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15.11.13

Wie der NSA-Skandal die IT-Sicherheitsbranche verändert

logo usp Seitdem Edward Snowden den Spionage-Skandal der NSA aufgedeckt hat, ist das Thema Datenschutz in aller Munde. Davon profitieren gerade IT-Firmen in der Schweiz.

XKeyScore – hinter diesem unspektakulären Begriff verbirgt sich die größte Spionage-Waffe der USA. Ans Licht gebracht hat sie der Whistleblower Edward Snowden. Laut „Guardian“ kann die NSA mit dieser  Überwachungssoftware auch auf E-Mails, Facebook-Nachrichten und Browserverläufe zugreifen. Alles in Echtzeit. XKeyScore hat mit über 700 Servern an 150 Standorten das Potenzial, Daten von vielen Millionen Menschen auch in der Schweiz auszuspähen.

NSA hat Einblicke in die Daten US-amerikanischer Internetfirmen

Seit Juni dieses Jahres sorgen diese und weitere Enthüllungen Snowdens dafür, dass die Themen Privatsphäre im Netz und Internetsicherheit in aller Munde sind. Die Schweizer Firma für IT-Sicherheit United Security Providers kann diese Erfahrung teilen. „Seit den ersten Enthüllungen im Guardian sind viele Unternehmen besonders sensibilisiert für den Schutz ihrer Daten“, sagt Michael Liebi, CEO von United Security Providers. „Wer auf Nummer sicher gehen will, überlässt diese lieber Schweizer IT-Unternehmen, da hier die Datenschutzbestimmungen deutlich strenger sind als in den USA.“Insbesondere den großen US-amerikanischen Internetfirmen wie Yahoo, Facebook und Google wirft der Whistleblower Snowden vor, dass sie mit dem amerikanischen Geheimdienst kooperieren und der NSA Einsicht in die Daten ihrer Nutzer gewähren. Kürzlich warnte auch Ueli Maurer, Informatikprofessor an der ETH Zürich, in der „Schweiz am Sonntag“ vor der mangelnden Datensicherheit: „Bei US-Firmen muss man inzwischen grundsätzlich davon ausgehen, dass die Geheimdienste Zugriff auf ihre Software haben.“

Das grundlegende Problem von Yahoo und Co: Sie unterstehen dem „Patriot Act“. Einem US-Gesetz, das Geheimdiensten erlaubt, Telefonate abzuhören und Daten abzugreifen. Das Gesetz trat nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Kraft. Daher ist es nicht verwunderlich, dass nicht-amerikanische IT-Firmen, die verschlüsselten E-Mailverkehr und höhere Datensicherheit anbieten, in Europa hoch im Kurs stehen. Denn seit den anhaltenden Enthüllungen Edward Snowdens wollen Privatpersonen aber auch Firmen ihre Daten in guten Händen wissen und sicher gehen, dass diese nicht von Geheimdiensten abgezapft werden.

Verwaltungsrat Michael Liebi

Internetsicherheit „Made in Switzerland“ sehr gefragt

Davon profitiert zurzeit die Schweiz als IT-Standort. Denn hier sind die Datenschutzbestimmungen ungleich schärfer als in den USA - Schweizer Behörden brauchen erst einen Gerichtsbeschluss, um in Daten schnüffeln zu dürfen. Und auch das Fernmeldegesetz legt einen engen rechtlichen Rahmen für die Aufbewahrung und Nutzung von Daten fest. Ein wichtiger Faktor ist hier auch das Image in Sachen IT-Sicherheit: Neben den erwähnten strengen Datenschutzbestimmungen steht die Schweiz weltweit für politische Stabilität und Neutralität. Nicht zu vergessen, dass das Ausland die Schweiz als Finanzplatz, der für Zuverlässigkeit und Diskretion steht, hoch schätzt. Von diesen Attributen profitiert jetzt auch die IT-Branche.

Wer seine Daten auf Schweizer Servern und Clouds hinterlegt, erwartet, dass diese sicher vor unerwünschten Einblicken geschützt werden. Manch ein kleines oder mittelständisches Unternehmen kommt den Anfragen von Neukunden daher kaum noch hinterher. Diese Erfahrung hat auch die Geschäftsleitung von United Security Providers gemacht. Bei dem IT-Security Anbieter sind die Neukunden-Anfragen seit Juni deutlich gestiegen: „Wir spüren ganz klar die Folgen des NSA-Skandals“, sagt Liebi. „Unsere Security-Lösungen ‚Made in Switzerland‘ sind gefragter denn je.“

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