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25.05.11

watchlater: Instapaper für Videos

watchlater heißt ein neuer, vom Inkubator HackFwd mitfinanzierter Dienst, mit dem sich Videos aus dem Netz für das spätere Betrachten im Browser oder auf dem iPad bookmarken lassen.

 

Seit Monaten warte ich auf den Launch der angekündigten iPad-Applikation der Medien-Center-Software Boxee. Der Grund: Ich verwende Boxees praktisches Browser-Bookmarklet, um Videos aus dem Netz für späteres Anschauen abzulegen, und wäre sehr gerne in der Lage, diese Clips zu einem passenden Zeitpunkt auch über mein Tablet abzurufen.

Das Warten scheint nun vorbei zu sein. Nicht etwa, weil Boxee endlich im App Store gelandet ist, sondern weil mit watchlater gestern ein anderer Service offiziell gestartet ist, der genau dieses Anwendungszenario erfüllt.

Der Dienst des in Bochum und Berlin ansässigen Entwicklerstudios 9elemens besteht aus einer Browseranwendung, einem dazugehörigen Bookmarklet sowie einer iPad-Applikation. Nach einer kostenfreien Registrierung ziehen User das Bookmarklet in die Favoritenleiste ihres Browser und können fortan mit einem Klick Videos von über 20 unterstützten Videoportalen (u.a. YouTube, Vimeo, TED) in ihrem watchlater-Konto für späteres Ansehen zwischenlagern - ähnlich wie man dies von Instapaper oder Read It Later für Onlinetexte kennt.

Wer unterwegs schnell ein Video bei watchlater speichern will, erhält dazu eine persönliche E-Mail-Adresse, an die der entsprechende Link gesendet werdet werden kann.

Sämtliche importierten Clips können über den eigenen watchlater-Account im Browser sowie über die iPad-Applikation abgerufen werden. Strukturierte User haben auch die Möglichkeit, Videos in einzelne Ordner einzusortieren, die sich auf Wunsch mit einem Passwort versehen lassen (wieso das praktisch ist, siehe unten).

[photos title="watchlater in Bildern"]

Das Highlight des Dienstes - die iPad-App - kann für 2,39 Euro im App Store erworben werden und erlaubt das ortsunabhängige und bequeme Betrachten aller importierten Filmchen. Eine besondere Funktion stellt die Option zum lokalen Herunterladen einzelner Clips dar, um diese auch dann anschauen zu können, wenn keine Internetverbindung existiert (z.B. während einer Reise).

Wer dieses Feature verwenden möchte, muss für 300 Minuten 2,39 Euro zusätzlich zahlen, die per In-App-Kauf fällig werden. Zum Ausprobieren spendiert einem watchlater fünf Minuten, zudem kann man sich durch das Empfehlen des Produkts per Twitter und Facebook 200 Gratis-Minuten für Offline-Caching sichern.

Leider funktioniert dieses grundsätzlich sehr praktische Offline-Feature nicht bei jedem von watchlater integrierten Videodienst. So musste es für Videos von YouTube aufgrund der dort geltenden Geschäftsbedingungen deaktiviert werden. watchlater-Macher Sebastian Deutsch stellt für ein baldiges Update jedoch eine Lösung mit Umweg über Dropbox in Aussicht.

Wer ein AirPlay-fähiges Gerät im Haushalt stehen hat, kann lokal gespeicherte watchlater-Clips auch per Knopfdruck an dieses übertragen.

Eine clevere Aufmerksamkeit vom watchlater-Team ist das bereits angesprochene Feature, um einzelne Verzeichnisse mit einem Passwort zu versehen. Jeder iPad-Besitzer weiß, dass ein Tablet schnell in den Händen von Familienmitgliedern oder Freunden landet. Da sich Clips auch direkt von der iPad-App löschen lassen (dazu in der jeweiligen Videozeile mit dem Finger nach rechts "swipen"), könnte es in manchen Situationen sinnvoll sein, Material, das man in keinem Fall "verlieren" möchte (oder das man aus anderen Gründen vor fremden Blicken schützen will), in einen mit einem Kennwort gesicherten Ordner zu legen.

Mit dem Launch von watchlater können die Bochumer Entwickler von 9elements grundsätzlich nicht viel falsch machen. Jeder, der täglich im Netz zugegen ist und ein iPad besitzt, wird ab und an dafür dankbar sein, ein Video für später vormerken zu können, statt sich durch das sofortige Betrachten von der Arbeit ablenken zu lassen. Offenbar dachte man sich das auch beim Hamburger Inkubator HackFwd, der sich finanziell an der Entwicklung von watchlater beteiligt hat.

Bei der Umsetzung des Dienstes gibt es sicherlich noch einigen Verbesserungsbedarf, aber das ist angesichts des gerade erfolgten Launches auch nicht verwunderlich: So funktionierte das "Bookmarken" von Videos per Mail in meinen Tests bisher nicht, die iPad-App könnte einige Erklärungen vertragen (den Lösch-Button für Clips findet man nicht sofort), und überhaupt löst weder die App noch die Browseroberfläche die hohen Erwartungen an Usability und Design ein, die durch die elegante watchlater aufgebaut werden.

Dass die 9elements-Crew hier in den nächsten Tagen und Wochen noch nachbessern wird, damit ist zu rechnen. Nicht unwahrscheinlich sind auch Experimente bei der Preisgestaltung. Mit 2,39 Euro ist die Applikation zwar nicht teuer, aber trotzdem teuer genug, um den ein oder anderen User vom Download abzuhalten. Zumal es mit dem Verkauf von "Caching"-Minuten für das lokalen Speichern von Clips eine zweite, mittelfristig (bei Einbeziehung von YouTube-Clips) deutlich attraktivere Erlösquelle gibt.

Jeder Anbieter einer kostenpflichtigen App erhält gemäß Apple-Richtlinie maximal 50 Gratiscodes. 10 davon stellt watchlater für Leserinnen und Leser von netzwertig.com bereit. Wer die watchlater-iPad-App gratis herunterladen will, hinterlässt einen entsprechenden Kommentar unter Angabe einer validen E-Mail-Adresse im dafür vorgesehenen Feld. Die ersten Zehn sind dabei!

Update: Die Codes sind weg!

Link: watchlater

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