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21.01.09Leser-Kommentare

Wie Musiker in Zeiten des Internets Geld verdienen (können)

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Noch einmal mit Gefühl: In diesem Artikel besprechen wir die grundlegende ökonomische Situation, in der sich die Musikindustrie befindet und welche Möglichkeiten Musiker haben, um heute Geld mit ihrer Musik zu verdienen.

Fangen wir ganz am Anfang an:

Es dürfte niemanden mehr geben, der bezweifelt, dass Musikaufnahmen mehrheitlich ihre Verbreitung in digitaler Form erfahren.

Die Eigenschaften digitaler Musikaufnahmen

Digitale Musikaufnahmen in Form von Musikdateien unterscheiden sich massgeblich von ihren physischen Verwandten:

  • Sie sind freie Güter. Das heißt, sie sind unbeschränkt verfügbar: Die digitalen Kopien einer Musikdatei können nicht mit einem Mal aufgebraucht sein.

  • Nichtrivalität im Konsum: Musikdateien können von vielen Personen konsumiert (angehört, gestreamt, heruntergeladen) werden, ohne dass dieser Konsum den Konsum anderer Personen beeinflusst.

Man sollte deswegen grundsätzlich nicht von Diebstahl sprechen, wenn jemand ein solches Gut konsumiert, ohne den Schöpfer der ursprünglichen Aufnahme, wie von diesem gewünscht zu entlohnen. Denn stehlen kann man nur knappe Güter.

Wie wir eben ausgeführt haben, unterscheiden sich digitale Musikaufnahmen grundsätzlich von physischen Produkten wie etwa Autos, welche knappe Güter sind. Oder von Häusern, welche sich gleichzeitig durch Rivalität im Konsum auszeichnen: Wenn ein Haus einer bestimmten Person gehört, kann eine andere Person diese nicht ebenfalls ihr Eigentum nennen.

In der Musik kann heute dagegen jeder eine exakt gleiche Kopie eines Songs besitzen.

Preis: Null, Zero, Nada

Wie jeder Student der Wirtschaftswissenschaften im ersten Semester lernt: Der Marktpreis ist ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Mit steigendem Angebot sinkt der Preis Richtung Null. Digitale Kopien der Dateien werden nie aufgebraucht sein. Das Angebot von Musikaufnahmen ist also unendlich, Angebots- und Nachfragekurve treffen sich in einem solchen Fall bei einem Preis von Null. Der Preis wird sich deswegen über die Zeit auf Null zubewegen.

Besser nachvollziehbar ist vielleicht eine andere Sicht auf die Tatsache, warum der Preis in Richtung Null eine natürliche Entwicklung für digitale Musikaufnahmen ist:

Die Grenzkosten sind die Kosten, die für die Bereitstellung einer weiteren Einheit eines Gutes von nöten sind. Für digitale Kopien von Musikdateien liegen die Grenzkosten für eine weitere Kopie bei Null. In Märkten mit vollkommenen Wettbewerb beträgt die Preisbildung: Preis = Grenzkosten. Das Internet kommt der theoretischen Vorstellung vollkommener Märkte am nahesten. Dass sich der Wettbewerb in diesem Markt in Richtung Preis = Grenzkosten = Null bewegt, ist eine natürliche Entwicklung. Wenn sich einzelne Marktteilnehmer kartellhaft dagegen wehren (etwa die Labels), wird diese Entwicklung mittelfristig eben nur von einem Teil der Marktteilnehmer vorangetrieben, notfalls von einzelnen Künstlern (beispielsweise Trent Reznor). Auf jeden Fall wird es immer Marktteilnehmer geben, die das Potential darin sehen, ihre Musik zu maximaler Verbreitung zu verhelfen. Spielen die Label nicht mit, werden sich die Künstler dann von den Labeln notfalls dafür lossagen.

Man könnte natürlich auch einfach ausführen, dass die Angebote der Rechteinhaber immer mit Tauschbörsen konkurrieren, in denen der Preis der Musikaufnahmen bereits Null ist (Ein Umstand, der auf der Tatsache fusst, dass die Grenzkosten gleich Null sind). Ein Umstand, der zwangsläufig auch zu dem führt, was im vorhergehenden Absatz besprochen wurde.

Wer trotzdem an einem Preis größer Null festhält, sorgt bei einem leidigen Einkommen über Musikaufnahmenverkauf lediglich dafür, dass die Verbreitung der eigenen Musik nicht ihr volles Potential erhält. Ironischerweise hilft das illegale Filesharing, diesen Missstand in Teilen aufzufangen. Warum das wichtig ist, dazu mehr im nächsten Teil des Artikels:

Musikaufnahmen: Querfinanziert & Werbung für die Musiker

Das Geschäftsmodell, dass auf einer Abrechnung pro Transaktion von Musikdatei zu Hörer basiert, ist langfristig nicht mit den vom Netz neu diktierten, ökonomischen Rahmenbedingungen zu vereinbaren.

Während die Erstellung einer digitalen Kopie keine Kosten verursacht, kostet die Aufnahme eines Musikstücks selbst durchaus etwas. Die produzierenden Musiker wollen schließlich auch von etwas leben und die Technik will auch bezahlt sein. Die Frage ist nun, wie die entstandenen Kosten für die Aufnahme wieder hereinbekommen werden kann?

Es bleiben zwei Auswege für die Produzenten von Musik:

  • Die Kulturflatrate, also ein System von Pauschalabgaben
  • Eine anderweitige Querfinanzierung der Musikaufnahmen

Dass die Kulturflatrate keine gute Idee ist, habe ich gestern und letztes Jahr sehr ausführlich besprochen.

Bleibt der zweite Punkt. Wie lassen sich die Musikaufnahmen über andere Einnahmen querfinanzieren? Die offensichtliche Antwort darauf, die ich auch letztes Jahr gegeben habe , sind Konzerte. Das ist aber nur ein Teil der Antwort, wie ich in der Zwischenzeit gelernt habe.

Machen wir einen Schritt zurück. Wie unterscheiden sich Konzerte unter der oben durchgeführten ökonomisch-theoretischen Betrachtung von Musikaufnahmen? Warum lässt sich mit ihnen Geld verdienen, das sich mit digitalen Musikaufnahmen nicht verdienen lässt? Weil der Zugang, die Teilnahme an einem Konzert für die Fans der Musiker, ein knappes Gut ist.

Musiker müssen also wertvolle, knappe Güter verkaufen. Was kann das zum Beispiel sein? Einige Beispiele:

  • Die eben angesprochenen Konzerte oder DJ-Auftritte
  • Merchandising, wie etwa T-Shirts
  • Die Produktion der Musikaufnahmen: anders als die digitalen Kopien der Aufnahmen ist die Produktion der Aufnahme selbst ein knappes Gut. Finanzieren lassen könnten sich die Musiker die Produktion zum Beispiel über Spenden von den Fans.
  • Zugang zu den Künstlern: Teurere VIP-Zugänge zu den Konzerten, (Online-)Fanklubmitgliedschaften, Zugänge zu nichtöffentlichen Foren auf den Websites der Musiker, in denen die Musiker sich beteiligen; die Zeit eines Musikers ist ein knappes Gut, nur wenige Fans können in den Genuss eines direkten Kontakts kommen
  • Streng limitierte, physische Editionen von Musikaufnahmen, am besten aufwendig gestaltet

All das kann in Verbindung mit Musikaufnahmen/Tonträgern zu deren Aufwertung verkauft werden. Man sollte aber nicht den gedanklichen Fehler machen und die Tatsachen dabei verdrehen: Gekauft wird letztlich das knappe Gut (VIP-Zugang, die schöne Verpackung als Souvenir für's Regal, das Merchandising), die Musikaufnahme ist die Zugabe. Nicht umgekehrt.

Die Produktion von Musikaufnahmen und deren Veröffentlichung ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Vorgehens, auch wenn man mit ihnen nicht direkt Geld verdient. Denn: Die gratis verteilten Musikaufnahmen sind Werbung für die Musiker. Sie erhöhen ihren Bekanntheitsgrad, erzeugen neue Fans. Sie vergrößern die Möglichkeiten der Künstler, die knappen Güter an so viele Menschen wie möglich zu verkaufen.

Die in diesem Artikel beschriebenen Konzepte dürften aufmerksamen Stammlesern bekannt vorkommen. Es handelt sich in weiten Teilen um eine dem Freemium -Geschäftsmodell nicht unähnliche Herangehensweise:

Im Freemium-Modell bieten Web-Startups Komponenten ihrer Produkte kostenlos an, um Marktanteile aufzubauen. Die so aufgebauten Marktanteile helfen anschließend beim Verkauf der kostenpflichtigen Komponenten. Auch dort ist es wichtig, das bei den kostenpflichtigen Komponenten nach wertvollen, knappen Gütern gesucht wird, um Erfolg zu haben.

Der einzige Unterschied: Ohne die neuen Rahmenbedingungen des Marktes grundlegend zu ändern - was einer faktischen Vernichtung des heutigen Internets entsprechen müsste -, gibt es für die Musikbranche keine profitable Alternative.

Zu den anderen 'Alternativen': Musikdateien mit DRM habe ich bei meinen Betrachtungen bewusst außen vor gelassen, weil DRM eine nicht effiziente Strategie ist, bei der versucht wird, die Marktbedingungen umzudeuten (bzw. diese einfach ignoriert werden). Neben den konzeptionellen Problemen mit DRM, gibt es auch eine zu bedenkende ökonomische Komponente: Man konkurriert, ob mit oder ohne DRM, immer mit den Tauschbörsen, die den Marktmechanismus (Preis = Grenzkosten) bereits umsetzen. Dass die Kulturflatrate als weitere 'Alternative' keinen Sinn ergibt, habe ich unter anderem gestern ausführlich diskutiert .

Zusammenfassung

Hier noch einmal grob zusammengefasst die Argumentationskette :

1. Digitale Musikaufnahmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie freie Güter sind, und unter Nichtrivalität konsumiert werden können.

2. Die unter Punkt 1 genannten Eigenschaften führen zu einem unendlichen Angebot und Grenzkosten von Null für digitale Kopien von Musikaufnahmen.

3. Punkt 2 führt wiederrum zu einem Marktpreis von Null für digitale Musikaufnahmen. Während das alte Geschäftsmodell wegbricht, werden die Musikaufnahmen gleichzeitig zur optimal distribuierbaren Werbung für die Musiker.

4. Während die Erzeugung einer Kopie keine zusätzliche Kosten verursacht, erzeugt die eigentliche Produktion der Musik Kosten, die gedeckt werden müssen. Diese Kosten müssen über eine Querfinanzierung eingespielt werden.

5. Die Einnahmen für Musiker muss aus dem Verkauf von wertvollen, knappen Gütern kommen. Beispiele: Konzerte, Merchandising, exklusive Zugänge zum Musiker

Fazit

Fraglos wird die Veränderung der Musikbranche komplett weg vom direkten Einkommen über den Verkauf von Tonträgern die Musiklandschaft grundlegend verändern. Schon allein weil die großen Player aufgrund ihrer Unfähigkeit zu lernen, sich mit Händen und Füßen auch die nächsten zehn Jahre dagegen wehren werden.

Aber: Weder gibt es eine Alternative dazu, die nicht die gesamte Gesellschaft schlechter stellt, noch ist gesagt, dass es der Mehrzahl der Musiker in dieser neuen Welt schlechter gehen wird. Es wird hauptsächlich eine Verschiebung der Einkommensverteilung. Und zwar hin zu den tatsächlich beliebtesten Musikern. Denn Musik zum Preis von Null, vertrieben auf dem effizientesten aller Vertriebswege - dem Internet - wird die Verbreitung von Musik auf effizienteste Art mit sich bringen. Musiker und Fans finden sich so besser als je zuvor. Je überzeugter ein Musiker von seiner Musik ist, desto weniger Bedenken sollte er gegenüber dem hier beschriebenen Vorgehen haben.

Update: Ich habe in einem weiteren Artikel Beispiele für die hier vorgestellten Modelle zusammengefasst. Außerdem bin ich in einem Artikel auf die am häufigsten geäußerten Kritikpunkte eingegangen. Ende des Updates

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Anhang:

Viele der hier besprochenen Erkenntnisse, besonders die Beispiele für von Musikern verkaufbare knappe Güter, verdanke ich unter anderem zu einem großen Teil der regelmäßigen Lektüre der Artikel von Michael Masnick auf Techdirt. Zu diesem Themenfeld lesenswert sind die folgenden Artikel:

Kommentare

  • Daniel Niklaus

    21.01.09 (02:01:36)

    Warum sollte mir dein Artikel nicht gefallen? Die alternativen Wege Musik zu verkaufen sind doch schön. Nur die Argumentation der „freien Güter“ ist falsch. Aber schlüsseln wir ein wenig auf. Freie Güter haben nichts mit der Digitalisierung zu tun. Schon seit den tiefen 70er gibt es den klassischen Kasettenrekorder. Mit diesem konnte Musik auf dieselbe Art aufgenommen und verbreitet werden wie heute Digital. Auch Computerspiele per Diskettenkopie oder Hollywoodfilme per Videorekorder sind nicht aufzubrauchen. Du kannst sogar die Zeitmaschine anwerfen und zurück zu Mozart reisen. Ein Stück von ihm konnte an beliebigen Orten abgespielt werden ohne dass das Stück aufgebraucht wurde. In jener Zeit entstand auch unser heutiges Urheberrecht. Künstler verlangten Rechte an ihren geistigen Erzeugnissen. Sie wollten entlöhnt werden. Diese Rechte wurden in verschiedenen Gesetzeswellen dem Künstler gegeben. Was du jetzt vorschlägst, ist dem Künstler sein Rechte wegzunehmen. Weder die Digitalisierung noch das Internet hat damit etwas zu tun. Musik, Filme und Computerprogramme waren immer unbeschränkt verfügbar. Du verlangst eine Zwangsfreigabe eines Stückes, welches vom Produzent komponiert, verfilmt oder programmiert wurde. Nimmst dem Künstler also seine Rechte wieder weg. Das kann man verlangen. Ist o.k. Aber warum sollte die Welt darauf eingehen? Was hat sie davon? Aus meiner Sicht laufen wir dann Gefahr, dass Künstler aufhören zu komponieren, weil damit weniger ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Filme nicht mehr gedreht werden, weil niemand das Geld für eine teure Produktion riskiert und Softwareprogramme die nie geschrieben werden, weil das Geld fehlt. Auch ich sehe gerne Raumschiff Enterprise. Und vielleicht wird irgendwann einmal das Geld abgeschafft und dann funktioniert das alles. Bei Musik mag dein Modell wegen der geringen Kosten vielleicht noch funktionieren. Bei Film und Software reicht das längst nicht aus. Wir können gerne darüber reden, wo die Grenzen des Urheberrechts sind. Aber sie abzuschaffen halte ich für einen Schuss ins eigene Knie. Ich ziehe Innovation und Entwicklung dem Stillstand vor.

  • Jan

    21.01.09 (02:02:39)

    Du kannst mir ja von deinem Wirtschaftskram erzählen was du willst, aber Musik ist meiner Meinung nach ein verdammt knappes gut. Ist doch vollkommen egal, ob es Millionen Kopien eines MP3 gibt. Für den Käufer ist das ja nur eine Art die gewünscht Musik zu erwerben. Wer Musik liebt und nicht bereit ist etwas dafür zu bezahlen, der macht sich selbst kaputt. Wenn ich ein Lied sau geil finde, dann ist das meiner Meinung nach tausend mal mehr wert als 0.99. Der Künstler hat es in dem Fall geschafft mein Leben zu verbessern (sei es auch nur für 2 Minuten). Güter, die es schaffen meine Lebensqualität auf eine Art und Weise wie Musik es eben schaffen kann zu verbessern, sind jawohl mal sowas von knapp. Da müßte man pro Lied ein vermögen bezahlen. Na dann zahlt doch wenigstens ein paar Cent. Also wirklich, was soll der Terz? Ohne Frage, DRM ist überflüssig, aber ein bisschen kluger Menschenverstand ist von Nöten, damit man nicht die Hand, die einen füttert, absterben läßt. Und ich sehe schon auch, dass Künstler Geld durch Konzerte und T-Shirts und was weiss ich verdienen können. Dennoch denke ich, dass das primäre Produkt die Musik als solche ist. Und wenn diese dann eben in eine MP3 Datei gepackt wird, dann zahlt doch einfach dafür. Jemand hat sich nämlich für den Track den Arsch aufgerissen oder zumindest sein Herzblut reingesteckt.

  • Jan

    21.01.09 (02:06:33)

    Wie ich soeben gesehen habe hat der Kollege vor mir (Daniel Niklaus) das ganze etwas sachlicher aufgeschlüsselt. Gefällt mir sehr gut.

