<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

08.04.14

Vielseitigere Finanzierungsoptionen: Schwarmfinanzierung wird erwachsen

Bislang erlangten internationale Crowdfunding-Portale, bei denen Geldgeber keine Anteile an den finanzierten Projekten bekommen, die mit Abstand größte Aufmerksamkeit bei Medien und Privatinvestoren. Doch länderübergreifende Akteure wie Seedrs und FundedByMe wollen dies ändern. Damit wird die Schwarmfinanzierung noch vielfältiger - und erwachsen.

Seedrs und FundedByMe

Der milliardenschwere Exit des in der Frühphase mittels Crowdfunding verwirklichten Virtual-Reality-Startups Oculus VR offenbarte - wie berichtet - eine der großen Schwächen der nicht renditeorientierten Schwarmfinanzierung: Wenn ein durch die kleinen Beiträge vieler Privatgeldgeber entstandenes Produkt oder Projekt verkauft wird, haben die ursprünglichen Unterstützer nichts davon.

Während es in Deutschland eine Reihe von Plattformen gibt, die als Alternative sogenanntes Crowdinvesting ermöglichen, bei dem Privatinvestoren Anteile am finanzierten Unterfangen erhalten und damit von künftigen Profiten, Akquisitionen oder Börsengängen profitieren, mangelte es bislang noch an international ausgerichteten Anbietern in diesem Segment. Doch das ändert sich gerade. Mit Seedrs ging 2013 eine nun langsam in Bewegung kommende, in Großbritannien angesiedelte Crowdinvesting-Plattform ins Netz, die sich explizit an Privatinvestoren in Europa richtet und damit das Reichweiten- und Sichtbarkeitsproblem von nationalen Plattformen zu umgehen versucht. Nur ein länderübergreifendes Crowdinvesting-Angebot hat die Chance, sich als ernsthafte Alternative zu den global führenden Crowdfunding-Services Kickstarter und Indiegogo zu etablieren.

Das Konzept von Seedrs ähnelt dem hiesiger Crowdinvesting-Services wie Seedmatch, Companisto, Innovestment oder Bergfürst, allerdings beträgt die Mindestsumme einer Beteiligung gerade einmal zehn britische Pfund (im Vergleich zu sonst üblichen 250 Euro, mit Ausnahme von Companisto). Um über Seedrs Geld in Startups pumpen zu können, müssen Nutzer zuvor einen Evaluationsprozess durchlaufen, in dem ihre Eignung als Crowdinvestor sichergestellt werden soll.

Neben Seedrs will mit dem schwedischen Dienst FundedByMe noch ein weiterer Akteur grenzüberschreitendes Crowdinvesting ermöglichen. Womöglich besitzen die Nordeuropäer das auf Dauer sinnvollste Modell - sie bieten nämlich drei verschiedene Finanzierungskonzepte unter einem Dach, zwischen denen die Initiatoren von Kampagnen das für sie geeigneteste Verfahren auswählen: belohnungsorientiertes Crowdfunding (à la Kickstarter), renditeorientiertes Crowdinvesting (wie Seedmatch oder Seedrs) sowie festverzinste Crowdarlehen mit zusätzlicher Auszahlungsoption im Falle eines Exits. Dieser Tage nimmt die Firma aus Stockholm auch offiziell ihren Betrieb in Deutschland auf.

Es kommt Bewegung in den Markt der Schwarmfinanzierung, jetzt wo sowohl Projektinitiatoren als auch Geldgeber genug Erfahrung mit diesem hocheffektiven Finanzierungssystem machen konnten, um zu wissen, was sie wollen und was sie fordern.

Es ist nicht auszuschließen, dass angesichts der aktuellen Branchentrends auch die Platzhirschen des klassischen Crowdfundings, Kickstarter und Indiegogo, demnächst die Palette ihrer angebotenen Beteiligungsformen erweitern werden. Damit in Zukunft jedes Projekt, vom Kreativorhaben bis hin zur kommerziellen Erfindung, das aus Sicht der Geldgeber fairste Finanzierungsmodell wählen kann.

Update: Companisto informierte uns, dass es seit März auch international ausgerichtet ist. Geldgeber kommen bereits aus 47 Ländern.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer