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25.01.09Leser-Kommentare

Wie Musiker mit dem Web Geld verdienen: Antworten auf Kritikpunkte

Zu den Aussagen in meinem Artikel "Wie Musiker in Zeiten des Internets Geld verdienen (können)" entstand eine rege Debatte in den Kommentaren und auf anderen Blogs rund um die geäußerten Thesen und Empfehlungen an die Musikbranche. In diesem Artikel versuche ich, auf die am häufigsten geäußerten Kritikpunkte einzugehen.

Ich höre..Die zwei wesentlichen Punkte meiner Ausführungen zur ökonomischen Situation und den daraus entstehenden Konsequenzen für Musiker lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1. Musikdateien können ohne Kosten kopiert und verbreitet werden.

2. Musiker können in Zeiten des Webs nicht nur ebenso gut, sondern auch besser verdienen als in den Zeiten, als es nur physische Tonträger gab, indem sie die Kosten für die Musikaufnahmen nicht durch den Verkauf der Kopien dieser Aufnahmen versuchen einzunehmen, sondern über andere Wege. Die erfolgversprechendste Strategie ist, die digitalen Musikaufnahmen stattdessen kostenfrei unter das Volk zu bringen, um so den eigenen Bekanntheitsgrad zu maximieren. Und diesen dann mit dem Verkauf knapper Güter in Einnahmen zu verwandeln.

Zur detaillierten Argumentation siehe den ursprünglichen Artikel.

Kommen wir nun zu den am häufigsten geäußerten Kritikpunkten. Die Kritikpunkte sind fett hervorgehoben, darunter stehen meine Antworten.

Musik ist ein knappes Gut. Es gibt nicht unendlich viele Lieder.

Ja und nein. Ich habe nie behauptet, dass die Gesamtheit der Musikaufnahmen endlos ist. Endlos sind dagegen die digitalen Kopien eines Songs. Diese Kopien einer Aufnahme stellen die freien Güter dar. Die 'Herstellung' und Verbreitung der Kopie ist kostenlos. Ihr Konsum ist von Nichtrivalität gekennzeichnet und die Kopien werden nie aufgebraucht sein.

Daraus ergeben sich die im Artikel besprochene Kostenstruktur und ihre Implikationen.

 

Das trifft dann aber auch auf Software, E-Books und Filme zu.

Stimmt. Das ändert aber nichts an der grundlegenden Situation.

Es ist tatsächlich so, dass sowohl digitalisierte Bücher als auch die digitalen Kopien von Filmen die gleiche Kostenstruktur aufweisen:

  • Die Erzeugung des eigentlichen Inhalts ist in der Regel mit Kosten verbunden, die - plus Gewinn - wieder eingespielt werden wollen.

  • Die digitalen Kopien selbst haben variable Stückkosten (oder Grenzkosten) von Null.

Auch hier trifft die grundlegende Argumentation zu: Die Produzenten müssen knappe Güter mit Mehrwert anbieten, für die das Publikum bereit ist zu zahlen. The Dark Knight hat einen(!) Weg für Hollywood aufgezeigt: Filme, die man auf der großen Leinwand sehen will.

Für Schriftsteller können die Modelle ähnlich zu denen sein, die ich in meinem ursprünglichen Artikel nannte und zu denen ich Beispiele hier aufzählte . Das können etwa Spendenmodelle oder Abonnementmodelle für die interessiertesten Fans sein.

Ich muss allerdings zugeben: Generell habe ich über die Möglichkeiten in der Buch- und Filmbranche noch nicht nachgedacht. Unabhängig ob Lösungsansätze vorhanden sind oder nicht: An der grundlegenden Ausgangssituation ändert das nichts.

Können teure Filme finanziert werden, wenn der Konsum selbiger sich immer mehr in's Heimtheater verschiebt und damit die digitalen Kopien zum Einsatz kommen?

Wer weiß. Vielleicht entstehen in den nächsten Jahren noch clevere Mechanismen zur Finanzierung. Man sollte den Markt in dieser Hinsicht nicht unterschätzen.

Außerdem: Wenn komplexe Produkte wie etwa Linux in globaler Zusammenarbeit entstehen und anschließend kostenlos weitergegeben werden können, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass so etwas nicht auch in anderen Industrien möglich sein soll.

In der Softwarebranche liegen die Einkünfte nicht weniger Unternehmen außerdem längst im Dienstleistungsbereich wie Support zum Beispiel und nicht primär im Verkauf der einzelnen Lizenzen. Auch da wird es aber noch Innovationen bei den Einnahmemöglichkeiten geben.

 

Nicht jeder Musiker kann Konzerte geben und T-Shirts verkaufen.

Das ist richtig. Es gibt unzählige Möglichkeiten indirekter Einnahmen für Musiker. Konzerte und Merchandising sind dabei nur die offensichtlichsten. Verschiedene Beispiele, die bereits heute funktionieren, habe ich hier aufgezählt. Natürlich bietet sich nicht für jeden jede Form des Geldverdienens an. Die letzten Jahrzehnte haben die meisten Musiker ihr Geld auf die gleiche Art verdient: Mit dem Verkauf von Tonträgern und den Erlösen aus Liveauftritten. Jetzt beginnt auch auf der Einnahmenseite eine Zunahme an Vielfalt.

An diesen Kritikpunkt anknüpfend und etwas spezifischer ist der nächste Punkt:

 

Nur populäre Künstler können von den Möglichkeiten der Querfinanzierung (Merchandising, Konzerte, Fanklubmitgliedschaften, etc.) leben.

Nun, das ist schlicht nicht richtig. Neben der bereits erwähnten Aufzählung an Beispielen, vielleicht als Nachtrag noch dieses Beispiel:

Corey Smith war Lehrer an einer High School. Er hat als Wochenendmusiker angefangen. Smith hat zur Unterstützung seiner Konzertauftritte begonnen, seine Musik kostenlos auf seiner Site anzubieten. Die Leute konnten so seine Musik hören und wollten ihn daraufhin live erleben. Smith verkauft seine Songs auch auf itunes, bietet aber seine Songs trotzdem kostenlos an.

2007 hat Smith 1.7 Millionen Dollar eingenommen. 2008, noch nicht einmal ein halbes Jahrzehnt, nachdem er und sein Manager mit dieser Strategie begonnen haben, hat Smith 4.2 Millionen Dollar engenommen. All dies aufgebaut mit dem Weggeben der eigenen Musik.

Auch unabhängig von Beispielen wie diesem: Es gibt und gab schon immer eine große Anzahl an Bands, die nie vom Verkauf ihrer Tonträger überleben könnten, aber mit permanenten Liveauftritten ihren Unterhalt bestreiten können. Was spricht dagegen zu versuchen, den lukrativeren Einkommenszweig zu unterstützen?

Natürlich muss eine Band erst eine Fangemeinschaft aufbauen. Aber die mühsamen ersten Jahre gab es schon immer.

Allgemein kann man auch festhalten: Entweder kann man eine Fanbasis aufbauen, von der man leben kann oder eben nicht. Nicht jeder, der meint Musiker zu werden, hat auch automatisch das Talent und das Durchhaltevermögen, um damit irgendwann erfolgreich zu sein. Es gibt keine Zusicherung, von Musik leben zu können, nur weil man das will. Das ist auch gut so. Und das war auch vorher schon so.

Ich meine, dass eine junge, talentierte Band heute mit den Mitteln des Internets bei konsequenter Beachtung der neuen Gegebenheiten recht schnell recht bekannt werden kann. Talent vorausgesetzt, ist das heute schneller als jemals zuvor möglich. Der Zugang zu potentiellen Fans war nie einfacher und direkter möglich. Das Beispiel von Corey Smith ist ein Beweis dafür.

Wichtig ist dabei, all die Möglichkeiten zu nutzen, mit denen die eigene Bekanntheit erhöht werden. Es gibt nichts besseres, als die eigenen Musikaufnahmen kostenfrei weiterzugeben, um deren Verteilung zu maximieren.

Wer auch so schon mit dem Verkauf von Tonträgern nur 500 bis 1000 Stück absetzt, hat ökonomisch nicht viel zu verlieren, wenn man die Musik online und digital kostenlos zur Verfügung stellt (Der Break Even bei Vinyl-Auflagen kleiner unabhängiger Labels ohne Werbeetats und ähnlichen Schnickschnack liegt in der Regel ungefähr bei 600 Stück. Aber auch nur, wenn die Musiker vom Release direkt nicht mehr bekommen als ein paar der gepressten Scheiben.). Der Gewinn an Reichweite wird bei guter Musik immer die zusätzlichen Peanut-Einnahmen durch Digital-Verkäufe wettmachen.

Fazit: Im Gegenteil zur oft getroffenen Mutmaßung können gerade unbekanntere Musiker von den Alternativen profitieren, da bei ihnen mehr Wachstumspotential vorhanden ist und sie ökonomisch weit weniger zu verlieren haben.

