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18.11.13Leser-Kommentare

Viraler App-Erfolg: Bitstrips erobert das soziale Netz - und den Bildungsmarkt

Die mobile App Bitstrips ist eine Art Instagram in Comic-Format. Schon seit Jahren nutzt das kanadische Startup hinter dem App-Erfolg Comics als Bildungswerkzeug. Viele Schulen im Heimatmarkt sind zahlende Kunden.

BitstripsEin paar Mal pro Jahr erscheinen wie aus dem Nichts neue Apps auf der Bildfläche, die sich in atemberaubendem Tempo bei Usern rund um den Globus verbreiten, ohne dass die Macher nennenswerte Energie in Marketing und Pressearbeit investiert haben. Oft handelt es sich dabei um relativ simpel konzipierte Spielchen. Titel wie FarmVille, Angry Birds, Draw Something oder Candy Crush Saga waren alle scheinbar urplötzlich in aller Munde. Manchmal erleben auch soziale Netzwerke einen solchen Traumstart. Beobachten konnte man dies etwa bei Pinterest oder Snapchat. Aktuell zeichnet sich abermals bei einem bis dato unbekannten Anbieter ein unvorhergesehener kometenhafter Aufstieg ab. Sein Name: Bitstrips.

Instagram im Comic-Format

Bitstrips ist eine Art Instagram in Comic-Version. Die kostenfrei für iOS und Android angebotene App erlaubt es Nutzern, aktuelle Geschehnisse in ihrem Leben in Form eines Comicstrips darzustellen. Die Anwendung bietet einen täglich erweiterten Fundus an häufig humoristisch angehauchten Szenarien aus verschiedenen Alltagsbereichen, die sich mit eigenen Status-Texten und passenden Gesichtsausdrücken der"gezeichneten" Protagonisten personalisieren lassen. Bevor Anwender mit Bitstrips loslegen können, müssen sie ihren Avatar erstellen. Durch die Auswahl spezieller Gesichts-, Körper- und Kleidungsmerkmale lassen sich mit ein wenig Geduld Zeichentrickfiguren erschaffen, die dem eigenen Erscheinungsbild zumindest ansatzweise ähnlich sehen.

Laut Google News hat bislang noch kein deutsches Onlinemedium über die aus Kanada stammende App berichtet. Doch in den nächsten Wochen werden wir voraussichtlich häufiger von Bitstrips hören. Innerhalb von zweieinhalb Wochen ist die Applikation von Platz 234 auf Platz 22 in den deutschen App-Store-Charts der Gratis-Apps geklettert. In der Rubrik "Unterhaltung" belegt sie mittlerweile die Spitzenposition. Auch im Google Play Store geht es aufwärts. Weltweit belegt Bitstrips derzeit in neun Ländern den ersten Rang im App Store, in 46 Ländern rangiert die Anwendung in den Top 10. Rund elf Millionen Mal wurde die 2012 veröffentlichte App des in Toronto beheimateten Startups bislang heruntergeladen. Richtig ins Rollen kam das Wachstum nach einer Aktualisierung der App im September.

Für den viralen Charakter von Bitstrips verantwortlich sind zum einen die Möglichkeit, einzelne Strips auf Facebook zu publizieren, und zum anderen die Fähigkeit, die eigenen Facebook-Freunde in den Comics erscheinen zu lassen. Sind diese nicht selbst bei Bitstrips registriert, muss der Ersteller des Comics ihren Avatar anlegen. Der Überraschungseffekt, wenn Nutzer in einem auf Facebook publizierten Comicstrip auftauchen und sich zumindest in Ansätzen optisch wiedererkennen, ist denkbar groß.

Ob das Veröffentlichen visueller Status-Updates, bei denen Ereignisse nicht in Fotoform festgehalten sondern nachträglich über Comics konstruiert werden, die ständig nach neuen Wegen der Selbstdarstellung lechzende Webgemeinde auf Dauer bei Laune halten kann, dazu ist ein Urteil noch zu früh. Eingeschränkt wird das Potenzial von Bitstrips dadurch, dass Anwender bislang keine vollständig eigenen Strips kreieren können sondern auf die zurückgreifen müssen, die ihnen von den Nordamerikanern geboten werden. Doch damit verfügt Bitstrips CEO Jacob Blackstock auch über einen Joker, den er ziehen kann, sollte die Wachstumskurve ihren Schwung verlieren.

