<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

14.03.09

WEB.DE Navigator: Social Web für 13 Millionen Nutzer

WEB.DE hat die Beta-Phase seiner neuen Kommunikationszentrale gestartet. Der WEB.DE Navigator umfasst unter anderem eine Loginverwaltung für das Social Web, einen browserbasierten Instant Messenger, einen RSS-Reader und ein Social-Bookmarking-Tool.

WEB.DE ist hinter T-Online Deutschlands zweitgrößtes Internetportal mit laut AGOF fast 13 Millionen monatlichen Unique Visitors. Vom Social Web hat sich das zu United Internet AG gehörende Unternehmen allerdings bisher fern gehalten.

Kurz nach seinem Amtsantritt im Oktober verkündete der neue WEB.DE-Geschaftsführer Jan Oetjen jedoch, das Portal wolle zu einem zentralen Kommunikationspunkt im Internet werden und verschiedene Services wie E-Mail und soziale Netzwerke auf einen Blick zusammenführen.

Oetjen hat sein Wort gehalten. Eine geschlossene Nutzergruppe hat vor wenigen Tagen Zugriff auf die Beta-Version des neuen WEB.DE Navigator erhalten. Wir haben uns die neue Kommunikationszentrale von WEB.DE angeschaut.

Der WEB.DE Navigator erscheint nach dem Login in den WEB.DE-Mitgliederbereich in Form einer Menüzeile am oberen Browserrand und vereint diverse neue Dienste, die sich gut und gerne unter das Web-2.0-Label einordnen lassen.

Das offensichtliche Kernfeature ist die zentrale Loginverwaltung für zahlreiche deutsche Social Networks, Social Web-Angebote und Onlineshops. Ähnlich wie das Hamburger Startup allyve setzt WEB.DE hierfür auf die zentrale Speicherung sämtlicher Logins. Nutzer müssen anschließend im WEB.DE Navigator nur noch auf den Link zum jeweiligen Service klicken und werden dorthin weitergeleitet, ohne sich neu anmelden zu müssen.

Loginverwaltung

Wie bei allyve ist mir dieses Verfahren nur bedingt geheuer. Zugangsdaten auf einem Webserver zu speichern, ist grundsätzlich die schlechteste Alternative. Da kann der Anbieter noch so sehr auf die Sicherheit der Daten verweisen. Andere Wege der Authentifizierung wie z.B. über oAuth bieten einen erheblich sichereren Prozess, der User zudem nicht eine Entscheidung abfordert, ob sie nun ihre Benutzerkonten preisgeben sollen oder nicht.

In der Beta-Phase mit dabei sind unter anderem Schwergewichte wie lokalisten oder wer-kennt-wen.de, diverse andere Web-2.0-Services sowie eine ganze Reihe großer Onlineshops. Während die von WEB.DE im vergangenen Jahr übernommene Community ShortView auch im Navigator vertreten ist, fehlt das hauseigene und von Misserfolg geprägte Social Network Unddu.de aufälligerweise.

Interessanter als die Loginverwaltung sind jedoch die anderen neuen Services, die der WEB.DE Navigator mit sich bringt. Einen webbasierten Instant Messenger, der den WEB.DE MultiMessenger sowie andere Jabber-Netzwerke wie Google Talk unterstützt, einen RSS-Reader, einen Social Bookmarking-Dienst sowie eine Pinnwand für kurzfristige Notizen.

RSS-FeedCenter

Gerade der Launch eines eigenen, webbasierten RSS-Readers ist aus unserer Sicht zu begrüßen. Bekanntermaßen lieben wir die RSS-Technik und bedauern zugleich, wie wenig diese doch in Kreisen außerhalb der Social-Web-Gemeinde eingesetzt wird. Das "RSS-FeedCenter" von WEB.DE hat zwar (derzeit) einen sehr geringen Funktionsumfang, aber alles andere würde den durchschnittlichen WEB.DE-Nutzer - der mit dem durchschnittlichen Internetnutzer gleichzusetzen ist - sowieso überfordern.

WEB.DE bringt nun knapp 13 Millionen Menschen in Deutschland die Möglichkeit näher, RSS zu entdecken, und erklärt ihnen auch, wie es funktioniert. Gleiches gilt auch für das Social Bookmarking-Tool, das ebenfalls einfach gestaltet ist, aber gerade deshalb die Chance hat, tatsächlich von den WEB.DE-Mitgliedern eingesetzt zu werden. Schön auch zu sehen, dass bei Web-2.0-Avancen bisher traditionell eingestellter Internetportale zu erwartende Anfangsfehler wie z.B das Fehlen einer Importfunktion für Bookmarks von Beginn an vermieden wurden.

Als Jan Oetjen die Web-2.0-Pläne von WEB.DE verkündete, war ich eher skeptisch. Zu oft sind derartige Ankündigungen nichts weiter als heiße Luft. Doch in diesem Fall war meine Skepsis nicht berechtigt. Der WEB.DE Navigator ist sicherlich nichts für anspruchsvolle Early Adopter, die ein breites Funktionsspektrum und zahlreiche externe und interne Integrationsmöglichkeiten erwarten.

Für WEB.DE ist die Entwicklung jedoch ein großer Wurf. Abgesehen von den Sicherheitsbedenken im Bezug auf die Loginverwaltung bietet der Navigator eine interessante Sammlung an nützlichen Werkzeugen, von deren Existenz oder Realisierbarkeit das ein oder andere WEB.DE-Mitglied bisher vermutlich noch nichts gehört hat - und sieht dazu wirklich super aus.

Bei WEB.DE wollte man noch keine Angaben dazu machen, wie lange die Beta-Phase des Navigators laufen wird und ab wann alle Nutzer Zugriff auf die neuen Dienste erhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer