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20.06.08Leser-Kommentare

Wie das Internet die Zusammenarbeit von Unternehmen verändert

cubicles

Plattformen, APIs und radikal gesunkene Transaktionskosten ermöglichen neue Interaktionsformen für Unternehmen im Internet.

Vor geraumer Zeit war ich auf dem Dresdner Zukunftsforum, auf dessen Afterparty Frank Hamm und ich die Möglichkeit hatten, mit Don Tapscott zu reden. Tapscott ist Professor für Management in Toronto und ist Autor von unter anderem Wikinomics (das ich noch nicht gelesen habe, von dem aber auch nicht jeder begeistert ist). In seinem Vortrag auf dem Dresdner Zukunftsforum erwähnte Tapscott auch Nobelpreisträger Ronald Coase und seine Theorie. Auf der Afterparty sprach ich Tapscott auf Coase an, was ihn sichtlich erfreute.

Transaktionskosten

1937 schrieb Ronald Coase einen Artikel mit dem Titel "The nature of the firm", der ihm unmittelbar darauf 1991 nicht nur den Nobelpreis einbrachte sondern auch noch einige ökonomische Theorien begründete. In diesem Aufsatz ging Coase der Frage nach, warum es Unternehmen überhaupt gibt, wenn die Verteilung von Ressourcen doch am Markt laut Theorie effizient ist.

Eine der mit diesem Artikel begründeten Theorien ist der Transaktionskostenansatz. Transaktionskosten sind:

diejenigen Kosten, die durch die Benutzung des Marktes (market transaction costs), also im Zusammenhang mit der Transaktion von Verfügungsrechten (z. B. Kauf, Verkauf, Miete), oder einer innerbetrieblichen Hierarchie (managerial transaction costs) entstehen.

Das sind beispielsweise Kosten, die zur Beschaffung der Informationen notwendig sind.

Was bedeutet das nun für Unternehmen, besonders für große Unternehmen?

Grob ausgedrückt, dass Unternehmen, also Hierarchien, in einem Umfeld freier Märkte existieren, weil die Zuteilung von Ressourcen innerhalb einer Hierarchie effizienter geschehen kann als auf dem Markt. Ein großes Unternehmen also beispielsweise, das alle Stationen eines Produktionsprozesses abdeckt, dieses effizienter, kostensparender und damit wettbewerbsfähiger erreichen kann als viele kleine Unternehmen, die das gleiche Ergebnis über den Markt koordinieren und realisieren. Der Grund hierfür liegt in den am Markt höheren Transaktionskosten. Es ist aufwändiger, am Markt die gleichen Informationen zu erhalten als innerhalb eines Unternehmens. So recht vereinfacht ausgedrückt die Theorie.

Das Internet hat die Transaktionskosten in vielen Bereichen nun massiv abgesenkt. Man denke nur zum Beispiel daran, wie leicht es heutzutage ist, festzustellen ob ein Produkt nach Meinung anderer Konsumenten sein Geld wert ist oder nicht. Mit geringstem Aufwand kann man sich Bewertungen anderer Kunden auf Amazon und speziellen Seiten dafür durchlesen. In den USA gibt es unzählige Blogs, die manchmal semiprofessionell manchmal professionell Produkte für den Konsumenten unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls warnen. Und so weiter. Dies ist nur ein einfaches Beispiel.

Sehr ausführlich und äußerst lesenswert setzt sich Umair Haque mit den Konsequenzen radikal gesunkener Transaktionskosten auseinander. Zwei lesenswerte Artikel von ihm:

Sprechen wir über die Auswirkungen auf die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen.

Tapscott, Coase und Companyconglomerates

Zurück zu Tapscott. Ich fragte ihn, ob das Internet mit seiner disruptiven Absenkung der Transaktionskosten nicht zwangsläufig zu einer durchschnittlich geringeren Unternehmensgröße führt, weil nun viele kleine Unternehmen mit großen Unternehmen leichter konkurrieren können. Tapscott lachte und erzählte uns von einem Interview, das er Mitte der Neunziger mit Coase geführt hatte. Tapscott fragte Coase, ob er wisse, dass er den Schlüssel zur Erklärung der Auswirkungen des Internets in der Hand halte. Aber Coase 'didn't care about that, he had moved on'.

Ich fand, Tapscott hatte recht mit dieser Mitte der Neunziger geäußerten Aussage, zog nun aber einen teilweise falschen Schluss. Tapscott äußerte mir gegenüber die Ansicht, dass das Internet zu, wie er es nannte, 'Companyconglomerates' führt. Tapscott konzentriert sich mehr auf Unternehmen, die erfolgreich über Ad-Hoc-Aktionen die Kollaborationsbereitschaft anderer Unternehmen und besonders von Privatpersonen anzapfen. Diese Unternehmen erleben dadurch überdurchschnittlichen wirtschaftlichen Erfolg und expandieren daraufhin.

2 neue Arten von Unternehmen: Zentren und Satelliten

Ich habe besonders durch Haques Texten in den letzten Monaten viel über diese Thematik nachgedacht. Angestachelt von dem Gespräch mit Tapscott dachte ich die letzte Zeit noch stärker darüber nach.

Letztlich kam ich zu dem Schluss, dass Tapscott die richtige Beobachtung macht, aber die falschen Schlüsse daraus zieht. Kleine Unternehmen können bereits heute im Internet sehr viel mehr bewegen als es jemals möglich war. Trotzdem gibt es große Unternehmen, die eher wachsen als eingehen. Google und Amazon etwa. Auch Facebook wächst. Warum?

Ich denke, die Entwicklung direkt im Netz stattfindender und vom Internet betroffener Branchen geht für einen Großteil der Unternehmen in die folgende Richtung. Es werden sich 2 Arten von Unternehmen herausbilden, die weite Teile der Internetwirtschaft massgeblich bestimmen werden:

     

  1. Zentren: Unternehmen, die über angebotene Plattformen und APIs als Infrastrukturanbieter für die Geschäfte und Tätigkeiten von anderen Unternehmen dienen

  2. Satelliten: die ihre Geschäfte auf diesen Zentren aufbauen

Die Zentren können dabei Infrastruktur in den verschiedensten Bereichen aufbauen. Beispiele für Zentren in verschiedenen Bereichen wären etwa:

  • Verkaufsplattformen: Ebay als schon länger bestehende Plattform für Auktionen und Kauftransaktionen, Amazons Marktplatz fällt auch unter diesen Bereich, Etsy für den Verkauf handgemachter Erzeugnisse

  • Cloud-Computing : Amazon ist mit seinen AmazonWebServices Vorreiter in diesem Bereich, Google setzt mit der AppEngine aber mehr auf den Plattformgedanken, mit der Möglichkeit zu einem Zentrum werden

  • Realtimeweb, öffentliche Kommunikation : Twitter mit seinem überaus wichtigen API

  • Social Graph : Wie hier bereits ausgeführt , ist die nächste Evolutionsstufe von Social Networks, zu Infrastruktur-Anbietern zu werden, für alles was man mit den Social-Graph-Daten machen kann.

Beispiele für Satelliten der jeweiligen Zentren:

  • Verkaufsplattformen : Klar, die Verkäufer auf den Plattformen von Ebay, Amazon, Etsy und co.

  • Cloud-Computing: Die auf auf der AppEngine umgesetzten Applikationen. Sie können jetzt bereits zur Nutzer-Identifikation Google-Accounts einsetzen. Es kursieren Gerüchte, dass der von Google gekaufte Microblogging-Dienst Jaiku in die AppEngine so integriert werden soll, dass alle Applikationen auf dessen Messagingdienste zugreifen können. Verbindet man das mit dem bereits seit geraumer Zeit existierenden Mobileclient von Jaiku und Googles MobileOS Android, ergibt das enorme Möglichkeiten für Satellitenunternehmen auf der AppEngine.

