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30.06.14

Wearables: Niemand will ein Date mit einem Cyborg

Hersteller von Wearables scheinen von der Annahme auszugehen, dass alle Menschen vom Dasein als Cyborg träumen. Das ist wahrscheinlich ein Grund für die geringe Durchschlagskraft von am Körper getragenen Gadgets.

CyborgZu konstatieren, dass die bisherige Generation von Google Glass und anderen Datenbrillen hinsichtlich der öffentlichen Nachfrage hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, wäre eine Untertreibung. Google scheint sein vor zwei Jahren euphorisch vorgestelltes Produkt mittlerweile selbst eher unangenehm zu sein: Kein einziger Präsentator auf der Keynote der jüngsten I/O-Entwicklerkonferenz trug Glass. Gesprächsgegenstand war es ebenfalls nicht.

Auch Smartwatches erwiesen sich bisher trotz enormer Publicity nicht gerade als Verkaufshit.

Die Gründe für die Ernüchterung bei Wearables sind freilich vielseitig, und überzeugte Anhänger dieser neuen Produktkategorie würden an dieser Stelle wahrscheinlich auf die noch sehr frühe Phase im Produktlebenszyklus verweisen. Dem wäre nicht zu widersprechen. Doch ich glaube, dass die Diskrepanz zwischen dem Medien- und Marketing-Hype um am Körper getragene Gadgets sowie der generellen Nachfrage nach ihnen und tatsächlichen Relevanz von ihnen unter anderem auf einen wichtigen Aspekt zurückzuführen ist: Smartwatches

Google-Bildersuche nach "Smartwatch"

Die meisten Menschen wollen nicht aussehen wie Cyborgs. Oder, um ein wenig zu polarisieren: Niemand möchte auf ein Date mit einem vernetzten und "verkabelten" Wesen gehen, an dessen Hand und Kopf es ständig blinkt, aufleuchtet und piept; ein Wesen, das dazu noch regelmäßig mit diesen Apparaten spricht und immer nur maximal 50 Prozent der Aufmerksamkeit für den oder die Gesprächspartner(in) übrig zu haben scheint.

Weder Google noch einige Smartwatch-Hersteller haben dies verstanden. Daran ändern auch die neuen eleganten Markengestelle für Glass nichts. Das Gros der Bevölkerung hat kein unausgelebtes Bedürfnis danach, sich einmal wie eine Mensch-Maschine-Kreatur fühlen zu können. Das bedeutet nicht, dass das Interesse für Wearables für alle Ewigkeit nur auf eine kleine geekige Nische begrenzt sein muss. Entscheidend ist aber, Nutzer an diese neue Form des Computings sachte heranzuführen. Was das bedeuten kann, illustrierte gerade Withings mit der Vorstellung einer in höchstem Maße ansehnlichen Armbanduhr mit integriertem Fitness-Tracker, Bewegungssensor und Bluetooth-Chip. Auch Motorolas Moto 360, ausgestattet mit dem neuen Betriebssystem Android Wear, orientiert sich am klassischen Uhren-Design. Ich halte dies für den sehr viel sinnvolleren Ansatz, anstatt Anwender dazu bewegen zu wollen, sich ein Smartphone-Display im Mini-Format um den Arm zu schnallen.

Star Trek

Hersteller von Wearables sollten aufhören, hartgesottene Selbstquantifizierer und experimentierfreudige, aber tendenziell wenig stilbewusste Technologie-Evangelisten als ihre Zielgruppe zu sehen. Auch Otto-Normal-Verbraucher haben grundsätzlich Bedarf an praktischen, den Alltag vereinfachenden Lösungen. Solange sie der Blick in den Spiegel aber an Star Trek erinnert, wird die Mehrzahl dankend verzichten. /mw

Foto Artikelbeginn: Human hand is inserting memory card in head of young man or robot, futuristic concept, Shutterstock

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