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22.09.08Kommentieren

Wahl in Österreich: Die Spiegel der Volksmeinung

Anlässlich der österreichischen Nationalratswahl: Ein Streifzug durch Österreichs Bloggerszene, bei dem wir gute Inhalte und lesenswerte Kommentare finden.

'Österreich wäre Fair Unfair'? Ein besonderer Blick auf die WahlprogrammeGute Online-Angebote zur bevorstehenden Wahl in Österreich liefern nicht nur klassische Medien und Bürgerplattformen, sondern auch private Blogger. Helge Fahrnberger etwa bloggt in seinem Privatblog helge.at nicht nur darüber, welche Partei er warum wählen möchte. Er analysiert auch gekonnt, wie das Liberale Forum (LIF) neue Mitglieder und Unterstützer im Internet rekrutiert. Sein Fazit:

Das LIF ist offenbar die erste wahlwerbende Gruppe hier, die erkannt hat, dass klassische Organisationsformen wie Parteien - entstanden aus kommunikationslogistischen Nöten, die’s längst nicht mehr gibt - an Berechtigung verlieren und sich neu erfinden müssen.

Außerdem präsentiert Fahrnberger einen delikaten flickr-Fotostream, auf dem sich Partyfotos von Veranstaltungen der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ) mit teils wohl eher unvorteilhaften Szenen finden:

Vermutlich durch das ein oder andere alkoholische Getränk angeheiterte Jugendliche posieren wie auf Szenefotos, im Hintergrund das SPÖ-Logo und die Url neuepolitik.at. Ob man die SPÖ da noch mit dem auf neuepolitik.at großgeschriebenen Slogan Vertrauen identifiziert?

"Parteien im Web weiter unter ihren Möglichkeiten"

Infos zu den Wahlduellen im TV, ein Interview mit der Spitzenkandidatin des LIF und eine Analyse der Websites der Parteien bietet Markus Kratzfeld auf dem Auslandsösterreicher Wahlblog zur Nationalratswahl. Sein hartes Urteil:

Aber im Gegensatz zu den USA, sind die rotweißroten Parteien weiter unter den Möglichkeiten die das Cyberspace bietet.

Mehr als die Hälfte findet, Blogs spielten keine Rolle

Tom Schaffer findet noch deutlichere Worte - er teilt die Parteien in seinem Blog in "Die Inakzeptablen", "Die Unwählbaren", "Die Visionslosen", "Die Option, wenn noch was passiert" und "Die Wahl" ein, analysiert kurz Personen und Programme und erklärt, nach welchen Motiven er seine Stimme vergeben wird. Am Ende des Posts gibt es noch eine Umfrage zum Thema, ob Blogs die Wahl-Entscheidung der User beeinflussen. Das bisherige Ergebnis ist enttäuschend: Mehr als die Hälfte sagt, Blogs spielten keine Rolle.

Verstümmelte Zitate in der Krone

Auch die etablierte Wahlberichterstattung wird unter die Lupe genommen: Georg Pichler nimmt sich auf seinem Blog die Berichterstattung der Kronen-Zeitung vor und stößt auf eine dubiose journalistische Praxis. So sei der Spitzenkandidat der Grünen, Alexander Van der Bellen, nach einem Interview mit einer Krone-Journalistin im zusammenfassenden Beitrag unvollständig zitiert worden. Kein Ausnahmefall, meint Pichler:

Nun ist es leider nicht neu und umso trauriger, dass die Krone bedingungslos jemanden pusht und Aussagen absichtlich fehlinterpretiert - aber dass sie ein Zitat einfach so verstümmeln ist mir noch nicht untergekommen - jedenfalls nicht in den 2 Monaten Medienspiegel in denen sich sie jeden Tag gelesen habe.

"Dinge, die man nicht für möglich halten würde"

Klaus-Werner Lobo schlielich verweist auf die bekannte österreichische Flüchtlingshelferin Ute Bock, deren Verein laut Medienberichten vor dem finanziellen Aus steht, eine Sichtweise auf das Thema Zuwanderung, die in einem von radikalen Parolen geprägten Wahlkampf bisher zu kurz gekommen ist. Ein Gegenpol zur engstirnigen Sichtweise einiger Parteien, die leider die mediale Berichterstattung dominiert:

Die Wiener Flüchtlingshelferin Frau Bock hat ihr Büro gleich hier um die Ecke. Wer mal bei ihr war, sieht die Welt - zumindest die österreichische - mit anderen Augen. Man erfährt Dinge, die man in einem der reichsten Länder der Welt nicht für möglich halten würde […].

Finanzminister als wirtschaftlich inkompetent bezeichnet

Einen Frontalangriff auf den Spitzenkandidaten der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), Wilhelm Molterer, reitet Sebastian Moser in seinem Weblog. Er attestiert dem derzeitigen Finanzminister angesichts seiner Aussagen zur weltweiten Finanzkrise wirtschaftliche Inkompetenz. Ein harter Schlag für die ÖVP, die sich als staatstragende Wirtschaftspartei schlechthin sieht:

Ich hab das Gefühl, Wilhelm Molterer versteht von Wirtschaft so viel wie John McCain - nämlich nichts.

Sachpolitik nur für Blödmänner

Sandra Batik-Tofur nimmt im Blog WWWahlkampf.at Stellung zum Programm der FPÖ und zieht einen Vergleich mit der Werbung der Elektromarktkette Media-Markt:

Sachpolitik? Ich bin doch nicht blöd, Mann!

Gutes TV-Format im Spätabend verheizt

Medienkritik liefert der Flaneur. Da produziere der Österreichische Rundfunk (ORF) mit Wahl08 - Ihre Frage ein knackiges Format mit und für Jugendliche zur Wahl und dann sendet man die Diskussionssendung um 23 Uhr 30 aus:

Okay, die Jugend (Erstwähler mit 16-aufwärts) liegt jetzt bestimmt noch nicht im Bett. Aber vielleicht doch ein Großteil, denn die 16-Jährigen sind sicher nicht diese große Masse an Semi-Erwachsenen, die dauernd Party machen und so, wie es uns das Fernsehen im Allgemeinen glauben machen will.

Wahlslogans als Wortwolke

Und mit ein wenig Kreativität bietet das Satire-Blog Ponyhof08 einen anderen Blick auf den Wahlkampf. Die häufigsten Wörter aus Wahlprogrammen und Manifesten wurden gezählt und in einer Art Wortwolke als anschauliches Abbild präsentiert.

Die hier vorgestellten Blogs sind natürlich nur eine Auswahl - wer noch weitere gute Blogs zur österreichischen Nationalratswahl kennt, kann die Liste gerne in den Kommentaren vervollständigen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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