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30.04.10Leser-Kommentare

Web-2.0-Erinnerungen: Kennt ihr die noch?

Wir erinnern an zehn deutsche Startups aus der Hoch-Zeit des Web-2.0-Booms, die Großes vorhatten, aber am Ende klein beigeben mussten.

Jeder Hype führt zum Entstehen unzähliger Startups, die nicht selten mit vollmundigen Worten ankündigen, warum gerade sie das nächste große Ding werden. In der darauf folgenden Phase der Abkühlung sind viele von ihnen schnell wieder verschwunden. So kam es auch in und nach der Hoch-Zeit des Web 2.0 zwischen den Jahren 2006 und 2009.

Wir erinnern an zehn Onlinedienste aus Deutschland, die Großes vorhatten, aber am Ende klein beigeben mussten. Auch wenn es diese Anbieter heute nicht mehr gibt, so sind sie Teil der Erinnerungen an eine abenteuerliche Phase des Webs, die den Grundstein für eine Entwicklung gelegt hat, die gerade die Welt verändert.

bloomstreet

Im März 2007 ging bloomstreet an den Start, ein Berliner Social Network mit Bertelsmann-Beteiligung. Ziel war es, eine führende Rolle bei Deutschlands Online-Communities einzunehmen. Geklappt hat das nicht. Eine wirkliche Relevanz konnte bloomstreet im deutschen Netzwerkmarkt nie erreichen. Mitte 2008 ging der Dienst offline.

ComBOTS

Nach dem Verkauf des Portalgeschäfts von WEB.DE an United Internet im Jahr 2005 änderte die damalige WEB.DE AG ihren Namen in ComBOTS AG und machte sich an die Entwicklung eines "neuartigen Kommunikationstools" für Privatanwender. Ende 2007 gingen bei dem Dienst, in dessen Entwicklung Mittel in zweistelliger Millionenhöhe investiert wurden, die Lichter bereits wieder aus. Aus der ComBOTS AG wurde die Kizoo AG.

dukudu.de

dukudu.de war ein deutscher Twitter-Klon ohne große Bedeutung, der nach nur einem Monat im Netz durch einen Verkauf bei eBay zu gewisser Bekanntheit kam. Käuferin war die allesklar.com AG, Betreiberin des Städteportals meinestadt.de. Das Unternehmen legte 43.208 Euro für dukudu.de auf den Tisch, um die Site ab da vergammeln zu lassen. Irgendwann wurde die Domain auf meinestadt.de umgeleitet.

Frazr

Frazr war der wohl bekannteste Twitter-Klon aus Deutschland und konnte im April 2007 sogar die Samwer-Brüder zu einer Beteiligung bewegen. Gelohnt hat es sich nicht, Frazr ist seit einiger Zeit Geschichte.

picabee

picabee ging Mitte 2008 mit der mutigen Idee an den Start, Nutzern das kostenlose Entwickeln und Versenden ihrer Fotos zu ermöglichen. Im Gegenzug wurden die Schappschüsse von Werbung flankiert. Knapp ein Jahr später war das Unternehmen zahlungsunfähig. Noch heute verweist die Website auf "Wartungsarbeiten".

roccatune

roccatune war der wahrscheinlich erste legale Dienst in Deutschland, der Nutzern das kostenlose On-Demand-Streaming von Millionen von Songs ermöglichte. Im August 2009 wurde die Insolvenz von roccatune publik. Kurze Zeit später ging die Site offline.

StageSpace

Im Jahr 2007 sprach jeder über Second Life. Da durfte eine deutsches Pendant natürlich nicht fehlen. StageSpace hieß die virtuelle Welt, die Second Life Konkurrenz machen sollte. Doch der große Erfolg blieb aus. Aus StageSpace wurde Bailamo, was Anfang April dieses Jahres Insolvenz anmeldete und die Tore schloss.

unddu.de

unddu.de war der Versuch der von United Internet betriebenen WEB.DE GmbH, im großen Stil in den Markt sozialer Netzwerke einzusteigen. Im April 2007 ging es los, und nach einem Jahr wollte man eine Million Mitglieder haben. Stattdessen wurden es einige Zehntausend. Im Sommer 2009 zog WEB.DE bei dem gefloppten Social Network den Stecker.

weblin

Im Juni 2006 ging das Hamburger Unternehmen Zweitgeist mit seinem Dienst weblin an den Start. Mit weblin konnten User während des Surfens im Netz in die Rolle eines 3D-Avatars schlüpfen und mit anderen Besuchern einer Site, die ebenfalls weblin verwendeten, in Kontakt treten. Vor einem Jahr meldeten die Hamburger Insolvenz an. Trotz einer Nutzerbasis von rund zwei Millionen ging dem werbefinanzierten Dienst das Geld aus, noch bevor er Premiumservices als zweiten Erlösstrom einführen konnte.

Zoomer.de

Mit Zoomer.de hiefte der Holtzbrinck-Verlag Anfang 2008 ein neuartiges Nachrichtenportal ins Netz, das seinen Schwerpunkt auf der Beteiligung der User hatte. Die Leser bewerteten, wie interessant sie eine Nachricht fanden. Was sie interessierte, landete vorne, was nicht, wurde abgeräumt. Ein Jahr später drehte Holtzbrinck dem unter den Erwartungen gebliebenen Projekt mit Verweis auf die schwierige wirtschaftliche Lage den Strom ab.

Kommentare

  • Uwe

    30.04.10 (05:37:17)

    Wundert mich bei vielen nicht, dass sie das zeitliche gesegnet hat. Erst recht bei den (auch von euch) hochgefeierten Diensten Roccatune, Weblin, PicaBee un Zoomer. Da war es von vornerein fast klar, dass es in die Hose geht. Zumindest wusste man das, wenn man das ganze ohne die 2nullige rosarote Brille betrachtet hat...

  • Martin Weigert

    30.04.10 (05:39:20)

    Och gefeiert hab ich eigentlich nur picabee. Aber fand's ja damals schon fast zu mutig.

  • Michael

    30.04.10 (07:58:25)

    Ihr habt die United Internet Perlen mySmarts und myStores vergessen! :)

  • Igor

    30.04.10 (08:56:21)

    Bei StageSpace wundert mich gar nichts. Schon als sie ihren Dienst in Maquari und dann in Bailamo umgenannt hatten, war klar dass sie keinen Plan haben, wie sie damit Geld verdienen wollen. Später hat das der damalige CEO Fabien Röhlinger sogar in einem Interview auf deutschestartups.de zugegeben. Wie sich im nachhinein herausstellt übrigens nicht die erste Firma, bei der Fabien Röhlinger seine Finger mit im Spiel hatte und die kurz nachdem er sein Interesse verloren hat in die Pleite gegangen ist...

  • Thomas

    30.04.10 (09:58:14)

    Ich glaube, es gibt noch ein paar Relikte aus der damaligen Goldgräber-Zeit, wie z.B. das von Robert Basic hochgelobte Joinr, die aber auch bald die Segel streichen werden/müssen. Aber die Ausgangs-Frage ist durchaus berechtigt; "Kennt ihr die noch?" - viele davon hat man schon verdrängt, weswegen es durchaus einige mehr waren, die durch die Blogosphäre gezerrt wurden und stillschweigend untergegangen sind.

  • Igor

    30.04.10 (10:01:46)

    Würde mich mal interessieren, ob es bei den Untergegangenen Parallelen gibt. Zumindest bei denen, die in eine Insolvenz geschlittert sind, scheint das Management wohl einiges falsch gemacht zu haben. Gibt es bei den Firmen bzw. den Gründern Zusammenhänge?

  • Martin Weigert

    30.04.10 (10:04:35)

    Das ein Großteil der Neugründungen nicht zu einem Erfolg wird, ist wohl ein natürlicher Prozess. Selbst wenn es da Zusammenhänge und Verbindungen gäbe, würde ich nicht damit anfangen, Schuldige zu suchen. Das Spektrum von Gründen, die einen Dienst am Ende ins Verderben schicken, ist denkbar groß.

  • H

    30.04.10 (10:14:23)

    Schon bei der Wahl eines guten Namens sehe ich hier null Talent, mit Ausnahme von unddu.de vielleicht. Peinlich. Allerdings, hätte ich ehrlich gesagt, Facebooks Erfolg auf Grund seines Namens eigentlich auch nicht erwartet, dagegen eher bei Friendster.

  • tm78654

    30.04.10 (10:24:06)

    "Das ein Großteil der Neugründungen nicht zu einem Erfolg wird, ist wohl ein natürlicher Prozes" Ja, typischer Unternehmergedanke. Vor ein paar Tagen habe ich mich zufällig mit meinem Professor darüber unterhalten, wie wichtig es einem Unternehmer ist, mit seiner Firma Erfolg zu haben und wie man den Erfolg definiert. Mein Professor vertritt die Einstellung, das ein Untenehmer davon ausgehen muss, mit seiner Unternehmung zu scheitern, jedoch in dieser Zeit den maximalen Profit generiert. Nehmen wir mal Mark Zuckerberg. Der Junge ist 25 Jahren alt und vier Milliarden schwer und damit erfolgreichster Unternehmer. Ob sein Projekt Facebook aber letztendlich zur cash cow wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Es kann ihm persönlich allerdings auch egal sein, ob Facebook funktioniert, schließlich kann er sich einem anderen Projekt zuwenden, wo er mehr Geld verdient. Das ein Großteil der Neugründungen nicht zu einem Erfolg wird, ist meiner Meinung nach kein natürlicher Prozess, sondern hängt mit der Ausbildung und Einstellung der Unternehmer zusammen, die dafür verantwortlich sind. Das Spektrum der Gründe für das Scheitern eines Internet-Dienstes sind sicher sehr Umfangreich. Doch werden sie meiner Meinung nach in der Fachpresse zu selten behandelt. Ein Lernefekt bleibt aus.

  • Igor

    30.04.10 (10:24:23)

    Sagen wir es mal so: Wenn man die Gründe für den Miserfolg kennt, dann kann man es beim nächsten Mal besser machen. Der Name ist natürlich sehr wichtig, wobei ich den Vergleich mit Facebook hier im deutschen Markt nicht sehe. Facebook ist ein üblicher Begriff in den USA, worunter sich die Leute etwas vorstellen können. Dass es in Deutschland erfolgreich wurde, hing eher damit zusammen, dass es über den grossen Teich als bereits erfolgreich geschwappt ist. Was mich aber interessiert ist, was ist der Unterschied zwischen einem Startup mit einer guten Idee, das erfolgreich wird, und einem Startup mit guter Idee, was nicht erfolgreich wird. (Startups die in eine Insolvenz schlittern klammere ich mal aus, denn da kann man ja im IT-Sektor zu 99% davon ausgehen, dass das Management geschlafen hat)

  • Martin Weigert

    30.04.10 (10:29:32)

    @tm78654 Aus meiner Perspektive - nämlich die des Berichterstatters und nicht die des Unternehmers - ist das reine Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Von 20 Social Networks können nicht alle ein Erfolg werden. Eins wird immer erfolgreicher sein als die anderen. Du hast aber recht, dass man als Unternehmer an seinen eigenen Erfolg glauben soll. Die Lerneffekte aus gescheiterten Ideen und Startups zu nutzen, ist in der Tat spannend. Leider fehlt eben häufig der Einblick, und nicht immer sind gescheiterte Gründer dazu bereit, transparent über das zu sprechen, was schief gegangen ist. deutsche-startups.de hatte dazu aber vor einigen Monaten mal eine Serie, glaube ich. @ Igor Ich hatte das mal aus einer Marketingperspektive beleuchtet.

  • Markus

    30.04.10 (11:50:24)

    Ich kenn ehrlich gesagt keinen einzigen von den genannten. Das einzigste was ich glaub mal gehört hab ist Weblin. Na ja es werden immer welche kommen und gehen :-)

  • Igor

    30.04.10 (12:13:04)

    > ... es werden immer welche kommen und gehen ... und wiederkommen, und wieder gehen, und wiederkommen, und und und. Ich denke wenn die Fehler nicht angesprochen werden, lernt niemand daraus. Als Investor würde mich das ärgern.

  • tina

    30.04.10 (13:31:01)

    Dass kleine Startups mit irgendwelchen Investoren sich verrechnen, ist glaube ich normal. Lustiger finde ich Zoomer oder unddu, die von grosse Unternehmen gestartet werden um auf irgeneinen Zug aufzuspringen und trotzdem (oder gerade deshalb) klappt es nicht. Ich erinnere auch an die t-community! Wobei bei der frage ich mich ehrlich, ob das heutzutage nicht das bessere Facebook hätte werden können. Ganz ehrlich würde ich der T-kom immer noch lieber meine Daten anvertrauen als Facebook.

  • Martin Weigert

    30.04.10 (13:42:47)

    Stimmt ja, die T-Community gab's ja auch mal. Die hätte tatsächlich noch gut in diese Übersicht gepasst... Wer weiß, vielleicht versucht's die Telekom ja irgendwann noch mal :)

  • Jens Niemann

    30.04.10 (14:20:41)

    ...man sollte mal ein Ranking machen, wo die meisten EUR verbrannt wurden. Auch die Gesamtsumme ist sicher beträchtlich - Griechenland würde sich freuen ;-) Aber danke für die Zusammenfassung - sehr spannend

  • Igor

    30.04.10 (14:29:20)

    @Jens Niemann: Für StageSpace kann man laut Bilanzbericht zumindest folgendes festhalten: Der HighTechGründerFonds war mit 500.000Eur drin. Meines Wissens nach finanziert er sich zur Hälfte aus der Wirtschaft und zur anderen Hälfte staatlich (Thema Steuerzahler).

  • Michael P.

    01.05.10 (20:15:22)

    Es fehlt das Videoportal von DivX stage6, das war damals echt der Hammer und um weiten besser als youtube. Leider hat Qualität wohl einen zu hohen Preis :/ Schade drum stage6 hatte es echt drauf

  • tm78654

    01.05.10 (21:01:38)

    oh ja. stage 6 war youtube in vielen bereichen überlegen. echt schade das sie schließen mussten.

  • Martin Weigert

    02.05.10 (00:07:54)

    War aber nicht aus Deutschland.

  • Simon

    04.05.10 (10:08:12)

    Erinnert mich an das Barcamp Cologne 2 im Sommer 2007, wo diverse Gründer der o.g. Startups anwesend waren.

  • Gerhard

    12.05.10 (16:21:40)

    solte man die alle kennen? als ich dem link von s-i-n gefolgt bin hatte ich mir ach ja momente erwartet. aber die oben sind entweder unbekannt, oder es war mit minimalem einblick offensichtlich dass sie nicht laufen werden.

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