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12.08.14Leser-Kommentare

Vom MP3-Sammler zum Streamer: Wie sich mein digitaler Musikkonsum in acht Jahren komplett gewandelt hat

Wie Millionen andere war ich einst verrückt danach, MP3s herunterzuladen und meine digitalen Musiksammlung zu erweitern. Doch dann kam das Streaming und veränderte alles.

MusikIn den Jahren rund um den Milleniumwechsel hatte ich ein großes Hobby: MP3s herunterladen. In der Wohnung der Eltern gab es plötzlich eine DSL-Flatrate (mit einer nur manchmal erreichten Spitzengeschwindigkeit von 1 Mbit/s im Downstream). Tauschbörsen wie Napster und Soulseek machten den Bezug der Titel so einfach wie nie. Software-Player wie Winamp und tragbare MP3-Abspielgeräte lösten Walkman und CD-Player ab. Mein thematischer Fokus lag vor allem auf seltenen Vinyl-”Rips” aus dem Bereich der elektronischen Musik. Das hieß, dass ich schon manchmal viele Stunden mehr oder wenig geduldig darauf wartete, bis der einzige User mit dem entsprechenden Stück mal wieder online war. Unglaublich langsame Uploadgeschwindigkeiten sorgten für zusätzliche Verzögerungen. Dennoch wuchs meine MP3-Sammlung zu Beginn des neuen Jahrtausends schnell an, angetrieben auch vom Tauschen ganzer Festplatten mit Freunden sowie dem gelegentlichen Kauf von MP3s (in meinem Fall bei Beatport).

Doch dann, etwa 2006 oder 2007, war der Höhepunkt der MP3-Sammelei erreicht. Noch immer begab ich mich auf die Jagd nach seltenen Perlen. Doch parallel kam eine Alternative auf: das Streaming. Bei YouTube tauchten immer mehr Musikvideos und von Nutzern hochgeladene MP3-Dateien auf. Erste Startups erlaubten es Nutzern, ihre Musiksammlungen in die Cloud zu laden und dort mit Freunden zu tauschen. simfy fing so an, noch in einer rechtlichen Grauzone agierend, bevor es auf das Flatrate-Modell schwenkte. Dienst wie Ezmo und Mediamaster boten ähnliche Services. 2007 erhielt ich einen ersten Blick auf die damals noch im geschlossenen Beta-Stadium befindliche frühe Version von Spotify. Ein Jahr später bekam ich Zugang. Plötzlich konnte ich legal Millionen von Titeln streamen. Parallel erschien SoundCloud auf der Bildfläche.

Es war in diesem Zeitraum, als das Wachstum meiner MP3-Sammlung anhielt. Mein Interesse daran, Musikstücke lokal abzuspeichern, nahm ab. Es erschien mir plötzlich als zu umständlich und auch nicht mehr sonderlich praktikabel, da ich Musik nun auch auf dem Smartphone hören wollte. Nach und nach schob ich, auch aus Speicherplatzmangel, meine MP3-Sammlung auf eine externe Festplatte ab. Da ich zunehmend von den Möglichkeiten des ortsunabhängigen Arbeitens Gebrauch machte und keine Maßnahmen getroffen hatte, um für den Fernzugriff einen Heimserver einzurichten, ließ meine emotionale Bindung zu den Musikdateien auf der Festplatte immer mehr nach.

Vor zweieinhalb Jahren legte ich mir ein Ultrabook zu, dessen Festplatte wirklich mini war. Nochmals trennte ich mich von einigen zehn Jahre zuvor in mühseliger Klein-, Sortier und Verschlagwortungs-Arbeit angelegten MP3-Ordnern. Ein paar schob ich in die Cloud zu Box, als es dort 50 Gigabyte gratis gab. Die angesprochene Festplatte verstaubt irgendwo. Ich habe ehrlich gesagt gar keine Ahnung mehr, wo sie ist. Mittlerweile zahle ich zehn Euro pro Monat für Spotify, meine restliche Beschallung erhalte ich von SoundCloud und YouTube. MP3s spielen in meinem musikalischen Alltag keine Rolle mehr. Als es vor einigen Tagen wieder einmal Zeit war, das Arbeitsnotebook auszutauschen, markierte das für mich auch das Ende einer Ära: Ich verzichtete ganz darauf, die wenigen verbliebenen Gigabytes an Musik auf das neue Gerät zu ziehen. Das Kapitel des Konsums händisch zusammengetragener lokaler Musikdateien ist für mich geschlossen. Vier Jahre früher, als der Branchenbeobachter Bob Lefsetz kürzlich prognostizierte. Er geht davon aus, dass das Thema MP3 spätestens 2018 Geschichte sein wird. Meiner Meinung nach eine realistische Prognose.

Der streamingbasierte Musikkonsum hat eine Reihe von Vorteilen und natürlich auch den ein oder anderen Nachteil. Kritiker des Streamings monieren insbesondere die fehlende Portabilität der Musiksammlung über verschiedene Anbieter hinweg, die Abhängigkeit von einem funktionierenden, hinreichend schnellen Internetzugang sowie die nicht perfekte Soundqualität. Ein Blick auf die Transformation meines eigenen digitalen Musikkonsums in den zurückliegenden 14 Jahren signalisiert mir, dass all diese Faktoren für mich am Ende keine Hindernisse darstellten, sukzessive zum Streaming überzugehen.

Innerhalb von ungefähr acht Jahren hat sich mein Musiknutzungsverhalten komplett gewandelt. Zugleich wurde ich von einem User, der beim Thema des unautorisierten Downloads von Musik eine lockere Haltung hatte, zu einem regelmäßigen “Kunden” der Musikindustrie (in den 90ern, als Jugendlicher, gab ich übrigens fast mein gesamtes Taschengeld für CDs aus. Dann aber kam das MP3-Format...).

Diese Entwicklung zu rekapitulieren, verdeutlicht mir, dass das beste Mittel gegen Piraterie tatsächlich die Bereitstellung von leistungsfähigen legalen Alternativen darstellt. Ein bisschen wehmütig werde ich natürlich angesichts meiner eigenen Schilderungen dazu, wie lieblos ich zuletzt mit meiner Musiksammlung umging. Doch im Endeffekt ist es wie mit allen Gegenständen und Erinnerungsstücken, von denen man sich nicht trennen möchte, obwohl sie im Keller verstauben: Es schmerzt viel weniger, als man glaubt. Besonders dann nicht, wenn man guten Ersatz bekommen hat. /mw

Foto: Happy girl dancing at home while listen music with headphones, Shutterstock

Kommentare

  • Habu

    12.08.14 (08:06:57)

    Leider stellen die Streamingdienste bei genauerem Hinsehen walled gardens dar: Alles prima – aber man kann sie nicht verlassen. Zumindest nicht ohne Nachteile. Bei spotify geht es gar so weit, dass man nicht einmal sein Facebook Account, der eine zeitlang die einzige Möglichkeit darstellte sich bei spotify anzumelden, auflösen kann, ohne den Zugang zu spotify zu verlieren. Alle Playlists und Favoriten, gefollowte Künstler und Friends sind dann weg. Solange die Streamingdienste hierfür (zB durch ein Austauschformat) keine Lösung bieten, unterstützen sie selber mp3.

  • Chris

    12.08.14 (08:33:58)

    Wie gerne würde ich das von mir auch behaupten können. Allerdings kann kein (mir bekanntes) Angebot meine Wünsche erfüllen. Ich habe viel Zeit damit verbracht, meine private Sammlung zu bewerten und zu verschlagworten und mir auf Basis dieser Daten einige intelligente Playlisten zu erstellen. Bewertungen und Tags lassen sich pflegen, ohne iTunes in den Vordergrund zu holen. Die intelligenten Playlisten wachsen automatisch, können via Airplay in der ganzen Wohnung abgespielt werden und werden Nachts automatisch auf das iPhone synchronisiert. Spotify nutze ich ebenfalls häufig um neue Musik zu entdecken und lege diese auch bei Gefallen in irgendwelchen Playlisten ab. Aber das ganze Playlist Handling ist mir einfach viel zu aufwendig. Daher fahre ich momentan zweigleisig. Sollten iTunes und Spotify allerdings ein Kind machen, dann würde das meinen Erwartungen vermutlich schon sehr nahe kommen.

  • Alex

    12.08.14 (08:59:25)

    Hallo Martin, auch ich hab schon frueher diesen "schwenk" vollfuehrt. Damals dann mit ShoutCast weil es noch keine "streaming dienste" gab. Hatte sehr viel neues gehoert was ich vorher nicht kannte. Mit aufkommen der Streaming Dienste war ich aber im grossen und ganzen immer unzufrieden .. weil meine MP3s halt doch besser waren als die Angebote der Streaminganbieter. So komisch es klingen mag, ich hab wieder zurueckgegriffen auf MusicIP und lass mir meine musik nach meinen Wuenschen von meiner Sammlung zusammenstellen. Und unterwegs ... da hab ich wieder meinen "ewighaltenden" superakku mini mp3spieler ausgegraben .. das Ding ist einfach besser als mein Handy ... hat viel viel laenger Strom, ist robust und beeinhaltet die musik die ich aktuell liebe.

  • Klaus

    12.08.14 (10:41:06)

    ***"Nach und nach schob ich, auch aus Speicherplatzmangel, meine MP3-Sammlung auf eine externe Festplatte ab."*** Spätestens hier hättest Du beginnen sollen die Sammlung auszumisten! ***" Ein bisschen wehmütig werde ich natürlich angesichts meiner eigenen Schilderungen dazu, wie lieblos ich zuletzt mit meiner Musiksammlung umging."*** Das zeigt auch nur wieder, dass Deine Musiksammlung aus lauter Müll bestanden haben muss :) Streaming schön und gut ABER: - welcher Dienst bietet mir ALLE Interpreten? - welcher Dienst bietet mir ALLE Versionen/Remixe? - was wenn der Dienst irgendwann schließt? Ich bevorzuge dann doch lieber meine eigene ausgesuchte MP3-Musiksammlung.

  • skFFM

    12.08.14 (11:40:54)

    gibt es denn (schon) streamingdienste, die gleichermaßen populäre musik, einen ordentlichen backkatalog und specials, á la mitschnitt vom dj-set oder konzert von xyz anbieten, oder wo derlei content zusätzlich von usern zur verfügung gestellt werden kann? gerne auch mit unterschiedlichen preis-abo-modellen, geht ja nicht nur um's konsumieren für'n appel und n' ei, sondern auch darum, dass am ende der verwertungskette auch noch genug bei den musikern ankommt.

  • John

    12.08.14 (13:44:39)

    "Mittlerweile zahle ich zehn Euro pro Monat für Spotify, meine restliche Beschallung erhalte ich von SoundCloud und YouTube. MP3s spielen in meinem musikalischen Alltag keine Rolle mehr." Mh, SoundCloud bietet ausschließlich für das Streaming optimierte 128kbit/s MP3 kodierte Dateien an. Keine Einstellungsmöglichkeiten, es sei denn der Künstler gibt die Originaldatei zum Herunterladen frei. YouTube bietet immerhin 192kbit/s AAC Dateien an, falls die Videoqualität auf mind. 720p eingestellt ist (und die GEMA nicht in die Quere kommt). Die "beste" verlustbehaftete Option, der genannten Anbieter, bietet Spotify mit bis zu 320kbit/s OGG-Vorbis kodierten Datein. Vorausgesetzt man ist Premiummitglied und besitzt für den mobilen Einsatz ein unterstütztes Gerät. Für den Musikkonsum (!) beim Sport oder im Auto sicher praktisch und durchaus in Ordnung. Für den tatsächlichen Musikgenuss (!) Zuhause, vorm Kamin und einem Glas Wein oder Bier mit ein paar Ordentlichen Lautsprechern/Köpfhörern, die über einen guten DAC gefüttert werden, ist mir selbst die Spotify-Möglichkeit nicht gut genug. Warum in der heutigen Zeit mit teilweise extrem-beschnittenen Audiospuren abgeben und dafür auch noch bezahlen? Ein verlustfreier Codec - wie z.B. FLAC - bietet je nach Titel Bitraten zwischen 800 - 1000 kbit/s. Das sind bis zu 600 (teilweise mehr) kbit/s weniger, als der Original PCM-Stream, welcher 1:1 aus der FLAC-File rekonstruiert wird, benötigt. Zum Vergleich: Ein H.264 kodiertes Youtube-Videosignal mit einer Auflösung von 360p benötigt schon 1000kbit/s, bei einer Auflösung von 1080p schieben wir schon bis zu 8000kbit/s über unsere Leitungen. Davon mal abgesehen, muss natürlich auch der Mastering-Prozess in den Studios selber, wieder ein höheres Niveau erlangen. Vielen Künstlern und Produzenten ist es heutzutage einfach völlig egal, wie ihre Songs klingen. Hauptsache ordentlich Bass. Am Besten so viel, dass wir Peaks erreichen an denen Verzerrungen und Artefakte auftreten. Alles damit es dann, nachdem die Datein auf 128kbit/s herrunter-vergewaltigt wurden und über einen minderwertigen DAC geprügelt wurden, auch noch über unsere Apple Earpods richtig aufs Trommelfell hämmern. Was ich sagen möchte: Die ganze Industrie hat sich auf Kosten der technischen Qualität der Musik in Richtung Mobilität/Allgegenwärtigkeit verschlechtert. Das muss nicht sein und ändert sich hoffentlich in nächster Zeit. Gruß

