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17.10.08Leser-Kommentare

Warum E-Reader das gedruckte Buch verdrängen werden

Das Schreckgespenst Digitalisierung gehe um auf der Frankfurter Buchmesse, so Spiegel Online. In einem Artikel auf Spiegel Online werden die, deren Geschäftsmodell auf Papier basiert, beruhigt. Zu unrecht.

Amazon Kindle, Sony eBook, Holz

Zunächst werde ich mich mit dem Artikel auf Spiegel Online, der mit bisweilen eigenartigen Argumentationen aufwartet, beschäftigen. In einem zweiten Artikel werde ich einen Ausblick, E-Reader und die Buchbranche betreffend, geben, den ich für realistisch halte.

Die Sorge der Buchhändler:

Auch in der Musik- und Filmbranche habe der Umbruch von analogen zu digitalen Darreichungsformen katastrophale Auswirkungen gehabt. Der Wandel werde die Buchbranche nun verzögert, aber mit ähnlicher Wucht treffen.

Das ist nicht allzu weit hergeholt. Vielleicht noch etwas früh. Aber der Wandel wird kommen. Ich schätze, dass es die Buchbranche innerhalb der nächsten fünf Jahre treffen wird. Abhängig ist das davon, wann ein massenkompatibler E-Reader den Markt erreicht. Der Amazon Kindle ist es zumindest in der ersten Generation noch nicht.

Spiegel Online-Autor Christian Stöcker meint dagegen, dass das nicht passieren wird. Das ist Stöckers Argument:

Die Menschen werden nicht vor Elektronikmärkten Schlange stehen, um sich für Hunderte von Euro digitale Buch-Anzeiger zu kaufen. Folglich werden sie auch nicht anfangen, in Scharen illegale Digitalkopien von Büchern aus dem Netz herunterzuladen

Warum sie das nicht tun werden, erklärt er nicht. Er nimmt zunächst an, dass E-Reader immer Hunderte Euro teure Geräte bleiben werden. Und dass niemand sie deswegen kaufen wird. Beides ergibt keinen Sinn. Aufgrund der rasanten Weiterentwicklung fällt wenig über einen längeren Zeitraum schneller im Anschaffungspreis als elektronische Konsumgüter. Selbst wenn die tatsächlich brauchbaren E-Reader teuer bleiben: Stöcker scheint völlig außer acht zu lassen, dass sich auch hohe Anschaffungspreise amortisieren, wenn die digitalen Versionen künftig angeschaffter Bücher entsprechend günstiger sind als ihre Papierversionen. Dass sie das aufgrund von extrem niedrigeren Herstellungs- und Distributionkosten irgendwann sein werden und eigentlich bereits sein müssten, liegt außer Frage .

Und man kann auch nicht seine Büchersammlung digitalisieren und dann endlich all die Titel in den Urlaub mitnehmen, die man schon immer mal lesen wollte. Was schade ist, denn das wäre wirklich mal ein Mehrwert.

Das hätte in der Tat Mehrwert. Und wenn die Verlage wöllten, könnten sie dabei helfen. (Und wer hält mich davon ab, mir illegal die digitalen Versionen bereits erstandener Bücher herunterzuladen?)

Und es ist tatsächlich teilweise auch ohne die Verlage möglich, legal E-Books kostenlos herunterzuladen und die eigene Bibliothek damit ohne Zusatzkosten zu digitalisieren. Denn zumindest Bücher die mittlerweile Public Domain sind, kann man kostenlos in digitaler Version von diversen Sites herunterladen. Und das sind immerhin die meisten Klassiker (zumindest in der Originalfassung, Übersetzungen selbst unterliegen wieder neu dem Urheberrecht). Das ist auch nicht gerade wenig. Kostenlose Bücher, die in der Public Domain liegen, findet man zum Beispiel auf:

Das ist noch kein einziges Mal perfekt und selten bequem zu handhaben. Aber es ist ein Anfang. Und es zeigt, was mit gut zu handhabenden, weit verbreiteten E-Readern möglich sein wird: Ohne zusätzliche Kosten permanenter und vor allem bequemer Zugang zum Wissen der Menschheit - abgesehen von den letzten durch das Urheberrecht geschützten Jahrzehnten. Einem Spon-Autoren mag das keine paar hundert Euro wert sein, vielen anderen dürfte der bequeme Zugang zur geballten Ladung Wissen und Kultur diesen Preis wert sein.

Stöcker erkennt zumindest, dass E-Reader nicht im klassischen Kindle-Format kommen müssen:

Gefährlich wird es fürs gedruckte Buch erst dann, wenn aus Handys oder Mini-Notebooks wirklich tragbare Multi-Medien-Spieler geworden sind, faltbar, mit wochenlanger Akkulaufzeit und überragenden Displays. Wenn Bücherlesen ein Abfallprodukt wird, bequemer Bonusnutzen eines Gerätes, das man ohnehin besitzt.

Was ihm entgeht ist, dass dieser Wandel bereits stattfindet und nicht in der fernen Zukunft liegt. Mit dem iPhone kann man bereits Texte gut lesen, auch wenn ich darauf keine ganzen Bücher konsumieren wöllte. In Japan werden Mobiltelefone aber bereits von vielen zum mobilen Lesen eingesetzt .

Warum das Lesen zum Abfallprodukt wird, bleibt mir schleierhaft. Wahrscheinlich ist Stöcker alles suspekt, was nicht auf Papier gedruckt und von dort konsumiert wird.

Der Nutzen von Kindle und Co. besteht derzeit vor allem darin, dass sie Platz sparen - mit entsprechender Speicherkarte aufgebohrt kann so ein notizblockkleines Gerät ganze Bibliotheken reisefertig machen. Aber wer braucht das? Wer würde dafür zahlen? Zumal auch E-Bücher der Buchpreisbindung unterliegen werden.

Warum hinterfragt der Autor nicht die von ihm vorausgesetzte Tatsache, das E-Bücher dank Buchpreisbindung so viel kosten sollten wie ihre Papierausgaben? Hat Stöcker in Bäume investiert oder warum will er die veränderte Kostenstruktur zwischen physischem Produkt und Datei nicht benennen?

Auf heise ist zu lesen :

Bei den Buchpreisen, so Dr. Pascal Zimmer von Libri, werde man sich an die Empfehlung vom Börsenverein des deutschen Buchhandels halten. Dieser hatte vor zwei Wochen klargestellt, das aus seiner Sicht die in Deutschland herrschende Preisbindung auch bei E-Books gilt. Die Verlage würden somit den Preis für die E-Books vorgeben, der aber durchaus günstiger als der für die gedruckten Ausgaben sein könnte.

Man erwägt also zumindest die (ökonomisch sinnvolle) Alternative, die Ebook-Versionen günstiger anzubieten.

Am Ende fallen Stöcker neben der Tatsache, dass er Bücher nur in Extremsituationen voller Sand und Eiscreme liest, glücklicherweise mehr Argumente ein, als die unsinnige Haptik des Papiers:

Das Buch hat noch ein langes Leben vor sich. Nicht nur, wie in diesen Tagen vielerorts zu lesen ist, weil Papier so schön raschelt, nicht wegen Goldschnitt, Ledereinbänden, charmanten Buchhändlerinnen und haptischen Qualitäten. Sondern weil es keinen Strom braucht, nicht kaputtgeht, wenig kostet, einfach zu bedienen ist - und ohne Hilfsmittel perfekt funktioniert.

Zum Haptik-Argument kann ich nur sagen, dass ich jedes Mal verwundert bin, wenn Angehörige der schreibenden Zunft meinen, Partei für das Papier ergreifen zu müssen. Sie scheinen stolzer auf das Papier zu sein,das sie verbreiten, als auf das Wort, das sie darauf drucken. Auch wenn das Argument bei Büchern besser greift als bei Zeitungen, hält es nur bedingt stand: Spätestens bei Sachbüchern ist die Haptik des Papiers dem Preis-Argument der günstigeren E-Book-Varianten nicht gewachsen.

Das Einzige, was gegen einen E-Reader mit lang haltendem Akku und robustem Gebäude spricht, ist das Vorstellungsvermögen eines Spiegel Online-Schreibers. Es gibt Armbanduhren, die hunderte von Metern unter Wasser noch funktionieren und da soll es nicht irgendwann E-Reader geben können, die es mit  Sand und einer Woche Dauerlektüre aufnehmen können? Bitte.

