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17.06.08Leser-Kommentare

Warum eine Kulturflatrate desaströs wäre

musik-bachsonateDie Ära, in der wir für Musikaufnahmen direkt bezahlen, ist vorbei. Das schließt sowohl das Bezahlen für einzelne Kopien als auch sonstwie geartete Abonnementmodelle für Musikaufnahmen ein. Sollte sich eine sogenannte Kulturflatrate durchsetzen, käme mit ihr das Ende der Netzneutralität und damit ein enormer gesellschaftlicher Wohlfahrtsverlust.

Musiker sollten sich lieber damit abfinden: Wie in der Zeit vor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden sie ihren Lebensunterhalt mit Auftritten und dergleichen verdienen.

Im gestrigen Linkwertig zu einer Studie zum aktuellen Musikverhalten sagte ich zur Möglichkeit einer kostenpflichtigen Tauschbörse für jegliches Material:

Schade nur, dass das technisch nicht umsetzbar ist, ohne das komplette Internet umzukrempeln. Und deswegen (und aus anderen Gründen) wird das auch nie geschehen.

Auf Nerdcore.de greift René meinen Artikel auf und schreibt:

Natürlich wird genau das passieren, denn die Majors haben gar keine andere Wahl. Und warum das technisch nicht umsetzbar sein soll, weiß ich auch nicht. Na klar ist das machbar, auch ohne das Internet umzukrempeln: die Labels lizensieren ihren Content an die ISPs. Ich sehe keinen Grund, warum das nicht funktionieren sollte. Schwierig, na klar. Aber nicht möglich?

Dazu ein, zwei Gedanken von mir.

Kulturflatrate bedeutet, zusammengefasst, einen Abschlag auf den Internetzugang zu zahlen, mit dem P2P-Filesharing von urheberrechtlich geschütztem Material (zunächst mal Musik) finanziert und legalisiert werden soll.

Richtig ist, dass die Musikindustrie wahrscheinlich irgendwann innerhalb der nächsten fünf Jahre begreifen wird, dass ihr einziges Heil in der Kulturflatrate besteht, und sie diese irgendwann massiv per Lobby forcieren wird.

Klar ist allerdings außerdem, dass wir alle - as in: die Nutzer, die Konsumenten, die Hörer - dagegen sein müssen, weil damit in letzter Instanz das gesamte Internet, so wie wir es kennen, auf dem Spiel steht. Es würde einen gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrtsverlust bedeuten, der schlicht und ergreifend nicht hinnehmbar wäre.

Im Grunde finde ich es nicht "schade", dass es keine Kulturflatrate o.Ä. geben wird, sondern hoffe vielmehr, dass es soweit nicht kommt.

Lasst mich etwas ausholen.

Zunächst zu den aktuellen kulturellen Umständen

Zur allgemeinen Argumentation der Musiklabel: Filesharing urheberrechtlich geschützten Materials ist Diebstahl und kein Diebstahl zur selben Zeit. Es ist etwas, das auf einer anderen Ebene stattfindet. Um konkret zu werden: Das Verständnis, für Musikaufnahmen zu bezahlen, kommt aus einer nichtdigitalen Welt. Das funktioniert nicht im Internet. Zumindest nicht auf dem alten Weg.

Denn wo Kopien ohne zusätzliche Kosten erzeugt werden können, ist die einzelne Kopie ökonomisch wertlos (der einzige vom Markt akzeptierte Preis ist Null, wenn man das Produkt sowieso ohne Aufwand kostenlos bekommen kann). Kein heute 14-jähriger Teenager wird jemals Musikaufnahmen kaufen, zumindest nicht in dem Umfang, dass das Aufnehmen von Musik allein profitabel sein wird.

Damit ist das Bezahlen pro Kopie also hinfällig.

Die Kinder, die diese heute 14-jährigen Teenager irgendwann einmal haben werden, werden an den Zugang zu kostenloser Musik so gewöhnt sein, dass sie ungläubig dreinschauen werden, wenn ihnen ihre Großeltern von einer Zeit erzählen, in der Musiker mit simplen Musikaufnahmen Millionäre werden konnten.

Die technischen und gesellschaftlichen Implikationen einer Kulturflatrate

Da das Bezahlen pro Kopie hinfällig ist, soll es nun also eine Abgabe auf die Nutzung von P2P-Börsen beziehungsweise des gesamten Netzes richten? Was auf den ersten Blick wie die optimale Lösung aussieht, wäre ein Desaster auf allen Ebenen.

Fangen wir damit an, wer bezahlen soll. Will man damit das Trittbrettfahrerproblem des illegalen P2P-Filesharings abfangen, muss es eine Zwangsabgabe für alle sein, die einen Internetanschluss haben. Also auch für jene, die gar kein Interesse am Tausch von Musik haben. Äußerst fair.

Und wenn man einer Industrie die Gunst einer staatlich durchgesetzten Steuer genehmigt, welche Pandorabüchsen öffnet man denn bitteschön damit? Anders als staatlich geregelt ginge das nicht, denn: Der ISP, der einen günstigeren (weil abgabefreien) Zugang anbietet, hat einen Wettbewerbsvorteil.

Die nächste Frage ist die nach dem Verteilungsschlüssel . Auf welcher Grundlage verteilt man das eingenommene Geld?

Man kann nicht alle P2P-Börsen überwachen. Und selbst wenn, wären damit Musikblogs, Direktdownloads von privaten Servern und Angebote wie Rapidshare noch nicht erfasst. Man muss also beim Bezahlvieh und seinem Internet-Provider ansetzen. Und dort den kompletten Traffic scannen und analysieren.

Und wenn man dann einmal dabei ist, das bei Audio zu machen (was auf dem Level eigentlich schon gruselig genug sein müsste), was wird dann zwangsläufig passieren?

Genau, es klopft Hollywood an. Video wird dann auch gleich noch mit überwacht.

Irgendwann steht dann die gesamte Unterhaltungsindustrie vor den Toren. Warum auch auf Musik beschränken? Äußerst willkürlich.

Ugh. Damit wären wir dann bei den Pandorabüchsen.

Das wäre das Ende der Netzneutralität. Denn wenn man eh schon mal alles scannt, dann könnte man doch auch gleich ...

Man könnte dann zum Beispiel sagen, 'Schaut, wir bieten hier jetzt neben der herkömmlichen Kulturflatratemusik jetzt diese Alben mit Superduper-Premiummusik zum Vorzugspreis von yaddayadda an. Sharen dürft Ihr die übrigens nicht. Und ach ja, das sehen wir ja, falls Ihr das doch macht.' Die Anzahl an 'Premiummusik' könnte dann im Laufe der Zeit auch wieder weiter zunehmen.

Einmal Premium, immer Premium: Ist die Netzneutralität erstmal weg, werden dafür zahlende Anbieter wie SpOn etc. schneller und zuverlässiger an den DSL-Kunden ausgeliefert, als etwa all die kleinen Internet-Tagebücher Blogs. Endlich ginge es nicht mehr um Qualität und Grassroots, sondern wieder um Geld und Macht.

Kulturflatrate. Für eine flache Kultur von morgen.

Von weiteren Problemen, wie ich sie etwa vor einiger Zeit auf meinem privaten Blog beschrieb, haben wir da noch gar nicht geredet:

Folge des Ganzen: Ein gesetzlich abgesichertes Verwertungsmonopol, das von der Musikindustrie geformt und geleitet wird. Denn alles was kein allumfassendes Monopol ist, also etwa wie auch immer geartete Abomodelle, benötigt DRM und sind damit Totgeburten.

Jeder, der zum Beispiel die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA schon einmal auch nur von weitem erleben durfte, dem dürfte es bei dem Gedanken an eine Kulturflatrate, die zwangsweise von so einer Gesellschaft organisiert werden müsste, eiskalt den Rücken runterlaufen.

Ich wüsste gern, wie die Befürworter einer Kulturflatrate diese Argumente wegzaubern. Abgesehen vom "Musiker wollen auch von etwas leben"-Argument fällt mir nichts ein, was für die Kulturflatrate spricht. Hint: Das wollen die Musiker sicher, aber weder gehört das staatlich geregelt, noch haben sie ein Recht, zu bestimmen, auf welche Art sie ihren Lebensunterhalt verdienen dürfen, wenn der Markt es nicht rechtfertigt. Und mit Musikaufnahmen ist die Geschichte vorbei.

Kein Grund, die gesamte Gesellschaft und ihre größte Errungenschaft der letzten Jahrzehnte - das Internet - deswegen in Geiselhaft zu nehmen.

Die Musikindustrie und ihre Verwandten sind Dinosaurier, die in ihrem verzweifelten Kampf gegen den Untergang selbst davor nicht zurückschrecken, sich mit ihren Klauen mittels Gerichtsklagen in den Geldbörsen Minderjähriger  festzukrallen. Wie sehr wird es wohl diese zutiefst von Skrupeln und gesundem Menschenverstand befreite Industrie interessieren, ob sie mit ihren Bestreben der aktuell florierenden Entwicklung des Internets ein jähes Ende setzen?

Mit Netzneutralität beginnt und endet alles, was wir am Internet lieben (Freiheit, Web2.0, Blogs etc.). Eine Kulturflatrate wäre das Ende der Netzneutralität.

The shape of things to come

Musiker und Musiklabel: Wenn Ihr am Markt teilnehmen wollt (= Musik als Produkt gegen Geld verkaufen), dann fügt Euch auch seinen Spielregeln, und heult nicht rum, wenn es nicht so läuft, wie Ihr Euch das vorstellt. Könnte ja jeder kommen.

Gegen die vollständige Subventionierung eines gesamten Industriezweigs werde ich mich mit Händen und Füßen wehren, und da werde ich nicht der Einzige sein.

Die Zukunft von Vollzeitmusikern sieht, nach einer kurzen Periode, in der man auch allein von den Aufnahmen leben konnte - eine Anomalie in der Menschheitsgeschichte, wenn man so will -, wieder so aus, wie es die Jahrhunderte davor auch schon war:

It's back to live. End of story.

-

Disclosure:

Musik-Plattenbau

Foto einer Ecke meines Wohnzimmers

(Foto am Anfang des Artikels von jrossol)

Kommentare

  • c3p

    17.06.08 (23:13:58)

    "Man kann nicht alle P2P-Börsen überwachen." das wird heute schon mehr oder weniger gemacht, und abgesehen von verschlüsselten darknets und oneklickhoster angeboten ist es auch nicht sooo schwer. es wäre auch keine alzugroßes problem eine torrent tauschbörse so umzuprogrammieren, das sie anonymiesierte auskunft darüber gibt was geladen wurde (dies könnte ja auch deaktivierbar sein, wenn es open source ist werden die meisten nutzer es freiwillig mitteilen). Diese Tauschbörse ist dann der "offiziell erlaubte" ort an dem getauscht werden darf und in welchen labels ihre neue musik reinstellen (müssen)! Es gibt denke ich zwei möglichkeiten wie der abgabezwang umgesetzt wird: 1. es gibt normale und musik-internetanschlüsse, die meisten würden sich wohl für den musikanschluss entscheiden weil sie dann weniger stress haben sich das neue zeug zu besorgen und kein risiko mehr besteht. Es wird einen gewissen anteil geben der weiterhin nicht für musik bezahlt, aber dieser ist wie ladendiebe wohl unvermeidbar. 2. es gibt auf alle internetanschlüsse zwangsabgaben: Über kurz oder land werden wohl andere dienste halblegal angeboten billiger ins inet zu kommen (oder zum gleichen preis aber mit mehr umfang) z.b. über Satellit. Ein generelles Problem was ich daran noch sehe ist wie man eine solche börse gegen andere länder mit anderen regeln absichert, obwohl es technisch wohl auch hinreichend erschwert werden könnte. Soweit ein befürworter der musikflatrate. (hätte auch nichts dagegen jeden monat sagen wir mal 30-50€ zu bezahlen und dafür auch noch video und software gratis zu erhalten, und wenn man bedenkt das es vermutlich ~20-30€ mehr ist als ich im schnitt für musik,video ect ausgeben würde die industrie damit einen vorteil haben.)

  • Steafn S.

    18.06.08 (07:48:49)

    Die Musikindustrie wird sich vorerst mal weiter bemühen, möglichst mit viel Genörgel frontal in eine Wand zu fahren. Bis sie gar nix mehr verkaufen. Danach vielleicht kommt die Flat-Geschichte auf den Tisch. Dabei wage ich es mal vorauszusagen, dass man einmal mehr den idiotischsten aller Wege gehen wird: Eine Gebühr auf die Internet-Provider-Preise. Damit auch brav ALLE abdrücken dürfen, auch die, die von Musiktausch keine Ahnung haben. Die CD ist nicht mehr Medium der Wahl für die Verbreitung von Musik. Der Markt für MP3 wächst massiv, Apple machts richtig, die Musikindustrie beharrt auf ihren Kauf-CDs und betreibt das Lizenzgeschäft für digitale Verbreitung nur nebenbei und gefühlt antriebslos – weshalb es auch noch Krücken wie DRM gibt. Will doch niemand! Ehrlich nicht! Und verhindert den Verkauf massiv. Wer jetzt "unfair" schreit soll sich doch mal ausrechnen, wieviel mal wir aktuell für Musik bezahlen: – Auf Rohlingen: GEBÜHREN – Auf Festplatten: GEBÜHREN – Auf MP3 Player: GEBÜHREN – Auf SD-Karten/USB Sticks: GEBÜHREN – Musik legal kaufen: GEBÜHREN (Auf CD-Brenner auch? Man weiss es nicht... Und auf die Internetleitung?) Will ich also ein legal gekauftes Lied auf meinen iPod übertragen und backupen bezahle ich mindestens 4x (iTunes, HD, CD-Rohling, Festplatte) Musikgebühren. Mal ehrlich: Nochmal so 'ne Übung? Nein, danke! Wenn eine Flatrate kommt will ich KEINE der obenstehenden Gebühren mehr sehen. Insbesondere nicht pauschal-kriminalisierende Urheberrechtsabgaben auf MP3-Player wie den iPod. Aktuell ist in der Schweiz das DOWN-loaden zum Privatgebrauch (!) ja noch legal – auch nach der aktuellen Gesetzes-Revision. Gruss Stefan

  • wolfgang

    18.06.08 (09:10:36)

    Komische Logik: "Das (davon leben) wollen die Musiker sicher, aber weder gehört das staatlich geregelt, noch haben sie ein Recht, zu bestimmen, auf welche Art sie ihren Lebensunterhalt verdienen dürfen, wenn der Markt es nicht rechtfertigt." Klar, dann können wir ja das gesamte Arbeitsrecht abschaffen - der Markt regelt das ja alles so schön alleine. Warum jetzt ein Musiker weniger Recht darauf haben soll, sich für vernünftige Arbeitsbedingungen stark zu machen, als sagen wir mal ein Stahlkocher, leuchtet mir nicht ein.