  • Bernd

    21.01.09 (02:43:20)

    Nun ich hatte mich neulich glaub schon mal dazu geäußert... Problem: Ich bin ein rein elektronischer Studiomusiker, kann also keine Konzerte geben. Die Zeiten sind auch vorbei, wo Studiomusiker eine Sängerin in TV-Shows vorn hinstellten und hinten auf dem Keyboard cool rumklimperten (komplett Playback natürlich). Live-Acts kann ich auch keine machen. Ich könnte höchstens als DJ rumtingeln, aber auch dazu muss ich erstmal wieder Geld in Musik, Equipment usw. investieren. Ich bezweifel ob ich auf die Schnelle ein halbwegs guter DJ werden kann. T-Shirts kann ich folglich auch nicht auf meinen nichtvorhandenen Konzerten verkaufen. Ja ich weiß es gibt Spreadshirt, aber da fangen die Shirts erst ab 20 Euro an... Meine Tracks bei eMule und Rapidshare sind daher keine "Werbung" für mich, erst recht nicht wenn sie schlecht konvertiert wurden. Es gibt aber auch Plattenfirmen die richtig beschissen ihre Acts digital vertreiben wo man zwangsweise dann eMule & Co. anschmeißen muss. Man würde gern kaufen, findet es aber nirgends oder nur mit DRM für einen Saupreis usw. Ein Label brauch man nicht unbedingt mehr, durch die kommt man nur mit etwas Glück schneller auf eine Compilation als sonst. Paar Cents mehr verdient, wovon das Label natürlich auch wieder den Großteil dann abhaben will. Geil oder? Wer aber einmal auf den eMule-Zug aufgesprungen ist, der meldet sich sicher nicht bei Musicload an um MP3s in mieser Qualität überteuert zu kaufen. Aber gut, Kackmusik ist auch nichts wert. Und es gibt eben Leute für die ist Musik generell nichts wert. http://de.youtube.com/watch?v=9twU_6B3OFk Das habe ich durch Zufall mal runtergeladen und 1 Woche später bei Beatport mit Aufpreis extra als .wav-Datei für relativ teure 2,49 Euro gekauft! Wer meinen Nerv genau trifft, der wird auch gekauft :) Gute Nacht, Bernd

  • Matthias

    21.01.09 (08:00:55)

    Die Mikroökonomie für Erstsemester ist zwar schön erklärt, aber nur als Problembeschreibung sinnvoll, nicht als Lösungsansatz. Denn durch die Digitalisierung lassen sich ja ganze Produktgruppen verlustfrei duplizieren: neben Musik ja auch Filme und - wenn E-Reader technisch noch etwas verbessert und entsprechend verbreitet sind - auch Bücher. Soll ein Buchautor nachdem er ein Buch geschrieben hat, jahrelang auf Leserreise gehen und Eintritt verlangen, um sein Einkommen zu bestreiten? Soll ein Filmproduzent jahrelang durch Einkaufspassagen tingeln und T-Shirts zu seinem Film verkaufen? Und was ist mit dem Komponisten, der seine Musik gar nicht selber vorträgt? In dem Augenblick, wo das Lied komponiert ist, kann es ja verlustfrei von jedem gesungen werden - ein knappes Gut ist dann ja nur noch der Vortrag jedes einzelnen Musikers oder Sängers. Das Lied, einmal in der Welt, ist kein knappes Gut mehr. Aus diesem Grund hat man das Urheberrecht erfunden. Dein Beitrag ist zwar lieb gemeint, aber er bietet keinerlei Lösungsansätze für eine Alternative.

  • Martin Weigert

    21.01.09 (08:55:26)

    Selbst bin ich großer Musikfan und zahle auch gerne für wirklich gute Musik. Noch lieber gehe ich jedoch in Clubs, lasse dort mein Geld und finanziere dadurch Live-Acts und die Platten der DJs. Ich verstehe jeden Musiker oder Liebhaber, der sein Hobby/Geschäft bedroht sieht. DOCH: Es geht hier überhaupt nicht mehr darum, was der Interpret oder die Plattenfirma will. Jeder, der möchte, kann sich Tracks kostenlos besorgen. Millionen Menschen machen das. Dies wird eher zu- als abnehmen. Es spielt also kaum eine Rolle, wie sehr die von Marcel vorgeschlagenen Wege zur Refinanzierung der Musik bei der künstlerischen Zunft (zu der ich mich in Form von DJ-Arbeit gelegentlich auch zähle) ankommen oder nicht. Es gibt nicht viele andere Auswege. Den Zustand zu kritisieren und konstruktive Vorschläge anzufechten, ist kontraproduktiv (auch wenn ich es verstehen kann - niemand fühlt sich gerne in seiner Existenz bedroht). Das einzige, was die Entwicklung aufhalten würde, wäre ungezügelter Protektionismus, Eingriff von außen und Zensur. Das würde dann auch schnell auf andere Branchen und andere Teile des Webs ausgeweitet werden. Ich glaube nicht, dass jemand von den netzwertig.com-Lesern dies wirklich anstrebt. Das gleiche Schicksal erwartet in Zukunft auch die Buchbranche (wenn dies auch noch ein paar Jährchen dauern wird). Filme sollten es etwas einfacher haben - zumindest das Kinoerlebnis sichert hier auf lange Sicht ein ordentliches Grundeinkommen für die Filmstudios.

  • Daniel Niklaus

    21.01.09 (09:29:01)

    @Martin Die meisten Antworten hatten gar nichts gegen Marcels Vorschläge zum Verdienst zu tun. Sie gehen gegen seine "Rechte-Argumentation". Schon früher konnte beliebig kopiert werden. Zu C64/CPC/Sinclair Zeiten holten wir die Games mit 300 Baud Akkustikkoplern und verteilten sie per Disketten auf dem Schulhof. Und am Sonntagnachmittag nahmen die einen die Hitparade im Radio auf um anschliessend Tapes für den Schulschatz anzufertigen. Es gibt Güter die lange vor dem Internet kopiert wurden. Meine Frage aber ist: siehst du, dass mit Marcels "freie Güter" Argumentation dem Künstler Rechte weg genommen werden? Unabhängig davon, ob man dies für gut oder schlecht hält.

  • Stephan Randler

    21.01.09 (09:29:54)

    Die Argumentation krankt an einem entscheidenden Punkt: T-Shirts, Merchandising, Fan-Mitgliedschaften funktionieren nur bei großen Brands. Von so einer Querfinanzierung hat vielleicht Mick Jagger was... Kleine Künstler dagegen fallen durchs Raster. Kaum ein Indie-Label kann es sich noch leisten, eine Band über Jahre aufzubauen. Querfinanzierung greift hier nicht. Und noch ein Punkt: Wenn Konsumenten viel Geld in teure Tickets oder Fan-Clubs von 'großen' Bands investieren, wird bei kleinen Bands gespart. Dann überlegt man sich zweimal, ob man in einen Newcommer investiert. Oder lieber nicht doch noch einmal 100 Euro ausgibt, um die vielleicht letzte Tour der Stones zu sehen. Mein Fazit: Querfinanzierung nutzt nur den Etablierten, auf lange Sicht kommt nichts Großes nach (wie etwa in der Heavy-Szene). Erst wenn sich der Markt bereinigt und die Madonnas dieser Welt von der Bildfläche verschwinden, kommt es zum Umdenken beim Verbraucher. Und zu einer neuen Chance für junge Bands.

  • Martin Weigert

    21.01.09 (09:44:31)

    @ Stephan Da bin ich ganz anderer Meinung. Gerade Dank der heutigen globalen Reichweite von Bands über das Web können selbst Kleinstbands eine Fangemeinde aufbauen, und zwar weltweit. Schon heute besitzen "kleine" Künstler häufig sehr viel loyalere Fans, die nicht selten keine Kosten und Mühen scheuen, um ihren Helden möglichst nah zu sein und sie zu unterstützen. Ich sehe das genau andersherum: Bei den Etablierten werden Umsätze ordentlich wegbrechen. Denn die machen auch heute schon alles, um abseits der Musikverkäufe die Kassen klingeln zu lassen. Kleinere Acts hingegen haben über Social Networks, Blogs und andere Tools des Social Webs ideale Chancen, ihre Reichweite zu erhöhen und sich treue Anhänger zu schaffen. Denn vergessen wir nicht: Die Musik von großen Acts ist nicht automatisch besser als die von kleinen. Und wenn in Zukunft die Britneys und Madonnas dieser Welt weniger stark im Rampenlicht stehen und weniger verdienen, dann sehe ich darin überhaupt kein Problem. @ Daniel Der Künstler muss seine Urheberrechte behalten. Das tut er aber auch, wenn sein Song frei und kostenlos verfügbar ist. Er nutzt dies als Marketing für sich, seine Produkte, seine Tour oder auch seine Dienstleistungen (z.B. Produktion von Soundtracks, Werbemusik etc.). Ich sehe das Urheberrecht erst einmal losgelöst vom Geschäftsmodell.

  • demwz

    21.01.09 (09:47:31)

    Also, wenn das der einzige Ausweg ist, dann möchte ich kein Musiker sein. Merchandising und Premium Auflagen werden schon gemacht. Konzerte lassen sich nicht beliebig oft veranstalten, weil dadurch die Zuschauer in den einzelnen Konzerten weniger werden und die Fixkosten sich kaum mehr einspielen lassen. Megakonzerte würden zum Auftritt auf dem Sommerfest. Weißt due wieviele bands heute schon für ein Abendessen und Freibier auftreten um ein paar CDs zu verkaufen!. Spenden? - Wunschdenken. Die Bands müssen näher an die Fans - klar. Aber das alleine wird nicht reichen. Die Kriese der Musikbranche ist nur der Anfang. Es folgen Fimindustrie, Verlage,Schriftsteller und Journalisten und zuletzt Funk und Fernsehen. Da hilft nur DRM oder Flatrate

  • Michael

    21.01.09 (09:48:36)

    Die Auffassung, dass Musik nahezu zum Nulltarif erhätlich sein wird/sollte teile ich nicht. Auch wenn Verfügbarkeit und Qualität der Aufnahmen mit den heutigen Medien ein Optimum erreicht haben, so ist doch etwas Wert, wenn ich meine Songs hören kann wann ich es will - so oft ich es will. Meiner Meinung nach haben es die Musiklabels bisher verpasst angemessene Angebote und Preise aufzustellen die dem heutigen Markt entsprechen. Einzeltitel Downloads für 1-2 Franken, Alben, die per Download auch 10-15 Franken kosten. Das ist viel zu teuer, wenn man den nakten Transfer von Dateien erwirbt. Kommt dazu, dass die Anbieter noch nie so günstig Musik vertreiben konnten. Es soll mir also mal jemand erklären, weshalb ich für Online Downloads nahezu gleichviel bezahlen soll wie für CDs. Gut möglich, dass ich diesbezüglich zu einer aussterbenden Spezies gehöre. Die Silberscheiben liegen mir als Musikliebhaber nach wie vor näher. Und in diesem Punkt stimme ich mit dem Autor überein. Gerne bin ich dazu bereit für eine CD 15-20 Franken zu bezahlen - wenn mich die Musik überzeugt und mit Extras wie Bonus Tracks, Booklets oder Zusatz-DVDs nicht gegeizt wird. Songtexte im CD-Booklet sollten eigentlich auch längst zum guten Ton gehören. Und weshalb nicht auch gleich Gitarrentabs mit reinpacken? Ich bin überzeugt, dass für ein gutes Angebot - Online oder auf Tonträger - die Leute gerne bezahlen. Aber es muss da immer ein echter Mehrwert geschaffen werden, sonst kann der Konsument schnell auf die illegale Schiene ausweichen. Da hilft es auch wenig, wenn die Bands für Konzerttickets immer höhere Preise verlangen und damit die Versäumnisse des Musikverkaufs zu kompensieren versuchen. Wobei fairerweise gesagt sein muss, dass höchstwahrscheinlich die Veranstalter und Managements für dieses unschöne Phänomen der ausufernden Ticketpreise verantwortlich sind.

  • Martin Weigert

    21.01.09 (09:50:28)

    " Da hilft nur DRM oder Flatrate" - oder Musik wird ganz einfach zu einem Hobbyprodukt. Vielleicht sollten wir uns ganz von der Vorstellung lösen, dass künstlerische Arbeit ein Millionenbusiness ist? Vielleicht sollten wir so weit gehen und sagen - es wird immer Leute geben, die aus Spaß Musik, Filme und "Bücher" (egal ob auf Papier oder digital) veröffentlichen. Aber als Wirtschaftszweig wird sich die Branche auflösen. Klingt radikal klar. Aber müsste man vielleicht als Option ins Auge fassen, wenn man schon Dinge wie DRM oder Flatrate fordert. Weil das wieder nur die langfristig zum Scheitern verurteile Übertragung einer alten Denkweise in neue, dafür ungeeignete Strukturen ist.

  • Daniel Niklaus

    21.01.09 (10:08:04)

    Ähhh, kannst du bitte kurz nachsehen, was das Urheberrecht ist. Recht bedeutet in diesem Fall eben auch: ich bestimme, ob du ohne Bezahlung meine Musik, meinen Film horen/sehen darfst. Urheberrecht bedeutet aber auch, ich bestimme, ob ich es frei in die Welt setze, ob ich es bei der GEMA/Suisa anmelde oder unter cc setze. Es ist mein Recht als Urheber dies zu bestimmen. Wenn ich falsch liege, kannst du mir bitte deine Definition von Urheberrecht sagen.

  • Leander Wattig

    21.01.09 (10:35:52)

    Wie sagte es Paulo Coelho bei einer ähnlichen Diskussion auf der Le Web '08 so schön: Ein Künstler will vor allem gehört, gelesen, gesehen werden! Ein Künstler erschafft sein Kunstwerk aus innerem Antrieb heraus. Er tut dies, selbst wenn es eine "brotlose" Kunst ist. Von daher passen Künstler und die Ökonomie auch gut zusammen: Beide zielen auf eine idealerweise unendlich große Ausbringungsmenge ab (was dann in der digitalen Welt einen Preis in Höhe der Grenzkosten von 0 ergibt). Natürlich gibt es kein gottgegebenes Anrecht darauf, dass Geschäftsmodelle, die über Jahrzehnte sehr einträglich waren, dies auch künftig sein werden. Vielleicht werden weitere Teile der Medienmärkte wegbrechen. Vielleicht wird es gerade die treffen, die die Mediengüter primär zum Gelderwerb erstellen. Ich denke, Marcels Argumentation trifft es schon recht genau. Die Grenzkosten für digitale Güter liegen nun einmal bei (nahe) Null. Wenn ich Künstler bin und aus innerem Antrieb handele, wenn ich richtig gut bin und mir somit eine Fanbasis bzw. Community aufbaue, dann verdiene ich mit Sicherheit auch Geld. Dann werden die Leute mich darum bitten, dass ich Neues liefere. Dann werden sie auch gern bereit sein, mir das zu finanzieren, auf welchem Wege auch immer. Ideen und Ansätze gibt es da ja viele. Natürlich werden sie mir nicht gleich Millionen hinterherwerfen. Also nichts für Leute, die v.a. reich werden wollen. Aber was für Leute, die erstmal nur so viel wollen, wie sie benötigen, um weiter ihre Kunst machen zu können. Und ja, keiner weiß genau, wie es sich im Detail entwickeln wird. Aber an vielen Stellen hat es doch auch sein Gutes: Es ist doch klasse, dass z.B. im Musikgeschäft dadurch eine Positiv-Selektion einsetzt und wir mehr Künstler erleben werden, die die Musik primär aus nicht-kommerziellen Gründen machen und Live entsprechend gut sind.

  • Hansjoerg Posch

    21.01.09 (10:41:06)

    Interessante Diskussion hier ;-) Ich denke auch, dass wir vor großen Veränderungen stehen und sich die Rahmenbedingungen dramtisch ändern werden / bzw sie es sowieso schon tun. Auch meiner Ansicht nach werden Live-Auftritte das entscheidende Element der Zukunft zwecks Einnahmengenerierung sein und digital werden nur Produkte für eine kleine Zielgruppe zur Wertschöpfung beitragen (Special Editions etc) Zur Diskussion möchte ich nur folgende Punkte einwerfen: - Access/Sharing etc wird immer einfacher und daran werden Gesetze, die das durch Sperrung/Filterung etc hintanhalten möchten wenig ändern. Dabei handelt es sich um keine Wertung sondern das ist einfach Fakt und nicht wegzudiskutieren. - Für viele Internet-Nutzer wird der potentielle Zugriff um einiges wichtiger als der faktische Besitz (Stichwort MP3 Friedhöfe) - werbefinanzierte Online-Musik-Dienste etc zeigen da eindeutig den Weg. Ich für meinen Teil höre zB gerne bei last.fm Artists durch, in Wahrheit hätte ich aber bei vielleicht 25% das Bedürfnis die Files auch auf meiner Festplatte zu haben. - Es wird zu einer Bereinigung des Marktes kommen - mich wundert ja zB heute wie sich die ganzen CDs der Talent-Shows verkaufen weil a) sind die Kiddies da sicher online ziemlich fit im Aufstöbern und b) besitzt diese Musik für mich einfach keine Wertigkeit. "Künstliche Künstler" ums mal so zu nennen werden es in Zukunft also wesentlich schwerer haben. - Interessant finde ich die These der "1000 true fans", wonach ein Artist ab dieser Menge von seiner Arbeit leben könnnen sollte (http://www.kk.org/thetechnium/archives/2008/03/1000_true_fans.php). - @Martin ich glaube zwar dass es die Möglichkeiten wie myspace, facebook etc in Hülle und Fülle gibt im Endeffekt aber wieder nur ein professionelles Management dafür sorgt, dass man auch wirklich aus der Masse hervorsticht. Zufällig oder wegen Talent passiert da recht wenig (Lily Allen / EMI / myspace sage ich nur). - Den Ansatz der Querfinanzierung teile ich auch nicht uneingeschränkt, ich glaube einfach das klappt nur bei größeren Acts (siehe Comment von Stephan). Es gibt hier in Wien viele coole Elektronikacts aber von manchen DJ-Sessions mit Eintritt abgesehen würde ich mir da kein T-Shirt etc kaufen ... - Die Bedeutung der Labels wird sich ändern - eine Wandlung zu 360° Dienstleistern ist unerlässlich und nur Companies die das schaffen, werden überleben. Ich denke das auch deswegen, weil viele Künstler abgesehen vom Erzeugen der Musik auch gar kein Interesse daran haben sich nebenbei noch mit professioneller Vermarktung, Merchandising etc zu beschäftigen sondern diese Aufgaben gerne ausgliedern (im Rahmen anderer, kleiner angesetzter Verträge als heute natürlich). - Es geht bei der Musik wohl einfach auch "back to the roots" sozusagen. Wer wirklich gerne gute Musik macht wird erfolgreich sein und muss eben damit leben keine Millionen-Deals mehr zu machen es sei denn man kann einen Kult-Status aufbauen und zB lukrative Konzert-Deals aushandeln. Spannende Zeiten ;-)

  • Tobias Knapp

    21.01.09 (11:00:42)

    Ich denke das Internet stellt definitiv neue Rahmenbedingungen die eine Vervielfältigung von digitalen Musikstücken massiv erleichtert, ähnlich einer neuen Produktionsmaschine die schneller und kostengünstiger produziert. Die anfängliche Argumentation von Marcel bezüglich Marktpreis und Grenzkosten ist demnach durchaus sehr zutreffend. Die Urheberrechte bleiben den Erstellern natürlich erhalten, sind aber, zumindest im privaten Bereich, nicht mehr durchsetzbar und verlieren daher an Relevanz. Der B2C-Markt, wenn man das mal so ausdrücken will, ist also für Musiker längst nicht mehr so ertragreich wie früher. Anders sehe ich das im B2B (sprich: Werbelizenzen etc.), wo allerdings die Nachfrage wesentlich geringer ist. Querfinanzierung über Werbung ist möglich, bleibt allerdings nur wenigen Künstlern vorbehalten. Mehreinnahmen durch Konzerte ergeben sich derzeit meiner Ansicht nach nur für Bands, die auch in anderen Medien stark vertreten sind (Radio, Musikfernsehen..), und so einen entsprechenden Bekanntheitsgrad erlangen. Der Bekanntheitsgrad ist Vorraussetzung dafür, höhere Ticketpreise bei Konzerten verlangen zu können und Merchandise abzusetzen. Kleinere Bands profitieren nicht davon. Obwohl sie, wie Martin sagte, teiweise über Social Communities oder andere innovative Kanäle, viele treue Fans haben, ist es ihnen nicht möglich, das in Gewinn umzusetzen. Der "Fan-Longtail" bringt Bands in puncto globaler Verbreitungsgrad einen Mehrwert. Einzelne Songs oder Alben werden bekannter. Wie oben beschrieben ist das jedoch nicht mehr das Produkt, mit dem Bands an Geld kommen, und man kann kein einzelnes Konzert einer deutschen Band an einen Fan in Brasilien verkaufen. Ich sehe im Moment große (bekannte) Bands aufgrund ihrer Marktmacht und dem finanziellen Background profitieren. Für kleinere Bands gestaltet es sich zunehmend schwerer, Geld einzunehmen. Ich glaube, dass dies ein Thema ist das uns noch einige Jahre beschäftigen wird. So ziemlich alle oben genannten Szenarien halte ich für möglich. Leider auch die eines massiven Einbruchs von Quantität an Bands und Qualität von Songs, da Anschaffungskosten, Produktionskosten, Werbekosten, zu hoch und entsprechende Gewinnmargen bei den Produkten (Song, Konzert und Merchandise) nicht durchsetzbar sind um zu produzieren.

  • wolfgang

    21.01.09 (11:05:25)

    @Martin "Ich sehe das genau andersherum: Bei den Etablierten werden Umsätze ordentlich wegbrechen.... Kleinere Acts hingegen haben über Social Networks, Blogs und andere Tools des Social Webs ideale Chancen, ihre Reichweite zu erhöhen und sich treue Anhänger zu schaffen." Sorry - das stimmt einfach nicht. Da muss man sich nur anschauen, welche kleine liebevolle deutsche Indie-Labels in den letzten Jahren pleite gegangen sind. - Ladomat / L´age D´or - Hausmusik (Hätte fast noch Morr mit in den Abgrund gerissen) - Payola - Buback (konnte nur durch Mäzenatentum von Daniel Richter überleben und bezeichnet sich inzwischen als Bookingagentur mit angschlossenen Fame-Label) - Bei Kitty Yo läufts mit ihrer Digital-Strategie auch nicht so rosig ich hab sicher noch 20 andere vergessen... Und die Blog/Myspace etc. Strategie hat genau bei zwei Bands funktioniert: Artic Monkeys und Clap your Hand say yeah.

  • Martin Weigert

    21.01.09 (11:15:55)

    @ wolfgang Es stimmt, weil ich von "kleinen Interpreten" sprach, und nicht von Labels. Dass Labels durch die Entwicklung Schwierigkeiten bekommen, zweifle ich nicht an. Allerdings gibt es genug "Indie-Labels", die sich bequem in der Club-Nische etabliert, vorrangig DJs als Zielgruppe haben und gut überleben können. Zudem sind auch diverse neue Labels enstanden. Dass Unternehmen verschwinden und neue entstehen, ist der Lauf der Ding, das ist nichts Musikindustrie-spezifisches. @ Tobias & Hansjörg Gute Ergänzungen und Zusammenfassungen.

  • Leander Wattig

    21.01.09 (11:25:08)

    Wie sagte es Paulo Coelho bei einer ähnlichen Diskussion auf der Le Web '08 so schön: Ein Künstler will vor allem gehört, gelesen, gesehen werden! Ein Künstler erschafft sein Kunstwerk aus innerem Antrieb heraus. Er tut dies, selbst wenn es eine "brotlose" Kunst ist. Von daher passen Künstler und die Ökonomie auch gut zusammen: Beide zielen auf eine idealerweise unendlich große Ausbringungsmenge ab (was dann in der digitalen Welt einen Preis in Höhe der Grenzkosten von 0 ergibt). Natürlich gibt es kein gottgegebenes Anrecht darauf, dass Geschäftsmodelle, die über Jahrzehnte sehr einträglich waren, dies auch künftig sein werden. Vielleicht werden weitere Teile der Medienmärkte wegbrechen. Vielleicht wird es gerade die treffen, die die Mediengüter primär zum Gelderwerb erstellen. Ich denke, Marcels Argumentation trifft es schon recht genau. Die Grenzkosten für digitale Güter liegen nun einmal bei (nahe) Null. Wenn ich Künstler bin und aus innerem Antrieb handele, wenn ich richtig gut bin und mir somit eine Fanbasis bzw. Community aufbaue, dann verdiene ich mit Sicherheit auch Geld. Dann werden die Leute mich darum bitten, dass ich Neues liefere. Dann werden sie auch gern bereit sein, mir das zu finanzieren, auf welchem Wege auch immer. Ideen und Ansätze gibt es da ja viele. Natürlich werden sie mir nicht gleich Millionen hinterherwerfen. Also nichts für Leute, die v.a. reich werden wollen. Aber was für Leute, die erstmal nur so viel wollen, wie sie benötigen, um weiter ihre Kunst machen zu können. Und ja, keiner weiß genau, wie es sich im Detail entwickeln wird. Aber an vielen Stellen hat es doch auch sein Gutes: Es ist doch klasse, dass z.B. im Musikgeschäft dadurch eine Positiv-Selektion einsetzt und wir mehr Künstler erleben werden, die die Musik primär aus nicht-kommerziellen Gründen machen und Live entsprechend gut sind. Der Wettbewerb wird natürlich noch härter.

  • Daniel Niklaus

    21.01.09 (11:57:35)

    Man müsste glauben, dass unsere deutschen Nachbarn für das Experiment im Osten genug bezahlten...aber offensichtlich ist Utopia vom Sozialismus wieder Salonfähig. Anders kann ich mir nicht erklären, wie meine Rechte als Autor, Musiker, Filmemacher oder Softwareentwickler enteignet werden sollen. Wenn dies der Kern unserer Diskussion ist, dann bitte gerne. Aber nicht solch falsche Argumente wie: "freie Güter weil man sie kopieren kann".

  • wolfgang

    21.01.09 (12:03:19)

    @ martin: "Es stimmt, weil ich von “kleinen Interpreten” sprach, und nicht von Labels. Dass Labels durch die Entwicklung Schwierigkeiten bekommen, zweifle ich nicht an." Ich kenne keine "Kleinen Interpreten", die OHNE Label auch nur schlecht und recht von ihrer Musik leben könnten. "Allerdings gibt es genug “Indie-Labels”, die sich bequem in der Club-Nische etabliert, vorrangig DJs als Zielgruppe haben und gut überleben können." Echt? Welche denn? Du weisst schon, was diese Zielgruppe für die Marge bedeutet? Von 500 verkauften Maxis und ein paar Downloads bei Beatport kann kein Label vernünftig überleben. "Zudem sind auch diverse neue Labels enstanden." Schon klar. Hobby-Labels? Nenn mir doch bitte neue deutsche Labels, die einigermassen funktionieren. "Dass Unternehmen verschwinden und neue entstehen, ist der Lauf der Ding, das ist nichts Musikindustrie-spezifisches." Schon klar. Aber eine Band macht eben ein komplett anderes Produkt als Jogurt oder Damenbinden, wie man an der sehr emotionalen Diskussion hier sehen kann. Dem wird man mit einer normalen betriebswirtschaftlichen Argumentation nicht gerecht. @ Marcel So ein Musik-Artikel ist doch immer wieder für eine Kommentarschlacht gut;)

  • Martin Weigert

    21.01.09 (12:39:58)

    @ wolfgang Ich denke da an Labels wie Bpitch Control, Gigolo Records, Kompakt, Poker Flat, Tresor usw - ich bin zwar nicht exakt auf dem Laufenden, wie es in deren Büchern aussieht - Tatsache ist aber, dass sch viele Labels auch trotz vergleichsweise geringer Auflagen halten. Ja - teilweise ist es auch nur ein Hobby der Betreiber oder reicht gerade so, um sich einen normalen Lohn auszuzahlen - aber noch mal - dass Musik Menschen reich machen muss, ist kein Naturgesetz. Nur weil dies immer so war, heißt es nicht, dass es immer so sein wird. Und die technischen Entwicklung drückt die Musikindustrie ganz einfach gegen eine Wand. Da hilft auch kein Lamentieren oder Entsetzen über das fehlende Unrechtsbewusstsein bei den Menschen, die Urheber "enteignen" wollen. Dazu ist es schon viel zu weit gekommen, als das man die Uhren hier noch einmal zurückstellen könnte. Leander bringt einen Satz, der es auf den Punkt bringt: "Ein Künstler erschafft sein Kunstwerk aus innerem Antrieb heraus. Er tut dies, selbst wenn es eine “brotlose” Kunst ist."

  • Martin Weigert

    21.01.09 (12:51:39)

    Eine Sache möchte ich noch anfügen - gute Musik lässt sich immer mehr auch mit minimalen Mitteln produzieren. Die Notwendigkeit von teurer Studioausrüstung wird weiter abnehmen. Jeder weiß, mit wie wenig Aufwand schon heute der neueste Dance- oder Pophit in ein paar Tagen zusammengeschustert und danach unters Volk geworfen wird. Stetig verbesserte Software tut ihr Übriges. Je einfacher sich Musik produzieren lässt, desto großer ist der Wertverlust des eigentlichen Songs. That's it.

  • Marcel Weiss

    21.01.09 (13:01:32)

    Ich habe schon geahnt/befürchtet, dass viele sich mit den im Artikel dargelegten Äußerungen und Fakten(!) nicht anfreunden können. Ich werde kurz auf ein paar Dinge eingehen, werde die Tage aber in einem weiteren Artikel noch einmal gesondert auf die einzelnen Kritikpunkte eingehen. Ich hoffe, das bringt die Diskussion voran. :) @Daniel Niklaus: Die Kopien auf Musikcassette und VHS sind weit von freien Gütern entfernt. Sie wren mit Qualitätsverlust behaftet, die Beschaffung war nicht so einfach und die Speicherung kostete ebenfalls mehr als heute der Vergleich mit Festplatten und MP3-Dateien (oder selbst wav-Dateien). Digitale Kopien dagegen sind exakt das: freie Güter. siehe zb Definition auf Wikipedia: "Ein Gut ist frei, wenn es im betreffenden Gebiet zur betrachteten Zeit in so großer Menge vorhanden ist, dass jeder Mensch so viele Einheiten des Gutes konsumieren kann, wie er will, beziehungsweise bis seine Sättigungsmenge erreicht ist." Selbst wenn man die Kopien früher auf MCs als freie Güter bezeichnet (was ich wie gesagt für falsch halte), ändert das nichts an der heutigen Situation. Wo nehme ich Künstlern Rechte weg? Jeder kann soviel Geld für eine simple Musikdatei verlangen, wie er will. Nur: Der Markt wird es einfach nicht bezahlen. Die Strategie, den eigenen Bekanntheitsgrad so weit wie möglich auszubauen und dann für knappe Güter Geld zu verlangen ist letztlich auf lange Sicht die einzig profitable. "Du verlangst eine Zwangsfreigabe eines Stückes" Nein. Wo mache ich das? "Aus meiner Sicht laufen wir dann Gefahr, dass Künstler aufhören zu komponieren, weil damit weniger ihren Lebensunterhalt bestreiten können." Das fusst auf der Annahme, dass man mit dem Verkauf von Dateien mehr verdienen kann, als mit der freien Weitergabe und der Querfinanzierung. Das muss nicht so sein. Ist es meist auch nicht, besonders für kleine Künstler. Und ja, das betrifft auch Softwar und Filme. Alles, was in digitaler Form zum freien Gut wird. "Wir können gerne darüber reden, wo die Grenzen des Urheberrechts sind. Aber sie abzuschaffen halte ich für einen Schuss ins eigene Knie. Ich ziehe Innovation und Entwicklung dem Stillstand vor." Hö? Ich will das Urheberrecht nicht abschaffen. Reformiert werden muss es auf jeden Fall, aber das ist eine andere Geschichte. Wie Du darauf kommst, dass ohne Urheberrecht es zum Stillstand kommt, ist mir auch schleierhaft. @Jan: "Du kannst mir ja von deinem Wirtschaftskram erzählen was du willst, aber Musik ist meiner Meinung nach ein verdammt knappes gut." Die Erzeugung von Musik ist ein knappes Gut. Die digitale Kopie nicht. @Matthias: "Denn durch die Digitalisierung lassen sich ja ganze Produktgruppen verlustfrei duplizieren: neben Musik ja auch Filme und - wenn E-Reader technisch noch etwas verbessert und entsprechend verbreitet sind - auch Bücher." Ja, und? Das ändert nichts an der Situation als solche. "Das Lied, einmal in der Welt, ist kein knappes Gut mehr." Die Produktion des selbigen schon, wie ich im Artikel ausgeführt habe. Fans werden bereit sein, für die Erzeugung zu bezahlen. "Dein Beitrag ist zwar lieb gemeint, aber er bietet keinerlei Lösungsansätze für eine Alternative." Doch, die stehen im Absatz 'Musikaufnahmen: Querfinanziert & Werbung für die Musiker'. @Daniel Niklaus "dass mit Marcels “freie Güter” Argumentation dem Künstler Rechte weg genommen werden" Wie so oft in solchen Diskussionen versuchst Du ökonomische Zusammenhänge, die Dir nicht gefallen, über moralische Ansätze wegzudiskutieren. Von welchen Rechten sprichst Du denn? Von dem Recht des Künstlers als Anbieter den Preis festzulegen, egal ob jemand den bezahlen will oder nicht? Dieses Recht wird vom Markt weggenommen, nicht von mir. @Stephan Randler: "Querfinanzierung nutzt nur den Etablierten, auf lange Sicht kommt nichts Großes nach" Das stimmt nicht. Es gibt auch Beispiele bei unbekannteren Künstlern, wo das erfolgreich lief. Ich suche die mal heraus. @demwz: "Konzerte lassen sich nicht beliebig oft veranstalten, weil dadurch die Zuschauer in den einzelnen Konzerten weniger werden und die Fixkosten sich kaum mehr einspielen lassen." Internet -> potentiell globales Publikum "Da hilft nur DRM oder Flatrate" Beides Unsinn. Siehe meine vorhergehenden Artikel dazu. @Hansjoerg Posch: "Für viele Internet-Nutzer wird der potentielle Zugriff um einiges wichtiger als der faktische Besitz" Stimmt. Besitz ist ja letztlich nur bestmöglicher Zugriff. Würde man ein Äquivalent (überall, jederzeit) per Streaming etablieren können, würden viele das akzeptieren. @Tobias Knapp: "Der Bekanntheitsgrad ist Vorraussetzung dafür, höhere Ticketpreise bei Konzerten verlangen zu können und Merchandise abzusetzen. Kleinere Bands profitieren nicht davon. Obwohl sie, wie Martin sagte, teiweise über Social Communities oder andere innovative Kanäle, viele treue Fans haben, ist es ihnen nicht möglich, das in Gewinn umzusetzen." Das ist nicht gesagt. Die Frage ist doch die: Kann jemand, der von seiner Platte früher 1000 Stk. absetzen konnte, jetzt mit einer Freigabe seiner Musik nicht einen größeren Bekanntheitsgrad erreichen, der zu besseren Einnahmen über die Querfinanzierung führt? Entsprechend gute Musik, die Fans anspricht, dürfte das auch bei kleineren Künstlern funktionieren. Pauschal zu sagen: Nö, das geht nicht, halte ich für falsch. Es wird nicht für jeden gelten, aber auch nicht für niemanden. @Daniel Niklaus: Auf Provokationskurs, eh? "Man müsste glauben, dass unsere deutschen Nachbarn für das Experiment im Osten genug bezahlten…aber offensichtlich ist Utopia vom Sozialismus wieder Salonfähig." Nur damit ich das richtig verstehe: _Ich_ schreibe über den Marktpreis, der sich auf dem Markt einstellt. _Du_ bist damit nicht einverstanden und versuchst auf moralischer Ebene diesen Marktpreis wegzuargumentieren. Und _Du_ wirfst _mir_ Sozialismus vor? Wow. Preis=Grenzkosten ist nicht Sozialismus, nur weil beides Null beträgt. @wolfgang: "So ein Musik-Artikel ist doch immer wieder für eine Kommentarschlacht gut;)" Ich hatte es, wie gesagt, geahnt/befürchtet.