  • Realtimeweb, öffentliche Kommunikation : In der Twitterwelt wären Satellitenunternehmen etwa die Suchmaschine Summize oder Seesmic , das vor kurzem den mit Abstand beliebtesten Twitter-Desktopclient Twhirl gekauft hat.

  • Social Graph : Die Applikationenanbieter auf Facebook. Die bekanntesten von ihnen sind RockYou und Slide.

Der Punkt ist nun, dass man zwar als Satellitenunternehmen durchaus viel Geld verdienen kann, das große Geld und besonders sehr viel Marktmacht aber bei den Zentren liegt. Und das wissen die großen Internetunternehmen. Deshalb haben sowohl Google als auch Myspace und Facebook vor kurzem ihre Pseudo-DataPortability-Projekte bekannt gegeben. Deshalb wird der Ton diese Tage zwischen Google und Facebook rauher. Hier geht es um das ganz große Geld. Wer als Zentrum einen wichtigen Bereich beherrscht, hat eine Cash Cow an der Hand.

Zentren sind nicht nur Teilnehmer am Markt, sie sind überhaupt erst der Grund, die Grundlage, warum es den auf sie aufbauenden Markt überhaupt gibt . Was für ein Unique Selling Point, oder?

Und hier kommt ein besonders spannender Punkt, auf den mich mein Kollege Markus Spath aufmerksam machte: Zentren müssen nicht als große Konzerne daherkommen. Je nach Bereich, in dem man zum Zentrum wird, geht das auch mit geringeren Kapazitäten: Twitter ist eine 15-Mann-Klitsche. Etsy wird ebenfalls von einem kleinen Team geleitet.

Auf Seiten der Satellitenunternehmen bieten die durch die stark gesunkenen Transaktionskosten stärkeren Interaktionsmöglichkeiten völlig neue Dimensionen in der Ad-Hoc-Zusammenarbeit untereinander als auch im Anbieten der Dienste an den Endkunden. Das alles noch einmal turbobeschleunigt durch die Infrastruktur der Zentren (Primitives Beispiel: Ein Onlineshop erreicht schneller mehr Kunden auf Ebay als auf der eigenen Webseite, die selbst auch schon effizienter ist als der Laden im 5000-Seelen-Dorf, wo der Shop seinen Sitz hat.).

Kleine Unternehmen können plötzlich weit mehr mögliche Kunden erreichen als jemals zuvor. Die Verkäufer auf Ebay waren hier erst der Anfang. Und auch hier kann die gesamte Palette an Größenordnungen vertreten sein: Vom Ein-Mann-Shop auf Ebay bis hin zu Mashup-Companies die wiederrum als Andockstelle für andere Dienste oder Verbindung zwischen Systemen dienen.

Fazit

Neben den grundsätzlich weniger aufwändig gewordenen Transaktionsmöglichkeiten für Unternehmen im Internet, bringen neue, explizite technische Anküpfungspunkte eine neue Dynamik und neuartige Beziehungen zwischen Unternehmen. Zentren sind Anbieter von Plattformen und APIs. Aufbauend auf ihrer Infrastruktur können Satellitenunternehmen ein Geschäft aufbauen.

Wir betreten hier (soweit ich weiß) Neuland. Ich würde mich freuen, wenn wir in den Kommentaren darüber weiterdiskutieren!

[Dank an Markus Spath, der mich auf einige Details zu meinen Überlegungen hinwies.]

(Foto von webg33k)

Kommentare

  • Jonny

    20.06.08 (08:12:56)

    "Google und Amazon etwa. Auch Facebook wächst." Hier würde ich nicht mit Transaktionskosten argumentieren, da diese Plattformen meiner Einschätzung nach durch ihre Netzwerkstruktur natürliche Monopole darstellen. Je mehr Informationen, Produkte, "Freunde" angeboten werden bzw. Mitglied sind, desto mächtiger werden diese Anbieter.

