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15.12.08Leser-Kommentare

Wie weiter ohne Geld: Inhalte, von Spenden finanziert

Die direkte Unterstützung ist ein Ausweg aus der Abhängigkeit von Werbung. Inhalte würden so refinanziert, der Journalismus gerettet. Wir spenden und gucken, was passiert.

Funktioniert der Spenden-Journalismus? (voxeros, CC-Lizenz)Immer mehr Journalisten sehen sich gezwungen, für beleidigende Honorare zu schreiben, Absagen zu sammeln oder einen anderen Beruf zu ergreifen: Wohin mit all den Entlassenen? Was tun? Gibt es auch Einnahmequellen jenseits von werbefinanzierten Titeln?

Ich habe es kürzlich das erste Mal getan. Eine Spende an einen Blogbetreiber. Ohne Zwang und aus einer Laune heraus drückte ich den PayPal-Knopf auf JacoBlök. Das ist ein Blog von Andi Jacomet, einem mir persönlich unbekannten Mittdreissiger aus Bern, der sein Geld als Webpublisher, Texter, Hobbyfotograf verdient und immer wieder lange, lesenswerte Blogeinträge verfasst.

Zum Beispiel über die eingefahrene Olivenernte: "Das flüssige Gold ist da - 28,5 Liter eigenes Olivenöl". Nicht, dass das JacoBlök für mich das beste Blog der Welt ist, aber ich wollte es mal versuchen mit dem Spenden und überwies 20 Franken. Angekommen sind dann nur 18,73 Franken, aber immerhin.

Über sein Blog sagt Jacomet, es sei ein Kraut-und-Rüben-Blog mit Beiträgen, "die von quasijournalistischen Texten bis Ferienberichten so ziemlich alles beinhalten". Zu finden sind "Archiv-Perlen von DRS1 und DRS3", Dokumentationen der Probleme beim Wechsel des Telefonanbieters oder aber ein Zeugnis über die Wirkung von Blogs, und sei es auch nur etwas Banales wie das "Comeback des Holunderblütensirups bei der Migros".

Das Internet ermöglicht direkte Zuwendungen auf einfache Art. Mit wenigen Klicks kann man unterstützen, was einem wert erscheint. Kleinere Zuschüsse sind eher moralische als existenzsichernde Zuwendungen. Was aber, wenn ein Blogger plötzlich 10.000 Euro erhält von einem Spender, der ihm schreibt, er solle so weitermachen wie bisher, vielleicht sogar selbst anonym bleibt?

Markus Schneider, Journalist und Mitinhaber des Buchverlags Echtzeit, schreib kürzlich in einem Blogeintrag:

Wer nämlich wirklich Kultur fördern will, kauft seine Bücher am besten direkt. Dann verdient kein Grosshändler, kein Zwischenhändler, keine Migros-Tochter - sondern diejenigen, die das Kulturgut Buch herstellen.

Und so ist es mit allen Inhalten. Wer Inhalte fördern will, der muss das Geld den Produzenten der Inhalte geben. Also den Schriftstellern, den Musikern, den Fotografen, den Filmern, den Bloggern, den Illustratoren, den Journalisten.

Ich überlege mir, auch einen PayPal-Button in mein eigenes Blog einzubauen. Nicht, weil ich denke, dass meine Ergüsse so wertvoll sind, dass sich unzählige "Fans" darum schlagen würden, mir den ersten oder den grössten Beitrag zu überweisen. Aber wäre eine Welt, in der ein "Find’ ich gut" auch finanzielle Konsequenzen nach sich zieht, nicht vorstellbar? Könnte die gelegentliche Spende nicht ein Übergang sein zu einer noch immer weit weg scheinenden Welt der Micropayments?

Andi Jacomets Beispiel schreckt ab. Meine Spende ist die erste, die eingeht, seit er den Button Ende 2006 auf sein Blog gesetzt hat. Sie wurde freundlich verdankt:

Hallo Ronnie

Das ist aber nicht Dein Ernst...? :) Echt? Famos - die erste Spende!

Vielen Dank und Grüsse

Andi

Selbst glaubt er nicht an den Erfolg dieser Art von Finanzierung:

Es wäre an sich ein begrüssenswertes Modell, ist aber bloss eine schöne Illusion: Der Mensch funktioniert leider nicht so. Ich gebe gern zu, dass ich ja auch nicht auf jeden Spendenbutton klicke, den ich im Web sehe - selbst bei PHP-Applikationen nicht, die ich seit Jahren gern einsetze. Der Effekt ist wohl: "Aha, es funktioniert offenbar auch ohne Spenden, wieso soll ich denn da was bezahlen?"

Was meint ihr? Würde jemand freiwillig einem Blogger oder Journalisten Geld überweisen? Immerhin geht es um Berufsgruppen, die im Ruf stehen, ihr Geld sowieso nur für Tabak, Wein, Gadgets, Software oder DVDs auszugeben.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Hans Krame

    15.12.08 (09:55:07)

    Wie gesagt, die Pharmaindustrie sucht noch Tablettentester. Wäre das nicht auch ein neues Berufsfeld für Journalisten? Mal im Ernst ... die Journalisten verlieren ihren Job, weil sie nichts können und doch über alles schwaffeln. Das ist doch natürlich und warum soll man sich darüber aufregen?

  • Bernhard Sturm

    15.12.08 (13:06:28)

    Man könnte da nun sehr wohl mit der freien Marktwirtschaft argumentieren. Also: wer was zu sagen hat, dem wird zugehehört und dem bezahlt man auch was dafür. Beispiele dazu gibt es genügende. Eines davon ist die 'Huff-Post' wo mit dem tradierten Rollenmodell des Journalisten gebrochen wird und damit mehr Leser als NYT oder die Washington Post gewonnen hat (und nebenbei kostendeckend via Spenden funktioniert). Die Einschätzung von Andi Jacomet teile ich hingegen nicht: erfolgreiche Open-Source-Produkte finanzieren sich sehr wohl erfolgreich über Spendengelder. Die Krux ist wohl: nur Ideen die eine entsprechende Relevanz aufweisen ziehen Spenden an (Bsp. Wikipedia). Das gleiche Prinzip gilt wohl auch für den Journalismus...

  • Steffen Seitz

    15.12.08 (13:15:14)

    Für dpa-Umschreibungen muss man sicher nicht spenden, aber gute Journalisten müssen weiter unterstützt werden. Glaubt man dieser Website, funktionierts schon.

  • Martin Sowa

    15.12.08 (14:34:38)

    Spendenbasierte Medien funktionieren, wenn die Leistung für den Konsument berechenbar ist und überzeugt. Es gibt zahlreiche Webradios, die so arbeiten, listener supported, commercial free. Ihr Geschäftsprinzip: Fokussierter Sound, Verzicht auf Blabla. Mein Favorit: somafm.com

  • Hildebrandt

    15.12.08 (14:36:02)

    In Zukunft heisst im "Indiskreten Interview" dann die Frage nicht mehr "Haben Sie schon mal für Sex bezahlt" sondern "Haben Sie schon mal einem Blogger Geld gespendet"? Ich hab schon mal Mary-Ann Johannsens www.flickfilosopher.com gespendet. Filmkritik mit gutem Menschenverstand.

  • Julian Hansmann

    15.12.08 (14:59:50)

    Ich kann mir schon vorstellen, dass man einen Blogger, der einem wirklich über lange Zeit Lesenswertes liefert, durch eine Spende beglückt. Ich glaube aber, dass es dabei weniger darum geht diesem den Lebensunterhalt zu finanzieren, sondern darum Danke zu sagen oder ein Lob auszusprechen. Gerade durch die blitzschnelle Abwicklung via PayPal, kan man ja auch einfach mal einen kleinen symbolischen Betrag rübersenden können, einfach so als Aufmerksamkeit!