Es läuft immer auf das Selbe hinaus: Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Erfolgreiche E-Reader werden kommen. Und sie werden die gedruckten Bücher nicht vollständig verdrängen, zumindest nicht sofort. Was sie allerdings mit ihrem Erfolg grundlegend verändern werden, ist das Geschäftsmodell der meisten Verlage und Buchhändler.  Und darum geht es leider immer, wenn von der Haptik und den Vorzügen des Papiers geredet wird: Der drohende Verlust von Sicherheiten und Pfründen.

Wie dem auch sei, eine wahrscheinlichere Zukunft, als dass unsere Kinder und Enkel E-Reader, wie von Spon vermutet, nur unter Zwang und mit der Kneifzange anfassen, damit werde ich mich in einem weiteren Artikel zum Thema befassen. Bleiben Sie dran.

(Foto: jblyberg )

Kommentare

  • Stefan

    17.10.08 (09:24:46)

    Ich finde es gut und interessant, dass sich mit dem Thema auseinandergesetzt wird. Doch stimme ich Ihnen nicht (ganz) zu. Es ist richtig, dass E-Reader ihren Platz finden werden. Jedoch wird dies nicht, wie Sie schreiben, in den nächsten fünf Jahren passieren. Bücher in herkömmlicher Form haben zu fest in unserem Leben etabliert, als das sie so rasch abgelöst werden könnten. Außerdem schreiben Sie: "Ohne zusätzliche Kosten permanenter und vor allem bequemer Zugang zum Wissen der Menschheit - abgesehen von den letzten durch das Urheberrecht geschützten Jahrzehnten." Aber genau diese sind doch die interessanten und meistverkauften Bücher. In den Bestsellerlisten finde ich nur aktuelle Literatur, die Bibel nun einmal ausgenommen. Weiter heißt es: "Zum Haptik-Argument kann ich nur sagen, dass ich jedes Mal verwundert bin, wenn Angehörige der schreibenden Zunft meinen, Partei für das Papier ergreifen zu müssen." Verwunderung hin oder her, die vielbesprochene Haptik von Büchern ist nun einmal da. Ob Sie es nun akzeptieren wollen oder nicht, ist es ein Fakt, der durch ein(en) E-Book/ E-Reader unangetastet bleib. Wenn man möchte die USP des Buches generell darstellt.

  • ben_

    17.10.08 (09:25:42)

    Jungs, ich muss sagen, dass Ausdemfensterlehnen hier Königsdisziplin wird, imponiert mir. Ihr verlaßt damit zwar deutlich den Weg, den Andreas Göldi hier ursprünglich eingeschlagen hatte, aber (uns ohne dass ich damit Andreas' Texte meine) trockene Techtexte gibt es genug im Netz. In diesem Fall Teile ich die Meinung aber nicht so ganz, obowhl alle Argumente dagegen sprechen. Ja, es ist zuallererst eine Frage der Displays. Dass Apple mit den 163 DPI des Iphones bereits die 150 DPI Schallmauer der Tageszeitungen durchbrochen hat, halte ich für einen der zentralen Pfeiler des Erfolgs des Iphones. Ebenso halte ich das nur mit Umgebungslicht arbeitende Display des Kindles für einen Pfeiler seines Erfolges. Und schaut man sich an, wie schnell sich in den letzten 3 Jahren die Display Industrie entwickelt hat, wird deutlich, dass uns noch weitere deutliche Verbesserungen ins Haus stehen. Als Texttechnologe bleibt mir ja ohnehin kein anderes Urteil, denn obendrein sprechen die unglaublichen Vorteile digitaler Texthaltung einfach dafür. Inzwischen erwische ich mich immer öfter dabei in Büchern und Zeitungen Ctrl+F zu vermissen. Und wir fangen gerade erst an, aus digitalen Texte all das rauszuholen, was drin steckt, all die Werkzeuge und Möglichkeiten zu entdecken, die uns digitale Textproduktion und Textpräsentation ermöglichen. Raw Books sind da nur ein aktuelles Beispiel unter Tausenden. Ich kann nur immer wieder sagen: Lest Ivan Illichs "Im Weinberg des Textes". Der Wandel von Print zu digitalen Texten wird unseren Begriff von Text grundlegend verändern! The Medium is the Message. Trotzdem glaube ich daran, dass Bücher sich eine relevante Marktgröße sichern werden. Dafür habe ich aber nur ein Argument, das ist aber nicht ganz ungewichtig und ich hole dafür etwas aus. In dem Film Singles plant einer der Protagonisten einen Superzug, um die Pendler vom Auto auf die Schiene zu bekommen. Ein Vision eines Zug, die nicht mit den Vollgestopften Regionalexpressen unserer Tage zu vergleichen ist. Als er seine Idee dem Bürgermeister vorstellt, lehnt der umgehend ab mit dem Argument: "Die Leute lieben ihre Autos." Und sogar heute, 16 jahre später, der Benzinpreis hat sich verdoppelt ist der Individualverkehr zur Arbeit nicht ernsthaft bedroht. Und ich glaube, dass die Leute ihre Bücher zwar nicht soo sehr lieben wie ihre Autos, aber doch lieben. Letztes Bemerkung: besonders lustig an diesem Text finde ich ja, dass Christian Stöcker es in anderen Bereichen sonst ja auch nicht an ausdemfenstergelehnten Visionen mangelt. "Es [Second Life] ist die bislang konsequenteste, weil flexibelste und freiste Variante dessen, was eines Tages vielleicht das ganze Internet sein wird. Eine begehbare, endlos modifizierbare, multimediale 3D-Welt nämlich, in der Nutzer Dinge, Funktionen und sogar soziale Systeme erschaffen, die es sonst nirgends gibt."

  • Stefan

    17.10.08 (09:26:57)

    noch ein kurzer Nachtrag zu einem älteren Blogpost von mir: http://gedankensolo.wordpress.com/2008/05/30/reale-bucher-vs-virtuelle-bucher/ PS: Bitte entschuldigen Sie die "Eigenwerbung".

  • ben_

    17.10.08 (09:27:43)

    P.S.: Allen E-Reade Skeptikern lege ich die Lektüre von Neal Stephensons "Diamond Age" ans Herz! Wer an der größe des Möglichkeitsuniversums der Zukunft zweifelt hat sowohl zu wenig aus der Geschichte gelernt als auch zuwenig Phantasie.

  • Hathead

    17.10.08 (09:29:35)

    Ja, Sie sollten billiger sein. Ob Sie es allerdings werden ist fraglich. Ein Lied für 1 Euro bei Itunes zu kaufen, oder bei besserer Qualität als Mp3 (es gab da mal ein Experminent mit Emi) für 1,60 Euro ist nicht wirklich billiger als eine CD bei Saturn zu kaufen. Es ist lediglich komfortabler, was meiner Ansicht nach den tatsächlichen Reiz von iTunes ausmacht. Der Büchermarkt ist seit Amazon aber schon so komfortabel. Ich muss mich hier auch nicht mehr vom Rechner wegbewegen um kurze Zeit später ein Buch in den Häden zu halten. Wir haben mal wieder das alte Spiel: irgendwelche Lobbyisten verschlafen eine grandiose Chance Ihre Produktionskosten nachhaltig zu senken und die Umsätze nicht einbrechen zu lassen, sondern zu steigern. Die Geschichte muss keine finanziellen Folgen für Verleger haben. Das es die Buchhänder trifft ist klar. Und zu diesem merkwürdigen Spiegel Menschen: besteht tatsächlich ein Unterscheid für mich, ob ich seinen rätselhaft argumentierten Artikel auf meinem E-Reader oder auf Spiegel-Online lese? In diesem Zusammenhang wird sich der Spiegel dann vielleicht die Frage stellen ob man nicht vielleicht Offline gehen sollte, weil das verschenken von Artikeln offenbar als schädlich für die Branche anzusehen ist. Was mir allerdings nicht ganz klar ist: warum brauchen wir einen E-Book-Reader? Tragen wir nicht ohnehin schon 38 Geräte miteinander rum, deren Display erheblich besser ist, als das des wie ein Taschenrechner anmutenden Kindle? Vielleicht sollte Apple einen E-Book Reader machen. Dann könnte man das klobige Ding wahrscheinlich wie ein Stück Papier zusammenfalten, es gäbe einen lustigen kleinen "Raschelmodus" für Nostalgiker und Farbdarstellung wäre plötzlich auch kein Problem mehr.

  • Michel

    17.10.08 (09:31:34)

    Ich war am Mittwoch auf der Buchmesse und habe da bei zwei Anbietern solche Geräte ausprobiert (Beim libreka, dem portal des börsenvereins des Deutschen Buchhandels und irgendeiner anderen Firma). Ich muss sagen, diese Lesegeräte sind eine echte Zumutung: Sie sind alle relativ groß (oder werden sehr heiß warm, wie das "Buch" mit dem faltbaren Display), das Gewicht ist bei den Modellen mit ordentlichem display im Bereich eines EEE 901 anzusetzen. Die drei Geräte auf der Messe kosten zwischen 600€ und 1500€. Und der Preis für die Bücher ist auch nicht gerade attraktiv: Libreka, die wohl aufgrund der Nähe zu den Verlagen ein ordentliches Angebot haben werden, sehen die Preise bei etwa "1 oder 2€ unter dem des Gebundenen Buches" - nicht besonders attraktiv. Bis sich das durchsetzt vergehen noch ein paar Jahre. Vielleicht sind Zeitungen ein Markt für sowas, aber nur mit viel niedrigeren Gerätepreisen.

  • Peter Schwierz

    17.10.08 (09:37:10)

    Ich glaube, dass der E-Reader nur ein Zwischenschritt ist. Irgendwann passt der Bücherschrank in die Jackentasche. Bücher für unterwegs werden das Handy erobern, denn das trägt eh schon jeder Mensch mit sich herum. Ein zweites Gerät braucht kein Mensch. Und echte Leseratten kaufen auch noch in zwanzig Jahres bedrucktes Papier zwischen zwei Pappdeckeln.

  • Robert Wünsch

    17.10.08 (09:39:09)

    Hallo Marcel, ich stimme Dir vollkommen zu. E-Reader werden kommen - und das bald. Und sie werden das klassische Buch nach und nach verdrängen. Nicht nur wegen Platzersparnis und vor allem geringeren Kosten beim Buchkauf, sondern vor allem wegen der Vernetzung. Bücher werden wie Websites, wo jeder Leser Kommentare hinterlassen kann, vielleicht sogar Wiki-mäßig den Inhalt bearbeiten kann (z.B. bei Sachbüchern), wo man Querverweise zu anderen Büchern anklicken und dort weiterlesen kann. In denen man direkt per Texteingabe suchen kann usw. Wo ich Stöcker jedoch teilweise übereinstimme, ist die noch mangelnde Haptik von E-Readern. Zwar sind auch Bücher weit entfernt davon, handlich zu sein, aber sie haben etwas natürliches, das E-Readern fehlt. Aber das lässt sich auch lösen. Ein paar Gedanken dazu von mir hier: E-Reader mit natürlicher Haptik (englisch) Was scheinbar nur wenige sehen wollen, ist der Wandel des Wertes eines Buches. Ein sehr großer Teil der Bücher wird meines Erachtens kostenlos werden (auch in meinem Blog: Kostenlose E-Books (englisch)) und Zahlungsmodelle für Bücher werden sich anpassen. Wenn einem Leser der Fortlauf eines Roman nicht mehr gefällt, bezahlt und lädt er eben nicht die Folgekapitel. Bestimmt fangen dann Autoren an, verzweigende Geschichten zu schreiben. Sorgen machen sollte sich aber niemand wegen des Wandels zum Digitalen. Während Autoren mit E-Books weiter Geld verdienen können, müssen sich Verlage überlegen, wie sie ihren bisherigen Mehrwert (Bücher auswählen, die eine bestimmte Zielgruppe ansprechen) ins Digitale übertragen. Aber das sollte nicht schwer sein.

  • Phil

    17.10.08 (10:20:43)

    Es wird noch sehr lange dauern, denke ich. Menschen sind zu sehr an schöne Einbände, Buchläden und das Blättern gewöhnt als dass sie es für ein hässliches Display und ein festes Gerät in den Händen aufgeben würden. Sicherlich wird es der ein oder andere vorher schon tun… aber es haben auch vor 5-10 Jahren schon Leute ihre Palms als E-Reader benutzt.

  • Martin Weigert

    17.10.08 (10:44:05)

    @ Ben Richtig, die Leute lieben ihre Autos und viele ziehen das eigene Kfz dem Zug vor. Warum? Wegen der Bequemlichkeit und Flexibilität. Und genau deshalb werden sie irgendwann ihre digitalen Bücher lieben. Weil sie dann nämlich den Titel lesen können, auf den sie gerade Lust haben - egal wann, in welcher Sprache und in welchem Land dieser veröffentlicht wurde, und ohne darauf erst einige Tagen warten zu müssen. @ Hathead Ja eine Buchbestellung bei Amazon ist erheblich bequemer als der Kauf im stationären Geschäft. Aber im Vergleich zu der eben beschriebenen Flexibilität digitaler Bücher trotzdem zu unflexibel. Um bei Bens Autobeispiel zu bleiben: Quasi eine Mitfahrgelegenheit, in die man nicht sofort einsteigen kann, sondern die man einige Tage im Voraus reservieren muss.

  • ben_

    17.10.08 (11:05:30)

    @Martin Weigert: Das glaube ich nicht, denn in Hamburg ein Auto zu besitzen und damit zu fahren hat nichts, aber auch gar nichts mit Bequemlichkeit oder gar Flexibilität zu tun. Das Gegenteil ist der Fall. Der durchschnittliche Hamburger Autofahrer befindet sich am Rande des Nervenzusammenbruchs, spätestens wenn er einen Parkplatz suchen muss. Das sehe ich jeden Tag dutzendfach - aus dem Bus heraus. Die Leute lieben ihre Autos, weil sie ihnen gehören, weil sie schön aussehen und vielleicht, ganz vielleicht weil sie ein Idee von Freiheit und Bequemlichkeit suggerieren. So wie Bücher ein Idee von Bildung und Wissen suggerieren und Bücherregal eine Bequemlichkeit im Sinne von Gemütlichkeit suggerieren. Und wie gesagt: Das wird - anders als den Superzug - den Siegeszug von digitalen Texten nicht aufhalten. Aber es wird den Bücher das Überleben sichern.

  • SvenS

    17.10.08 (11:09:54)

    Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Vehemenz sich die Verfechter des bisher bestehenden an eben dieses Klammern. Angesichts der Krise der Musikindustrie müsste doch auch dem technikfeindlichsten Verlagsmanager und Autor klar sein, dass sie hier auch und gerade phantastische neue Geschäftsmodelle auftun. Aber nein, anstatt dessen versucht man Buch und Zeitung zum ewigen Leben zu reden. Klar wird es auch weiter Zeitungen und gedruckte Bücher geben. Aber werden die zukünftig noch die Rolle spielen wie heute? Und wenn man außerhalb der Papierinformationswirtschaft weiter mit Büchern/Zeitschriften/Zeitungen Geld verdienen will, dann ist jetzt schon 5 vor 12 um sich vorzubereiten. Neben den Readern gibt es viele andere Entwicklungen die den Buchmarkt revolutionieren können weil er den Kunden Mehrwert bringt. Mittlerweile gibt es z.B. Automaten die Bücher on demand Drucken. Kosten in der Größenordnung von 50.000€, also auch für einen kleinen Buchladen via Leasing durchaus zu finanzieren. Damit könnte man gegen Amazon anstinken, weil man noch schneller ist und dem Kunden nciht nach 1 Tag das Buch übergibt, sondern nach 5 oder 10 Minuten. Dazu braucht es aber elektronische Bücher. Wenn man die dann hat diese nicht auch für die Reader anzubieten währe fahrlässig, da man dann einen Vertriebsweg auslässt. Und was spricht dagegen ein Buch als Buch mit Hardcover, goldprägung und was sonst noch als Premium Edition zu verkaufen und gleichzeitig als elektronische Variante? Geht doch heute schon, Hardcover, Taschenbuch...oder gibt es seit es Taschenbücher gibt keine gebundenen Bücher mehr? Also werden die Verlage die nächsten Jahre über sinkende Umsätze wegen der bösen elektronischen Bücher klagen, einige werden auf den neuen Zug aufspringen und überleben und es wird neue Formen der Informationsvermarktung geben. Man nennt es wohl Fortschritt und der kommt meist nicht so schnell wie er im Nachhinein erscheint.

  • Christian Stöcker

    17.10.08 (11:14:13)

    Herr Weiss, abgesehen davon, dass ich Ihren abfälligen Tonfall ein bisschen unhöflich finde ("Online-Schreiber") - Sie haben, entweder mich entweder mutwillig oder versehentlich missverstanden, und außerdem eine These ("Die Leute werden nicht Schlage stehen") zum Argument erklärt, das dazugehörige Argument, das zentrale des ganzen Textes, aber geflissentlich ignoriert. Sonderservice - hier ist es noch mal: "Bücher kamen bislang ganz gut ohne Abspielgeräte aus. Im Gegensatz zu Musik und Filmen: Seit diese als Konsumgüter für den Hausgebrauch existieren, sind Menschen auch bereit gewesen, für die entsprechenden Maschinen zu bezahlen." Im Übrigen bin ich nun wahrlich keiner, der das Papier als solches für schützenswert hält, schauen Sie doch mal hier http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,548617,00.html oder hier http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,514107,00.html Ich glaube auch, dass irgendwann alles digital sein wird - aber im Falles des Buches eben nicht auf dedizierten Geräten. Genausowenig, wie alle Welt mit tragbaren DVD-Playern herumläuft. Genau aus diesem Grund sind Haptik, Buchhändlerinnen usw. NICHT mein zentrales Argument - lesen Sie doch dazu am besten mal die SZ von gestern.

  • Robert Wünsch

    17.10.08 (11:50:16)

    Hallo Herr Stöcker, Ihr entscheidender Fehler besteht darin, Bücher mit Inhalten zu verwechseln. Aktuell braucht jede Geschichte und jeder Sachtext jeweils ein eigenes Abspielgerät: Das Buch. Aber sicherlich liegen Sie mit Ihrer Annahme, Handys und Mini-Notebooks werden die Lesegeräte der Zukunft, anstatt dedizierte E-Book-Reader ganz richtig. Womit wir uns aber im Kreis drehen: Handys und Mini-Notebooks können derzeit Textinhalte nicht so komfortabel darstellen, wie E-Book-Reader. Deshalb gibt es - derzeit - E-Book-Reader. Sobald Technologien eine Verschmelzung ermöglichen, wird das auch geschehen. Dann ist das Handy aber auch ein E-Book-Reader. *zwinker* Einen schönen Tag wünscht, Robert Wünsch

  • Christian Stöcker

    17.10.08 (12:04:00)

    Hallo Herr Wünsch, nein, da täuschen Sie sich, meine ich - denn dieser Logik zufolge sind Schallplatten, Filmrollen und Videokassetten auch Abspielgeräte. Sind sie aber nicht, sondern Datenträger, genau wie das Buch. Nur, dass das letztere ein Datenträger ist, der einen unmittelbaren Zugriff auf die Daten ermöglicht, währende alle anderen zusätzliche Geräte erfordern, für die Leute schon seit jeher Geld bezahlen.

  • ben_

    17.10.08 (12:04:05)

    @Christian Stöcker: Gut gebrüllt Löwe! Das hatte ich für meinen Teil latürnich geflissentlich überlesen. Ja, richtig. Wenn irgendwas den Siegeszug des Digitalen befördert hat, dann die Universalmaschine. MP3 ist so erfolgreich, weil ihm egal ist worauf es abgespielt wird. Reinrassige E-Reader halte ich auch für eine evolutionäre Sackgasse.

  • Robert Wünsch

    17.10.08 (12:11:18)

    Herr Stöcker, richtig. Um es ganz genau aufzudröseln, sind Bücher also Inhalt, Datenträger und Abspielgerät in einem. Im Vergleich dazu habe ich ein Musikstück, das ich digital auf mein Abspielgerät ziehen kann (der Datenträger ist hier das Internet oder eine CD). Wenn ich Ihre Argumentation richtig verstehe, bezweifeln Sie, dass man extra ein Gerät mit sich rumschleppt, um Bücher zu lesen. Aber genau das tun Bücherleser ja: Wenn sie ein Buch lesen wollen, schleppen sie eines mit, wenn zehn Bücher dann zehn Abspielgeräte. Ein E-Book-Reader ist zwar ein technisches Gerät mehr, das ich mitschleppen müsste, aber quasi unendlich weniger Bücher.

  • Chajm

    17.10.08 (13:04:54)

    Lustige Idde, in Deutschland soll die Buchpreisbindung weiterhin Bestand haben. Auch bezogen auf digitale Ausgaben. Der Mehrwert einer Buchdatei die man nicht weiterverwenden kann, erschließt sich mir nicht. Man kann sie nicht weiterverwenden, weil zumindest bei kindle die Daten ausschließlich über amazon auf das Gerät geladen werden können und sie kommen ja nicht über das Internet. Hier liegt also der „Flaschenhals”...

  • Jan

    17.10.08 (13:16:10)

    Ich habe ja so wenig den Eindruck als ob hier einige ganz wichtige Aspekte des Buches übershen werden. 1.) Bücher sind tatsächlich immer noch kulturelle Symbole für Bildung und das sind sie in den letzten 1000 Jahren gewesen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein Professor auf seine Bücher in seinem Büro verzichtet. Bequemlichkeit hin- oder her. Es sieht einfach viel cooler aus eine Regalwand mit Büchern zu haben, als einen Computer irgendwo rumstehen zu haben. 2.) Die E-Reader haben einen entscheidenden Nachteil gegenüber Büchern: Sie können kaputt gehen. Ein Buch kann ich duch die Gegend werfen, damit hinfallen, es in den Regen legen. Bis es endgültig kaputt ist, muß ich mich schon sehr anstrengen. 3.) Papier ist geduldig. Bücher sind immernoch die dauerhafteste Form Wissen zu speichern. Das funktioniert über 1000 Jahre. Digitale Daten haben eine Haltbarkeit von 15 Jahren, alles was länger sein soll, ist mit einem unfassbaren Kostenaufwand verbunden. Die Daten müssen redundant gespeichert werden, die Datenformate müssen so sein, dass auch bei Technologieänderungen noch auf sie zugegriffen werden kann. 4.) Bücher sind Arbeitsmittel. Da kann ich reinschreiben, etwas anstreichen, Lesezeichen reinfalten, etc. Und bei E-Readern? Ich bräuchte eine Methode um die Daten vom Reader auf den PC zu bekommen und von da aus irgendwohin um meine Notizen dauerhaft zu speichern. Das ist natürlich auch eine über lange Zeit entwickelte Arbeitsweise und die kann sich ändern. Aber in einigen Jahren? Wohl kaum. Die oben genannten Punkte gelten natürlich nicht für alle Bücher. Es wird ohne Zweifel schneller dazu kommen, dass Krimis und Fantasy Romane etc. auf E-Readern gelesen werden. Aber bis sich die Dinger generell durchgesetzt haben, wird es wohl ncoh eine Weile dauern. Und spätestens wenn man mit dem Buch arbeiten muss, wird die Angelegenheit im Moment noch ausgesprochen schwierig. Meine Einschätzung: Das Buch wird wesentlich mehr Wiederstand leisten zu verschwinden als die CD oder die Platte, etc.

  • Michel

    17.10.08 (13:35:00)

    @ Jan: Zu 4: Die meiste E-Book reader haben eine kommentarfunktion, bei vielen kann man mit so einem stifft auf das display schreiben, die Anmerkungen werden beim syncen mit einer art itunes auf den PC gezogen und können exportiert (und mit der Buchseite gedruckt) werden. Das ganze klingt toll, ist es aber Praktisch nicht. Das erinnert an den ersten Apple Newton mit seiner "großartigen" handschrift erkennung.