  • Ron

    20.06.08 (09:48:48)

    Ziemlich interessante Ausarbeitung und ich muss gestehen, dass ich die Dinge bisher noch nicht aus dieser Perspektive betrachtet habe.

  • sebmuc

    20.06.08 (11:50:14)

    Interessanter Artikel. Ein Verständnisproblem: wo ist der inhaltliche Zusammenhang zwischen der These, dass das Internet zu einer Absenkung der Transaktionskosten und damit zu einer durchschnitllich geringeren Unternehmensgröße führen würde, und den dann folgenden (darauf aufbauenden?) Ausführungen, dass sich das Internet in "Zentren" und "Satelliten" aufteilt?

  • mal

    20.06.08 (11:53:20)

    Ziemlich interessante Ausarbeitung und ich muss gestehen, dass ich es nicht gelesen habe ;).

  • Jonny

    20.06.08 (12:44:19)

    Ich muss mich noch mal präziser äußern, was mit dem Kommentar von Sebmuc zu tun hat: Tapscott hat gar nicht so Unrecht mit den "Companyconglomerates", die Idee von Zentren und Satlliten ist ja auch nicht so weit davon entfernt. So ist aber (jetzt kommt wieder mein Argument) die natürliche Monopolisierung verschiedener Bereiche im Netz(werk) völlig nachvollziehbar; Netzwerke wie Schienennetz und Telefonnetz sind auch natürliche Monopole. Je größer das Netz wird, desto schwieriger ist es für einen Konkurrenten, in den Markt einzusteigen. Die "Zentren" sind daher eine Plattfrom, die über ein Netzwerk von Inhalten verfügen(Kontakte, Informationen, Produkte). Die Möglichkeit allerdings, dass sich tausende von Satelliten an diese Zentren "anklinken" können, scheint mir hier das Neuartige zu sein. Und: Je mehr Satelliten ein Zentrum hat, desto größer und stärker wird es.

  • Christoph

    20.06.08 (17:25:50)

    Generell ist die komplette Institutionenökonomie ganz gut geeignet um dieses Themengebiet theoretische zu unterfüttern. Für die Beobachtung von Informationsgütern stellt sich beispielweise zusätzlich die Frage der Druchsetzung von Verfügungsrechten (Property-Rights). Die Bewegung von Markttransparenz und -eintrittsbarrieren verändern wiederum die Handlungsräume der Akteure (Principal-Agent). Schau doch auch mal unter "Business Webs". Ich denke das ist artverwandt. Z.B. hier: http://www.faz.net/s/RubE2C6E0BCC2F04DD787CDC274993E94C1/Doc~E052EC4A85D9144C087B3045A04FF6E09~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  • Christian

    21.06.08 (10:32:13)

    Wirklich interessante Ausführungen. Schade, dass dieser Aktualitätsbezug der mehr oder minder staubansetzenden Theorien im Studium viel zu kurz kommt .... aber wofür gibt es netzwertig!? ;) Danke für die Horizonterweiterung!

  • Matthias

    21.06.08 (14:48:59)

    bester und interessantester artikel von dir bisher, marcel. super, danke!

