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11.06.07Leser-Kommentar

Wie ich einmal dabei war, als der begnadete Chansonnier und gewandte Medienprofi Udo Jürgens Schweizer wurde

Mit 4249 Zeichen nacherzählt der Klein Report im Stil eines Schüleraufsatzes, wie Udo Jürgens, der Weltstar, der begnadete Chansonnier deutscher Sprache, der gewandte Medienprofi, etc., am letzten Freitag in Zumikon eingebürgert wurde. Elisabeth Kopp war auch da und hielt eine "launische", vermutlich aber launige Rede, und dank des Fels in der Brandung Hermann Zangger konnte der Star alles nur durch einen legendären Tunnelblick überstehen. So wie wir diesen stilblütenlastigen und mit der Logik hadernden Artikel.

 

Neu-Schweizer Udo Jürgens im Festzelt Zumikon geehrt

Zurzeit tourt Entertainer Udo Jürgens solo durch Deutschland. Letzten Freitag kehrte er für einen Abend in seine neue Heimatgemeinde Zumikon zurück, wo er für 500 «ausgeloste» Zumiker Einwohner im Gemeindesaal ein Gratiskonzert gab. Anschliessend wurde ihm in einem Festzelt die Bürgerurkunde überreicht. Wie es im PR-Buche steht, macht der Weltstar Public Relations nach aussen, wo ihm niemand etwas vormachen kann, aber auch nach innen, in die kleine Gemeinde hinein. Hier wohnt der gebürtige Österreicher seit 1998 in der Isleren.

 

Am 26. Februar 2007 waren alle nötigen Entscheide von Gemeinde, Kanton und Bund zur Verleihung des Schweizer Bürgerrechts da. Udo Jürgens konnte offiziell Schweizer werden. Am Freitagabend wurde der Weltstar in seiner neuen Heimatgemeinde denn auch kräftig gefeiert. Die Zumiker nutzten die passende Gelegenheit, ihre Gemeinde prominent in die Schlagzeilen zu hieven und spielten dabei hervorragend auf dem Medienklavier.

Inwiefern? Indem die letzte "News aus Zumikon" auf der Website ist, dass eine "Kaufmännische Angestellte Sozialamt" gesucht wir? Oder auf der Sonderwebsite zumifaescht07.ch der Satz: "Mit einem grossen Platzregen ging am Sonntag auch unser Zumifäscht 2007 zu Ende"? Oder dadurch, dass in der Galerie unter hunderten von Bildern genau zwei von Udo Jürgens sind?

 

Bei den Vorgesprächen für eine mögliche Einbürgerung hatte Udo Jürgens den Gemeindevertretern von Zumikon das Versprechen gegeben, er werde in Zumikon «irgendwann für meine neuen Mitbürger ein Gratis-Konzert geben». Daran erinnerten sie den Neu-Zumiker anlässlich ihres Dorffestes «Zumifäscht 2007» und «verpflichteten» ihn zu diesem Konzert. Udo Jürgens sagte gerne zu, zumal er sich, wie er dem Klein Report gegenüber betonte, «in meiner neuen Heimatgemeinde sehr wohl fühle und mit den Nachbarn in der Isleren auch intensiven Kontakt pflege». Nur vor grossen Hunden bei seinen Spaziergängen fürchte er sich.

So eine Nachricht hätte wohl jeder gern mal exklusiv.

 

Reiner Zufall, dass der Einwohner von Zumikon mit dem neuen Schweizer Pass genau zum Zeitpunkt des «Zumifäschtes» auf Solo-Tournee in Deutschland unterwegs war. Deshalb war es möglich, zwischen 18 Konzerten einen Termin für seinen versprochenen Zumi-Auftritt zu organisieren.

Ja, das klingt wirklich praktisch, dass er gerade weg war, anstatt dass er womöglich nur über die Strasse hätte laufen müssen. Undenkbar!

 

Im Gemeindesaal von Zumikon spielte der 72-Jährige eineinviertel Stunden, begleitet von einem genialen Gitarristen.

