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04.06.08Leser-Kommentar

Von der Nullnachricht zum Top-Thema

Die automatische, bloglastige Nachrichtenseite Rivva ist super – nur hat die Weisheit der meist männlichen Nerdblogger-Massen oft Nullnachrichten auf der Agenda.

Google FaviconGoogle hat sein "Favicon" ausgetauscht, das kleine Symbol, das links in der Adresszeile des Browser angezeigt wird. Wahnsinn! Eilmeldung! Sen-sa-tion! Oder was eben passiert, wenn technikversessene Blogger diese Nicht-Nachricht in ihre Blogs kopieren. Denn der automatische Algorithmus von Aggregatoren wie der von uns sehr geliebten Seite "Rivva" schaut natürlich nicht auf den Inhalt der Geschichten, sondern auf die Links. Je mehr Blogs einen Eintrag verlinken, desto größer wird dieser auf Rivva automatisch angezeigt.

Automatische Auslese

Das Problem: Zu viele Links auf Artikel bei den immer gleichen, großen Nachrichtensites und immer dieselbe Google-Geschichte langweilen mich einfach. So wird das kleine Google-Symbol zur Topmeldung – genau wie schon diverse obskure Linkspam- und PR-Geschichten. Wenn die untereinander vernetzten Nerv-Klicker-Ticker nur wollen, können sie einen Blogeintrag schnell auf einen Top-Platz bei Rivva hieven.

Dabei ist Rivva in der Auswahl seiner Quellen bisher recht erfolgreich. Ich schaue dort täglich vorbei – SEO-Spam ist zum Glück eine Ausnahme. Dafür gibt es einen guten Überblick über die Bloglandschaft, über die aktuellen Themen und Diskussionen. Die Seite hat ein hervorragendes Layout. (Und ein Ranking, bei dem wir als "Leitmedium" vorne mit dabei sind, was uns natürlich sehr schmeichelt.) Dass gerne Internet-, Software- und Technikkram vorkommt, kann man Rivva nicht mal vorwerfen: So sind sie halt, die deutschsprachigen Blogger.

Nutzer empfehlen

Ähnlich aggregiert ist die Empfehlungsliste von "Give Me Something To Read" (unser Tipp heute bei "6 vor 9"). Viele Links zeigen Relevanz an, Artikel erscheinen automatisch in einer Liste. Die Links sind quasi "Merkzettel", mit denen sich die Nutzer des Services Artikel für später aufheben - weswegen Gawker süffisant schreibt:

It's a least-read best-seller list: The stories everyone intends to read but will never finish.

Viele Nutzer als effektiver Filter, das ist das Konzept diverser Aggregatoren nach dem Vorbild Digg. Hier zählen nicht die Links in diversen Blogs als Filter, hier müssen die Benutzer der Seite für die Links abstimmen. Im besten Falle kommen nerdlastige YouTube-Empfehlungen dabei raus, im schlechtesten Fall verwaiste Linkmüllhalden von Spammern.

Redaktionelle Bearbeitung

Weil bei automatischen Aggregatoren schonmal Geschmacklosigkiten und PR-Müll-Desaster vorkommen, liegt die Idee nahe, das Modell zu modifizieren. Mit weniger Spökes kommen redaktionell betreute Seiten wie Facts 2.0 oder das amerikanische BuzzFeed.com aus. Facts 2.0 liest nicht einfach automatisch in den Blogs mit, sondern erlaubt Redakteuren die gezielte Themensetzung und Nutzern, die Reihenfolge und Relevanz von Artikeln zu bewerten. Daumen hoch, Daumen runter – hier verlässt man sich nicht nur auf das automatische Zusammenstellen oder auf die alleinige Auswahlkraft von Redakteuren.

In der Mischform hat der zuständige Redakteur dann plötzlich neben der Themenwahl und -setzung die Rolle des Community-Managers inne. Ein Job, für den man mindestens ein dickes Fell braucht und den Mut, nicht jede Abseitigkeit in der Moderationsschleife versauern zu lassen.

Der menschliche Filter

Wie sinnvoll sind rein automatische oder alleinig von Nutzern bestückte Newsseiten? Ist es nicht besser, einen Redakteur als Filter einzusetzen, jemanden, der ganz nach Gusto Nullnachrichten, PR- und SEO-Spam aus dem Dienst schmeißt? Der, damit nicht die üblichen Zensur-Vorwürfe laut werden, alle abgelehnten Geschichten in einen öffentlichen Ordner schiebt, nach Vorlage der Zeit: "prominent ignoriert"?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • JollyJ

    09.06.08 (23:24:58)

    Ich halte die redaktionelle Betreueung für äußerst sinnvoll, schaut man mal auf yigg.de, sieht man dort in letzter Zeit erstaunlich viele Meldungen, die sich mit der Ausschüttung der Werbegelder von AdSense beschäftigen, also ebenso eine Nullmeldung sind wie die Google-Favicon-Seite. digg.com ist kaum besser, nette Filmchen und Spielereien bekommen da mehr punkte als echte nachrichten. das problem dieser mitmach-nachrichten-portale ist, dass sie nicht recherchieren können, sondern auf die parasitäre Zweitverwertung der Inhalte anderer angewiesen sind. Einen guten Grund da nicht direkt die gängigen Nachrichten-Portale anzusteuern gibt es eigentlich nicht mehr.

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