  • Daniel

    15.12.08 (15:22:57)

    Hey, also ich finde das "spenden" an sich ja schon toll, habe aber bisher trotzdem noch nie die Motivation gefunden, mir ein Paypal-Konto einzurichten. Wobei das spenden im Netz ja wirklich noch einfacher ist... wenn du einen Spendenbutton auf die Seite packst, dann werde ich mir endlich mal ein Konto einrichten. denn dein Blog gehört zu einem meiner allerliebsten Blogs... derDaniel

  • Mark S

    15.12.08 (17:03:11)

    @4: An Soma.fm spende ich auch, monatlich 3 US-Dollar als "Abo". Dabei ist allerdings zu bedenken, dass es sich um ein nicht kommerzielles Projekt handelt, das lediglich die Betriebskosten und Lizenzen und keine Arbeitsplätze finanzieren muss. Blogger und Journalisten können sich kaum an Soma.fm orientieren. Und ich als Leser werde Online-Schreibern nichts spenden. Wenn ich jedem Autor in meinen Bookmarks, den ich regelmäßig lese, auch einen regelmäßigen kleinen Betrag zukommen lassen wollte, müsste ich für meinen eigene Unterhalt bald ebenfalls sammeln gehen!

  • mds

    15.12.08 (17:08:45)

    Spenden? Almosen für Journalisten? :-> Journalistische Leistung gegen Geld oder anderes von Wert … und wer für seine journalistische Leistung (oder was er dafür hält) keine Gegenleistung generieren kann, sollte sich eine andere Tätigkeit suchen oder Journalismus als Liebhaberei betreiben.

  • Jan

    15.12.08 (19:12:02)

    So wie nicht jede Zeitschrift, nicht jede TV- oder Radiosendung überlebt, kann auch nicht jedes Blog (finanziell) überleben. Wenn es den Lesern entsprechend wichtig ist, werden sie auch etwas dafür zahlen - aber das dürfte die Ausnahme sein und nur funktionieren, wenn man aktiv Spenden einsammelt. Man denke nur an die taz, die immer mal wieder mit dramatischen Aktionen (leere Titelseite bspw.) auf ihr nahendes Ende hinweist, wenn man nicht jetzt ein Abo abschließt (also Dauerspender wird). Bei ihr funktioniert das, weil Ihr Ende eine echte und für die Leser schmerzliche Lücke hinterlassen würde. Bei wie vielen Websites hat man aber dieses Gefühl? Es wird Blogs geben, die auch durch die finanzielle Unterstützung ihrer Leser leben. Die meisten werden sich mit Werbung aller Art durchschlagen oder durch das Blog auf anderen Feldern Geld verdienen, aber eben nicht mit dem Blog. Und dann gibt es da noch die große Gruppe Menschen, die mit ihrem Blog überhaupt gar kein Geld verdienen wollen. Die freuen sich, auf diesem Weg mit anderen kommunizieren zu können. Ich denke schließlich auch nicht darüber nach, durch Telefonieren, das Verschicken von E-Mails oder Diskussionen am Kneopenthresen meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Letztlich sind Blogs für viele Menschen Gespräche und kein Journalismus und kein Beruf - nichtmal eine Berufung. Das wird in der Diskussion gerade von Journalisten immer wieder gern übersehen.

  • ArtVandalay

    15.12.08 (20:37:07)

    das argument, man verzichte auf spenden, da die leute ihr know-how und ihre beiträge ja auch so zur verfügung stellen, erinnert an diskussionen in der literaturwelt - da sprechen sich manche gegen förderungen aus, da gute literatur ohnehin ungeachtet finanzieller interessen geschrieben würde. für mich ein etwas kurzsichtiges argument - es kommt schliesslich vor, dass künstlerische karrieren aus finanziellen gründen abgebrochen werden oder nicht mit vollem eifer weiterverfolgt. wer weiss, um welche großen werke wir dadurch schon gebracht wurden? gut, etwas weiter ausgeholt, drum jetzt knapp zum schluss: ja zur spende, ja zur finanziellen unterstützung von geistigen inhalten, an denen wir freude haben. (wenngleich ich zugeben muss, bisher nur für wikipedia gespendet zu haben)

  • XiongShui

    16.12.08 (05:58:07)

    Ja, ich habe schon gespendet, zum Beispiel für (freie) Software, die ich nutze, oder etwas, daß ich einem Künstler "abgekauft" habe. Allerdings nicht über Paypal oder sonstige Mitverdiener. Wenn es eine Kontonummer gibt, oder mir auf Anfrage eine mitgeteilt wird, überweise ich gerne. Es ist nichts einfacher als online zu überweisen und, es kommt der Betrag an, den ich abschicke. Wieso also nicht eine Kontonummer angeben? Denn wenn schon (z.B. Musik) ohne Musikindustrie, dann auch bezahlen ohne Bezahlindustrie, wo bleibt sonst die Konsequenz?

  • Hugo E. Martin

    16.12.08 (06:35:10)

    Das hängt vielleicht auch, wie bei @9. mds daran, dass (besonders hierzulande) Spenden irgendwie als teilen mit den Armen oder als Entlastung für das schlechte Gewissen herhalten muss und weniger als Förderung von jemandem und/oder für etwas Schönes + Wichtiges. Gab es einige deutsche Fürsten, die sich ihren Dichter, Komponisten, Architekten, Hanswursten, usw. hielten und dafür mehr oder weniger tief in die Tasche griffen, waren die Beihilfen für "Stadtschreiber" in der Regel eher dürftig. Gerade vermeldet der TNS Spendenmonitor für 2008 wieder rund 2,8 Mrd. Euro Privatspenden, plus Firmen- und Institutionelle Spenden. Da käme da ein hübsches Sümmchen zusammen, wenn man denn den Journalismus für etwas Wichtiges halten würde, wichtig für die Gesellschaft, für Kultur, Bildung, usw. Ich denke diesen Gedanken und die Bereitschaft lohnt sich zu entwickeln und zu fördern. Gefördert werden sollte aber nicht so sehr der Longtail der Industriekette, sondern die, die am Anfang der Produktionskette stehen. Kurz: ich erwarte die Rettung des Journalismus nicht vom Staat, nicht von der Masse der Leser, den Werbetreibenden und auch nicht von den Journalisten selber, sondern von denen, welche die Qualität von Journalisten und Journalismus schätzen und privat und institutionell fördern wollen. Ja ich halte eine Apanage für Schriftsteller, Fotografen, Denker, Wissenschaftler, etc. die für eine bestimmte Zeit z.B. in der Zeit oder der Süddeutschen, oder Magazinen, TV und vielleicht auch Blogs schreiben / veröffentlichen für denkbar, ja für überlebensnotwendig für 'großen' Journalismus in Deutschland und habe den leisen verdacht, dass sich vor allem Medienunternehmen von solchen (von ihnen) unabhängigen Geistern auch ein wenig fürchten.

  • Bernhard Sturm

    16.12.08 (08:34:37)

    @13: Das hängt vielleicht auch, wie bei @9. mds daran, dass (besonders hierzulande) Spenden irgendwie als teilen mit den Armen oder als Entlastung für das schlechte Gewissen herhalten muss und weniger als Förderung von jemandem und/oder für etwas Schönes + Wichtiges. Ein interessanter Gedanke. Zu mal das Spenden von unterstützungswürdigen Projekten (Kultur, Software, Journalisten) eher im angelsächsischen Raum auf Akzeptanz zu stossen scheint. Hat das was mit unserer protestantischen Ethik nach Max Weber zu tun? Wer nicht arbeitet und sein Kapital so akkumuliert hat kein Anrecht auf eine, eventuell ungerechtfertigte, Spende? Ist doch spannend, wie wir unseren kulturellen Habitus nicht einfach so abstreifen können und uns Westeuropäern unsere religiöse Prägung sogar im Bloggen in die Quere kommt.

  • g.braun

    16.12.08 (15:15:26)

    Ich spende immer aus demselben Grund nicht: Ich weiß nicht, ob es die anderen tun oder bereits außreichend getan haben. Das ist wie die Hilfeleistung in zB einer U-Bahn, wo jemand bedroht wird. Es sind nicht alle gleichgültig, doch jeder denkt, die anderen sind doch auch da und alle helfen nicht. Laut den Polizeiratgebern muss das Opfer direkt jemanden Ansprechen und sagen du und du.. helf mir. Dann verweigert fast niemand die Hilfe. Übertragen heißt das und meine folgende Idee, bei dem ich hiermit alle auffordere mitzumachen: Es müssen billige öffentliche Konten in der Art eines Treuhandkontos von irgendeiner Bank (zB Paypal, Ehtikbank egal..)geschaffen werden, wo der Spender erkennen kann, wieviel der Künstler/Schreiber verdient hat. Erst in dem Moment des öffentlichen Kontos kann ich einschätzen, wieviel Wert mir der Artikel und die Spende dazu ist. Habe schon die zwei Banken angeschrieben, wegen öffentlicher Konten, aber bisher keine Reaktion bekommen. Meine Idee wozu ich euch auffordere, möglichst viele Leute zu sammeln, bestmöglich über 100 000 und sich gemeinsam an eine Bank wenden, um solche Konten zur Verfügung stellen. Dann würde der Spendenknopf Sinn machen, wenn da zB steht, Spenden erhalten insgesamt .. und Spenden erhalten für diesen Artikel. Viele Artikel oder auch sonstige Leistungen/Musik/usw werden in mühseliger Arbeit hergestellt und sind oft sehr nützlich. Der zB Journalist könnte zB den Aufwand neben den Artikel schreiben, so daß man seine Arbeit auch einschätzen kann. zB gibt es in vielen Foren Leute, die einen wirklich gute Ratschläge auf die eigene Frage geben. Wenn ich mir durch so eine Antwort 4 Stunden nachlesen erspare, wäre es doch klasse, wenn man sich mit sagen wir 4 € bedanken würde. Um Leute zu sammeln, die dann gemeinsam die Banken anschreiben, bräuchte man eine schlichte Seite, wo man sich speziell zu diesem Thema anmelden kann. Dann braucht es nur noch einen 5zeiligen Newsletter um alle 2 Monate den Leuten den Stand der Dinge zu sagen und fertig. Dann müßte man nur noch einige Informatiker bespenden, die das uns ermöglichen mit einfachen Mitteln auf die Seiten einzubauen und wenn alles gut geht, müßte es in einem halben Jahr existieren und viele gute Leute könnten von ihr ehrliches Geld verdienen, anstelle von Hartz4. Ronnie wie wär's. Es garantiert dir viele Klicks das Thema... Grüße

  • ArtVandalay

    16.12.08 (22:22:57)

    http://spot.us/ Die Webseite schlägt Stories vor und fordert Interessierete auf, in die Stories zu investieren - sobald der festgesetzte Betrag erreicht wird, übernehmen freie Journalisten die Recherche und das Schreiben der Geschichte. spannendes Modell.

  • Robert Wetzlmayr

    17.12.08 (06:01:08)

    Ryan Trash, Gründer des Open-Source-Projekts MODXCMS, hat es einmal sehr schön auf den Punkt gebracht, als es um die Finazierung der Arbeit an diesem kostenlosen Program ging: "Donations is no business model." Und das ist die simple Wahrheit.

  • Dieter

    17.12.08 (08:00:19)

    Heh Sehr unterhaltendes Bild, Grüße zu dem Autor! :)

  • Claudia Klinger

    17.12.08 (09:57:12)

    Im Jahr 2005 hatte ich mal in meinem Digital Diary ein paar Monate "Artikel sponsern" angeboten: es gab eine Vorschlagsliste (Themen, die ich schreiben wollte) und ein Eingabefeld für Themenwünsche des Sponsors (die ich mir abzulehnen vorbehielt). Als Spende waren im Formular 30, 50 und 70 Euro möglich, die Spender konnten sich wünschen, ob sie (mit Link) als Sponsor genannt sein wollten. Binnen zwei, drei Monaten kamen so gut 600 Euro rein - aber nur, weil ich meine damals heftigen Finanzprobleme ausreichend dramatisch im Digital Diary beschrieb. Als es mir wieder besser ging, hörte ich wieder auf, "Artikel on demand" zu promoten. Denn ich hatte gemerkt, dass ich mir damit ein "Arbeitsgefühl" ins Bloggen bringe, das ich da nicht haben will. Einfach nur so spenden ohne den Bezug zu einer "Gegenleistung" hätte NICHT geklappt, bzw. viel weniger ergeben - da bin ich mir sicher.

  • Claudia Klinger

    17.12.08 (10:00:51)

    P.S. Im Moment sammle ich übrigens Spenden für den Brunnenbau in Kambodscha - gestern war der Spendenstand 793 Euro. Es könnte noch mehr werden ;-)

  • Reto

    17.12.08 (10:27:43)

    Bezüglich offenen Konten: sowas ähnliches bietet zum Beispiel ChipIn (http://www.chipin.com/), das einfach ein Spendenbarometer ist (allerdings wieder via Paypal). Aber solche öffentlichen Konten wären ein echtes Bedürfnis für gemeinschafts-finanzierte Projekte.

  • g.braun

    17.12.08 (12:40:32)

    Hier sind ja schon einige super Tips bei. Einmal das offene Konto von Reto dann das Spot us von artVandalay. Jetzt will ich auch noch was zum besten geben. Kredite von Mensch zu Mensch. Es scheint sogar zu funktionieren. Wollte es mal für ein Projekt von mir (eine Kupferstichserie für einen Kalender colorieren) verwenden, um eine höhere Auflage sicherzustellen. Die Kreditgeber hätten dann die Kalender sozusagen im vorhinein kaufen können. Habe das immer noch vor, bin mir aber vom Konzept nicht sicher. Es ist wohl sinnvoller damit zu beginnen, wenn alles fertig ist, um dann nur noch Abnehmer für zB 1000 Stück finden zu müssen. Die Leute müssen ja auch einen Vorteil haben, wenn sie was vorfinanzieren.

  • Wolfgang Michal

    17.12.08 (13:42:44)

    Nichts gegen Mäzenaten und "Verleger von unten". Aber richtig Geld käme ins Netz, wenn die DSL-Breitbandanbieter einen Teil ihrer Flatrate-Einnahmen für die Inhalte abtreten müssten. Dieser Gebührenanteil käme den freien Netzproduzenten zugute. Warum sollte es neben ARD und ZDF nicht auch eine öffentlich-rechtliche Internetanstalt geben? http://www.autoren-reporter.de/index.php?option=com_content&task=view&id=846&Itemid=227

  • mds

    17.12.08 (15:15:06)

    Aber richtig Geld käme ins Netz, wenn die DSL-Breitbandanbieter einen Teil ihrer Flatrate-Einnahmen für die Inhalte abtreten müssten. Für Inhalte bezahlen, auch wenn man sie gar nicht nutzt? Warum sollte es neben ARD und ZDF nicht auch eine öffentlich-rechtliche Internetanstalt geben? Noch mehr Staatspropaganda, noch mehr Staatsabhängigkeit für noch mehr Menschen? :->

  • g.braun

    17.12.08 (16:11:18)

    Da bin ich ja nun ganz strikt dagegen, dass man pauschal für Inhalte bezahlen muss. Wer bekommt denn dann das Geld? Doch nur die mit Parteibuch oder Gewerkschaftsanbindung. Freie Netzproduzenten? Wer zwangsweise eingezogenes Geld bekommt und auf sein Parteibuch schielt ist nicht frei. Dann wäre das Internet ganz schnell ein Einheitsbrei. Ich bin auch sehr dafür, dass man die GEZ Gebühren um 98 Prozent kürzt. Damit können sie alte Inhalte verwalten und das soll reichen. Ansonsten sollte man die abschaffen. Es ist schon eine Frechheit, dass man mehr als 15 € im Monat für die öffentlich rechtlichen Sender zahlen muss. Wenn die jetzt zB noch Geld für ihre Verdummungsnachrichten im Internet bekommen wollen, dann weiß ich nicht, was mir einfallen wird.

  • Wolfgang Michal

    17.12.08 (17:55:41)

    @g.braun Bei einer Zeitung zahlt man doch auch pauschal für alle Inhalte einer Ausgabe (z.B. für die x-te Beilage "So retten Sie Ihr Geld vor der Abgeltungssteuer"), obwohl man nur ein paar Artikel liest, im Rundfunk zahlt man pauschal für alle Inhalte, obwohl man nur bestimmte Sendungen hört bzw. sieht. @mds "Staatspropaganda" ist das übliche Totschlagargument gegen öffentlich-rechtliche Organisationsformen. Es lässt sich auch aus den Fehlentwicklungen lernen. Hier geht es um die Grundsatzfrage, wie unabhängiger Journalismus im Netz finanziert werden kann, wenn Verlage dafür kein Geld rausrücken. Die meisten Netz-Journalisten werden einfach granatenmäßig schlecht bezahlt.

  • Klaus Jarchow

    17.12.08 (18:02:37)

    @ g.braun: Die Privaten sind noch schlimmer: "Der Niedergang des privat finanzierten Journalismus in Deutschland ist ein Desaster, eine Scheußlichkeit für das Gemeinwesen. Menschlich noch scheußlicher aber ist, dass für die Hinrichtungsmaßnahmen Begriffe aus der Sprache der Unternehmensberater gewählt werden. Man stärkt Kernkompetenzen und schärft Markenprofile, wo in Wirklichkeit Leute entlassen werden und man den Journalismus beerdigt. Es ist so widerlich, dass als Triumph verkauft wird, was in Wirklichkeit komplettes Versagen ist, dass man den 68er Schlachtruf „Enteignet Springer“ am besten umformulieren sollte in: „Enteignet sie alle.“

  • mark

    18.12.08 (13:56:22)

    Ich habe zum Beispiel Tim Pritlove (Chaosradio Express Podcast) auf seinen Aufruf hin eine Spende zukommen lassen. Und damit war ich bei weitem nicht der einzige. Für Dinge, die es einem wirklich wert sind (und da gehören gute Blogs für mich genauso zu wie z.B. Wikipedia - denn freies Wissen sollte jedem auf der Welt zugänglich sein - oder humanitäre Hilfsorganisationen). Der Button allein tut's vielleicht nicht auf die Schnelle, eine vernünftige Ankündigung (aber im Rahmen bleibend natürlich) sollte schon sein, um einen Überblick über Sinn und Zweck der Spenden und u.U. die Verwendung zu erhalten. "Aus dem Nichts heraus" werden Spenden sicher eine Seltenheit bleiben. Mit einer guten Begründung hingegen sind sicherlich viele bereit, für eine gute Qualität auch das Portemonnaie zu öffnen. Viel Erfolg :-)

  • g.braun

    18.12.08 (22:22:44)

    Ich bin ganz auf Seiten der Journalisten. Aber sie müssen auch selber aktiv werden. Ich habe zB seit bestimmt 15 Jahren keine einzige Zeitung mehr gekauft. Hatte aber früher täglich 2-3 gekauft. Ich wäre sofort bereit, für einen Artikel mich zB mit 5-10 € im Vorhinein zu beteiligen, wenn ich a weiß das unabhängig recheriert wird. Wenn die angenommenen Gesamtkosten klar sind zB 60 Stunden verteilt wann der Artikel fertig sein wird und was das Thema ist. Ich habe selber viele Ideen zum Schreiben und recherchieren, nur ich bin kein Journalist. Es wäre doch klasse, wenn die Leute themen vorschlagen können, andere sagen können ja dafür würde ich auch spenden, dann sich 1 oder mehrere Journalisten zusammentun, die eingetragenen Leute anmailen, diese dann Spenden und dann können die Journalisten loslegen. Oder umgekehrt sie schlagen ein Thema vor. Fragen im Spenderpool nach, die spender stellen den Betrag für den Fall, dass das Geld zusammen ist zur Verfügung. Wenn genug Geld vorhanden ist, legt der Journalist los, ruft das Geld ab. Wenn nicht, geht das Geld zurück. Das ist doch technisch alles machbar. Es wird sich doch schnell herausstellen, welchen Journalisten man vertrauen kann. Eine weitere Möglichkeit ist, man finanziert nicht vor, aber weiß der Journalist macht gute Arbeit und bietet den Artikel an. Jetzt ist nur noch die Frage, wer verdient daran. Die, die vorfinanziert haben oder der Journalist. Hier muss man eine gerechte Lösung finden. Die Fairness ist technisch möglich. Aber ich werde nicht Artikel über Atomkraft bezahlen, die ich schon vor 20 Jahren gelesen habe. Es gibt doch beliebig viele Möglichkeiten das zu organisieren. Genauso wie ich früher Abos bezahlt habe, könnte man jetzt auch Abos für Journalisten Gruppen bezahlen. Und ich brauche etwas zum ankreuzen, was mich überhaupt nicht interessiert. zB, warum soll ich bezahlen, um erfahren zu müssen, das mein Berlin-Spandauer Bezirksbürgermeister ein Denkmal für die Opfer von dazumal eingeweiht hat. Ich will eher wissen, wer auf die blöde Idee gekommen ist, mir für 50 000 € mit einem Schrotthaufen den Weg versperrt zu haben. Dafür kann man schon einige Stunden Nachhilfeunterricht in Deutsch anbieten. Um das zusammenzufassen: Die Journalisten, sollten sich einfach mal organisieren und Informatiker ansprechen, wie das technisch umzusetzen ist. Und auch dafür lassen sich Spenden für die Technik sammeln. Dann gibt es einen Journalistenpool mit verschiedenen Themen und los geht's. Dazu braucht man keine Partei, keine Süddeutsche, kein Spiegel, kein wir sehen nur Grünblatt, sondern endlich mal freie Journalisten. Die Journalisten müssen nur wissen, dass manche Menschen ein Gedächtnis haben. Ich zahle nicht für Artikel, die ich schon 5 mal gelesen habe. ZB gab es so zwischen 80 bis 1985 einen artikel im Spielel, dass Brandenburg 2015 verwüstet sein soll. Und wenn ich heute etwas vom Waldsterben oder Naturkatastrophen lese, fällt das natürlich auf den Boden der bereits gelesenen Prognosen. Entschuldigt, wenn ich so rumrede. Der Journalismus hat eine Menge Chancen momentan. Nur müssen sie sich organisieren. Wer kann das besser als Journalisten?

  • Ronnie Grob

    19.12.08 (08:09:06)

    Dass sich daraus eine so anregende Diskussion entwickelt, hätte ich nicht gedacht. Vielen Dank allen bisherigen Teilnehmern! Sehr interessant finde ich das angesprochene spot.us, das tatächlich ein möglicher Ausweg sein könnte. Wer macht das auf deutsch? Ich bin zur Mitarbeit bereit. Vorerst hat mich die Diskussion darin bestärkt, in meinem Blog die Möglichkeit zur Spende anzubieten. Sicher funktionieren Spendenaufrufe viel besser, wenn es a) konkret um etwas geht und man das b) emotionalisieren kann. Man kann aber auch aus grundsätzlichen Überlegungen spenden. Weil man nach wiederholtem Bezug von Leistungen etwas zurückgeben möchte. Oder vielleicht in die Zukunft investieren will. Ich kann mir eine Welt, in der sich Firma / Verband / Gruppe / Einzelperson X vom ausgewählten Journalist / Autor Y wünscht, dass er etwas über Thema Z schreibt, vorstellen. Natürlich nur, wenn der Journalist unabhängig bleibt und nicht mit Vorgaben versehen wird (sonst ist es ein PR-Auftrag, kein Journalismus). Und das wirkt in jedem Fall, so sauber das in einem konkreten Fall vielleicht auch ablaufen würde, besser, wenn nicht nur ein, sondern mehrere Geldgeber (mit verschiedenen Interessen) dahinter stehen.

  • Reto

    19.12.08 (08:45:15)

    Das Problem von bezahlten Artikeln ist die Unabhängigkeit, welche plötzlich nicht mehr gegegeben ist. Das gleiche Problematik kennt man ja auch bei bezahlten Blogbeiträgen (Trigami, etc.). Die Geldgeber müssten im Prinzip unbekannt bleiben, um das Resultat nicht zu verfälschen.

  • Christoph

    05.01.09 (12:09:43)

    Weiß jemand, ob es in Deutschland auch schon Journalisten gibt, die sich hauptsächlich über Blogs finanzieren, wie etwa Sullivan oder Albritto in den USA?

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