<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

30.10.13

Von Netflix-Start bis Breitbandausbau: 8 digitale Ereignisse, die Deutschland verändern werden

Das Debüt von Netflix, der Exit eines hoch bewerteten Internetunternehmens oder der Durchbruch des mobilen Bezahlens - in den nächsten Jahren werden verschiedene Ereignisse Internetdeutschland verändern.

InternetdeutschlandIn den vergangenen 15 Jahren hat das Netz den Alltag von Menschen und Unternehmen grundlegend verändert. Doch das sprichwörtliche Ende der Fahnenstange ist damit noch nicht lange nicht erreicht. Im Gegenteil. Die folgenden acht Ereignisse werden Internetdeutschland abermals beeinflussen, im Großen wie im Kleinen. Start von Netflix in Deutschland

Der US-Videodienst Netflix verändert nicht nur die Art, wie "Fernsehen" konsumiert wird, sondern revolutioniert das gesamte Ökosystem der Serien- und Filmbranche. Schritt für Schritt. Es wird gemunkelt, dass Netflix im nächsten Jahr auch im deutschsprachigen Raum debütieren soll. Zwar bieten hierzulande verfügbare Services wie Watchever , Maxdome und Lovefilm schon heute Netflix-ähnliche Serien- und Filmflatrates an. Mit dem Markteintritt des Pioniers aber wird diese neue Art des TV- und Filmkonsums erst richtig in Fahrt kommen. Die gesamte hiesige TV-Branche muss sich dann warm anziehen. Wie schnell die US-Amerikaner ein Land einnehmen können, zeigt das Beispiel Schweden: Ein Jahr nach dem Debüt kann sich Netflix dort bereits über 645.000 zahlende Nutzer freuen (automatisch ins Englische übersetzter Link). Ganze 7,6 Prozent aller Schweden sind damit nach zwölf Monaten Abonnenten des Dienstes.

Durchbruch für mobiles Bezahlen

Die Deutschen lieben Bargeld mehr als die Bürger der meisten anderen westlichen Länder. Doch die Einsatzzwecke von Scheinen und Münzen abseits vom eigentlichen Bezahlprozess sind begrenzt. Irgendwann gelingt einem System zum mobilen Bezahlen der Durchbruch. Haben sich Verbraucher erst einmal daran gewöhnt, per Smartphone und nicht mit physischem Geld (oder Plastikkarte) zu zahlen, öffnet sich ein enormer Markt für junge Firmen und etablierte Anbieter, Handel, Transaktionen und die Finanzbranche auf den Kopf zu stellen.

Der große Exit eines Internetunternehmens

Schon lange wartet die hiesige Webbranche auf den ganz großen "Exit", also den Verkauf oder Börsengang eines hochbewerteten Onlineunternehmens. Ein solches Ereignis hat, wie die Erfahrungen aus den USA zeigen, häufig Signalwirkung: "Jetzt kann man hier richtig Geld verdienen". Während mit dieser Einsicht nicht nur positive Effekte verbunden sind, führt sie üblicherweise zu gesteigertem Optimismus bei allen Teilnehmern des Ökosystems, lässt bislang die wenig abenteuerliche, aber sichere Konzerntätigkeit vorziehende Angestellte über eine Selbstständigkeit nachdenken und hilft, die gesellschaftliche Akzeptanz von Unternehmertum zu verbessern.

Die endgültige Etablierung Berlins

Über 700 in der deutschen Hauptstadt ansässige Startups listet das Fleißprojekt Berlinstartupmap aktuell . Die Dunkelziffer dürfte noch darüber liegen. Gleichzeitig zieht die Spreemetropole kontinuierlich Menschen aus aller Welt an, die in der Stadt Internet- und Technologieunternehmen gründen oder finanziell unterstützen wollen. Dass für die in dieser Woche erstmals in Europa abgehaltene TechCrunch Disrupt-Konferenz Berlin und nicht London als Austragungsort gewählt wurde, spricht Bände. Es ist statistische Gewissheit, dass ein Großteil der Jungfirmen scheitert. Ebenso sicher ist aber, dass einige Prozent sich behaupten werden. Dass Berlin wieder komplett von der Bildfläche verschwindet, erscheint aktuell unwahrscheinlich. Damit wächst trotz aller weiter vorhandenen strukturellen Nachteile die Chance, dass das nächste Google, Facebook oder Apple nicht aus Kalifornien sondern aus Deutschland kommt. Oder das übernächste.

