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12.01.11Leser-Kommentare

Vernetzung: An der Schwelle zum Internet der Dinge

Im vergangenen Jahrzehnt erhielten PCs und Mobiltelefone Zugang zum Internet. Jetzt folgen alle anderen Dinge aus unserem Alltag.

 

Auf die erste Dekade des 21. Jahrhunderts wird man in Zukunft als die Dekade zurückblicken, in der das Internet zum Massenphänomen wurde. Charakteristisch für die Zeit zwischen 2000 und 2010 war die Vernetzung sämtlicher auf dem Markt befindlicher PCs sowie anderer Gerätschaften, welche über einen einigermaßen leistungsfähigen, vom Anwender aktiv und bewusst eingesetzten Computer verfügten (z.B. Mobiltelefone und Spielkonsolen).

Dieser Prozess ist mittlerweile nahezu abgeschlossen. Heutzutage werden so gut wie keine Rechner, Smartphones oder Unterhaltungscomputer mehr gefertigt, die nicht internetfähig sind. Bedeutet dies, dass sich die Zahl vernetzter Geräte nun nicht mehr nennenswert erhöhen wird? Nein, im Gegenteil. Denn was nun folgt, ist das Internet der Dinge.

Bereits seit 2010, aber spätestens 2011, spielt die Vernetzung von Geräten abseits der klassischen Heim-, Büro- und Minicomputer eine immer wichtigere Rolle. Ansätze sieht man überall: Mit dem Internet verbundene Fernseher, Blu-ray-Player oder Soundsysteme sind nur die Anfänge und ein Zeichen für das, was uns in den kommenden Jahren bevorsteht:

Geräte des Alltags, die wir bisher nicht bewusst als Computer wahrgenommen haben, können demnächst über WLAN oder ein anderes Funknetz "online gehen", sich Informationen aus dem Internet herunterladen, Daten verschicken oder mit anderen Computern im oder außerhalb vom Haushalt kommunizieren.

Google Trends: &quot;Internet of Things&quot;

Vor wenigen Tagen kündigte LG eine Serie von internetfähigen Haushaltsgeräten an. Die ThinQ-Reihe beinhaltet intelligente Kühlschränke, Geschirrspüler, Waschmaschinen und Backöfen. Ein smarter LG-Backofen kann beispielsweise Instruktionen herunterladen, um die optimalen Einstellungen zur Zubereitung bestimmter Gerichte zu finden. Die Waschmaschine ist in der Lage, sich spezielle Waschprogramme aus dem Web zu besorgen, um hartnäckige Flecken zu entfernen, und der Kühlschrank lässt sich aus der Ferne wärmer oder kälter schalten und informiert rechtzeitig darüber, wenn bestimmte Lebensmittel neu eingekauft werden müssen.

Ein anderer Bereich unseres Lebens, der sich in den nächsten Jahren durch eine Vernetzung und Digitalisierung radikal ändern wird, sind Automobile. Modelle mit UMTS-Anschluss und der Fähigkeit, ein WLAN-Signal zu erstellen, sind bereits auf dem Markt. Auf der diesjährigen CES in Las Vegas gaben sich die Autohersteller die Klinke in die Hand und präsentierten ihre mit Technologie vollgestopften, internetfähigen Neuheiten auf vier Rädern.

Der Tag wird kommen, an dem alle unsere fahrbaren Untersätze über eine eigene IP-Adresse verfügen (IPv6 sei Dank) und per Smartphone-Anweisung des Nutzers morgens die Standheizung einschalten, auf dem integrierten Touchdisplay eine automatisch vom Kühlschrank erstellte Einkaufsliste anzeigen oder unsere Freunde über die baldige Ankunft informieren können.

35 Milliarden Geräte sind laut Cisco-Chief-Futurist Dave Evans bereits mit dem Internet verbunden, also schon heute weit mehr, als die Erde Bewohner hat. Möglich sind seiner Ansicht nach jedoch eine Billion vernetzte Geräte (1000 Milliarden), und das beinhaltet unter anderem Objekte der städtischen Infrastruktur, Stromzähler und sogar Tiere, die einen RFID-Chip mit sich herumtragen und so zum Bestandteil des globalen Netzes werden.

Das Internet der Dinge wird nicht nur unseren Alltag wandeln, sondern auch für eine Welle an Innovationen sorgen. Onlinestartups werden nicht mehr länger nur Lösungen anbieten, die über PCs oder Mobiltelefone zum Einsatz kommen, sondern ihre Konzepte auf andere, mit dem Web verbundene Dinge ausweiten. Dass wir im Jahr 2010/2011 schon davon begeistert sind, mit einem Smartphone unseren Standort publizieren oder über den Fernseher auch ins Internet gelangen zu können, dürfte uns in zehn Jahren unter Garantie ziemlich primitiv erscheinen. Die gerade angelaufene Dekade wird es in sich haben!

Lesetipps zum Internet der Dinge:

Ein Dank geht an @Nerddeutschland sowie @kulturvampier für jeweils einen Linktipp.