  • Markus

    18.06.08 (09:43:06)

    Zu dem Thema könnte man viel schreiben. Ich hab die Forderung nache iner Kulturflatrate aus strategischen Gründen vor Jahren in die deutsche Debatte mit eingebracht. Damals war es auf dem Höhepunkt der DRM-Euphorie. Mittlerweile bin ich recht skeptisch geworden, spätestens seitdem IFPI & Co aufspringen, die uns damals beschimpft oder wahlweise ausgelacht haben. Zum Thema Netzneutralität: Deep Packet Inspection wird jetzt schon von deutschen Providerne ingesetzt, es thematisiert nur niemand. Und das in den Content hineinschauen wird über eine Massnahme viel früher kommen und diese wird leider überhaupt nicht thematisiert: Die Forderung von Internetsperrungen. Finde ich um einiges gefährlicher für ein freies Internet, als Debatte um eine Kulturflatrate, die sicher noch mindestens ein Jahrzehnt braucht, bis man sich da mal geeinigt hat. Internetsperrungen werden gerade auf EU-Ebene vorbereitet, das ist ähnlich wie die chinesische Internet-Mauer, nur dass die Provider verdonnert werden, eben genau wie oben beschrieben sich den vorbeispringenen Content ihrer Kunden anzuschauen und ggf zu sperren.

  • hathead

    18.06.08 (10:01:53)

    Die Kulturflatrate,wird es nicht sein, die das Internet zerstört. Im übrigen ist die entkriminalisierung unserer Teenager doch eher zu begrüßen. Und es müsste auch keine Zwangsabgabe sein. Jeder der Zahlen will und das werden viele sein, wenn dadurch P2P wieder erlaubt ist, zahlt. Wer nicht zahlen will, lässt es. Er muss sich dann aber auch damit befassen, dass er anschließend verklagt werden kann. Und eigentlich finde ich selbstverständlich, dass sich die Kulturflatrate auf die Gesamtheit unserer Kultur bezieht. Wenn schon, dann richtig. Musik, Filme, Bücher. Es würde für die kleine Kommentarbox zu weit führen, aber das ist wäre eine befreiung der Kultur. Abgesehen davon ist das Ende des Internet bereits eigeläutet, seit dem Anwälte wissen wie man das Wort "Internet" schreibt. Stellt sich nur noch die Frage, wann sie auf das Wörtchen "Usenet" kommen... Und ein kleiner Hinweis zu dem was Markus da gesagt hat: Für die Netzneutralität können wir ja demnächst alle unsere Internetseiten verschlüsseln. Fangen wir einfach mal mit einfachen https Schlüsseln an. Netzwertig nur noch als https wär doch super. Schade nur, dass die Google-Guy´s dann nichts mehr finden :-)

  • Daniel Niklaus

    18.06.08 (10:16:43)

    Hi Marcel Ich gestehe, deinen Artikel habe ich aufgehört zu lesen, als du mit folgendem Argument kamst: "Denn wo Kopien ohne zusätzliche Kosten erzeugt werden können, ist die einzelne Kopie ökonomisch wertlos" Sorry; mit einer solchen Aussage setzt du dich schlicht ins Offside. So wird deine Forderung weder ein Provider, ein Politiker noch die MI ernst nehmen und schon gar nicht Apple. Egal was danach Schlaues kommt.

  • Denny

    18.06.08 (11:47:56)

    Vermutlich denke ich zu naiv, aber ich verstehe nicht, was die Provider mit einer Kulturflatrate zu tun haben sollen. Ich würde mir eine Kulturflatrate wünschen, und die sähe so aus: jeder, der daran teilnehmen möchte, bezahlt einen gewissen monatlichen Betrag an den Staat. Im Gegenzug erhält er Zugangsdaten für den Zugriff auf Kulturgüter wie Musik, Filme, Bücher usw. Musik kann man sich als DRM-freie, mit Wasserzeichen versehene MP3-Dateien herunterladen (wegen mir auch OGG), bei Filmen sollte es ähnlich laufen. Bücher können umsonst entliehen werden. Die Wasserzeichen werden vor dem Herunterladen in die Dateien integriert und sind pro Datei absolut eindeutig, sodass Missbrauch verfolgt werden kann. Dies wird z.B. jetzt schon bei den DRM-freien Songs von iTunes (iTunes Plus) so praktiziert, was ich völlig OK finde. Ich kaufe die Sachen für mich und max. meinen Partner, für niemanden sonst, von daher ist das ein akzeptabler Kompromiss. Natürlich wären MP3-Dateien ganz ohne Wasserzeichen noch einen Tick netter, jedoch sind Menschen nunmal Menschen und die Vergangenheit hat gezeigt, dass Menschen mit völlig freien MP3-Dateien nicht umgehen können, sprich sie wie verrückt in Tauschbörsen feilbieten. Ich finde es auch sehr schade, dass in den Köpfen der Respekt und die Achtung vor musikalischer Kunst nicht (mehr?) vorhanden ist, aber so ists nun mal. Wer an der Flatrate nicht teilnehmen will, lässt es bleiben und zahlt weiterhin knackige 18,- für ein aktuelles Musikalbum.

  • Daniel Niklaus

    18.06.08 (12:09:50)

    @Denny Diese "Flatrate" bezahlst du mit den Abgaben an SUISA, Gema & Co. In der Schweiz darfst du deshalb auch legal Musik aus dem Internet auf deinem PC oder deinem MP3 Player abspeichern (einfach nicht ins Internet raufladen). Warum Provider? Es geht nicht um die Provider als solche. Genausogut kann es auch iTunes sein, welche aktuell eine Flatratemodell mit der Musikindustrie verhandelt. Provider sind ein möglicher Anbieter für solche Dienste. Wer die arrogante, habgierige und rechthaberische Art der SUISA & Co. kennt (ich will mein Pandora zurück!) will unter keinen Umständen, dass die Kulturflatrate an den Staat geht. Dann haben wir einen weiteren Bürokratiemoloch, der uns Konsumenten und den Künstlern nur Ärger bringt. Pro dein Modell - aber nicht über den Staat sondern Privatwirtschaftlich geregelt.

  • Marcel Weiss

    18.06.08 (12:22:06)

    C3P: Anonymisierte Erfassung auf der Seite der Tauschbörsen würde Tür und Tor für Manipulationen öffnen. Dann könnte man etwa Server aufsetzen und die Alben der Lieblingskünstler (oder die eigenen..) immer wieder runterladen. Die Labels würden sich nie auf Deine erste Alternative, dass es Internetanschlüsse mit und ohne Kulturflatrate gibt, einlassen. Das Drittbrettfahrerproblem würde weiterhin bestehen. Denn die ohne Abgabe könnten in 'ihren' P2P-Börsen weiterhin die Musik runterladen, die andere dort hochladen. Eine Kulturflatrate soll aber wenn, dann genau das lösen. Sie ist also in meinen Augen eine 'Alles oder nichts'-Angelegenheit. Alles andere wäre ein Abomodell ohne DRM. Das wird es nie geben. Nicht mit den Majors. - Steafn S.: ich ganz ähnlich. Meines Wissens nach ist der Download in Deutschland auch noch nicht strafbar. Problem ist nur, dass beispielsweise bei BitTorrent beim Download automatisch der Upload startet. - Wolfgang: Das bezog sich nicht auf das Verhältnis Arbeitnehmer-Arbeitgeber sondern auf das Verhältnis Anbieter und Nachfrager auf dem Markt. Oft bemühtes Beispiel: Wenn Kutscher kommen und sagen, es ist ihnen egal, dass es Autos und Eisenbahnen gibt, sie wollen weiterhin davon leben, dass sie Menschen von A nach B befordern, ergibt das dann Sinn? Dürfen sie dann notfalls den Staat auffordern, sie zu unterstützen, weil ihre Kunden ihnen weglaufen? Wo kommt die Arroganz her, der Gesellschaft vorschreiben zu wollen, wie sie sich zu verhalten hat? - Markus: Stimmt voll und ganz. Du machst auf netzpolitik.org auch hervorragende Arbeit. netzpolitik.org ist eines der besten deutschsprachigen Blogs, danke dafür btw. Internetsperrrungen sind zur Zeit aktueller, stimmt. Auch wenn ich nicht glaube, dass sich das wirklich durchsetzen wird. Rechtlich ist das doch recht schwierig, oder? Da hat die Kulturflatrate in 5 Jahren mehr Chancen und birgt dann auch langfristig mehr Gefahren. Allerdings sollten wir die Internetsperrungen hier auch mal thematisieren, hmm. Dass Deep Packet Inspection jetzt schon eingesetzt wird, wusste ich nicht. Wofür denn? Ist das nicht auch illegal? - Hathead: Dir scheint nicht bewusst zu sein, was es bedeutet, wenn eine private Organisation die Organisation, Überwachung und Verteilung einer Zwangsabgabe auf alle Inhalte im Internet übernehmen würde. Kleine unabhängige Inhalteanbieter (Indies) würden von der Kuchenausgabe ausgesperrt werden. Die Großen wollen schließlich möglichst viel und eine Kulturflatrate ist ein Nullsummenspiel (siehe auch GEMA, wo auch erst ab einer bestimmten Reichweite Einnahmen ausgezahlt werden iirc). - Daniel Niklaus: Was willst Du mir mit diesem Link sagen? Er bestätigt doch nur meine Aussage. Während die Musikmajors untergehen, feiert Apple mit Hardware Rekordumsätze. Das Einzige, was man meiner Aussage vorwerfen kann, ist dass die kostenlose Distribution darin noch fehlte. Dann stimmt sie. Falls Du anderer Meinung bist, möchte ich die gern hören. :) - Denny: Eine für die Kulturflatrate notwendige Überwachung kann nur bei den Providern stattfinden. Siehe meine Antwort an C3P. Auch muss, wenn dann jeder teilnehmen, siehe auch wieder meine Antwort an C3P. Wasserzeichen sind schon wesentlich besser als DRM. Aber auch nicht der Wahrheit letzter Schluss. Dass "wie verrückt in Tauschbörsen feilbieten" kein akzeptables Verhalten ist, zeigt auch in meinen Augen nur, dass Du noch in den alten Schemata denkst. Es gab auch mal eine Zeit, da wollte man Radio verdammen, weil da jeder kostenlos Musik hören konnte. Unglaublich! Die Radiohörer hatten bestimmt alle keinen Respekt und keine Achtung vor musikalischer Kunst. Die Banausen! ;)

  • Daniel Niklaus

    18.06.08 (12:33:42)

    Hi Markus Sorry, hätte folgenden Satz herausheben müssen: "Die Musiksparte, die im wesentlichen aus dem iTunes Music Store besteht, brachte 881 Millionen US-Dollar in die Kasse." Damit ist Apple heute der grösste Musik-Einzelhändler in den USA. Es gibt eine stattliche Anzahl von Leuten, die eine digitale Kopie als Wertvoll erachten und auch dafür bezahlen. Deine Argumentation würde innert kürze auch den gesamten Gamemarkt verschwinden lassen. Nur weil etwas ohne Kosten für den Copyright-Inhaber kopiert werden kann, ist es noch lange nicht ohne Wert. Diese Argumentation sollte man irgendwann zwischen 20 und 28 Jahre ablegen (je nach Berufsstatus...;-)

  • Denny

    18.06.08 (12:36:10)

    @Marcel Weiss 1. Warum "alle oder keiner" an der Kulturflatrate teilnehmen müssen, erschliesst sich mir noch nicht. Mittels Wasserzeichen gibt es (theoretisch) keine Trittbrettfahrer mehr. 2. Zu deiner Aussage mit dem "Denken in alten Schemata": man muss sich ja fragen, warum damals das kostenlose Musikhören per Radio verdammt wurde. Doch wohl nur deshalb, weil gewisse Leute um ihre Umsätze fürchteten, und das natürlich zu Recht. Mittlerweile werden Künstler von den Radiostationen entsprechend vergütet (über Umwege, natürlich nicht direkt). Noch 2 Fragen: heisst du das Tauschen von urheberrechtlich geschütztem Material gut, und was sind neue bzw. aktuelle Schemata?

  • mds

    18.06.08 (12:50:04)

    Musiker sollten sich lieber damit abfinden: Wie in der Zeit vor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden sie ihren Lebensunterhalt mit Auftritten und dergleichen verdienen. Für die meisten professionellen Musiker ändert sich damit nichts, sie verdienen schon heute so und nur so ihren Lebensunterhalt (oder erzielen zumindest ein Einkommen).