  • Marcel Weiss

    21.06.08 (20:09:33)

    Sebmuc: Sehr gute Frage! Aktuell sehe ich da keinen kausalen Zusammenhang, das hätte ich im Artikel mehr herausarbeiten müssen. Nur ermöglichen Zentren über ihre auf dem Internet aufsetzende zusätzliche Ebene eine nochmals verstärkte Absenkung von Transaktionskosten (siehe das Beispiel des Verkäufers auf Ebay, der noch mal bessere Geschäfte macht als mit dem Webshop auf einer losgelösten Seite im Netz). Außerdem können im Netz kleine Unternehmen (Twitter, Etsy) zu Zentren werden, was es so in der analogen Welt nicht geben würde (Wobei das nur zum Teil auf gesunkene Transaktionskosten zurückgeführt werden). Ich bin noch dabei, diese neuen Entwicklungen einzuordnen und zu analysieren, wie jeder andere, von daher ist das alles noch nicht ganz feingeschliffen. :) - Mal: Speicher es Dir für später. Lohnt sich! ;) - Jonny: zu Deinem ersten Kommentar: Stimmt da spielen Netzwerkeffekte mit rein, bei Facebook etwa sehr stark. zu Deinem zweiten Kommentar: So ist aber (jetzt kommt wieder mein Argument) die natürliche Monopolisierung verschiedener Bereiche im Netz(werk) völlig nachvollziehbar; Netzwerke wie Schienennetz und Telefonnetz sind auch natürliche Monopole. Je größer das Netz wird, desto schwieriger ist es für einen Konkurrenten, in den Markt einzusteigen. Die “Zentren” sind daher eine Plattfrom, die über ein Netzwerk von Inhalten verfügen(Kontakte, Informationen, Produkte). Ja, sehr interessant und richtig. Ich hatte auf meinem privaten Blog vor geraumer Zeit auch Amazons AWS mit dem Aufbau des Eisenbahnnetzes verglichen. Was ich im Artikel nicht so rübergebracht habe, aber mittlerweile für einen wesentlichen Bestandteil von Zentren halte ist, dass sich auf ihnen aufbauend ganze Ökosysteme bilden, innerhalb derer die Satelliten miteinander kooperieren können und die Anzahl an Satelliten das Gesamtsystem (auch ohne Kooperationen untereinander) wertvoller macht etc. Das wird auch Googles App Engine bald noch massgeblicher von den AWS unterscheiden, glaube ich. Letztere sind hauptsächlich Infrastruktur ohne Potential eines eigenen Ökosystems. - Christoph: Danke für den Link. Tapscott erzählt dort quasi ähnlich, was er auch in Dresden sagte. Ich glaube mittlerweile, dass der wesentliche Unterschied zwischen Tapscotts Vorstellungen und meinen ist, dass er glaubt, die Kollaborationen werden über explizite Beziehungen stattfinden, während Satelliten die Zentren nutzen können und beide davon -wie Jonny auch anmerkte- profitieren können, ohne das man jemals direkt miteinander kommuniziert und Abmachungen treffen muss. Während beide Modell koexistieren werden, glaube ich, dass die impliziten Modelle überwiegen werden, weil sie flexibler reagieren können. - Christian und Matthias: Das höre ich wirklich gern! Der Artikel war mir auch wichtig und er war nicht so einfach zu schreiben.

  • Marcel Weiss

    21.06.08 (20:15:44)

    Sebmuc: Zu Deiner Frage nochmal: Ich glaube, dass die durch das Internet gesunkenen Transaktionskosten im Schnitt zu kleineren Unternehmensgrößen führen. Dass es doch größere Unternehmen gibt, die auch noch weiter wachsen, führte ich auf die Möglichkeit von Zentren mit eigenen Ökosystemen zurück. Wobei das ja auch nicht immer funktioniert, da Zentren nicht immer groß -im Sinne der Unternehmensgröße- sein müssen. Manche aber müssen das aus rein logistischen Gründen sein (Serverparks etc.).

  • Christoph

    24.06.08 (10:01:25)

    Nachdem ich jetzt noch ein bischen drüber nachgedacht habe .... Ich habe nicht sonderlich viel von Tapscotts ausführzungen gelesen, aber er scheint doch noch keine klare Aussage zu Unternehmensgrößen zu treffen, oder? Im Grunde ist der Transaktionskostenansatz ja ein Summenspiel. D.h. wenn sich die Unternehmen tendenziell verkleinern dann sind die Marktbenutzungskosten geringer als die Hirarchie/Koordinationskosten und umgekehrt. Ganz geradeaus gedacht müsste das aber dann für alle Unternehmen (zumindest einer Branche gelten). Das würde dann eher gegen deine Theorie von Zentren und Satelliten sprechen. Die Einteilung in verschiedene Unternehmensgrößen scheint mir eher ein systemtheoretischer Ansatz zu sein, als einer der mit der Transaktionskostentheorie vollkommen abgedeckt ist. Man sollte aber auch bedenken, das man hier noch von einer recht jungen Branche spricht. Ich denke die großen Marktkonsolidierungen stehen noch bevor. Die Grabenkämpfe von Microsoft/Yahoo/Google lassen sich momentan ja recht schön beobachten. Somit ist das Stalliten/Zentren Phänomen vielleicht eher das einer jungen Internet-Branche und nicht das einer Internet-Ökonomie generell. Und schliesslich noch ein weiterer Gedanke. Über Michael Hutters "Neue Medienökonomie" bin ich auf die "Power Law" Verteilung und Nabennetzwerke gestossen. Da bewegen wir uns jetzt wieder woanders, nämlich in der Netzwerkforschung. Hier wird ein ganz ähnlich Phänomen beschrieben, nämlich das s.g. Nabennetzwerke gibt. Hier gibt es, ganz ähnlich zu deinem Ansatz kein homoegenes Netzwerk in der jeder Netzwerkknoten die gleiche Wertigkeit hat, sondern es gibt Zentren/Drehkreuze. Aus dieser Netzwerkeigenschaft ergibt sich dann die Power Law Verteilung. Ein Blick in dieser Richtung lohnt sich bestimmt auch.

  • Jonny

    25.06.08 (09:36:30)

    Im Grunde ist der Transaktionskostenansatz ja ein Summenspiel. D.h. wenn sich die Unternehmen tendenziell verkleinern dann sind die Marktbenutzungskosten geringer als die Hirarchie/Koordinationskosten und umgekehrt. Ein Summenspiel ist es ja gerade nicht. Sonst könnten ja unterschiedliche Unternehmensgrößen nicht mehr im Sinne der Theorie erklärt werden. Und sind die Markbenutzungskosten nicht bei kleinen Unternehmen höher? Und die Hierarchiekosten insbesondere bei Konzernen mit einem unüberschaubaren Bürokratieaufwand größer? Gerade die Transaktionskostentheorie erscheint mir geeignet, unterschiedliche Unternehmensgrößen zu erklären, da die Größe danach bestimmt wird, ob Markttransaktionskosten, die durch vertikale Zusammenschlüsse oder Zukäufe internalisiert werden und damit zu Koordinationskosten werden, bei diesem Vorgang gesenkt werden können. Man sollte aber auch bedenken, das man hier noch von einer recht jungen Branche spricht. Ich denke die großen Marktkonsolidierungen stehen noch bevor. Die Grabenkämpfe von Microsoft/Yahoo/Google lassen sich momentan ja recht schön beobachten. Somit ist das Stalliten/Zentren Phänomen vielleicht eher das einer jungen Internet-Branche und nicht das einer Internet-Ökonomie generell. Ich halte die meisten statischen Konzeptionen in der Ökonomie für unbrauchbar in Internetbelangen. Das Internet steht nicht still, bisher jedenfalls nicht. Und wie soll die Konsolidierung aussehen? Ich würde sagen, es entsteht (ja immer noch mit dem Hintergedanken der Monopolisierung ) ein Marktführer (EIN Zentrum) der verschiedenen Inhalte.

  • Dorian

    25.06.08 (10:22:35)

    Interessanter Artikel. Wir haben 1999 darüber geschrieben und die entstehenden neuen Strukturen Value Webs genannt. Wo die Analyse etwas zu kurz greift, ist, dass die grossen Unternehmen die gleichen Effekte auch intern spielen lassen können und damit gross bleiben können oder sogar noch grösser werden können.