  • Tom

    12.08.14 (14:09:44)

    Entschuldige bitte, aber ich muss es sagen: Für mich klingt der Artikel wie Werbung für Straeming Dienste. Muss das sein?

  • Malte Goesche

    12.08.14 (15:21:49)

    Audiophile wird es immer geben. Werden aber in der Minderheit bleiben (allerdings sehr gut bedient durch Projekte wie Neil Young's Pono https://www.kickstarter.com/projects/1003614822/ponomusic-where-your-soul-rediscovers-music). Genau so gibt es immer noch Sammler (siehe http://pitchfork.com/features/articles/9467-wax-and-wane-the-tough-realities-behind-vinyls-comeback/) -- aber auch wieder nur Randgruppe. Wegwerfkonsum ist einfach der Trend. Zum Glück aber einer, dem man sich nicht anschliessen muss.

  • Martin Weigert

    12.08.14 (15:29:56)

    Ich kann dich beruhigen: Es ist keine Werbung sondern ein persönlicher Erfahrungsbericht.

  • John

    12.08.14 (17:05:03)

    Audiophile sind so eine Sache, die in der Regel falsch verstanden wird. Personen die übermenschliche Wahrnehmungssinne haben werden damit Verbunden, was quatsch ist. Es sind Personen denen die Musik am Herzen liegt, die Musik noch hören und nicht nur konsumieren. Oft und in einem Atemzug wird auch der Vinyl-Wahn erwähnt. Ebenfalls quatsch. Vinyl ist qualitativ der verlustfreien digitalisierten Form nicht überlegen, eher unterlegen. Aus vielen Gründen, die man auf xiph.org wunderbar nachlesen kann. Der Mythos Vinyl > CD/digitale Audiospuren ist so alt, so falsch und dennoch immer existent. Vinyl wird nur aus einem Grund noch Gehört, und das ist die Liebe zum Medium an sich. Purer Enthusiasmus, das Ritual die Scheibe aus dem Cover zu ziehen und aufzulegen. Kann man mit einem schönen Oldtimer vs. modernem Auto vergleichen. Pono wiederum ist ein richtiger Ansatz, allerdings völlig fehlgeleitet und an der falschen Stelle angesetzt. Der liebe Herr Young und sein Halbwissen hätten das Geld lieber in existente Hi-Fi-Plattformen oder der allgemeinen Aufklärung investieren sollen, anstatt einem Tobleroneplayer und einer Plattform die völlig überdimensionierte Dateien verkauft. Wir rennen hier von einem Extrem ins nächste. Die CD und die damals dafür standardisierte Auflösung von 44,1kHz bei 16bit ist und bleibt die goldene Mitte für das menschliche Ohr. Das soll nicht heißen, dass 192kHz und 24bit Files keine Existenzberechtigung haben. Die haben sie sehr wohl: Aufnahme und Mastering profitieren von diesem Frequenzpadding und der Tiefe. Kann man sich wie bei einem Foto vorstellen. Lieber 22MP und hinterher noch ordentlich cropping-Spielraum haben, anstatt 10MP und bei der kleinsten Änderung nur noch Pixelbrei vor der Nase zu haben. Für das Abspielen von digitalen Audiospuren werden immer 44,1kHz und 16bit reichen und selbst das ist schon mehr, als wir wahrnehmen können. Wer anderes behauptet, behauptet wahrscheinlich auch, dass er Ultraviolett und Infrarot sehen kann... "Wegwerfkonsum ist einfach der Trend. Zum Glück aber einer, dem man sich nicht anschliessen muss." Korrekt :] Dennoch bin ich der Überzeugung, dass viele Menschen, ebenfalls anders denken würden, wenn ihnen jemand zeigen würde, was man aus ihrer Lieblingsmusik alles herausholen kann, wenn man nur in die richtigen Geräte und Medien investiert. Geld haben die Leute ja scheinbar genug, wissen es nur nicht richtig zu nutzen. Wie auch? Man kommt um den iTunes, Amazon, SondCloud, Spotify, rdio, Beats kram als Normalbürger, der einfach nur Musik hören möchte nicht herum. Schade. Die meisten sind schon Abgestumpft. Das ganze ist wohl ein komplexes Problem und lässt sich nicht so einfach lösen, indem man plötzlich auf verlustfreie oder wenigstens qualitativ hochwertig kodierte Musik setzt. Das Studio und nicht zuletzt die Hardware hat auch noch mitzureden (Die beiden Komponenten sind wohl noch wichtiger als das Quellsignal), wenn es darum geht, was wir letztendlich auf unsere Ohren loslassen. Gruß

