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01.07.14Kommentieren

Von Yik Yak bis We Heart It: Millionen Jugendliche erobern neue und alte Apps

Nicht immer sind Nutzungsmuster und App-Favoriten von Jugendlichen ein Indikator für den nächsten Reichweiten-Hit im Social Web. Dennoch sollte man einige der Anwendungen, die Teenager gerade erobern, im Auge behalten. Aus einzelnen könnte Großes werden.

Investoren, CEOs von etablierten Webfirmen und Analysten sind bestrebt, frühzeitig die Apps zu identifizieren, die sich bei Teenagern besonderer Beliebtheit erfreuen. Denn auf diese Weise stellen sie sicher, potenzielle Gefahren, Übernahmeziele oder Investitionsobjekte nicht zu verpassen. Wer heute bei den als besonders experimentier- und wechselfreudig geltenden jungen Menschen gut ankommt, entwickelt sich vielleicht morgen zum generationenübergreifenden Nutzermagneten - so die verbreitete Sichtweise. Nicht immer muss das stimmen. Dennoch wäre es dumm, die von Digital Natives mit Hingabe eingesetzten Kommunikations-Apps pauschal als Spielereien ohne Chancen bei anderen Altersgruppen abzutun.

Snapchats Popularität bei Teens ist hinlänglich bekannt. Die einfallsreiche und gelungene Weiterentwicklung lässt die intensiv von den Medien bewachte Ablehnung eines Drei-Milliarden-Angebots von Facebooks zum Jahresbeginn langsam aber sicher als kluge Wahl erscheinen. Doch noch einige weiterer Social-Media-Anbieter erfreuen sich gerade erheblicher Sympathien bei vor allem jugendlichen Usern. Dienste, die man deshalb auf dem Radar haben sollte. Ask.fm

120 Millionen registrierte Nutzer kann Ask.fm, gegründet im Jahr 2010 im lettischen Riga, mittlerweile vorweisen. Ganze 42 Prozent davon sind jünger als 17. Das verraten die Macher der Frage-Antwort-Plattform, die zwei Brüder Ilya Terebin and Mark Terebin, in einem aktuellen Interview dem Magazin Time. Das Duo nimmt darin zum wiederholten Male Stellung zu dem nicht unbedingt schmeichelhaften Ruf, einen Hort für Cybermobbing und Denunziationen zu betreiben. Mehrfach behaupteten Medienberichte in der Vergangenheit, dass der Service einzelne User in den Suizid getrieben habe. Seine Initiatoren bestreiten dies und sehen sich selbst als Opfer einer Kampagne. Was auch immer man von Ask.fm hält - die Metriken sprechen für sich. Im wichtigen Internetmarkt USA hat die Plattform, deren Konzept in Anlehnung an den heute nicht mehr existierenden Service Formspring entstand, mittlerweile mit 15 Millionen Usern ebenfalls Fuß gefasst.

Kik

Wie Ask.fm erblickte auch der Smartphone-Messenger Kik das Licht der digitalen Welt im Jahr 2010. Lange befand sich das Produkt des aus dem kanadischen Waterloo stammenden Startups im Schatten von WhatsApp. Doch mittlerweile hat der Dienst laut eigenen Angaben immerhin 120 Millionen registrierte Mitglieder und sich, wie The Next Web im Dezember anmerkte, zum De-facto-Messenger für die Instagram-Anwender entwickelt. Aktuell sind über 26 Millionen Fotos der Medien-Sharing-App mit "kik" getaggt. Im Unterschied zu WhatsApp und anderen Chat-Applikationen für das Smartphone vernetzen sich Kik-Nutzer über quasi-anonyme Benutzernamen. Eine Eigenheit, von der die Nordamerikaner im Hinblick auf das aktuelle Comeback von digitaler (Pseudo)-Privatsphäre profitieren. Der Großteil der jüngsten Zuwächse sei auf Teenager zurückzuführen, erklärte Kik-Gründer Ted Livingston Ende 2013. Aufgrund der Rolle, die Kik-Chats beim Verschwinden eines Mädchens in Australien gespielt haben sollen, bezeichnete die dortige Polizei die App als "the number one social media problem involving teenagers'". Teenager und Möglichkeiten zur anonymen Interaktion mit Fremden sind stets eine explosive Mischung.

Yik Yak

Vorwürfe, Mobbing Tür und Tor zu öffnen, mussten sich auch die zwei US-Unternehmer Brooks Buffington and Tyler Droll anhören. Ihre standortbasierte, anonyme Nachrichten-App Yik Yak fungiert als eine Art Schwarzes Brett und verbreitete sich so rasant, dass die Betreiber sich gezwungen sahen, den Dienst im Umfeld von über 130.000 Schulen zu deaktivieren. Das und die Tatsache, dass manche, wie diese Psychiaterin, Yik Yak als "gefährlichste App jemals" bezeichnen, hielt eine Reihe von Investoren nicht davon ab, kürzlich zehn Millionen Dollar in die Firma zu pumpen. Das überrascht angesichts des schnellen Wachstums und der Chancen, mit Yik Yak der ortsbasierten Kommunikation zum Durchbruch zu verhelfen, nicht.

Whisper

Whisper, eine anonyme Geheimnis-App aus Santa Monica nahe Los Angeles, gehört schon seit einiger Zeit zu den bevorzugten Anwendungen von Jugendlichen in den USA. Auch Geldgeber stürzen sich auf die App, bei der Anwender ohne Klarnamen und ohne Registrierung Geheimnisse ausplaudern - mal trivial, mal ernsthaft. Im Gegensatz zum massiv von Silicon-Valley-Multiplikatoren angepriesenen Konkurrenten Secret besteht Whispers Nutzerschaft laut Anmerkungen in zahlreichen Presseberichten zu einem signifikanten Teil aus Jugendlichen - was die üblichen Warnungen vor Missbrauch und kriminellen Akten nach sich zieht. Mittlerweile ist die 2012 debütierte Anwendung auch auf dem Schirm von neugierigen Journalisten aufgetaucht, die theoretische Einsatzmöglichkeiten von Whisper für die journalistische Arbeit erkannt haben wollen. Tatsächlich arbeitet der Dienst auch schon mit einigen Publikationen zusammen.

We Heart It

Bei We Heart It handelt es sich um ein regelrechtes Urgestein. Vor ganzen sechs Jahren berichteten wir über diesen Social-Bookmarking-Service für Bilder. We Heart It kann zwar nicht auf die gleiche Wachstumskurve blicken wie das deutlich später auf der Bildfläche erschienene Pinterest. Es hat sich aber mit Durchhaltevermögen als Liebling von speziell weiblichen Jugendlichen etabliert. Die Zahl monatlich aktiver User liegt laut Washington Post bei fast 30 Millionen. Das Blatt schätzt, dass 80 Prozent der Mitglieder des kalifornischen Dienstes jünger als 25 Jahre alt sind. Die Mehrzahl der Anwender ist weiblich. Im Klartext: We Heart It ist die jugendliche Alternative zu Pinterest. /mw

 

Randbemerkung: Es mag Zufall sein, aber von diesen fünf Diensten hat lediglich We Heart It seine Heimat in der das Silicon Valley einschließenden San Francisco Bay Area.

 Foto: Group of Multiethnic Teenagers Taking a Selfie, Shutterstock

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