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23.12.11Leser-Kommentare

Wertschöpfung bei Medienproduktionen: Die Spielregeln verändern sich

Die Spielregeln, nach denen Medienproduktionen finanziert und monetarisiert werden, verändern sich rasant. Drei aktuelle Beispiele illustrieren dies.

 

Im digitalen Zeitalter werden die Spielregeln der Medienwelt neu definiert - sowohl direkt in Form veränderter Wertschöpfungsketten, als auch indirekt in Folge sich wandelnder Wertvorstellungen und bisher nicht existenter Wege der Vernetzung und Partizipation. Neu ist diese Erkenntnis nicht, wird einem aber dieser Tage anhand von drei aktuellen, erfolgreichen Experimenten der Monetarisierung und Finanzierung von Medienprodukten wieder einmal deutlich vor Augen geführt.

Den Anfang machte der US-Standup-Comedian Louis Szekely alias Louis C.K, der seit knapp zwei Wochen in Eigenregie ein kopierschutzfreies Video eines Live-Auftritts für fünf Dollar auf seiner Website zum Kauf (und zusätzlich zweimaligem Streaming) anbietet. Nach zwölf Tagen hat der bekannte Komiker mit der Aktion, die von reichlich medialer Aufmerksamkeit begleitet wurde, eine Million Dollar umgesetzt (nach dem Abzug der PayPal-Gebühren).

Ein Viertel davon sind nach seiner Aussage Kosten für die Produktion, ein weiteres Viertel zahlt er als Bonus an sein Team aus, 280.000 Dollar will er an gemeinnützige Organisationen spenden und die verbleibenden 220.000 Dollar selbst behalten. Mit einem Filmstudio, das traditionell die Vermarktung und den Verkauf derartiger Projekte übernimmt, muss Louis C.K nicht teilen, was für seine Fans ein günstigeres Produkt und für ihn deutlich höhere Erlöse bedeutet.

Spreeblick-Blogger Johnny Haeusler startete wenige Tage nach Louis C.K ein nicht unähnliches Unterfangen: Seitdem verkauft er sein erstes E-Book "I Live By The River" mit 15 von ihm verfassten Geschichten ohne zwischengeschalteten Großverlag zu einem Preis von 0,99 Euro bei Amazon (fairerweise sei angemerkt, dass Spreeblick selbst als Verlag auftritt). Mittlerweile gibt es den Titel auch in Apples iBook-Store. Weitere E-Book-Shops sollen folgen - der Preis bleibt immer gleich.

Der letzte Zwischenstand vom Mittwochabend: Bei Amazon gingen 1271 Exemplare über den virtuellen Ladentisch, was Platz 7 in der Kindle-Bestseller-Liste bedeutet (ein Ziel von Haeusler war es, herauszufinden, wieviele Verkäufe für die einzelnen Rankingpositionen erforderlich sind). In Apples iTunes-Store landete der Titel mit 215 erworbenen Exemplaren direkt auf dem ersten Platz der Rangliste kostenpflichtiger iBooks.

Abgesehen von der 30-prozentigen Umsatzbeteiligung (bei Apple) (die auch bei Amazon zum Tragen kommt) [Update] Johnny Haeusler erklärte uns, dass bei Amazon die 70-Prozent-Regel erst ab einem Verkaufspreis von 2,99 Euro greift, darunter bleiben für den Autor 35 Prozent. [Update Ende] gilt wie im Falle von Louis C.K: Teilen muss Hausler anschließend nur mit denjenigen, die aktiv an der kreativen Erstellung des E-Books beteiligt waren, weshalb er sein Erstlingswerk zu diesem günstigen Preis anbieten und vor allem eigenständig über die Distributionskanäle und -methoden entscheiden kann. Gleichzeitig nutzt er seine Prominenz in der deutschsprachigen Blogosphäre und alle verfügbaren Social-Media-Kanäle, um fleißig für die Aktion zu trommeln und die Verkaufszahlen des Buches in die Höhe zu treiben.

Während diese zwei Beispiele das enorme Potenzial des Selfpublishing und des Eigenvertriebs als alternative Monetarisierungsform von Kreativarbeiten unterstreichen und speziell im Fall von Louis C.K beweisen, dass von einem grundsätzlichen Mangel an Zahlungsbereitschaft nicht die Rede sein kann, zeigt die deutsche Comedyserie Stromberg, wie sich ein mit hohen Produktionskosten versehener Kinofilm partiell durch Anhänger vorfinanzieren lässt:

Über 3.000 Privatinvestoren sind dem Aufruf der Produktionsfirma Brainpool gefolgt und haben innerhalb von einer Woche eine Million Euro zusammen getragen, die als ein Teil zur Gesamtfinanzierung eines Stromberg-Kinofilms erforderlich waren. Die Geldgeber werden dann an den Erlösen des Streifens beteiligt.

Dieser sogenannte Crowdfunding-Ansatz erfreut sich wachsender Beliebtheit und kann zur Vorfinanzierung unterschiedlichster Projekte eingesetzt werden - von Startups über physische Produkte und Spiele bis hin zu Musik. Im Bezug auf Stromberg spricht Brainpool, dem es nicht nur um das Kapital sondern auch den Marketingeffekt gehen dürfte, vom bislang größten Fall von Schwarmfinanzierung.

Finanzierung und Monetarisierung sind zwei entscheidende Aspekte von Medienproduktionen. Während die Akteure in allen drei Fällen von ihrer (innerhalb der jeweiligen Zielgruppe) bereits starken "Marke" profitieren konnten und somit gegenüber unbekannten Medienschaffenden/-projekten im Vorteil sind, ist die entscheidende Erkenntnis, dass die Wertschöpfung in der Medienwelt des 21. Jahrhunderts nicht mehr zwangsläufig nach altbekannten Mustern ablaufen muss. So offensichtlich dies für regelmäßige Leserinnen und Leser von netzwertig.com klingen mag, so schwer tun sich die in Frage gestellten Institutionen mit dieser Realität. Es ist daher wichtig, auf erfolgreiche Experimente hinzuweisen und so andere Beteiligte der Kreativindustrie zum Denken in neuen Bahnen zu inspirieren. Denn wer das nicht kann, wird untergehen.

(Foto: Flickr/Images_of_Money/TaxBrackets.org, CC BY 2.0)

Kommentare

  • DJ Nameless

    24.12.11 (03:04:03)

    Martin Weigert schrieb: "die Akteure in allen drei Fällen von ihrer (innerhalb der jeweiligen Zielgruppe) bereits starken “Marke” profitieren konnten und somit gegenüber unbekannten Medienschaffenden/-projekten im Vorteil sind" Und da haben wir das Problem doch schon wieder: Wer in seiner Zielgruppe bereits bekannt IST, dürfte m. E. auch keine Schwierigkeiten haben, seine neuen Werke im Eigenvertrieb zu vermarkten. Bei Radiohead z. B. hat es ja auch super funktioniert. Nur waren die bereits seit über einem Jahrzehnt mit einem millionenschweren Major-Vertrag und in den großen Fernseh- und Radiosendern präsent. Bei neuen Leuten, die noch ganz am Anfang stehen, kann das aber nicht mehr funktionieren. Jeder "Depp" kann heute jeden Sch*** ins Netz stellen, und ich würde mich verarscht vorkommen, wenn ich einer unbekannten Band Geld für einen Song vorschießen würde, und am Ende dann nur einen Song über's F*cken oder völlig zusammenhangloses Geklimper bekäme. Dieses Problem bestand früher nicht, weil der limitierte Zugang zu den Presswerken auf natürliche Weise dafür sorgte, dass solcher "offensichtlicher Schrott" gar nicht erst veröffentlicht wurde. Das war auch z. B. bei Computerspielen der Grund, weshalb Spiele wie Pong, Tetris oder Lemmings zu Verkaufsschlagern entwickeln konnten, auch wenn man nicht wusste, wer die Entwickler waren. Die natürliche Ressourcenbegrenzung sorgte dafür, dass schon geringfügig schlechtere Spiele gar nicht erst auf den Markt kamen. Zudem übersehen viele Crowdfunding-Verfechter, dass in vielen Kulturbereichen diese personenbezogenen "Fanbase"-Geschichten nicht ausgeprägt sind. Letztes Jahr hatten z. B. Yolanda Be Cool mit "We No Speak Americano" einen Riesen-Hit und damit eine Menge Geld gemacht. Eine Fanbase haben sie aber nicht geschaffen, und schon ihre zweite Single ist gnadenlos gefloppt. Ist aber vielleicht auch nicht sooo wichtig, da sie rein finanziell erstmal ausgesorgt haben. Aber selbst die erste Hit-Single hätte doch garantiert nicht durch Crowdfunding entstehen können! Und das übersehen viele... Zumindest der Großteil meines Bekanntenkreises ist nicht der "Fan", der bestrebt ist, von einem bestimmten Künstler alles zu kaufen, was der auf den Markt haut; sondern es wird produktabhängig gekauft, was einem gefällt. So unterschiedliche Künstler wie Freddy Mercury, DJ Ötzi, Tom Hanks oder eben Martin Weigert haben Werke gemacht, die mir gefallen, als auch solche, die ich links liegen lasse. Dabei will ich das Material an sich nicht schlecht reden (anderen gefällt es ja vielleicht). Fakt ist aber, dass ich mich auch bei einem Martin Weigert oder Marcel Weiß keinem Crowdfunding anschließen würde, obwohl ich hier gerne lese. Weil ich mich schlicht nicht drauf verlassen kann, dass auch der nächste Artikel top ist. Vielleicht tauchen nächste Woche auf anderen Blogs drei bessere Artikel auf. Die "Konkurrenz" ist ja nur einen Mausklick entfernt. Und so kommt es auch, dass sich bislang noch KEIN EINZIGES Produkt, sei es ein Musikstück, Film, Text, Buch etc. geschafft hat, AUSSCHLIEßLICH durchs Internet bekannt zu werden. Selbst Rebecca Black ist nur durch das "Friday"-Video, wo sie sich zum Affen macht, so berühmt geworden. Dabei ist es im Grunde ein guter, "normaler" Durchschnitts-Popsong. Aber man stelle sich mal vor, das Mädel hätte das Video nicht online gestellt (weil kann ja jeder raubkopieren), sondern hätte einfach eine Internetseite mit folgenden Worten aufgemacht: "Hi, ich bin Rebecca Black, mache Popmusik, und ich habe einen Song namens "Friday" komponiert. Ich bitte Euch, Geld auf mein Konto Nr. XXXXX, BLZ XXXXX zu überweisen. Sobald 1000 Euro eingegangen sind, erhaltet Ihr den MP3-Download-Link!" Ich bin mir sicher, dann würde NIEMAND heute Rebecca Black kennen!!! Nur dank des kostenlosen Downloads konnte ich von diesem Song erfahren, und freue mich nun, ihn zu haben. Dass die meisten Leute über das Mädchen nur spotten, ist mir schnurzegal, weil mir die Platte gefällt. Aber auch hier würde ich mich nicht an Crowdfunding beteiligen, weil ich eben nicht absehen kann, ob die nächste Platte mir auch zusagt. DJ Nameless

  • Andy Lenz

    24.12.11 (10:54:24)

    Feiner Artikel! Inzwischen gibt es hunderte solcher Beispiele. Das Netz hat einfach alle Vertriebhürden ausgeknippst! :) Ein Schwerpunkt der aktuellen t3n Ausgabe behandelt das Thema "Media Future". Den Leitartikel "Media Future: Das Netz der Selbermacher" von Ulrike Langner gibts hier 4free: http://t3n.de/magazin/media-future-netz-selbermacher-228576

  • DJ Nameless

    24.12.11 (14:24:08)

    Auch der von Andy Lenz verlinkte Artikel schreibt im Grunde auch dasselbe. Zudem kommt man auch dort zum Ergebnis, dass Crowdfunding & Co. praktisch nur bei extrem originellen Produkten mit sehr starker Fanbindung funktionieren kann. Der Großteil des Kulturangebots fällt aber eben NICHT darunter. Bereits vor drei Jahren schrieb ein gewisser Bernd das hier: http://netzwertig.com/2009/01/26/wie-musiker-mit-dem-web-geld-verdienen-antworten-auf-kritikpunkte/#comment-37499 (Posting 11 ist gemeint) Leider kam in den ganzen drei Jahren (hier bei Netzwertig sowie anderswo) nicht EIN EINZIGER Vorschlag, der Refinanzierungsvorschläge für Musik bzw. andere Kulturgüter aus Genres, wo es keine Fanbindung gibt. Wie wäre es, wenn Martin Weigert, Marcel Weiß oder ein ähnlicher sich hier mal zu diesem Thema äußern würde? Es wäre mal an der Zeit für einen Artikel "Wie Studiomusiker, die austauschbare, unpersönliche Musik ohne Fanbindung machen, in Zeiten des Internets Geld verdienen können". Diese Musik macht nämlich heute den größten Teil des Musikmarktes aus (gilt für andere Kulturbereiche wie Buch und Film ebenso), und solange es keinen solchen Artikel gibt, ist die gesamte Debatte nicht ernstzunehmen. Kulturprodukte mit persönlicher Fanbindung sind eine Ausnahme, die für die meisten Angebote nicht zutrifft.