  • Marcel Weiss

    25.06.08 (17:28:56)

    Christoph: Tapscott hat mir gegenüber die Überzeugung vertreten, dass das Anzapfen externer Expertise über das Internet (ebenso wie intern neue Formen derZusammenarbeit) die Unternehmen wachsen lassen. Die erfolgreichen also noch größer werden. Die Einteilung in Zentren/Satelliten lässt sich nicht mit dem Transaktionskostenansatz erklären, stimmt. Ich denke aber auch, dass man die komplexe Realität nicht mit einer Theorie allein erklären kann. Man sollte aber auch bedenken, das man hier noch von einer recht jungen Branche spricht. Ich denke die großen Marktkonsolidierungen stehen noch bevor. Stimmt. Da wird sich nohc viel bewegen. Danke für den Hinweis auf Michael Hutters. Werde ich mir mal ansehen. - Jonny: Gerade die Transaktionskostentheorie erscheint mir geeignet, unterschiedliche Unternehmensgrößen zu erklären, da die Größe danach bestimmt wird, ob Markttransaktionskosten, die durch vertikale Zusammenschlüsse oder Zukäufe internalisiert werden und damit zu Koordinationskosten werden, bei diesem Vorgang gesenkt werden können. Yep, ganz genau. - Dorian: Danke für den Hinweis. Ich glaube im übrigen nicht, dass sich diese Flexibilität, die aus den impliziten Verhältnissen zwischen Zentren und Satelliten entstehen, oder auch aus ganz normalen Kooperationen durch das Netz, innerhalb einer Hierarchie immitieren lässt. Es gibt ja hierarchische Marktimitationsversuche mit Profitcentern etc. die funktionierten aber schon in der ausschließlich analogen Welt nicht immer, im Internet ist das nohc mal ein Zacken schwieriger. (Eben weil sich alles so schnell ändert und an allen Ecken und Enden kleine, flinke Konkurrenten entstehen, die auf einmal auf Augenhöhe kämpfen können.)

  • managermind

    09.07.08 (20:37:02)

    Sehr interrsantes Artikel. Ich stimme dem vollkommen zu dass kleinere Unternmenn im bestimmten Breichen durch das Interent mehr Chancen erhalten... Über die Bereich muss man sicherlich noch nachdenken. Handel und dieverse Dienstleister fallen mir dabei sofort ein.

  • zoomer49

    02.01.09 (18:53:14)

    Sehr gute Analyse, aber wozu führt es am Ende? Die Firmengröße ist eigentlich nicht so wichtig. Wer ein Zentrum betreibt und "verteidigt" und gleichzeitig Investoren im Nacken hat, der maximiert die Transaktionskosten seiner Nutzer letztlich durch entsprechende Gebühren bis zur Schmerzgrenze. Beispiele sind ebay und google adwords. Satelliten sind daher hoffentlich nicht nur auf ein einziges Zentrum angewiesen, sondern haben möglichst mehrere Zentren als Partner oder zusätzlich ein eigenständiges Geschäftsmodell. Sonst bedeutet ein Strategiewechsel des Zentrums evtl. erhebliche wirtschaftliche Nachteile oder sogar zwangsweise Abkoppelung vom Zentrum. Auch hier das Beispiel ebay: Ein neuer CEO verändert die Strategie und schiebt bisherige Anbieter auf Kosten neuer Zielgruppen ins Abseits. Das ist legitim, aber für Satelliten risikoreich und schmerzhaft. Bei twitter sehe ich diese Gefahr auch. Noch ist kein rentables Geschäftsmodell in Sicht. Wenn ein Twitter-Satellit heute schon ein rentables Geschäftsmodell fährt, sollte er sich kaufen lassen oder hoffen, dass twitter es nicht mitbekommt.

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