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21.09.10Leser-Kommentare

Widersprüche gegen Street View: Wo liegt Googles Schmerzgrenze?

Gut 1,5 Millionen Wohngebäude gibt es in den 20 Städten, in denen Google mit Street View starten möchte. Für wie viele davon müsste ein Widerspruch eintreffen, damit Google sein Vorhaben auf Eis legt?

 

Noch bis zum 15. Oktober können Bürger online oder per Post Vorab-Widerspruch gegen eine Darstellung ihrer Hausfassade bei Google Street View einlegen. Der 3D-Kartendienst soll Ende des Jahres in 20 deutschen Städten online gehen - sofern Google nicht vorher das Handtuch wirft.

Laut Spiegel Online sollen bereits "Hundertausende Bürger" einen Antrag auf Löschung ihrer Hausfassade gestellt haben. Angesichts der tagelangen, breiten und höchst unsachlichen Street-View-Debatte Anfang August kommt ein derartig starkes Interesse an der Widerspruchsmöglichkeit nicht überraschend.

Auf eine Anfrage von uns äußerte sich Google leider nicht konkret zu der Spiegel-Meldung. Sprecherin Lena Wagner verwies lediglich darauf, dass derzeit die eingegangenen Widersprüche von E-Mail-Spam und Doppelungen gereinigt werden (manche Bürger haben gleich auf mehreren Wegen Einspruch eingelegt), weshalb momentan keine seriöse Zahl der Widersprüche genannt werden könne.

Doch die Frage, die ich mir stelle: Wo liegt Googles Schmerzgrenze? Wie viele Häuser müssten verpixelt werden, damit der Internetkonzern Street View in Deutschland auf Eis legt? Oder würde er den Service selbst dann launchen, wenn ein Viertel oder Fünftel aller abgebildeten Wohnhäuser nicht zu erkennen sind?

Zur Bewertung der vom Spiegel kolportierten Dimension an eingegangenen Widersprüchen muss man einige Besonderheiten des Verfahrens berücksichtigen: Google wird keine spezifischen Fensterpartien unkenntlich machen, sondern die komplette Außenfassade eines Hauses verpixeln, sobald ein valider Antrag dazu eingegangen ist - selbst dann, wenn andere Bewohner kein Problem mit Street View haben.

Angenommen, die Zahl der eingegangenen Widersprüche liegt derzeit zwischen 200.000 und 300.000 (das wäre meine Interpretation von "Hundertausende Bürger"), dann erscheinen bis zum Ablauf der Frist am 15. Oktober 400.000 Widersprüche durchaus vorstellbar. Von diesem Wert muss man eine in ihrer Höhe unbekannte Summe an Widersprüchen abziehen, die von verschiedenen Wohnungseigentümern oder Mietern aus dem selben Haus eingereicht wurden. Angenommen, 25 Prozent. Die endgültige Zahl an unkenntlich zu machenden Häuserfronten läge dann bei über den Daumen gepeilten 300.000.

Welche Auswirkungen hätten 300.000 verpixelte Häuserfassaden - von denen ein unbekannt großer Teil aus Regionen und Orten kommt, die nicht zu den 20 Street-View-Städten gehören - auf das Erscheinungsbild der 3D-Karten? Um darauf eine Antwort zu erhalten, hilft ein Blick auf statistische Angaben zur Wohnsituation in Deutschland:

Laut Statistischem Bundesamt gab es 2008 in Deutschland 40.057.869 Wohnungen und 17.950.185 Wohngebäude. Rund 15 Millionen Menschen, also ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Deutschlands, leben in den 20 von Google für den initialen Street-View-Start vorgesehenen Städten (Einwohnerzahlen von Wikipedia, Liste der Städte siehe Artikelende).

Die vom Bundesamt ebenfalls aufgeschlüsselten Gebäudezahlen pro Stadt, Landkreis und Regierungsbezirk zeigen, dass in Großstädten im Durchschnitt 9-10 Personen in einem Wohnhaus leben (z.B. München: 1.330.440 Millionen Einwohner 2009, 133.458 Wohngebäude 2008, Mannheim: 311.969 Einwohner 2009, 40.063 Wohngebäude 2008). Ergo wird Street View in den 20 Städten gut 1,5 Millionen Wohngebäude abbilden.

