08.04.09 15:18, von Marcel Weiß

Video aus dem Inneren eines Google-Rechenzentrums

Hält man sich die Hardware, die Google im Hintergrund aufgebaut hat, vor Augen, wird deutlich, wie hoch die Markteintrittsbarrieren bei der allgemeinen Websuche mittlerweile liegen.


Google hat über die Jahre weltweit Rechenzentren aufgebaut. Royal Pingdom zählte vor einem Jahr 36 weltweit: 19 in den USA, 12 in Europa, 3 in Asien und eins jeweils in Russland und Süd-Amerika.

Google-Rechenzentren weltweit, Quelle: Royal Pingdom

Cnet hat letztes Jahr ausführlich über den Aufbau der Rechenzentren von Google berichtet. heise schrieb vor ein paar Tagen über die Server:

Aktuell ist die sechste oder siebte Generation der Server im Einsatz. Dabei hat man besonders die "Power Usage Effectiveness" im Auge, also der Anteil der Leistung, der nicht direkt in die Berechnung fließt, sondern in Hilfsanwendungen wie Kühlung und Beleuchtung. Dieser Faktor sinkt derzeit von 1,21 (3. Quartal 2008) auf 1,19 im ersten Quartal 2009, die Effizienz steigt also.

Google hat nun ein Video über den Aufbau eines seiner Rechenzentren veröffentlicht:

 

(via Google Blogoscoped)

Die am Anfang genannten Zahlen und das Video machen deutlich, wie viel hinter Google steht. Wann immer über mögliche Konkurrenten zu Google im Markt der Volltextsuchen gesprochen wird, muss ich ein bisschen schmunzeln. Es ist für Startups mittlerweile nahezu unmöglich, sich erfolgreich mit dieser Infrastruktur anzulegen.

Die einzigen, die es in dieser Größenordnung aktuell aus finanzieller Sicht noch mit Google aufnehmen können, sind Yahoo und Microsoft. Und beide scheitern aktuell kläglich, zumindest was die Marktanteile angeht. Startups haben keine Chance, wenn sie auf die gleiche Grundlage - Volltextsuche - setzen. Die Markteintrittsbarrieren sind durch die Übermacht von Google und seinem Hardware-Vorsprung nahezu uneinholbar.

Bei all dem liefert Google auch kein als qualitativ schlecht wahrgenommenes Produkt, wie man es oft bei monopolistischer oder quasi-monopolistischer Marktbeherrschung sieht. Das deutet darauf hin, dass Google aus der Geschichte gelernt hat und monopolistisches Verhalten zu vermeiden versucht.

Fazit: Googles Allmacht kann nur noch von der Seite disruptiert werden. Durch Facebook etwa. Oder Social Media allgemein.

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Kommentare: Video aus dem Inneren eines Google-Rechenzentrums

Schöner Artikel, allerdings müsste es in der Einleitung doch bestimmt Süd-Amerika heissen und nicht Südafrika...

Diese Nachricht wurde von Uwe am 08.04.09 (16:03:25) kommentiert.

Stimmt auffallend. Habe es korrigiert. Danke!

Diese Nachricht wurde von Marcel Weiss am 08.04.09 (16:34:55) kommentiert.

Das ist schon beeindruckend - und jemand, der Google nicht traut, könnte sagen: Container und Big Brother, na das passt ja... ;-) Die Markteintrittsbarrieren erscheinen wirklich sehr groß. Andererseits: Könnte diese Hürde nicht mittels Cloud Computing überwunden werden? Ein Start-up mit einem guten Geschäftsmodell, bei dem die Einnahmen direkt mit dem Traffic wachsen, könnte die entsprechenden Kapazitäten vielleicht doch anmieten. Allerdings dürfte gerade Google (wo Yahoo sich die Chance entgehen ließ) vielversprechende Firmen im Suchbereich im Zweifel einfach kaufen. Die öffentliche Wahrnehmung ist für Google sehr wichtig. Solange die Nutzer zufrieden sind und Google vertrauen, ist Googles Position extrem stark. Doch gäbe es einen richtig großen Datenskandal, könnte sich das Blatt wenden. Angriff von der Seite: Ich denke ja, dass die Integration einer leistungsstarken Suchmaschine direkt in die Oberfläche von Facebook ein denkbares Szenario wäre. Google versucht ja auch, seine Nutzer immer besser "kennen zu lernen". Die Daten von Facebook könnten sehr persönliche Suchergebnisse ermöglichen - mit dieser Basis könnten andere Schwächen möglicherweise gut ausgeglichen werden.

Diese Nachricht wurde von Oliver Springer am 08.04.09 (17:12:33) kommentiert.

@Oliver Springer: Stimmt, eine Suchmaschine, umgesetzt mit den AWS, wäre interessant. Ich weiß aber nicht, ob die Zahlen da letztlich wirklich funktionieren. Immerhin wäre es Cloud gegen Cloud. Und egal welchen Cloud-Computing-Anbieter du einsetzt, du hättest als Startup immer eine zweiter Partei, die mitverdienen will und wärst damit immer im Nachteil gegenüber Google, dass seine eigene Cloud betreibt.

Diese Nachricht wurde von Marcel Weiss am 08.04.09 (20:17:07) kommentiert.

Gibts eigentlich einen Grund dafür, dass Google in letzter Zeit soviel über seine Infrastruktur sagt (erst die Server, jetzt das Rechenzentrum)?

Diese Nachricht wurde von Lutz am 08.04.09 (20:51:18) kommentiert.

Lutz, vielleicht geht es um Präventivmassnahmen gegen künftige unsinnige Umwelt-Vorwürfe wie diesem hier vom Januar.

Diese Nachricht wurde von Marcel Weiss am 08.04.09 (22:03:12) kommentiert.

@Lutz: Google will ihre Servertechnik lizenzieren. Sie nutzen z.b. Netzteile mit Akkus Anstelle zentraler Stromsicherungslösungen, oder Mainboards ohne Grafik. Sicher ne gute Entscheidung um etwas weniger Abhängig vom Werbemarkt zu sein.

Diese Nachricht wurde von ben am 09.04.09 (09:07:49) kommentiert.

Ich frag mich echt was es für ein Startup einen Sinn macht, zu versuchen das ganze Internet zu indexieren. Wie beschrieben ist der Aufwand einfach zu gross und dann ist dieser Ansatz in Bezug zu Suchtechnik ja nicht wirklich innovativ. Was anderes ists natürlich für Google, da sie ja auch kontextorientierte Werbung anbieten. Der letzte der diesen Ansatz übrignes versucht hat war Jimmy Wales (Wikipedia Gründer) mit http://search.wikia.com. Das Projekt ist mittlerweile aber gestoppt. Uebrigens hat Yahoo seinen Suchindex öffentlich gemacht, wer also auf riesige Search-Indexes steht, der kann auch YAHOO! BOSS nutzen. Aber warum sollte also ein Startup versuchen das gleiche wie Google (nachzu)machen, denn Google besitzt ja obenfrauf auch das Patentmonopol in Form ihrer PageRank und AdSense Technologie. Soweit meines Erachtens nicht wirklich der Ansatz für die Suchrevolution. Ich denk mir, die klassische Suche über *einen* Suchanbieter gerät eher über Folksonomy-Sites wie del.icio.us oder die konfiguriertbaren Search-Engines im Webbrowser in Bedrängnis. Der Folksonomy-Ansatz ist dabei ja durchaus community-basiert. Das heisst man scannt nicht mehr das ganze Internet und sucht sich dann die relevanten Seiten raus, sondern sammelt nur die wertvollen Seiten. So eine Art von Top-Down to Bottom-Up.

Diese Nachricht wurde von ben am 09.04.09 (09:54:07) kommentiert.

Ist das nicht ein bisschen kurz gedacht? Seit wann braucht man eine gigantische Infrastruktur um das System zu ficken? Der Punkt ist doch, dass Google den größten Teil seiner Infrastruktur wohl eher für andere Dinge als die Suche einsetzt. Maps, Google Earth, Adesene und GMail dürften erheblich aufwändiger sein. Ich sehe die Hauptkonkurrenten klassischer Suchmaschinen immernoch im Social Bookmarking. Allerdings scheinen das die Anbieter in diesen Bereichen eher nicht zu erkennen. Es bleibt aber der Grundgedanke: Es ist zu keiner Zeit ausgeschlossen, dass irgendein Teenager plötzlich ein Suchmaschinenimperium wie Google zu fall bringt. Zumindest was die Suchmaschine angeht. Und die ist ja für Google mitlerweile auch eher Beiwerk. Oder habe ich falsch in erinnerung, dass der Großteil der AdSense Umsätze gar nicht aus den Suchmaschinenergebnissen, sondern der Einbindung in fremden Seite resulitert? Gibts eigentlich was neues von WolframAlpha? Da würde ich gern mal einen Netzwertig Test drüber lesen. Allerdings scheinen die ja mit Ihren Beta-Zugängen etwas knauserig zu sein.

Diese Nachricht wurde von hathead am 09.04.09 (10:00:23) kommentiert.

Ich bin mir da nicht so sicher, ob Google der Weisheit letzter Schluss ist. Momentan hat Google zweifellos eine hervorragende Marktposition und wird sie auch erstmal behalten. Wenn man sich überlegt, was Google mit Daten aus Suche, Gmail, Advertising, YouTube, Picasa, Analytics, etc. alles anstellen könnte, wird einem mulmig. Die Google-Dienste sind aber für eine Mehrzahl der Menschen dermaßen gut, praktisch, komfortabel, nützlich, dass man die möglichen Probleme, die als solche auch kaum für die meisten Nutzer erkennbar sind, in Kauf nimmt. Schon heute mehren sich die Stimmen, die es für bedenklich halten, dass ein großer Teil der Internetsuche über Google läuft. Ich bin mir daher sicher, dass es in naher Zukunft Entwicklungen geben wird, die Googles Vormachtstellung angreifen werden. Momentan kann man sich das alles schlecht vorstellen, aber ich zitiere mal jemanden (weiß nicht mehr, wer es war): "Nur weil etwas so ist, muss es (in Zukunft) nicht so sein."

Diese Nachricht wurde von Walter Werschinger am 09.04.09 (13:32:34) kommentiert.

@ben: Stimmt Yahoo BOSS sollte man nicht vergessen. "Ich denk mir, die klassische Suche über *einen* Suchanbieter gerät eher über Folksonomy-Sites wie del.icio.us oder die konfiguriertbaren Search-Engines im Webbrowser in Bedrängnis. Der Folksonomy-Ansatz ist dabei ja durchaus community-basiert." Genau das meinte ich mit den letzten zwei Sätzen. Warum Yahoo delicious nicht stärker zum datamining nutzt, ist mir schleierhaft. @hathead: MWn hat noch niemand WolframAlpha ausführlich testen können. Bis jetzt gab es semantische Suchmaschinen immer nur begrenzt auf einen kleinen Teil des Webs (Powerset zB. auf Wikipedia beschränkt). Semantische Suche wird mMn generell überschätzt. Genau so wie Social Bookmarking im Suchbereich unterschätzt wird. Oder Microblogging-Geschichten wie Twitter oder FriendFeed.

Diese Nachricht wurde von Marcel Weiss am 09.04.09 (14:03:13) kommentiert.

Die ersten Eindrücke von Wolfram Alpha, von Leuten, die sich mit dem Search/Datamining-Thema gut auskennen gibt es ja inzwischen, z.B.: http://thenoisychannel.com/2009/03/31/wolfram-alpha-first-hand-impressions/ http://www.semanticuniverse.com/blogs-i-was-positively-impressed-wolfram-alpha.html Kurze Zusammenfassung: Wolfram Alpha ist keine Suchmaschine, sondern faktenbasiertes Question Answering.

Diese Nachricht wurde von flawed am 09.04.09 (23:05:33) kommentiert.
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