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21.07.09

WEB.DE schließt Social Network Unddu.de: Dokumentation eines Fiaskos

Die Karlsruher WEB.DE GmbH zieht bei ihrem gefloppten Social-Network Unddu.de nach zwei Jahren den Stecker. Wir dokumentieren das Fiasko.

Es gibt Meldungen, die einen so gar nicht überraschen. Die geplante Schließung von Unddu.de , dem Social Network der Karlsruher WEB.DE GmbH, ist ein solcher Fall. Per Mail wurden die Mitglieder des im April 2007 gestarteten Dienstes heute darüber informiert, dass Unddu.de zum 31. August abgeschaltet wird. Zur Begründung heißt es:

“Es gibt im Internet mittlerweile eine solche Fülle von Communitys für jeden Geschmack und jedes Interessensgebiet, dass eine Abgrenzung der einzelnen Angebote immer schwieriger wird. Leider ist es Unddu.de in den letzten Jahren nicht gelungen, eine eigene Nische zu finden. Wir haben uns daher dazu entschlossen, den Dienst zu oben genanntem Datum abzuschalten.”

Als Alternative empfiehlt das zu United Internet Media gehörende Unternehmen seinen Nutzern, Facebook auszuprobieren, sofern sie noch nicht bei studiVZ, MySpace oder wer-kennt-wen.de zugange sind.

Unddu.de stand trotz vollmundiger Äußerungen des damaligen WEB.DE-Managements von Anfang an unter keinem guten Stern. Wir haben die Entwicklung des Social Networks aufmerksam beobachtet und bringen im Folgenden einen Überblick über das Unddu.de-Fiasko:

März 2007: WEB.DE kündigt den Start von Unddu.de als Social Network für jedermann an.

April 2007: Unddu.de geht online. Unser erstes Fazit fällt durchwachsen aus.

Mai 2007: United Internet Media-Vorstand Matthias Ehrlich und 1&1 Portale-Vorstand Matthias Greve erzählen in einem Interview, wie sie mit Unddu.de das Web 2.0 und Social Networks in Deutschland massenfähig machen möchten. Zu dieser Zeit hatte studiVZ weniger als zwei Millionen Mitglieder, wer-kennt-wen.de war noch kaum bekannt.

Die beiden Manager plaudern über zweistellige Millioneninvestments und verraten, dass 30 Mitarbeiter über ein Jahr an der Entwicklung von Unddu.de gearbeitet haben. Auch wird die Parole ausgegeben, innerhalb von einem Jahr eine Million Mitglieder bei Unddu.de versammeln zu wollen.

Dezember 2007: WEB.DE übernimmt mit ShortView ein soziales Netzwerk. Seltsam, wenn man bedenkt, dass das ambitionierte Eigenprojekt Unddu.de bis zu diesem Zeitpunkt kein nennenswertes Mitgliederwachstum verzeichnen konnte.

April 2008: Unddu.de ist offiziell gefloppt. Von einer Million Mitgliedern ist man knapp ein Jahr nach dem Launch weit entfernt.

März 2009: WEB.DE startet die Testphase des neuen Social-Web-Tools Navigator, der nach den Worten des neuen WEB.DE-Geschaftsführers Jan Oetjen zu einem zentralen Kommunikationspunkt im Internet werden und verschiedene Services wie E-Mail und soziale Netzwerke auf einen Blick zusammenführen soll. Über die Zukunft von Unddu.de schweigt sich WEB.DE aus.

Juli 2009: Das Ende von Unddu.de ist besiegelt, die Site wird am 31. August vom Netz genommen. Wie viele Benutzer betroffen sind, ist unklar. Mit größeren Nutzerprotesten ist jedoch nicht zu rechnen.

Unddu.de: Zwei Jahre ohne Erfolg

Fazit:

Eines von Deutschlands am meisten besuchten Webangeboten im Rücken zu haben, ist in keiner Weise ein Garant für die erfolgreiche Lancierung eines eigenen sozialen Netzwerks. Während Unddu.de zwei Jahre vor sich hin dümpelte, stiegen die originären Startups studiVZ (das von Holtzbrinck übernommen wurde) und wer-kennt-wen.de (mittlerweile Teil von RTL Interactive) zu Deutschlands Social-Network-Koryphäen auf.

Dass sich forsche und etwas zu optimistisch anmutende Prognosen über die zukünftige Entwicklung eines Onlinedienstes im Nachhinein als peinliche "Krönung" eines eventuellen Misserfolgs erweisen können, ist nichts Neues, aber wurde mit dem aktuellen Fall einmal mehr bestätigt.

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