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Offen ist, wie viele der oben geschätzten 300.000 zu entstellenden Häuserfronten sich in den 20 von Google für Street View vorgesehenen Städten befinden. Wären es alle, würde damit jedes fünfte Wohnhaus unkenntlich gemacht werden müssen. Realistischer ist jedoch, dass nur die Hälfte der 300.000 "uniquen" Häuserfassaden in den 20 Städten zu finden sind - in diesem Fall würde jedes zehnte Wohnhaus bei Street View nicht zu erkennen zu sein. Einen Unsicherheitsfaktor in dieser Schätzung stellen staatliche, gewerbliche und industrielle Immobilien dar, welche beim Betrachter die Wahrnehmung des Verpixelungsgrads von Wohngebäuden stören könnten.

Sofern also die für mich plausibel klingenden Informationen des Spiegel stimmen und sofern meine Schätzung nicht an einem Punkt komplett daneben liegt, werden die deutschen Street-View-Metropolen zwar nicht bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, aber die Chance, in einem virtuellen Straßenzug auf die ein oder andere stark verschwomme, eine Häuserfront verbergende Fläche zu stoßen, ist groß.

Damit komme ich zur Eingangsfrage: Es ist unklar, ob Google intern einen "Verpixelungsgrad" definiert hat, ab dem der Webgigant sein Street-View-Projekt in Deutschland einstellen würde. 10 Prozent klingt für mich aber sehr nach Schmerzgrenze. Ich bin noch immer der Ansicht, dass ein Rückzug ein wichtiges Zeichen setzen und Politikern, Datenschützern und sonstigen Skeptikern spüren lassen würde, dass sie wegen ihrer Engstirnigkeit und Rückwärtsgewandtheit etwas verpassen, das Menschen in anderen Ländern mit viel Freude und ohne Nebenwirkungen nutzen können.

Zumal spätestens seit dem gestrigen "Geo-Gipfel" klar ist, dass selbst nach einem eventuellen Start von Street View in Deutschland der Ärger noch lange nicht vorbei wäre. Mit jeder Weiterentwicklung des Dienstes müsste sich das Unternehmen erneut dem (über)kritischen Blick seiner Überwacher aussetzen. Unter diesen Umständen auf dem Kartenservice ein Geschäftsmodell aufbauen zu wollen, mit dem Geld verdient werden soll, erscheint aus heutiger Sicht wie ein unerfüllbarer Traum.

Würden es de Maizière, Leutheusser-Schnarrenberger und Aigner es als Sieg betrachten, wenn Google seine Pläne für einen Street-View-Launch in Deutschland streichen würde? Zu Beginn vermutlich ja. Innerlich würden sie jedoch schnell merken, dass sie und ihr Land etwas verpassen. Eventuell braucht Deutschland ein solches Gefühl, um endlich seine digitale Trägheit abzulegen.

Die 20 Street-View-Städte: Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Kommentare

  • Thomas

    21.09.10 (04:59:07)

    Ich würde nicht so schwarz sehen. Solange Google Panoramio nicht mit den Widersprüchen abgleicht, können viele Mieter ihr Haus wieder in Street-View integrieren. ich würde das für unser Haus machen. Und wenn der Service erst mal live ist, wird sich die Aufregung legen. Viel mehr Widersprüche werden danach nicht mehr kommen.

  • Martin Weigert

    21.09.10 (05:14:17)

    Kein schlechter Workaround ;)

  • Bjoern Habegger

    21.09.10 (05:37:20)

    Es würde mich allgemein sehr wundern, würde google tatsächlich zur Überzeugung kommen, street view in Deutschland gar nicht zu starten. Die Mitbewerber schlafen nicht und das verpixeln der digitalen Bilder dürfte keinen Aufwand für google bedeuten, der wirklich ins Gewicht fällt. Man wird dort in meiner Vermutung eher denken: Wir starten, egal - auch wenn 30% der Bilder verpixelt sind - der Widerspruch wird nach und nach abebben. Und das verpixeln lässt sich zurück nehmen. Meiner Meinung nach ist google weit davon entfernt, eine Schmerzgrenze für das "stornieren" von streetview zu sehen.

  • Matthias

    21.09.10 (06:45:45)

    Ich gehe davon aus, dass sich die Masse der Widersprüche direkt auf die Städte bezieht, die demnächst online gehen sollen. Persönlich rechne ich mit deutlich mehr "Anträgen auf Verpixelung" (wobei das von Google gewählte Wort "Antrag" schon sehr staatstragend und bittstellend klingt) eingehen werden, je näher der Termin rückt. Ja, ich fände es gut, wenn Streetview und andere Datendienste floppen. Irgendwo muss es eine Grenze geben. Und da die grundlegenden Paragraphen, auf die sich Google berufen kann, aus einer Zeit stammen, als in Deutschland gerade die letzten Bauern aus der Grundherrschaft befreit wurden, gehört eine grundlegende Gesetzesreform auf die ToDo-Liste der Justizministerin. Was man so hört, wird fleissig daran gearbeitet ...

  • Bjoern

    21.09.10 (06:59:38)

    [...] dass sie wegen ihrer Engstirnigkeit und Rückwärtsgewandtheit etwas verpassen, das Menschen in anderen Ländern mit viel Freude und ohne Nebenwirkungen nutzen können. Die pauschale Aussage, StreetView sei frei von Nebenwirkungen, ist aber auch etwas engstirnig, oder?

  • Martin Weigert

    21.09.10 (07:02:29)

    Die ist nicht pauschal sondern basiert auf den Erfahrungen, die in den 20+ Ländern gemacht wurden, in denen es Street View schon gibt.

  • SmilerGrogan

    21.09.10 (07:05:59)

    Die Paragraphen auf die sich Google berufen kann halte ich alles andere als veraltet. Auch ich bin kritisch was die zunehmenden Datenberge in den unterschiedlichsten Bereichen angeht. Aber das Recht im öffentlichen Raum Fotos zu machen und diese auch zu veröffentlichen halte ich für unabdingbar in einer freien Gesellschaft. Wenn Google dies verboten werden sollte, was spricht dann dagegen, dass Firma XY die Veröffentlichung von Bildern eines Streiks verbietet, weil im Hintergrund das Firmengebäude zu sehen ist. Oder ein Energiekonzern verbietet die Veröffentlichung der Bilder einer Demonstration, weil diese vor der Geschäftsstelle des Konzerns stattfindet. Um nur zwei Beispiele zu nennen, die meiner Meinung nach eher die Position von Google in diesem Fall, denn die der Gegner, stärken. Und wenn man so hört, dass "fleissig daran gearbeitet" wird, so meinst Du bestimmt die Gespräche zur Verwendung von Geodaten. Hier sehe ich StreetView als das kleinste Problem, das dort behandelt werden sollte. Die zunehmende Erhebung und Verwenung von Positionsdaten des Handys in Ihrer, meiner und unser aller Taschen beispielsweise stellt eine ungleich größere gefahr für die Privatsphäre dar.

  • Matthias

    21.09.10 (07:08:29)

    Die Scharia wird auch in einigen Ländern mit großem Erfolg (hört man dort die Leute sagen) praktiziert, aber deswegen bin ich nicht zwangsläufig für eine Einführung in Deutschland. Entschuldigen Sie diese Polemik, aber ihre Argumentation ist genau so flach. Es gibt keine globale Kultur und Europa ist eben anders als USA. IN Frankreich regt sich extremster Widerstand gegen Streetview, ebenso in Südtirol und Trentino (Vom Rest Italiens kann ich nicht sprechen). Waren Sie denn schon in diesen "20 Ländern" und haben dort mit Betroffenen gesprochen?

  • Martin Weigert

    21.09.10 (07:16:21)

    Ich habe meinen Wohnsitz in einem dieser Länder, nämlich Schweden. Alles gut, niemand hat Probleme mit Street View, die Einbruchszahlen haben nicht im Kontext von Street View zugenommen. Niemand ist wegen Street View gestorben oder verarmt oder wurde seiner Identität beraubt. Und was Frankreich betrifft - wann hatte das Land eigentlich zuletzt ein Vorbildfunktion, an der man sich orientieren sollte?? Ich erinnere mich nicht.

  • Joachim

    21.09.10 (07:25:31)

    Leider wird das Gefühl des "Verpassens" in Deutschland nichts bewirken, dafür ist die allgemeine deutsche Gesellschaft weitaus zu träge.

  • thomas

    21.09.10 (07:30:38)

    Sollten wir tatsächlich zu träge sein, dann werden wir bald der hoch technisierten Welt weit hinterher hinken. Und was das Floppen angeht: Street View wird nicht floppen. Erstens: werden viel mehr Leute nach dem Launch den Dienst nutzen und testen, als es ohne die Diskussion getan hätten (wahrscheinlich wissen 90% dass es Street View gibt, ohne diese Diskussion wären es deutlich weniger). Zweitens: sind die Deutschen angeblich schon jetzt diejenigen, die am häufigsten den Dienst nutzen. Was soll dann erst rauskommen, wenn wir unser Land damit "erkunden" können? Drittens: wird Street View in der mobilen Navigation Einzug halten. Zumindest auf Android-Geräten ist Street View bereits zugänglich, allerdings noch nicht als turn by turn Navigation.

  • mspro

    21.09.10 (07:33:08)

    Nee, ich glaube nicht, dass die das noch stoppen. Das wäre vor allem für Google ein Gesichtsverlust, wo sie doch den Start schon angekündigt haben. Außerdem finde ich die Verpixelung als Strafe und erzieherische Maßnahme völlig ausreichend, vielleicht sogar noch besser. Wenn erstmal alle in den Hausfassaden rumsurfen wollen (was passieren wird) und das eigene Haus als einziges in der Straße geblurt ist, wird man schnell den Schuldigen suchen. Und ihn ab nun schal anschauen. Der wiederum wird sich hoffentlich selber ärgern. Die insgesamte digitale Trümmerlandschaft in Deutschland wird man schließlich den Streetviewfobikern zurechnen und die Antragsteller werden als Kleingeister, Angsthasen und vor allem als Egoisten gelten. Digitale Vandalen. Und zwar für die nächsten 3 Jahre, bis das Googleauto wieder vorbeifährt. Ich finde das sinnvoller als eine kollektive Bestrafung.

  • Ulrike Langer

    21.09.10 (07:43:25)

    Der Beitrag ist eine interessante Spekulation, aber mehr auch nicht. Er beruht auf so vielen groben Schätzungen und Unbekannten, dass eine halbwegs valide Aussage, ob und wann Google beim deutschen Streetview einen Rückzieher macht, überhaupt nicht möglich ist.

  • Henning

    21.09.10 (07:48:58)

    Ich denke auch, dass Google das jetzt durchziehen wird. Was ist gut finde. Und ich denke die hohen Hürden, die in D für solche Dienste aufgebaut werden, sichern Google auf absehbare Zeit eine Monopolstellung. Welches kleinere, vielleicht sogar in D beheimatete Unternehmen sollte ernsthafte daran denken einen konkurrierenden Dienst aufzubauen, wenn es fürchten muss jederzeit von neuen Vorschriften überfahren zu werden. Das haben die Streetview Gegner gut hin bekommen. Gibt es dazu eigentlich noch keine Verschwörungstheorie in der die These vertreten wird, dass Google selbst hinter den Protesten steckt?

  • JoSchaefers

    21.09.10 (08:02:55)

    dass sie wegen ihrer Engstirnigkeit und Rückwärtsgewandtheit etwas verpassen, das Menschen in anderen Ländern mit viel Freude und ohne Nebenwirkungen nutzen können. Sag mal, Martin, gehts noch? Google möchte etwas von den Menschen in diesem Land. Nicht umgekehrt (Nein, Street View ist kein Geschenk an die darbende Menschheit). Google hat es versäumt, die Menschen im Vorfeld zu informieren bzw. vom Nutzen (oder der Harmlosigkeit) des Dienstes zu überzeugen. Man hat die Menschen da facto vor vollendete Tatsachen stellen wollen und ist knippsend durch ihre Vorgärten gefahren. Tja, und nun wollen manche Menschen diese Bilder halt nicht im Internet sehen und lassen ihre Häuser verpixeln. Weil sie es können. Mit "Engstirnigkeit" hat das nichts zu tun, auch nicht mit "German Angst". Eher mit Desinteresse und einer ganz eigenen Meinung, was die Notwendigkeit betrifft, ein Bild des eigenen Hauses/der eigenen Wohnung ins Internet zu stellen. Ja, es ist so einfach. Man mag auch gerne diskutieren, ob Street View unter Datenschutzaspekte angreifbar ist (§ 28/§ 29 BDSG sind ja durchaus noch in der Diskussion). Fakt ist aber, dass diese Menschen letztendlich völlig unabhängig von der tatsächlichen Rechtslage eine Entscheidung für Datenschutz und Privatsphäre getroffen haben - Das ist in meinen Augen aber erst einmal positiv (Schön wäre, wenn daraus ein generelles Bewußtsein entstünde). Die massiven Kollateralschäden wären vermeidbar gewesen. @SmilerGrogan: Das Recht im öffentlichen Raum Fotos zu machen, ist richtig und wichtig. Ob ein Gesetz, das im vorletzten Jahrhundert für einzelne Fotografien (Postkarten) geschaffen wurde, im Zeitalter allzeit verfügbarer Megapixel da noch eine geeignete Grundlage ist, ist aber zumindest diskussionwürdig. Zumal es bei Street View (und anderen GeoDiensten, ja!) ja nicht um einzelne Postkarten geht, sondern um die Verknüpfung von Daten bzw. um Bilder, die - bedingt durch die von der "Panoramafreiheit" explizit nicht gedeckte Perspektive - regelmäßig den nicht-öffentlichen Bereich tangieren können. @Bjoern Habegger: Och, der Aufwand dürfte nicht ohne sein. Das ist aber nicht das Problem. Die Frage ist, ob ein Dienst, der 20 Städte großflächigem Pixelbrei anbietet, attraktiv ist - oder doch eher abschreckt. Und nein, die Verpixelung kann _nicht_ rückgängig gemacht werden. Das unverpixelte Rohmaterial wird nach einer Vereinbarung mit dem Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz gelöscht: http://www.hamburg.de/datenschutz/aktuelles/1569338/google-street-view-zusage.html

  • Bjoern Habegger

    21.09.10 (08:09:00)

    google möchte etwas von den Menschen in diesem Land? lol. Ja richtig. google ist so dreist kostenlose Services anzubieten um darauf aufbauend im nächsten Schritt Umsätze durch und für Dritte zu generieren. Da ist es wirklich dreist, wenn google denkt, man hätte die gleichen Rechte - wie jede Person in der Öffentlichkeit. Öffentliche Hausfassaden sind Eigentum der Gesellschaft, nicht eines einzelnen. In Zukunft muss ich um Erlaubnis fragen wenn ich mit offenen Augen durch eine Stadt laufe? Die Frage ob es noch geht, kann man da getrost zurück geben.

  • Matthias

    21.09.10 (08:12:28)

    Der letzte Kommentar von Bjoern Habegger zeugt leider nicht nur von Engstirnigkeit und kruden Freiheitsverständns, sondern von gerade zu militant fundamentalistischer Sichtweise. Der nächste Google-Taliban?

  • Martin Weigert

    21.09.10 (08:15:56)

    @ mspro Außerdem finde ich die Verpixelung als Strafe und erzieherische Maßnahme völlig ausreichend, vielleicht sogar noch besser Ok so kann man es auch sehen ;) @ Ulrike Danke, genau so war es gedacht: Interessante Spekulation. @ Henning Guter Punkt, den du da ansprichst. Das Lustige ist ja, dass Deutschland eines der Länder ist, in denen Google den größten Anteil am Suchmarkt hat (95 Prozent oder so). @ JoSchaefers Du kannst behaupten, das sei keine German Angst. Aber genau diese Denk- und Herangehensweise verköpert für mich German Angst. Und ganz ehrlich: Irgendwann muss doch mal Schlus sein mit dem blöden "Vorgärten"-Gerede. Zum einen besitzt ein nennenswerter Teil der Deutschen in Großstädten (um die es ja geht) keinen Vorgarten, zum anderne kann ich an jedem Vorgarten vorbeilaufen und die halbnackten Bewohner beim Kaffeekränzchen beobachten. Sogar live und in Echtzeit, jeden Tag auf's neue. Ein Problem mit einem einmal geschossenen, mit jedem Tag älteren Foto zu haben, ist da für mich einfach nicht nachvollziehbar.