  • Robert Wünsch

    17.10.08 (13:47:49)

    @ Jan: Stell Dir mal folgendes Ideal vor: Ein Buch aus Papier, in dem Du blättern und rumschreiben kannst, das Regen und Stürze aushält - das aber gleichzeitig auf seinen Seiten jedes Buch der Welt darstellen kann, in dem automatisch die Notizen von anderen Lesern erscheinen (wenn man es so will), in dem automatisch Inhalts- und Rechtschreibfehler korrigiert werden. Was spräche dann noch dagegen? E-Book-Reader, wie sie im Moment sind, werden definitiv nicht die Welt erobern. Aber E-Book-Reader, wie sie sein werden (englisch), werden das "1 Buch pro Papierbuch"-Prinzip verdrängen.

  • Julian

    17.10.08 (13:49:17)

    Kein Wort über DRM hier. Solange alle E-Books so verkauft werden wie Musikdatein vor einer Weile noch überall - nämlich mit Rechtemanagement und dem Risiko, dass man sie einfach nicht mehr hören kann wenn die Server ausgehen - sehe ich E-Books überhaupt nicht im kommen. Wie sind dazu die Meinungen? Was die Musikindustrie nicht hinbekommen hat, braucht doch die Buchindustrie erst einmal gar nicht anzufangen.

  • Marcel Weiss

    17.10.08 (13:59:42)

    Stefan: Ich meinte nicht, dass E-Reader innerhalb der nächsten 5 Jahre gedruckte Bücher verdrängen. Das zu behaupten, wäre absurd. In der Zeitspanne wird es aber den ersten massentauglichen E-Reader geben, der zumindest in Teilen den alteingesessenen Strukturen zu schaffen machen wird. Der Wunsch nach Haptik besteht tatsächlich bei Büchern, im Gegensatz zu Zeitungen wo sie auch immer herbeigeredet wird. Wie ich im Artikel schrieb: spätestens bei Sachbüchern endet das Argument allerdings. ben_: Viele lieben ihre Bücher, ja. Ich liebe meine kleine Sammlung auch. Aber es ist auch ein bisschen wie bei der Musik: Meine Sammlung hunderter Vinylscheiben staubt vor sich hin, während ich einen halben Meter daneben den MP3-Player auf dem Desktop-PC öffne. Warte auf meinen zweiten Artikel, und Du wirst vielleicht verstehen, was ich meine. :) (Was Second Life angeht: Da wäre ja dann gleich noch etwas, bei dem ich mit Herrn Stöcker nicht übereinstimme :)) Hathead: Das Display des Kindle und anderer dedizierter Lesegeräte lässt sich ohne Ermüdung über Stunden zum Lesen nutzen. Das gilt weder für Notebook noch iPhone. Michel: Ja, die aktuellen Geräte sind nicht das Gelbe vom Ei. Das bestreitet niemand. Peter Schwierz: Schon richtig. Aber ich denke, dass es dazwischen einen Markt für dedizierte Lesegeräte gibt. Robert Wünsch: Ganz genau. Die Vernetzungsmöglichkeiten beleuchte ich auch im zweiten Artikel, der noch kommt. SvenS: Viele der größeren Verlage arbeiten ja mit den neuen E-Readern zusammen. Sie bieten also elektronische Versionen ihrer Bücher an. Problem: Alles ist mittels DRM geschützt. Deja vu all over again. Chajm: Die Verbindung Buchpreisbindung und DRM sollte man in der Tat näher beleuchten.. Jan: 1) Ich wusste nicht, dass Professoren Coolness wichtiger ist als ein leichter Zugang zu Wissen. Davon abgesehen, werden E-Reader zuerst Leute anziehen, die mit ihnen Geld sparen können (Studenten-> Lehrbücher). Wer ein Professorengehalt bezieht, kann analoge Bibliothek und digitale Alternative parallel besitzen. 2) "Es gibt Armbanduhren, die hunderte von Metern unter Wasser noch funktionieren und da soll es nicht irgendwann E-Reader geben können, die es mit Sand und einer Woche Dauerlektüre aufnehmen können? " 3) Pergament ist nachhaltiger als Papier. Kein Buch, das heute gedruckt wird, wird 1000 Jahre überdauern. 4) Das ist alles nicht unmöglich. Es geht heute nicht, kann aber entwickelt werden. Da es enormen Nutzen hätte und damit auch eine Nachfrage existieren würde, werden solche Geräte irgendwann auf den Markt kommen. Vielleicht nächstes Jahr, vielleicht in fünf Jahren. Dass Bücher wesentlich langsamer zurückgehen werden als CDs, das sehe ich auch so. An der Tendenz ändert das aber nichts.

  • Marcel Weiss

    17.10.08 (14:02:36)

    Christian Stöcker: Die These, dass man bisher keine Abspielgeräte brauchte und deswegen auch kein Markt für eine veränderte Situation besteht, halte ich wenig überraschend für falsch. Auch die Abspielgeräte für Film und Musik wurden irgendwann eingeführt und erschufen damit neue Märkte (Vor TV und Kino gab es das Theater, vor dem Grammophon nur die Klampfe und das Klavier um daheim Musik zu hören). Nachdem es das TV schon Jahre gab, wurde der Videorekorder eingeführt, der einen Mehrwert mitbrachte und damit nachgefragt wurde. Auch E-Reader werden einen Mehrwert gegenüber dem Lesen eines analogen Buches haben, wenn die Hersteller erstmal die Möglichkeiten der digitalen Welt erkennen (Und das wird zusätzlich zu Platz und Preis kommen). Dedizierte Geräte als eine der vielen Klassen von Geräten zum digitalen Konsum werden deshalb eine wichtige Rolle spielen. (Dazu mehr in meinem zweiten Artikel.) Die anderen Artikel von Ihnen kannte ich nicht. Meine Vorwürfe bezüglich der blindmachenden Liebe zum Papier nehme ich hiermit zurück. :)

  • Marcel Weiss

    17.10.08 (14:04:42)

    Julian: Das iPod/iTunes-Gespann ist auch mit DRM erfolgreich.. Ich sehe das allerdings auch als problematisch. Ich will keine Bücher mit DRM erwerben.

  • Hansecowboy

    17.10.08 (14:06:35)

    Das langsame Ende des auf Papier gedruckten Buches herbeizuschreiben ist meiner Ansicht weit hergeholt. E-Books haben ihren Platz - so glaube ich - mittelfristig als Alternative und Ergänzung zum klassischen Buch, nicht jedoch als Ersatz. Ich kann mir schwer vorstellen, für meine 2-jährige Tochter statt des liebevoll illustrierten, vom vielen Vorlesen abgewetzten großformatigen Geschichtenbuches den E-Reader herauszuholen... Und mir graut vor dem Gedanken, statt 2 Taschenbüchern den Reader, die extra gekaufte Schutzhülle und den separat gekauften USB-Netzadapter einpacken zu müssen, nur um dann festzustellen, dass Meersalz, Sand und gleißende Sonne den ach so tollen elektronischen Lesespaß am Strand nicht wirklich aufkommen lassen... Sorry, Sand und Eiscreme sind keine "Extremsituationen", sondern in meinen Augen nur Beispiele für durchaus typische Nutzungsumgebungen, für die E-Book-Reader nicht geschaffen sind - und es auch nicht sein können. Klar könnte ich den Regalplatz im Wohnzimmer anders nutzen, aber 300 Buchdateien am Rechner zu verwalten, regelmäßig zu sichern und auf SD-Karte etc. zu kopieren, wenn ich ein "Buch" mal einem Bekannten borgen will - ich weiß nicht. Und das Urheberrecht wird so einfach nicht verschwinden - das bei WalMart gekaufte Taschenbuch funktioniert aber auch Jahre später ohne deren DRM Server... Viel realistischer sind m.E. neue Verkaufsmodelle, die z.B. mit dem Erwerb eines gedruckten Buches die digitale Ausgabe verknüpfen, Updates und Errata-Download inklusive - wäre für Lehrbücher, wissenschaftliche Literatur etc. phantastisch. Beispiel: Das Papieroriginal zum Lernen mit Textmarkierungen, Lesezeichen etc. zu Hause im Regal, auf die Uni kommen die 15 Bücher und Skripte in digitaler Form mit. Nicht jede neue Technologie muss die alte zum Tode verurteilen, und nicht jede neue Technologie setzt sich durch, nur weil einige von ihr absolut überzeugt sind.