  • jo

    12.08.14 (22:26:50)

    Tja, guggemada, die kurzlebige Konsumrealität... Ich gebe offen zu, ich bin Musiker, verwende so ziemlich meine gesamte Zeit neben der Arbeit für die Musik, um Unterhaltung, Werte und Spaß in die Welt zu bringen. Und was gerade passiert, ist, dass durch Streaming die immer gleiche Scheiße in die Ohren der gleichgültigen Konsumenten gedrückt wird, die in keinster Weise dem Kern des Musikwesens entspricht. Gerade das wahllose Streaming, das nebenbei für Nicht-DSDS-Produktionen gerne so gut wie nichts an die Musiker zurückfließen lässt, ist eine ideale Art, um Musik in die Belanglosigkeit zu drängen. Musik hatte mal einen gesellschaftlichen Wert, aber der Autor dieses Textes scheint den wohl noch nie gespürt zu haben. Also: nimm Dein Streaming. Ich danke allen, die Musik bewusst hören, die sich ihren Stil raussuchen und die die Arbeit der Musiker dahinter schätzen und würdigen, und wünsche den Streamern eine möglichst belanglose Berieselung ohne störende Gedanken daran, dass sie nur Kommerzscheiße finanzieren und die kulturelle Vielfalt zerstören. Denkt mal nicht nur an Konsum, ihr Trottel, sondern auch mal an das, was in 60 Minuten Album stecken - als Hilfe für den Mindesteinsatz: pro Bandmitglied 10 Jahre jeden Tag 1 Stunde üben, plus Bandformierung und Proben über mindestens 2 Jahre, plus "wir geben jetzt mal 2k-5k vorweg aus und schauen, ob's ankommt" für unbekanntes Zeug. Hab übrigens von dem Streamingscheiß als Musiker schon fast 8 Euro pro Jahr, bei einem Verdienst von 10.000 pro Jahr durch Auftritte - wow, Streaming wird mich richtig reich machen! Also stream Deinen Scheiß. Oder hör Dir einen Livestream vom Wellenrauschen an, in Deinem Wertesystem sollte das in etwa den gleichen Effekt haben... Danke an alle, die Musik ehrlich schätzen - explizit ungeachtet der Richtung, denn das ist Geschmackssache! Und an den Verfasser des Artikels: versuch mal, Musik bewusst zu hören. Wenn Du damit beginnst, wirst Du Deine ehemalige Sammlung zu schätzen lernen.

  • Martin Weigert

    12.08.14 (22:48:08)

    Ich behaupte selbstbewusst, dass ich Musik mindestens so bewusst höre wie sämtliche der Kommentatoren hier, die ihre Sympathie für Musik kundgetan haben. Ich zähle Musik zu den drei wichtigsten Dingen in meinem Leben überhaupt. Und trotzdem - oder genau deshalb - bevorzuge ich die Streaming-Welt. Denn "bewusst hören" heißt für mich, Neues zu entdecken und nicht immer die gleichen Lieblinge in Heavy Rotation zu hören. Hat man Millionen Titel zugänglich, fällt dieses Entdecken mir sehr viel leichter. Die hier mehrfach zu vernehmende Mutmaßung, dass jeder, der gerne und häufig streamt, automatisch Mainstream-Liebhaber und DSDS-Fan ist, wirkt für mich wie eine aus dem Widerstands-Reflex geborene Wunschvorstellung derjenigen, die Streaming als "minderwertige" Form des Musikkonsums ansehen.

  • retrographia

    13.08.14 (07:25:46)

    Mit breitem Grinsen habe ich den Artikel gelesen. Allerdings scheint mein Musikgeschmack so ausgefallen zu sein, dass (bisher) kein Streaming-Dienst diesen Geschmack abbildet. Nun stellt sich die Frage, ob dies an mir liegt oder daran, dass es sich ökonomisch nicht lohnt, Menschen wie mich zufrieden zu stellen... Letztlich siegt hier (mal wieder) der Kommerz über die Kunst. Nischen werden weniger, Abwechslung wird weniger. Was Du da "entdecken" kannst, das Du nicht schon (auf die eine oder andere Art) letztlich schon kennst ist mir schleierhaft. Mir ist da der direkte Kontakt mit den Künstlern lieber. Und im Gespräch mit ihnen finde ich tatsächlich Hinweise auf Neues.

  • livewirebt

    13.08.14 (08:02:21)

    Hier erwähnt jemand Neil Young, welcher mit seinem Pono viele Mainstream-Konsumenten auf irrsinnige Abwege führt und den englischen Begriff "Audiophile" weiter in Richtung Esoterik schiebt. http://people.xiph.org/~xiphmont/demo/neil-young.html Die CD mit 44,1kHz ist kein sog. "Goldstandard" sondern eher ein technisch überholter Kompromiss der 80er Jahre. DVD, DVD-Audio, Blu-ray und Downloads enthalten heute Tonspuren mit 48kHz und häufiger 24Bit. Genau diese Parameter möchte ich als anspruchsvoller Konsument auch bei Musik (verlustfrei zum Archivieren, darf auch verlustbehaftet sein für unterwegs), nicht nur bei Filmen oder Sonderausgaben. Von Ayumi Hamasaki gab es mal ein Album in einer USB Stick Ausgabe mit 48kHz/24Bit, WAV war als Container aber unpraktisch. 192kHz/24Bit sagt nur etwas über Geschwindigkeit bzw. Datendurchsatz des Interface aus, 384kHz sind auch schon möglich.

  • nk

    13.08.14 (09:08:08)

    Der Kommentar ist nicht sehr nett formuliert, beinhaltet aber ein wenig Wahrheit. Die Art des Musikkonsums ist über Streaming einfach anders, nebenläufiger, als beim Hören der eigenen Musiksammlung. IMHO. Für mich ist Streaming das Radio 2.0, oder auch 0.5. Radio höre ich als Begleitmedium wesentlich lieber, weil dem Streaming die wichtige Komponente des redaktionellen Anteils fehlt. Eigentlich jedes weitere Argument wurde schon kürzlich ausgetauscht, als der Artikel (glaube bei t3n) mit dem gleichen Grundtenor erschien.

  • nk

    13.08.14 (09:14:14)

    PS: > Denn “bewusst hören” heißt für mich, Neues zu entdecken und nicht immer die gleichen Lieblinge in Heavy Rotation zu hören. Wohl wahr. Die wichtige Komponente des "Plattenladens", wo man früher noch in Alben "reingehört" hat, ist nahezu weggefallen und durch bspw. Youtube ersetzt worden (Nutzt irgend jemand Amazon Anhörschnipsel? :D). Das sind IMHO aber zwei paar Schuhe - entdecken und "haben". Entdecken kann man auf verschiedenste Arten: durch Freunde, Musikmagazine, spezielle Radiosendungen, (Werbung?), (Ladenstöbern?), eben auch Streaming und Empfehlungsmarketing. Für mich gehört manchmal auch Recherche dazu (was hat der Künstler noch gemacht, mit wem, wo kommt das Original her, was sind musikalische Einflüsse). Ich weiß nicht, ob ein Empfehlungsalgorithmus diesen persönlichen Prozess abbilden kann.

  • Thomas

    13.08.14 (09:17:34)

    Ich baue nach wie vor auf eine ausgesuchte, ständig wachsende mp3 Sammlung. Denn die Streaming-Dienste bieten mir keine ausreichend gute Library-Funktion mit denen ich schnell auf markierte Alben von Künstlern zugreifen kann. Auch fehlt eine Bewertung und Tag-Funktion. Das alles würde ich benötigen, wenn Deezer und Co. meine komplette Multiroom-Beschallung zu Hause ersetzen soll. Bis dahin ist Streaming für mich nur für den Zugang zu neuer Musik oder im Büro geeignet. Musik die mir gefällt, kaufe ich (Vinyl oder Mp3). Das dürfte noch lange für die Relevanz von Mp3 sorgen.

  • John

    13.08.14 (11:36:52)

    "Genau diese Parameter möchte ich als anspruchsvoller Konsument auch bei Musik" Dann sollten Sie den Artikel den Sie gepostet haben auch vollständig lesen. Dieser verweist mehrfach auf die Redundanz von mehr als 16bit, bei der Wiedergabe. "DVD, DVD-Audio, Blu-ray und Downloads enthalten heute Tonspuren mit 48kHz[...]" Yep, 48khz sind für diese Medien nötig, um bezüglich der Wiedergaberate von Bildern pro Sekunde, so flexibel wie möglich zu bleiben. 48kHz ermöglichen 24, 25, 29.97 und 30 fps und natürlich Vielfache davon. Ich kann Ihre Intention verstehen Audio in Form von 48kHz Sampling rates genießen zu wollen, allerdings bezweifle ich sehr stark, dass Sie in der Lage sind einen Unterschied zu 44,1kHz wahrzunehmen. Nach Nyquist hat die Rate 48kHz ihren Cutoff bei 24kHz, welche letztendlich für uns in Schall umgewandelt werden. Der Cutoff bei 44,1kHz liegt bei 22,05kHz. Die Differenz liegt also bei 1,95kHz, welche über den menschlichen Möglichkeiten liegen, sie wahrzunehmen. Das menschliche Ohr wäre theoretisch in der Lage bis zu 20kHz wahrzunehmen. Als Kind ist dies sogar noch möglich. Ein Jugendlicher ist noch mit bis zu 18kHz dabei , und bei einem Erwachsenen fällt die Grenze schon auf bis zu 12kHz herrunter. Frequenzen über dem menschlichen Leistungsmaximum (also ab 16-18kHz) bezeichnet man als Ultraschall, nicht wahrnehmbar. Jetzt versuchen Sie doch noch mal jemanden zu überzeugen seine Musiksammlung ab jetzt nur noch mit >=48kHz-Files aufzustocken. Viel Glück. Von diesem High-Samplerates-Bullshitbingo profitieren lediglich die, die Ihnen einreden Ihre Sammlung nochmal in einer höheren Abtastrate kaufen zu müssen, weil "darum" und natürlich passiv die Speichermedienindustrie ;) Sie können einfach nicht anspruchsvoller sein als Ihr Körper es Ihnen zulässt!

  • Malte Goesche

    13.08.14 (14:38:59)

    Martin liegt im Trend: "Germany's Consumers Pump Up the Volume on Music Streaming Services - Number of internet music streamers tripled year over year" http://www.emarketer.com/Article/Germanys-Consumers-Pump-Up-Volume-on-Music-Streaming-Services/1011105/1

  • Holy Moly

    13.08.14 (19:00:53)

    Musikstreaming - zu schön, um wahr zu sein! War auch dabei, von lokal auf auf streaming umzusteigen. Bin froh, dass ich die alte Sammlung noch nicht gelöscht habe, denn: Meine persönlich bei simfy zusammengestellten playlists ließen sich neulich im Urlaub nicht mehr vollständig abspielen - mit folgenden Hinweis: "Die Abspielrechte für diesen Song haben sich geändert. Eventuell steht eine neue Version zur Verfügung". "Schönen Dank auch", simfy. Für mich hat sich Streaming als Primärquelle erledigt. Taugt bestenfalls als individuelles Radio, aber definitv nicht als Musikarchiv - meine Meinung.

  • Wolf

    13.08.14 (19:54:43)

    meine Haltung dazu: Einen guten Song kann nichts entstellen. Und für Leute die bspw. Blues von vor 100 Jahren oder herrlichen Hardcore Punk-Lärm hören sind solche Kategorien quasi ungültig. Ebenso, wie man sich schon vor 50 Jahren in nach heutigen Maßstäben minderwertigste UKW-übertragene Songs verlieben konnte. Ich erinnere mich noch, wie ich Ende der 90er meine Stereoanlage an die Soundkarte angeschlossen habe, um im Realplayer abgespielte Radiohead-B-Seiten, die ich auf deren Fanpages fand, auf Kassette aufzunehmen. Unterirdische Qualität, aber die Tapes hab ich ohne Ende gehört.

  • Wolf

    13.08.14 (19:56:40)

    "Musik hatte mal einen gesellschaftlichen Wert" Genau das halte ich für einen Irrtum - bei aller gerechtfertigten Kritik gegenüber Streamingdiensten.

  • Martin Weigert

    13.08.14 (19:56:48)

    Das bisher schlagfertigste Argument bisher, imo!

  • Senfmeister

    14.08.14 (18:43:25)

    Mir ging es ebenso. Mittlerweile kaufe ich mir CDs bei Amazon um die MP3s zu haben. Ampya als Streamingdienst nutze ich ebenfalls. Für alles was nicht als CD gekauft wurde. Nun muss ich mal schauen wo meine Backup Platte mit den MP3s geblieben ist!

  • David

    15.08.14 (06:46:53)

    Was mich interessiert: Was machst Du, wenn Du 5 Stunden im Zug fährst oder fliegen musst oder im Urlaub im Ausland bist? Wo es oft kein (gutes) WLAN und kein mobil-Netz gibt? Vorher überlegen, was man vielleicht hören will? Doch immer ein paar Gigabyte Musik vorher synchen? Dann ist der Unterschied zu einer kleinen MP3-Auswahl nicht mehr gross... Mir war dieses "vorher planen" immer zu anstrengend: ich sitze im Zug ohne Netz und mir fällt ein: oh, ich will.... The Cure hören.... Darum schleppe ich meine 100gb Musik immer (noch) mit mir rum... Auch zuhause: mein DSL/WLAN (von Kabel BW) holpert manchmal, und der Stream stoppt. Macht Dich das nicht wahnsinnig, wenn die Musik nicht absolut verlässlich rüberkommt?

  • Martin Weigert

    15.08.14 (14:52:52)

    Ja dann synce ich vorher. Oder höre (zuvor heruntergeladene) Podcasts.

  • Alph

    19.08.14 (08:53:10)

    Mir geht es da ähnlich wie Martin. Allerdings habe und nutze ich meine MP3-Sammlung noch ein wenig. Bei Spotify kann man - zugegeben nicht besonders gut gelöst - auch MP3s in den Katalog integrieren. Wenn sich das Gerät, auf dem diese MP3s gespeichert sind und bspw. das Smartphone in dem selben WLAN befinden, kann man die MP3s auch gut synchronisieren. Damit kann man den Katalog von Spotify ergänzen, um einige Lücken die Spotify zweifellos noch hat zu füllen. Was mir allerdings mittlerweile auffällt, gerade beim Neuentdecken von Musik: Wenn ein Künstler nicht bei Spotify vertreten ist, höre ich ihn bei weitem weniger oder gar nicht erst an, da ich mir die unkomfortable Suche nach dem Interpreten in anderen Diensten sparen möchte. @Thomas: Mittlerweile bietet Spotify auch eine gute Library-Funktion an, zu der man mit einem Klick gesamte Bands oder nur Alben hinzufügen kann. Anschließend bekommt man diese in einer ansprechenden von diversen Musikplayern bekannten Darstellung präsentiert. Nebenbei lassen sich auch einzelne Bands oder Alben auswählen und offline speichern, womit der frühere Umweg über Playlists entfällt.

  • maeki

    19.08.14 (17:22:22)

    ich kann mit den Streaming-Diensten nicht viel anfangen. Wie oben erwähnt ist damit meist nix in Hotel-WLANs mit schwachem Signal. Ich bin dazu übergegangen, meine mp3-sammlung selbst zu hosten und als streams abrufbar zu machen. geht ja auch über ne dynamische ip...

  • Thomas

    30.08.14 (15:41:24)

    Du hast Recht, es gibt diese Library-Funktion. Deezer (mein bevorzugter Dienst) hat diese schon immer gehabt. Nur, würde ich hier meine tatsächliche MP3-Sammlung abbilden wollen, wird es einfach sehr unübersichtlich (zumal Spotify beim Klick auf den gespeicherten Künstler die gespeicherten Songs anzeigt, aber nicht gruppiert als Alben). Und ein weiteres Problem dieses Features: es ist nicht auf allen Software-Plattformen (Desktop, Windows Phone etc.) und nicht auf allen API-Frontends (Sonos, Squeezebox etc.) gleich implementiert. Aber das liegt natürlich auch an den verfügbaren API-Funktionen.

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