  • Martin

    21.09.10 (08:21:30)

    Ich hab noch ne viel bessere Idee für die Bestrafung: Google hat ja im vorbeifahren die WLans kartografiert, also können sie den Adressen, die verpixelt werden wollen auch einen Internetanschluss (oder zumindest ein WLan) zuordnen. Und jeder der über dieses Wlan online geht, darf erst Streetview gucken, wenn er sein Haus entpixeln lässt ^^ (und, das ist nicht ernst gemeint, allein schon weil das bei Mehrparteienhäusern ja auch wieder Sippenhaft wäre)

  • Oliver Springer

    21.09.10 (09:11:57)

    Also selbst wenn die Genannten dann am Ende das Gefühl bekommen, dass Deutschland etwas verpasst - abgewogen gegen den Image-Gewinn in den für sie relevanten Bezugsgruppen spielt das kaum eine Rolle. Google hätte sich gar nicht erst auf die Verpixelung von Häuserfassaden einlassen sollen. Der Sturm wäre vorbeigegangen, denn nach einer Weile konzentrieren sich die Medien auf ein anderes Thema. An einem Tag ist es Street View, am anderen Tag ist eine Bahnhofsmodernisierung. Das Beste, was Google hätte tun können: Das Projekt offiziell für ein paar Monate aussetzen, um auf einen besseren Zeitpunkt zu warten. Sollte Street View für die Nutzer durch einen zu hohen Verpixelungsgrad unbrauchbar werden, ist das zumindest eine Chance für Konkurrenten.

  • Max

    21.09.10 (10:23:01)

    Ich finde es gibt einen großen Unterschied zwischen Systematischer Erfasssung und einem normalen Foto. Systematische Erfassung finde ich schon bedenklich (nicht nur bei Streetview) denn sie ermöglicht es mit wenig Aufwand über viele Menschen etwas zu erfahren und das vereinfacht die Überwachung. z.B. könnte ein großes Bauunternehmen während einer Baukrise einfach mal alle Fassaden nach ihren Baustilen analysieren und mit ein wenig Lobbyarbeit aufgrund von "Umweltschutz" neue Baubestimmungen veranlassen die für sie den meisten Gewinn abwerfen. Der Nutzen für Privatpersonen hingegen ist verschwindend gering. Für Navigation braucht man keine Fassadenfotos. Das man touristisch interessante Objekte/Straßen in 3D gießt finde ich durchaus sinnvoll aber warum jeder Straßenzug? ---- Das Argument das die Bilder veralten ist auch nur bedingt richtig. Immerhin testet Google schon unbemannte Flugdrohnen und wenn diese dann in wenigen Jahren solide Arbeiten wird einem monatlichen (wöchentlichen) Update sicher nicht mehr viel im Wege stehen. ---- Würdet ihr einem solchen Projekt immer noch bedingungslos zustimmen wenn es von einer Iranischen Firma durchgeführt würde?

  • Martin

    21.09.10 (10:39:52)

    zu 2) Ich glaube das mit den Drohnen ist schon lange nicht mehr aktuell, abgesehen davon, hast du schon mal bei Bing-Maps die Vogelperspektive angesehen? zu 3) Wenn diese iranische Firma sich das gleiche Vertrauen erarbeitet hat wie Google, dann ja. Google geht verantwortungsvoll mit Daten um, jedenfalls bisher, das haben sie bei passender Gelegenheit immer mal wieder bewiesen. Viele haben wahrscheinlich einfach Angst vor Google, oder was weiß ich. zu 1) Bei den kleinen Anbietern die es in Deutschland schon gibt, hat auch keiner geschrien. Und warum soll ich als Bewohner einer touristisch interessanten Straße mich im Internet wieder finden, mein Nachbar von um die Ecke aber nicht. sonst noch) Ich finde Streetview persönlich ziemlich nutzlos, aber das muss nicht heißen, dass sich nicht noch ein guter Zweck findet. Abgesehen davon zeigt es, wie verlogen die momentan regierenden sind, wenn sie Vorratsdatenspeicherung, elektronische Ausweise, Swift-Abkommen etc. unterstützen (die alle dem Bürger nichts als Nachteile bringen), aber da wo ich als Endbenutzer mal was von haben könnte (und wenn es nur ein paar lustige Minuten sind, die ich durch eine andere Stadt "schlendere") ist dann gleich "Datenschutz" angesagt. Obwohl diese Daten wesentlich unsensibler sind als andere.

  • Chama

    21.09.10 (10:51:47)

    Ich find das mit dem Widerspruch geil! ;) Ein riesiges Haus mit 13 Parteien und locker 25 Bewohnern wird bei GSV nicht auftauchen, weil 1 (!) Person (=ich) im Haus Widerspruch eingelegt hat ;) Da wird auch der Lotto-Laden unten abkotzen wenn er mit seiner hässlichen Hütte nicht mit "dabei" ist *g*

  • Martin

    21.09.10 (10:54:51)

    Doch, der Lottoladen wird auftauchen, weil Google bei Gewerbe im Erdgeschoss erst ab der ersten Etage verpixelt.

  • Ulrike Langer

    21.09.10 (11:00:53)

    Es gibt dann wahrscheinlich auch bald neue Außenwerbeformen an Hauswänden speziell für Deutschland: Riesenposter 15 x 5 Meter, Asphalthöhe bis 1. Stock.

  • Chama

    21.09.10 (11:07:10)

    @Martin: Nein, wird NICHT auftauchen. Es wird das komplette Haus verpixelt.

  • Martin

    21.09.10 (11:11:18)

    Gewerbe im Erdgeschoss bleibt sichtbar. (dritte Frage) http://maps.google.de/intl/de_ALL/help/maps/streetview/faq.html

  • Chama

    21.09.10 (12:38:46)

    @Martin: FALSCH! Widersprich mir nicht, ich habe RECHT, klar?! Wenn es ein Eckhaus ist, auf der einen Seite im EG das Lottogeschäft und auf der anderen Seite ein Privater, dann ist alles komplett verpixelt.

  • Max

    21.09.10 (17:56:28)

    1) Weil an touristischen Einrichtungen ein wesentlich höheres Öffentliches Interesse besteht. Außerdem hat man bei solch einer Lösung die Möglichkeit sich außerhalb dieser Bereiche anzusiedeln und wird somit nicht gezwungen sein privates Leben der Öffentlichkeit Preis zugeben. Für mich ist es sehr wohl ein Unterschied ob nur meine Nachbarn oder die ganze Welt mein Grundstück anschauen kann. Negative Anwendungszwecke fallen mir viele ein. Sei es die Krankenkasse die mir die Beiträge erhöht weil sie meint ein Busch bei mir im Garten sei giftig. Oder das Sortenamt kommt vorbei und meint ein Baum dieser Sorte ist in Deutschland nicht zulässig .. Es gab schon genügend EU-Gesetze die extrem Engstirnig waren. Zum Beispiel würde es viele Apfelsorten mittlerweile nicht mehr geben wenn sich alle daran gehalten hätten. Mit totaler Bildüberwachung könnte man solche Dinge dann zu großen Teilen überwachen. (auch wenn die Bilder nur alle paar Monate erneuert werden) 2) Es mag vielleicht nicht brand aktuell sein aber die Technik wird die nächsten Jahre definitiv zur Verfügung stehen. Deshalb ist es wichtig das es darüber eine ethische Diskussion gibt. Die nahezu lückenlose Überwachung ist/wird demnächst möglich sein und es ist dringend nötig, dass darüber ernsthaft diskutiert wird was wir als Gesellschaft wollen oder nicht. Ich bin nicht scharf drauf das mein Mittag schon fertig ist weil der Restaurantbesitzer wie jeder andere auch schon weiss das ich auf dem Weg zu ihm bin. Oder das mein Bankberater mich direkt von der Arbeit abholt weil er weiß wann ich Schluss habe. Oder das mir im Gefängnis mein Lieblingsessen serviert wird weil ich mal nicht die Regierungsmeinung vertreten habe. 3)Verantwortungsvoll vielleicht, aber wenn sie gezwungen werden, müssen sie die Daten auch rausgeben. (http://latimesblogs.latimes.com/technology/2010/06/google-turning-over-wifi-data-to-three-european-countries.html oder es wurden auch schon Terroristen wegen GoogleDocs-Dokumenten verhaftet da finde ich leider den Link gerade nicht) Aber google ist auch wirklich gut darin ihr wirkliches (Daten-)Potential zu verbergen. Vielleicht kann sich noch jemand an die Virusverbreitungsvorhersage aufgrund der Analyse der Suchbegriffe erinnern. Ein weiterer Grund warum ich skeptisch gegenüber google bin ist ihre Philosophie erst einmal machen und dann auf Einsprüche/Rechtsbrüche reagieren. Bei den Bilder-Copyright hat google recht bekommen weil sie eine nicht standardisierte Möglichkeit anbieten das sie deine Bilder nicht benutzen. Insgesamt finde ich die aktuellen Copyright regeln auch alles andere als Zeitgemäß aber die durch das Urteil zustande gekommene Regelung das wenn man etwas technisch bekommen kann und eine Möglichkeit anbietet es zu unterbinden darf man es kostenlos nutzen, finde ich absurd. Es gibt mehrere 1000 Suchmaschinen und jede kann einen eigenen Mechanismus anbieten. weitere Beispiele: Google-News http://www.heise.de/newsticker/meldung/Nachrichtenagentur-AFP-klagt-gegen-Google-146125.html