  • Miersch

    17.10.08 (14:21:53)

    Vor einiger Zeit hatte ich zwei Manuskripte vorliegen, die mehr als 1.000 Seiten Papier umfassten, einen begrenzten Leserkreis ansprechen würden und für diesen Kreis hochinteressant wären. Ein derart kleiner Hosentaschenverlag wie meiner könnte so etwas niemals drucken können. Ein großer Verlag macht es wegen der überschaubaren Leserschaft nicht. Lassen wir einmal die Kosten für ein Lektorat und Werbung weg: technisch gesehen ist das E-Book da nicht zu schlagen. Und damit der E-Reader eine wesentliche Erweiterung des Buchmarktes. Und abgesehen davon, ob man etwas nicht will. Die Masse entscheidet das. Und sie wird bei einigermaßen humanen Gerätepreisen zum E-Reader greifen. Und wenn die Verlagswelt meint, sie mit Buchpreisbindung und übertriebenen Kopierschutzsystemen daran hindern zu können, wird sie ein ähnliches Schicksal wie die Musikbranche erleben. Sie sollte mit neuen Modellen reagieren.

  • ben_

    17.10.08 (15:14:12)

    Mal ganz davon ab ob Marcel Recht hat oder nicht: Ich muss ja sagen, dass ich durchaus glaube, dass E-Reader im Besonderen oder digitale Texte im allgemein gedrucktem Papier gefährlich werden können. Nur dem im Bücher eben weniger als dem in Zeitungen und Zeitschriften, weil da nun selbst der Konservativste langsam einsehen muss, dass es an (ökologischer und ökonomischer) Geisteskrankheit grenzt ständig soviel Papier zu kaufen und zu verkaufen nur um es gleich wieder wegzuwerfen.

  • Oliver Springer

    17.10.08 (16:30:08)

    Meine Erwartung: E-Book-Reader kommen, aber nicht mit der hier prognostizierten Geschwindigkeit. Neben den immer noch vorhandenen Schwächen, die ja einige schon aufgeführt haben, gibt es ein viel größeres Hindernis und das steckt in den Köpfen der Menschen, sprich es ist eine Mentalitätsfrage. Wenn ich erlebe, wie viele Menschen nicht einmal eine Datei per E-Mail schicken können oder was ein Browser ist (und es mangelt da nicht nur am Vokabular) und das Prinzip von Softkeys bei Handys nicht realisieren, dann bin ich fest davon überzeugt, dass die E-Books und E-Book-Reader noch einen langen, steinigen Weg vor sich haben. Bei aller eigenen Technikbegeisterung ist die Haptik von Zeitung und Buch auch für mich nichts, dem ich gleichgültig gegenüberstehe. Das ist aber nichts, was in Stein gemauert ist, das mit der Haptit ist eine Frage der - ich sag einfach mal - persönlichen Medien-Sozialisation. Das gibt sich. Dauert aber. Die Buchpreisbindung mal außer Betracht gelassen: Die Kosten der Anschaffung eines Readers ließen sich durch Bundles auf einen symbolischen Preis reduzieren. Sofern man sich etwa 30 Bücher aussuchen könnte, die es zum neuen E-Book-Reader gleich dazu gibt, wäre das schon mal für technikaffine Menschen ein interessanter Preis. Auch für Buchclubs könnten sich hier neue Chancen auftun. Und als Bundle mit einem großen Lexikon inkl. Vertrag über Updates mit einer Laufzeit über 5 Jahre würde der Anschaffungspreis ebenfalls keine Rolle mehr spielen. Oder denken wir gleich an eine Flatrate mit - böses Wort - DRM wie bei Napster (wo man sich für 10 € / Monat alle 6 Millionen Sonngs auch offline in guter Qualität anhören kann) bei dem man zum monatlichen Preis eines Buchs so viel lesen kann, wie man möchte. Aber vielleicht kommt auch alles ganz anders und die elektronischen Bücher sind künftig kostenlos, weil es auf jeder Buchseite einen Block mit Google-Anzeigen gibt...

  • burnheart

    17.10.08 (16:58:00)

    OT: wöllte ist biddeschen kein Konjunktiv 0,2 cent

  • Wingi

    17.10.08 (17:00:21)

    Schon die Anfangshypothese, das der Buchhandel wie der Musikhandel Einbrüche zu erwarten hat, finde nicht überhaupt nicht belegt. Natürlich können Bücher Unterhaltung sein, aber auch vieles mehr! Weiterhin es gibt "noch" keinen echten Mehrwert wie die mp3-Player in Büchermarkt, auf das das elektronische Abspielgerät mehr Nutzen macht wie das Althergebrachte. Und der Todgesang des Buches ist wie der Todgesang des Radios. Zum Nachdenken: die Ebook-Reader werden bald zum Massenmedium, aber mit auffaltbaren Displays oder Miniprojektoren im Handy, nicht als Amazon-Vertriebskanal! Schönes WE!

  • Marcel Weiss

    17.10.08 (19:42:04)

    Hansecowboy: Mittelfristig sehe ich das ähnlich. In ein paar Jahrzehnten dürften E-Reader aber nach und nach in alle Bereiche vordringen. Wie genau die Lesegeräte dann aussehen werden, wer weiß! Miersch: Interessanter Kommentar! Mit E-Readern eröffnen sich auf jeden Fall irgendwann Möglichkeiten für Bücher, die anderweitig ökonomisch nicht möglich wären. Oliver Springer: Geschwindigkeit: ICh hätte das vielleicht etwas weiter ausführen müssen, was ich meinte war, dass ein massenkompatibler E-Reader in den nächsten 5 Jahren kommen wird und erste größere Erfolge erzielen wird. Von einem flächendeckenden Verdrängen wird dann noch nicht die Rede sein können. Das könnte noch ein paar Jahrzehnte dauern. Für Buchclubs könnte das in der Tat interessant werden. Guter Gedanke. Wingi: Sagt ja niemand, dass ein E-Reader so und so aussehen muss.

  • LeserEins

    17.10.08 (21:52:43)

    [... In Reaktion auf den Artikel "Warum E-Reader das gedruckte Buch verdrängen werden" von Marcel Weiss, möchte ich das Gegenteil behaupten ...]

  • rene

    17.10.08 (22:04:34)

    wenn man das mal zusammenfasst, können wir uns auf ein sowohl als auch einigen? Manche (z.B. technische) Texte möchte ich lieber elektronisch (schon wegen der technische Moglichkeiten wie z.B. Verlinkungen), den Roman am Strand werde ich wohl immer in Papierform lesen... Das einzige Problem, das ich sehe ist, dass analog der Musikindustrie die Verlagsindustrie (mehr oder weniger) den Kopf in den Sand steckt und die Zeichen der Zeit nicht erkennt. Warum brauchte aktuell jemand einen Verlag: um das Buch technisch zu produzieren, es marketingtechnisch zu promoten und für die Distribution. Ich wage mich mal vor und sage, dass es irgendwann immer mehr Autoren geben wird, die die Möglichkeiten der Selbstvermarktung via Internet (wie manche Musikgruppen auch) nutzen werden, dann braucht es keinen Verlag (bzw. Musiklabels) mehr. Der Markt wird sich ändern und deshalb werden die Verlage Ihr Geschäftsmodell ändern müssen. Und genau davor haben Sie Angst... Aber den Wind kann man nicht aufhalten... Und ob das morgen oder übermorgen sein wird, ist nur für die Tekkies wirklich interessant. Wir anderen (die am Inhalt und weniger an der Form interessierten) warten das einfach locker ab, so lange wird das nicht dauern...

  • Peter Wyss

    17.10.08 (22:23:30)

    Ob die Menschheit dann insgesamt klüger sein wird, mit ihrem Zugang zu dieser "geballten Ladung" Wissen und Kultur? Die Bestimmung des Zeitpunktes, wann E-Reader das Buch verdrängt haben werden, hängt wahrscheinlich auch davon ab, wen man genau alles zur Menscheit zählt.

  • Dr. Azrael Tod

    17.10.08 (22:36:55)

    Irgendwie bin ich da etwas anderer Meinung E-Reader mögen für technische Texte durchaus bald einen ziemlich hohen Marktanteil erreichen können, aber bei Beletristik wage ich es zu bezweifeln dass jemand ernsthaft umsteigen wird.

  • Alfred Miersch

    18.10.08 (09:28:43)

    E-Books werden einen sehr starken Marktanteil erhalten. Auch deshalb, weil sie neben dem Fachbuchbereich immens in den Belletristikbereich eindringen werden. Man sollte die Masse der Leser nicht vergessen, die zur puren Unterhaltung lesen und deren Beziehung zum Buch viel weniger mit der Haptik zu tun haben, weil sie hauptsächlich am Inhalt interessiert sind. Der Riesenmarkt für Second-Hand-Bücher zeigt ja, dass Bücher von der Mehrheit nicht gesammelt, betastet und erfühlt, sondern gelesen werden. Und mit dem E-Book könnte der Massenmarkt perfekt bedient werden, sozusagen als weitere preissenkende Maßnahme nach dem Taschenbuch. Da eröffnen sich wesentlich preiswertere Möglichkeiten durch das E-Book, so der Buchmarkt erkennt, dass er die Kostenersparnis, die das E-Book bietet, an den Leser weitergeben muss. Im Gegenzug würde sich das Moderne Antiquariat und der Second-Hand-Markt auf massive Bildbände und "ältere" Literatur reduzieren. Verlage werden verstärkt zum Marketing-Partner der Autoren und ihre Funktion als Filter in der Flut der Buchtitel und als Marke für Qualität, sorgfältiges Lektorat und eine bestimmte Linie wird um so wichtiger werden ...

  • Marco

    18.10.08 (14:26:17)

    Also es wird sehr schwer vorauszusagen, was wirklich passiert. Aber im Unterschied zu Ton- und Filmträgern, ist das gedruckte Buch mehrere hundert Jahre alt. Und zwar aus gutem Grund. Es völlig vom Markt zu verdrängen wird schwierig werden. Das Haptikargument ist auch nicht so völlig unwichtig. Die Navigation durch ein Taschenbuch ist legendär einfach, nochmal schnell die vorletzte Seite nachschlagen. D.h. die Usability des Buch ist sehr sehr gut :) Das ist für mich ein wenig wie der PC auch nicht das Handschriftliche ersetzen kann. Obwohl das durchaus schon vorgeschlagen wurde. Ein weiteres Argument für Bücher ist momentan noch die Haltbarkeit. Es ist extrem schwierig und teuer digitale Daten über lange Zeiträume zu speichern (>100 Jahre).

  • Wolfgang

    18.10.08 (16:01:30)

    es gibt ja den spruch: "geschichte wiederholt sich nicht". gerade schaut es aber ganz danach aus. es wird ein böses, böses erwachen der verlage geben, die sich (analog zur musikindustrie) auf eine ominöse "haptik" berufen. und das sage ich als jemand, der musik immer noch haupsächlich auf vinyl erwirbt. (mp3-player hab ich natürlich auch - aber warum soll ich das futter dafür mit geld kaufen?) gut - der taschenverlag wird genau so weiter machen können, tolle kinderbücher, aus denen dinosaurier rausspringen, wenn man sie aufklappt werden auch überleben, aber wie groß ist der markt für solche speziellen produkte? bei 99% der bücher ist die haptik einfach scheißegal. von zeitungen will ich (als leidenschaftlicher zeitungsleser) gar nicht sprechen. ich finde die "haptik" von zeitungen in der strassenbahn, oder auch am frühstückstisch mit wurstsemmel in der hand extrem störend. und das argument "am strand werde ich niiiie auf mein buch aus alten bäumen verzichten" schon sehr komisch. gerade im urlaub freue ich mich schon darauf eben nicht einen ganzen koffer an reiselektüre mitschleppen zu müssen. leider wirkt es nicht so, wie wenn die verlage darauf vorbereitet wären. jetzt müsste man schnell handeln, schnell ein vernünftiges, einfaches, günstiges vertriebssystem entwickeln. das passiert nicht. die schriftsteller, die als erste schlechtere verträge und weniger geld bekommen werden tun mir jetzt schon leid.

  • Marc

    19.10.08 (13:23:49)

    Wie? Es wird noch angezweifelt, dass Bücher bald im Museum stehen werden? Für mich war das schon immer klar: Wann stirbt das Papier? Aber schön, dass der Stein immer mehr ins Rollen kommt. Ich will auch so einen Kindle aber nicht für so enorm viel Geld.

  • Florian Bailey

    19.10.08 (22:13:53)

    Ich lese seit einem Jahr sehr glücklich mit meinem Sony Reader... warum ebook Reader kommen? Kosten. Jeder Student der sich die gehackte Ausgabe seiner Studienunterlagen herunterladen kann wird bereit sein die 100€ für einen Ebookreader zu bezahlen. Und wieweit sind wir davon weg? Ich habe mir meinen Sony Reader als refurbished Version aus den USA mitbringen lassen und umgerechnet 130€ dafür bezahlt. Good Luck dead tree edition...

  • bertchut

    20.10.08 (07:29:56)

    Köstlich, wie hier die Schreibende Zunft mit / gegen ein paar Konsumenten argumentiert. In diversen Tauschbörsen gibt es heute schon (digitalisierte) Bücher zum (illegalen) Download - OCR machts möglich. Wenn ich mal meinen S-Bahn-Test nehme, dann lesen von 20 Leuten morgens einer die "Zeitung" online per iPhone / PocketWeb / Handy etc. Übertragen auf E-Books sollten 5% Marktanteil sofort drin sein. Zusätzlich sieht man am "S-Bahn-Test", dass die aktuellen Displays aus Verbrauchersicht sehr wohl brauchbar sind. Daher ist das Handy / Smartphone mein Favorit. Im mobilen Bereich könnte iTunes das Rennen vor Amazon machen. Was ich nicht verstehe, warum Verlage alle aktuellen Titel nicht über iTunes für iPod und iPhone anbieten. Da sehen wohl die Verantwortlichen, den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und nochwas, bei aller Kultur + Bildung, ich lese in der Freizeit Bücher rein zur Unterhaltung. Wo ist denn der Markt, doch eher in Unterhaltungsliteratur. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass Hörbücher möglich sind.

  • ThomasK

    20.10.08 (10:16:40)

    Och - ich sehe auch E-Reader als Zwischenschritt. Und die Zukunft (eine etwas fernere) in der Brille oder Kontaktlinsen mit Headup Display. Den Rechner als Feature der Kleidung oder des Brillengestells. Das Buch wird NIE (komplett) aussterben, weil es haptisch ist und Kulturobjekt. Ein Buch wird wertvoller werden, wenn es kaum noch welche gibt. Klar ist, es wird sich vieles ändern und massiv verschieben. Klar ist für mich aber auch, dass Worte wie "aussterben" in Bezug auf ein Medium reißerisch unrealistisch sind. Wenn das so einfach wäre, hätten wir heute auch kein Radio mehr und keinen CB oder Amateurfunk. Beides ist technisch wenn man es so will unnötig. Venyl als Tonträger ist ebenfalls nicht tot.

  • Florian Bailey

    20.10.08 (10:25:41)

    @Thomask ich dachte wir reden hier über Märkte... so gesehen ist das Schallplatten und CB Funk Beispiel eher bedrohlich. Selbstverständlich werden auch in 100 Jahren noch Papierbücher gedruckt, es ist eine tolle Kulurtechnik, nur wird es mehr ein Kuriosum bzw. ein Archivformat sein.

  • ThomasK

    20.10.08 (12:34:58)

    Okay, das sehe ich auch so. Was den Markt angeht, so sehe ich in aller erster Linie die Frage des technischen Formates und der Buchpreisbindung (bzw. eben niedrigerer Preise) als entscheidend an. Wichtig ist sicher auch, welche Möglichkeiten analog zur Musik sozusagen im Indy-neu geschaffen werden. Stichwort elektronische Distribution. Was ich wirkich genial fände, wären neue Wege am unteren Rand der Verbreitung. Analog im Vergleich eben nicht das Major-Label mit dem riesen Aufwand an Marketing sondern das, was aus dem stillen Kämmerlein kommt. Wer experimentlle elektronische Musik mag, wird das bereits jetzt zu schätzen wissen. Analog zum "schrägen massenuntauglichen Audio-Track" kann ich mir sehr gut z.B. Kurzgeschichten, kleinere Romane oder auch Rollenspiel-Abenteuer (Pen & Paper) vorstellen. Es gibt eine vergleichsweise kleine aber kreative Szene an produktiven Fans, die wirklich gute Ideen haben -- aber den Weg zum Verlag und zum klassischen Buch scheuen. Weil es keinen Sinn macht in die große Auflage zu gehen, weil es zu exotisch ist und/oder zu riskant für den Verlag. Eine Perfektionierung von dem, was früher mal Fanzine war. Das kann man sogar noch eines weiter spinnen: Shareware und Freeware als dankbares Instrument des Guerilla-Marketings für den "Anybody". Passend dazu ergänzt um Editionen im Micropayment-Bereich. Ein echter Groschenroman sozusagen. Wie im iTunes-Store, bei mp3.de etc... in Text, in Bild, in Ton oder als Multimedia. Direkt vom produzierenden Genre-Fan zum konsumierenden. On demand, live und direkt (in Farbe illustriert wäre auch nicht verkehrt). All das fuktioniert aber nur, wenn es am besten EIN Reader-Format gibt, das sich durchgesetzt haben wird UND Publishing-Möglichkeiten für Jedermann. Für mich persönlich am liebsten aus dem Hause Adobe -- da weiss man, was man hat und wie man das bedient. :-)

  • ThomasK

    20.10.08 (12:38:43)

    sorry.. Es sollte natürlich heißen im Indy-Bereich neu geschaffen werden.

  • Michael

    20.10.08 (14:40:35)

    Wie ich diese Prognosen liebe. Eine ganze Horde von Experten meint immer und bei allem zu wissen, wann es wieviele Leute "haben möchten". Bei allen Technologien und Produkten war die Erfolgsformel doch die, dass es a) einfach zu benützen sein muss und b) gegenüber dem Vorgänger mindestens einen klaren Mehrwert bietet. Hey, ich bin interessierter Verfolger und User von Technik und des Web allgemein. Aber vieles wird von der Industrie herbeigeredet. Und fünf Jahre werden`s schon mal gar nicht sein.

  • Florian Bailey

    20.10.08 (15:10:37)

    Ich lese lieber mit meinem Reader als auf einem normalen Buch, Hauptgrund dafür ist das das blättern wegfällt und ich den Reader wesentlich härter behandeln kann als ein Buch. Nicht mehr zu blättern erlaubt mir den Reader irgendwo abzustützen Tee zu trinken und nur zum blättern auf den Knopf zu drücken, ist viel bequemer. Das mit der Eiscreme lässt sich übrigens aufklären: normales Buch eklig und unlesbar, Reader sauberwischen fertig. Niemand kauft neue Bücher wegen der Haptik, die meisten verkauften Taschenbücher haben eine ganz grauenhafte Haptik. Auf Reisen mit Reader statt mit Büchern <- aber das ist doch das beste 1 kg weniger Gewicht dafür 30 Bücher mehr und aufgeladen reicht der Akku für drei bis vier Bücher

  • Dr. Azrael Tod

    20.10.08 (15:17:29)

    Bei allen Vor- und Nachteilen sollte man Effekte wie Stil und Idiotie niemals vernachlässigen. Ein Tetrapack für Wein hat sich z.B. auch kaum durchgesetzt, nicht weil er schlechter wäre als eine Flasche, sondern einfach weil es vom Ruf her nicht passt. Ähnlich siehts mit Emails und anderer digitalen Kommunikation aus. Das Aufkommen an Papier hat sich generell gesehen kaum verringert, im Gegenteil: Viele Personen drucken gesendete und empfangene Emails aus, so dass sich plötzlich noch eine Kopie zusätzlich zum normalen Briefverkehr nötig macht. Was ich damit sagen will: Vorteile von E-Ink gibt es sicher, aber der Mensch ist kein logisch agierendes Wesen und es kann dauern bis sich sowas durchsetzt. Vor allem wenn man sich die Schicht der selbsternannten Intelektuellen ansieht, die ich als ganz besonders konservativ einschätzen würde. Geeks ja, die breite masse nein!

  • Moralist

    21.10.08 (09:57:44)

    Warum noch Bücher schreiben? Warum noch Musik machen? Warum noch Filmemacher werden? Warum es in 20 Jahren nur noch Dreck zu lesen, zu hören, zu sehen gibt.

  • Flusskiesel

    21.10.08 (16:03:27)

    Eine echte Chance hätten die "E-Book-Reader", wenn sie tatsächlich mit dem Handy/Smartphone/Netbook verschmelzen. Der Kund wird erst bereit sein, den relativ hohen Preis zu bezahlen, wenn er noch weiteren Zusatznutzen hat, wie z.B. Blogs und E-Mails lesen und natürlich auch etwas Schreiben. Mit den entsprechenden Datenfunk-Tarifen kann man die Geräte dann Subventionieren. Allerdings hat das nur einen wirklichen Sinn, wenn man nicht nur Textdateien usw. sondern auch eingescannte Dokumente gut (!) lesen kann. Dann kann der Anwalt oder der Sachbearbeiter unterwegs mal schnell in den digitalisierten Akten nachsehen und danach in den juristischen Fachkommentar schauen. In der Pause liest er dann auf dem Gerät weiter in seinem Thriller. Eines wird aber nicht kommen: Das diese Geräte unempfindlich sein werden! Denn dann müssten wir uns ja nicht alle 2 Jahre ein Neues kaufen ... ;-) Wie man einen E-Book-Reader und ein (stabiles) Klein-Laptop verbinden kann, sieht man beim XO: http://wowio.files.wordpress.com/2008/01/xo-screen-large.jpg Allerdings kenne ich nur Fotos von dem Gerät und konnte es noch nicht selbst ausprobieren.

  • Thomas

    23.10.08 (22:44:01)

    Ich finde die Dinger auch super. Vor allem wegen der E-Ink-Technologie: Ich einem klassischen TFT oder LED oder sonstwas Display kann man nie vernünftig lesen, aber E-Ink hat was. So richtig interessant werden die Geräte aber erst, wenn sie quasi ohne Rahmen auskommen und das Display ein Touchscreen ist, also sowas wie eine multimediale dickere "Folie". Ob und wann das technisch möglich sein wird, weiß ich nicht. Trotzdem wird es immer Bücher geben, oder noch für eine lange Zeit. Die meisten Menschen mögen Papier eben mehr als Hightech.

  • Norbert

    27.10.08 (03:11:18)

    Das eine ist virtuell, dass andere echt... als vergleich nehm ich den Mindmanager her, so genial die Software auch sein mag, die meisten die mit sowas arbeiten schwören auf die herkömmliche Papier und Stift Variante. Oder Post Its, schaut euch doch nur um in den Büros, die meisten kleben ihre Post Its und Erinnerungen immer noch auf den Monitor. Genauso ists mit Bücher, Bücher riechen, sie kann man anfassen, es ist ein (mehr)sinnliches erlebnis, das man mit dem Lesen verbindet und das ist notwendig für Literatur. Nicht zwangsläufig für Sachbücher, da schwöre ich heute schon auf die elektronische Variante weil ich da einfach mehr Möglichkeiten habe. Ich kann suchen usw. aber was Literatur angeht, oder die Phantasie anregen soll... da werden es elektronische Reader die nächste Zeit noch ein wenig schwer haben. Anderseits zeigts ja Apple vor wie es geht. Es braucht wohl nur eine revolutionären neuen Reader und das Buch wird zum Nischenprodukt ala Schallplatten und Co.

  • Norbert

    27.10.08 (03:14:16)

    PS: die seite hier kommt mir vor wie so eine weltuntergangsstimmungsgeschichte... naja... liegt wohl am bild-zeitungsstil der seite hier.

  • Emily27

    17.12.09 (11:09:52)

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  • Dr. Azrael Tod

    22.09.10 (10:14:41)

    spam! o/

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