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07.05.14

Werbefinanzierte Geschäftsmodelle bleiben Nonplusultra: App.net und eine große Vision sind am Ende

Die werbefreie Social-Web- und Cloudplattform App.net hat alles versucht, um mehr Anwender für sich zu begeistern. Vergeblich. Nun entlässt das Startup sein Team und gesteht damit ein: Das wird nichts mehr.

App.net

Die Zeiten, in denen Anhänger einer kommerziellen Alternative zu den im sozialen Web vorherrschenden, werbefinanzierten Geschäftsmodellen neben Twitter auch noch einen Account beim US-Konkurrenten App.net pflegen mussten, neigen sich dem Ende zu. Das ist die gute Nachricht. Leider verschwindet damit aber auch ein Projekt, das eigentlich Erfolg verdient hätte.

Am Dienstagabend gaben das Gründergespann von App.net, Dalton Caldwell and Bryan Berg, im Firmenblog den Entschluss bekannt , sämtliche Festanstellungen zu streichen. Auch die zwei Macher des Dienstes werden künftig nicht mehr auf der Gehaltsliste stehen. Sie betonen zwar, dass App.net ohne Unterbrechung weiterläuft, und dass Teile des Quellcodes als Open Source zugänglich gemacht werden. Dennoch signalisiert dieser aus einem finanziellen Engpass resultierende Schritt relativ unmissverständlich: Eine große Zukunft hat der Service nicht mehr vor sich. Wer die Entwicklung des Unternehmens etwas genauer verfolgt hat, den überrascht dies freilich nicht. Nun aber ist es offiziell.

App.net war im Sommer 2012 als kostenpflichtige, werbefreie Alternative zu Twitter bekannt geworden. Mit 800.000 Dollar Crowdfinanzierung machte sich das Startup aus San Francisco aber schnell auf, diesen Ruf abzustreifen. Stattdessen sollte der Dienst als Cloud- und Identitätsservice etabliert werden, auf dem Apps externer Entwickler aufsetzen konnten. Teile der für ein vollwertiges App.net-Konto zu entrichtenden Mitgliedergebühr wurden von dem Service als Belohnung für Programmierer populärer App.net-Anwendungen ausgeschüttet.

Doch nach der anfänglichen, von Twitters parallel durchgeführter Teil-Abwicklung der offenen Entwicklerplattform angetriebenen Aufmerksamkeit für das Vorhaben, blieb das Interesse für App.net im Laufe der Zeit gering. Auch verschiedene "Pivots", zuletzt in Form einer Push-Infrastruktur für Smartphones, änderten daran nichts . Da die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen nur den Betrieb der technischen Plattform decken und sämtliche externen Mittel verbraucht zu sein scheinen, sahen sich Caldwell und Berg nun gezwungen, die Ära von App.net als Startup-Unternehmen mit Angestellten zu beenden.

Da damit jedoch die Umsetzung der langfristigen Vision von App.net noch unwahrscheinlicher wird, gibt es für Anwender eigentlich keinen Grund mehr, weiter für den Service zu bezahlen. Insofern dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis das, was bislang App.net darstellt, ganz von der Bildfläche verschwindet.

Damit scheitert abermals ein netzaktivistisch-inspirierter Versuch, den durch die Zwänge der Werbevermarktung in Interessenkonflikte verwickelten Big Playern des Social Web etwas entgegenzusetzen. Traurig, aber wahr.

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