  • LifeScienTology

    21.09.10 (19:26:24)

    Ein wunderbarer Gedanke! Sowohl "digitaler Vandalismus" als auch Erziehungsmaßnahme :-)

  • Christian

    21.09.10 (23:24:40)

    Aber das ist doch total doof, wenn ein einzelner Spießer in einem Mehrfamilienhaus Einspruch einlegt, und alle anderen die eine Veröffentlichung befürworten, ärgern sich über den deutschen Begriff von Datenschutz... Die Deutschen sind offenbar gut darin, kleine Problemchen groß zu reden, und VIEL größere Probleme wie die staatliche Überwachung oder Handy-Bewegungsdaten (nur 2 Beispiele von vielen!) aus Mangel an Sachkenntnis zu übersehen.

  • Matthias

    22.09.10 (16:08:00)

    Kein Streetviein Tschechien: http://swi.li/fI5Z

  • Detailed View

    25.12.10 (17:03:34)

    Ist zwar im Frühling/Sommer besser (Licht und trockene Füße), aber ich habe mal testweise an einer Straße durch die ich fuhr ein paar unscharfe Häuser fotografiert. In der Tasche MyTracks (auch von Google ;] ) mitlaufend (oder man hat eine Kamera mit internem GPS). Mit GeoSetter dann in die Fotos die Koordinaten (aus der Gpx-Datei aus MyTRacks) schreiben, und bei Panoramio hochladen. Ups, schon wieder ein Google-Dienst ;] . Etwas warten, und Google übernimmt die Fotos in Earth, Maps und Stret View. Zugleich habe ich natürlich noch die App "Wardriving" für Android mitlaufen lassen. Und nicht zu vergessen die Namensschilder/Briefkästen von nahem zu fotografieren. In die Briefkästen einen Zettel (http://goo.gl/G9UzS z.B. 9x auf ein A4-Blatt gedruckt, kann gerne von jedem verwendet werden, die Nummer am besten so lassen) mit erfundenem Produktnamen und dem Glückwunsch dass die Wohnadresse nun fotografiert wurde, und mit Infos zu Bewohnern und WLAN-Netzwerken online abrufbar sein wird. Darunter noch eine reguläre Festnetznummer mit AB, real klingender Computersyntheseansage (Voice-Studio-Demo), und jetzt mal abwarten ob da irgendeiner seinem Unmut Luft macht. Evtl. noch mit Nennung des Namens, Adresse und Rufnummer. Zumindest die Rufnummer werden einige wohl übertragen. Ein Spaß für YouTube und Co..

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