  • Daniel Niklaus

    21.01.09 (14:04:55)

    @Marcel Ich verstehe deine Argumentation sehr gut. Es war auch einmal meine. Heute bin ich aber selbst Produzent und setzte mich eingehender mit der Materie auseinander und erweiterte meine Meinung. Bitte lies den Artikel über die freien Güter nochmals genau durch. Freie Güter stehen in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Luft und Sand war schon immer da und wird immer da sein. Musik, Film, Software muss zuerst erschaffen werden und steht eben darum nicht als freies Gut in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Egal wie einfach und verlustfrei sie kopiert werden kann. Aus diesem Grund hat man das Urheberrecht gemacht. Ein früherer Artikel von mir landete im Spam, wo ich den Link zum Urheberrecht auf Wikipedia machte. Bitte lies folgenden Abschnitt genau durch: Dem Urheber wird das Recht der Verwertung seines Werkes zugebilligt: Dieses umfasst Vervielfältigung, Verbreitung, Ausstellung, öffentliche Wiedergabe und Bearbeitung des Werkes. Der Urheber darf die Rahmenbedingungen der Verwertung festlegen, hat somit das Recht auf die Erstveröffentlichung und auf die erste Inhaltsmitteilung. Zudem ist die Urheberrechtsbezeichnung geschützt. Der Urheber kann die Entstellung eines Werkes verbieten. Nach deiner Argumentation nimmst du dem Urheber das Recht die Rahmenbedingungen der Verwertung festzulegen weg. Ohne dass du mit mir einig sein musst, kannst du meiner Argumentation folgen?

  • JKG

    21.01.09 (14:28:53)

    Schöner Artikel. Bringt es auf den Punkt. Als Ergänzung zu dem Artikel: Auch wenn es Kopien schon vor dem digitalen Zeitalter gegeben hat, so sind doch die Transaktionskosten durch das Internet dramatisch gesenkt worden, so daß den Produzenten digitaler Güter hier spürbare Einkommenverluste entstanden sind. Das fing als erstes bei der Musikindustrie an, da die hier digitale Güter relativ wenig Speicher verbrauchen und dadurch schnell herunterladbar sind. Die Videospieleindustrie hat durch Konsolen einen Weg gefunden, die Transaktionskosten hoch zu halten, im PC-Bereich der Videospielesektors sieht es ähnlich aus, wie in der Musikindustrie. Wenn der Down-/Upload von Filmen nur noch Sekunden brauchen wird, dann hat Hollywood ähnliche Probleme wie die Musikindustrie. Der Musikindustrie ist das natürlich bewusst, zum einen bereitet die Industrie sich dadurch vor, daß Sie immer mehr in Richtung Live-Entertainment geht und sich hier dementsprechende Künstler einkauft oder sich an Live-Entertrainment-Firmen beteiligt und zum anderen versucht diese natürlich auf politischem Wege den Niedergang aufzuhalten, was langfristig nicht schaffbar sein wird. Schon heute verdienen bekannte Künstler im Live-Segment mehr als durch den Verkauf von Tonträgern. Das sind natürlich keine guten Nachrichten für Künstler die nicht Live auftreten können oder Indie-Label. Aber Märkte ändern sich.

  • Bernd

    21.01.09 (15:06:20)

    @Martin Weigert: "Noch lieber gehe ich jedoch in Clubs, lasse dort mein Geld und finanziere dadurch Live-Acts und die Platten der DJs." Du weißt aber schon das die meisten DJs kaum noch Platten selber kaufen müssen sondern direkt von den Labels kostenlos bemustert werden oder?

  • Martin Weigert

    21.01.09 (15:09:23)

    Ich kenne genug, die keine Promos bekommen und in Clubs spielen. Dass dies bei Sven Väth & Co so läuft, ist klar.

  • Marcel Weiss

    21.01.09 (15:23:21)

    @Daniel Niklaus: Du weigerst Dich weiterhin, die grundlegenden ökonomischen Zusammenhänge nachzuvollziehen. "Bitte lies den Artikel über die freien Güter nochmals genau durch. Freie Güter stehen in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Luft und Sand war schon immer da und wird immer da sein." Erkläre mir bitte ganz genau, wann die Anzahl an digitalen Kopien einer Musikdatei aufgebraucht sind. Ganz konkret an einem Beispiel. "Musik, Film, Software muss zuerst erschaffen werden und steht eben darum nicht als freies Gut in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Egal wie einfach und verlustfrei sie kopiert werden kann." Du vermischst die Verbreitung der digitalen Kopien mit der Erschaffung der Musik. Ich habe das oben im Artikel aufgeschlüsselt. Die Herstellung von Musikaufnahmen ist ein knappes Gut. Die digitalen Kopien sind freie Güter. Man muss die Kosten für die eigentliche Aufnahme dann als gesunkene Kosten betrachten. Und ja, die Argumentation trifft auch auf andere Bereiche, wie etwa Software zu. Google z.B. bietet seine Software kostenlos an, und verdient über die Querfinanzierung massiv Geld (Werbung). "Nach deiner Argumentation nimmst du dem Urheber das Recht die Rahmenbedingungen der Verwertung festzulegen weg. Ohne dass du mit mir einig sein musst, kannst du meiner Argumentation folgen?" Nein, weil ich nirgendwo dem Urheber sein Recht auf direkte Verwertung wegnehme. Das macht der Markt und ich beschreibe das und mögliche Alternativen für andere Einkünfte. Seit wann darf denn eine Seite der Marktteilnehmer über die Art der Verwertung entscheiden, ohne dass die andere Seite dazu etwas zu sagen hat? Die grundsätzliche Alternative der Querfinanzierung, die ich im Artikel beschrieben habe, ist die einzige, bei der sich beide Seiten unter den heutigen Rahmenbedingungen langfristig treffen werden können. Es ergibt keinen Sinn für die Kunden, für eine Einheit eines Gutes zu bezahlen, deren Herstellung nichts gekostet hat. Es ergibt dagegen Sinn, für die Herstellung der Musik zum Beispiel zu bezahlen. Das muss voneinander losgelöst betrachtet werden, um Lösungsansätze zu finden. Die willst Du aber nicht. Du willst das alles so bleibt wie es ist, weil Du das für richtig hältst. Egal was der Markt sagt. (PS.: Bitte kurze Mail senden, wenn Kommentare im Spam landen. Denn wenn der Kommentar nicht in der Moderation sondern sofort im Spamordner landet, bekomme ich das erst mit, wenn die tägliche Zusammenfassung vom Spamfilter an mich gesendet wird.) @JKG: Ah, schön, dass es manche verstehen. :) "Auch wenn es Kopien schon vor dem digitalen Zeitalter gegeben hat, so sind doch die Transaktionskosten durch das Internet dramatisch gesenkt worden, so daß den Produzenten digitaler Güter hier spürbare Einkommenverluste entstanden sind." Genau. "Das sind natürlich keine guten Nachrichten für Künstler die nicht Live auftreten können oder Indie-Label. Aber Märkte ändern sich." Yep.

  • Alexander

    21.01.09 (16:40:49)

    @Marcel “Bitte lies den Artikel über die freien Güter nochmals genau durch. Freie Güter stehen in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Luft und Sand war schon immer da und wird immer da sein.” Erkläre mir bitte ganz genau, wann die Anzahl an digitalen Kopien einer Musikdatei aufgebraucht sind. Ganz konkret an einem Beispiel. Digitale Kopien unterscheiden sich von Luft, weil mit der Nutzung Suchkosten verbunden sind. Anders lässt sich der Erfolg von gut sortierten Marktplätzen, die eine aggregierende Funktion übernehmen, a la iTunes nicht erklären. Aber dass semantische Web kommt ja.. vielleicht wird das Auffinden von Musik in zukunft auch leichter. Dann werden sich die Spielregeln erneut ändern. Btw: Das Thema Suchkosten ist eigentlich ein alter Hut und sollte bei einer solchen Argumentation beachtet werden: Quelle 1982 http://www.computerwoche.de/heftarchiv/1982/42/1184108/

  • JKG

    21.01.09 (20:03:11)

    Suchkosten=Transaktionskosten.

  • wolfgang

    21.01.09 (20:51:47)

    Schade, dass Martin und Marcel nicht verstehen, dass es eben nicht nur ein ökonomisches Problem, sondern vor allem ein gesellschaftliches Problem ist. Die ökonomischen Argumente verstehe ich ja und sehe fast alles genauso. Das ist aber eben nur ein sehr kleiner Teil des Problems. Die Unterschiede zwischen Sand und Musik werde ich jetzt sicher nicht erläutern. Aber wenn ihr es ökonomisch wollt: “Dass Unternehmen verschwinden und neue entstehen, ist der Lauf der Ding, das ist nichts Musikindustrie-spezifisches.” Wieso bekommt Opel dann eine Milliarden-Bürgschaft vom Staat, und wieso bekommen Banken ein Hilfspaket über 5 (oder 50, oder 500? - hab grade den Überblich verloren;) Milliarden Euronen. Lasst die Banken doch untergehen... Könnte es sein, das sich der Markt eben doch nicht so toll selber reguliert und alles ein bisschen komplizierter ist, als man das auf den ersten Blick vermuten könnte.

  • JKG

    21.01.09 (21:31:03)

    @Wolfgang. Mal davon abgesehen, daß du hier Markt und Staat in einen Topf wirfst. Soll jetzt die Musikindustrie auch subventioniert werden, weil der Markt nicht so ist, wie sich die Produzenten das wünschen? Btw, Märkte funktionieren immer. Das Resultat stimmt nur nicht immer alle zufrieden.

  • Marcel Weiss

    21.01.09 (21:41:04)

    @wolfgang: Die Bürgschaft für Opel war falsch. Bei den Banken kann man noch drüber streiten, aber egal. Was ist Dein Punkt? Dass der Staat Musiker und Label finanzieren soll, weil diese sich weigern, die Art(!) ihrer Einkünfte zu verändern? Es spricht ja niemand davon, dass sie für ihre Musik nichts mehr verdienen. Und selbst wenn dem so wäre: niemand hat Anspruch darauf, selbst festzulegen, wieviel und auf welche Art er bezahlt wird. Wenn kein Markt dafür da ist, dann weil niemand dafür bezahlen will. @JKG: Nein, Märkte funktionieren nicht immer. Bzw. was ist 'Funktionieren' wenn niemand zufriedengestellt ist? Die Finanzkrise hat ziemlich deutlich gezeigt, dass Märkte nicht immer funktionieren. Wobei funktionieren bei mir bedeutet, die Gesellschaft wird besser gestellt.

  • xconroy

    21.01.09 (21:51:22)

    Um mal einen offensichtlichen, aber bisher kaum beachteten Aspekt reinzubringen: die bisherige Diskussion zeigt zumindest, daß der "vollkommene Wettbewerb" hier gar nicht so sehr zu greifen scheint. Ökonomisch irrationale Argumente (#Jan, #Daniel Niklaus) spielen bei einem nicht geringen Teil der Leserschaft wohl durchaus eine Rolle - wenn sich dies auf die Gesamtkonsumentenschaft übertragen läßt, dann hätten wir locker 50% Leute, die - trotz der Möglichkeit kostenlosen Zugangs - freiwillig Geld für Musikdateien bezahlen würden (oder nicht? ...ich geh jetzt einfach mal davon aus daß Daniel Niklaus ganz bewußt kein emule etc. nutzt). Ich würde mich übrigens auch dazu zählen - die Angebote heutiger Download-Shops von iTunes bis musicload überzeugen aber nun mal nicht: - einmal wegen der überzogenen Preise, das wurde von Michael (#11) schon angesprochen. Ich zahle keine knapp 2 € für einen noch so guten Song - aber wenn der Preis bei, sagen wir, 5 Cent pro Track liegt, dann habe ich üerhaupt kein Prob damit (s.o. - auch für mich gilt das ökonomisch irrationale Argument "man soll dem Künstler etwas für seine Arbeit zurückgeben") und würde im Endeffekt mehr ausgeben (für 5 € würde ich normal 2 Lieder kriegen, so aber 100 - und somit würde der Anbieter gerade *wegen* der nichtexistenten Grenzkosten Gewinn machen). - dann wegen DRM. Ist für mich gar keine weitere Diskussion wert - Musik "mieten"? Hallo? So leicht mir das Abwägen zwischen "alles umsonst" und "man soll dem Künstler etwas für seine Arbeit zurückgeben" mir bei 5-Cent-Downloads fällt, so leicht fällt es mir auch in Bezug auf DRM - nur in die andere Richtung. Wie gesagt - das Modell des vollkommenen Wettbewerbs greift hier m.E. nicht mehr, weil Einflüsse von außerhalb dieses Modells zu relevant sind. - nicht zuletzt aus ergonomischen Gründen: von amazons One-Click-Kauf können die meisten Anbieter noch was lernen - ich habe halt mal keinen Bock auf umständliche Erwerbsvorgänge. Transparenz und Einfachheit des Vorgehens, möglichst mit einem Blick auf einer einzigen Seite ersichtlich - das würde viele Kunden dann *nicht* mehr abschrecken. Stattdessen hat jeder Downloadshop andere Vorgaben bzgl. Registrierung, Bezahlung etc. - und wenn man keine Kreditkarte hat oder keinen Bock auf PayPal, dann ist man eben schnell wieder weg. - man möchte ja Neues kennenlernen, aber bitte auch vorher mal reinhören. 30-Sekunden-Schnipsel voller akustischer Wasserzeichen (wenn überhaupt eine Vorher-Reinhör-Möglichkeit geboten wird) sind aber nicht so prickelnd. Klar kann man vorher bei last.fm reinhören - aber wäre es nicht, s.o., nutzerfreundlicher (bzw. der nutzerimmanenten Faulheit entgegenkommender), diese Möglichkeit gleich auf der eigenen Seite zu bieten? - man sucht und sucht und findet nicht was man sucht (deshalb registriert man sich bei x verschiedenen Download Stores und hat dann mit den Problemen zu kämpfen, die bereits genannt wurden, nur weil man hofft, beim 10. Anbieter endlich das Lied in der Version zu finden, welche man sucht). Da schmeißt man dann doch lieber den Esel oder bittorrent an... wenns das Falsche ist kann man ja wieder löschen. Oder - das ist meine bevorzugte Methode und (noch) nicht mal ansatzweise illegal - man extrahiert einfach die Audiospur aus einem YouTube-Video - da ist das Angebot nämlich besser als in jedem regulären Shop und auch oft besser als bei irgendeiner Tauschbörse - und man kann sichs vorher anhören. Damit fällt dann auch das Argument "illegal" weg und daß Raubkopiermörderschänderterroristen Angst vorm Knast haben sollen. Restriktive Maßnahmen wie Flatrate und DRM sind Zwang - und gegen Zwang wehrt man sich. Wenn aber das Potenzial *freiwilliger* Abgaben so groß ist, wie es hier in den Kommentaren ersichtlich wird, sollte dieser Weg eine Alternative sein. (gut, ich für meinen Teil kann ja die Klappe aufreißen... ich verkaufe Musik nicht an Hörer, sondern an Musiker (produziere HipHop-Beats), aber was hilft es, sich gegen Realitäten zu stellen, die mittlerweile nicht mehr umkehrbar sind? Nur genau diese Umkehrung versuchen mmn diejenigen, die sich für Flatrate und DRM aussprechen... anstatt sich nach neuen Wegen umzusehen, die auf Kooperation statt auf Zwang beruhen)

  • JKG

    21.01.09 (21:54:14)

    Wir könnten lange diskutieren über das "Funktionieren" von Märkten und über "Gesellschaft", das ist nicht das richtige Forum dafür. Die Finanzkrise hat nichts mit Marktversagen zu tun. Die Notenbanken haben seit den 90er Jahren eine Politik des billigen Geldes betrieben. Das dabei regelmässig Blasen entstehen, ist nicht verwunderlich. Will nicht in die Tiefe gehen, aber die ersten die davor gewarnt haben, waren die glühensten Vertreter der Marktwirtschaft.

  • Daniel Niklaus

    21.01.09 (22:00:29)

    @Marcel Ich hoffte ein D Jurist springt hier für mich ein ;-) Seit wann darf denn eine Seite der Marktteilnehmer über die Art der Verwertung entscheiden, ohne dass die andere Seite dazu etwas zu sagen hat? Schon sehr lange. Schau dir mal den Artikel zum Verwertungsrecht im Deutschen Urheberrecht an. Sogar die DDR hat den Urhebern einiges an Eigentumsrecht gegeben. Es spielt keine Rolle, ob ich alles so belassen will oder nicht. Wenn du das hier durchliest, stimmst du mir zu, dass du mit deiner Forderung den Urhebern Rechte weg nimmst? Gerne nehme ich nachher zu den freien Gütern und zum Google Beispiel Stellung.

  • Martin Weigert

    21.01.09 (22:06:42)

    Auch wenn es nicht zum Thema gehört: Wenn auf einen Schlag (!) zehn- oder gar hundertausende Menschen arbeitslos werden, dann ist das fuer eine Marktwirtschaft nur sehr schwer verdaulich. Aus diesem Gesichtspunkt kann man Subventionen fuer die Auto- oder Finanzbranche nachvollziehen. Wenn zehn- oder hundertausende Angestellte in der Musikindustrie im Laufe von mehreren Jahren ihren Job verlieren, ist dies fuer jeden einzelnen genauso traurig, aber fuer die Marktwirtschaft dennoch leichter zu verkraften. Ende des Abschweifens.

  • Max

    21.01.09 (22:12:16)

    Wenn ich eine Form der Querfinanzierung noch hinzufügen darf: Creative Commons License Noncommercial Das Musikstück können Fans downloaden & kopieren, das kommerzielle Nutzungsrecht wäre aber sehr wohl ein knappes gut. Der Artists oder Labels können es für einen Werbespot, Fernsehfilm, POS-Beschallung oder Events exklusiv verkaufen. Freilich braucht man (wie überall) eine Nachfrage dafür, wobei diese gerade durch eine legale CC-Verbreitung gepusht wird.

  • JKG

    21.01.09 (22:13:28)

    @Daniel. Wenn ich Marcel richtig verstehe, dann fordert er nichts sondern stellt fest. Märkte können sich so verändern, daß bestehende Gesetze diesen nicht mehr gerecht werden. Entweder versucht man dann den Markt stärker zu regulieren bzw. einzelne Marktteilnehmer zu sanktionieren oder man passt die Gesetze den Bedingungen an. Ersteres hat im Falle der Musikindustrie nur mässigen Erfolg gebracht. Marcel schreibt schon richtig, daß nur eine sehr starke Regulation den Markt wieder in den alten Zustand versetzen könnte. Ich mag mir aber nicht vorstellen, was dies für Nebeneffekte nach sich ziehen würde.

  • Marcel Weiss

    21.01.09 (22:19:38)

    @Daniel Niklaus: Ich versuche es ein letztes Mal: Wenn Verkäufer X am Markt sein Produkt für so und so viel € verkaufen will, aber niemand ihm das dann auch abkauft: Wurde ihm dann irgendein Recht weggenommen? Wenn ja, welches? Die Labels können so viel für ihre Produkte verlangen, wie sie wollen. Das mache ich ihnen nicht streitig. Ich sage nur, dass sie immer weniger Leute finden werden, die diese Preise bezahlen. Es ergibt bei freien Gütern einfach keinen Sinn. Ich "fordere" im Artikel auch nichts, sondern zeige Lösungswege. Und: Ich nehme niemandem irgendein Recht weg. Urheberrecht ist kein Recht darauf, sein Werk am Markt in so hohen Stückzahlen verkauft zu bekommen, dass man einen Profit in Höhe von XY herausbekommt. Anscheinend nimmst Du das aber an. Die Labels und Musiker können ihr Urheberrecht behalten, ihre ökonomische Situation wird davon aber nicht besser. Drücke ich mich wirklich so undeutlich aus? Wenn ja, dann empfehle ich die Links zu den Texten am Ende des Artikels. Vielleicht wird es dort klarer dargestellt als ich dazu in der Lage bin.

  • Max

    21.01.09 (23:04:16)

    Ein anderer Ansatz: http://amiestreet.com http://en.wikipedia.org/wiki/Amiestreet Interessant deswegen, weil es sich hier der Preis nur nach der Nachfrage/Popularität richtet, weil das Angebot eine konstante Größe darstellt (nämlich unendlich).

  • Leander

    21.01.09 (23:26:53)

    Übrigens auch im Buchmarkt fallen die Preise: Sind fallende Buch-Preise unvermeidbar?

  • Daniel Niklaus

    21.01.09 (23:42:15)

    Urheberrecht ist kein Recht darauf, sein Werk am Markt in so hohen Stückzahlen verkauft zu bekommen, dass man einen Profit in Höhe von XY herausbekommt. Anscheinend nimmst Du das aber an. Überhaupt nicht nehme ich das an. Auch von meiner Seite ein letztes Mal: Dem Urheber des Werkes steht das ausschließliche Recht der Verwertung zu. Was bedeutet das? Ein ausschließliches Recht bedeutet, dass nur ein einziger Inhaber ein Recht nutzen kann. Dieses Recht kann aber zeitlich, räumlich und/oder sachlich beschränkt sein. Somit darf ein Rechteinhaber dir verbieten, dass du seine Musik kopierst und hörst, wenn du nicht bereit bist, den von ihm verlangten Preis zu bezahlen. Und du hast das Recht, auf den Kauf zu verzichten. Das Recht des Urhebers willst du ihm wegnehmen. Ob das richtig oder falsch ist, ob sich Märkte verändern oder gleich bleiben ob mir das passt oder nicht - an der Sachlage ändert dies gar nichts. Mit deinen Forderungen der "freien Kopie" machst du dieses Recht den Urhebern streitig. Siehst du das wirklich anders? Kann in deinem System ein Musiker sagen: nein Marcel, wenn du für meinen Song nicht bezahlst, darfst du ihn dir weder kopieren noch anhören?

  • (noch ein) Jan

    21.01.09 (23:51:58)

    Interessanter Artikel und interessante Diskussion. Allerdings ist die Argumentation des Artikels sehr akademisch und hat meines Erachtens nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun. Ein Bein stellt er sich selbst hier: "Finanzieren lassen könnten sich die Musiker die Produktion zum Beispiel über Spenden von den Fans." Genau. Und die Musik zu verkaufen ist nichts anderes, als hinterher Spenden für die Produktion und für den Lebensunterhalt der Künstler einzusammeln. Deshalb wird der Preis für Musik auch nicht gegen Null tendieren. Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: "In Rainbows". Jeder konnte sich das Album kostenlos herunterladen. Man konnte aber auch freiwillig etwas bezahlen. Nach der Argumentation des Artikels dürfte Radiohead daran nichts verdient haben. Haben sie aber. Warum ist das so? Weil vielen Leuten klar ist, dass die Künstler von etwas leben wollen. Also bezahlen sie auch etwas für Musik, die sie mögen, selbst wenn sie tatsächlich frei verfügbar ist. Nicht alle tun das. Aber viele. Schließlich ist das die einfachste Möglichkeit, etwas zu spenden und seit vielen Jahren in genau dieser Form etabliert. Ich sehe nicht, warum sich das ändern sollte.

  • Max

    22.01.09 (02:10:47)

    Ich finde das alles hier sehr gut, aber durcheinander. Deshalb möchte es aber mal in 4 Säulen aufteilen, die ich in Zukunft sehe: 1. Bedingungsloses Grundeinkommen Vielleicht sollten wir uns ganz von der Vorstellung lösen, dass künstlerische Arbeit ein Millionenbusiness ist? Stimmt. Das ist für die meisten Künstler immer schon so gewesen. 80% der Musiker bekamen 1% der Gewinne des Musikverkaufs. Und die Luft wird hier noch dünner werden. Ein Grundeinkommen sichert jedem Bürger (also auch den Künstlern) das Überleben. Wer durch Online-Verkäufe oder Querfinanzierungen etwas dazuverdienen kann, wird dies auch tun, dann aber auch dementsprechend Steuern bezahlen, ganz normal. Klingt sehr politisch, ist es auch, aber für die Gesellschaft und deren kreatives Potential sehe ich keine Alternative. http://de.wikipedia.org/wiki/Grundeinkommen 2. Urheberrecht Wird nicht abgeschafft werden. Auch in Zukunft werde ich als Künstler davor geschützt sein, dass Dritte ihre Werke einfach nehmen und verkaufen. 3. Verwertungsrecht Freie Güter haben nichts mit der Digitalisierung zu tun. Schon seit den tiefen 70er gibt es den klassischen Kassettenrecorder. Mit diesem konnte Musik auf dieselbe Art aufgenommen und verbreitet werden wie heute Digital. Falsch. Kopiere mir mal eine komplette Musiksammlung mit Kassetten, das braucht Zeit und Material. Zudem verschlechtert sich die Qualität bei analogen Kopien. Wie schnell und billig das digital geht brauch ich nicht ausführen. Problematisch ist folgendes Szenario: Wenn ein Künstler will, dass sein Werk kopiert wird oder für Filme verwendet wird, ihm aber die Zeit fehlt 1000 Internetusern die Erlaubnis zu erteilen oder deren Anfragen zu beantworten, dann gab es mit bisherigen Recht keine Lösung. Deswegen haben sich einige schlaue Köpfe Creative Commons ausgedacht. Was die auschließlich kommerzielle Verwertung betrifft existiert das ungerechte, veralterte System der Gema auf nationaler Ebene. Es hat fast den Charakter einer Lotterie: Viele Musiker zahlen hoffnungsvoll ein, nur wenige bekommen ausbezahlt. Das System kommt aus einer Zeit wo man Radio- und TV-Stationen noch zähen konnte. Der medialen Vielfalt des Internet kann die Gema schon längst nicht mehr gerecht werden. Für mich wäre eine internationale Verwertungsplattform denkbar, ähnlich GoolgeAdsense für Webseitenbetreiber. Musiker registrieren sich zentral und Mediendienste wie youtube, last.fm, Internatradios, etc. tretten automatisiert Anteile der Werbeeinahmmen an die Künstler ab. Ich weiß gar nicht ob solche Modelle bereits in Überlegung sind, wäre zumindest mein Vision. Die Kulturflaterate ist hier die einfachste Lösung, allerdings wie das bisherige System sehr ungerecht. Alle Internetnutzer und Musiker bezahlen pauschal, nur wenige Musiker werden Geld sehen, die meisten dagegen leer ausgehen, auch wenn ihre Musik irgendwo in den weiten des Netzes gespielt wird. Hier werden noch viele Kämpfe auszutragen sein. Außer CC kenne ich keine positiven, innovativen Entwicklungen. 4. Vertrieb Hier ist die Zukunft längst passiert. Vinyl und CD ist vorbei. iTunes, AmazonM3 und viele andere nehmen der Musikindustrie die Arbeit (und Umsätze ab). Die Labels haben sich, auch wenn rechtliche Ambitionen anderes vortäuschen, mit ihrer neuen Rolle als bestenfalls Uploader & Marketing-Manager für die IT-Firmen bereits abgefunden. Für Musiker eine positive Sache, alle die heute jammern, sollen sich zurückerinnern als Bands noch Demos verschickten und ohne die Gnade der Manager oder viel Eigenkapital unmöglich ein nationales wie globales Publikum erreichen konnten. Selbst auf iTunes kommt man gegen geringe Gebühren über Dritte leicht rein. Und im Erfolgsfall muss man deutlich weniger an die Labels abdrücken.

  • Martin Weigert

    22.01.09 (08:41:55)

    Für mich wäre eine internationale Verwertungsplattform denkbar, ähnlich GoolgeAdsense für Webseitenbetreiber. Musiker registrieren sich zentral und Mediendienste wie youtube, last.fm, Internatradios, etc. tretten automatisiert Anteile der Werbeeinahmmen an die Künstler ab. Ich weiß gar nicht ob solche Modelle bereits in Überlegung sind, wäre zumindest mein Vision. Das klingt nach einer sinnvollen Idee. Vorausgesetzt, die große Player (Last.fm, YouTube etc.) sind mit im Boot, wäre das zumindest derzeit der wohl gerechteste Weg. Fragt sich, wer diese Verwertungsplattform betreiben soll...

  • wolfgang

    22.01.09 (09:06:18)

    @JKG "Mal davon abgesehen, daß du hier Markt und Staat in einen Topf wirfst." Hier gehts schon die ganze Zeit umd Markt, Staat und Gesellschaft. @ Marcel "Was ist Dein Punkt? Dass der Staat Musiker und Label finanzieren soll...." Ja. Ganz ehrlich gesagt bin ich dafür, dass sich der Staat mehr engagiert. Bei klassischer Musik macht er das ja auch (sauteure Opern-und Konzert-Häuser, die auch im Betrieb subventioniert werden). Das bedeutet nicht, dass alle Musiker ein Grundeinkommen bekommen sollen, aber dass z.B. die Kosten für Auslandstourneen übernommen werden, so wie das die Isländer machen. Das passiert auch schon mit dem Goethe-Institut, ich würde deren Etat aber gerne verzehnfacht sehen.

  • Patrick Stähler

    22.01.09 (11:28:09)

    Ich habe mich vor ein paar Jahren ausführlich mit der Ökonomie digitaler Geschäftsmodelle auseinander gesetzt und dabei bin ich auch auf die Problematik freier Güter bzw. auf die Ausschlussfähigkeit beim Konsum eingegangen. Verbunden mit den sehr speziellen Eigenschaften der Nachfrage sind aber auch die speziellen Eigenschaften bei der Produktion von digitalen Gütern (Problem der 1. Kopie.) Wen es interessiert, der kann es hier nachlesen. Das Gute an der Ökonomie ist, dass die "Gesetzmässigkeiten" sich nicht so schnell ändern, wie die Technik. Für meine Dissertation habe ich damals eine Fallstudie zur Musikträgerindustrie geschrieben. Sie ist heute ein historischer Abriss, über den Versuch der Musikträgerindustrie ihr altes Geschäftsmodell zu retten. Wen's interessiert, der findet die Details auf Google Books. Trotz aller Schwanengesänge der Musikindustrie scheint sich die Ökonomie der digitalen Güter durchzusetzen. Das ist traurig für diejenigen, die früher sehr gut davon gelebt haben, aber Musik gab es schon vor dem ersten Tonträger und sie wird es auch weiterhin geben, aber eben anders. Ich habe mein Buch komplett online gestellt und seitdem ich das gemacht habe, verkaufe ich mehr. Früher hätte keiner meine Ideen gefunden, heute existieren ich im Longtail von Google. Ob ich davon leben kann, Nein, aber in der alten Welt konnte ich auch nicht davon leben, nur hätte damals keiner die Möglichkeit gehabt mich zu finden.

  • Marcel Weiss

    22.01.09 (12:07:03)

    @Patrick Stähler: Sehr guter Kommentar. Danke für die Links! Werde ich mir mal ansehen.

  • Daniel Niklaus

    22.01.09 (12:14:52)

    Ich scheine hier der Opa zu sein ;-) @Max Falsch. Kopiere mir mal eine komplette Musiksammlung mit Kassetten, das braucht Zeit und Material. Du kanntest wohl das effiziente Verteilsystem der Amiga Games nicht. Damals wurden die Games digital über Bulletin boards versendet und dann hocheffizient auf den Schulhöfen verteilt. Ich würde sogar behaupten, damals war es einfacher an Games zu kommen, als heute per Internet. Keygen & Co. waren nämlich unnötig. Der Tod des Amigas hatte zwei Gründe, der Erfolg des PC und weil ein Gamehersteller nach dem anderen die Produktion für den Amiga aufgrund der Kopien aufgab.

  • Marcel Weiss

    22.01.09 (12:28:18)

    @Jan: "Allerdings ist die Argumentation des Artikels sehr akademisch und hat meines Erachtens nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun." Jan, eine akademische Herangehensweise an die Thematik habe ich deshalb gewählt, weil ich sowohl in Herangehensweise als auch in der verwendeten Sprache so präzise wie möglich sein wollte. Weil ich wusste, dass das, worüber ich schreibe, vielen gegen den Strich gehen würde, was wiederrum zu massiven Missverständnissen führen würde. Dass selbst das nicht gereicht hat, sieht man leider in den Kommentaren. (An wem es liegt, weiß ich nicht. Vielleicht waren meine Formulierungen immer noch zu schwammig oder unklar.) Ich hoffe, Du meintest in dem obigen Satz nicht, dass akademische Argumentationen von vornherein weltfremd sind. "Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: “In Rainbows”. Jeder konnte sich das Album kostenlos herunterladen. Man konnte aber auch freiwillig etwas bezahlen. Nach der Argumentation des Artikels dürfte Radiohead daran nichts verdient haben. Haben sie aber." Öh, nein. Das ist nicht die Argumentation. Ganz im Gegenteil empfehle ich ja genau das, was Radiohead gemacht haben! Die Musik kostenlos weggeben. Wer zahlen will, zahlt. Ob das dann für die Musikaufnahmen selbst nochmal ist, oder für Konzerttickets etc. ist dann ein Detail. Wovon aber Labels und Musiker wegkommen müssen, ist die Vorstellung, dass man am meisten verdient, wenn man jeden abkassieren will, der die Lieder digital besitzen möchte.

  • Marcel Weiss

    22.01.09 (12:40:25)

    @Daniel Niklaus: "Kann in deinem System ein Musiker sagen: nein Marcel, wenn du für meinen Song nicht bezahlst, darfst du ihn dir weder kopieren noch anhören?" Was bitte ist "mein System"? Ich bin nur der Überbringer der Nachricht, nenne mich Hiob. Aber im Ernst: Natürlich hat er das Recht. Nur was nützt ihm das Recht, wenn er es faktisch nicht durchsetzen kann und mit seinem Beharren auf das darauf fussende Geschäftsmodell auch nichts mehr oder zumindest wenig verdient? Die von mir angesprochenen alternativen Einkommensströme dürften entgegen der Annahmen vieler hier Mitdiskutierender zu höheren Einnahmen für die Musiker führen statt zum Gegenteil.

  • FFD

    22.01.09 (13:02:39)

    Hmm, hier wird so oft auf das Urheberrecht bezug genommen. Juristisch ist das weitaus komplizierter. Die Komponisten und Textautoren haben Urheberrechte an dem Werk. Die Musiker, die "ausübenden Künstler" nicht notwendigerweise. Es handelt sich hier um Leistungsschutzrechte (deswegen auch der Name GVL). Diese haben nicht den Rang von Urheberrechten und verfallen auch früher. So habe ich es zumindest verstanden.

  • (noch ein) Jan

    22.01.09 (13:21:33)

    Hi Marcel, Du schreibst: "Das Angebot von Musikaufnahmen ist also unendlich, Angebots- und Nachfragekurve treffen sich in einem solchen Fall bei einem Preis von Null." Dem widerspreche ich. Widersprichst Du Dir jetzt auch? Null oder nicht Null? Bitte um Aufklärung ;-)

  • Marcel Weiss

    22.01.09 (13:58:58)

    Jan, nein. Was ich sage ist, dass es keinen Sinn ergibt, für den _Besitz_ von digitalen Musikaufnahmen Geld zu verlangen, weil es bessere Strategien gibt. Die, die für "In Rainbows" bezahlt haben (ob für das Digitale oder die pyhsische Edition), haben nicht für den Besitz der Aufnahmen bezahlt, denn den konnten sie auch umsonst haben, sondern weil sie als Fans Radiohead unterstützen wollten. Die Musikaufnahmen selbst sind (wie ich bereits im Artikel schrieb) nur eine Zugabe. Es ist wichtig, zu verstehen, warum und wofür die Leute bezahlen. "In Rainbows" ist ein Beispiel für das, was ich im Artikel beschreibe. Man muss es nur durchdenken.

  • Chris

    22.01.09 (14:15:05)

    Möchte mal ein ganz aktuelles Interview mit dem Musikredakteur Björn Gottstein in die Runde geben. Wer sich die Zeit nehmen will: Björn hat ganz interessante Ansichten zu dem Thema "Musik machen und Geld verdienen". Film ab: http://blog.myoon.com/2009/01/22/audio-poverty/

  • Max

    22.01.09 (14:19:27)

    @ (noch ein) Jan & Marcel Ich würde der "Null" nur wegen übegrenzter Anzahl an Kopien auch widersprechen, immerhin sind Fixkosten miteinzubeziehen. Im Buch von Patrick Stähler (Danke für das Sharing!), gibt es dazu eine Ausführung auf ab Seite 187 Kapitel 5.2.2 (ein Link kickt mich in den Spam) Demnach zeichnen sich digitale Güter auf der Angebotsseite durch niedrige variable Kosten aus, doch im Vergleich dazu sind hohe Fixkosten (Musikproduktion) zu decken. Der Ansatz von Marcel wäre demnach, die Fixkosten auf Angebotsseite zu subventionieren (schlucken!), was bedeutet der Preis geht gegen Null, was in der Folge die Nachfrage erhöht, was dazu führt, dass mehr Quereinnahmen lukriert werden können. Soweit die Theorie, ich hoffe verständlich. @ Martin Das klingt nach einer sinnvollen Idee. Vorausgesetzt, die große Player (Last.fm, YouTube etc.) sind mit im Boot, wäre das zumindest derzeit der wohl gerechteste Weg. Fragt sich, wer diese Verwertungsplattform betreiben soll… Wie auch angedeutet sehe da zu Zeit nur einen Kanditaten und der ist evil.

  • Marcel Weiss

    22.01.09 (15:20:43)

    @Max: "Demnach zeichnen sich digitale Güter auf der Angebotsseite durch niedrige variable Kosten aus, doch im Vergleich dazu sind hohe Fixkosten (Musikproduktion) zu decken." Die variablen Stückkosten sind Null. Das ist das Entscheidende. "Der Ansatz von Marcel wäre demnach, die Fixkosten auf Angebotsseite zu subventionieren (schlucken!), was bedeutet der Preis geht gegen Null, was in der Folge die Nachfrage erhöht, was dazu führt, dass mehr Quereinnahmen lukriert werden können." Genau. Wobei subventionieren nicht 100%ig das richtige Wort hier ist, aber ja, das fasst es gut zusammen.

  • Max

    22.01.09 (15:30:22)

    @Marcel Wenn Du die Fixkosten nicht einbeziehst (warum eigentlich?), wundert es mich nicht, wenn Deine sonst guter Artikel bei den Musiker auf widerspruch stößt... Noch etwas, die von Dir genannten Querfinanzierungen haben allsamt nichts mit dem Internet oder digitalen Güter zu zun, die gibt es schon viel länger. Aber jetzt schon zuviele der Details...

  • Marcel Weiss

    22.01.09 (15:49:18)

    Natürlich musst Du die Fixkosten mit einbeziehen. Ich bin im Artikel doch explizit auf die Produktionskosten einer Aufnahme, das sind die Fixkosten, eingegangen. Nur darf man die nicht in die Preisbildung der Dateien einbeziehen. "Noch etwas, die von Dir genannten Querfinanzierungen haben allsamt nichts mit dem Internet oder digitalen Güter zu zun, die gibt es schon viel länger." Und weiter? Was willst Du damit sagen?

  • (noch ein) Jan

    22.01.09 (15:54:31)

    @Marcel: Langsam bekomme ich den Verdacht, dass wir aneinander vorbeireden - oder ich Deinen Artikel einfach nicht verstanden habe. Wie ich schon nebenan bei UPLOAD meinte: Lassen wir es dabei bewenden. ;-)

  • Max

    22.01.09 (16:01:14)

    @Fixkosten Warum darf man sie nicht miteinbeziehen? Das hört sich doch sehr dogmatisch an. Immerhin geht es hier locker mal in 5-6stellige Bereiche für ein Album. @Querfinanzierung Nichts weiter nur so, war auch nicht als Kritik gemeint.

  • Marcel Weiss

    22.01.09 (16:06:50)

    Jan, Du glaubst, dass das Bezahlen für Musikaufnahmen meinen Ausführungen widerspricht und Du vergisst dabei einzubeziehen, warum Menschen dafür bezahlen. Wie gesagt: Nicht für den Besitz der Aufnahmen, wenn der gleichzeitig, wie bei "In Rainbows" auch kostenlos möglich ist. Der Besitz der Aufnahme ist eine Zugabe. In meinem Artikel steht: "All das kann in Verbindung mit Musikaufnahmen/Tonträgern zu deren Aufwertung verkauft werden. Man sollte aber nicht den gedanklichen Fehler machen und die Tatsachen dabei verdrehen: Gekauft wird letztlich das knappe Gut (VIP-Zugang, die schöne Verpackung als Souvenir für’s Regal, das Merchandising), die Musikaufnahme ist die Zugabe. Nicht umgekehrt." Um zu verstehen, was ich meine, musst Du etwas abstrahieren. Dein "weil Sie Musiker unterstützen wollen" ist nichts anderes als eine implizite Spende, damit künftige Aufnahmen zustande kommen etc. Dass sie in Form von Kauf von Aufnahmen stattfindet, ist eine Möglichkeit, aber keine sonderlich effiziente, wenn man die Alternativen betrachtet.

  • (noch ein) Jan

    22.01.09 (17:27:33)

    @Marcel: Fakt ist und das erklärst Du ja nun selbst: Auch über die Musik selbst ohne irgendwelche Zugaben wird man verdienen können. Das verneinst Du aber in Deinem Artikel oben mehrfach. Insofern sehe ich Deine Argumentationskette noch immer als unterbrochen an, die enthält: "3. Punkt 2 führt wiederrum zu einem Marktpreis von Null für digitale Musikaufnahmen." Nein, tut er nicht. Der real erzielte Marktpreis ist nicht null, weil es genügend Menschen geben wird, die allein deshalb etwas bezahlen, weil sie die Musik (die Dateien) bekommen und sonst nichts anderes. Tut mir leid, aber ich empfinde das alles als erheblich überdramatisiert. Die Menschen halten sich nicht an solche Theorien. Die haben z.B. gar keine Lust herauszufinden, wie BitTorrent funktioniert, wenn sie doch in iTunes so schön einfach Musik runterladen können. Es sind nicht alles Internetfreaks da draußen... Das setzt Du aber praktisch als gegeben voraus, um Deine Ausgangsthese von der Musik als "freiem Gut" überhaupt aufstellen zu können. Es gibt genügend Argumente dafür, warum Menschen auch dann weiterhin für die Musik bezahlen (und für sonst nichts weiter), obwohl sie sie kostenlos bekommen könnten. Und weil das so ist, ist Deine Argumentationskette zwar sehr selbstbewusst vorgetragen, aus meiner Sicht aber nicht haltbar.

  • Daniel Niklaus

    22.01.09 (17:38:49)

    @Marcel Durchbruch! Ich entnehme deiner Antwort, dass du den Urheber das Verwertungsrecht zugestehst. ABER sagst, dass es heute nicht mehr durchgesetzt werden kann. Auf dieser Basis können wir jetzt ernsthaft darüber sprechen und zwei Fragen stellen: - wird das Urheberrecht so belassen wie es heute ist und dann macht sich jeder der illegal Songs, Filme oder Software Down- und Uploadet strafbar. - oder wird das Urheberrecht angepasst und den Urheber das Recht auf die Verwertung weggenommen Kannst du dich mit dieser Aussage anfreunden?

  • Carsten Drees

    22.01.09 (20:02:15)

    Sehr schöner und sehr richtiger Artikel, Marcel. Ich wünschte, ich könnte das auch so wissenschaftlich ausdrücken ;) Vielen hier - wenn man die Kommentare liest - scheint nicht klar zu sein, dass Marcel nicht den Wunsch hat, dass es sich so entwickeln wird, sondern aus vielen Indizien lediglich einen Schluss gezogen hat. Man sollte verfälschende Kriterien wie die persönliche, berufliche Abhängigkeit eines Musikschaffenden oder die Erinnerung an das tolle, haptische Erlebnis beim Auspacken eines physischen Tonträgers außen vor lassen und sich lediglich auf die Fakten berufen. Daher finde ich den sachlichen, akademisch behafteten Ton für absolut richtig, der hier angeschlagen wurde. Nur so kann man mit einem sehr emotionalen Thema einigermaßen sachlich umgehen. Meines Erachtens geht es auch gar nicht um Urheberrechte oder deren Abschaffung, sondern einfach um den Fakt, dass man die Musik sowieso kostenlos bekommt. Legal bei Plattformen wie last.fm oder illegal via Filesharing. Richtige Musikfans zahlen weiterhin für ihre Stars, aber die ich-höre-alles-was-im-radio-läuft-Fraktion ist mit last.fm, unzähligen Internet-Radios oder eben den P2P-Plattformen bestens bedient. Die Musikindustrie sollte nicht versuchen, ein Rad zurückdrehen zu wollen, welches sie schon lange nicht mehr unter Kontrolle haben. Der hier auch schon erwähnte Paulo Coelho hat einen sensationell einfachen und richtigen Satz zu dem Thema der Software-Piraterie gesagt: "Die Piraten haben immer gewonnen. Am Ende hat man sie nur in den Adelsstand erhoben."

  • Marcel Weiss

    22.01.09 (20:36:03)

    @Jan: Nein, Du abstrahierst nicht und kommst deswegen zu den falschen Schlüssen. Die Menschen bezahlen nicht, um in den Besitz der Musikaufnahmen zu kommen, denn in den können sie auch umsonst kommen, dazu müssen sie nicht Bit Torrent erlernen. Und digitale Musikaufnahmen zu verkaufen, weil Leute so einen unterstützen können, obwohl sie auch kostenlos in den Besitz kommen können, ist ein umständlicher Weg, Spenden einzusammeln. Aber ist ein Weg, klar. Nur eben weit von den alternativen Möglichkeiten entfernt. Und er beschränkt die mögliche Verbreitung des Musikers unnötig. Anders gefragt: Wenn es sowieso immer Leute gibt, die für die Musik bezahlen wollen, weil sie die Musiker auf diese Art unterstützen möchten, warum dann nicht die Musikaufnahmen direkt nebeneinander kostenlos und kostenpflichtig anbieten? Du sagst ja selbst: "Es gibt genügend Argumente dafür, warum Menschen auch dann weiterhin für die Musik bezahlen (und für sonst nichts weiter), obwohl sie sie kostenlos bekommen könnten." Also, was spricht dann trotzdem aus Deiner Sicht gegen meinen Vorschlag, die Musikdateien kostenlos zu verteilen? Du denkst im Grunde genauso wie ich, hast nur, denke ich, die Konsequenzen nicht zu ende gedacht. @Daniel Niklaus: Du denkst nur in den Größenordnungen "alles oder nichts". 1. Das Urheberrecht in seiner aktuellen Form muss reformiert werden, weil es den neuen Bedingungen nicht mehr gerecht wird. 2. Ein angepasstes Urheberrecht muss dem Urheber mitnichten sein Recht auf Verwertung wegnehmen. Lösungen hier sind etwa die CC-Lizenzen, bei denen die Urheber einen Teil ihrer Rechte behalten und einen Teil weggeben. So kann man mit der entsprechendenen CC-Lizenz, den Hörern die nichtkommerzielle Verteilung erlauben, aber alles darüber hinaus untersagen. Das wäre sozusagen der kleinste notwendige Schritt in Richtung der Lösungsansätze, die ich oben gebracht habe. @Carsten Drees: Danke. :)

  • Marcel Weiss

    22.01.09 (20:38:54)

    @Alle: Ich werde morgen einen Artikel schreiben, in dem ich mich mit den Kritikpunkten, die sich hier in den Kommentaren ergeben haben, auseinandersetze. Wer noch nicht erwähnte Kritikpunkte in dem Artikel unbedingt adressiert sehen will, hat jetzt die Möglichkeit, sie hier zu erwähnen:

  • Daniel Niklaus

    22.01.09 (20:39:03)

    @Carsten Meines Erachtens geht es auch gar nicht um Urheberrechte oder deren Abschaffung, sondern einfach um den Fakt, dass man die Musik sowieso kostenlos bekommt. Mit Verlaub, du verkennst die Tragweite der Fakten. Wenn am Urheberrecht nichts geändert wird und es keine neuen Lösungen gibt, machst du 70% der Jugendlichen zu kriminellen. Das ist aus meiner Sicht ein unhaltbarer Zustand. Ich kann nicht akzeptieren, dass die Musikindustrie legal jeden Konsumenten in D verklagen kann und recht bekommt. Die Uhr zurückdrehen geht nicht mehr, es müssen neue Lösungen gefunden werden. Die technische Entwicklung hat übrigens schon oft Fakten geschaffen und das gesamte System wurde angepasst. So gibt es die GEZ, damit die TV- und Radiosender Musik "frei" senden dürfen. Als die Radiosender Werbeeinnahmen generierten, wurde eine Abgabe von 7% der Werbeeinnahmen beschlossen. Dazu müssen die Radiosender eine Playliste der Künstler an die Verwertungsgesellschaft sende, welche dann das Geld an die Künstler verteilt. Als der Kassettenrekorder auf den Markt kam, wurden Abgaben auf die Kassettenrekorder beschlossen. So bezahlst du auch heute noch beim Kauf eines iPod einen Aufpreis an die MI. Neu muss ich in der Schweiz für mein Unternehmen an die Pro Litteris - Verwertung für Literatur und Kunst - eine Abgabe für unseren "Netzwerkfähigen Server" abgeben. Wer glaubt, dass alles so belassen werden kann, wie es jetzt ist, macht alle Sauger zu Kriminellen. Für mich nicht denkbar. Wir kommen nicht um die Debatte: nehmen wir den Urhebern die Rechte weg oder kompensieren wir sie über eine neue Form. Vogelstrauss funktioniert nicht. Ein für mich gangbarer Weg wäre, wenn die Provider ihre eigenen Filesharing-Dienste auftun und Betrag X auf die Monatsgebühren aufschlagen. Verteilt wird dann das Geld nach den Downloads.

  • Carsten Drees

    22.01.09 (20:47:31)

    @Daniel Niklaus - die Musikindustrie ist doch über das blind-drauflos-verklagen schon hinaus. Immer mehr fügt man sich in sein Schicksal, dass man gegen illegale Downloads nichts unternehmen kann. Man sollte (und man wird zukünftig auch) seine Energie darauf verwenden, neue Ertragsmodelle zu erschließen statt Kids zu kriminalisieren. Wir werden nicht mehr dahin kommen, wo man früher einmal gewesen ist, also bringt der wehmütige Blick zurück auch nicht wirklich viel. Die Branche wird nicht modifiziert, sie wird revolutioniert - und lange dauert es bis dahin vermutlich nicht mehr...

  • Leander

    22.01.09 (20:49:25)

    Ist das Euer All Time High an Kommentaren? :)

  • Marcel Weiss

    22.01.09 (20:50:55)

    @Leander: Nö. Aber nahe dran. :)

  • Max

    22.01.09 (21:09:25)

    Na dann hau ich noch locker einen Comment drauf :) Eine Pressemitteilung vom heutigen Tag: http://ifpi.at/?section=news&id=111 Neben einem Lächeln, gabs mir Gewissheit, dass wie alle uns doch viel einiger sind als man denkt.

  • JKG

    22.01.09 (21:33:22)

    Noch etwas zu den Transaktionskosten. Niemand muss heutzutage noch Bittorrent oder irgendwelche Sharingprogramme benutzen. http://www.playlist.com/ + "DownloadHelper" als Firefox Plug-In. Schneller, einfacher und günstiger als jeder kommerzielle Store.

  • Daniel Niklaus

    22.01.09 (22:00:02)

    @Carsten Stimmt, die Musikindustrie ist schon über das blind-drauflos-verklagen hinaus. Heute hat sie gezielt ein paar Präzedenzklagen im Köcher. Du fühlst dich sicher? Warte mal ab, was geschieht, wenn es einem Label richtig dreckig geht. Google nach SCO... Und auch stimmt, dass sie ihre Energie darauf verwendet, neue Ertragsmodelle zu erschließen. Die Kulturflatrate ist so ein neues Ertragsmodell. Oder glaubst du ernsthaft, dass sich die Musikindustrie mit den Peanuts von Marcel zufrieden gibt? Nö, nö, da wird vorher beim Provider gemolken.

  • Daniel Niklaus

    22.01.09 (22:11:09)

    @Marcel Wahrscheinlich denke ich differenzierter als du glaubst. Die CC finde ich eine tolle Sache. In der Schweiz funktioniert sie aber für viele bekannte Komponisten/Musiker nicht. Möchtest du als Künstler von den Einnahmen der SUISA (Schweizer Pendant zur Gema) profitieren, kannst du dich als Künstler nur mit all deinen Werken anmelden. Das bedeutet, willst du ältere Songs von dir auf deiner eigenen Website zur freien Verfügung stellen, bezahlst du Geld an die SUISA. Solche Dinge müssen zuerst angepasst werden, bevor der Weg für die CC frei ist. Genug für heute, jetzt muss ich noch etwas arbeiten. Wir wollen ja Kunden für unser neustes Softwareprodukt finden. Weil ich nicht will, dass es kopiert wird und alle Kunden schön bezahlen, gibt es das Teil nur als SaaS ;-)

  • Patrick Stähler

    22.01.09 (22:40:15)

    @Daniel Genau um diese Schizophrenie geht es. Obwohl es DEIN Werk ist, darfst du es selbst nicht auf DEINE eigene Webseite stellen. Wer hat da eine Meise locker? Schützt das Urheberrecht wirklich den Urheber oder die Gremien, die dahinter stehen? Ich habe Gott-sei-Dank einen Verlag, der das sehr locker nimmt, da er heute mehr verkauft, weil ich mein Buch komplett online gestellt habe. Zu Eurem Produkt Demandit: Ich wünsche Euch viel Erfolg, aber die Economics sprechen dagegen, da es sehr gute Open Source Lösungen gibt. Ihr werdet erfolgreich, wenn ihr durch hervorragenden Sales ein Klientel findet, dass nicht die Alternativen kennt und davon gibt es jede Menge.

  • Daniel Niklaus

    23.01.09 (01:03:10)

    @Patrick Danke, können wir gut gebrauchen. Wie du richtig sagst, benötigen wir einen herausragenden Verkauf, um das Business Cockpit erfolgreich zu platzieren. Open Source macht mir weniger Angst, fallen für unsere potentielle Kunden andere Punkte mehr ins Gewicht. Kleine Anmerkung: Demandit ist die Entwicklungsplattform. Damit werden Applikationen wie das Business Cockpit, Stellenplattformen oder Redaktionssysteme ohne Programmieren per Maus zusammen geklickt. Dafür gibt es noch keine Open Source Alternative. Demandit bieten wir jetzt noch nicht an. Voraussichtlich werden wir die Entwicklungsumgebung den Entwicklern aber "gratis" zur Verfügung stellen und dann bei den Endkunden das Geld verlangen. Getreu dem Motto: bei zweiseitigen Märkte musst du die eine Seite subventionieren...aber das ist jetzt schon stark Off-Topic ;-)

  • Dirk

    23.01.09 (14:32:27)

    Ich vermute, dass hier schon jemand darauf hingewiesen hat, aber man kann eine digitale, verlustfreie Kopie nicht mit einer analogen Aufnahme vergleichen. Und die Geschwindigkeit, mit der heute eine digitale Kopie verbreitet wird ist natürlich auch nicht mit früheren Zeiten zu vergleichen. Richtig ist, dass die Industrie immer Angst vor der Kopie hatte, das gab es auch schon zu analogen Zeiten. Stichwort "Hometaping kills music". Richtig ist aber auch, dass die Verkaufszahlen rapide in den Keller schießen und vor allem kleine Labels daran zu knacken haben. Der klassische Tonträgermarkt hat eben sehr viele Glieder in der Kette. Deswegen tun die sich auch sehr schwer mit der Digitalisierung und dem Internet. Aber es gibt auch Beispiele für Erfolge. Und da stelle ich dann fest, dass das Internet sehr zeitgemäß genutzt wird. Promotion, freie Downloads, die Zusammenarbeit mit Blogs, Soziale Netzwerke, Remixwettbewerbe, das Nutzen von den richtigen Downloadshops, eine brauchbare Webseite, Merchandise, gute Pressearbeit etc. Hier wird vor allem auch an dem Aufbau einer Fangemeinde gearbeitet, um dies für Konzerte oder limitierte Auflagen zu nutzen. Ich glaube, dass kleine, erfahrene Verlage oder Labels da der etablierten Industrie zum Teil was voraus haben können. Für einen Künstler ist heute ein guter Manager und Booker wichtiger als ein Plattenvertrag. Oder man nimmt das alles gleich selbst in die Hand. Und dann wage ich noch die Zukunftsperspektive, dass langfristig die "illegalen" Downloads abnehmen und der digitale Verkauf steigen wird. Die Zahlen belegen eigentlich schon diese Tendenz. Aber es wird trotzdem jede Menge Gratisdownloads geben, die dann als Promotion genutzt werden.

  • Daniel Niklaus

    24.01.09 (00:16:24)

    @Marcel Ich schulde dir noch eine Antwort auf deine Aufforderung: Erkläre mir bitte ganz genau, wann die Anzahl an digitalen Kopien einer Musikdatei aufgebraucht sind. Ganz konkret an einem Beispiel. Dieser Teilaspekt ist natürlich absolut nicht weg zu diskutieren. Das war er auch nicht zu BBS Zeiten. Aber aus meiner Sicht erfasst du damit nur einen Teil der Definition von freien Gütern. Als Beispiele auf Wikipedia ist die Luft zum Atmen genannt. Wenn ich deine Argumentation richtig verstehe, sagst du, ein Konsument surft heute im Internet und hat eine solch grosse Anzahl von Filmen/Songs zur Verfügung, die er selbständig so oft kopieren kann wie er will, dass Songs/Filme ein freies Gut sind. Da habe ich doch meine liebe Mühe. Ich glaube eben nicht, dass es genügend Songs und Filme gibt. Lass mich die Analogie von Luft zu Film machen. Luft wird von Menschen eingeatmet, verbraucht und ausgeatmet. Genauso wird ein Film "gesogen", geschaut und von der Platte gelöscht. Luft wie Film ist zwar noch da, aber für den Menschen unbrauchbar (Filme werden selten mehr als 2x geschaut). Warum ist Luft ein freies Gut? Weil die Natur einen biochemischen Prozess eingebaut hat, das Pflanzen aus der für uns schlechten Luft, wieder gute Luft produzieren. Für diesen Prozess muss kein Mensch etwas tun. Darum ist es wohl ein freies Gut. Im Gegensatz zum Film. Ein verbrauchter Film ist ein verbrauchter Film. Menschen müssen wieder neue Filme produzieren. So komme ich zum Schluss: frische Luft ist ein freies Gut. Frische Filme sind ein knappes Gut. Alte Filme interessieren eh niemanden mehr, darum dürfen sie dann auch gerne das Copyright schneller verlieren als heute.

  • Marcel Weiss

    24.01.09 (00:32:54)

    Daniel, Du bist sehr ausdauernd. :) Ich denke, ich habe mich nicht klar genug ausgedrückt im Artikel. Auch weil es wohl eine recht abstrakte Sache ist, scheinen das viele misszuverstehen. Deshalb nochmal: Du sagst: "Wenn ich deine Argumentation richtig verstehe, sagst du, ein Konsument surft heute im Internet und hat eine solch grosse Anzahl von Filmen/Songs zur Verfügung, die er selbständig so oft kopieren kann wie er will, dass Songs/Filme ein freies Gut sind. Da habe ich doch meine liebe Mühe." Nein, das ist nicht, was ich meinte. Die freien Güter sind nicht die Anzahl an Filmen, Songs etc. Denn deren Produktion ist mit Kosten verbunden. Wie ich auch im Artikel ausgeführt habe. Die freien Güter sind die digitalen Kopien eines Songs. Die sind endlos. Die Kopien einer Datei. Denn die digitale Kopie selbst entsteht ohne Kosten und kann auch so verbreitet werden. Daraus entsteht der Rahmen, aus dem sich die effizienteste Strategie für Musiker heute ergibt.

  • Daniel Niklaus

    24.01.09 (00:52:42)

    gleichfalls ;-) habe mich beim Monty-Artikel zurück gehalten... Ich verstand dich schon richtig. Wir sehen die Sache nur unterschiedlich.

  • Xaver Naudascher

    24.01.09 (01:25:48)

    Die Aussage das digitale Daten ein freies Gut sind weil endlos kopierbar ist gelinde gesagt etwas gewagt. Wenn man die Daten lösgelöst vom Inhalt betrachtet mag die Theorie stimmen aber entscheidend ist was die Daten darstellen, nämlich Werke. Dafür nicht bezahlen zu wollen ist vermessen und respektlos gegenüber einem gesamten Berufszweig. Ich bin zwar grundsätzlich gegen DRM aber denke bei der heutigen Technologie müsste es möglich sein zu erfassen wie oft ein Datenpaket im Netz hin und her geschickt wird und auf dieser Basis müsste man sich eine Vergütung der rechtlichen Inhaber dieser Daten überlegen. Leider hat die Industrie so lange gepennt das das Konsumverhalten schon so weit geprägt ist das Tauschbörsen als volkommen normal angesehen werden. Dh die Generationen die jetzt heranwachsen sehen es als 'normal' an sich Musik nur auf diesem Wege zu besorgen. Ich finde den Trend der grossen Acts sich über Live Konzerte zu refinanzieren abartig. 150€ für ein Ticket sind absolut lächerlich und keine Band der Welt ist das Wert. Ich verstehe beim besten Willen nicht wieso die Leute bereit sind für 90 Minuten Konzert das 10 fache auszugeben von dem was eine CD oder ein Download Album kosten wobei sie für letzere gar nichts bezahlen wollen, und dass obwohl der Aufwand dafür unendlich grösser ist. Ohne den Prozess des Songwritings für ein Album gäbe es keine Konzerte. Verkehrte Welt wenn Ihr mich fragt. Obwohl ich die Band schon immer nicht gut fand bringen sie es mit ihrem Namen am besten auf den Punkt. Pop Will Eat Itself.

  • Tobias Knapp

    24.01.09 (12:35:14)

    Ein Thema bei dem es wirklich schwer ist, sich kurz zu fassen :). Ich verfolge die Diskussion hier mit grossem Interesse. Ich musste mir vor kurzem mal im Rahmen einer Fallstudie mal für Musicload neue Geschäftsmodelle ausdenken. War wahnsinnig interessant und hat mir viel Einblick gewährt.. Neue Technologien haben doch schon immer dafür gesorgt, dass Berufszweige verschwinden oder sich verändern. Das ist euch mit Sicherheit bekannt. Das gilt im Falle der Technologie Internet/Web2.0 sowohl für Labels als auch für Künstler. Das Urheberrechte in diesem Fall ganz leicht übergangen werden können ist zwar bedauerlich und respektlos dem Künstler gegenüber, aber leider der aktuelle Zustand. Kosten und Nutzen von DRM-Modellen stehen offensichtlich in keinem Verhältnis zueinander. Ich finde die Diskussion, inwieweit Musikstücke oder Filme etc. tatsächlich freie Güter sind, ist zwar echt interessant und sehr vielschichtig, hat doch aber nur bedingt etwas mit dem eigentlichen Thema (Überschrift) zu tun. Es ist nun einmal so, dass die meisten Musikstücke, oft schon vor dem eigentlichen VÖ-Termin, in unbegrenzter Anzahl im Netz zur Verfügung stehen. Ich sehe es auch so, dass die Musikindustrie in alter Form als riesiger Geldbagger ausgedient hat und zunächst mal stark schrumpfen wird. So entsteht aber heute schon Raum für kleinere, flexiblere Unternehmen (Labels/Künstler) sich in den neuen Gegebenheiten zurechtzufinden. Hier mit entsprechend innovativen Ideen ein Geschäftsfeld zu finden wird vielleicht durch die relativ geringeren Markteintrittsbarrieren und den abnehmenden Einfluss der alten Musikindustrie erleichtert. Eine "Kulturflatrate" ist zwar ein Erlösmodell, es ist aber stark abhängig vom Wohlwollen der Nutzer. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das über einen relativ kleinen, sozialen Nutzerkreis hinaus, viel Anklang findet und damit die Bereitschaft, für Musik wieder zu zahlen fördert. Schon gar nicht, wenn man sich die Mediennutzungsgewohnheiten heutiger Jugendlicher, also zukünftigem, Geld-verdienendem Zielpublikum anschaut. Ich kann einfach nicht glauben, dass man sich darauf verlassen kann das immer jemand dazu bereit ist, für etwas zu zahlen obwohl er es umsonst bekommen kann (zumindest bei der derzeitigen Angebotssituation). Ich möchte mal anmerken, dass ich die Zahlen zur Entwicklung von Online-Music-Stores kenne und tatsächlich ein Trend nach oben zu sehen ist, allerdings doch nur um einen kleinen Prozentsatz. Punkte die mir noch als neue Modelle in den Sinn kamen, sind so etwas wie -qualitativ hochwertiges Live-Konzert-Streaming wie von fabchannel.com oder -Anreicherung mit Metadaten, also vielleicht Songtexte, Background-Infos.. Dinge, die einem das "Fan-sein" erleichtern. Neue Geschäftsfelder liegen bestimmt auch im in D noch nicht besonders stark ausgeprägten Mobile Bereich, Streaming aufs Handy, Online Storage statt Speicherkarten.. Danke für den "Input" bisher :D.

  • Patrick Stähler

    24.01.09 (16:05:30)

    Die Diskussion dreht es sich zu stark um das reine Gut Musik bzw. dem Eigentum an diesem. Musik als digitales Gut hat Eigenschaften eines freien Gutes, aber in der Realität gibt es neben dem Urheberschutz, der dieses "freie" etwas einschränkt, andere Faktoren, der aus dem freien Gut ein normales Gut machen, wodurch sich wieder Geld verdienen lässt. Ein paar Beispiele Neben dem Produkt interessiert mich noch die Convenience bei der Suche, beim Kauf, beim Hören, beim Aufbewahren, beim Wiederfinden, beim Neuentdecken...... Deshalb bezahlen die Leute bei iTunes. Es bietet einen Mehrwert. Und da wird es noch andere Bereich geben, wo ich Convenience bieten kann z.B. beim Aufräumen / Verwalten der riesigen MP3 Friedhöfe auf den Festplatten, bei dem Entdecken neuer Musik, etc.... Das wird das Spielfeld für neue Geschäftsmodelle.

  • Jerry

    27.01.09 (07:38:03)

    guter Artikel - danke !

  • Daniel Niklaus

    30.01.09 (21:28:13)

    @Marcel Als Autor bestimmst du mit, was bei Netzwertig erscheint und in welche Richtung diskutiert wird. Ich hoffe du nimmst die entstehende "Wirklichkeit" im Markt ernst. Der irische Internetprovider Eircom wirft zukünftig aus dem Netz, wer illegal Musik herunterlädt. Wenn wir Konsumenten keine realistischen Forderungen stellen, wird sich dieses Modell schon bald auch im DACH-Raum durchsetzen. Wo steht da Netzwertig? netzwertig.com ist ein Blog über die Internet-Ökonomie...Neben Meldungen über aktuelle Ereignisse bringen wir Analysen, die diese in grössere Zusammenhänge einordnenden...

  • Leander Wattig

    31.01.09 (19:15:05)

    Habe mir im Kontext der übergeordneten Diskussion mal Gedanken zur Buchpreisbindung gemacht: Der Anachronismus Buchpreisbindung

  • Marcel Weiss

    02.02.09 (13:05:03)

    @Daniel D as halte ich für eine so dumme wie gefährliche Entwicklung. Schon allein die Tatsache, dass die Aussagen der Musikindustrie, unter welcher IP-Adresse was passiert ist, als gegeben hingenommen werden (Unschuldsvermutung, anyone?), ist blanker Hohn. Das lässt sich gesetzlich nicht ohne weiteres umsetzen (Die EU hat das auch kürzlich erst wieder abgelehnt iirc). Und ohne Gesetz regelt der Markt, dass sich das nicht durchsetzt. Ich glaube auch, dass Du immer noch nicht die Intention des Artikels verstanden hast. Es ist keine "Forderung der Konsumenten". Sondern Bestandsaufnahme der aktuellen Situation mit Entscheidungsempfehlung an Musiker, Label und indirekt an den Gesetzgeber (weil entgegen herrschender Meinung es keinen gesamtgesellschaftlich rechtfertigbaren Grund gibt, "härter" gegen "Piraterie" vorzugehen).

  • Daniel Niklaus

    03.02.09 (00:12:41)

    @Marcel In deinem Artikel machst du zwei Dinge. Du zeigst, wie Musiker und Labels in der digitalen Welt neue Wege der Finanzierung finden. Dagegen hat hier niemand etwas eingewendet und es gibt breite Unterstützung und auch Lob dafür. Gleichzeitig stellst du eine Theorie auf, die das Urheberrecht auf den Kopf stellt und den Urhebern langjährige Rechte weg nimmt. Dagegen gibt es von den "Praxis-Leuten" mächtig Einspruch. Egal wie du es drehst und wendest, deine Theorie verfängt nicht, weil die Praxis eine ganz andere Sprache spricht. Für diese Sprache fehlt dir aber womöglich die Erfahrung. Ich glaube deine Intention sehr gut zu verstehen, hatte ich doch einst eine ähnliche Meinung wie du. 1994 war für mich das Internet ein "rechtsfreier Raum" und ich glaubte noch an die "freie Marktwirtschaft". In jenem Jahr beantragte ich eine Radiolizenz, welche mit dem Hinweis abgeschmettert wurde, dass ich die wirtschaftliche Tragfähigkeit unseres regionalen Konkurrenten in Frage stelle. Zwei Jahre später, Februar 1996, startete ich im Internet meine eigene Radiostation und drehte dem Bakom die lange Nase. Es ging nur wenige Wochen, bis ein Anwalt im Auftrag von Sony Europa mich sehr überzeugend dazu bewog, die Segel zu streichen. Wenn du eine Bestandesaufnahme machen willst, dann gehört die gesamte Urheberrechtsgeschichte eben auch dazu. Lässt du sie weg, nimmt dich kein Spieler ernst. So bist du "nur" ein junger Idealist, der noch in seinen Träumen lebt.

  • Chrischi

    16.04.09 (16:42:00)

    Hallo, finde den Artikel sehr interessant. Danke dafür. Aber: Wie kommst Du auf die Idee, dass die bei der Aufnahme entstehenden Kosten der Hauptgrund dafür sind, Profit aus dem Verkauf von Musikkopien ziehen zu müssen. Es ist schlichtweg das Recht des Musikers, sich auch die Nutzung - worunter auch der Konsum fällt - vergüten zu lassen. Alles andere widerspricht dem deutschen Urheberrecht ganz erheblich. Schon die Übertragung von Nutzungsrechten rechtfertigt eine Vergütung. Musik zu hören, hat seinen Nutzen, warum also soll das ohne Gegenleistung möglich sein. Natürlich darf ein Komponist sein Werk frei verfügbar machen. Aber sollte er das tun, nur um darauf zu hoffen, dass eine erhöhte Aufmerksamkeit sich für ihn irgendwann mal auszahlt? Soweit sind wir noch nicht. Im Moment sollten Künstler versuchen, jede Form der unmittelbaren Vergütung mitzunehmen, die sie bekommen können. Alles andere muss man sich als Kreativer erstmal leisten können - und wer kann das schon. Im Übrigen halte ich es für kurzsichtig, zu denken, dass ein auf breiter Front akzeptiertes, aber letztlich rechtswidriges Verhalten von Nutzern, Ausgangspunkt für eine Umstrukturierung ganzer Märkte sein sollen. Bis die neuen Denkansätze aus den Kinderschuhen sind, leiden nämlich in der Hauptsache die Kreativen. Bis dahin sehe ich die Abhilfe eher in einer tiefergehenden Regulierung des Nutzungsverhaltens der Raubkopierer. Ich sehe überhaupt nicht ein, das Anhäufen riesiger zusammenkopierter Sammlungen zu akzeptieren - nur weil es so einfach ist. Ich hätte auch gerne einen Ferrarri. Den kann ich mir aber ebenso wenig leisten, wie das gesamte Weltrepertoire an Musik zu kaufen. Der Marktmechanismus kann doch dann nicht sein, mir einen zu klauen. Vielmehr liegt der Ferrarri über meiner Preisbereitschaft und im Ergebnis fahre ich Golf. That´s life. Schönen Gruss

  • Daniel Niklaus

    16.04.09 (16:55:32)

    Chrischi dir wird man jetzt dann gleich erklären, dass ein Ferrari einen "echten" Wert hat. Das da Hardware gekauft werden musste, Ingenieurarbeit geleistet wurde, Marketingkosten entstanden und Leute ihre Arbeitskraft aufwendeten. Solltest du einen Ferrari klauen, fehlt dieser Ferrari jemanden in der Garage. Bei der Musik ist das aber ganz anders. Nur weil du Zeit und Kreativität investiertest hast, im Studio warst, Marketing gemacht hast und jetzt Geld willst, ist das dein Problem. Weil beim Kopieren dein Song ja immer noch in deiner Garage/Festplatte steht. Im Gegensatz zum Ferrari kannst du deinen Song immer noch hören, du musstest kein zweites Mal die Musik einspielen, es entstanden für das Kopieren keine Kosten. Dein veraltetes Denken zum Urheberrecht mag im Deutschen Recht zwar noch drin stehen, aber es ist wie gesagt veraltet. Also sei froh, wenn jemand deine Musik kopiert, organisiere ein Konzert und vielleicht kommt ja jemand dazu und bezahlt Eintritt. Erst dann hast du dein Geld verdient.

  • Chrischi

    16.04.09 (17:21:25)

    Veraltet!!? Aua, mein schwaches Herz. Daniel, ich sehe die Ironie in Deiner Antwort. Bist vielleicht ein Leidensbruder? Trotzdem lege ich nochmal nach: Ich verstehe den Grundgedanken des Artikels, will allerdings den Komplettruck hin zu einem offenen Markt, bei dem unter Umständen die Kreativen als Verlierer dastehen, nicht vollkommen ohne Gegenwehr gelten lassen. Es ist doch so: Dafür, dass sich sonst die ganze Welt über unethisches Verhalten von Konzernen beschwert, sind sich die Nutzer in diesem Bereich ganz schön einig darin, Musik zu konsumieren, die sie nicht rechtmäßig besitzen. Im Übrigen ist es für die Bewertung des Verhaltens nicht nur von Belang, ob andere dadurch geschädigt werden. Ich zahlst doch auch GEZ, obwohl das Programm, das ich empfange, niemand anderem fehlt. Dass digitale Güter nicht knapp werden, kann doch nicht heissen, dass sie nichts wert sind.

  • Teke

    02.06.09 (18:31:42)

    Der Artikel ist wirklich sehr interessant. Habe mir alles durchgelesen. Danke für die Infos!

  • Matthias

    10.08.09 (15:36:53)

    Endlich mal ein vernünftiger und qualitativ hochwertiger Artikel zu diesem durchaus gültigen Thema. Danke dafür.

  • Alex

    22.10.09 (20:34:17)

    Sehr interessanter Artikel. Allerdings kann man ja nicht erwarten, dass sich alte und bewährte Vertriebsmethoden von einem auf den anderen Tag ändern. Leider oder vielleicht Gott sei Dank ist Schleichwerbung verboten, sonst Gäbe es da noch so einige Möglichkeiten mit Musik Geld zu verdienen. :)

  • John

    28.10.09 (16:13:18)

    Cooler Artikel! sehr lesenswert.

  • Markus Miller

    01.11.09 (11:32:54)

    Nachdem jetzt endlich der BGH Urteil rechtskräftig ist sind Privatkopien glücklicherweise in Deutschland nicht strafbar. Es bleibt also zu erwarten, wann und wie das Gesetzgeber jetzt darauf reagiert und eine Novellierung des UrhebG machen wir. Guter Artikel ....

  • Franck

    07.01.10 (13:07:10)

    [Edit: Eigenwerbung ohne Bezug, gelöscht]

  • georg

    02.02.10 (14:23:09)

    Hm, beim Verfolgen der recht heftigen Diskussion hier fällt mir auf: Einerseits die berechtigten Sorgen der Produzenten und andererseits der ebenso berechtigte Wunsch nach einem nicht repressiven, freien Zugang zum "Produkt", der mit all den tollen neuen Verdienstmöglichkeiten begründet wird. Ich sähe die Verdienstmöglichkeiten gerne praktisch bewiesen. Und zwar, im Interesse der Betroffenen, möglichst fix. Wenn also die Aufgabe eines zukünftigen Netlabels nicht mehr der Verkauf der Musik wäre, sondern vor allem deren Verbreitung, um Interesse an einem Künstler zu wecken und damit ihm, und prozentual beteiligt, auch dem Label einen Unterhalt zu bieten- Wenn das also tatsächlich die Zukunft ist, dann hätte ich gerne jetzt und hier, unter all den eifrigen Vertretern der neuen Netzwelt gerne jemanden, der das auch praktisch angeht. Zukünftige Entwicklungen müssten ja, rein wirtschaftlich, ein begehrtes Startup-Feld sein. Sehr konkret steht dem allerdings entgegen, dass der Arbeitsaufwand seitens des Labels, wenn auch ausreichend am möglichen Erfolg teilgehabt werden soll, ein extrem hoher ist. Nicht nur Produktion, Werbung, soweit noch vorhanden Rechteverwaltung und PR sind dann zu bearbeiten, sondern auch Merchandising, Booking und Tourbetreuung. Kennt denn jemand dafür schon vorhandene und zumindest den Lebensunterhalt von Produzenten wie Betreibern sichernde Beispiele? Wie schon oben erwähnt, sind damit nicht schon bekannte oder berühmte Stars gemeint.

  • Marcel Weiss

    02.02.10 (16:40:46)

    @georg: Ein Beispiel findest du hier: "So, let's look at Corey Smith. In the earlier part of this decade, Smith was a high school teacher, playing open mic nights on weekends. But then, he started focusing on building his music career. He started playing numerous live shows, and really worked hard to connect with fans. He gave away all of his music for free off of his website, and used that to drive more fans to his shows. On top of that, he offered special $5 pre-sale tickets to many shows, which has a useful side effect: his biggest fans would convince many others to go as well, building up his fan base, and getting more people to go to more shows. He tried pulling his free music off of his website as an experiment, and saw that his sales on iTunes actually dropped when he did that. In 2008, mostly thanks to live shows, Corey was able to gross nearly $4 million. While giving his music away for free. Connecting with fans and giving them a reason to buy worked wonders. "

  • maser

    11.02.10 (20:43:45)

    Sehe ich genau so!

  • Tobias

    24.02.10 (12:05:07)

    Irgendwann kommt es noch so weit, dass auch Privatkopien strafbar sind - die Musikindustrie würde sich freuen.

  • DerBonze

    25.03.10 (14:49:49)

    Super Artikel über das Geld verdienen im Internet!

  • Ragazzi

    01.04.10 (07:24:13)

    Wirklich ein interessanter Artikel. Ich denke die Musikindustrie hat hat eine ganze Menge verschlafen.

  • Eric Book

    17.06.10 (16:38:08)

    Ich habe mein Buch komplett online gestellt... PowersellerSecrets.de und seitdem ich das gemacht habe, verkaufe ich mehrund verdiene gutes Geld ohne viel dafür zu tun (((((((((-:

  • Tim | leichtgeldverdienenblog.de

    02.08.10 (22:46:19)

    Hi Marcel, danke für diesen Artikel! Was ich bemerkenswert finde ist, dass die Musikindustrie das Internet immer noch zu einem großen Teil als Problem sieht. Stattdessen bietet es Musikern durch cleveres Vorgehen die Möglichkeit, unter Umständen deutlich leichter Geld zu verdienen als vorher. Ich habe vor kurzem ein Blog [entfernt, da werblich] gestartet und nehme deinen Artikel in einem meiner nächsten Posts sicher als Inspiration :-)

  • anonym

    08.08.10 (18:57:40)

    Entschuldigung, aber so schön und logisch das auch klingen mag, das ist mir dann doch ein wenig zu einfach. Allein schon deshalb, wenn ich an die vielen, vielen talentierten Künstler und Musiker denke, die sich ohnehin finanziell schon kaum über Wasser halten können. Dass, das, was nicht knapp ist, betriebswirtschaftlich nichts wert ist, mag theoretisch schon stimmen. Aber, gibt es im Supermarkt die Milch seit neuestem kostenlos, bloss weil sie im Überfluss vorhanden ist? Und würde irgendjemand auf die Idee kommen, das zu verlangen? Leistung, auch kreative Leistung, also solche, die man nicht anfassen kann, muss bezahlt werden und sollte meines Erachtens auch einem gewissen Schutz unterliegen. Wie weit und wie zeitlich ausgedehnt dieser Schutz zu sein hat, mag man diskutieren. Richtig ist, dass sich unsere Welt, nicht zuletzt durch das Internet, verändert hat und ständig verändert. Es müssen also neue Wege der Monetarisierung her und wer das kreativ tut, wird sicherlich auch in den nächsten Jahren die "Nase vorn" haben. Ob mehr oder weniger alles kostenfrei abzugeben, da der richtige Weg ist, wage ich allerdings stark zu bezweifeln.

  • Andreas

    05.10.10 (16:40:34)

    Sehr interessanter Artikel, ich bin durch Google hier gelandet, nicht schlecht an einer solchen guten Position in der Suchmaschine zu stehen. Mir gefällt die Seite , macht einfach weiter so.

  • ThePearl

    08.10.10 (23:29:16)

    Wenn es jemand verdient hat, dann unsere Freunde der Musik. I love music ....

  • Marleen

    14.10.10 (12:25:38)

    ausführlicher Post und immernoch topaktuell! Unverständlich, dass die Musikindustrie immernoch so gegen das Internet sträubt. Klar es gibt zwar eine Menge schwarze Schafe aber prinzipiel gewinnen alle 3 Parteien; Musiker, Promoter und Kunden und am Ende setzt sich sowieso derjenige durch, der gute Musik macht und nicht der der schlechte Musik gut promotet.

  • Michael

    18.10.10 (18:44:22)

    Toller Artikel - sehr differenzierte Betrachtung! Ich denke: Auch die früheren Tonträger sind theoretisch unendlich verfügbar und ob Reproduktionskosten von unter 1 Euro pro CD den Preis von 20-40 Euro für ein Album rechtfertigen ist doch fraglich. Aber daran verdienen halt auch eine Menge verschiedener Firmen: Der Künstler, das Studio, der Instrumentenhersteller, das Presswerk, die Plattenfirma, die Transportunternehmen, die Großhändler, der Einzelhändler (und noch einige andere). Und ich finde an dieser Auflistung wird deutlich, wer da durch den neuen Vertriebsweg Internet, bald überflüssig wird. Daher macht es auch Sinn, dass Musik im Internet billiger zu haben ist, als im Laden. Allerdings keinesfalls umsonst!

  • Timo

    29.10.10 (10:50:21)

    Wirklich ein klasse Artikel, ich denke die Musikindustrie hat eine menge verschlafen in der letzten Zeit.

  • Frank

    30.10.10 (16:06:31)

    Hallo, Musik aus dem Internet ist die Zukunft und da kommt die Musikindustrie nicht dran vorbei. Die sollten da ernsthaft mal darüber nachdenken. Die Zukunft ist nämlich das was kommen wird und nicht was einmal war. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Zitat Leider nicht von mir. Frank

  • Johannes

    01.11.10 (08:23:16)

    Wirklich ein super Artikel, allerdings beneide ich die heutigen Musiker wirklich nicht - Napster und Co haben der Musik einiges abverlang, vor allem der Industrie ;)

  • Manuel

    01.11.10 (16:58:16)

    Naja, Napster zum Beispiel hat ja anschließend einiges abbekommen (siehe The Social Network). Die Zukunft ist das Internet und die Musikindustrie hat die Entwicklung schlichtweg verschlafen. Kostenpflichtige Downloads sind auch nicht wirklich die richtige Lösung. Schwieriges Thema

  • DerBonze

    09.11.10 (15:17:55)

    Wenn es um das Geld verdienen geht hat die Musikindustrie mal einiges verschlafen! Einen wirklich super Artikel hast du da geschrieben. Gruß Der Bonze

  • Michael Timm

    23.11.10 (14:42:37)

    Ja, ein wirklich sehr guter Artikel - und nicht nur das: Auch der Input aus den Kommentaren finde ich sehr interessant. So lässt find ich einiges jetzt sehr viel schlüssiger und kann entsprechende Vorteile daraus ziehen. Danke!

  • cREEP

    07.12.10 (14:17:30)

    PRIMA.fm ist auch eine weitere Möglichkeit Geld zu verdienen. Quelle:

  • Stepanie Braun

    16.12.10 (21:49:56)

    Wirklich ein sehr spannender Artikel, zumal ich selber auch "betroffen" bin. Wer etwas tiefer in die Thematik einsteigen will, dem möchte ich obenstehenden Kommentar von Patrick Stähler empfehlen: Wirklich sehr hilfreiche Links!

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