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05.02.09

Warner Music gegen Songbeat: Die Geister, die sie riefen

Songbeat, Betreiber des gleichnamigen Dienstes zum Download von Musik aus dem Netz, hat Ärger mit der Musikindustrie: Warner Music fordert von dem jungen Unternehmen, sämtliche Titel des Labels auszuklammern. Am kommenden Mittwoch trifft man sich vor Gericht.

RechtsstreitAls wir am 26. November über die neueste Version von Songbeat berichteten, titelten wir "Musikindustrie in Bedrängnis: Songbeat launcht Version 2.0". Das Berliner Startup bietet eine Desktop-Software zum kostenlosen und bequemen Herunterladen von Musik aus dem Netz.

Dass sich die beiden Gründer Philip Eggersglüß und Marco Rydman mit dem Dienst, der den Download von Millionen urheberrechtlich geschützter, im Netz verstreuter Titel ermöglicht, auf dünnes Eis begaben, war ihnen bewusst. Die Geister, die sie damit riefen, ließen auch nicht lange auf sich warten.

In einem mit dem Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) abgestimmten Verfahren hat Warner Music, eines der vier größten Musiklabels, dem jungen Unternehmen eine einstweilige Verfügung zukommen lassen. Der Plattenkonzern fordert von Songbeat, sämtliche Warner-Titel von der Suche auszunehmen.

Das Brisante daran: Songbeat setzt für das Finden von Musik auf externe Suchdienste wie SeeqPod oder Spool.fm . Songbeat-Anwalt Maximilian Conrad erklärte gegenüber WiWo.de, er sehe das Programm daher "als einen Browser, der vergleichbar mit einer Suchmaschine wie Google nur Suchergebnisse auflistet."

Am kommenden Mittwoch wird das Landgericht Hamburg über die einstweilige Verfügung verhandeln. Der BVMI sieht den Fall Songbeat als Musterverfahren. Der Verband setzt sich seit einiger Zeit für ein Verbot von "intelligenter Aufnahmesoftware" ein, die Zugang zu Musik ermöglicht, ohne dafür Urheber und Künstler zu entlohnen.

Philip Eggersglüß von Songbeat hat uns heute folgende Stellungnahme zukommen lassen:

Wir sehen dem Gerichtstermin am 11.02 positiv entgegen, denn wir vertreten nach wie vor den Standpunkt, dass unsere Software in Deutschland vollkommen legal ist. Das Handeln der Musikindustrie zeigt einmal mehr, dass statt Dialog nur die Konfrontation gesucht wird. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass wir über eine Vielzahl von Modellen und Möglichkeiten verfügen, gerade Inhalte aus dem Netz gemeinsam und clever für alle Beteiligten zu monetarisieren. Unsere Intention ist es, als offener Dialogpartner ein Gespräch anzubieten, in dem man verhandeln und eine gemeonsame Lösung finden kann.

Wir sind uns sicher, dass das Problem nicht im Geschäftsmodell von Songbeat zu finden ist. - Vielmehr ist die Realität, auf die gemeinsam reagiert werden muss, die allgemeine Verfügbarkeit digitaler Musik und der wenig innovative Umgang der Musikindustrie mit dieser Realität. Der Support für Songbeat ist groß - nicht nur von unseren internationalen Usern, sondern auch von Künstlern, die den Wandel erkannt haben und Songbeat als hoch effizientes Promotion-Tool ansehen.

Es ist verständlich, dass ein Lobbyverband versucht, seine Schützlinge zu verteidigen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass juristisches Vorgehen im digitalen Musikbereich einem Kampf gegen Windmühlen gleicht. Marcel hat sich in den letzten Wochen ausführlich mit der Zukunft von Musik (im Netz) beschäftigt und aufgezeigt, wie sich trotz veränderter Rahmenbedingungen Geld verdienen lässt.

Selbst wenn das Verfahren zugunsten von Warner ausgehen und Songbeat die Titel des Labels über Filtermechanismen von der Suche ausklammern würde, wäre damit gerade einmal einer von Tausenden "unautorisierten" Zugängen zu Warners Musik im Netz blockiert. Und täglich kommen neue hinzu.

Während Anwender dann einfach zum nächsten Dienst wechseln würden, hätte die Musikindustrie einmal mehr gezeigt, wie viel Energie sie für den zum Misserfolg verdammten Kampf zur Aufrechterhaltung alter Strukturen verschwendet, statt sich für die Zukunft fit zu machen.

Allerdings wäre es auch nicht das erste Mal, dass ein Gerichtsverfahren dieser Art den Anfang einer für beide Seiten attraktiven Kooperation darstellt. Wir warten gespannt auf den 11. Februar.

Fotoquelle: Flickr/Tilo 2006 (CC-Lizenz)

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