Breitbandausbau

Für einen Hochtechnologiestandort wie Deutschland ist das schlechte Abschneiden im internationalen Vergleich der durchschnittlichen Internetgeschwindigkeit peinlich und zugleich eine erhebliche Wachstumsbremse. Zumal die meisten derartigen Untersuchungen nur den Downstream berücksichtigen. Ein Blick auf den Upstream, also das Versenden von Daten vom Nutzer, offenbart die tatsächliche Misere: Bei der Zusammenstellung der durchschnittlichen Uploadrate von Usern des Geschwindigkeitstestangebots Speedtest.net landet Deutschland auf einem vernichtenden 83. Rang. Verantwortlich dafür sind die hierzulande geringe Verbreitung von Glasfaserleitungen und der hohe Marktanteil von asymmetrischen DSL-Anschlüssen mit ihren schmerzhaft niedrigen Upstreamraten. Genau wie die Industrie auf moderne, effiziente und leistungsfähige Transportwege angewiesen ist, hängt die Netzwirtschaft von schnellen Leitungen ab. Solange diese nicht Standard sind, werden zahlreiche Technologien und Geschäftsmodelle per se unmöglich bleiben. Ein flächendeckendes deutsches Glasfasernetz würde 93 Milliarden Euro kosten. Mit zu großen Sprüngen sollte man daher lieber nicht rechnen. Trotzdem: Internetdeutschland wird sich verändern, je leistungsfähiger die Netze sind.

Wandel der Mobilität

Noch bis vor kurzem wäre der Gedanke, dass Deutsche in großem Stil auf den Erwerb eines Automobils verzichten, undenkbar gewesen. Doch angesichts sozioökonomischer Veränderungen, die an der Popularität des eigenen fahrbaren Untersatzes knabbern, und dem Entstehen unzähliger Car- und Ridesharinganbieter überall in der Bundesrepublik erscheint er plötzlich zumindest nicht mehr völlig abwegig. Noch hat die gemeinschaftliche Nutzung des Automobils laut einer Studie von Aral zwar Nischenstatus, aber speziell in Ballungsräumen erfreuen sich die diversen Dienste wachsender Beliebtheit. Sollte der Trend weg vom eigenen Fahrzeug in Großstädten anhalten, würde dies weitreichende Auswirkungen auf Verkehrsdichte, Luft und die generelle Lebensqualität haben. Und weil Mobilität dann andere Formen fände, entstünden viele neue Geschäftsideen. Dass bei der oben erwähnten TechCrunch Disrupt-Veranstaltung die in London und Berlin ansässigen Macher eines smarten Fahrradschlosses den Startup-Preis einheimsen konnten , passt gut ins Bild.

Internet der Dinge

Eine wachsende Zahl an Jungunternehmen befasst sich mit Hardware-Lösungen. Verbesserte Finanzierungswege, etwa mittels Crowdfunding, die mittlerweile in Ballungsgebieten omnipräsente Verfügbarkeit von mobilen Internetverbindungen sowie der technische Fortschritt und das Vorhandensein immer günstigerer, leistungsfähiger Komponenten bieten hier mittlerweile enorme Betätigungsfelder. Während sich deutsche Startups in den letzten fünfzehn Jahren im Software-Segment im weltweiten Vergleich eher schwer taten, hat das Land der Ingenieure, Bastler und Tüftler im Hardware-Bereich weitaus bessere Voraussetzungen. Das Internet der Dinge hält langsam aber sicher Einzug in unseren Alltag. Diese "Dinge" können nicht nur das Leben verändern - sie könnten auch aus Deutschland kommen.

YouTube einigt sich mit der GEMA

Seit Jahren gelingt es YouTube und der GEMA nicht, sich auf eine Lösung im Streit um das Streaming von Musikvideos zu einigen. Die Folge: Millionen Deutsche sind dazu verdammt, ihre Zeit im Büro tatsächlich mit Arbeit zu verbringen, Candy Crush Saga zu spielen oder sich mit Browsererweiterungen, Proxies und VPNs herumzuärgern, um der YouTube-Sperre zu entgehen. Mit Vevo und Tape.tv gibt es zwar Anbieter, die deutschen Usern zehntausende Musikclips zugänglich machen, doch diese Dienste sind vielen nicht bekannt. Mehr als zwölf Millionen Ergebnisse findet Google zur Suche nach "youtube gema warum". Das Frustrationspotenzial dieses Konflikts ist enorm. Wenn GEMA und YouTube irgendwann doch einen Vertrag abschließen, wird das deutschsprachige Internet zu einem friedlicheren Ort. /mw

(Illustration: 3d render of german flag button with soft focus, Shutterstock)

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer