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04.07.08Leser-Kommentare

Weltwoche leicht angepasst: Sanfte, kontrollierte Änderungen

Die Weltwoche kommt schon Anfang Juli zurück, als wäre sie in den Ferien gewesen: Mit sanften Änderungen am Layout. Das ist nun grosszügiger und klarer – mutig war man jedoch nicht.

WeltwocheDie Designer von KircherBurkhardt haben sich spezialisiert auf das Redesign von Medien. Das mehrfach ausgezeichnete Erscheinungsbild der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist genau so ihr Werk wie das Layout des Tagesspiegels. Jetzt haben sich die Berliner Editorial-Designer der Weltwoche (hier ausführlich gestestet) angenommen. Auf den ersten Blick hat sich nichts verändert. Das Format, das Konzept, die Titelseite, die Schrift, der Umfang, alles wie gehabt. Nur keine Stammleser vergraulen. Im Detail dann die Unterschiede, die jetzt noch auffallen – und die man schon in ein paar Wochen gar nicht mehr wahrnehmen wird:

 

Offensichtlich: Die Titelzeile erhält mehr Platz, wird fett geschrieben und kommt, ohne die zwei bisher verwendeten Linien, besser zur Geltung. Schauen wir uns die einzelnen Seiten genauer an.

Editorial

Herausgeber und Chefredaktor Roger Köppel beehrt sein Editorial neu in gezeichneter Form und wird nun nicht mehr im immer gleichen Foto am Redaktionstisch stehen. So nüchtern und geistreich seine wöchentlich auf Papier gebloggten Gedanken, so nüchtern auch die Zeichnung. Einziger Farbtupfer: Eine wasserblaue Krawatte, die mich unweigerlich an die sich seit Jahren bei einem Mouseover von rot auf grün wandelnde Krawatte des ehemaligen deutschsprachigen Topbloggers Jörg Kantel (schockwellenreiter.de) erinnert. Ich habe draufgedrückt, aber bei Papier passiert da natürlich nichts.

Es ist ein Schritt in Richtung Monocle, es sieht alles etwas edler aus. Den Ruf "Boulevard für Intellektuelle", so wie René Worni die Weltwoche in einem Interview kürzlich genannt hat - diesen Ruf will man sich offenbar gar nicht erst anhängen lassen.

Inhaltsverzeichnis

Obwohl das Heft, genau wie das vorherige auch, 68 Seiten aufweist, wurde das Inhaltsverzeichnis auf zwei volle Seiten ausgedehnt, was grosszügig wirkt, vor allem aber einen zusätzlichen Werbeplatz freimacht. Die neue Verteilung der Bilder bervorzugt die Ästhetik zulasten der Klarheit.

Neu

Mehr Luxus und Stil ist im Heft: Interessiert das die Leser? Vielleicht. Mich nicht, ich glaube, sowas beschäftigt vor allem Mark van Huisseling, Ulf Poschardt und die Werbewirtschaft. Wenn mir auf Seite 54 ein Auto für 100'700 Franken und auf Seite 59 ein Auto für 740'300 Franken angepriesen wird, dann find ich das schon supi, aber mit meinem Leben hat das, solange ich nicht Lottomillionär bin, gar nichts zu tun. Also eine weitere Seite, die ungelesen überblättert wird. Schade.

Verschwunden

Verschwunden aus dem Blatt ist der Nachruf auf verstorbene Personen, die mit Thomas Widmer abgewanderte Wanderkolumne sowie der erst kürzlich eingeführte, aber doch meist recht langweilige Fragebogen auf der letzten Seite. Weniger Platz, so meint persoenlich.com zu erkennen , wird der Kultur eingeräumt.

Fazit

Erfreulich die Fokussierung auf die Autorenzeitschrift, die die Weltwoche doch sein will. Die Essays im Blatt (Jean Ziegler, Peter Keller, Beatrice Schlag) sind neu mit einem Foto des Autors versehen.

Weltwoche

Unverkennbar die angelsächsischen Vorbilder des Blatts, das sich offenbar klar im supersmarten Luxussegment positionieren will. Ob es dem Abonennten bald eine Preiserhöhung ins Haus schneit?

Unangenehm der zu spürende Trend, dass das Ressort Kultur / Feuilleton je länger je mehr vom Ressort Luxus / Stil aufgefressen wird.

Gelungen, aber etwas mutlos, so möchte ich die Veränderungen zusammenfassen. Da alles im Heft durchstrukturiert ist, bietet es nur wenig Überraschungen (was nicht nur ein Nachteil sein muss). Ansetzen könnte man bei den Kolumnen, von denen viele arg redundant und darum langweilig geworden sind. Und vielleicht mal wieder eine Story bringen, die etwas zu tun hat mit den Leben jener, die nicht zu den oberen 100'000 gehören. Luxuserlebnisse, so wie sie Roger Köppel gemäss "Editorial" die letzten Tage erlebt hat, gehören nun mal nicht zum Alltag von vielen.

Unverkennbar ist die Abkehr vom Ruf der SVP-Postille, die zurzeit, wie mir zu Ohr kam, möglichen Neuabonennten per Telefon zugesichert wird. Das Ziel ist klar: Es sind die von den Werbern geliebten kaufkräftigen Frauen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Medien Max

    04.07.08 (11:04:43)

    Tipp, Herr Köppel: Eine korrekt gebundene Krawatte endet an der Gürtelschnalle. Ist Bauch selbst noch sichtbar, wenn man sich nach vorn beugt, ist die Krawatte deutlich zu kurz gebunden!

  • Medien Max

    04.07.08 (11:06:10)

    Als ich vom neuen Inhaltsverzeichnis auf 2 Seiten las, dachte ich: Wow! Leider handelt es sich nicht um gegenüberliegende Seiten, so ist es unbrauchbar und ich verwende das Inhaltsverzeichnis weiterhin nicht. Wann kommt eigentlich die neue Website?

  • Medien Max

    04.07.08 (11:08:19)

    Und noch zum Schluss: Die Wanderkolumne und die Nachrufe vermisse ich. Dafür kann mir der ganze Stil-Kultur-Schrott geschenkt bleiben. Ich lese die WW als Blatt, die mich auch mit Meinungen konfrontiert, die ich auf Anhieb nicht mag, die neue Gedanken aufzeigt, die provoziert und nicht im Mitte-Links-Mainstream schwimmt. Je mehr sich die WW davon entfernt, desto weniger lese ich sie, bis hin zur Kündigung.

  • arbiter

    04.07.08 (11:22:45)

    >>MEDIEN MAX: Der Verband der Krawattenindustrie, dessen anglo-amerikanische Sektion sich unlängst wegen mangelnder Nachfrage in Luft auufgelöst hat, konnte sich nicht auf ein einheitliches DIN/ESA-Maß einigen, ab wann dem Binder die Luft ausgeht, der Bauch oder seine Baustelle rausschaut. Die Krawatte, die meinen Bauch, den ich nicht habe, bis zur Taille, die ich noch habe, bedeckt, schaut bei fast allen anderen Schlipsträgern zum Schuh heraus. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum sich einige immer auf den Schlips getreten fühlen und dessen Träger vom Artensterben bedroht sind. Inzwischen greife ich zum Notbehelf: Fliege. Selbstverständlich handgebunden. ;-)

  • Ugugu

    04.07.08 (12:08:11)

    Seit wann hat Roger Köppel eine blaue Krawatte?

  • jean-claude

    04.07.08 (13:12:46)

    Muss mich Herrn Köppels Krawatte interessieren? Mich interssiert viel mehr, wie er und wer noch? das wewo-Unternehmen finanzieren? Mit oder ohne Krawatte. Die Frage wird ebenso unbeantwortet bleiben wie die Frage nach der Farbe seines Halsbinders.

  • arbiter

    04.07.08 (15:44:29)

    Also gut, weg von verfärbten Kulturstricken um Wendehälse bis zur Gürtelschnalle. Wie Köppel und wer noch das Geschäftsmodell WeWo finanzieren, verraten sie allenfalls Fi(se)nanzbeamten. Nicht uninteressant wäre die Antwort auf die Frage, warum sie`s finanzieren. Als BRD-Figur fehlen mir dazu Ein- und Durchblick für CH-Verhältnisse.

  • Ugugu

    04.07.08 (19:54:45)

    Die neue Krawattenfarbe ist ehrlich gesagt das Einzige was mich an der neuen WeWo interessiert - inhaltlich und layouterisch. Nachdem Tettamanti das "Heftli" abgestossen hat, fiel der Verdacht logischerweise erst auf Blocher. Der stritt ab. Jemand aus dem rechtskonservativen Umfeld wird es schon sein: Vielleicht Ebner, vermutlich aber eher ein Investoren-Grüppchen, deren Mitglieder gerne "Versteckis" spielen, und die sich ab und zu treffen, um gemeinsam ins Fäustchen zu lachen. Ist mir so schnurz wie egal.

  • arbiter

    04.07.08 (21:23:28)

    Wenn sich ein Medienlaie via Web schlau macht über das Geflecht rund um die Weltwoche, interessiert die Frage, ob im Impressum der famosen Wochenzeitung gar die feinen Wörter `unabhängig´ und/oder ´überparteilich´ auftauchen? Irgendwie schon niedlich die Presselandschaft.

  • bd

    05.07.08 (12:03:32)

    Die Wowi wird zahmer, nicht überraschend.

  • Pedro

    05.07.08 (23:01:09)

    Wieder mal typisch was sich hier für ein linkes Gesocks tummelt.

  • arbiter

    06.07.08 (01:40:13)

    Und dann lassen die auch noch so eine rechte Socke zu Wort kommen, auch wenn die nichts Rechtes zu sagen weiß!

  • Philippe

    10.07.08 (08:06:09)

    Die Krawatte ist gewachsen. Heute schaut sie über den Hosenbund hinaus...

  • Lips

    16.07.08 (15:15:58)

    Inhaltsverzeichnis: also das verwundert mich schon je länger desto mehr, dieses Trauerspiel mit dem Weltwocheinhaltsverzeichnis, eigentlich seit der Erscheinung in Magazinform nie vernünftig gelöst. Endlich, endlich sind jetzt mehr Bilder drin, aber es fehlt eine bessere Durchmischung mit dem Text. Der Spiegel macht seit einer Unendlichkeit vor, wie's geht. Los!

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