  • Martin Weigert

    24.12.11 (14:32:31)

    Ich glaube, du siehst das zu verbissen. Klar wird nicht jeder in der Lage sein, sich eine loyale Anhängerschaft aufzubauen und zu monetarisieren. Einem prozentual kleinen Teil gelingt dies aber. Und für diese Gruppe bieten sich heute bessere Möglichkeiten der Eigevermarktung als jemals zuvor.

  • Max

    25.12.11 (09:44:49)

    " Jeder “Depp” kann heute jeden Sch*** ins Netz stellen, und ich würde mich verarscht vorkommen, wenn ich einer unbekannten Band Geld für einen Song vorschießen würde, und am Ende dann nur einen Song über’s F*cken oder völlig zusammenhangloses Geklimper bekäme. " Ich habe schon viele Projekte unterstützen ob mit meiner Zeit oder Geld sei mal dahin gestellt, man kann aber nicht erwarten das alles immer super brillant wird. Eine Quote von 50% mit brauchbaren Ergebnissen ist wesentlich realistischer. Ich finde die "Ich habe Geld bezahlt also bin ich der König"-Mentalität überzogen. Viel zu wenige sind breit auch mal ein Risiko einzugehen und auch den Totalausfall hinzunehmen. Wenn ich für etwas 100,200 oder auch 1000€ investiert habe und es wird dann nichts ist das sicher nicht toll und ich werde auch schauen warum es nichts geworden ist um beim nächsten Mal besser abschätzen zu können ob das Projekt realistische Chancen hat was zu werden, aber verschlechtert der Verlust meine Lebensqualität nachhaltig? Nein! Wenn von 10 Projekten die ich unterstütze 1 richtig gut und 2-3 weitere brauchbar werden und die restlichen 6-7 Totalausfälle sind dann freut mich das trotzdem, denn ohne mich würde es das eine tolle Projekt vielleicht nicht geben. Man braucht nur seine eigenes Leben zu betrachten.. Sind alle Sachen die ich gemacht habe Geniale Sachen gewesen? Sicherlich nicht, aber auf ein paar Sachen kann ich schon stolz sein.

  • Max

    25.12.11 (10:44:03)

    “Wie Studiomusiker, die austauschbare, unpersönliche Musik ohne Fanbindung machen, in Zeiten des Internets Geld verdienen können”. 1. Variante: Ich suche mir eine andere Branche die nicht so überlaufen ist. 2. Ich versuche die Qualität meiner Werke zu erhöhen, denn bei Qualitativ hochwertigen Sachen wird auch immer der Macher im Hintergrund interessant. 3. Wenn ich ein austauschbares Produkt habe muss ich mit den Abnehmern (DJs) sehr gute Kundenpflege betreiben und verschiedene Kooperationen anbieten um sie langfristig an mich zu binden. (z.B. spezielle Varianten für den speziellen DJ oder Erstveröffentlichung...) 4. Ich versuche aus der Anonymität heraus zu treten und baue "Markenzeichen" in meine Musik ein. Zu diesen Dingen müssen dann leicht weitere Informationen im Netz gefunden werden können. Über die man dann neben kostenlosen Dingen auch bezahlte Dinge anbietet. (z.B. sollte meine Musik via shazam und co. identifizierbar sein) Im Grunde genommen ist es wie bei jedem anderen Unternehmen auch .. man muss Vorfinanzieren, Qualität liefern und sich um den Absatz und die Kundenpflege kümmern. Nehmt euch die Softwarebrache als Vorbild da hätte auch niemand vor 5 Jahren gedacht das online aber Milliarden an € in den App-Stores der Welt bezahlt werden obwohl die Software noch immer relativ leicht kopierbar ist.. der Aufwand ist für 2-3 € einfach viel zu hoch.

  • DJ Nameless

    26.12.11 (03:14:37)

    Martin Weigert schrieb: Klar wird nicht jeder in der Lage sein, sich eine loyale Anhängerschaft aufzubauen und zu monetarisieren. Einem prozentual kleinen Teil gelingt dies aber. Und für diese Gruppe bieten sich heute bessere Möglichkeiten der Eigevermarktung als jemals zuvor. Dass es diese kleine Gruppe an Leuten gibt, bestreite ich ja nicht. Allerdings reden wir bei diesen Geschichten von vielleicht 0,1 Promille der Anbieter. Die sollte man m. E. getrost als "Ausnahme-Erscheinung" abhaken, und sich um den "normalen Durchschnitt" kümmern. Auch das Zitat von Max: Im Grunde genommen ist es wie bei jedem anderen Unternehmen auch .. man muss Vorfinanzieren, Qualität liefern und sich um den Absatz und die Kundenpflege kümmern. sehe ich kritisch. Vorfinanzierung ist in immer mehr Branchen zu riskant geworden, wenn 99% der Angebote floppen. "Qualität" ist im Kreativsektor (und um den geht es ja hier) eine reine Geschmacksfrage - und gerade in der Popkultur ist oftmals gerade das qualitativ minderwertige am Erfolgreichsten (oder warum verkauft Dieter Bohlen mehr als Telemann?). Das "um Absatz und Kundenpflege kümmern" ist in vielen Bereichen Humbug. Das "Kümmern" beschränkt sich doch nur darauf, dafür zu sorgen, dass der Download-Server immer erreichbar ist. Die Frage ist aber: Wie kann ich als Anbieter mit meinem beschränkten Werbebudget die Leute dazu bringen, in der Angebotsfülle ausgerechnet MEINEN Song oder Film zu laden? Die nicht repräsentativen 0,1 Promille von Protagonisten (siehe Martin Weigerts Zitat) mal ausgeklammert. Dann sagte Max noch: Ich finde die “Ich habe Geld bezahlt also bin ich der König”-Mentalität überzogen. Viel zu wenige sind breit auch mal ein Risiko einzugehen und auch den Totalausfall hinzunehmen. Wenn ich für etwas 100,200 oder auch 1000€ investiert habe und es wird dann nichts ist das sicher nicht toll und ich werde auch schauen warum es nichts geworden ist um beim nächsten Mal besser abschätzen zu können ob das Projekt realistische Chancen hat was zu werden, aber verschlechtert der Verlust meine Lebensqualität nachhaltig? Nein! Also aus meiner Sicht ist das blanker Humbug. Ich habe schlicht nicht das Geld, um dauernd hunderte von Euro für die Katze im Sack zu investieren, nur um dann festzustellen, dass 90% Schrott ist. Mit "Abschätzen" geht da auch nichts, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass fast jeder Anbieter von Top-Ware bis Müll alles anbietet. Hier mal ein Beispiel, das hier wohl jeder kennt: Google Earth und die Fotos: So habe ich über die bei Google Earth hinterlegten Panoramio-Fotos schon Bilder gefunden, miz denen ich Eindrücke von Sehenswürdigkeiten bekommen habe, und die mir mehr weitergeholfen haben als Reiseführer. Vielfach sind es spezielle Sachen, die die bekannten Führer aus Platzmangel einfach nicht unterbringen können, bzw. sie für die breite Masse zu speziell sind. Da die Bildinhalte jedoch nicht seitens Panoramio überprüft wird, muss man sich auch durch viel Unbrauchbares durchwühlen (einzelnes Blatt fotografiert, Strandfotos im Hochgebirge o.ä.). Da der Dienst kostenlos ist, kann ich damit leben. Sollte man jedoch z. B. eine Jahresgebühr bezahlen müssen, wäre ich da auch durchaus bereit für zu bezahlen. Aber die Möglichkeit, mit den Fotografien eventuell Geld verdienen zu können, dürfte dafür sorgen, dass noch mehr Leute da einfach nur blöden Müll hinterlegen, nur um durch die Klicks an Geld zu kommen. Wenn ich schon mein Geld blechen soll, erwarte ich auch entsprechende Qualität, bzw. bei Kreativprodukten ein Werk nach meinem Geschmack. Mein Fazit bleibt: In einem Markt, wo jeder Privatmensch jede noch so kuriose Sache via Facebook, Wiki, Youtube, Flickr, eigene Homepage, Ebay, Foren, Chats usw. fast ohne jeglichen Aufwand weltweit zur Verfügung stellen kann, bricht dieser Markt zwangsläufig zusammen - von den 0,1 Promille Protagonisten einmal abgesehen. DJ Nameless

  • Robert Frunzke

    26.12.11 (14:41:35)

    Wunderbar! Danke für die Zusammenfassung und Präsentation der Zahlen. Die zeigen (..leider auch..), das wir in Deutschland nicht den gewaltigen konsumentenstarken Markt wie in der USA haben. Aber sie zeigen recht gut, wie hierzulande der Markt - in Relation zu den USA - trotzdem profitabel sein kann. Mein persönliches Fazit wäre trotzdem: wenn ich mit "irgendeiner Form von Publishing" das große Geld verdienen würde wollen, dann sollte ich wohl zuerallererst US-amerikanisch im Schlaf beherrschen lernen, und dann meine eigentliche Idee dort - in der Rolle eines US-Amerikaners - publizieren. China wäre eine Alternative, die sogar noch eine wesentlich größere Marge versprechen würde, aber sich darauf einstellen? Für einen Europäer nicht gerade einfach...

  • Robert Frunzke

    26.12.11 (16:00:26)

    PS: Dass ein "Stromberg" hierzulande noch irgendeine Art von finanzieller Förderung bedarf ist wirklich traurig. Viele hierzulande kennen und schätzen Stromberg. Wenige wissen andererseits allerdings wieviel für Film-Förderungs-Etats über dubiose Unternehmen im bayerischen Ländle regelmäßig in Richtung USA-Westküste verklappt werden (jaja, "wir" bezahlen einen Großteil des ganzen Hollywood-Schrott-Film-Outputs sogar selbst). Und da braucht ein Stromberg-Film überhaupt noch so etwas wie Crowd-Sourcing?? (bei aller Liebe: aber Crowd-Sourcing in der Praxis dreht sich um Minimal-Beträge, ähnlich wie tägliches Betteln, da kommen vielleicht mit ganz ganz viel Liebe die Material-Kosten für einen einzelnen Kamera-Mann zusammen).

  • Robert Frunzke

    26.12.11 (18:25:57)

    Sorry, ich kann das so nicht stehen lassen. Also, wenn die Pro7Sat1-AG ihren Stromberg per Crowd-Sourcing finanzieren will, dann klingt das für mich entweder nach 1. totaler Verarsche (wie die "Finsberg"-Werbespots seinerzeit)... na klar nennt man das Guerilla-Marketing, aber mal im Ernst: man kann und darf das auch klar und eindeutig "Verarsche" nennen 2. die Pro7Sat1-AG kann es sich "in der Tat" nicht mehr leisten, eines ihrer erfolgversprechendsten Formate zu finanzieren. Was würde das wohl über Permira und KKR aussagen? Auweia, da möchte ich dann auch nicht investiert sein. Tschüss Südsee, Tschüss Yacht, Tschüss James, Tschüss Putze, Tschüss liebes, gutes Essen, Tschüss soziales High-Life, ... Nein, es ist Pkt. 1! Wie dumm müsste man sein, um für ein klein wenig mehr Profit die Fernseh-Fratze wie in Pkt. 2... Also wirklich, wie dumm nur...??? :-)

  • Robert Frunzke

    26.12.11 (20:08:28)

    Verdammt nochmal: das Stromberg-Crowd-Sourcing-Gestammel will mir nicht aus dem Kopf gehen. Crowd-Sourcing war bislang oft "nur" ein Mittel um wenig massentauglichen Projekten (oft künstlerischer Natur) eine Chance zu geben, und (gerne durch Initiatoren ignoriert: um überhaupt ihre Massentauglichkeit zu prüfen). Nach mühsamer Phase des Geld-Einsammelns fühlte sich der Initiator in der Regeln dann auch seinen Financiers verpflichtet: der eigene Name steht auf dem Spiel, das eigene Gewissen möchte sich auch nicht lumpen lassen. Aber liebe Geldgeber: WER bei der brainpool GmbH (nochmal zum mit-meißeln: xyz GMBH) soll sich denn Euren Investitionen verpflichtet fühlen, wenn doch Jeder der in dieser GmbH Angestellten Leute jährlich mindestens das 10-fache Eurer Investition verdient? Achja, ihr habt Eure "Almosen" einer GmbH geschenkt. Nach ganz klassischer Spielart wäre eine Investition in fast Jede der anderen Unternehmensarten sicherer und sinnvoller gewesen (und so ziemlich JEDER) hat in der Berufsschule gelernt, welche Vor- und Nachteile die jeweiligen Unternehmensformen haben. Bei den "Studierten" darf ich hoffentlich vorraussetzen, dass sie sich irgendwann selbst mal damit beschäftigt haben. Eure Kohle ist den Männchen und Weibchen hinter brainpool doch völlig egal. Ein winzig-kleines Werbeverträgchen ist diesen Menschen doch wesentlich einträglicher, und dadurch letztendlich wichtiger als Eure paar Tausend Euronen. Ihr glaub doch nicht wirklich, dass all die "lustigen Kasperle", die im Pro7-Sat1-Moloch noch aktiv sind, das aus Spaß und Liebe zu Euch machen? Ihr Vollidioten! Vielleicht erinnert sich ja jemand in 2-3 Jahren noch an meine Worte. Bis dahin glaubt doch was ihr wollt. Aber: eine brainpool GmbH (=die Produktionsfirma einer Pro7Sat1-Company, die immer prinzipiell zu allererst gefragt wird) finanziell zu unterstützen, wo man doch ganz nebenbei auch wissen sollte, dass Pro7Sat1 den (seit rot-grün) sogar politisch-inkorrektesten Firmen-Konsortien dieser Welt, sogenannten "Heuschrecken" gehört.. Euch ist schon so ungefäühr klar, wie Pro7Sat1 aktuell funktioniert? Ach, es reicht: Fazit: meine Nachricht an jeden Crowd-Sourcing-Financier des Stromberg-Filmes: Ihr habt so richtig tief in die Scheiße gegriffen. Wahrscheinlich bekommt ihr Euer Geld auch mal zurück, aber ich hoffe auch, dass Ihr Euch bewusst macht, was Ihr getan habt, und wie Ihr es getan habt! Muhahahaha...

  • DJ Nameless

    26.12.11 (21:23:57)

    Robert Frunzke schrieb: totaler Verarsche Vor ein paar Jahren dachte ich das auch noch. Aber ich habe mittlerweile rausgefunden, dass die Pro7Sat1-AG kann es sich “in der Tat” nicht mehr leisten, eines ihrer erfolgversprechendsten Formate zu finanzieren. wohl eher zutrifft. Auch wenn schon viele Leute Stromberg kennen: Es ist nicht mehr so wie in den 80ern, dass solche Leute besonders relevante "Megastars" sind. Auf die gesamte Masse gesehen kennt die kaum einer. Im Endeffekt verkaufen sie heute als "Hit" weniger als ein Underground-Produkt vor 20 Jahren. Das scheint den meisten Leuten nicht richtig bewusst zu sein, habe ich den Eindruck. Und dieser Trend setzt sich weiter fort.

  • Robert Frunzke

    26.12.11 (21:53:34)

    Wow, wenn die Situation wirklich so düster aussieht, dann erklärt das Einiges. Ich würde trotzdem keinen Stromberg-Film auf die gegebene Art und Weise mit-finanzieren wollen - nur und ausschließlich dann, wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen auch für mich OK wären (für einen fähigen Anwalt und der Gründung einer klassischen, für diesen Zweck geschaffenen KG oder AG sollte das Geld ja wohl reichen...). Und mal "ganz unter uns" (und doch ganz öffentlich) ausgesprochen: das, was brainpool uns da als crowdfunding verkaufen will grenzt schon nah an ein klassisches, widerwärtig betrügerisch stinkendes MLM-System: http://www.myspass.de/myspass/specials/stromberg-kinofilm/investieren/ Ja, ich übertreibe. Aber auch nur, weil brainpool seine "tolle Idee" nicht in die Zwänge einer der klassischen Unternehmensformen quetschen mag. Kurzum: brainpool mag offenbar nicht nach den Regeln spielen? Fragt man sich doch, warum wohl? Dabei spiegeln eben solche diese Regeln doch die höchsten Errungenschaften unserer sozialen Marktwirtschaft wider. Diese Regeln geben /JEDEM/ eine Chance - wenn mann denn auch will. Wenn ich z.B. als kleiner Unternehmer Kapital aufnehmen will, dann gehe ich eben genau einen der klassischen Wege (abseits dieser Wege erheische ich ja auch schnell den Vorwurf der Unseriösität, oder werde sogleich als Betrüger eingestuft, was meine Chancen zumindest innerhalb des regionalen Marktes ungemein und auf ewig mindert). Brainpool mag das nicht, und geht Wege, und nimmt dabei den Makel der Unseriösität in Kauf? Ja, es hat im Vergleich zum kleinen Unternehmer einen recht großen Image-Vorteil. Aber der hält auch nicht alles auf.... Für mich jedenfalls wirkt brainpool schon jetzt wie ein Haufen elendiger Stümper ;-)

  • Martin Weigert

    26.12.11 (22:21:25)

    Robert, es ist Weihnachten. Statt dich hier dermaßen aufzuregen und irgendwenn als Vollidioten zu bezeichnen, schlage ich vor, dass die dich ein wenig entspannst. Die Kommentare sollen nicht zu einem Ventil verkommen, um Agressionen herauszulassen.

  • Robert Frunzke

    26.12.11 (23:14:19)

    Hast ja Recht, Sorry.

  • DJ Nameless

    28.12.11 (15:28:16)

    Robert Frunzke schrieb: Wow, wenn die Situation wirklich so düster aussieht, dann erklärt das Einiges. Und mal “ganz unter uns” (und doch ganz öffentlich) ausgesprochen: das, was brainpool uns da als crowdfunding verkaufen will grenzt schon nah an ein klassisches, widerwärtig betrügerisch stinkendes MLM-System. Ja, ich übertreibe. Das Traurige an der Sache ist, dass du nicht übertreibst!!! Natürlich handelt Brainpool hier betrügerisch - und zwar in der Hinsicht, dass hier versucht wird, Privatleute als Investoren zu gewinnen, für ein Produkt, was sich zu 99,9% eh nicht rechnen wird. Der Punkt ist, dass in der Marktwirtschaft jedes Produkt für das Publikum nur solange interessant ist, wie es etwas "Besonderes" ist. Ich hatte es ja im Musikbereich schon erwähnt: In einer Zeit, wo jeder Musiker am heimischen Aldi-PC einen (web)radio- und clubtauglichen Dance-Track produzieren kann, geht das Interesse daran insgesamt zurück. Die ersten Underground-Techno-Platten waren qualitativ auch nicht sooo dolle, aber man konnte sie nur in sündteuren Studios produzieren, daher waren sie konkurrenzlos, was "Besonderes" und interessant. Und bei Filmen sieht es da nicht anders aus. Die aus heutiger Sicht grottenschlechten Super 8 Kameras und Projektoren, die es bis Mitte der 80er gab, waren irre aufwändig: Film schneiden, kleben, einfädeln, zurückspulen... Man wartete drei Wochen und bezahlte 20 Mark nur für das Entwickeln eines 3-Minuten-Films! Entsprechend intensiv mussten sich die Leute damit auseinandersetzen, um das Zeug überhaupt benutzen zu können. Heutzutage hingegen sind HD-Digital-Videokameras, DVD-Brenner und -Rohlinge zu Spottpreisen zu haben. Ein selbst gedrehter Film ist nichts Besonderes mehr. Und da jeder jeden Film selber irgendwo hochladen kann, kommt auch immer wieder neues Material, welches trotzdem jeweils immer weniger Interessenten findet. Viele Leute berücksichtigen auch nicht, dass die meisten Konsumenten heute einfach extrem anspruchsvoll geworden sind, weil es alles mögliche und unmögliche längst gibt. Als es in den 50ern noch kaum Schallplatten gab, konnte man die Leute auch noch mit "zwei Spuren im Schnee" abspeisen (nicht falsch verstehen: ich finde den Song gut, nur er ist unter den heute massenhaft produzierten Billigschlagern halt nichts Besonderes mehr), oder in der Zeit der ersten Computerspiele mit Tetris oder Lemmings. Würden diese Produkte erst heute, in der aktuellen Welt, auf den Markt kommen, würde sich kein Schwein mehr dafür interessieren. Denn heute dümpeln tausende Flashgame-Seiten vor sich hin, die auch alle sowas anbieten, und keines dieser Spiele wird groß bekannt. Von daher bringt Crowdfunding letztlich gar nichts, weil niemals mehr eine wirklich große Masse zusammen kommt, durch die sich so eine Aktion rechnet. DJ Nameless

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