... dessen Name hier allerdings nichts zur Sache tut.

 

Das anfänglich zurückhaltende Publikum kam im Verlaufe des Konzertes richtig aus sich heraus, sang zum Schluss die Udo-Gassenhauer lautstark mit.

"Griiiieeechischer Weiiiiiin..." Wer wäre da nicht auch gern ein ausgeloster Zumiker gewesen.

 

Dem Konzert waren zwei längere Reden vorausgegangen, einerseits vom Gemeindepräsidenten, andererseits von einer seiner Vorgängerinnen, Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp, die mit ihrem Mann Hans W. Kopp erschienen war. Frau Kopp schilderte auf launische Art den Bau des von den Bürgern gewünschten Gemeindesaals, Anfang der 70er-Jahre ein sehr teures Projekt.

Dass diese Frau Kopp aber auch immer so launisch sein muss - schade, bei so einem schönen Anlass.

 

Mit Sätzen wie: «Ich war damals schon recht jung, aber meine knapp über 20-jährigen Gemeinderäte wurden als mein Kindergarten bezeichnet», erntete die frühere Magistratin etliche Lacher.

Echter Brüller. Bei Amtsantritt als Gemeindepräsidentin (die erste Frau in der Deutschschweiz) war sie übrigens 38. Aber 1974 war das wohl noch recht jung.

 

Freude und Stress erlebte der begnadete Chansonnier deutscher Sprache an der anschliessend ans Konzert organisierten Feier zur Ehren seiner Einbürgerung mit Überreichung der Bürgerurkunde im proppenvollen Festzelt. Freude, weil ihm die Gemeinde Zumikon für seine Stiftung «Solidarität für die Jugend» für benachteiligte Kinder einen Check von 20 000 Franken überreichte. Stress, weil er sich im lauten Festzelt, umringt von Gemeinderäten und deren Gattinnen und von Zumiker Promis wie Ex-Ständerätin Trix Heberlein, richtiggehend eingeengt fühlte. Als dann Gemeindepräsident Hermann Zangger, ein Ur-Zumiker, (Pfadiname Felse) wie ein Fels in der Brandung, den überforderten Udo Jürgens neben sich auf der Bühne, dessen Lebenslauf in stoischer Ruhe zum Besten gab, musste der Star seinen legendären Tunnelblick aufsetzen, um das alles zu überstehen.

Was für ein Wechselbad der Gefühle. Der Pfadiname gibt dem ganzen aber einen schönen, persönlichen Anstrich. Wo waren denn die beiden weiblichen Gemeinderäte oder deren Gatten? War's denen zu voll?

Hier der "legendäre Tunnelblick":

Udo Jürgens Tunnelblick

 

Dass die PR-Aktion der Gemeinde Zumikon auch medienmässig mächtig Wellen schlug, zeigte die Hektik des Schweizer Fernsehens, das per Satellit die Daten an «10vor10» übermittelte, an die People-Sendung «Glanz & Gloria», eine Equipe von Tele Züri sowie an die Radiostationen Radio 24 und Radio Zürisee. Dafür wiederum hatte der gewandte Medienprofi Udo Jürgens vollstes Verständnis und gab allen Interviews.

Für die Datenübermittlung per Satellit hatte er vollstes Verständnis? Was für ein Teufelskerl!

 

Und das, ohne eine neue CD in der Veröffentlichungsschlange zu haben.

Was für ein Altruist!

 

Das neue Werk, aus dem Jürgens im Konzert mit einem emotionalen Liebeslied, vor drei Wochen geschrieben, eine Kostprobe gab, wird erst im Herbst erscheinen. Ein Schweizer Solo-Konzert ist leider dieses Jahr nicht vorgesehen. Zumikon bleibt auch diesbezüglich exklusiv.

Hach Zumikon, Du hast es einfach besser.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Redaktor

    11.06.07 (21:05:18)

    Wie dankbar ich doch dem Klein Report immer wieder bin. Wo sonst gibts heute noch Schwurbel in seiner reinsten Form? Ich sage nur: «Veröffentlichungsschlange»

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