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26.02.13

Werbefreier Twitter-Konkurrent und Identitätsanbieter: App.net öffnet sich für Gratis-Nutzer

Das ambitionierte Social Network App.net, das sich für immer von den aus einer Werbefinanzierung resultierenden Zwängen fernhalten will, hat ein Freemium-Modell eingeführt. Zahlende Nutzer können jeweils fünf zeitlich unbegrenzte Gratis-Accounts verschenken.

Mehrfach haben wir in den vergangenen Monaten über App.net berichtet, den ambitioniert mittels Crowdfunding gestarteten Microbloggingdienst mit dazugehörigem Cloudspeicher und Login-Features für externe Websites. Doch eine Eigenheit des Dienstes sorgte bisher dafür, dass nur vergleichsweise wenige unserer Leser den Service überhaupt einmal ausprobieren konnten: Denn bisher gab es mit Ausnahme eines einmonatigen Testzugangs lediglich kostenpflichtige Accounts.

Da App.net-Gründer Dalton Caldwell um jeden Preis auf eine Werbefinanzierung verzichten möchte - die bei dem Vorbild Twitter zu verschiedenen nicht Nutzerinteressen in den Vordergrund stellenden Entscheidungen führte - waren er und sein Team bisher darauf angewiesen, Umsätze durch Mitgliedsbeiträge zu generieren. Der Zugang kostet fünf Dollar monatlich oder 36 Dollar pro Jahr. Auch wenn dabei zehn Gigabyte Cloudspeicher inbegriffen sind, erschwerte diese "Bezahlschranke" natürlich die für einen jungen Social-Web-Service ohnehin schon komplizierte Akquisition von Nutzern nochmals. Rund 36.000 Konten sind bisher bei App.net registriert worden, nur einige Tausend dürften aktiv Inhalte publizieren. Schon länger war bekannt, dass Caldwell App.net früher oder später in einen Freemium-Service transformieren möchte, und mit der Einführung von Cloudspeicher schuf er ein mögliches Instrument zur Produktdifferenzierung zwischen Gratis- und Bezahlaccounts. In der Nacht hat das Startup aus San Francisco Nägel mit Köpfen gemacht und den sofortigen Start eines zeitlich unbegrenzten Free-Accounts bekannt gegeben . Das bedeutet, dass alle Anwender, die bisher von dem Erwerb einer Mitgliedschaft abgesehen haben, aber dennoch neugierig sind, App.net nun ausprobieren können. Allerdings mit einigen Einschränkungen.

Einladung durch zahlenden Nutzer erforderlich

Die erste Einschränkung: Sie müssen von einem zahlenden Mitglied eingeladen werden. Jeder registrierte Nutzer hat in der Nacht fünf Invites erhalten, die nun an Freunde und Bekannte verteilt werden können. Wer eine solche Einladung ergattert, der muss in der Free-Version außerdem einige funktionelle Limitierungen hinnehmen: So kann man maximal 40 Personen folgen und erhält nicht zehn Gigabyte sondern 500 Megabyte App.net-Cloudspeicher. Außerdem dürfen keine Dateien dort abgelegt werden, deren Größe zehn Megabyte überschreitet.

Die Konditionen sind ein klares Zeichen dafür, dass die Kalifornier das Freemium-Angebot nicht als Alternative zu dem kostenpflichtigen Paket sondern lediglich als Einstieg in das App.net-Universum positionieren wollen. Die offensichtliche Gedankengang: Wer sich tatsächlich die Mühe macht und 40 Personen bei App.net folgt, der zeigt ein ernsthaftes Interesse an dem Service, weshalb dann die Wahrscheinlichkeit zu einer erfolgreichen Konvertierung in einen Paid-User steigt. Es ist allerdings gut möglich, dass das Limit nochmals verändert wird. Das perfekte Freemium-Modell erfordert ein sorgfältiges Ausbalancieren des Funktionsumfangs und Experimentierfreude, um die Lösung zu finden, bei der möglichst viele neue Nutzer in regelmäßige Anwender verwandelt werden, während gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit sichergestellt wird.

Sofern von bestehenden Mitgliedern eingeladene Gratisuser mindestens fünf Personen bei App.net folgen und mindestens eine Dritt-Anbieter-App ausprobieren, erhalten der Einladende und der Eingeladene jeweils 100 Megabyte zusätzlichen Cloudspeicher.

Wichtiger Schritt, um sich aus der Nische zu befreien

Manch einer wird sich fragen, was die existierenden Bezahl-Mitglieder von diesem Schritt halten. Immerhin wurde App.net in den ersten Tagen als "kostenpflichtige Twitter-Alternative" dargestellt. Das schien zwar nicht ganz im Interesse der Macher gewesen zu sein, dennoch dürften sich viele frühe Nutzer in diesem Bewusstsein für ein App.net-Konto entschieden haben. Ich glaube jedoch, dass der Großteil der kleinen Community den Schritt begrüßt: Bisher fehlt dem Dienst schlicht die kritische Masse. Das war abzusehen und kommt somit nicht überraschend. Dennoch muss App.net den Fehler des gescheiterten Facebook-Konkurrenten diaspora vermeiden, sich zu lange in der Nerd-Nische zu verkriechen. Je mehr Menschen aktiv bei App.net posten, desto mehr Spaß macht die Nutzung des Dienstes. Je weniger User dies tun, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass App.net das gleiche Schicksal ereilt wie diaspora. Allerdings sind in der App.net-Gemeinschaft auch kritische Stimmen zu vernehmen. Einzelne User machen sich über die Skalierbarkeit Sorgen und fürchte die Übernahme der Plattform durch den Internet-Mainstream. Der Gedanke, App.net könne über Jahre mit ein paar tausend aktiven Anwender überleben, ist jedoch naiv. Ohne eine breitere Nutzerschaft hat das Vorhaben keine Zukunft.

Über 100 Apps für den Zugriff auf App.net existieren mittlerweile. Die wohl bekannteste - Netbot für iOS - gibt es seit kurzem kostenlos. Persönlich verwende ich App.net zwar noch deutlich seltener als Twitter, veröffentliche aber häufiger Status-Updates bei App.net ( mein App.net-Konto ), die ich mittels IFTTT danach bei Twitter poste. Einige Apps können dies auch nativ. Von netzwertig.com gibt es zudem einen offiziellen App.net-Feed, über den ihr unsere Artikel abonnieren könnt .

Über die zwei Accounts haben wir somit zehn Einladungen, die wir an Leserinnen und Leser von netzwertig.com verteilen. Die ersten zehn, die sich mit einem entsprechenden Kommentar unter Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse im dafür vorgesehenen Feld melden, sind dabei! Sofern einige Leser, die sich ebenfalls im Besitz eines kostenpflichtigen App.net-Kontos befinden, netterweise einen oder zwei Invite-Links bereitstellen möchten, so stehen die Kommentare dafür ebenfalls zur Verfügung.

Update: Die Invites sind weg.

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