  • thorsten

    18.06.08 (12:56:36)

    lange nich so nen quatsch gelesen geh lieber mal früher ins bett, dann kommst du auch nicht auf so abstruse gedankengänge

  • Marcel Weiss

    18.06.08 (13:19:24)

    Daniel Niklaus: Ich heiße Marcel. ;) Nur weil Apple aktuell(!) erfolgreich ist, heißt das nicht, dass mein Argument damit nicht mehr stimmt. Du gehst nämlich davon aus, dass alle itunes-Kunden wissen, wie sie die gleichen Musikaufnahmen kostenlos bekommen können und es aus Respekt vor den Musikern nicht tun. Mit Verlaub, ausgemachter Unsinn. Das mag auf einige zutreffen, die sind aber in einer verschwindend kleinen Minderheit. itunes hat eben gerade deswegen so viele Kunden, weil sie keine vollständigen Informationen haben, wo und wie man die Produkte umsonst bekommen kann und weil es bequem ist. Der erste Punkt wird obsolet im Lauf der Zeit, weil die Unwissenden aussterben und die, die nachrücken mit dem Netz aufwachsen (und sich deswegen besser auskennen). Der zweite Punkt wird mit effizienten, immer besseren P2P-Tauschbörsen auch obsolet. Wer einmal eine private BitTorrent-Tracker-Seite von innen gesehen hat, weiß dass die Musikindustrie (und nicht nur sie) ein weitaus massiveres Problem hat, als immer noch die meisten glauben. Das trifft auch auf den Gamemarkt zu. Der hat nur traditionell bessere Abwehrmechanismen. Deinen letzten Satz kannst Du Dir übrigens sparen. Wir können gern diskutieren, aber nicht auf diesem Niveau. Wenn Du eine Meinung mit mehr Gewicht brauchst, hier Arrington, ehemaliger Anwalt und heute Techblogger, der mit Techcrunch das größte Blog in dem Bereich weltweit aufgebaut hat, vertritt die gleiche Meinung wie ich: The economics of recorded music are fairly simple. Marginal production costs are zero: Like software, it doesn’t cost anything to produce another digital copy that is just as good as the original as soon as the first copy exists, and anyone can create those copies (meaning there is perfect competition and zero barriers to entry). Unless effective legal (copyright), technical (DRM) or other artificial impediments to production can be created, simple economic theory dictates that the price of music, like its marginal cost, must also fall to zero as more “competitors” (in this case, listeners who copy) enter the market http://www.techcrunch.com/2007/10/04/the-inevitable-march-of-recorded-music-towards-free/ - Denny: 1. okay, ein Gedankenspiel: Was wenn, die Leute, die bezahlen, die Musik dann auch in CD-Qualität wollen, also als WAV- oder FLAC-Datei? Selbst wenn dort ein Wasserzeichen drin wäre, würde man nicht, wenn man aus so einer Datei eine MP3-Datei erstellt, dann eine Kopie ohne Wasserzeichen erstellen können? 2. "Gut heißen" ist eine moralische Wertung. Das funktioniert bei der Betrachtung von Märkten nicht, und nichts anderes ist das hier. Aber wenn Du es wissen willst, ja, ich heiße das gut. Nicht nur weil es ökonomisch eh unvermeidbar ist, sondern auch weil es nie eine auch nur annähernd so hervorragende Distribution von Musik gegeben hat. Nie vorher konnte sich gute Musik so leicht durchsetzen, vorbei an allen institutionalisierten Schranken. Wenn ich eine solche Situation betrachte, dann frage ich mich immer, wie die Gesellschaft insgesamt besser dastehen würde. Und damit meine ich die gesamte Gesellschaft und nicht nur einzelne Gruppen. Für mich ist es offensichtlich, dass die Gesellschaft mit einem komplett legalen, unkontrollierten Filesharing am besten dasteht. Das bringt das Maximum an Wohlfahrststeigerung. Das einzige Problem, das wir alle haben ist, dass wir mit dem Glauben aufgewachsen sind, für Musikaufnahmen zu bezahlen, gehört dazu. Jetzt nicht mehr. Irrelevant, ob man es gut findet oder nicht.

  • Marcel Weiss

    18.06.08 (13:21:03)

    MDS: Stimmt. Der Mittelstand der Musiker quasi.

  • Daniel Niklaus

    18.06.08 (13:46:58)

    Ach was ist schon Gewicht. Ich habe 1994 an der IBC in Amsterdam dem MP3 Erfinder gesagt; "wow, da kann man ja Musik über das Internet senden!" Worauf er antwortete; "nein, dass ist nur für Sprache geeignet. Für Musik stimmt die Qualität nicht." Es gibt wohl soviele falsche Meinungen wie es Experten gibt ;-) Den letzten Absatz werde ich bestimmt nicht streichen, der bestätigt meine Argumentation. Nie zuvor wurden mehr Games verkauft und die Kauf-Gamer sind heute durchschnittlich 30 Jahre alt. Das sind alles Leute, die früher kopiert haben und genau wissen, wie einfach es ist. Deine Meinung ist; dass die iTunes Kunden nur bezahlen, weil sie nicht wissen, wie es geht. Ist o.k. aber lass mir bitte die Gegenteilige Meinung. Ich gehe davon aus, dass die Leute über einen weiteren Horizont verfügen, wenn sie es sich leisten können. Es gibt Gründe, warum Menschen in der Bahn nicht Schwarz fahren, freiwillig Steuern erhöhen (CH per Volksbeschluss) und Freiwilligenarbeit leisten. ps: Radiostationen geben in der Schweiz 7% ihrer Einnahmen an die SUISA ab. Von den SUISA Einnahmen können in der Schweiz nur ca. 20 bis 50 Künstler leben. Der Rest macht es mit Konzerten UND dem CD-Direktverkauf.

  • Denny

    18.06.08 (13:53:15)

    @Marcel zu 1. die technische Umsetzung ist sicherlich diskussionswürdig, würde ich aber an der Stelle mal abstrahieren. Das mit dem Wasserzeichen war ja auch nur so eine Idee. Irgendwie wird sich sowas schon umsetzen lassen. zu 2. Gute Musik hat sich schon immer durchgesetzt, da haben Tauschbörsen nichts Neues bewirkt. Für mich ist es offensichtlich, dass die Gesellschaft mit einem komplett legalen, unkontrollierten Filesharing am besten dasteht. Da stimme ich dir zu.

  • Wolf-Dieter Roth

    18.06.08 (13:56:13)

    "Kein heute 14-jähriger Teenager wird jemals Musikaufnahmen kaufen" Warum? Das ist eine Sache von Angebot und Nachfrage. "muss es eine Zwangsabgabe für alle sein, die einen Internetanschluss haben. Also auch für jene, die gar kein Interesse am Tausch von Musik haben. Äußerst fair." Genau so eine "äußerst faire Zwangsabgabe" haben wir doch schon. Sie heißt "Rundfunkgebühr". Wer E-Mails verschickt, chattet oder bloggt, ohne ARD & ZDF daran finanziell zu beteiligen, ist ein Schwarzsurfer, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit 1000 Euro bestraft werden kann! Es reicht gegenwärtig zwar, ein Radio angemeldet zu haben, um auch gnädigerweise weiter legal ins Internet zu dürfen, aber nur bei rein privater Nutzung des letzteren. Wer das Internet irgendwie beruflich nutzt, muß eine zweite Rundfunkgebühr zahlen. Und nein, ich habe meinen Internetanschluß nicht zum Radiohören angeschafft, dazu benutze ich ein Radio. Das ist dafür deutlich besser geeignet. Du verdammst hier also etwass, das es leider bereits gibt - nur ohne einen echten Nutzwert. Denn vom Radio kann ich gratis legal mitschneiden, von ARD Online ist die Qualität dagegen für'n Ors. Auch dafür wäre es also unsinnig, vom einem Radio auf Internet umzusteigen. Und ich glaube auch nicht, daß die MI sich zum staatlich subventionierten Unternehmen wandeln will. ich traue denen viel zu - aber das nicht.

  • wolfgang

    18.06.08 (15:56:46)

    Hm. Dadurch, dass man ihn wiederholt wird dein Vergleich aber auch nicht passender. Es ist ja nicht so, dass etwas "besseres" als Musik erfunden worden ist, und jetzt die Kunden eben dieses Produkt konsumieren und nicht mehr das alte. Wenn dem so wäre, hätte es tatsächlich keinen Sinn nach neuen Gesetzten zu rufen, wenn die Nachfrage nach dem alten Produkt also einfach nicht mehr vorhanden wäre. Dem ist aber nicht so. Es wird mehr Musik konsumiert als jemals zuvor. Bloss halten es anscheinend viele Leute nicht für nötig für das Produkt, das sie konsumieren auch zu zahlen, so dass für den Produzenten wenigsten der Produktionspreis gedeckt ist. Und wenn mein Album, an dem ich fünf Jahre gearbeitet habe schon zwei Monate vor dem offiziellen Release auf irgendwelchen Tauschbörsen zum Download bereit steht, könnte ich einfach nur kotzen. "Für mich ist es offensichtlich, dass die Gesellschaft mit einem komplett legalen, unkontrollierten Filesharing am besten dasteht. Das bringt das Maximum an Wohlfahrststeigerung." Und hier verstehe ichs gar nicht mehr. Maximale "Wohlfahrtssteigerung" für die Masse auf Kosten einer Minderheit findest du gut? Übrigens ist auch in wirtschaftlichen Fragen eine moralische Sicht der Dinge durchaus angebracht. Oder möchtest du in Deutschland einen"russischen Kapitalismus", ohne Regeln und Vorschriften?

  • Markus

    18.06.08 (16:32:54)

    @ Marcel: Danke für die Blumen, ich lese hier auch gerne mit. Meiner Meinung nach ist Deep Paket Inspection nicht wirklich vereinbar mit dem deutschen Datenschutzrecht. Es wird aber eingesetzt, wie ich zuletzt erfahren habe. Hier kollidieren halt technische Beweggründe, die aus Admin-Sicht sinnvoll erscheinen, mit Datenschutz. Das Thema Internetsperrungen wird sicherlich früher kommen. Wenn wir Pech haben, schon in den kommenden 12 Monaten. Da ist gerade eine EU-Initiative in Vorbereitung und auch unsere Bundesregierung hat schon ihre Bereitschaft signalisiert. Die Debatte um die Kulturflatrate wird schon zu lange geführt und dies ekommt frühestens nach der Internetsperrung-Sache. Da ist ja noch vollkommen unklar, ob man das EU-Weit oder national macht. Und wie man es macht. Im Endeffekt sind die offenen Fragen über die Realisierbarkeit ganz schön zahlreich.

  • Fatu Simmayeck

    18.06.08 (23:30:35)

    Die Zukunft von Vollzeitmusikern sieht, nach einer kurzen Periode, in der man auch allein von den Aufnahmen leben konnte - eine Anomalie in der Menschheitsgeschichte, wenn man so will -, wieder so aus, wie es die Jahrhunderte davor auch schon war: It’s back to live. End of story. Auch wenn ich persönlich bei diesem Thema zu keinem wirklichen Punkt gekommen bin, die o.s. Aussage ist Unfug. Es handelt sich NICHT um ein Rollback zu den "good ol´ times". Was ist das für eine Methode zu behaupten die radikale Transformation des Handels mit Musik, die sich innerhalb der letzten 10 Jahre vollzogen hat, würde lediglich die "Rückkehr" zu einem bereits bekannten und funktionstüchtigen Modell. Zumal sich vor "jahrhunderten" die Anzahl der Musiker, die mit "Auftritten und dergleichen" ihren "Lebensunterhalt" verdienten, auf eine Handvoll elitär ausgewählte Hofknaben beschränkte (der Autor dieses Artikel fühle sich dazu aufgefordert entsprechende Gegenbeispiele zu bringen). Dahin wollen wir also zurück, aha. Alles hat sich seitdem verändert. Musik hat nicht nur ihren Inhalt, sondern auch ihre gesamte Bedeutung verändert. Musik benutzt man heute pragmatisch um zu untermalen, unterstreichen, zu verkaufen, Aufmerksamkeit zu erregen, zu begleiten, zu hinterlegen. Musik ist omnipräsent geworden. Sie ist eben nicht mehr die Attraktion, die sie einmal war. Auch wenn es heute nach wie vor Konzerte gibt und Live Musik geschätzt wird: Es besteht ein großer quantitativer Unterschied zwischen einer Gesellschaft, in der man zum Musik hören in die Klubs ging (das ist - wie sich einige unter uns erinnern werden - nicht allzulange her) und einer Gesellschaft in der man dazu nur auf einen Knopf eines iPods drücken muss, den man überall mit sich trägt. Sich ausschließlich mit Konzerten über Wasser zu halten... möglicherweise ist der Autor dieses Artikels eher jemand der Musik hört als jemand der Musik macht.

  • Fatu Simmayeck

    18.06.08 (23:38:22)

    P.S.: Was hat eine Musikflatrate mit "Kultur" zu tun? Musik = Kultur? Das ist eine doch recht gewagte These. Die Kultur entsteht ja vor allem auf der Ebene des Subjektes, nicht auf der des Objektes. Bei einem Konsumenten, der 40GB Musik auf seinem Rechner hat, von denen er nicht einmal die Hälfte kennt, benutze ich das Wort "Kultur" höchstens im Zusammenhang mit dem Wort "Banause". Ich würde solche Flatrates eher unter dem Stichwort "All-you-can-eat" zusammenfassen.

  • jo

    19.06.08 (02:31:25)

    Markus, Marcel: Um eine Grundlage für die Verteilung zu bekommen, braucht es keine Deep Paket Inspection. Weit eher könnte ich mir Ansätze Richtung last.fm vorstellen. Gerne auch mit anonymisierten Daten an eine Clearingstelle. Zu den Sperrungsverfügungen: Die sollen als Option inzwischen ja auch Einzug in das Jugendschutzgesetz gefunden haben (Hat eigentlich jemand die entsprechende Passage im Gesetzentwurf gefunden? Ich bisher nicht). Mal abgesehen davon, um das so zu halten ist, ist nun also ein weiterer konkreter Hebel vorhanden.

  • Marcel Weiss

    19.06.08 (09:35:11)

    Denny: Ich denke eben gerade, dass der Knackpunkt die technische Umsetzung ist, von der die Unterstützer und Befürworter einer Kulturflatrate bequemerweise abstrahieren, weil sie entweder genau wissen wie schwierig das ist, oder sich damit nicht beschäftigen wollen. ;) zu Deinem zweiten Punkt: Doch, haben sie. Tauschbörsen haben eine neue Qualität in der Distribution gebracht. - Wolf-Dieter Roth: Eben. Angebot und Nachfrage. Wenn man ein Produkt an mehreren Ecken umsonst bekomm, warum dafür bezahlen? Der Vergleich mit der GEZ hinkt gewaltig. Warum? Weil man zur Verteilung der GEZ keine Analyse des Konsumverhaltens bzw. der Verbreitung der einzelnen Objekte benötigt. Eins der Hauptargumente gegen die Kulturflatrate sind doch eben gerade die Implikationen, die so eine Überwachung hätte. - Wolfgang: Das Produkt Musik gibt es weiterhin. Ich habe nie etwas anderes behauptet. Nur die Distribution und damit das zugrundeliegende Geschäftsmodell ändert sich grundlegend. Und noch was: Eine moralische Sicht? Ja, sehr gern. Aber keine Willkür, wie sie aktuell von der Musikindustrie gefahren wird. Ich sehe keine Moral darin, Minderjährige für das Tauschen vor Gericht zu zehren und deren Familien zu verschulden. Ich sehe auch keine Moral darin, eine kleine Gruppe der Gesellschaft über zu bevorzugen. Was meine moralische Einstellung angeht, hatte ich das oben schon mal geschrieben: Wenn ich eine solche Situation betrachte, dann frage ich mich immer, wie die Gesellschaft insgesamt besser dastehen würde. Und damit meine ich die gesamte Gesellschaft und nicht nur einzelne Gruppen. Für mich ist es offensichtlich, dass die Gesellschaft mit einem komplett legalen, unkontrollierten Filesharing am besten dasteht. Das bringt das Maximum an Wohlfahrststeigerung. - Markus: Das finde ich, vorsichtig ausgedrückt, sehr beunruhigend. Wofür genau wird die Deep Paket Inspection denn eingesetzt? zum Shapen von Traffic, so dass etwa BitTorrent runtergefahren werden kann? - Fatu Simmayeck: Es ist völlig irrelevant, ob es künftig mehr oder weniger Musiker geben wird und ob man das gut oder schlecht findet. Entweder der Markt ist dafür da oder er ist es nicht. Wer will, dass so und so viele Musiker gefälligst weiterhin ihren Lebensunterhalt mit Musik verdienen können, der kann im nächsten Atemzug auch gleich noch festlegen, wieviel pro Genre volkswirtschaftlich abzufallen hat. möglicherweise ist der Autor dieses Artikels eher jemand der Musik hört als jemand der Musik macht. Ich habe jahrelang nebenbei Musik gemacht und bin regelmäßig aufgetreten. Ich habe sogar mal was auf Vinyl veröffentlicht. :) Außerdem habe ich einige Freunde, die kleinere Labels betreiben und einer lebt von Label und DJ-Auftritten. Mit Musikaufnahmen ist auch heute schon fast nichts mehr zu verdienen. Auf jeden Fall ist es sehr wenig im Vergleich zu Einnahmen bei Auftritten. Nur die Majors fahren noch ein bisschen Geld ein mit Aufnahmen. "Kulturflatrate" ist ein Begriff, der sich eingebürgert hat. Warum, weiß ich auch nicht. - Jo: Wie willst Du die Grundlage für die Verteilung dann bekommen? Auf Webdienstanbieter-Seite anzusetzen, bringt seine eigenen Probleme mit sich. Manipulation, Aufnahmeprocedere für neue Dienste, Musikblogs, kleine Webdienste etc.

  • Daniel Niklaus

    19.06.08 (10:00:19)

    @Marcel Kleine Frage: gilt dein Statement auch für Software/Games, Kinofilme, Bücher und Zeitschriften? Ist nämlich genauso einfach.

  • David

    19.06.08 (10:17:32)

    @Marcel: Du denkst Deine moralfreie (damit meine ich nicht unmoralische) ökonomische Betrachtungsweise meiner Meinung nach nicht zu Ende. Wenn der Preis von Musik gegen Null geht, warum soll sie dann - genauso ökonomisch gedacht - noch irgendwer prodzieren? Es verschwindet einfach das Angebot und das ganze Thema hat sich erledigt, aber nicht so, wie die Alles-für-alle-Umsonst-Fraktion das gerne hätte. Eine Ware, die keinem etwas Wert ist, wird aus ökonomischer Sicht nicht produziert. Die Tatsache, dass diese Überlegung etwas absurdes hat, zeigt, dass Deine rein ökonomische Betrachtungsweise für das diskutierte Problem zur kurz greift. Es gibt eben Leute, denen Musik - ökonomisch irrational - etwas Wert ist, auch wenn sie sie umsonst bekommen könnten. Denen Unwissen zu unterstellen ist natürlich Quatsch und bloß ein ad-hoc-Argument um den ökonomischen Standpunkt gegen Kritik zu immunisieren. Das wurde ja auch von anderen hier schon angemerkt. Dieser Aspekt sollte in der Debatte nicht ignoriert werden. Musik und Kultur sind keine gewöhnlichen Waren. @alle: Eine tolle Diskussion auf gutem Niveau, Glückwunsch an das Blog und alle Autoren!

  • Marcel Weiss

    19.06.08 (10:36:54)

    Daniel Niklaus: Wenn eine exakte Kopie ohne Kosten reproduzierbar und distribuierbar ist, ja. - David: Warum Musikaufnahmen noch produziert werden sollen? Weil sie Promotion für die Auftritte der Musiker sind. Mit Musikaufnahmen wird bereits jetzt in großen Teilen -und zukünftig ausschließlich- indirekt Geld verdient. Davon abgesehen: Musik und Kultur werden 'gewöhnliche Waren' wenn sie für gewöhnliches Geld auf einem gewöhnlichen Markt verkauft werden. Das mag bei der Malerei anders sein, aber dort werden ja auch nicht industriell gefertigte Produkte vertrieben.. Musiker und ihre Rechteinhaber haben nicht das Recht der Gesellschaft vorzuschreiben, wieviel sie für Musik zu bezahlen hat. Einer meiner VWL-Dozenten sagte in einem breiten Wiener Akzent immer: "Es gibt keinen gerechten Preis". Der Preis bestimmt sich größtenteils aus Angebot und Nachfrage. Komplett boogie, ob eine Seite mehr will, wenn die andere Seite nicht bereit ist, das zu bezahlen. Wir gewinnen viel durch die neue Situation, wie ich bereits mehrfach schrieb. Werden wir auch einiges verlieren? Sicherlich. Das ändert aber nichts an der Situation am Markt und in der Gesellschaft. Ich propagiere ja nichts, sondern stelle nur fest. Dass ich das Festgestellte auch begrüsse, ist eher Zufall. Richtig ist, dass auch Leute direkt für Musik bezahlen, obwohl sie es nicht müssten. Das ist aber eine Minderheit, die nicht ausreicht. Unwissen unterstellen ist übrigens nicht Quatsch. Fehlende Informationen sind wesentlicher Bestandteil, warum es die Musikindustrie überhaupt noch gibt.

  • jo

    19.06.08 (11:14:03)

    Marcel: Ich denke an ein Modell analog zur Ermittlung der TV-Quoten mit angeschlossener Clearingstelle (sowas wie die GEMA, nur in funktionierend und fair). Bei den TV-Quoten werden afaik gerade einmal 5.000 Haushalte erfasst und liefern recht präzise Daten des gesamtdeutschen TV-Nutzungsverhaltens. Ja, was die Präzision betrifft, gibt es Vorbehalte, aber das sollte sich durch entsprechende Redundanz erschlagen lassen. Ich möchte also nicht die Downloads einzelner Tracks irgendwo messen (das ist illusorisch), sondern wie oft sie genutzt/abgespielt werden. Das ist ein klein wenig weniger illusorisch (Offen: Akzeptanz, sauberes Tagging, Nutzung auf mobilen Geräten). Klingt auf den ersten Blick nach DRM, sollte sich aber auch datenschutzkonform implementieren lassen. Gleicht man die Zahlen eines solchen Dienstes mit denen von Downloadportalen ab, ggf. noch MySpace und Co. dazu, sollte man schon einen recht brauchbaren Schlüssel zur Verteilung bekommen. Musikblogs könnte man inkl. long tail notfalls auch in ein solches System einblenden (ping bei Download o.ä.).

  • Wolf-Dieter Roth

    19.06.08 (11:32:03)

    @Marcel, es gibt Medienwissenschaftler, die tatsächlich die Aufgabe, die Kulturflatrate zu kassieren und ihre Einkünfte zu verteilen, der GEZ übertragen wollen. Das diese Organisation dazu ungeeignet ist, darin sind wir uns wohl einig. Die Problematik, für etwas zahlen zu müssen, das man gar nicht nutzen will und das das eigentliche Produkt (= Zugang zum Internet z.B. für E-Mail) verteuert, ist allerdings die Gleiche. Das Problem ist nicht neu. Die MI jammerte einst, Schallplatten würden das Geschäft mit Phonographenwalzen ruinieren. Dann war es das Radio, das das Ende der MI herbeiführen sollte. Dann die Tonbandgeräte. Dann die Computer und Brenner. Nun das Internet. Ich habe mir zur Schulzeit auch massig Platten auf Kassetten kopiert und vom Radio aufgenommen, weil ich nicht genug Geld hatte für Platten. So habe ich eine große Musiksammlung und trotzdem mehr als genug gekauft. Ich denke nicht, daß das mit heutigen Teenagern anders laufen wird. Auch die kaufen irgendwann. Außer den reinen "Jägern & Sammlern". Gegen die Verluste durch Kopien gab es GEMA auf Kassetten, Recorder, CD-Rs, Brenner etc., in der Schweiz auch auf Festplatten und Flash-Speicher, bei uns vermutlich auch. Von daher wäre eine Abgabe auf Internet durchaus nicht unlogisch. Nur: Alle ersteren Abgaben sind mengenbezogen. Im Internet ist das schwierig. Alle ersteren Abgaben erlauben auch nur die begrenzte Privatkopie, auch auf CD-Rs mit GEMA-Abgabe darf man nicht 1000 Kopien brennen. Ich habe wegen Kopierschutz-Schikanen aufgehört, CDs zu kaufen. Die "Ärzte" habe ich dagegen gekauft, da ohne Kopierschutz. Und ich hätte sie sicher auch irgendwo für lau gefunden. Wer eine Band schätzt, wird auch zukünftig kaufen. Um Billigprodukte wie irgendwelche Containereinwohner ist es nicht schade. Wenn eine Kulturflatrate Probleme lösen würde, wäre sie ja ok. Nur mit TV-Gebühr, Kabelgebühr, Pay-TV, Providerkosten etc. werden die Abgaben zu viele. Das sehe ich aber als einziges Problem. Die Tatsache, daß große Bands gegenüber Independents bevorzugt werden, die haben wir dagegen auch heute schon. Da kann die Kulturflatrate auch keinen neuen Schaden mehr anrichten. Und, ganz ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, daß sie kommt.

  • jo

    19.06.08 (11:34:56)

    Marcel: Wenn du Musikaufnahmen zur Promotion für Konzerte degradierst, ignorierst du a) die wunderbaren Möglichkeiten des Internets (Vertrieb kleiner Einheiten, long tail) und b) den Fakt, dass nur ein recht kleiner Teil der Musik überhaupt sinnvoll konzertabel ist. Beispiel: Der Elektronikfrickler aus Weitweg. Bastelt 2 oder 3 Tracks pro Jahr und hat vielleicht 500 Fans weltweit. Über Micropayment könnte der immerhin ein paar Dollar verdienen. Vielleicht reicht es sogar, um neue Technik zu kaufen und weiter Tracks zu produzieren. Auf einer Konzertreise würde er recht sicher verhungern. Bei einem Großteil der Musik, die ich tagtäglich konsumiere, hätte ich auch überhaupt keinen Nerv ein Konzert zu besuchen. Die reicht mir so (Arbeitsplatz, iPod, Anlage daheim). Als Konserve. Bzw. Gebrauchs- und Begleitmusik, wenn man so will. Das ist nicht einmal abwertend gemeint. Für mich ist das eine vollkommen legitime Nutzung. Die Differenzierung zwischen "echter", "handgemachter" Musik und Mainstream, bzw. "industrieller Massenware", "Castingmüll" etc finde ich einfach infantil und selbstherrlich. Grundsätzlich hat jeder ein Recht auf schlechten Geschmack. Ebenso, wie die Klangdienstleister, die ihn bedienen, ein Recht auf Bezahlung haben.

  • Daniel Niklaus

    19.06.08 (11:40:25)

    @Marcel Danke der Klärung. Damit ist die Diskussion für mich erledigt.

  • jo

    19.06.08 (12:02:09)

    Wolf-Dieter (& Fatu): Wer eine Band schätzt, wird auch zukünftig kaufen. Ihr macht den Fehler, dass ihr von eurem Nutzungsverhalten und eine aufgeladenen/überhöhten Wertigkeit ("Kultur!") ausgeht. Die (fanatische) Unterstützung einzelner Bands ist inzwischen aber nur ein Rezeptionsmodell unter vielen. Man mag es ärgerlich finden, dass Musikproduktionen wie Wegwerfartikel genutzt werden. Aber niemand würde auf die Idee kommen, Wegwerfartikel deshalb nicht bezahlen zu müssen, oder? Wenn eine Kulturflatrate Probleme lösen würde, wäre sie ja ok. Nur mit TV-Gebühr, Kabelgebühr, Pay-TV, Providerkosten etc. werden die Abgaben zu viele. Das ist nun aber eine ziemlich merkwürdige Argumentation. Natürlich muss man als Konsument mit seinem (Medien-)Etat haushalten. Wer lieber Musik hört und CDs/Dateien kauft, muss evtl. auf PayTV verzichten. Eigentlich einfach, wie im wahren leben. Und, ganz ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, daß sie kommt. Der nächste Level dürften nun Bundles aus Netzzugang und Musikportalzugriff (Backkatalog der Majors) sein. Gibt es zum Teil ja schon, kann man aber auch aggressiv-euphemistisch als "Kulturflatrate light" bewerben. Dumm gelaufen für die Indies und vertragslosen Künstler, die werden es mit ihrem Direktvertriebsmodellen anschließend natürlich nicht einfacher haben. Siehe oben, Stichtwort persönlicher Medienetat.

  • Sven Drieling

    19.06.08 (12:06:23)

    Ich bin ja der Ansicht, dass man es erst einmal mit den direkten Bezahlen versuchen sollte bevor man sonstwas probiert. Problem war ja erst einmal, dass die Musikindustrie das Internet komplett verschlafen hat und es Musik im Internet lange Zeit "gar nicht" zu kaufen gab. Mittlerweile gibt es Online Shops für Musik, selbst ohne DRM, und nun muss man erst einmal (wieder) lernen, dass man Musik auch (Online) kaufen kann. BTW Wenn eine Kulturflaterate warum dann nur eine für Musik? Warum keine für Filme, Bücher, Zeitungen, Computerspiele, Software, Fachartikel, Blogger, Kino-/Konzert-/Theater-besuche, Bäcker, ...??? Irgendwo hat das und eine indirekte Finanzierung durch Werbung doch seine Grenzen?

  • Torsten

    19.06.08 (12:24:29)

    Zum Thema Verteilungsschlüssel: Schon heute werden die Single-Charts durch gezielte Käufe manipuliert. Wenn ich Geld bekomme, wenn meine Lieder besonders häufig geladen werden - dann finde ich wege, die Downloads zu pushen. Und die Musikindustrie hat ja schon die richtigen Leute bei der Hand, die kompetent und ohne falsche Schamgefühle den Downloadzähler hochtreiben werden. Ergebnis: Nachher kassieren wieder nur die, die heute schon bei der GEMA viel verdienen.

  • jo

    19.06.08 (12:54:34)

    Schon heute werden die Single-Charts durch gezielte Käufe manipuliert. So, werden sie das? Weil der Manager von Vanilla Ninja und Gracia Bauer massenhaft CD-Singles aufkaufte? Bzw. RTL es u.a. im Fall Jeanette Biedermann behauptete (und sich dafür eine EV fing und anschließend eine Gegendarstellung senden musste)? Tja, nette Idee, scheitert aber regelmäßig in der Praxis. Faktisch ist es nämlich gar nicht so leicht, dass System von Media Control zu überlisten. Die zählen nämlich nicht dumpf alle verkauften Einheiten der angeschlossenen Medienmärkte, sondern arbeiten mit alternierenden Stichproben und Mittelwerten (Der Wikipedia-Eintrag zum Thema ist da leider unvollständig). Das bedeutet, dass jemand, der die Charts manipulieren will, in genau den Märkten kaufen muss, deren Verkaufszahlen schließlich zur Erhebung der Chartplatzierungen herangezogen werden. Die sind dummerweise aber bis zur Erhebung nicht bekannt.

  • jo

    19.06.08 (13:05:30)

    Quellen? Bitte, gern: http://www.musikindustrie.de/charts_system.html (Stichwort: Stichprobe & Zufallsgenerator) ... oder auch hier bei Planet-Wissen.de.

  • Torsten

    19.06.08 (13:06:10)

    Jo: OK, da hast Du einen Punkt. Bringt aber nichts. Alternativ nehmen wir die halt manipulierten Radio-Charts seit Sinatras Zeiten und kombinieren das mit der Unmöglichkeit einer Mapipulationskontrolle bei kostenlosen Downloads auf beliebigen Wegen.

  • jo

    19.06.08 (13:17:23)

    Torsten: Naja, in Zeiten eines - nun - von der Industrie freundlich unterstützten Formatradios würde wohl kaum jemand, der bei klarem Verstand ist, dessen 30-Titel-Rotationen als Schlüssel für die Verteilung einer Kulturflatrate nehmen, oder? ,) Ob kostenlose Downloads nicht manipulationssicher zu messen sind, weiß ich nicht. Schwierig ist es fraglos (Denkbar wären Lösungen analog zu den Blackboxen der IVW). Aber: Downloads müssen - s.o. - ja auch nicht das einzige Kriterium bei zur Berechnung eines Verteilungsschlüssels sein.

  • Torsten

    19.06.08 (13:34:01)

    Jo: Ich sehe keinen Weg dazu, der die Musik-Flatrate nicht ad absurdum führen würde. Ich warte sehnsüchtig auf einen einigermaßen realistischen Vorschlag, wie man das den konkret umsetzen würde. Ohne dass der größte Teil des Geldes wieder bei den Bohlens und Spearsens landet.

  • Marcel Weiss

    19.06.08 (13:35:37)

    Wolf-Dieter: Wer eine Band schätzt, wird auch zukünftig kaufen. Ja, Eintrittskarten für Konzerte und Merchandising, vielleicht auch mal eine Spende hier und da. Aber. Aber niemals wird es so sein, dass in, sagen wir, 10 Jahren, die heute 14jährigen Musikaufnahmen kaufen, wenn sie sie an allen Ecken umsonst bekommen können. Es ergibt einfach keinen Sinn. Jo: Sehr gute Argumente. Ich habe an ein Quotenverfahren ehrlich gesagt gar nicht gedacht, bin mir aber nicht sicher, ob das funktionieren würde. Das TV-Quoten-Verfahren funktioniert, weil es auf ein Massenmedium ausgelegt ist. Im Longtail des Webs sieht das ganz anders aus. Egal wie groß die Stichprobe ist, den Longtail wirst Du damit schon rein vom Prinzip her nie erfassen können. Die Musik im Longtail macht aber den Hauptteil im Netz aus, einfach weil es geht. Die Idee ist gut, funktioniert aber in meinen Augen nur bei einem Massenmedium mit beschränkten Wahlmöglichkeiten. Von den Problemen, welche Dienste man aufnimmt und welche nicht, ganz zu schweigen. Organsiatorisch äußerst schwierig. Außerdem müssten diese Dienste dann auch irgendwie überprüft werden können, dass sie nicht betrügen. Es ginge schließlich um sehr viel Geld.. Gerade die Pings bei Downloads von Musikblogs Das ist genau das Problem, das ich mit der Kulturflatrate habe. Die Befürworter sagen "ach ist schwierig in der Umsetzung, aber das muss" ohne im Detail über die Umsetzung nachzudenken. Dabei stösst man bei genauem Nachdenken auf einen Riesenhaufen an Hürden, der nur eins zulassen würde: Eine massive Umverteilung an Geldern, die weit von einer fairen Verteilung entfernt wäre. Deshalb finde ich es auch schade, dass Rene von nerdcore, der immer wieder die Flatrate prominent befürwortet, auf diese Details nicht eingeht. Naja. Wenn du Musikaufnahmen zur Promotion für Konzerte degradierst, ignorierst du a) die wunderbaren Möglichkeiten des Internets (Vertrieb kleiner Einheiten, long tail) und b) den Fakt, dass nur ein recht kleiner Teil der Musik überhaupt sinnvoll konzertabel ist. a) Wie gesagt, für Hardcore-Fans mag das etwas sein, die können genauso gut aber auch spenden. Für die Mehrheit wird sich das Bezahlen für Musikaufnahmen in den nächsten 10 Jahren völlig erledigen. Wie sagte Doctorow mal so schön: "Das Internet ist eine riesige Kopiermaschine. Und es wird immer besser darin." oder so ähnlich. So sieht die Situation nun mal aus. Ob man es mag oder nicht. Du kannst nicht hingehen und Geld für eine Leistung verlangen, die man überall umsonst bekommt. b) Stimmt. Noch mal: ich werte nicht, und nicht Wunsch ist der Vater meiner Gedanken (wie bei einigen anderen hier). Ich sagte schon mal: Natürlich verlieren wir in der neuen Situation auch etwas. Einige Formen der Musik werden künftig nicht mehr so profitabel sein, dass ihre Komponisten davon leben können. Warum hat der Electronicfrickler der 2,3 Tracks pro Jahr für 500 Mann produziert das Recht auf so und so viel Einnahmen? Wenn er was einnimmt, schön für ihn. Aber es ist jetzt nicht viel und wird in Zukunft nur mehr, wenn er sehr gut ist und damit viele Fans bekommt (denn das wird mit optimaler Verteilung der Musik immer leichter für gute Musiker; siehe außerdem Kellys 1000fans-Prinzip das erfolgreichen Musikern zugute kommt). Wenn Dir die Musik so sehr gefällt, dass Du dem Musiker etwas wiedergeben willst, dann spende, geh zu den Konzerten oder unterstüze ihn anderweitig direkt(!). Die Leute, die hier bei itunes einkaufen und sich deswegen für die wahren Unterstützer von Musik halten, scheinen gar keine Ahnung davon zu haben, wie viel vom dem Geld beim eigentlichen Künstler ankommt. Hint: es ist fast nichts. Wie auch beim Vertrieb von physischen Kopien fällt fast alles an den Shop, den Vertrieb und das Label. Torsten: Ganz genau mein Reden.

  • jo

    19.06.08 (13:58:08)

    Torsten: Einen Teil-Vorschlag habe ich oben gemacht: auch und vielleicht vor allem die tatsächliche Nutzung zählen, möglichst anonym. Besser: alle Daten inkl. Downloads bei Portalen in einen Topf und sinnvoll gewichten. Wenn dabei herauskommen sollte, dass die Werke von Herrn Bohlen und Frau Spears tatsächlich von weiten Teilen der Bevölkerung geschätzt werden (bekanntlich wird auch die Bild-"Zeitung" von über 10 Millionen Menschen nicht gelesen), ist das zwar bitter, eine entsprechende Entlohnung aber fair. Marcel: Was die Auswertung des long tails betrifft, ist Skepsis sicher angebracht. Auf der anderen Seite bin ich regelmäßig überrascht, wieviel von davon bei last.fm (oder früher soulseek *hüstel*) aufschlägt. Das scheint bei einer entsprechenden Datenbasis (mehr als die 5000 Haushalte, die für die TV-Quotenmesserung herangezogen werden) also halbwegs zu funktionieren. Um einen cut off ("nicht mehr messbare Relevanz") wird man bei der Kompensation wohl aber trotzdem nicht rumkommen. Daher halt zusätzlich Micropayment für Selbstvermarkter (warum eigentlich nicht über die Einbindung von MySpace oder freie Vertriebsplattformen wie Tonspion.de?), dann hat auch der Elektrofrickler ein bisschen was von seinem Einsatz (Die GEMA-Kompensation funktioniert im Prinzip ja auch nicht anders, nämlich zusätzlich aus den durch direkte Verkäufe bzw. anteilig an direkten Verkäufen erzielten Einnahmen). Eine andere Chance sehe ich nicht. "Spiel halt Konzerte, für deine Dateien gibt's nix" ist für mich keine. Wobei wir da eigentlich gar nicht so weit auseinander sind. Achso, ich sehe iTunes nicht als Weisheit letzten Schluss, sondern nur als ein Beispiel für ein funktionierendes Micropayment-System. Vor mir aus kann man sowas auch - aeh - genossenschaftlich organisieren. Die Idee, dass sich Spezialisten um den Vertrieb kümmern, während Musiker Musik machen, ist ja nicht pauschal schlecht, nur weil es auch anders geht. Imo fehlten (vor iTunes) primär nutzbare Angebote.

  • Georg Cracked

    19.06.08 (14:27:35)

    Denn wo Kopien ohne zusätzliche Kosten erzeugt werden können, ist die einzelne Kopie ökonomisch wertlos und wer bezahlt die first-copy-costs?

  • Marcel Weiss

    19.06.08 (14:31:35)

    jo: der Cut off ist aber gerade der springende Punkt. Der long tail ist im Internet der Großteil des Marktes, den Du mit einer Stichprobe dann ausblendest. Amazon macht einen Großteil seines Umsatzes mit Produkten des Long Tails. Ich mag ja dieses Zitat eines Amazon-Mitarbeiters: "We sold more books today that didn't sell at all yesterday than we sold today of all the books that did sell yesterday." http://en.wikipedia.org/wiki/The_Long_Tail#Chris_Anderson_and_Clay_Shirky Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger halte ich ein Quotenmodell für umsetzbar. Es müsste wenn dann schon eine enorm große Stichprobe sein und selbst dann würde man den Mechanismen des Internets wohl nicht gerecht werden. Eben weil die zu erfassende Grundmenge so viel größer und grundverschieden ist, als bei den MSM wie TV etc. - Georg Cracked: Was interessiert es den Markt, wer die bezahlt? Seit wann ist Kostendeckung ein einforderbares Recht?

  • pmuc

    19.06.08 (15:20:33)

    Bin heute zum ersten Mal bei "netzwertig" und hier geht's ja ganz schön ab ;-) Vorab: Ich bin kein Experte (weder was die Technik, noch was die Kunst angeht), lediglich ein regulärer "User" mit einer Meinung... Und diese Meinung ist: Finger weg von einer Kulturflatrate oder von sonstigen, technischen Restriktionen! Die Musikindustrie muss sich einfach mit einem veränderten Wettbewerbsumfeld durch einen technischen Fortschritt abfinden, endlich aufwachen und entsprechend reagieren (und zwar nicht über den juristischen Weg). Sie müssen sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren: Marketing, mit "Kunst" haben Sie in meiner Wahrnehmung eh nichts am Hut... Millionen Menschen rennen täglich in die Supermärkte, kaufen Wasser in Flaschen und schleppen diese ggf. noch in den 5. Stock, warum greifen Sie nicht auf ein i.d.R. qualitativ gleichwertiges, trotzdem kostenloses Wasser zurück, welches direkt in der eigenen Wohnung aus der Wand kommt? Daran sollte sich die Musikindustrie orientieren! Natürlich werden die Umsätze nicht mehr so hoch sein, wie z.B. in den 90er Jahren, aber solche Entwicklungen lassen sich nicht künstlich aufhalten. Wie echte "Künstler" zukünftig agieren sollten, bzw. müssen, wurde in den Vor-Kommentaren oft genug beschrieben. PS: Der Wasser-Vergleich stammt nicht von mir, sondern von Tim Renner (wenn ich mich korrekt erinnere...)

  • Daniel Niklaus

    19.06.08 (15:36:54)

    @Marcel Eigentlich wollte ich mich ja aus der Diskussion halten. Aber ich möchte dir gerne einen Gedankenanstoss geben. Bei deiner Diskussion gehst du vom Homo oeconomicus aus. Das ist die allgemein normale Einschätzung der Leute. Aber verhalten wir Menschen uns wirklich so? Wenn du 10 Personen fragst, warum sie ihren Beruf wählten, werden nur zwei sagen; wegen dem Geld. Die anderen machen ihre Arbeit aus Überzeugung. Dagegen Schätzen 7 von 10 Leuten, dass ihre Kollegen die Arbeit wegen dem Geld machen. Das Selbstbild ist also viel idealer, während man die anderen Menschen als „gieriger“ einschätzt. Der Homo oeconomicus wird in den letzten Jahren vermehrt von der Wissenschaft widerlegt. Teste doch einmal das 100 Euro-Spiel. Du wirst überrascht sein. Und vielleicht deine Einstellung überdenken.

  • Fatu Simmayeck

    19.06.08 (16:54:12)

    @Marcel Um es kurz zu machen: Meine Kritik richtete sich an deinen Aufreißer, nämlich dass wir es angeblich mit einem Back to the basics Prozess zu tun haben, was Humbug ist. Warum habe ich dargelegt, um mehr geht es mir nicht und dankeswerterweise hast du den entsprechenden Passus ja auch geändert. Ob es in Zukunft weniger Musiker geben soll oder nicht ist eine normative Frage, die jeder für sich selber beantworten muss. Fakt ist jedoch, dass das, was seit den letzten 10 Jahren passiert die gesamte Musiklandschft (Kapitalisten und Idealisten) revolutioniert und dass es nicht einfach back to life ist. Wie dem auch sei. Ich halte die Idee einer Flatrate aus verschiedenen Gründen für unsinnig, vor allem aber inpraktikabel. Wenn es die Lösung sein soll, derart auf die Replizierung von Daten zu reagieren, dann würde das in letzter Konsequenz bedeuten, dass wir auf kurz oder lang auch Flatrates für Filme, Software, e-Books, sprich, für alles, was sich replizieren lässt, einführen müssten. Dass wir darüber nicht diskutieren liegt meines Erachtens vor allen Dingen daran, dass hinter der "Musik" eine riesige und relativ zentral gesteuerte Industrie steckt, die am ehesten noch mit der Filmindustrie vergleichbar ist, während gerade der Softwaresektor relativ dezentral ist. Ich würde übrigens nicht sagen, dass die Musikindustrie das Internet verschlafen hat. Darauf lief es zwar hinaus, aber zunächst einmal hat das Internet ALLEN Labels dabei geholfen, Musik schnell und billig populär zu machen. Erst mit dem Aufkommen großer Tauschbörsen ist die Musikindustrie unter Zugzwang geraten. Übrigens finde ich es sehr bezeichnend, dass gerade Konzerne wie BMG strafrechtliche Verfolgungen beim Erstellen von Raubkopien antreiben und neue Reformvorschläge, was die Vergütung von Musik angeht, entwickeln. Ich sehe eine gewisse Parallele zu der Diskussion um Softwarepatente, bei der ebenfalls große Konzerne vorgaben das Sprachrohr des gesamten Sektors zu sein und den Vorteil für kleine Programmierer betonten, die "seltsamerweise" oft eher gegen Patente waren. Dennoch bin ich der Meinung, dass das abschließende Fazit des Eingangsartikels (sinngemäß) "Musiker und Labels: Memmt nicht so rum. Das Leben ist kein Barbiepuppenhaus" ganz arg in die Richtung tendiert: "Passt euch ans System an. Das Leben ist halt so." Das halte ich nicht nur für fatal, sondern auch für sehr blauäugig. Zunächst einmal handelt es sich nicht nur um ein Problem der Musiker und der Musikindustrie, sondern insgesamt um ein gesellschaftliches Problem, da scheinbar keine eindeutige Meinung vorliegt, ob es sich bei der Kopierung von Daten tatsächlich um einen Bruch mit dem Urheberrecht handelt. Das ist ein recht neues Problem (was verständlich ist, denn das Replizieren war in dieser Art bis vor vielleicht 15 Jahren in breiten Gesellschaftskreisen gar nicht möglich und von daher gar kein Thema). Dieser Konsens oder zumindest diese Debatte, sowie eine Novellierung der Gesetzgebung bezüglich des Urheberrechts ist notwendig, denn nur so können sich langfristig alle Akteure (also Musiker, Labels und Hörer) auf die Zukunft einstellen. Wenn es tatsächlich alles so "realistisch" wäre, wie hier einige argumentieren, dann wäre unmöglich zu erklären, warum Menschen nach wie vor Musik kaufen und nicht kostenlos laden, obwohl sie es könnten.

  • Fatu Simmayeck

    19.06.08 (17:09:47)

    @PMUC, aber auch als kurze Zusammenfassung meines Beitrags Die Musikindustrie muss sich einfach mit einem veränderten Wettbewerbsumfeld durch einen technischen Fortschritt abfinden, endlich aufwachen und entsprechend reagieren (und zwar nicht über den juristischen Weg). Natürlich müssen sie reagieren, aber - und das ist die zweite Seite, die in der Diskussion bislang kaum angesprochen wurde - vor allem muss die Gesellschaft reagieren und einen Konsens darüber herstellen, was sie auf kurz oder lang möchte. Wäre das Kopieren von Musik vollkommen legal, dann kann man davon ausgehen, dass die Musikproduktionen innerhalb kürzester Zeit extrem abfallen würde. Das ist sicherlich kein Zukunftsmodell und vermutlich auch für die Meisten Hörer nicht wünschenswert. Aber wir alle wissen, dass das was der Einzelne will in einem System ganz oft zum Gegenteiligen will (in diesem Fall nicht durch einen Marktmechanismus, sondern durch das Freerider-Problem).

  • Ben

    19.06.08 (23:02:34)

    Die Institution, die die Flatrate eintreibt, wird eine eigene Tauschbörse betreiben, über die legal getauscht werden darf. Die lässt sich dann auch einfach überwachen. Der Großteil der Nutzer wird dieses Angebot auch wahrnehmen, denn er hat keinen Grund, seinen Künstler nicht unterstützen zu wollen, also an einer anderen Quelle zu laden. Die Anzahl der Nutzer, die an fremden Quellen lädt wird wohl kleiner seiner, und kann deshalb vernachlässigt werden.

  • Matthias

    20.06.08 (09:02:37)

    Was mir auffällt: Marcel Du argumentierst zwar sehr ökonomisch (volkswirtschaftlich), aber etwas einseitig aus der Sicht der Konsumenten. Was wird denn aus den Produktionskosten von Musik, wenn diese unbegrenzt frei im Netz erhältlich ist? Wie kann ein Produzent diese wieder einspielen? Durch den Verkauf von CD's ja sicher nicht. Die Folge dürfte sein, dass ein erheblicher Teil etwa an aufwendig zu produzierender Musik (klassische Musik) gar nicht mehr in digitaler Form in Erscheinung treten wird. Die Berliner Philharmoniker mögen das verschmerzen können. Aber damit dürfte auch klar sein, dass diese Art von Musik wieder ähnlich elitär werden wird, wie sie das in früheren Jahrhunderten war. Ein sehr gutes Beispiel auf der Ebene der Labels wäre die ECM (Manfred Eicher). Der Mann, der Bahnbrechendes geleistet hat und sich ohnehin im Pensionsalter befindet, könnte Deiner Argumentation folgend seinen Laden jetzt zumachen. Denn wenn es wohlfahrtssteigernd ist, dass seine Aufnahmen frei im Netz zirkulieren, braucht ja niemand mehr für die CD's zu bezahlen und er bleibt auf den Produktionskosten in voller Höhe sitzen. Das Geschäftsmodell der ECM wäre am Ende - oder sollte er von seinen Künstlern eine Umsatzbeteiligung an deren Konzerten verlangen? Mein Fazit: Die Zukunft liegt nicht in den Extremen. Weder in Deinen Überlegungen noch in den abstrusen Vorstellungen der Mainstream-Musikindustrie. Eine Kultur-Flat brauchen wir auch nicht. Die Zukunft gehört Modellen wie iTunes. Und dazu wohl auch ein gewisses Rechtemanagement. Denn das massenhafte Herunterladen bzw. Kopieren rechtlich geschützter Inhalte (Musik, Filme, Spiele...) ist und bleibt hochgradig unmoralisch (und rechtlich hoffentlich noch lange illegal).

  • Simon

    20.06.08 (09:53:21)

    Marcel, ich denke, du gehst von einigen falschen Annahmen aus: Will man damit das Trittbrettfahrerproblem des illegalen P2P-Filesharings abfangen, muss es eine Zwangsabgabe für alle sein, die einen Internetanschluss haben. Ich denke nicht, dass das so sein muss. Im Gegenteil: Die Impplementierung über eine Zwangsabgabe ist m.E. eher der falsche Weg. Wesentlich erfolgsversprechender wäre wohl, die Kulturflatrate als ein ganz normales Produkt zu vertreiben, zusätzlich zu anderen Angeboten wie CDs, Download-Shops etc. In jedem Fall stimmt deine Annahme, die Kulturflatrate sei nur per Zwangsabgabe durchzusetzen, nicht. Das kann so sein - nachgewiesen ist es bisher nicht, und der einzige ernsthafte Kulturflatrate-Versuch bisher wählt auch einen anderen Weg. Man kann nicht alle P2P-Börsen überwachen. Und selbst wenn, wären damit Musikblogs, Direktdownloads von privaten Servern und Angebote wie Rapidshare noch nicht erfasst. Man muss also beim Bezahlvieh und seinem Internet-Provider ansetzen. Und dort den kompletten Traffic scannen und analysieren. Man kann nicht alle P2P-Börsen überwachen - muss man aber auch nicht. Es reicht aus, wenn man einen relativ genauen Verteilungsschlüssel per Statistik errechnen kann. Man muss nicht bei jedem einzelnen User wissen, was er sich gerade saugt - es reicht aus, zu wissen, wie viel (uns was) ein durchschnittlicher User herunterlädt. Die dazu nötigen Daten müssen mitnichten direkt bei den Endnutzern gewonnen werden. Bereits jetzt gibt es sehr akkurate "P2P-Charts", die m.W. auf einer Auswertung der Suchfunktionen der Börsen beruhen. Ugh. Damit wären wir dann bei den Pandorabüchsen. Das wäre das Ende der Netzneutralität. Denn wenn man eh schon mal alles scannt, dann könnte man doch auch gleich… Mir erschließt sich überhaupt nicht, wie du darauf kommst, eine Kulturflatrate fördere in irgendeiner Weise das Ende der Netzneutralität. Selbst wenn man deiner Behauptung folgt, es sei nötig, "alles" zu scannen, dann bedeutet das doch noch lange nicht, dass dieses "alles" auch gefiltert und während des Transports manipuliert wird. Netzneutralität ist wichtig und erhaltenswert. Aber ein ganz anderer Schuh als die Kulturflatrate. Folge des Ganzen: Ein gesetzlich abgesichertes Verwertungsmonopol, das von der Musikindustrie geformt und geleitet wird. Denn alles was kein allumfassendes Monopol ist, also etwa wie auch immer geartete Abomodelle, benötigt DRM und sind damit Totgeburten. Mir ist nicht klar, warum aus einer Kulturflatrate ein Monopol irgendeiner Art entstehen sollte. Die Verwertungsgesellschaften, die ein solches Flatrate-Angebot lizenzieren würden, verwalten die Musikrechte von allen Künstlern, nicht nur die der Major Labels. Die einzigen, die bisher nicht durch eine Verwertungsgesellschaft vertreten werden, sind Creative-Commons-Künstler - aber das ist ein Problem von CC, bzw. ein Problem der Verwertungsgesellschaften, kein prinzipielles Problem der Kulturflatrate. Mit einer Kulturflatrate würde Filesharing legal, und damit würden Schwellen- und Distributionskosten noch weiter sinken. Das wirkt sich gerade bei den kleinen Künstlern aus, weil die so leichter zu ihren Kunden finden. Die Folge ist - und das ist nachgewiesen - der sog. Long-Tail-Effekt: Eine Verlagerung des Publikumsgeschmacks (und folglich des Geldes) weg vom Mainstream, weg von den Major Labels, hin zu Nischenangeboten. Quasi genau das Gegenteil eines Monopols.