Erfolgreiches B2B-Modell: Bitstrips für Schulen

Im Gegensatz zu vielen anderen Shooting-Stars der globalen App-Szene ist Bitstrips nicht einfach nur ein auf Viralität getrimmtes Tool für junge und junggebliebene Selbstdarsteller und Social-Media-Anbeter, dessen Macher der in Startup-Kreisen verbreiteten, aber umstrittenen Devise "Growth before Revenue" folgen. Stattdessen basiert die jetzt für Furore sorgende mobile Anwendung auf einem bereits zuvor von dem 2008 gegründeten Unternehmen entwickelten Lernwerkzeug: Bitstrips for Schools heißt die comicbasierte Lernsoftware, die Lehrern und Schulen in zwei unterschiedlichen Lizenzversionen angeboten wird. Die smarte Idee: Lehrkräfte vermitteln Wissen auf eine für Schüler unterhaltsame und pädagogische effektive Art in Form individueller Comics, indem sie selbst zum Lehrstoff passende Geschichten gestalten oder die Schüler mit Aufgaben betrauen, in denen sie kreativ aktiv werden müssen. Einmal geschaffene "Aktivitäten", wie Bitstrips diese Aufgaben nennt, können anschließend von anderen Lehrern und Schulen eingesetzt werden. Zu den Kunden von Bitstrips gehört unter anderem die kanadische Provinz Ontario, in der Lehrkräfte sämtlicher staatlicher Schulen Bitstrips im Unterricht nutzen dürfen.

Das Treiben von Bitstrips ist aus diesem Grund in einem ganz anderen Licht zu betrachten als das der meisten wachstumsorientierten, auf eine Vermarktung abzielenden Dienste im sozialen Netz: Für Bitstrips stellt die Endanwender-App in erster Linie eine Maßnahme dar, um personalisierte Comics als Kommunikations- und Interaktionsform zu etablieren. Je mehr Nutzer mit dem Service vertraut sind, desto mehr Bildungseinrichtungen werden sich für Bitstrips kommerzielle Lernprodukte interessieren. Denn was mögen Lehrer mehr als Schüler, die mit Begeisterung bei der Sache sind und die eine emotionale Bindung zu den Bitstrips-Avataren und ihrer Comic-Welt entwickelt haben? Freilich darf man nicht ausschießen, dass das bislang komplett aus eigenen Mitteln der Gründern finanzierte Unternehmen versuchen wird, das jüngste Bitstrips-Produkt als neue Erlösquelle zu erschließen. Doch die Struktur des Startups befreit das im Juli zehn Mitarbeiter umfassende Bitstrips-Team von allen Maßnahmen, die allein der kurzfristigen Steigerung der Bewertung und der Befriedigung von Investoreninteressen dienen.

Bitstrips gilt es unbedingt im Auge zu behalten! /mw

Link: Bitstrips

Kommentare

  • Alex Stier

    18.11.13 (08:59:44)

    Eine Tolle Sache, muss ich nacher mal schauen auf dem iphone, finde ich echt cool was es so alles gibt als Apps. Toller Artikel

  • Jasmina Unais

    18.11.13 (21:06:19)

    Habe die App jetzt seit drei Tagen und bin völlig süchtig. Am lustigsten sind meine Freunde , die ich in die Comics integrierte. Machst Du jetzt in Cartoons war einer der häufigsten Kommentare und wie komm ICH denn darein...zu lustig. ..

  • Sandra

    19.11.13 (20:23:47)

    Bei mir funktioniert die App leider nicht. Was mache ich falsch? Es kommt immer "error log in" .... Help!!!!

  • Karin

    10.12.13 (19:27:05)

    Auf meinem Handy läuft die App nicht so gut. Hab den Avatar gelöscht und das Programm deinstaliert.Jetzt würde mich interessieren, warum meinen Kontakten mein Avatar immer noch angezeigt wird? Der sollte doch eigentlich nicht mehr sichtbar sein..einmal im Web - immer im Web? Da hätte ich gern mal Tipps, wie ich das ändern kann...

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