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09.08.13Leser-Kommentare

Vorbild Facebook: Twitter filtert die Timeline

Twitter experimentiert mit einer algorithmischen Selektion von Tweets aus der Timeline, damit Nutzer nicht mehr von dem Gefühl geplagt werden, Wichtiges zu verpassen. Der Ansatz bringt den Twitter-Stream näher an Facebooks Newsfeed.

TwitterIm Prinzip seit der Gründung von Twitter existiert zwischen dem Microbloggingdienst und seinem kalifornischen Konkurrenten Facebook eine rege Tradition des Abkupferns, häufig initiiert von Facebook. Mal baute das soziale Netzwerk seinen Newsfeed so um, dass er analog zu Twitter stärker auf Echtzeit-Updates setzte. Mal implementierte es eine eindeutig von Twitters Follow-Feature inspirierte Abonnieren-Funktion. Auch das jüngste Buhlen um Prominente wirkt wie ein klar auf Twitter abzielendes Unterfangen. Der Zwitscherdienst, konzeptionell bisher weniger komplex, war etwas zurückhaltender mit dem Kopieren von Facebook-Elementen, auch wenn die sukzessive Verwandlung von 140-Zeichen-Tweets in Multimedia-Contenteinheiten durchaus an Facebooks Status Updates erinnert. Mit einer aktuell getesteten Funktion betritt Twitter ein Terrain, das bisher ungestört von dem Konkurrenten dominiert wurde: der algorithmisch sortierte Newsfeed.

Tweet-Highlights erhalten separaten Stream

Gestern entdeckte ich im Home-Stream von Twitters iPhone-App eine neue, oberhalb der aktuellsten Tweets positionierte Filterfunktion mit den zwei Optionen "All Tweets" und "Highlights". Während der All-Tweets-Stream wie üblich sämtliche von den abonnierten Nutzern veröffentlichten Tweets enthält, erscheint im Höhepunkte-Stream nur eine Auswahl dieser Beiträge. Nach meinen Beobachtungen landen hier Tweets der von mir gefolgten User, die besonders viele Reaktionen erhalten haben. Allerdings serviert mir Twitter auch einige Tweets als "Highlights", die weder Retweets einheimsen konnten noch favorisiert wurden. Ab und an tauchen im Höhepunkte-Bereich auch die exakt gleichen zehn jüngsten Tweets auf wie im allumfassenden Feed.

Neu erscheint bei mir nach einer mindestens einige Stunden andauernden Twitter-Pause beim Öffnen der App außerdem eine über den Home-Feed gelegte Übersicht über von mir in meiner Abwesenheit verpasste Tweets. Hierbei handelt es sich um ausgewählte Twitter-Updates aus dem Highlights-Feed.

Eine Google-Recherche lieferte keine existierenden Berichte zu der neuen Funktionalität, die laut einer kurzen Twitter-Umfrage meinerseits nur bei wenigen Nutzern auftaucht. Die Twitter-Suche führt zu eine Handvoll von Beschwerden und Fragen (hier, hier, hier und hier) rund um das Feature, das augenscheinlich mit einem begrenzten Anwenderkreis getestet wird. Auf eine E-Mail-Anfrage an das Twitter-Presseteam erhielt ich bisher keine Antwort, weshalb vorerst im Dunkeln bleibt, welche Kriterien bei der Auswahl für die Tweet-Höhepunkte eine Rolle spielen. Da nicht alle von Twitter als wichtig bezeichneten Tweets über Userreaktionen verfügen, ist zu vermuten, dass der Dienst aus San Francisco auch auch andere Signale zur Relevanzbestimmung verwendet, etwa auf Basis des bisherigen Anwendungsprofils vermutete persönliche Themenpräferenzen.

Twitter will die Timeline aufbohren

Auch wenn bei solchen von führenden Onlinediensten häufig praktizierten Funktionstests nie garantiert ist, dass sie kurz- bis mittelfristig tatsächlich ihren Weg zu allen Anwendern finden werden, gibt der Versuch Einblick in Twitters zukünftige Roadmap: Ähnlich wie Facebook spielt auch Twitter mit dem Gedanken, seine Timeline aufzubohren und neben dem komplett unangetasteten Feed einen algorithmisch vorselektierten bereitzustellen, der Nutzern das Gefühl nimmt, bei Twitter-Pausen etwas Wichtiges zu verpassen. Genau nach diesem Grundprinzip verfährt Facebooks Standardfeed, bei dem das soziale Netzwerke permanent neu evaluiert, welche Einträge der Kontakte für den Betrachter gerade die größte Relevanz besitzen.

Ultimativ will Twitter an die selben Werbepötte wie Facebook, Google und einige andere bekannte Webplayer. Die Folge ist eine schrittweise Angleichung der Funktionalität, weil Anbieter jeweils die Produktmerkmale ihrer Wettbewerber nachahmen und übernehmen, die sich dort als erfolgreich erwiesen, das heißt, die Aufenthaltsdauer und die Interaktion erhöht haben. Twitters Timeline könnte Facebooks Newsfeed bald deutlich ähnlicher werden - während Facebook weiter daran arbeitet, verstärkt die Anwendungsszenarien von Twitter abzudecken. /mw

Kommentare

  • Michael Kallweitt

    09.08.13 (06:46:00)

    Solange es die Möglichkeit gibt, weiterhin den vollen Stream zu sehen, mag Twitter gerne damit experimentieren. Facebook und ich haben jedenfalls selten die gleiche Meinung, was die Gewichtung meiner »Top Stories« anbelangt – was im übrigen auch auf vorgeschlagene Seiten, Kontakte oder Werbeanzeigen zutrifft.

  • egghat (@egghat)

    09.08.13 (12:13:01)

    Solange Twitter eine Relevanz-Timeline neben meine volle legt, sehe ich kein problem. Ganz im Gegenteil: Das ist ziemlich nützlich ...

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