  • Marcel Weiss

    21.06.08 (19:21:38)

    pmuc: Natürlich werden die Umsätze nicht mehr so hoch sein, wie z.B. in den 90er Jahren, aber solche Entwicklungen lassen sich nicht künstlich aufhalten. Genau. - Daniel Niklaus: Ich wurde ja schon als so einiges beschimpft, aber Neoklassiker ist neu. :) Nein, ich gehe nicht vom Homo oeconomicus aus, ich halte das Konzept für viel zu weltfremd. Ich glaube auch nicht, dass der Homo Oeconomicus außerhalb der Neoklassik die allgemein normale Einschätzung der Leute ist. Es ist nicht nur, dass man nicht für etwas bezahlen will, wenn man es sich umsonst besorgen kann. Das Rezeptionsverhalten verändert sich maßgeblich, wenn man Musik ohne Gefahren (Kaufpreis) ausprobieren kann. Ich habe früher nicht selten Platten aus dem Laden mit heimgebracht, die ich keine 2 Mal zu hause komplett angehört habe. Die waren zu hause auf einmal nicht mehr so toll. Das kann mit p2p nicht mehr passieren, weil man neue Musik ohne "Gefahr" entdecken kann. Dadurch 'probiert' man wesentlich mehr Musik aus. Manche absurd viel mehr, andere nur ein bisschen mehr. Aber bei jedem wird der Musikhorizont breiter (weil es geht). Sicher gibt es dann auch einige, die die Musik bei itunes etc. zusätzlich kaufen, obwohl sie es nicht müssen. Das sind dann aber, wie ich unzählige Male in den Kommentaren hier ausgeführt habe, erstens die Hardcorefan-minderheiten, die nur einen Bruchteil der Hörer ausmachen und zweitens unterstützen sie den Artist selbst damit nur äußerst geringfügig, weil der nur einen minimalen Bruchteil des Geldes sieht. Beides kombiniert dürfte bei vielen dafür sorgen, dass sie damit allein ihre Miete nicht werden zahlen können. - Fatu Simmayeck: Welchen Passus hab ich geändert? Im Artikel wurde nichts geändert. Wenn es tatsächlich alles so “realistisch” wäre, wie hier einige argumentieren, dann wäre unmöglich zu erklären, warum Menschen nach wie vor Musik kaufen und nicht kostenlos laden, obwohl sie es könnten. Die meisten wissen nicht, wie es geht oder es ist ihnen zu unbequem. Beides ändert sich über die Zeit zugunsten von P2P. vor allem muss die Gesellschaft reagieren und einen Konsens darüber herstellen, was sie auf kurz oder lang möchte. Wäre das Kopieren von Musik vollkommen legal, dann kann man davon ausgehen, dass die Musikproduktionen innerhalb kürzester Zeit extrem abfallen würde. Was die Gesellschaft möchte: Es ist ganz einfach. Wenn Du das Modell Geld gegen Musikaufnahme behalten willst, musst Du das Internet, so wie es jetzt ist, aufgeben. Beides funktioniert zusammen nicht. Musikproduktionen werden sich verändern aber nicht zwingend abfallen. Die professionellen zu Tode komprimierten Hochglanzproduktionen werden zurückgehen. Die Musik gab es auch vor der Musikindustrie schon, sie wird nicht mit ihr sterben, sich nur verändern. - Ben: Die Institution, die die Flatrate eintreibt, wird eine eigene Tauschbörse betreiben, über die legal getauscht werden darf. Und die entscheidet dann auch, welche Musik dort drauf darf oder darf dann jeder? Und wie ist das dann mit DJ-Sets? Werden die gemixten Tracks dann irgendwo indiziert? Und was ist mit all den Musikdiensten im Web, die unterschiedlichste Wege des Entdeckens von Musik gehen? Werden die dann alle einfach rausgelassen aus der Rechnung? - Matthias: Ich argumentiere aus der Sicht von niemanden. Ich versuche es nüchtern und ohne Wunschvorstellungen zu betrachten. Was wird denn aus den Produktionskosten von Musik, wenn diese unbegrenzt frei im Netz erhältlich ist? Wie kann ein Produzent diese wieder einspielen? Wie bereits unzählige Male in den Kommentaren von mir ausgeführt: 1. Er hat kein Recht auf das Einspielen seiner Kosten. Entweder es klappt oder es klappt eben nicht. 2. Indirekte Einnahmen über Auftritte und Merchandising etc. Die Zukunft gehört Modellen wie iTunes. Und dazu wohl auch ein gewisses Rechtemanagement. Erzähl das mal denen die auf Systeme gesetzt haben, die eingestellt wurden oder wie Microsofts 'Plays for sure'(sic) mit anderen Systemen (wie beispielsweise Microsofts Zune(!)) inkompatibel sind und aufgrund desen auf bezahlten aber unbenutzbaren Files sitzen bleiben. Am besten alle paar Jahre neu kaufen, ja? Sehr moralisch. - Simon: Es reicht aus, wenn man einen relativ genauen Verteilungsschlüssel per Statistik errechnen kann. Man muss nicht bei jedem einzelnen User wissen, was er sich gerade saugt - es reicht aus, zu wissen, wie viel (uns was) ein durchschnittlicher User herunterlädt. Wie ein paar Kommentare weiter oben ausgeführt, bin ich mir nicht sicher wie akkurat ein statistisch bestimmter Schlüssel sein kann. Denn das Internet funktioniert mit seiner typischen Long-Tail-Verteilung komplett anders als etwa Massenmedien mit ihren begrenzten Auswahlmöglichkeiten. Amazon verdient nicht seinen Hauptumsatz mit den Topsellern. Selbst wenn man deiner Behauptung folgt, es sei nötig, “alles” zu scannen, dann bedeutet das doch noch lange nicht, dass dieses “alles” auch gefiltert und während des Transports manipuliert wird. Möglichkeiten wecken Begehrlichkeiten. Die Verwertungsgesellschaften, die ein solches Flatrate-Angebot lizenzieren würden, verwalten die Musikrechte von allen Künstlern, nicht nur die der Major Labels. Die einzigen, die bisher nicht durch eine Verwertungsgesellschaft vertreten werden, sind Creative-Commons-Künstler - aber das ist ein Problem von CC, bzw. ein Problem der Verwertungsgesellschaften, kein prinzipielles Problem der Kulturflatrate. Ich weiß, wie kleine Musiker bei der GEMA behandelt werden. Du hast Dir die Frage auch schon beantwortet. Das ist ein Problem großer Organisationen, die einseitig von anderen großen Organisationen beeinflusst werden. Glaubst Du wirklich, dass jeder Hobbymusiker von dem Kuchen was abbekommt, von dem die Majorlabels leben wollen?

  • Peepo

    22.06.08 (10:14:18)

    Die Kulturflatrate wird (hoffentlich) nicht kommen. Wenn einzelne Künstler das anbieten wollen, steht das ihnen natürlich jetzt schon frei. Vorweg sei gesagt, daß Kultur nicht nur aus konsumierbaren Medien besteht, und diese bestehen nicht nur aus Musik, sondern auch aus Text, Bildern etc. Leider wird das immer unterschlagen und lediglich das Beispiel Musikindustrie erwähnt, auf die ja gerne eingedroschen wird, wenn der Tag lang ist. Dann gibt es Künstler, die eine Kulturflatrate schon deshalb nicht wollen, weil sie (fast) nie auftreten und trotzdem vorzügliche Werke produzieren. Ferner gibt es selbst Konsumenten, die eine Kulturflatrate nicht wollen (weil sie keine solche Werke [z.B. Klassik oder Pop] konsumieren). Hierzu sei noch gesagt, daß die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten nicht umsonst existieren - mitsamt der bereits jetzt umstrittenen GEZ. Sie sorgen für eine mehr als üppige Grundversorgung, die sich jeder leisten kann. Eine darüberhinausgehende Versorgung wäre Luxus, und warum sollte es eine staatlich verordnete Luxus-Flatrate geben? Wäre es dann auch sinnvoll, eine Flatrate für materielle Güter einzuführen? Jeder Künster entscheidet selbst, was er mit seinem Werk macht. Eine "Enteignung" trägt dazu bei, daß einige dieser Werke gar nicht erst entstehen. Sprich: Die Kulturflatrate ist leider kein Gegenmittel zu den Flausen von Innenministern.

  • Simon

    22.06.08 (11:37:15)

    Peepo, dir ist schon klar, dass es bei der Kulturflatrate darum geht, dass Künstler mehr für ihre Arbeit bekommen sollen, nicht weniger?

  • Fatu Simmayeck

    23.06.08 (16:25:29)

    @Marcel Was den Passus anging habe ich mich getäuscht, mein Fehler. Es ist ganz einfach. Wenn Du das Modell Geld gegen Musikaufnahme behalten willst, musst Du das Internet, so wie es jetzt ist, aufgeben. Beides funktioniert zusammen nicht. Argumentationen, die mit "Es ist ganz einfach..." anfangen landen bei mir im geistigen Mülleimer. Dass du einfach mal davon ausgehst, dass Leute, die sich nach wie vor Musik kaufen, dies ausschließlich machen weil sie nicht wissen, wie es geht oder es ihnen zu unbequem ist, hat mich zum lachen gebracht. Mir fallen unmittelbar andere Gründe ein, warum Leute Musik kaufen, statt sie illegal zu laden. Z.B. weil sie den Eindruck haben etwas tatsächlich verbotenes zu machen. Na, wie wäre das? Oder vielleicht weil sie das Gefühl haben, den Künstlern zu schaden. Und das sind, da bin ich mir sicher, nicht die einzigen Gründe. Es gibt nach wie vor Menschen, die sich dessen bewusst sind, dass Musik auch Geld kostet und es schon alleine deswegen nicht einfach eine kostenlos-Kultur geben kann (und infolgedessen Musik kaufen, auch wenn sie sie illegal für lau bekommen). Jetzt bitte ich dich nochmal zu erklären, warum es diese Leute nicht auch in Zukunft geben sollte. Die Existenz schneller und multipler Repliken hat defacto bereits sämtliche Märkte, die mit replizierbaren Medien arbeiten, in einen Zustand der Ungewissheit befördert. Das begann nahezu zeitgleich mit der Einführung von Internetflatrates. Und dort überall ist es zu einer Unsicherheit was "Wert" angeht gekommen. Es gab schlichtweg vorher kaum eine Möglichkeit ein Objekt innerhalb kürzester Zeit und mit geringstem Aufwand überall auf der Welt zu streuen. Und dann stellt sich mehr denn je die Frage, was das Objekt wert ist. Es hat in dieser Hinsicht kaum politische Diskussionen gegeben, die meisten Versuche Lösungen zu finden, gingen in die Richtung, das Urheberrecht - so wie es existiert - aufrecht zu halten. Dass Menschen kein Problem damit haben Musik aus dem Internet zu ziehen ohne etwas dafür zu bezahlen, hat nicht zuletzt etwas mit einem persönlichen Gerechtigkeitsempfinden zu tun, u.a. bedingt durch das (grotten)schlechte Image der "Musikindustrie". Soweit ich es verfolgt habe, gibt es bislang keine Einarbeitung der Urheberrechtsproblematik bei Werten, die nicht an Materie geknüpft sind, in die Lehrpläne deutscher Schulen. Dabei handelt es sich um einen radikalen philosophischen Wandel, den die Gesellschaft durchmacht. Das sind Gründe, die meiner Meinung nach zu einem absolut chaotischen Zustand führen. Desweiteren halte ich es mit deiner Meinung eine Musik flatrate wäre eben so wie der Name ist, flach nämlich.

  • Marcel Weiss

    23.06.08 (16:37:57)

    Fatu Simmayeck: Dass du einfach mal davon ausgehst, dass Leute, die sich nach wie vor Musik kaufen, dies ausschließlich machen weil sie nicht wissen, wie es geht oder es ihnen zu unbequem ist, hat mich zum lachen gebracht. Nicht alle, aber die meisten. Wie gesagt wird auch eine Minderheit weiter Musikaufnahmen aus den verschiedensten Gründen erwerben, das wird aber idR nichts sein, worauf man ein Business gründen kann.

  • Florian Steglich

    23.06.08 (17:06:39)

    Dass du einfach mal davon ausgehst, dass Leute, die sich nach wie vor Musik kaufen, dies ausschließlich machen weil sie nicht wissen, wie es geht oder es ihnen zu unbequem ist, hat mich zum lachen gebracht. Mir fallen unmittelbar andere Gründe ein, warum Leute Musik kaufen, statt sie illegal zu laden. Z.B. weil sie den Eindruck haben etwas tatsächlich verbotenes zu machen. Na, wie wäre das? Oder vielleicht weil sie das Gefühl haben, den Künstlern zu schaden. Diese moralischen Motivationen sind aber, um in Marcels Argumentation zu bleiben, im Grunde auch nichts anderes als Unbequemlichkeiten, oder? Transaktionskosten eben.

  • Quantinger

    28.06.08 (21:07:56)

    Also zum Thema Marktpreis: Auf einem Markt mit monopolistischer Konkurrenz (jenem Modell entspricht der Musikmarkt am ehesten: Alle Anbieter handeln leicht differenzierte Produkte, die nicht beliebig substituierbar sind) entspricht der Preis im langfristigen Gleichgewicht den Durchschnittskosten (zur Info: DK = (FixKo + VarKo)/Menge) Keine Rede also von einem Marktpreis gleich null. Woher die Notwendigkeit kommt, dass ALLE Internetnutzer diese Flatrate bezahlen, ist mir auch nicht ersichtlich: Die Zahl jener, die bereit wären, ihre Musiksammlung endlich gegen einen leistbaren Betrag zu legalisieren, kann, wenn überhaupt, nur empirisch ermittelt werden (dh durch Umfrage). Sollte diese ergeben, dass eine kritische Nachfrage erreicht werden kann (dh dass es für die Musikindustrie lohnender ist, diesen Markt zu erschließen, anstatt weiter Nutzer zu verfolgen), kann das ganze durchaus rentabel als Option angeboten werden. Da die Option des illegalen Downloads natürlich bleibt, würden auf Konsumentenseite keine Wohlfahrtsverluste entstehen, durch die gestiegene Produzentenrente jedoch sehr wohl Wohlfahrtsgewinne > in Summe würde die Wohlfahrt steigen, nicht sinken wie im Artikel behauptet. Soviel zu den ökonomischen Analysen im Artikel. Zur Verteilung: Die Überwachung des Datenverkehrs halte ich ebenfalls für äußerst problematisch, eben weil eine Totalüberwachung damit längerfristig immer wahrscheinlicher wird. Es ist durchaus zu befürchten, dass die Industrie darauf pochen würde, dies spricht allerdings nicht gegen die Flatrate an sich. Andere Schlüssel sind durchaus denkbar: Die Schätzung der Popularität einzelner Musiker durch Einbeziehung mehrerer Faktoren: Zahl der Downloads in den legalen Börsen, Chartplatzierungen, Umfragen (wie zB TRL) und viele weitere. Ich bin sicher, dass damit eine Verteilung erreicht werden kann, die genauso gerecht/ungerecht ist, wie das Ausspähen möglichst aller Downloads, wo ja auch nicht alle Titel identifiziert werden können. Dass der Autor in Zukunft der Musikindustrie und ihren Produkten die Daseinsberechtigung absprechen möchte, da sie auf dem Markt offensichtlich nicht mehr überlebensfähig ist, ist zwar eine ausgesprochen neoliberale, in meinen Augen allerdings unrichtige Argumentation: Gegen ein perfektes Substitut (dieselbe Musik, nur illegal), das zum Nulltarif erhältlich ist, kann kein Produkt langfristig bestehen. Bei funktionierendem Markt wäre Musik allerdings durchaus marktfähig (wie die letzten Jahrzehnte ja beweisen), es gilt also, dieses massive Ungleichgewicht, das durch die Gratisdownloads entstanden ist, auszugleichen. Ist das sinnvoll? Ja, denn das Verschwinden der Musikindustrie wäre zwangsläufig mit Wohlfahrtsverlusten verbunden, und ist demnach als Marktversagen zu beurteilen, welches korrekturbedürftig ist. Und zwar nicht nur, weil wir die Profite der Musikindustrie erhalten sollten (die ebenfalls zum Wohlstand beitragen), sondern auch, weil Musik ein Kulturgut ist, dessen Erhaltung uns mehr wert sein sollte, als blinder Gehorsam gegenüber den Kräften des Marktes.

  • pmuc

    28.06.08 (22:08:54)

    @ Quantinger: Da ja der betriebswirtschaftliche Sachverstand vorhanden zu sein scheint: Dann erläutere es uns doch mal anhand des Volvic Beispiels. Wie macht Danone das nur, dass die Konsumenten deutlich mehr Geld für in Plastikflaschen abgefülltes Wasser bezahlen als für ein gleichwertiges Wasser, welches in praktisch jedem bundesdeutschem Haushalt nicht kostenlos, aber dennoch für nur einen Bruchteil der Kosten (bei einfacherer Beschaffung und in vergleichbarer Qualität) vorhanden ist? Was kann bzw. muss die "Musikindustrie" daraus lernen?

  • Quantinger

    29.06.08 (00:44:40)

    @PMUC Einfache Übung: Das Zauberwort heißt 'Marketing', oder, im konkreten Fall: Snob-Appeal (Zusatznutzen, der allein durch einen höheren Preis entsteht) Tatsache ist, und das ist allen Marketern bekannt (schlag nach bei Kotler), dass 1. für eine geringfügig höhere Qualität ein überproportional höherer Preis verlangt werden kann 2. Ausgaben für Branding sich ebenfalls in einer überproportional höheren Zahlungsbereitschaft niederschlagen (beides sehr gut zu beobachten am Kleidungsmarkt) und 3. Konsumenten bereits allgemein von einem höheren Preis auf eine höhere Qualität schließen (kann man oft auch sehr gut bei sich selbst beobachten) So hart es klingt: Die (teils sehr) hohen Preise, die für Markenprodukte verlangt werden, sind nicht Resultat der erhöhten Kosten (die spielen eine verschwinden geringe Rolle), sondern schlicht und einfach Resultat des Marktes: sie kosten so viel, weil es Leute gibt, die den Preis bezahlen. Warum sollte man also weniger verlangen? Weitere Produkte aus der selben Fabrik kann man ja immer noch zu einem niedrigeren Preis verkaufen, einfach unter anderem Namen. Was die Musikindustrie daraus lernen kann: Gut vermarktete Songs verkaufen sich, unabhängig von der Qualität der Musik (ohnihin ein dehnbarer Begriff). Bloß der Zusammenhang zur Flatrate ist mir nicht ganz ersichtlich. Falls du auf die 'Premium-Angebote' aus dem Artikel anspielst: Das wäre natürlich, das hat der Autor ganz richtig erkannt, die nächste Masche der Konzerne, so es ihnen möglich ist. Das ließe sich aber rechtlich unterbinden, und zwar indem man durch die Flatrate gleich pauschal das Recht zur privaten Nutzung jeglicher urheberrechtlich geschützter Musik erwirbt (beschränkt auf den Zeitraum, in dem man bezahlt).

  • Fatu Simmayeck

    29.06.08 (17:50:48)

    Die Schätzung der Popularität einzelner Musiker durch Einbeziehung mehrerer Faktoren: Zahl der Downloads in den legalen Börsen, Chartplatzierungen, Umfragen (wie zB TRL) und viele weitere. Goodbye Vielfalt. Wenn solche (ohnehin schon) wankelmütigen Werte wie Chartplatzierung, (auf simpelste Weise zu manipulierende) Downloadzahlen oder "Umfragen" (was auch immer das bedeuten mag) über eine Flatrate maßgeblich für die Musiklandschaft würden, führt das höchstens zu einer Stärkung der Kräfte, die mittels eben dieser Instrumente schon seit Jahren musikalische Monokulturen züchten. Wo dann der "kulturelle" Anspruch bleibt, lässt sich absehen. Wenn man diese Entwicklung vorantreiben möchte, ist das mE vollkommen in Ordnung, aber dann muss man ebenso auch anerkennen, dass sich es dabei um einen klar normativen Schritt handelt und nicht um irgendein unpolitisches Instrument, dass nur die Systematik gerechter machen soll. Natürlich ist auch in meinem Kommentar bereits eine Wertung über Qualität (was ist "kulturell wertvoll") enthalten. Aber seien wir ähnlich wann/wie/wo können und wollen(!) wir uns denn dieser Wertung entziehen. Allein die Tatsache, dass wir von Musik reden (es also schon für uns definiert und von Dingen, die nicht Musik sind, abgegrenzt haben) nehmen wir eine Bewertung vor. Auch die Annahme, dass Musik in einem über Wettbewerb geregelten Markt vertrieben werden sollte, ist eine Wertung. Die in diesem Thread vorherrschende, scheinbar objektive markwissenschaftliche Betrachtung geht meiner Meinung nach gehörig an jeglicher Realität vorbei.

  • Quantinger

    01.07.08 (14:58:41)

    Wir müssen die Situation, die sich nach Einführung der Regelung ergeben würde mit der derzeitigen vergleichen. Derzeit ist es doch eher so, dass gerade die Musik von unbekannten Künstlern zum größeren Teil über das Netz getauscht wird, auch deshalb, weil es ihre Platten in vielen Shops einfach nicht zu kaufen gibt. Gut möglich also, dass der Anteil, den sie jetzt vom großen Kuchen abbekommen, kleiner ist, als ihrem Anteil an der gesamt gehörten Musik entsprechen würde. Wenn das der Fall wäre, dann würden sie von einer empirischen Erhebung sogar profitieren, da ihr Anteil am Gesamtmarkt dann sehr viel besser geschätzt werden kann, besser sogar als der der großen Acts (die Konfidenzintervalle für kleine Anteilswerte sind wesentlich enger als die für große) Klartext: Unbekannte Künstler würden dann von einer Flatrate zusammen mit empirischer Popularitätsmessung profitieren, wenn ihre Einnahmen aus dem derzeitigen Markt (CDs + legale Downloads) nicht ihrem Anteil an der gesamt gehörten Musik entspricht, was ich persönlich für durchaus wahrscheinlich halte. Man muss natürlich zugeben, dass ein solches System schon ausgeklügelt sein müsste, um resistent gegen Manipulationen zu sein. Fraglich, ob ein Kompromiss der beiden Lager einen solchen Wurf zusammenbrächte. Aber es gilt hier bloß, eine Alternative zum derzeit diskutierten Ausspähen der Traffic-Daten aufzuzeigen, was ich aus Datenschutzgründen für äußerst bedenklich halte. Aber trotz dieses Problems halte ich die Einführung einer optionalen (!) Flatrate für eine deutliche Verbesserung gegenüber dem status quo. Nicht nur für die User, die sich endlich vom schlechten Gewissen befreien können (so es sie überhaupt beschäftigt), sondern auch für die Künstler (die ja, unabhängig vom Verteilungsschlüssel, auf alle Fälle mehr als vorher einnehmen würden) als auch gesamtwirtschafltich (s.o.).

  • Null

    03.07.08 (08:55:48)

    @Marcel: Dein Text enthält so viele Denkfehler (zugegeben anscheinend aus Unkenntnis des Marktes) das ich es mir vergangen ist alles aufzuzählen. Aber ich kann Dir sagen, daß ich nach dem Lesen zum ersten Mal Sympathie für die Musikindustrie empfand.

  • siekmann

    15.07.08 (19:42:08)

    Das ist doch alles nicht der Punkt. Seien wir ehrlich. Die Zukunft ist doch klar. Der User entscheidet was ihm seine illegalität wert ist. was mich betrifft ist klar. Ich zahle gerne 10 EUR (bsp Prämium-Angebot, die ganze Klassik o.ä), die auf mein Account oder meine Handy-Rechnung abgerechnet werden können, und dafür habe ich legal alle Musik verfügbar, zu jeder Zeit an jedem Ort. Nichts raubt mir unnötig Speicher, ich rufe alles über meinen Account online(wlan) ab. Basta so wird´s werden. Alle haben was davon, Künstler, Produzenten und User.

  • Zero

    24.07.08 (14:21:22)

    Finde, dass eine Flatrate durchaus Sinnmacht und die Bewertung der Musik kann auch ohne Überwachung durch den Provider geschehen. Außerdem sollte die Musik auch nicht an den DLs sondern an der Qualität bewertet werden. Wieso nicht einfach ein Portal einrichten zu dem jeder Flatrate-Nutzer Zugangsdaten bekommt und dort Musik entweder direkt oder über Plugins (z.B. für Winamp) bewerten kann. Alles auf freiwilliger Basis. Bewertung erfolgt einfach mit Punkten wie bei digg.de. Ein Punkt repräsentiert einen (jetzigen) Kauf. Die dadurch erlangten Statistiken können auf die Gesamtverteilung/Bewertung hochgerechnet werden. ist doch für alle Beteiligten viel einfacher und zieht keine Totalüberwachung nach sich. Ob die Flatrate jeden betreffen sollte ist ein anderes Thema...

  • pit

    12.02.09 (04:43:34)

    netzneutralitaet? was ist das in zeiten des cloud computings und der umts flatrates, der durchleitpauschalen der bundesnetzagentur und asymetrischen bandbreiten von 20:1? netzneutralitaet ist dann in gefahr wenn anbieter von anwendungen, inhalten und diensten anfangen die ebenen des netzwerk und physische infrastruktur zu integrieren. das nennt sich bisher "medienkonzentration". vielleicht kommen bald auf die bundesnetzagentur interessante aufgaben zu welche die kulturflatrate direkt betreffen.

  • alejandro

    04.08.09 (23:52:46)

    ich bin selbst aktiver (underground) künstler im bereich technoproduktionen, und diplominformatiker... ich wage die prognose, dass durch die möglichkeiten des www die gesamte qualität des angebotes auf dem gesamten künstlerischen 'markt' in der zukunft erheblich sinken wird (ich definiere qualität durch musikalität, originalität, gepaart mit kreativität) die these mit dem 'globalen apparat der kopien erlaubt' ist nicht widerlegbar - alles lässt sich über das internet kopieren, tauschen... das problem dabei: das individuum kann nur immer seltener beurteilen wie gut die qualität einer kopie ist, und m.E. wird dies noch zunehmen (ein ganz normaler anpassungs oder plastizitätseffekt des menschlichen gehirns) warum? es gibt sehr viele individuen, die der meinung sind ein (musik) original heruntergeladen zu haben von dem sie gar nicht wissen mit welchem encoder es erstellt wurde oder ob es zuvor bereits encodiert wurde - sprich die fähigkeit der bewertung von entropie (informationsgehalt, reduziert durch encodierungen) wird in der zukunft durch das einzelne individuum aufgrund immer häufiger vorhandener kopien und immer seltener vorhandener originale gar nicht mehr möglich sein das ist ein faszinierendes schauspiel, und immer häufiger anzutreffen: youtube ist das beste beispiel, denn die dort verwendeten encoder sorgen für eine radikale reduktion von qualität, und es scheint keinen wirklich zu interessieren... klar, es wird noch ein paar generationen dauern und ich hoffe es nicht erleben zu müssen, aber ein sensibler geist kann die ansätze schon jetzt erkennen aber wer ist in der heutigen zeit nicht schon in irgendeiner art und weise desensibilisiert?

  • Matthias

    09.08.09 (22:36:33)

    Witzig, der Frank A. Meyer zitiert euch: http://www.blick.ch/news/fam/basta-125570 Dass Ringier fröhlich aus allen möglichen (Online-)Quellen klaut, scheint er entweder nicht zu wissen, oder nicht wahrhaben zu wollen.

  • Marcel Weiss

    10.08.09 (11:58:05)

    @Matthias: Ja, danke. Gestern schon gesehen. Äußerst wirrer Text vom Herrn Meyer.

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