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17.12.08

Wie man sich bei Internetnutzern empfiehlt - am Beispiel Aboalarm

Viele Webstartups scheitern nicht (nur) am mangelnden Geschäftsmodell, sondern an einem fehlenden Produktnutzen oder einer schwachen Umsetzung. Das österreicher Startup Aboalarm demonstriert, wie man es besser macht.

Der überwiegende Teil junger Webangebote hat mindestens eine gravierende Schwäche, die einem nachhaltigen Erfolg im Wege steht. Das kann ein nicht vorhandenes oder mit Mängeln behaftetes Geschäftsmodell sein, das Fehlen eines wirklichen Produktnutzens oder auch die schwache Umsetzung einer eigentlich guten Idee. Während Schwierigkeiten bei der Monetarisierung häufig erst nach einigen Monaten oder noch später zu Tage treten, können die beiden letztgenannten Szenarien ein Startup schon stoppen, noch bevor es so richtig in die Gänge gekommen ist.

Ein Produkt, das keinen praktischen Nutzen bietet und kein originäres Bedürfnis der User befriedigt, ist in den meisten Fällen zum Versagen verurteilt. Selbst scheinbare Ausnahmen wie Twitter, bei dem sich fast jeder Neuling fragt, wozu Microblogging eigentlich gut sein soll, offenbaren nach einiger Zeit einen echten Mehrwert (bei Twitter u.a. Echtzeit-Ereignisberichte, Spontanumfragen, Selbstmarketing). Abgesehen von diesem und einigen anderen Beispielen aus dem inneren Kreis des Social Webs wird bei den meisten populären Sites aber sofort und für jeden klar, warum sie eine große Zahl an Nutzern anziehen konnten (Ausnahme: Anbieter, die hauptsächlich vom Netzwerkeffekt profitieren, wie Social Networks).

Gelegentlich stößt man auch auf Sites, die zwar ein tolles Konzept haben und ein gängiges Problem lösen wollen, sich dabei aber so dämlich anstellen, dass schnell aus Begeisterung Frust wird. Unübersichtlichkeit, eine schlechte Navigation und Benutzerführung, fehlende Erklärungen oder allgegenwärtige Fehler können jeden noch so innovativ erscheinenden Dienst abwerten und dazu führen, dass der erste Besuch auch der letzte war.

Die Kombination aus einer überzeugenden Idee und einer durchdachten, dazu passenden Realisierung findet sich seltener, als man annehmen möchte. Aboalarm ist es gelungen. Markus hat den neuen Dienst aus Österreich, der das Kündigen von Verträgen vereinfachen will, am Samstag bereits kurz vorgestellt . Nach dem Ausprobieren von Aboalarm war ich jedoch so begeistert von der tadellosen Umsetzung dieses ein echtes Problem lösenden Dienstes, dass ich unbedingt noch einmal näher auf selbigen eingehen muss.

Wer nun glaubt, Aboalarm würde technisch brillieren und zahlreiche bahnbrechende Funktionen auf seiner Plattform vereinen, der irrt sich. Rein funktionell kann das Angebot nicht mit den vielen anderen umfangreichen und komplexen Services mithalten, die wir bei netzwertig.com sonst vorstellen. Was Aboalarm aber von anderen Webangeboten auf sehr positive Weise abhebt, sind zwei Dinge: Es bedient ein Bedürfnis von mutmaßlich Millionen von Menschen, und es präsentiert sich so aufgeräumt und intuitiv, dass sich zweifellos jeder Internetnutzer zurecht findet.

Bei Aboalarm können Nutzer nach einer kurzen Registrierung bestehende Verträge eintragen (Handy, Internet, Zeitschriften, Versicherungen usw), ein Erinnerungsdatum für die Kündigung festlegen und automatisch ein Kündigungsschreiben anlegen lassen. Die Adressen von mehr als 1000 Unternehmen (dem Anschein nach derzeit nur aus Deutschland) werden bereitgestellt. Mit Erinnerungsmails weist Aboalarm Anwender rechtzeitig vor Ende der Kündigungsfrist auf den eventuellen Handlungsbedarf hin.

Aboalarm

Das waren die Kernfunktionen von Aboalarm. Kaum jemand würde behaupten, ein solcher Service sei nicht nützlich. Passend zum Thema Verträge, mit dem sich früher oder später jeder Mensch auseinandersetzen muss, gibt sich die Site mit dem aussagekräftigen und leicht zu merkenden Namen nüchtern, übersichtlich und auf das Wesentliche reduziert - wichtige Eigenschaften, will man auch weniger erfahrene Internetnutzer ansprechen.

Für die Registrierung wird lediglich eine E-Mail-Adresse und das gewünschte Passwort benötigt. Auf die Erforderlichkeit zur Angabe von Name, Geburtsdatum usw. sowie auf die Aktivierung des Benutzerkontos über eine Bestätigungsmail wird verzichtet, um höchstmögliche (gefühlte) Anonymität zu gewährleisten.

In punkto Produktnutzen und Userfreundlichkeit können sich viele andere Webanbieter am besten gleich ein paar Scheiben von Aboalarm abschneiden. Nachdem die ersten zwei Hürden für das junge Unternehmen genommen sind und damit eine positive Nutzerentwicklung für 2009 relativ wahrscheinlich ist, gilt es für Aboalarm jetzt, ein gescheites Geschäftsmodell zu finden.

Aboalarm-Gründer Dr. Bernd Storm van's Gravesande, der auch hinter der sozialen Suchmaschine andUNITE steckt, sieht in dem in der Entwicklung befindlichen Tarifvergleich, in geplanten Premiumfunktionen (Pdf zu Fax, Familienaccounts) sowie in einer Vermarktung (u.a. in den Erinnerungsmails) Potenzial, um aus Aboalarm nicht nur einen konzeptionell sondern auch wirtschaftlich eine Vorbildfunktion einnehmenden Dienst zu machen.

Aboalarm gehört für mich definitiv zu den Startups aus der DACH-Region mit hervorragenden Zukunftsaussichten für 2009.

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