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26.09.11 08:21, von Martin Weigert

Viel Aufmerksamkeit für US-Startup: Bitcasa macht verschlüsselten Onlinespeicher sexy

Mit seinem Versprechen von unbegrenztem Cloudspeicher sowie einem intelligenten Verschlüsselungssystem sorgt das US-Startup Bitcasa für Aufsehen. Was der noch nicht öffentlich zugängliche Dienst anbieten will, erinnert in Teilen an Wuala.


 

Als vor zwei Wochen in San Francisco die TechCrunch Disrupt-Konferenz stattfand, fuhr der neue US-Dienst Bitcasa zwar ohne einen Preis vom Startup-Wettbewerb nach Hause. Was über die Dauer der Veranstaltung hinaus gehende Aufmerksamkeit betrifft, könnte jedoch keiner der am den Event partizipierenden Onlinedienste Bitcasa das Wasser reichen.

Angesichts des vollmundigen Versprechens, Nutzern für 10 Dollar monatlich unendlichen Speicherplatz in der Cloud zu bieten und den Kauf weiterer Festplatten überflüssig zu machen, ist dies auch gar nicht verwunderlich. Zumal der in einem stark eingeschränkten Beta-Stadium befindliche Service nicht nur einfach Daten in der Cloud ablegt und synchronisiert, sondern diese je nach Zugriffshäufigkeit streamt, wodurch lokale Versionen von Dateien überflüssig werden.

Clientseitige Verschlüsselung, die Zugriff durch Dritte erschwert

Während (nahezu) unbegrenzter Cloudspeicherplatz gegen Bezahlung auch von anderen Anbietern bereitgestellt wird, will sich Bitcasa vor allem durch eine fortgeschrittene Verschlüsselung von populären Konkurrenten wie Dropbox abheben. Denn während dort lediglich eine serverseitige Verschlüsselung zum Einsatz kommt, die zumindest in der Theorie den Zugriff auf Nutzerdaten durch Dritte erlaubt (z.B. US-Behörden), setzt Bitcasa auf eine clientseitige Verschlüsselung via AES-256. Da sich die Schlüssel auf den Geräten der Anwendern befindet, ist es den Bitcasa-Machern oder anderen externen Parteien somit nicht möglich, auf Nutzerdaten zuzugreifen.

Deduplizierung

Für Begeisterung, aber auch für gewisse Skepsis sorgte in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Bitcasa trotz der gewählten Verschlüsselungsart das Prinzip der Deduplizierung praktiziert, um redundante Daten zu identifizieren und zu eliminieren. Haben zwei Benutzer ein und die selbe Datei auf die Bitcasa-Server geladen, speichert der Dienst diese nur einmal. So lassen sich Serverressourcen sparen, was überhaupt Voraussetzung für die Bereitstellung von unlimitiertem Onlinespeicher ist.

Mit normalen Mitteln ist eine Deduplizierung bei einer clientseitigen Verschlüsselung aber eigentlich nicht möglich. Denn der Anbieter des Clouddienstes hat dann keine Möglichkeit, die Daten zu entschlüsseln. Das wäre aber Voraussetzung, um identische Dateien aufzuspüren.

Indem Bitcasa aber die Schlüssel aus der Struktur der jeweiligen Dateien ableitet, ist es laut Gründer und CEO Tony Gauda in der Lage, Duplikate zu identifizieren, ohne dass dafür eine Entschlüsselung der Datei notwendig ist. Identische Dateien gleichen sich dann nämlich auch in verschlüsselter Form. Dieses System heißt "Convergent Encryption" und ist keine Erfindung von Bitcasa. Das US-Startup habe lediglich zahlreiche andere Dinge entwickelt, um diesen Verschlüsselungsmechanismus großartig zu machen, so Gauda.

Ähnlichkeiten zu Wuala

Während Bitcasa zumindest auf dem Papier nach einem recht beeindruckenden Dienst klingt, wunderte es mich, dass in der Berichterstattung zu dem Service so selten der Name Wuala fällt. Denn das Angebot des Zürcher Onlinespeicherservice ist dem Bitcasa-Unterfangen nicht unähnlich.

Auch Wuala bietet Cloudstorage mit Backup- sowie Synchronisationsfunktion und verwendet eine clientseitige AES-256-Verschüsselung. Und gemäß Wuala-CTO Habe Luzius kommt auch bei bei den Schweizern eine konvergente Verschüsselung zum Einsatz.

Bitcasa beherrscht sein Marketing

Ohne Bitcasa selbst ausprobiert zu haben, scheint der offensichtlichste Unterschied zwischen den zwei Angeboten im Unbegrenzt-Versprechen der US-Amerikaner zu liegen, das mit Streaming und lokalen Caching einzelner Dateien realisiert wird. Am Wuala-Hauptsitz in Zürich teilt man die allgemeine Begeisterung für Bitcasa erwartungsgemäß nicht. "Bitcasas unbegrenzter Cloudspeicher ist eher eine Marketing-Neuheit als ein technisches Novum", so CTO Luzius. Zumal der entscheidende Engpass nach seinen Worten ohnehin nicht in der Kapazität sondern in der Upload-Geschwindigkeit liegt.

Von kleinen Brötchen hält man bei Wuala aber ähnlich wie beim Newcomer Bitcasa auch nichts. "Wuala soll zum Dashboard aller Daten werden, egal wo sie sind: auf verschiedenen Rechnern, Smartphones, Dateiservern oder in der Cloud", beschreibt Wuala-Mitgründer Dominik Grolimund die ambitionierte Vision des Dienstes.

Link: BitcasaWuala

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Kommentare: Viel Aufmerksamkeit für US-Startup: Bitcasa macht verschlüsselten Onlinespeicher sexy

technisches novum hin oder her, für mich als nutzer macht es einen riesigen unterschied ob ich 1GB oder unendlich viel speicher gratis bekomme.

Diese Nachricht wurde von Swonkie am 26.09.11 (12:24:36) kommentiert.

Bei Bitcasa werden auch 10 Dollar monatlich fällig (diese Information hatte ich im Artikel unterschlagen, habe ich jetzt noch hinzugefügt). Wobei es eigentlich keinen Zweifel daran geben sollte, dass unendlicher Cloud-Speicher nicht nachhaltig und dauerhaft gratis angeboten werden kann.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 26.09.11 (13:16:48) kommentiert.
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