offen ist. So flexibel und offen, dass der Blogger hier eingestehen könnte, dass nicht die Medien versagt haben - sondern diesmal er selbst. Damit wäre er zumindest mit den Holzmedien fast gleichgezogen - dort sind nämlich Richtigstellungen und auch redaktionsinterner Diskurs innerhalb des Mediums, der sich in sich wiedersprechenden, publizierten Kommentaren (Seite 2) äußern kann, teil des journalistischen Anspruchs.

  • minko

    07.04.10 (19:13:56)

    Stellvertrettent an Tortsen Ich versteh deine Message jetzt nicht so ganz , wird jetzt in den Medien gelogen , Vertuscht und Manipuliert oder nicht ? Ich bin kein Verschwörungstheoretiker (mehr Praktiker:) ) und ich sage folgendes aus Erfahrung : Ich war öfter mal in der Zeitung weil ich etwas getan hatte , in dem Zeutungsberichten dann aber habe ich mich ja fast fragen müssen wer den da jetzt was gemacht hatte weil da wurden Tatsachen Verdreht , Vermutungen als bewiesen hingestellt , vertuscht und gelogen.Bin nur ein kleiner Fisch also es ging um nichts Weltbewegendes , meist um Drogen und da wird gelogen was das Zeug hält.Dasselbe ist nicht nur mir passiert , nein auch noch zich anderen und das eben nicht nur wenn es um Drogen ging. Ich kannte auch mal einem vom BKA der hat dort aufgehört weil , so seine Aussage , kein Zeutungsbericht gestimmt hat in den Fällen wo er selbst bei den Ermittlungen dabei war...das kann man jetzt nur Glauben und ich glaube dies nunmal weil ich es nummal aus eigener Erfahrung kenne.

  • minko

    07.04.10 (19:16:08)

    Stellvertrettent an Torsten und alle die da wo ich nicht verstehe wo Ihr eure überzeugung herhabt das in den Medien nicht gelogen wird und die sich ja um alles kümmern.... Ich versteh deine Message jetzt nicht so ganz , wird jetzt in den Medien gelogen , Vertuscht und Manipuliert oder nicht ? Ich bin kein Verschwörungstheoretiker (mehr Praktiker:) ) und ich sage folgendes aus Erfahrung : Ich war öfter mal in der Zeitung weil ich etwas getan hatte , in dem Zeutungsberichten dann aber habe ich mich ja fast fragen müssen wer den da jetzt was gemacht hatte weil da wurden Tatsachen Verdreht , Vermutungen als bewiesen hingestellt , vertuscht und gelogen.Bin nur ein kleiner Fisch also es ging um nichts Weltbewegendes , meist um Drogen und da wird gelogen was das Zeug hält.Dasselbe ist nicht nur mir passiert , nein auch noch zich anderen und das eben nicht nur wenn es um Drogen ging. Ich kannte auch mal einem vom BKA der hat dort aufgehört weil , so seine Aussage , kein Zeutungsbericht gestimmt hat in den Fällen wo er selbst bei den Ermittlungen dabei war...das kann man jetzt nur Glauben und ich glaube dies nunmal weil ich es nummal aus eigener Erfahrung kenne. Verlast euch auf Spezialisten und Ihr seit verlassen Ivan Illich

  • Torsten

    07.04.10 (19:21:58)

    Wie kommst Du darauf, dass ich der Überzeugung wäre, dass in Medien nicht gelogen wird oder dass alles zum Besten stünde? Das glaube ich nicht und habe es auch nirgends geschrieben.

  • Nigredo

    07.04.10 (22:03:43)

    Fast schon süß, die hier zur Schau gestellte Naivität... Derartige Verpflechtungen und Rücksichtnahmen zwischen Presse und Politik sind so alt wie die Presse selbst - es gibt bloß zum ersten Mal eine echte informationelle Gegenöffentlichkeit, die das exemplarisch aufzeigen kann, während das bei der Printpresse höchstens in den idealistischen Anfangsjahren dieses Mediums gelegentlich der Fall war (-> Spiegel-Affäre) Wenn es ein Feld gibt, auf dem sich die Presse selbst in den letzten Jahren zum Erfüllungsgehilfen amputiert hat, dann der Bereich von Wirtschaft/Werbung...

  • BloodyFox

    08.04.10 (13:40:36)

    Nur eine inhaltliche Kleinigkeit: ein RPG ist eine rocket propelled grenade, also ein Raketenwerfer und kein Granatenwerfer.

  • Falk D.

    08.04.10 (14:34:51)

    Ein Rutschnoi Protiwotankowy Granatomjot ist kein Raketenwerfer. Eine Rakete weist gegenüber der Granate eine nahezu lageunabhängige Reichweite auf. Ist aber völlig uninteressant, außer dass die AH-Piloten bei Sichtung eines Raketenwerfers (Strela) gleich die Hellfire nehmen und das "mildere" Mittel der 30mm MK auslassen.

  • carsten

    08.04.10 (14:53:48)

    Ich gehöre auch zu denen, die keine Fernsehnachrichten und Zeitschriften in sich aufnehmen. War kein Programm, sondern arbeitsbedingt, wie man sagt, keine Zeit. Und jetzt über die letzte Feiertage sah ich etwas fern (weil die Familienangehörigen es auch machten) und da merkt man es erstmal richtig, wie selektiv und steuernd die Massennachrichten sind. Und was mich am meisten überrascht hatte, ich hatte nicht das Gefühl, dass ich nicht auf dem Laufenden war.

  • BloodyFox

    09.04.10 (01:00:04)

    Mag ja sein, im Video ist aber von der Sichtung eines RPG (http://en.wikipedia.org/wiki/Rocket-propelled_grenade) die Rede und der wird ugs. nun einmal als "Raketenwerfer" bezeichnet.

  • Falk D.

    09.04.10 (11:39:00)

    Ohne Dich jetzt persönlich angreifen oder auf Deinem Rückzugsgefecht - immerhin bist Du schon auf der letzten Bastion "ugs." - nochmal nachtreten zu wollen: Wenn Du eine echte Quelle, wie zum Beispiel das TRADOC-Erkennungsblat, die russische GRAU- oder Nato-DIA- Klassifizierung hernimmst, ist und bleibt das RPG-7 ein Granatenwerfer. Auch technisch ist die Differenzierung wichtig, da der Gefechtskopf einer reaktiven Panzerbüchse im Gegensatz zur Rakete eine rein ballistische Bahn zeigt. Es zeigt sich erneut, dass Wikipedia keine verlässliche Quelle ist. Es ist absolut nicht hilfreich, umgangssprachliche Fehler, Synchrobugs oder gar Fehler bei der Bildung von Backronymem im Sinne von "...ein RPG ist eine rocket propelled grenade, also ein Raketenwerfer und kein Granatenwerfer..." zum Standard zu erheben. Gerade in emotional beladenen Kontexten wie Krieg, Unglücke oder Atomare Bedrohung sollte man unbedingt einen Mindeststandard an fachlicher Präzision an den Tag legen. Im Deutschen dürften Trage/Bare, Bergen/Retten oder Energieerzeugung, Kohleproduktion die häufigsten Fehler sein, die schnell zu falschen Vorstellungen führen und unglücklicherweise selbst von hochbezahlten Spitzenjournalisten begangen werden. Das Problem der Medien (da schließe ich online-Medien mit ein) ist, nicht nur der im Text thematisierte mangelnde Mut ein heißes Eisen als erstes anzufassen, sondern dass zu viele Journalisten einfach zu wenig über den Sachverhalt wissen, um eine Quelle richtig bewerten zu können und es trotzdem tun. Leider oft auch an prominenter Stelle. Wikipedia und Google haben in dieser Entwicklung, an deren Ende sich jeder nach drei Mausklicks als Experten für z.B. Luftbildauswertung wähnt, auch eine unrühmliche Rolle eingenommen. Wenn ein Journalist oder Politiker so viele grundlegende Dinge falsch bzw. unpräzise wiedergibt, wie die Herren Bosbach, Wiefelspütz, Lüders oder Theveßen, dann ergibt sind bereits die Stellen, auf die viel referenziert (verlinkt) wird, fehlerbehaftet und es ist für den normalen Betrachter nahezu unmöglich diese Fehler zu erkennen. Von daher ist das Versagen der Medien und der Politik, im Grunde größer. Ihrer Aufgabe komplexe Sachverhalte zu bewerten und zu vermitteln bzw. die fachliche Debatte in der repräsentativen Demokratie zu führen werden beide nicht mehr gerecht.

  • Markus Merz | Hamburg St. Georg

    09.04.10 (13:13:18)

    Manueller Trackback #Medien #Linksammlung: Abschlachten von Zivilisten als Frage der Perspektive http://bit.ly/cNankR

  • Leser X

    09.04.10 (14:11:40)

    Journalistisch schändlich, das auf vielen US Seiten Ipad-News vor diesem Thema kamen. Wenn selbst die seriösesten Seiten im Technikboulevard versinken, dann ist das "echt schade".

  • Carl Englert

    12.04.10 (20:46:46)

    irgendwie paßt der Mord in Bagdad doch ganz gut zu dem Nichtanerkennen des internationalen Gerichtshofes durch die USA, wo die Piloten und deren Befehlsgeber hingehören

  • bernd 24

    14.04.10 (20:04:52)

    Ich freue mich über jeden Leser,den die Zeitungen verlieren.Sie haben ihre Existenzberechtigung verloren.Storrys die keiner lesen will,machen den Hauptteil der Nachrichten aus.Deshalb ist Wikileaks sehr wichtig und wird immer wichtiger.Es bleoibt nur zu hoffen,daß sich Wikileaks nicht kaufen läst.

  • bernd 24

    14.04.10 (20:06:43)

    Das ist doch wohl nicht dein Ernst.Die großen Verlage haben kein Entschlüsselungsmöglichkeiten???

  • meteoritenkacker

    07.11.10 (17:17:53)

    zu diesem artikel und den darauffolgenden kommentaren kann ich mit meinem bescheidenem wissen und meiner nicht akademischer bildung sagen:es ist mir scheissegal,weil der artikel und der dazu gegebene senf komplett am thema vorbeirauscht.was heist hier blamage fuer die us regierung und die massenmedien.haben die hubschrauberpiloten ihren offenen hosenstall gefilmt? da geschieht offensichtlich ein massenmord vor laufender kamera und hier wird diskutiert welchen stellenwert die quatschkoepfe aus der storygeilen sensationsjaeger szene haben.als ob die korrekte bezeichnung einer menschenvernichtenden waffe irgendeinen einfluss auf die mordlust zund schiesswuetigkeit von ein paar ungebildeten helikopterpiloten hat,geschweige denn eine rolle in der bewertung des vorfalls durch die exekutive der zustaendiegen stellen der us armee spielt. schmeisst die glotze und das radio weg,nehmt die zeitungen zum fisch einwickeln oder arsch abwischen und betrachtet die lobbygelenkten massenmedien als das was sie sind medien fuer die massen.man kann getrost jeder einzelnen meldung mistrauen.wer das zu relativieren versucht ist ein verdraenger und sollte sich von einem gehirndoctor auf verschobene wahrnehmung untersuchen lassen.@carl schoen ,dass du das ansprichst.das ist einer der finstersten aspekte in diesem krieg.ein von der us regierung ausgestellter freihbrief zum toeten und schiessen auf alles was sich bewegt.

  • Enhüller

    29.11.10 (21:45:09)

    @LexX Noel: Hast du wirklich erfasst um was es geht? @all: Wikileaks hat bisher nur 1 wirklich relevante Enthüllung gebracht. Das Video aus dem Irakkrieg auf dem Journalisten aus dem Helikopter gejagt und erschossen wurden. Der Rest war bisher nur irrelevantes Zeugs oder nur Desinformation wie z.B. heute(!)). Wer finanziert eigentlich Wikileaks? Angeblich aus Spenden! Warum haben Sie Assange nicht schon längst aus dem Verkehr gezogen? Es geht wohl um den nächsten Krieg ... wer wird der nächste sein? Pakistan(!)?, Iran oder Nordkorea? Kann sich die USA wirklich alles(!) herausnehmen ... und jeden so manipulieren wie Sie es möchte? ... Wir sind schon längst weiter als 1984, ... wir haben es blos noch nicht bemerkt(!). Dass das Volk schläft und sich berieseln lässt möchte ich ja gar nicht in Abrede stellen. Dass viele Untätig sind - auch nicht. Aber ein kleiner Anfang sind ja Foren wie dieses hier!

  • Martin

    30.11.10 (10:34:08)

    Die Medien in den USA sind nicht nur nicht bereit heisse eisen anzupacken sondern sie haben den krieg ja auch propagandistisch vorbereitet. Nicht weil sie von der regierung abhängig sind, vielmehr ist die regierung von den medien abhängig. Siehe z.b. monika lewinski oder ein alkoholproblem von bush. die medien entscheiden was davon "durchgenommen" wird und was nicht. Achtung "jüdische weltverschwörung": aber es ist trotzdem so das der irak krieg in erster linie israel nutzt da ein starker staat im osten destabilisuiert wurde (mehr war auch nicht gewünscht) und es gibt zionisten in den usa denen Fernsehsender gehoerden. beispielsweise redstone oder murdoch. Den US fersehsendern vorzuwerfen sie wollten keine "heissen eisen anpacken" ist daher so naiv als würde man vom koreantischen staatsfernsehen verlangen kritisch zu berichten.

  • romdhao

    20.12.10 (14:09:56)

    Es ist gut, dass es jetzt eine Trendwende im Internet gibt, und die zensierten Informationen auf diesem Weg frei zugänglich werden. romdhao

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