 

Du nimmst den Musikern ihr Recht auf Verwertung weg.

Ich mache nichts dergleichen. Wenn, dann ist es der Markt, der den Musikern die Art der Verwertung aufdiktiert.

Des weiteren kann jeder für eine simple Musikdatei so viel Geld verlangen, wie er/sie möchte. Nur: Der Markt entscheidet, ob der Preis bezahlt wird oder nicht. Urheberrecht ist nicht das Recht, zu entscheiden, auf welche Art man wie viel für etwas gezahlt bekommt. Es steht jedem Musiker und jedem Label frei, an dem an der analogen Welt hängenden Denken festzuhalten. Ich bezweifle, dass das für die meisten mittelfristig profitabel sein wird. Einkommensmaximierend ist es auf keinen Fall.

Die Strategie, den eigenen Bekanntheitsgrad zu maximieren und dann für knappe Güter Geld zu verlangen, war schon immer die einzig sinnvolle. Die Tonträger selbst waren dabei die knappen Güter. Und Musikvideos etwa waren früher Werbung für die Musiker. Erst einmal hergestellt, war deren Verbreitung und Versendung auf MTV und co. mit keinen zusätzlichen Kosten für die Labels und Musiker verbunden und hat ihnen gleichzeitig Bekanntheit verschafft. Seit es YouTube gibt, sieht die Musikindustrie das eigenartigerweise nicht mehr so.

Die Erkenntnis, dass die Musikaufnahmen selbst jetzt ebenfalls analog zu den Musikvideos als Werbung für die Musiker fungieren können und sollten, ist sicher keine, an die man sich schnell gewöhnt. Aber rational betrachtet führt kein Weg daran vorbei.

 

Musik ist kein Produkt wie Joghurt oder Kühlschränke. Man wird der Musik mit einer rein betriebswirtschaftlichen Argumentation nicht gerecht.

Ja und nein. Zum einen sprechen wir hier nicht über die Kunstseite, die Schaffensseite der Musik, sondern über die betriebswirtschaftliche Seite. Wenn wir von Einkunftsmöglichkeiten für Musiker sprechen, dann ist das schon per se der betriebswirtschaftliche Blickwinkel.

Die Betrachtung der Marktsituation und der Möglichkeiten, die Musiker durch das Web entstehen oder weg brechen, ist ebenfalls aus einer betriebswirtschaftlichen Sicht sinnvoll. Nur so kann man nüchtern die Gegebenheiten erkennen und analysieren.

Lustigerweise sind einige, der von mir und anderen propagierten Lösungsansätze weit vom sehr weltfremden Modell des rein rational denkenden Menschens (der sogenannte Homo Oeconomicus) der neoklassischen Ökonomietheorie (dem aktuellen Mainstream der Wirtschaftswissenschaften) entfernt und beziehen die emotionale Seite der Beziehung zwischen Hörer und Musik ein:

Spenden als eine Art Vorfinanzierung durch Fans für neue Alben etwa funktionieren im neoklassischen Modell nicht. Trotzdem sehe ich da natürlich eine nicht zu unterschätzende Möglichkeit. Jill Sobules Experiment beweist zum Beispiel mit Spendeneinnahmen von nahezu 90.000 Dollar, dass das sehr gut funktionieren kann.

 

Die Leute wollen dem Musiker etwas für seine Arbeit zurückgeben. Sie wollen für die Musik bezahlen. Warum sie also verschenken?

Ein oft gemachter Denkfehler. Ja, viele wollen den Musikern für ihre Musik direkt etwas zukommen lassen. Das aber unnötigerweise mit dem Erwerb von Musikaufnahmen zu verbinden, entstammt der Denkweise der analogen Welt.

Eine Spende über diesen umständlichen Umweg einzusammeln, bedeutet vor allem auch, dass man sich das Verbreitungspotential durch das Anbieten kostenfreier Kopien von Musikaufnahmen unnötig verbaut.

Einkommenssteigernder dagegen ist die Möglichkeit des Spendens nicht unnötig mit einem ausschließlich kostenpflichtigen Angebot von digitalen Musikaufnahmen zu verbinden und stattdessen den eigenen Bekanntheitsgrad zu maximieren.

Des weiteren bleibt die Frage: Wenn es sowieso Leute gibt, die für die Musikstücke bezahlen wollen, egal ob diese ebenfalls kostenlos verfügbar sind oder nicht, warum dann nicht das Beste aus beiden Welten mitnehmen:

Kostenpflichtige Digitalkopien, für die Hörer, die bezahlen wollen, und kostenlose Digitalkopien, um den eigenen Bekanntheitsgrad zu vergrößern. Der oben als Beispiel angeführte Corey Smith fährt diese Strategie offensichtlich sehr erfolgreich.

 

Nicht jeder ist ein Geek, der seine Musik über BitTorrent und co. suchen möchte.

Das stimmt. Komfort ist ein knappes Gut. Mache es den Leuten so einfach wie möglich, die Musik, die sie mögen, zu finden und in Besitz nehmen zu können, und du hast immer eine Bevölkerungsgruppe, die dafür bezahlen wird, wenn die Preise angemessen. Eine einfach zu bedienende Plattform, mit klaren Preisstrukturen und einer Empfehlungsengine, wird immer ihre Nutzer finden. Deshalb ist iTunes erfolgreich.

Nur muss man dabei bedenken:

1. Für die, die sich den Aufwand machen wollen, die Musik zu finden, kann man sie trotzdem mit einer entsprechenden Lizenz in das Web-Ökosystem entlassen. Noch mehr gilt das für Leute, die die Musik der jeweiligen Band noch gar nicht kennen. Was gibt es besseres, um Fans zu schaffen, als die eigene Musik?

2. Der Preis entspricht für nicht wenige Menschen mehr oder weniger den Transaktionskosten der alternativen Beschaffung, also den Suchkosten um die Musik aufzufinden. Diese sinken auch und gerade bei Entdeckung und Erwerb von Musik im Netz stetig. Das heißt, der Preis wird auch auf solchen Plattformen sinken müssen, um marktfähig bleiben zu müssen. Langfristig nähern wir uns auch hier wieder einem Preis von Null an. Und selbst wenn dem aufgrund künstlicher Barrieren nicht der Fall wäre: Ein geringer Centwert pro Song an Einnahmen steht besonders für unbekannte Musiker in keinem Verhältnis zu den Möglichkeiten bei freier Verbreitung.

 

Was ist mit den Musikern, die in diesem neuen System auf der Strecke bleiben? Der Staat soll eingreifen. Kulturflatrate und DRM sind vielleicht doch notwendig. usw.

Bei all meinen Artikeln auf netzwertig.com, bei denen ich etwas kritisiere und/oder empfehle oder hervorhebe, wie etwas besser funktionieren kann, gehe ich mit folgender Fragestellung an das Thema:

Welches System stellt die Gesellschaft insgesamt besser?

Es ist mir 'egal', ob einzelne Gruppen besser oder schlechter gestellt werden. Weder möchte ich, dass alle Musiker am Hungertuch nagen, denn das wäre nicht nur schlecht für sie, sondern auch für die Gesellschaft. Noch ist es meines Erachtens erstrebenswert, die heutigen Rechteinhaber um jeden Preis so gut wie möglich zu stellen. Ich versuche, das Gesamtbild zu erfassen.

Unter diesen Gesichtspunkten geht es darum, Wege aufzuzeigen, die weitaus effizienter sind, als zum Beispiel mittelgroße Katastrophen wie die Idee der Kulturflatrate. Und DRM ist sowieso längst indiskutabel.

Mit der Kulturflatrate und ihrer ineffizienten gesellschaftlichen Mittelumschichtung etwa würden vor allem die heutigen Rechteinhaber, die Majors mit ihren riesigen Backkatalogen, sehr gut gestellt. 

Tatsächlich ist das hier beschriebene Vorgehen für die Gesellschaft insgesamt und nicht nur einzelne Gruppen, wie die heutigen Rechteinhaber, der denkbar beste Weg. Abgesehen davon gibt es unter den heutigen Rahmenbedingungen des Marktes gar keine Alternative für die meisten Musiker, als die vorgeschlagenen Wege zu beschreiten. Ein tiefer Eingriff in die Funktionsweise des Internets, um diese Rahmenbedingungen zu ändern, wäre wiederrum mit einem Wohlfahrtsverlust der Gesellschaft verbunden.

Mit einem freien Internet und den hier vorgestellten Wegen aber  wird die gesamte Gesellschaft unter dem Strich besser gestellt, denn gute Musiker werden bevorzugt und schlechte bleiben auf der Strecke. Künstliche Barrieren werden weitestgehend eliminiert, da die Verbreitung von Musik niemals optimaler stattfinden kann, als wenn diese kostenfrei zur Verfügung steht.

