<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

13.08.08Leser-Kommentare

Web 2.0 in Unternehmen: Lieber heute als morgen!

Corporate 2.0Der richtige Einsatz von Web-2.0-Diensten in Unternehmen erhöht die Produktivität und fördert den Austausch zwischen Kollegen und Führungskräften. Die Herausforderung liegt darin, das notwendige Wissen zu verbreiten und umsetzen zu lassen.

Gestern fragte sich Marcel als Reaktion auf diesen Beitrag, ob die Zeit für den Web-2.0-Einsatz in Unternehmen eigentlich schon reif sei. Obwohl noch im Urlaub, musste ich unweigerlich über meine eigenen Erfahrungen in einem Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern nachdenken und kam zu dem Schluss, dass Web-2.0-Tools unbedingt bereits heute in die Prozesse von Firmen integriert werden sollten.

Anders als Marcel bin ich der Ansicht, dass die Verwendung sozialer Webservices sehr wohl "von oben" angeordnet werden muss - zumindest wenn man nicht wirklich weitere fünf Jahre warten möchte, bis jeder mit Blogs, Wikis und Microblogging vertraut ist. Auf Marcels Beitrag folgten zahlreiche durchdachte und konstruktive Kommentare. Unter anderem kam die Frage auf, was eigentlich "Web 2.0 Anwendungen in Unternehmen" wären. In meinen Augen geht es dabei um die gleichen Tools wie im privaten Bereich, allerdings mit dem Schwerpunkt auf Kollaboration und Effizienz. Jeder Dienst, der sich zum schnellen und gemeinsamen Erledigen von Aufgaben und Problemstellungen eignet, kommt für Firmen erst einmal grundsätzlich in Frage.

Hier einige Szenarien, die ich selbst erlebt habe und die mit Web-2.0-Werkzeugen optimiert werden könnten:

Gemeinsame Arbeit an Dokumenten

In vielen Unternehmen werden auf dem internen Netzwerk befindliche Excel-Dokumente genutzt, um Prozesse zu beschreiben, Unternehmenszahlen zu kalkulieren, Budgets aufzulisten oder den Status von Projekten zu erfassen. Dummerweise kann nie mehr als eine Person in die Datei schreiben, was die Geduld von Kollegen, die ebenfalls Änderungen am Excel-Dokument vornehmen möchten, ordentlich auf die Probe stellt.

Es mag Software-Lösungen für das Problem geben, aber viel naheliegender und kostensparender ist die Verwendung webbasierter Online-Office-Services wie Google Text & Tabellen oder Zoho. Dort können nicht nur alle autorisierten Kollegen gleichzeitig Änderungen am Dokument vornehmen, sondern dies auch von einem beliebigen Rechner tun, egal ob dieser über VPN auf das Firmennetzwerk zugreifen kann oder nicht. Das größte Problem hierbei liegt darin, dass die bestehenden Online-Office-Anbieter nicht die hohen Sicherheitsanforderungen erfüllen, die beim Speichern vertraulicher Informationen notwendig sind. Bis es wirklich sichere Lösungen gibt, können Abteilungen aber schon einmal mit den weniger sensiblen Dateien einen Testlauf machen.

Blog statt Rundmails

Gerne richten sich Geschäftsführer oder andere Mitglieder aus der Führungsebene mit Rund-E-Mails an die Belegschaft. Gerade Angestellte, in deren Posteingang Chaos herrscht, könnten diese übersehen oder verspätet lesen. Und auch für motivierte Kollegen, die gerne Feedback auf das Gelesene geben würden, sieht es schlecht aus - sicher sein, dass ihre Antwortmail auch wirklich zur Kenntnis genommen wurde, können sie nicht.

Ein interner Corporate Blog, in dem sich der CEO regelmäßig zu Wort meldet und Diskussionen zulässt, sorgt nicht nur für ein offeneres, konstruktiveres Unternehmensklima, sondern entlastet außerdem den Posteingang. Die Herausforderung liegt darin, die Angestellten zu einem regelmäßigen Blick in das Blog zu bewegen. Ein "freundlicher" Ansatz wäre es, parallel zu den Rundmails das Blog durch Verlosungen und Aktionen bei den Mitarbeitern quasi viral bekannt zu machen. Auch könnte das Blog vom IT-Admin als Startseite im Browser eingerichtet werden. Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz von vorinstallierten Desktop-RSS-Readern auf allen Firmencomputern - dann wären die Angestellten auch gleich in der Lage, sich effizient über Neuigkeiten in ihrem jeweiligen Fachgebiet auf dem Laufenden zu halten.

Microblogging statt Meetings

Ich gebe zu - Twitter & Co als Erlöser von der ausufernden Zahl an Besprechungen zu bezeichnen, ginge etwas zu weit. Trotzdem könnte die Verwendung einer Microblogging-Applikation Mitarbeitern dabei helfen, einen Überblick darüber zu bekommen, was andere gerade tun. Kürzlich fragte mich eine Kollegin, ob ich ein Program kenne, das sich besonders für die Kommunikation innerhalb eines Firmennetzwerks eignen würde. Ich wollte schon Twitter nennen, habe es dann aber mit Rücksicht auf den hohen Erklärungsbedarf und die häufigen Ausfälle des Dienstes gelassen. Hilfreich wäre ein von allen Mitarbeitern eingesetztes Tool, bei dem jeder Fragen stellen kann oder ab und zu kundtut, was ihn gerade bewegt oder woran er arbeitet, aber allemal.

Fazit

Diese und viele weitere vorstellbare Web-2.0-Integrationen in den Büroalltag sind nichts Neues und für informierte Social-Web-Freunde Schnee von gestern. Der gemeine Angestellte vertraut aber noch immer lieber auf die gelegentlich durch Kollegen gesperrte Excel-Datei, die zahlreichen Rundmails sowie überflüssige Telefonate und Besprechungen, um zu erfahren, wie es gerade um Projekt XY steht. Unternehmen können entweder warten, bis auch wirklich jeder Manager und Angestellte von allein vom Nutzen des Web 2.0 im Büroalltag erfahren hat, oder aber zusammen mit der IT-Abteilung aktiv dafür sorgen, dass das Wissen durch Schulungen und genaue Anleitungen schon heute die Teams erreicht und mit dem Ziel der Produktivitätssteigerung und Erleichterung von Abläufen umgesetzt wird.

(Fotoquelle: Flickr/philippbosch)

Kommentare

  • Sandro

    13.08.08 (09:21:13)

    Ich denke ein Wichtige Anwendung in Firmen sind wikis. Weiss von zwei grossen CH Telcos, in denen solche von verschiedenen Abteilungen bereits eingesetzt werden. Dadurch natürlich ohne zentrales Management und damit einhergehende Sicherheitsfeautres (Berechtigungen, etc.). Das führt auch zu einem Chaos, wenn jede Abteilung sein eigenes Wiki einsetzt. Aber wegzudenken sind diese nicht mehr, wichtige Infos für Projekte (Links zu Testumgebungen die sich ständig ändern etc.) könnten nur schwer anders verbreitet und an zentraler Stelle geändert werden. Es scheint, das Web 2.0 kommt bottom-up in die Grossfirmen...

  • Wolfgang

    13.08.08 (10:41:35)

    Sehr guter Artikel. Leider sind die Vorteile von Web 2.0 Anwendungen in Unternehmen noch nicht bei allen Mitarbeitern in Unternehmen durchgedrungen. Vor allem im Bereich kollaboratives Arbeiten ist hier sehr viel Potential.

  • Moe

    13.08.08 (13:26:26)

    Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Wikis als Wissensarchiv gemacht ... Durch die 'letzte Änderung'-Funktion ist man immer auf dem Laufenden, was sich tut und durch das Revisions-Log sind Änderungen und Entwicklungen gut nachvollziehbar...

  • GrandSampleBear

    13.08.08 (15:39:08)

    Sehe ich genauso... man darf nicht von sich bzw. Leuten ausgehen die im www "zu hause" sind; bei otto-normal-surfer ist web 2.0 bzw sein nutzen im bereich "arbeit, firma" zum größten Teil sicher noch nicht durchgedrungen... greetz gsb

  • Senad

    13.08.08 (18:53:51)

    wie man den Studien zum Einsatz von Social Software in Unternehmen entnehmen kann, sind wir Deutschen erwartungsgemäß sehr zurückhaltend und vorsichtig. Diese Zürückhaltung könnte sehr bald zu einem dicken Eigentor führen. In Zeiten der Globalisierung und dem großen Einfluss des Internets auf diverse Märkte sollten die Unternehmen gut darauf Acht geben in dieser zunehmenden Märktebeschleunigung nicht überrollt zu werden. Laut der Berlecon Research 07 durchgeführten Studie ist als größtes Hindernis "der unklare Nutzen" identifiziert worden. Die Frage die ich mir dabei stelle, Liegt es an der Unwissenheit oder ist es doch eher die Angst die Kontrolle über die gängigen Mechanismen zu verlieren? Meine Antwort: "Die neue Art der Innovation" so heißt der Zug der langsam aber immer schneller ins Rollen kommt! Bin mal gespannt wer alles diesen Zug noch rechtzeitig erwischt. Gruss Senad!

  • Hannes

    13.08.08 (20:28:29)

    Sehr guter Artikel! Beosnders gefällt mir die Idee der "Statusmitteilung" durch twitter-Dienste. Ich bin nicht vollkommen über twitter-Clone informiert aber es müsste einen Dienst geben, der sich - ähnlich wie Jabber - in einem Netzwerk intern betreiben lassen müsste. Gar nicht mal, um Mitarbeitern die Freude an twitter zu nehmen. Vielmehr, um Mitarbeiter vor einer Informationsflut zu schützen.

  • Daniel Niklaus

    14.08.08 (00:08:37)

    Wir experimentieren mit campfirenow in einem Projekt mit einer externen Firma. Es sieht aber nach dem zweiten Twitter-Fehlschlag aus. Es kommen einfach zu viele Daten heraus. Es riecht mir etwas nach dem Motto: "wir müssen mehr Kommunizieren". Dabei ist es doch viel wichtiger "besser zu Kommunizieren". Wie man das mit den neuen Tools macht, ist erst am entstehen. Darum dürfen wohl auch noch viele Firmen zuerst interessiert zuschauen und später auf den langsam anrollenden Zug aufspringen. Denn vorher müssen "wir" die Tools zuerst mit guten Rezepten erfolgreich umsetzen.

  • Kai Müller

    14.08.08 (06:05:30)

    Ich unterschreibe alle genannten Punkte. Zum Thema Twitter (und die Ausfälle) für kurze Statusmeldungen: Prologue ist ein vin Automatic selbst entwickeltes Wordpress Theme, das die Grundfunktionalität von Twitter imitiert. Mit dem Unterschied, dass man es auf dem eigenen Server installieren kann, und somit von Ausfällen verschont bleibt.

  • Dieter Josten

    14.08.08 (07:35:00)

    Ich denke die Zeit ist Reif aber das Problem liegt nicht am erkennen, sondern in der Unternehmenskultur begraben. Wenn Führungsmannschaft an einem Strick zieht, Innovationen einfordern und Ihre Mitarbeiter nicht nur als Resource sehen, dann funktioniert das komischerweise ganz gut. Bestes Beispiel IBM. Auch in der DACH Region gibt es solche Unternehmen wie z.B. Henkel, ThyssenKrupp, Sunrise.. Neben den zu erwartenden Resultaten durch Web 2.0, Social Networking liegt ein anderer Aspekt in den individuellen Lebensmotiven eines jeden einzelnen. Hier liegt eigentlich „der Hund begraben“. Wir erleben immer wieder das Technologie der Lösungsgarant für managelnde Kommunikation sein soll - mit nichten. Oder ein Prozessmanagement muss hinhalten - auf in die ARIS Welt. Nein, all das hilft nicht Kommunikations- und Kulturprobleme innerhalb einer Abteilung oder Abteilungs-/Organisationsübergeifend in den Griff zu bekommen. Ich hatte dazu einige Beiträge geschrieben und von Projekten berichtet: http://www.wissensgarten.com/wordpress/?p=118

  • Charlotte Holzum

    14.08.08 (08:00:15)

    Spannend dazu das Handelsblatt von heute: "Facebook fürs Büro" BT Global Services plant firmeninternes Social Network. Nach einem ersten Testlauf sollen angeblich alle 37 000 Mitarbeiter weltweit integriert werden.

  • Martin Weigert

    14.08.08 (10:59:02)

    Danke für eure zahlreichen und qualitativen Kommentare! Ich habe nichts zu widersprechen, auch die genannten Einwände sind berechtigt.

  • Senad

    14.08.08 (18:06:30)

    @ Dieter Unternehmenskultur ist wohl das richtige Schlagwort. Allgemein befinden wir uns gesellschaftlich in einer riesen Wandlung. Die einen einbißchen mehr und die einen einbißchen weniger. Ich bin mir so ziemlich sicher dass all die Leute die bspw. diesen Blog regelmäßig lesen diese Wandlung auch sehr gut nachempfinden. Was ich damit sagen will es sind doch diese neuen Technologien die uns besser miteinander kommuniziern lassen und die maßgeblich dafür sorgen dass wir uns als Individuum diesem angesprochenem Wandel unterziehen. Natürlich ist es ein Lernprozess aber die Leute in den Blogs und Sozialen Netzwerken machen es vor ! Es funktioniert ! Es funktioniert weil es ein paar Leute vor mir richtig vorgelebt haben. Diese Leute haben diesen Wandel längst vollzogen. Sie sind diejenigen die diese Kultur vorleben und uns alle durch ihre Offenheit und Mitteilungsbereitschaft inspirieren. Ich glaube dass diese neuen Technologien diese Kultur erst zum Leben erwecken. Ich glaube sogar dass die Unternehmen abgesehen von den Tools nicht unbedingt viel brauchen um diese erfolgreich zu integrieren. Sie brauchen eigentlich nur ein Paar Leute die diese Kultur mit sich bringen. Diese werden schon für den richtigen Ton und Umgang sorgen.Die Leute in den Unternehmen werden nach und nach immer mehr von dieser Kultur angetan sein.

  • Igor Schwarzmann

    15.08.08 (08:29:16)

    Viele der angerissenen Applikationen oder Ideen werden bereits von Unternehmen getestet oder eingesetzt. Jedenfalls habe ich bereits sehr viele Kunden kennengelernt, die durchaus mit Google Documents herum experimentiert haben. Und das waren Kommunikationsabteilungen von DAX30 Unternehmen, insofern gehe ich davon aus, dass die Durchdringungsrate von Google Documents bei kleineren Unternehmen noch viel groeßer ist. Die angesprochene Rechteproblematik hast du ja bereits angesprochen. Diese wird, auch auf absehbare Zeit, nicht unbedingt geloest werden. Zoho ist da schon eher eine Alternative, weil es besser in die Unternehmensstrukturen integriert werden kann. Beide Produkte sind aber nach wie vor kein wirklicher Ersatz fuer ein lokale Softwareloesung. Da fehlen noch einige, grundlegende Funktionen. Blogs statt Rundmails ist ebenfalls nichts neues und wurde bereits vor mehreren Jahren von Unternehmen getestet. Die so genannten CEO-Blogs sind ein alter Hut. Sowohl nach Innen als auch nach Außen gerichtet. Sie waren nach Außen nicht effektiv, weil die meisten CEOs keine spannenden Geschichten in ihren Blogs erzaehlen koennen / wollen. Die meisten wollen keine privaten Einblicke gewaehren, was verstaendlich ist, und sie koennen definitiv nicht ueber Entwicklungen im Unternehmen sprechen, die nicht anderweitig auch schon kommuniziert worden sind. Man muss, um ein CEO-Blog nach Außen betreiben zu wollen, schon ein guter Unterhalter sein. Und was die interne Kommunikation anbetrift, so wird man, wenn man sich damit etwas genauer beschaeftigt, feststellen, dass es nicht so einfach ist bestehende Strukturen aufzuloesen und die Mitarbeiter dazu bringen sich mit neuen Kommunikationsmethoden auseinander zu setzen. Ja, die meisten bekommen zuviele Mails aber die Mail vom CEO lesen viele auch sofort nach ihrem Eintreffen. Den Mitarbeiter dazu zu bekommen von seinem Office und Mailprogramm zu trennen bedarf mehr als nur die Einfuehrung von Blogs fuer interne Kommunikation. Man muss entsprechende Hebelwirkungen konstruieren, die dem Mitarbeiter deutlich machen, dass er einen Mehrwert durch die Nutzung solcher Tools bekommt. Das sind oft mehr als nur die ueblichen Featuresets und Community-Effekte. Oft muss ein "Belohnungssystem" aufgesetzt werden, welches als Anreiz funktioniert. Insofern, ja, Social Media Applikationen gehoeren durchaus zu den Kommunikationsmethoden, die Unternehmen einsetzen sollen. Viele probieren damit herum. Meistens scheitert diese Vorhaben an zwei Dingen: Unwissenheit der zustaendigen Mitarbeiter und der falschen Implementierung solcher Instrumente.

  • Günter Bressau

    16.08.08 (11:02:04)

    Eine interessante Studie über die Akzeptanz und die Nutzung von Social Media hat das University of Massachusetts Dartmouth Center for Marketing Research veröffentlicht, ich habe dazu eine Zusammenfassung veröffentlicht. Demnach nutzen erstmals die Mehrheit der nach dem Inc.-Magazine 500 schnellst wachsenden Unternehmen die neuen Möglichkeiten - Enterprise 2.0 wird also bei den Marktführern unter den US-Unternehmen groß geschrieben.

  • Konrad

    04.03.09 (13:02:36)

    Die Firma meines Dad's nutzt zum Beispiel die White Label Community Lösung von tribax.com und ist damit meiner Information nach voll zu frieden. Ich persönlich nehm die kostenlose Community Variante von tribax

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer