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02.10.13Leser-Kommentare

WhatsApp rückt Facebook weiter auf die Pelle: David gegen Goliath

WhatsApp und Facebook befinden sich auf Kollisionskurs. Es ist das klassische David-gegen-Goliath-Szenario.

Facebook vs WhatsAppFür Anwender in Europa und auf einigen anderen Erdteilen kommt es wahrlich nicht überraschend, zu hören, welche Reichweite WhatsApp mittlerweile aufgebaut hat. Die US-Amerikaner hingegen haben den Aufstieg des pressescheuen Dienstes bisher primär von der Seitenlinie beobachtet - trotz der kalifornischen Herkunft - und sind jetzt ganz überrascht, dass selbst Social-Network-Gigant Facebook in der Gunst bestimmter Nutzergruppen hinter die Chat-App zurückfällt.

"Plötzlich sieht WhatsApp nach einer riesigen Bedrohung für Facebook aus", so titelte Business Insider gestern, und verweist auf eine Reihe von aktuellen, sich als Indiz für diese These eignenden Meldungen. Aus diesen erfahren wir unter anderem, dass die Anwendung des Startups aus Mountain View in Südafrika das dominierende soziale Netzwerk ist und dass auch Israelis völlig auf den Dienst abfahren. Passend zu diesem Sammelsurium aus internationalen Erfolgsberichten zu WhatsApp macht dieser Tage auch eine Umfrage unter 2500 Studenten im Alter von 18 bis 25 Jahren die Runde in der deutschen Presse. Nach dieser verwenden junge Menschen die US-App mehr als eine Stunde täglich; deutlich länger als Facebook: Das Social Network kommt auf 44 Minuten pro Tag. Zum Vergleich: Telefonate und SMS bringen es nur noch auf 13 Minuten am Tag.

Schon länger wird in Medien und Fachkreisen vermutet, dass Facebooks Anziehungskraft auf junge Leute nachlässt. Jüngst befeuerte eine Studie aus der Schweiz diese Theorie. Die aktuelle Untersuchung, deren Repräsentativitätsgrad nicht bekannt ist, legt zumindest nahe, dass WhatsApp sich in dieser Altersgruppe als essentiellste soziale Applikation hat etablieren können. Im August kam eine Hochrechnung des von Focus Online zusammen mit Statista erstellten "App Monitor" zu dem Schluss, dass WhatsApp erstmals den Spitzenplatz der am meisten genutzten mobilen Anwendungen in Deutschland erklommen und Facebook mit einem Vorsprung von rund einer Million Nutzern hinter sich gelassen hat. In den Vormonaten hatte sich eine derartige Entwicklung schon angedeutet.

Wenn nun auch die US-amerikanische Presse auf den Aufstieg des konzeptionell fast schon peinlich simplen Messengers aufmerksam wird, dann könnte dies den Beginn eines WhatsApp-Eroberungszuges auch auf der anderen Seite des Atlantiks einleiten. Selbst wenn die dort verbreiteten SMS-Flatrates sowie der größere Marktanteil von iMessage als Folge einer ungebrochenen iOS-Dominanz in den USA die Nachfrage nach Smartphone-Messengern bisher geschwächt hat. Doch gerade bei Gruppenchats, wo die Wahrscheinlichkeit von Teilnehmern mit anderen Betriebssystemen hoch ist, punktet WhatsApp.

Je mehr Nutzer WhatsApp gewinnen kann und je mehr Zeit diese mit der Anwendung verbringen, desto stärker geht der Dienst auf Kollisonskurs mit Facebook. Denn trotz der initial unterschiedlichen Positionierungen gibt es im Zuge des Wechsels vom Desktop zum mobilen Gerät immer mehr Bereiche, in denen sich die zwei Angebote überlappen. Freilich, bei WhatsApp finden sich keine Fanpages, Markenpräsenzen und Selfies auf der Suche nach Validierung. Doch wahrscheinlich ist es genau das, was User an dem sich durch eine Nutzungsgebühr finanzierenden Chat-Messenger schätzen.

WhatsApp, der 2009 gegründete, bisher verkaufsunwillige David mit seinen gerade einmal 70 bei LinkedIn gelisteten Mitarbeiter , gegen den börsennotierten Goliath Facebook. Diese Story verspricht - mit einem potenziellen "Nebenstrang", nämlich der Expansion des WhatsApp-Wettbewerbers Line - einen überaus spannenden Herbst/Winter 2013. /mw

(Foto: Big Cargo ship with fast small boat, Shutterstock)

Kommentare

  • Julian

    02.10.13 (11:16:39)

    "mit seinen gerade einmal 70 bei LinkedIn gelisteten Mitarbeiter" Wieviele Mitarbeiter wären denn okay? Ich finde 70 schon bermerkenswert hoch. Whatsapp ist für mich eine einfach Chatanwendung, die auch nicht sonderlich oft geupdated wird. Weder Support noch großes Marketing sind da vonnöten.

  • Martin Weigert

    02.10.13 (15:08:01)

    Korrekt, bedenkt man was WhatsApp leistet, würden viele hundert Mitarbeiter etwas seltsam wirken. Wobei man Skalierung und den damit verbundenen Arbeitsaufwand nicht unterschätzen sollte. Ich möchte mit diesem Vergleich aber einfach die Größenunterschiede der beiden Firmen deutlich machen und damit die David vs Goliath-Metapher stärken.

  • Daniel

    02.10.13 (21:29:19)

    Vor ein paar Monaten ging das Gerücht um "Facebook will Whatsapp für $1B kaufen". Besonders bemerkenswert finde ich, dass Whatsapp anscheinend recht profitabel wirtschaften kann durch die kostenpflichtige App im 2. Jahr. Laut Crunchbase hat Whatsapp bisher nur $8Mio an Finanzierung gebraucht (http://www.crunchbase.com/company/whatsapp) Wenn Whatsapp es schafft das Produkt Stück für Stück in ein soziales Netzwerk zu erweitern und Komponenten wie Dating/Öffentliche Fotos hinzufügt könnten sie tatsächlich eine große Gefahr für Facebook werden. Für die Investoren und Gründer wird sich wohl jedes Szenario (Exit oder Produkterweiterung) wohl monetär ordentlich lohnen.

  • Thomas Müller

    03.10.13 (17:58:23)

    WhatsApp könnte sich in Richtung WeChat weiterentwicklen. Das nimmt heute in China schon eine marktbeherschende Zwitterrolle zwischen Messenger-App und Facebook Ersatz ein.

  • Heidi

    07.10.13 (07:41:13)

    bq. Stück für Stück in ein soziales Netzwerk zu erweitern und Komponenten wie Dating/Öffentliche Fotos hinzufügt Es ist vielleicht genau das, was die Nutzer nicht wollen und deshalb Whatsapp bevorzugen.

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