Ich schloss meinen ursprünglichen Artikel mit folgendem Satz ab:

Je überzeugter ein Musiker von seiner Musik ist, desto weniger Bedenken sollte er gegenüber dem hier beschriebenen Vorgehen haben.

Wenn er richtig liegt, hat er wenig zu befürchten.

 

Fazit

 

Eine der Haupterkenntnisse aus den Ausführungen dürfte sein: Durch die immensen Potentiale, die sich durch eine Querfinanzierung über die Möglichkeiten des Webs ergeben, entstehen unzählige verschiedene Wege für Musiker, Geld zu verdienen.

Mit etwas Phantasie ergeben sich sehr viele verschiedene Ansätze. Auch wenn mir darin viele widersprechen werden: Der Musik stehen rosige Zeiten bevor. Vielleicht die besten seit Menschengedenken.

 

Habe ich Kritikpunkte vergessen? Mit einem ängstlichen Zittern vor einer weiteren Kommentarschlacht sage ich: Schreibt sie in die Kommentare.

 

Vorhergehende Artikel zum Thema:

(Foto: RossinaBossioB; CC-Lizenz )

Kommentare

  • Ben

    26.01.09 (06:25:59)

    Hmmm... ein paar Dinge stören mich immer noch. Du bleibst argumentativ doch etwas sehr in der aktuellen Umbruchsphase stehen. Da gehen noch Leute wegen der Leinwand ins Kino oder Kaufen Songs bei iTunes... das tun sie aber zum Teil weil sie noch im Bewusstsein der alten Finanzierungsmodelle aufgewachsen sind. In ein paar Jahren sind Beamer und Soundanlage Standart und ich habe meine Zweifel dass jemand der mit der Vorstellung auffwächst, Musik/Film/Text wären rund um die Uhr kostenfrei verfügbar, überhaupt noch darüber nachdenkt die Uhrheber zu entlohnen. Ich kenne bereits jetzt genügend Menschen die sich so verhalten. Spenden sind auch so eine Sache. Das funktioniert momentan bei einigen Projekten, aber ich sehe bereits bei der Wikipedia wie mich die regelmäßigen Spendenaufrufe eher nerven. Wenn ich mir vorstelle dass, sagen wir mal 1/3 aller derzeit kostenpflichtigen Medienangebote mich mit Spendenaufrufen konfrontieren sehe ich bei mir den Werbeblocker im Gehirn anspringen. Zudem sind Spenden relativ umständlich im Vergleich zum Einkaufen im Geschäft... allerdings haben z.B. die USA eine andere Spendenkultur, das mag wirklich an mir liegen. Linux und Co funktionieren aber nur deshalb, weil es auf einer funktionierenden Industrie aufbaut die qualifizierte Kräfte generiert. Kann man mit Software kein, oder nur noch wenig Geld verdienen, wird es weniger qualifizierte Softwareingenieure geben. Natürlich geht einiges autodidaktisch, aber auch das wird bei zunehmender Komplexität schwieriger.

  • Wuensch-Media

    26.01.09 (07:28:47)

    Wie sehr das Denken darüber auseinander klafft zeigt dieses aktuelle Besipiel: Band Website Displays Copyright Claim from its Own Label

  • Stefan F

    26.01.09 (07:53:48)

    Super Artikel, gefällt mir - vermutlich weil er sich fast zu 100% mit meiner eigenen Meinung deckt ;) Eines möchte ich allerdings noch hinzu fügen: Musiker und Schauspieler haben in den letzten Jahrzehnten soviel verdient wie keine andere Berufsgruppe (behaupte ich jetzt mal ohne genau Zahlen zu kennen). Dies war auf dem einfachen Prinzip begründet, dass man vergleichsweise günstig eine Vielzahl an bezahlenden (!) Kunden erreichen konnte. Für den Handwerker von nebenan war es nie möglich seine Produkte an ein Millionenpublikum zu verkaufen, selbst wenn es die weltbesten dieser Art waren. Er konnte einfach nicht genügen Kopien herstellen um sie einem großen Publikum zu verkaufen. Alleine auf diesem Unterschied begründete sich ein Einkommensunterschied von mehreren 1000%. Allerdings verlieren sie wegen kostenlosen, digitalen Kopien diesen entscheidenden Unterschied zum kleinen Handwerker. Für Musiker und Schauspieler bedeutet das mittelfristig wohl eines: Mit dem Traum vom Millionen-Bankkonto abschließen und die Menschen für bescheideneres Geld zu unterhalten. @Ben: "autodidaktisch" und "qualifizierte Softwareingenieure" sind zwei Dinge die nicht vereinbar sind. Das kann ich als ehemaiger Autodidakt behaupten, da mir während dem Studium mehr als nur die Augen geöffnet wurden ;)

  • Dülp

    26.01.09 (08:43:07)

    Ich muss mich Ben anschließen. Die Argumentation mag auf Musik noch passen - denn hier sind die Produktionskosten relativ gering. In anderen Bereichen wäre die Auswirkung viel grundlegender. Vielleicht wäre es der Tod für aufwändig produzierte Filme. Diesen Weg kann man durchaus denken, denn es gibt ja kein Menschenrecht auf CGI-getränkte Blockbuster und vielleicht würde es die inhaltliche Qualität sogar erhöhen. Bei der Software würde es sich so verhalten wie Ben beschreibt: Heute gibt es noch viel Open Source und Freeware, weil die Arbeit an diesen Projketen querfinanziert wird von den Arbeitgebern der Programmierer (sprich die Programmierer können es sich leisten, in ihrer Freizeit an so etwas zu arbeiten). Können die Arbeitgeber nichts mehr bezahlen, stirbt beides zu einem gewissen Teil: Freeware und kostenpflichtige Software. Klar, auch hier könnten die Hersteller individualisierte Services rund um die Software anbieten. Aber dies wäre sicher nicht überall möglich, so dass es zu einem größeren Anbietersterben kommen dürfte und die Landschaft hinterher deutlich anders aussähe. Auch dies ist denkbar, wenn man zur Überzeugung kommt, dies sei ein Mehrwert für die Gesellschaft. Ohne dein Modell aber auf alle Bereiche zu übertragen und zu Ende zu denken, wirst du mich mit deinen Argumenten nicht überzeugen können.

  • Stefan F

    26.01.09 (08:56:58)

    @Dülp: Open Source Software wird nur zu geringen Teilen das Freizeit-Produkt von ansonsten gut bezahlten Programmierern - und wer sowas auch nur denkt hat das Konzept dahinter nichtmal ansatzweise verstanden. Der überwiegende Teil von OSS-Entwicklung wird von Firmen finanziert (zB Apache Software Foundation und Eclipse Foundation). Verkauft wird eben nicht mehr die Software selbst, sondern andere Leistungen, die tatsächliche für diesen Kundern erbracht werden. Eine solche Leistung kann durchaus auch die Entwicklung neuer Funktionen sein, die dem nächsten Kunden bereits kostenfrei zur Verfügung stehen kann. Dies ist allerdings nur eine von vielzähligen Möglichkeiten, wie OSS zu Geld gemacht werden kann. Jedenfalls solltest du dich etwas mit dem Thema beschäftigen, bevor du hier derartige Thesen aufstellst.

  • Marcel Weiss

    26.01.09 (09:08:12)

    @Ben: Die Beispiele zeigen eindrücklich, dass es nicht so ist, dass mit den indirekten Einnahmen immer nur weniger Geld eingenommen werden kann als vorher. Spenden sind außerdem nur einer von vielen Wegen. @Dülp: "Ohne dein Modell aber auf alle Bereiche zu übertragen und zu Ende zu denken, wirst du mich mit deinen Argumenten nicht überzeugen können." Nenne mir eine bessere Alternative.

  • Thomas

    26.01.09 (09:29:50)

    @dülp: es gibt aber auch Firmen, die genau mit einem einzigen Softwareprodukt Geld verdienen, selbst entwickelt, und bewusst unter eine Open-Source-Lizenz gestellt. Open-Source ist dabei Teil des Geschäftsmodells, die Einnahmen generieren sich aus den Services rund um die Software. Dass Open-Source nur leben kann, weil es wohlwollende Arbeitgeber gibt, die ihren Hackern Spass in der Freizeit erlauben, halte ich für allerhöchstens die halbe Wahrheit!

  • Sven

    26.01.09 (09:59:51)

    Super Artikel - vielen Dank dafür! Noch ein Beitrag zur "Spendenfrage": Verschiedene Webseiten, unter anderem Sell-A-Band (http://www.sellaband.com) sammeln Geld für unbekanntere Bands, damit diese ein Album produzieren können. Die Songs des Albums stellen die Bands vorher (!) unproduziert (sprich: in Wohnzimmerqualität) online. Der Clou: Die Bands schütten danach einen Großteil der Gewinne an die Spender wieder aus. Somit wird die Community zu einem echten Investor in ein Album. Viele Bands schaffen damit dann den Sprung nach MTV, um ihre Bekanntheit eben noch weiter zu steigern - und manche (z.B. Second Person) kommen danach wieder zu Sell-A-Band zurück, weil ihnen diese Art der "fanbasierten Unabhängigkeit" zusagt. Markt vom feinsten, und eine Win-Win-Situation für Bands und Fans.

  • Daniel Niklaus

    26.01.09 (13:14:41)

    Wir leiden alle an selektiver Wahrnehmung. Ich hoffe, dass diese bei mir nicht so ausgeprägt ist. @Marcel Mit einer eher journalistischen Analyse hättest du die Diskussion weitergebracht. Die Analyse Wie der Kommentar legt eine Analyse die Meinungen zu einem Thema argumentativ dar. Sie verzichtet aber auf ein Urteil.

  • Martin Weigert

    26.01.09 (13:39:54)

    Wieder einmal ein schönes Beispiel, wie sich Musiker heutzutage mit Kreativität schlagartig globale Bekanntheit verschaffen können: http://se.youtube.com/watch?v=qHBVnMf2t7w Gleichzeitig muss man natürlich bedenken, dass sowas nur in einziges Mal funktioniert. Aber glücklicherweise ist der Fantasie, wie man auf sich aufmerksam macht, keine Grenzen gesetzt.

  • Bernd

    26.01.09 (14:18:43)

    Nicht jeder Musiker kann Konzerte geben und T-Shirts verkaufen. Das ist richtig. Es gibt unzählige Möglichkeiten indirekter Einnahmen für Musiker. Konzerte und Merchandising sind dabei nur die offensichtlichsten. Dann mach doch mal konkret einen Vorschlag für Studiomusiker deren elektronische Musik nur in den Clubs läuft. Was bringt das dem wenn er seine Musik komplett kostenlos verbreitet? Nichts! Die Tracks landen dann einfach zwischen den anderen (illegalen) MP3-Dateien auf der Festplatte der User und fertig. Der User wird nach kurzer Zeit schon nicht mal mehr wissen woher er das Lied hat und ob es umsonst war etc. Ich meine nicht irgendwelches Unterground-Techno-Geschredder sondern z.B. Electro House was ja im Moment teilweise sogar in den Charts landet (z.B. Infinity 2008, Pjanoo, ...). Der Infinity-Typ hat nur den Vorteil das er a) schon DJ ist und nun durch die Welt tingeln kann weil er b) einen "Hit" im Moment hat und c) logischerweise jetzt "teure" Remixe für andere anfertigen kann. Deiner Meinung nach soll ein Newcomer also T-Shirts verticken und gucken wie er anderweitig noch aus seiner kostenlosen Musik Kohle schlagen kann oder wie? Warum sollte jemand ein T-Shirt kaufen der nichtmal bereit ist 1 Euro für einen Track zu löhnen? Nur populäre Künstler können von den Möglichkeiten der Querfinanzierung (Merchandising, Konzerte, Fanklubmitgliedschaften, etc.) leben. Nun, das ist schlicht nicht richtig Hehe, und gleichzeitig lieferst Du nur wieder ein Ausnahmebeispiel von einem Livemusiker (nicht Studiomusiker!) der Rock macht.

  • Marcel Weiss

    26.01.09 (14:27:59)

    @Bernd In diesem Artikel habe ich mehrere Beispiele aufgeführt, einige davon eignen sich auch für Studiomusiker.

  • Thomas

    26.01.09 (14:33:23)

    Hier wird wieder getan, als wenn Marcel den Musikern vorschreiben würde, nichts mehr für Tracks verlangen zu dürfen. Dabei geht es einzig nur um den Markt. Und wenn es so sein sollte, dass man mit Electro House keine Möglichkeit hat, Geld zu verdienen, weil die Leute dafür keines ausgeben wollen, nun, dann muss man eben was anderes machen. Macht mal einen Reboot im Kopf und löscht das Schema darin. Vielleicht passt es einfach nicht mehr ins 21. Jahrhundert...

  • Bernd

    26.01.09 (14:36:49)

    @Marcel Weiss: Theorie und Praxis passen hier aber einfach nicht zusammen. Das würdest Du dann spätestens merken wenn Du selbst ein Studiomusiker wärst :)

  • Marcel Weiss

    26.01.09 (14:48:09)

    @Thomas: Oh, Zustimmung! Danke. :) @Bernd: Ich fürchte eher, dass Dein Wunsch und die Realität des Marktes nicht zusammenpassen. Dass die in den Artikeln beschriebene (nicht geforderte) Veränderung am Markt und ihre Implikationen keine 1:1-Übernahme der bestehenden Verhältnisse in der Musiklandschaft ermöglicht: Damit wirst Du Dich arrangieren müssen.

  • Stefan F

    26.01.09 (15:04:47)

    @Bernd: Soviel ich weiß werden DJs in Clubs nicht nur gespielt sondern auch schon mal für ein DJ Set gebucht ... oder auch als Resident DJ engagiert. Wer nicht gebucht wird ... naja, der wird sich seine Brötchen eben anders - nicht mit Musik - verdienen müssen ... in vielen Bereichen ist es nie anders gewesen. Beispiel Sport: Wieviele Sportler schaffen nie den Sprung zum Profi? In wievielen Sportarten gibt es überhaupt Profisportler? Oder der Staat fördert Musiker wie er es auch bei anderen Künsten macht.

  • Bernd

    26.01.09 (16:54:58)

    @Stefan F: Wenn Du als Musiker aber kein DJ bist, dann fällt dies eben weg. Es macht auch keinen Sinn auf die Schnelle einen DJ-Kurs zu machen wenn man einen Hit hat und ev. paar Clubs einen buchen wollen. @Marcel Weiss: Die Realität ist mir bewußt, nur macht der ganze Aufwand für einen Musiker keinen Sinn mehr. Man investiert Jahre Zeit ins Musizieren, kauft sich teures Equipment, mietet Studioräume an, ... um dann kostenlos die Lieder ins Netz zu stellen und um zu versuchen (!) das Geld "irgendwie anders" reinzubekommen? Ein BWLer würde einem den Vogel zeigen und die Sache vorher schon als Flop abtun. Von daher sollte man sich als Musiker eher Gedanken machen die Sache vielleicht komplett einzustellen oder eben nur als Hobby zu betreiben. Wenn es die ganzen selbstlosen Individualisten nicht gäbe, die "aus Spaß" Musik machen, dann würde die "Szene" komplett anders aussehen.

  • Matwan

    26.01.09 (17:16:00)

    Danke für den zweiten guten Post zu diesem Thema. Vielleicht habe ich es in den zahlreichen Kommentaren zu den beiden Artikeln übersehen, aber müsste man nicht auch die Vorfinanzierung, eine der wesentlichen Aufgaben der alten Plattenindustrie mit in die Überlegungen einbeziehen? Insbesondere dann wenn die Querfinanzierung über 'klassische' Güter (T-Shirts, oder sonstwas), die eben keine Grenzkosten von Null aufweisen, geschehen soll, ist die Vorfinanzierung ein wesentlicher Punkt. Oder nicht? Diese Vorfinanzierung wird gerade im Online-Marketing immer wichtiger werden, denn hier und da gibt es jetzt vielleicht noch Bands und Musiker die einen First-Mover-Advantage für sich beanspruchen können, umso mehr das Internet mit Musik überschwemmt wird, umso teurer wird es aber auch die Aufmerksamkeit der Musikkäufer zu erlangen. Die Verteilung dieser Aufmerksamkeit wird sich dann den klassischen Medien annähern und zunehmend an die Finanzkraft koppeln. Portale wie last.fm, myspace werden diese Aufmerksamkeit teuer verkaufen, so dass die Vorfinanzierung vielleicht bald wieder gefragt ist.

  • Daniel Niklaus

    26.01.09 (17:37:06)

    @Thomas Eigentlich hast du ja recht! Der Markt entscheidet. Dann schaffen wir auch das Markenrecht ab und das Patentrecht entsorgen wir ebenfalls auf der Müllhalde der Geschichte. Ihr wisst schon, dass es keinen freien Markt gibt? Die Regeln werden immer noch von den Teilnehmern bestimmt. Und zu den Teilnehmern gehört auch der Gesetzgeber und die Politik. Erst wenn ihr anfängt dies zu akzeptieren, kann eine ernsthafte Diskussion entstehen.

  • Sven Drieling

    26.01.09 (19:08:11)

    Stehen viele gute Sachen in diesen und den dazugehörigen Texten sie bauen mir aber zu sehr darauf auf, dass etwas was "kostenlos" zu kopieren ist selbst keinen direkten Wert hat und nur indirekt durch etwas finanziert werden, was einen materiellen Wert hat. Ein Musikstück, ein Buch, ein Film hat selbst einen Wert. Wenn man für eine digitale Kopie etwas bezahlt dann bezahlt man nicht das "kostenlose" Kopieren, sondern den Betrag den das Musikstück, das Buch, der Film wert ist. Damit erhalten Musiker, Autoren das Geld für ihre geleistete Arbeit, können x Monate davon leben und in dieser Zeit neue Inhalte schaffen, die wenn sie anderen gefällt dann neue Einnahmen bringen. Ich denke man sollte daher mehrere Sachen betonen: - Inhalte sind wertvoll - Diesen Wert kann man direkt bezahlen - Diesen Wert kann man indirekt bezahlen - Je mehr Geld für Inhalte gezahlt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für weitere, neue Inhalte. Und nicht das eine oder das andere ausschließen. Die "kostenlose" Kopie erweitert für beide Finanzierungsmodelle die Möglichkeiten.

  • wolfgang

    26.01.09 (19:42:03)

    @ Marcel "@Thomas: Oh, Zustimmung! Danke. :)" Jetzt muss ich aber auch mal sagen: In vielen Punkten stimme auch ich total mit Dir überein, Marcel! Ein Blogeintrag ala "Das-Musikgeschäft-funtioniert-nicht-mehr-vielleicht-hilft-DRM-doch?" bringt ja niemanden weiter. Es es auch gut, dass du hier so eine "harte" Linie vertrittst, ansonsonsten würde auch keine Diskussion entstehen, und genau die finde ich gut.

  • Daniel Niklaus

    26.01.09 (23:35:46)

    Der von Markus verlinkte Artikel zu Kevin Kelly würde dieses Diskussion in eine interessante Richtung drehen. Sein Ansatz ist nicht zu "besitzen", sondern Zugang zu erhalten. Er würdigt die Arbeit der Filmer, Musiker und sonstigen Urheber, schlägt aber eine "Steuer" oder "Mitgliedschaft" für den unlimitierten Zugang vor. Aus meiner Sicht könnten Provider zum Beispiel 5 Euro/Monat für den erlaubten Musik Zugang zu btjunkie & Co. bieten. Diese müssten im Gegenzug die Downloadstatistiken an die Provider senden, welche dann das Geld Anteilmässig an die Urheber überweisen. Bei T-Online gäbe dies etwa 720 Mio. Um dem Netzwerktraffik zu schonen, wäre es toll, wenn diese Shares gleich bei den Providern platziert werden. Ähnliche Ansätze sehen wir bei Real und Nokia comes with Music. Die Softwarewelt bewegt sich schon seit längerem in diese Richtung. Google gibt weder ihren Spidercode, den Index noch den Suchcode heraus, sie bieten Service. Sämtliche SaaS-Softwareanbieter gehen auch in diese Richtung. Es scheint so, als ob die Diskussion OpenSource ClosedSource in Zukunft eine viel kleinere Rolle spielen wird.

  • Stefan F

    27.01.09 (08:19:17)

    @Daniel Niklaus Gesetzgeber und Politik sind als Marktteilnehmer sicher nicht zu vergessen. In der Vergangenheit hat sich aber immer wieder gezeigt, dass sich das Internet diesem Einfluss - global betrachtet - meist entziehen konnte. Denn was in einem Land verboten wird wandert eben in ein anderes ab. Und solange nicht alle Länder die selbe Linie verfolgen wird der Markt im Internet weiter unbeeinflusst bleiben. Die Server und Betreiber sind dann eben nicht in Deutschland sondern in China, Südamerika, Afrika, ... eben dort wo die Gesetze es zulassen. Eine Kontrolle oder Sperre solcher Inhalte durch Provider halte ich nicht für sinnvoll, denn bisher wurde noch jeder Schutz umgangen. Erinnert sich noch jemand an die Zeiten als man mp3s von einschlägigen Seiten herunterladen konnte - allerdings nicht als mp3 sondern als 10 auf .doc endende Einzelteile eines passwortgeschützten zip-Archivs? Die Gratis-Webspace-Anbieter dieser Zeit waren immer auf der Suche nach illegalen Inhalten auf ihren Servern, wurden diese aber auch nie ganz los.

  • Frank

    27.01.09 (09:06:31)

    Eine Ansammlung gedanklicher Fehlschlüsse, weil die Kette einer Musikerlaufbahn nicht durchdacht wird. Um ein Album von den Fans finanziert zu bekommen braucht man vor allem Fans. Woher sollen die denn kommen wenn man keine Aufnahmen finanzieren kann? Wenn diese digitalen Phantasien wahr werden hören wir bald nur noch Musik im Auftrag der Werbung oder des Fernsehens z.B. DSDS. Ja, es sieht so leicht aus, wenn die Musiker strahlend auf der Bühne stehen! Daraus aber den Aufwand gering zu schätzen, der die Künstler dahin gebracht hat ist ein dummer Trugschluss. Es ist auch kultureller Blödsinn zu meinen, dass sich Musik durch Merchandisingartikel refinanzieren sollte. Die Wahrheit ist, dass Musik, wie auch andere Kulturformen, einen Wert darstellen und zwar für jeden Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Wenn dieser Wert nicht mehr generiert werden kann, geht die Kultur verloren. Das war in der Geschichte immer so und daran wird die Digitalisierung nichts ändern.

  • Stefan F

    27.01.09 (09:19:26)

    @Frank Vielleicht ist meine Vorstellung einer "Musikerlaufbahn" etwas zu romantisch - dann berichtige mich jetzt - aber meiner Meinung nach beginnt die Laufbahn nicht mit der Produktion der ersten Platte sondern im Proberaum und später auf der Bühne. Und genau da bekommt ein Musiker/eine Band die ersten Fans. Gute Musiker werden immer mehr davon bekommen, größere Bühnen bespielen und höhere Gagen kassieren, irgendwann vielleicht auf Tour gehen. Und Gratisdownloads werden auch tausende Kilometer von der ersten Bühne und dem ersten Auftritt entfernt dafür sorgen, dass die Hallen gefüllt sind und die anwesenden Fans auch textsicher mitsingen können ... und wie ich schon in einem meiner vorigen Kommentare geschrieben habe: Musiker sollen wieder auf die Bühne und sich ihre Brötchen mit harter Arbeit verdienen - so wie jeder andere auch.

  • Oliver

    27.01.09 (09:26:00)

    ist denn jemand von euch musiker? das klingt alles so, als wenn politiker über das internet reden... nennt mir eine deutsche band, die nie einen plattenvertrag hatte, die mit diesem modell (querfinanzierung) so viel mehr umsatz als kosten macht, dass alle musiker der band davon leben können. dann, und nur dann, kann ich euch ernst nehmen. warum es diese band nicht gibt? 1. weil sie keine mittel hat, ihre musik zu promoten. jeder ist auf myspace, jeder hat eine website, viele twittern und promoten sich auf facebook, last.fm und all den anderen seiten. warum soll ein kunde nun gerade diese band hören geschweige denn erst finden? 2. weil fast alle veranstalter nur bands buchen, von denen sie wissen, dass auch genügend leute kommen (also bands, die radio, presse usw. haben). und selbst dann ist fast nie eine festgage drin, sondern nur eine beteiligung, die im bestfall die kosten decken wird (benzin, bus, übernachtung, essen - nicht wenig in diesen tagen). 3. weil der deutsche markt zu klein ist, um in einer niche genügend geld zu verdienen. es gibt schlicht zu wenig leute in der zielgruppe, und ohne flächendeckende promotion wird man immer nur einen bruchteil dieser zielgruppe erreichen. sicher, man könnte es international versuchen. wie viele amerikaner kennt ihr, die mehr englische musik von deutschen hören als von muttersprachlern? da muss man schon so extremst ausgefallene musik machen, dass es auffällt. und wer bezahlt dann die weltweite promotion? 4. zugegeben, dieses modell ist die einzige hoffnung momentan. meine band macht auf diese art sogar gewinn. aber wir sind lichtjahre davon entfernt, davon leben zu können. ich sehe es auch nicht kommen in nächster zeit. die rechnung geht einfach nicht auf.

  • Daniel Niklaus

    27.01.09 (11:24:58)

    @Stefan F ...dass sich das Internet diesem Einfluss (Gesetzgeber) - global betrachtet - meist entziehen konnte.. Die Rechteinhaber sind sich dessen bewusst und es ist ihnen "egal". Entscheidend ist, dass sich die Konsumenten hier illegal verhalten, also könnten sie auch hier belangt werden. Natürlich wollen die Rechteinhaber nicht ihre Kunden verklagen. Es gibt bessere Wege. Weisst du, wie einfach ein Provider seine "Sauger" identifizieren kann? Sehr, sehr einfach. Stell dir folgendes Szenario vor, die Musikindustrie gewinnt ein paar Referenzklagen. Sie hat die Möglichkeiten von den Providern die Adressdaten der "Sauger" zu bekommen und könnte jedem Kunden eine Abmahnung zustellen. Als nächstes geht sie auf die T-Online zu und bietet ihr folgenden Deal an: entweder ihr gebt uns die Adressdaten raus und wir verklagen sie alle oder ihr führt einen neuen Dienst für 7 Euro im Monat ein. Damit dürfen eure Kunden alle unsere Songs downloaden und nutzen. 30% der 7 Euro gehören euch als Gewinnmarge. Wie würdest du dich als Provider verhalten?

  • Stefan F

    27.01.09 (13:13:05)

    @Daniel Niklaus Weisst du, wie einfach ein Provider seine “Sauger” identifizieren kann? Sehr, sehr einfach. Kommt auf die Definitionen von "Sauger" und "identifizieren" an. Für eine Abmahnung oder Klage muss ein Verstoß nachgewiesen werden. Die Identifizierung erfolgt meist über die IP Adresse. Letzteres lässt sich recht einfach vom Provider durchführen, dagegen kann man auch nichts tun. Schwieriger wird es beim identifizieren von Versößen. Denn ohne viel Aufwand lässt sich vom Provider verbergen, was übertragen wird. Die bloße Tasache, dass irgendetwas übertragen wird ist noch kein Verstoß. Ich bin mir also sicher, dass sich selbst durch die Herausgabe von Daten die Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material nicht aufhalten lässt ... sie wird nur zu neuen Umgehungsmethoden führen.

  • Daniel Niklaus

    27.01.09 (13:31:53)

    Selbstverständlich kennen die Urheber die Umgehungsmethoden. Aber auch diese sind ihnen "egal". Es genügt, wenn 80% der Leute "erwischt" werden. Was glaubst du passiert, wenn der Provider solche Briefe versendet: Wir verzeichneten bei Ihnen erhöhte Netzwerkaktivitäten. Sie oder jemand in Ihrem Haushalt nutzt dazu auch Websites mit verbotenen Inhalt wie kino.to. In unseren AGB's steht, dass unser Netz nur für legale Aktivitäten genutzt werden darf. Damit Sie nicht mehr auf unserer "Watchlist" sind, bitten wir Sie um eine kurze Stellungnahme. Übrigens für 5 Euro im Monat hören Sie legal Musik und für weitere 10 Euro schauen Sie alle neuen Spielfilme in top Qualität legal auf unserem Netz. Melden Sie sich hier an...

  • Mario

    27.01.09 (13:43:05)

    @ Oliver Danke! Endlich jemand der mal die Welt des durchschnittlichen Musikers beschreibt, genau so sieht`s da drin nämlich aus. @ Marcel Weiss Du bist der Meinung das jede Band erfolgreich sein kann, so als ob Erfolg nichts mit der Stilrichtung zu tun hat und als ob "jung, talentiert, arbeitet hart" schon irgendwie der halbe Weg zum Erfolg ist. Würdest Du einer Band, die jung und technisch brilliant ist aber absolute Nischenmusik (z.b. Death Metal, Rockabilly, Jazz) macht, ernsthaft weissmachen wollen sie könnten Deinen Beispielen folgend mit dieser Musik in Deutschland viel Geld verdienen, wenn sie nur hart genug arbeiten und ihre Musik kostenfrei anbieten? Deine Beispiele "erfolgreicher alternativer Erlösmodelle für Musiker" mögen ja noch irgendwie für Musik gelten die einigermassen in den Mainstream passt, für Musik die sich jenseits davon abspielt sind sie leider Schwachsinn.@ Oliver Danke! Endlich jemand der mal die Welt des durchschnittlichen Musikers beschreibt, genau so sieht`s da drin nämlich aus. @ Marcel Weiss Du bist der Meinung das jede Band erfolgreich sein kann, so als ob Erfolg nichts mit der Stilrichtung zu tun hat und als ob "jung, talentiert, arbeitet hart" schon irgendwie der halbe Weg zum Erfolg ist. Würdest Du einer Band, die jung und technisch brilliant ist aber absolute Nischenmusik (z.b. Death Metal, Rockabilly, Jazz) macht, ernsthaft weissmachen wollen sie könnten Deinen Beispielen folgend mit dieser Musik in Deutschland viel Geld verdienen, wenn sie nur hart genug arbeiten und ihre Musik kostenfrei anbieten? Deine Beispiele "erfolgreicher alternativer Erlösmodelle für Musiker" mögen ja noch irgendwie für Musik gelten die einigermassen in den Mainstream passt, für Musik die sich jenseits davon abspielt sind sie leider Schwachsinn. Die meisten Musiker sind Idealisten, sonst würden sie bestimmte Musik überhaupt nicht machen, denn Fakt ist nunmal das von Ruhm & Reichtum in bestimmten Musikrichtungen in diesem Land keine Rede sein kann, daran ändern auch Deine ganzen tollen Beispiele leider nichts. Wenn Du selbst Musiker in einer solchen Nische wärst, dann würdest Du das auch wissen. Sorry, Dein ganzes Geschreibe hört sich an wie von jemandem der meint sich im "Biz" auszukennen aber anscheinend noch nie einen Proberaum von innen gesehen hat, der Bands wohl nur von den Bühnen kennt vor denen er bei einem Konzert steht und sich ansonsten sein Wissen über das "Biz" aus teh internet zusammengeschraubt hat.

  • Stefan F

    27.01.09 (13:43:06)

    @Daniel Niklaus User werden immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Sollte es wirklich am einfachsten sein, diese 180 Euro pro Jahr zu zahlen, so werden die Nutzer das machen. Sobald es was einfacheres gibt, werden sie es nicht mehr tun. Und da auch ein Providerwechsel eine Möglichkeit wäre, wird sich jeder Provider hüten, so etwas vor seiner Konkurrenz zu machen. Nicht zuletzt deshalb ist es bis zu dieser Mail und deren 80% Erfolgsquote noch ein weiter Weg. Sollte ich diese Mail bekommen, werde ich sie ignorieren. Denn nur die Nutzung einer Webseite ist noch kein Verstoß.

  • Mario

    27.01.09 (13:45:16)

    Mist, auch copy & paste will gelernt sein.

  • Stefan F

    27.01.09 (13:53:05)

    @Mario Niemand hat behauptet, dass jeder Musiker in jeder noch so kleinen Nische den fetten Reibach machen wird. Wir sind hier nun mal nicht bei wünsch dir was. Der Musikmarkt ist hart umkämpft, so wie jeder andere auch. Und da ist es auch egal ob es um Musik, Video, Bücher, Webportale, personalisiertes Hundefutter oder was auch immer geht. Jeder muss für sich den richtigen Absatzweg finden oder einsehen, dass es eben doch nicht reicht. Jedem Musiker steht weiterhin frei seine Musik auf Silberscheiben zu pressen und diese in die Welt zu schicken. Ob das der richtige Absatzweg ist bleibt jedoch fraglich. So, und damit zieh ich mich nun endgültig aus dieser Diskussion zurück ;)

  • Marcel Weiss

    27.01.09 (16:08:53)

    @Bernd: "Die Realität ist mir bewußt, nur macht der ganze Aufwand für einen Musiker keinen Sinn mehr." Die Beispiele zeigen eine andere Realität. @Matwan: Ja, die Vorfinanzierung muss irgendwo irgendwann geschehen. Nicht jeder kann alles privat vorfinanzieren. Da die Labels nur sehr selektiv komplett unbekannte Band aufgreifen, denke ich, werden Webdienste mit innovativen Herangehensweisen hier in die Presche springen. sellaband.com ist ein erster dieser Dienste. Da wird in den nächsten Jahren ein ganzes Ökosystem entstehen. Das Web ist prädestiniert dafür, diese Lücke zu füllen. @Daniel Niklaus: "Ihr wisst schon, dass es keinen freien Markt gibt? Die Regeln werden immer noch von den Teilnehmern bestimmt. Und zu den Teilnehmern gehört auch der Gesetzgeber und die Politik. " Freier Markt ist per Definition ein Markt, auf dem die Markteilnehmer das Ergebnis selbst bestimmen. Marktteilnehmer sind die Käufer und Verkäufer. Der Gesetzgeber ist kein Teilnehmer in diesem Sinn in seiner Rolle als Bestimmer der Rahmenbedingungen. Diese können so gesetzt werden, dass sie weitgehend freies Handeln der Akteure ermöglichen, während sie Missbrauch, der zur Aushebelung des freien Marktes führt, ahnden. "Aus meiner Sicht könnten Provider zum Beispiel 5 Euro/Monat für den erlaubten Musik Zugang zu btjunkie & Co. bieten. Diese müssten im Gegenzug die Downloadstatistiken an die Provider senden, welche dann das Geld Anteilmässig an die Urheber überweisen." Daniel, kann es sein, dass Du eine Kulturflatrate herbeisehnst? @Sven Drieling: Ich habe nie gesagt, dass etwas, das kostenlos zur Verfügung steht, automatisch wertlos ist. Dann wären unserer Texte hier ja alle auch wertlos. @wolfgang: Danke! @Frank: "Um ein Album von den Fans finanziert zu bekommen braucht man vor allem Fans. Woher sollen die denn kommen wenn man keine Aufnahmen finanzieren kann?" Woher kommen sie denn seit Menschengedenken? Denkst Du, die Labels haben die letzten Jahre Bands unter Vertrag genommen, die unbefleckt vom Himmel gefallen sind? @Oliver: Nur weil es noch keine deutsche Band gibt, die erfolgreich konsequent diese Wege beschreitet (oder wir von ihr noch nicht wissen), heißt das nicht, dass das in Deutschland niemals funktionieren kann. Wenn in den USA völlig unbekannte Musiker sich auf die Art etwas aufbauen können, können das auch Musiker in Deutschland. Ich kenne btw. eine Handvoll DJs persönlich, die nicht von ihren Veröffentlichungen leben, sondern von ihren Auftritten. Die Veröffentlichungen sind Werbung für ihre DJ-Auftritte. Im Grunde verfolgen sie also diesen Weg schon, nur auf ineffiziente Weise, weil sie ihren Bekanntheitsgrad künstlich zurückhalten. " weil der deutsche markt zu klein ist, um in einer niche genügend geld zu verdienen." Get a dayjob, son. " und ohne flächendeckende promotion wird man immer nur einen bruchteil dieser zielgruppe erreichen." Ich propagiere die ganze Zeit, das Maximum an Promotion mit dem Web zu erreichen. @Mario: "Du bist der Meinung das jede Band erfolgreich sein kann, so als ob Erfolg nichts mit der Stilrichtung zu tun hat" Hättest Du meine Artikel aufmerksam gelesen, würdest Du das nicht behaupten. "und als ob “jung, talentiert, arbeitet hart” schon irgendwie der halbe Weg zum Erfolg ist." Ja. Es stört auf jeden Fall nicht, talentiert zu sein. "Deine Beispiele “erfolgreicher alternativer Erlösmodelle für Musiker” mögen ja noch irgendwie für Musik gelten die einigermassen in den Mainstream passt, für Musik die sich jenseits davon abspielt sind sie leider Schwachsinn." Und was genau hat sich dabei jetzt zu früher geändert? Und seit wann haben Musiker, egal wie obskur ihre Musik ist, auf einmal Anspruch darauf, mit ihrer Musik so und so viel Profit zu machen? Entweder es finden sich Fans, die für die Musik in welcher Form auch immer bezahlen wollen, oder eben nicht. So war das schon immer und so wird es auch bleiben. Das Leben ist kein Ponyhof und kein Wunschkonzert. Wie Stefan schon richtig sagt: "Niemand hat behauptet, dass jeder Musiker in jeder noch so kleinen Nische den fetten Reibach machen wird. Wir sind hier nun mal nicht bei wünsch dir was." Wer talentiert ist, das Web zu nutzen weiß, und in der Lage ist, eine Fanbasis aufzubauen, die Geld in die Kassen spült, wird keine Probleme haben. Das wird nicht bei jedem so sein. Ich habe kein Utopia versprochen, in dem jeder, der eine Gitarre richtig herum halten kann, mit Geld und Groupies zugeschüttet wird.

  • Daniel Niklaus

    27.01.09 (17:48:09)

    @Stefan F Das du auch weiterhin die Songs illegal holst, ist den Urhebern "egal". Solange 80% der Kunden den legalen Dienst buchen... Hier was die Musikindustrie dazu sagt: Der effizienteste Weg zur Bekämpfung der Internetpiraterie führt nach Ansicht der Musikindustrie über eine Kooperation mit den Internet-Service-Providern (ISPs). Befragungen in England und Frankreich haben ergeben, das 70 bis 90 Prozent der Befragten das illegale Herunterladen einstellen würden, wenn sie vom ISP mit einem Warnhinweis dazu aufgefordert würden. @Marcel Das ist ja schön, wenn du im Studium etwas über den freien Markt gelernt hast. Jetzt musst du nur noch die richtigen Zusammenhänge sehen. Zu den Ordnungspolitischen Themen des freien Marktes gehört unter anderem das Urheberrecht. Du bist intelligent. Ich kann mir unmöglich vorstellen, dass du bis jetzt das Urheberrechtsproblem in deiner Argumentation übersiehst und die daraus entstehenden Probleme nicht erkennst. Ob ich eine Kulturflatrate herbeisehne? Lieber nicht. Ich will in erster Linie, dass unsere Kids sich mit ihrem normalen Verhalten nicht Strafbar machen. Dazu müssen die Urheber Hand bieten, eine Lösung zu finden. Wenn wir jetzt nicht aktiv neue Wege aufzeigen, wird sich die MI ihren Weg selbst freischaufeln und eine Kulturflatrate nach ihren Wünschen etablieren.

  • Stefan F

    27.01.09 (19:02:32)

    @Daniel Niklaus Ich habe seit mehr als 3 Jahren keine Musikdatei oder Software illegal (Filesharing etc.) aus dem Netz geholt und lehne das auch prinzipiell ab. Was deinen zitierten Link angeht: Frei nach Churchill traue ich nur selbstgefälschten Statistiken ;) Leider konnte ich zu dieser Befragung auf die Schnelle keine weiteren Informationen finden. Hast du da vielleicht was? Aber auf jeden Fall sind diese Zahlen wohl mit Vorsicht zu genießen. Die mit so einer Warnung verbundenen, angedrohten Konsequenzen dürften wohl einen Entscheidenden Anteil am Erfolg haben. Es wäre interessant zu wissen, wie die Fragestellung diesbezüglich ausgesehen hat. Außerdem ist auch noch zu hinterfragen, ob die wirkliche Reaktion mit der spontanen Antwort in einer Umfrage identisch wäre. Die Befragten hatte während der Befragung wahrscheinlich nicht die Möglichkeit sich zB den Rat eines (selbsternannten) Experten einzuholen. Sollte sich erstmal über die Medien verbreitet haben, dass solche Warnungen eher gehaltlos sind, wird die Wirkung verpuffen. Oder kurz zusammengefasst: Mit einem Warnhinweis alleine wird sich nicht viel tun, solange (die rechtlichen Rahmenbedingungen für) Konsequenzen nicht vorhanden sind. Prinzipiell bin ich aber der Meinung, dass nur durch das Eindämmen von illegalen Downloads der Wert eines einzelnen Musikstücks wieder signifikant ansteigt. Alleine das recht auf Privatkopie zusammen mit ausreichender Bandbreite und zunehmender sozialer Vernetzung würde dem Wert eines Musickstücks bereits schwer zu schaffen machen. Ich könnte ja einfach mal über Skype, Facebook, Twitter schreiben ob mir jemand einen Song oder ein ganzes Album schicken könnte. Das wäre rechtlich (derzeit) absolut unbedenklich (zumindest nach österreichischer Rechtssprechung) und nicht einmal mit besonders viel Aufwand verbunden. Die nötigen Social-Music-Sharing Applikationen die auf diesem Recht basieren gibt es ja auch schon. Dazu kommt noch die Möglichkeit gestreamte Musik aufnehmen zu können (zB YouTube, last.fm, etc.) - legal und auch recht einfach. Und deshalb denke ich, dass sich Musiker zusätzlich oder alternativ (das ist jedem Musiker selbst überlassen) neue Einnahmequellen schaffen sollten oder sogar müssen, unabhängig von den möglichen Schritten die sie gegen illegale Downloads einleiten könnten. Vergleicht man nun auch noch die möglichen Einnahmen aus Plattenverkäufen mit den verbesserten Verbreitungsmöglichkeiten von Gratis-Downloads, so würde ich jedem Musiker dazu raten, seinen Fans möglichst unbeschwerten Zugang zu seiner Musik zu ermöglichen.

  • Stefan F

    27.01.09 (19:05:26)

    Es sollte natürlich heißen "Prinzipiell bin ich aber der Meinung, dass nur durch das Eindämmen von illegalen Downloads der Wert eines einzelnen Musikstücks wieder NICHT signifikant ansteigt."

  • Daniel Niklaus

    27.01.09 (21:20:52)

    so würde ich jedem Musiker dazu raten, seinen Fans möglichst unbeschwerten Zugang zu seiner Musik zu ermöglichen. Und schon haben wir ein Problem. Beispiel Schweiz. Möchte der Musiker von der Suisa (GEMA/AKM) vergütet werden, muss er eine Abgabe an die Suisa für seinen Song bezahlen, welcher er gratis anbietet. Natürlich bekommt er einen Bruchteil davon wieder zurück. Das können wir doch so nicht stehen lassen. In der Schweiz ist der Download (ohne Upload) absolut legal und das mit den Freunden teilen sowieso. Das sich dieser Markt verändert und noch am verändern ist, steht ausser Frage. Uns steht die Wahl zu, wollen wir als "Netzies" diese Veränderung mitgestalten oder lassen wir sie uns von der MI vorschreiben. Ich bin dafür, dass wir mitgestalten und dazu gehört halt auch die Urheberrechte anzuerkennen.

  • Marcel Weiss

    27.01.09 (21:27:36)

    @Daniel Niklaus: Du darfst Urheberrecht nicht mit der Praxis der Verwertungsgesellschaften gleichsetzen. Das sind zwei paar Schuhe. Was die GEMA in Dtl. und die Suisa in der Schweiz (soweit ich höre) machen, ist ihren Mitgliedern nicht mehr zeitgemässe Knebelverträge vorzulegen, die keine Spielräume offen lassen. Wenn ein Künstler seine Musik digital kostenlos verbreiten will, dann ist das sehr wohl mit dem bestehenden Urheberrecht vereinbar. Die entsprechenden CC-Lizenzen, die ja nichts als vereinfachte, allgemein gehaltene Verträge auf Grundlage des Urheberrechts sind, sind schließlich völlig zulässig und rechtlich bindend. Die in meinen Artikeln vorgeschlagenen Wege widersprechen also nicht dem geltenden Recht. Sie stehen nur teilweise der Praxis der Verwertungsgesellschaften gegenüber. In Deutschland treten kleinere Bands und Musiker der GEMA übrigens schon gar nicht mehr bei, weil es sich langsam rumspricht, dass die Kleinen mit ihrer Mitgliedschaft draufzahlen.

  • Daniel Niklaus

    27.01.09 (21:39:44)

    Ich glaube nicht, dass ich da etwas gleichsetze. Es ging mir darum Stefan die praktischen Probleme seines Vorschlages aufzuzeigen. Es wies schon ein Vorredner darauf: es scheint hier wenig Praxisverständnis zu herrschen. Selbstverständlich kann eine Band den Weg der Selbstvermarktung gehen. Tatsache bleibt aber, dass sich heute viele Internetsurfer strafrechtlich Relevant verhalten. Und da braucht es Anpassungen. Damit ziehe ich mich langsam aus der Diskussion zurück und beteilige mich gerne wieder, wenn ein direkter Post kommt oder die Diskussion einen Schritt nach vorne tut. Die Argumente sind weitgehend ausgetauscht.

  • Oliver

    29.01.09 (10:05:55)

    @Marcel Ich rede nicht von DJs, die auflegen, sondern von Musikern (die mit den Instrumenten). In der Club-Szene steckt noch ziemlich viel Geld, weil die Leute tanzen gehen wollen und nur in den seltensten Fällen überhaupt wissen, wer da auflegt. Das ist nicht das richtige Beispiel. "get a day job" Exakt. Das ist leider für uns Musiker die einzig wirklich funktionierende Querfinanzierung. Und das war schon lange bekannt, bevor Tauschbörsen kamen. "Ich propagiere die ganze Zeit, das Maximum an Promotion mit dem Web zu erreichen." Ich "propagiere" auch viel. Wie man sich aber insbesondere in den Weiten des Webs konkret von anderen erfolgreich abhebt, das wäre doch dann mal Anlass für einen Blog-Artikel, oder?

  • Dülp

    30.01.09 (18:53:15)

    @Stefan F. und @Thomas: Natürlich gibt es zahlreiche Open-Source-Anbieter, die ein wirtschaftlich funktionierendes Modell dahinter haben. Aber die haben oft auch viele - ich sag mal - preiswerte freie Mitarbeiter. Wie viel kann man zum Beispiel mit einer Firefox-Extension verdienen? Oder mit Wordpress-Plugins? Die Leute, die sowas programmieren gucken nicht aufs Geld, sondern machen es aus Spaß und erhöhen damit immens die Attraktivität des Grundprodukts. Ich würde sagen, dass es die von Thomas genannte "halbe Wahrheit" trifft. @Marcel: Ich weiß, dass deine Grundaussage ziemlich alternativlos ist. Ich arbeite selbst bei einem Unternehmen, das ehemals Loseblattwerke für extrem viel Geld verkauft hat und mittlerweile erfolgreich Software produziert. Heute zerbrechen wir uns den Kopf, welche individuellen Services wir den Kunden anbieten können, um das Geschäft in Zukunft aufrecht erhalten können. Was mich nicht überzeugt hat: Deine Schlussfolgerungen beschränkten sich auf den Musikbereich. Ich würde mich über eine ähnliche Prognose für andere digitale Produkte freuen. Denn da sind die Voraussetzungen einfach andere. Vor allem, wenn es aus dem Bereich der Kunst herausgeht. Denn da kann man mit Recht davon ausgehen, dass es die Leute bis in alle Ewigkeit aus reinem Spaß an der Freude machen werden - und irgendjemand wird immer der populärste Musiker sein und damit Geld verdienen. Und selbst wenn er kein Geld verdient, macht er trotzdem weiter. Einfach ausgedrückt: Je höher die Produktionskosten, und je geringer der Unterhaltungswert der Produzenten, desto unwahrscheinlicher, dass man das Produkt unter den neuen Bedingungen refinanzieren kann.

  • Leander Wattig

    31.01.09 (18:16:53)

    Habe mir im Kontext der übergeordneten Diskussion mal Gedanken zur Buchpreisbindung gemacht: Der Anachronismus Buchpreisbindung

  • Lucien

    07.02.09 (15:38:39)

    Lieber Marcel, Du sprichst einige wichtige Punkte an und ich gebe Dir in vielem - insbesondere der Wichtigkeit alternativer Verwertung von Musik - recht. Deinen Kernthesen stimme ich allerdings nicht zu und habe dazu einiges in meinem Blog geschrieben. Kannst Dir das ja mal anschauen. Greets, Lucien

  • Karl Brandt

    10.02.09 (13:52:12)

    Um mal etwas klarzustellen: Eine hunz-normale Jazz-Gruppe wird es halt nicht bis ganz oben schaffen. Eine Band mit rockigen, jazzigen, funkigen und punkigen Einflüssen jedoch schon. Was ich damit sagen möchte ist - das es, seit es dieses "Biz" gibt - immer die artisten oben waren, welche auch aufgefallen sind! Sprich 0815-Musik möchte niemand hören! Wieso denken alle, einfach mal Musik zu machen & probieren erfolgreich zu werden??? Ich meine, wieso sind coverbands nicht ganz oben? genau die frage ist sowas von rethorisch! also wieso ist die 0815-jazz band nicht ganz oben? genau aus dem gleichen grund. so. alle die sich fragen wieso niemand ihre musik mag, obwohl sie seit etlichen Jahren schon Musik machen --> Wie wäre es mit 'nem spannenden stil-wechsel? Marcels Vorschläge sind nämlich gute Stützen für junge newcomer bands! vielleicht muss man es hier einfach nochmals betonen: dies regelt sich nicht von selbst!!! kapiert es endlich!!! weiter muss man auch folgende punkte beachten (beispiel Band): - fangemeinde aufbauen - instrumente beherrschen / "musik" beherrschen - spannende tracks gestalten! - etwas neues ausprobieren - eine künstlerische Ader haben (haben nämlich nicht alle) - etwas von marketing verstehen! - die Fähigkeit besitzen sich selbst zu promoten! - überzeugungskraft besitzen - geduld haben! - self-management beherrschen! - gut organisiert sein - viele Konzerte geben (ich halte nämlich nicht viel von "recording-bands") - sich überall bewerben wo es nur geht (an newcomer gerichtet) - marcels regeln einhalten!!! - www.newmusicstrategies.com durchackern (hat gute inhalte!) - http://www.musicthinktank.com durchackern! - neue strategien ausarbeiten! es gibt halt nur wenige langfristige strategien... - vorerst mal mp3's verschenken! (newcomers) - noch nicht geld für teure Aufnahmen ausgeben (newcomers) - connections aufbauen! ------------------------------------------------ so, jetzt könnt ihr anfangen musik zu machen... fazit: auch als indie kann man sich gut durchsetzen. wirklich!

  • Geld verdienen

    12.04.09 (18:22:01)

    Da ich auch in der Musikbranche ein wenig aktiv bin, kann ich aus Erfahrung sagen, dass die Gagenforderungen bei Konzerten drastisch angestiegen sind in letzter Zeit. Dies liegt, nach Aussagen der Musiker vornehmlich daran, weil Ihnen die Platten- bzw. CD-Verkäufe wegbrechen. User laden im Netz runter und kaufen nicht mehr! Das ist die Folge des Webs! Kein Grund, unsere Kommentar-Regeln zu missachten. URL gelöscht. M. Weiss

  • cREEP

    07.12.10 (13:48:58)

    PRIMA.fm ist auch eine weitere Möglichkeit Geld zu verdienen. Quelle: http://www.audiovoltaics.cc/?p=1295

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