(Foto: stock.xchng)

Kommentare

  • Michael

    12.01.11 (12:55:30)

    Erinnert mich wiedermal an die geniale Präsentation von Vlad Trifa, damals im Internet Briefing zum Thema "web of things" (http://www.webofthings.com). Ich wäre schon glücklich wenn mir die Waschmaschine sagen würde, dass sie frei ist ;-).

  • Meeresbiologe

    12.01.11 (13:28:37)

    Internetfernsehen ist sicher voll im Anmarsch. Den ganzen Rest wie intelligenten Kühlschrank, Internet im Auto, Internetherd usw. halte ich vorerst für recht überflüssigen Schnickschnack und deshalb für Zukunftsmusik. Wichtiges Kriterium für neue technische Entwicklungen ist der Bedarf an ihnen. Den sehe ich für vernetzte Haushaltsgeräte vorerst nicht. Für Internet im Auto gibt es vorerst Smartphones - der intelligente Straßenverkehr ist noch Zukunftsmusik. Die im Artikel prognostizierte Totalvernetzung von Haushaltsgeräten und der damit verbundene Zuwachs an weiterem Information Overload kann auch schnell zu Überdruss an weiteren solchen neuen technischen Möglichkeiten führen. Es könnte sein, dass Menschen einfach selbst die Temperatur im Herd einstellen wollen, mit heutigen Waschprogrammen bestens bedient sind und selbst bestimmen wollen, was sie einkaufen. Erste Anfänge von RFID + vernetztem Kühlschrank sehe ich, wenn überhaupt, in frühestens fünf Jahren. Davor steht erstmal vor allem eine weitere Verbreitung des mobilen Internets zu einer Alltagsnutzung an, die ja so massenweise noch garnicht verbreitet ist.

  • tm78654

    12.01.11 (15:24:07)

    Bevor RFID mit dazu kommt, muss man die Produktionsbetriebe davon überzeugen, dass sie auch einen Vorteil davon haben. Im Lebensmittelbereich sind wir da noch eine Jahre von weg. Der Handel (Metro) hätte zwar am liebsten gestern schon RFID, aber um die zufrieden zu stellen, tun wir noch längst nicht alles. So lange es keine RFID-Pflicht auf Verkaufspackungsebene gibt, so lange wird sich da auf der Herstellerseite auch wenig tun, denn eine Etikettierung auf Ebene der Versandeinheit reicht für uns völlig aus. Projekt- sowie Folgekosten sind (noch) deutlich zu hoch, um ein paar early adaptors von neuen Kühlschränken glücklich zu machen. Aber es muss ja nicht der große Wurf sein, der mir immer den aktuelle Bestand meines Kühlschranks durchgibt, sondern mir würde z.b. die Waschmaschine schon reichen, die mir per Mail/Twitter/sms mitteilt, dass sie fertig ist. Mikrowelle und Backofen damit auszustatten, könnte sich ebenfalls lohnen. Dafür wäre ich zum Beispiel bereit, etwas mehr Geld auszugeben. Andere use-cases müsste man halt noch erfinden, aber wenn die Technik erst mal eingebaut ist, wird das sowieso meist ein Selbstläufer. Lampen, Türklingeln, Rolladen usw. eigenen sich wohl besser für das Internet der Dinge als Verbrauchsartikel.

  • Oliver Springer

    12.01.11 (16:33:17)

    Ja, alles wird künftig mit dem Internet verbunden sein. Damit der Kühlschrank weiß, was in ihm steckt, braucht man nicht unbedingt RFID-Chips auf allen Verpackungen. Über Kameras könnte der Kühlschrank auch "sehen", was er zu bieten hat. Dabei müssen die Gegenstände nicht allein vom Äußeren her erkannt werden. Die meisten sind schließlich eh beschriftet, sodass die Texte erkannt werden könnten. Zusätzlich können die Barcodes analysiert werden. Aber: Statt recht teure RFID-Chips herzustellen, könnten die Hersteller auch QR-Codes gut erkennbar auf ihre Produkte drucken. Die wären ja nicht nur für den Kühlschrank, sondern könnten (im jetzigen Stadium) mit Smartphones zum Informationsabruf von Kunden noch im Geschäft genutzt werden. Für die weitere Zukunft möchte ich hoffen, dass man sich um seine Einkäufe und Vorräte gar keine Gedanken mehr machen muss. Die Menschen möchten Essen - nicht Lebensmittel einkaufen. Und im Rahmen neuer, intelligenter Mobilitätskonzepte erledigt sich das mit dem eigenen Auto möglicherweise sowieso.

  • UliSoft

    12.01.11 (17:14:13)

    Also ich finde die Vorstellung einer Welt, in der alles miteinander vernetzt ist gruselig. Ich meine da gab es auch schon einen ganz bekannten Science-Fiction Film, in dem die Maschinen einen eigenen Willen entwickelt haben und die Menschheit angegriffen haben. Mir fällt gerade nur der Name nicht ein. Was ist, wenn solche zukünftigen Embedded Systeme mit Internetzugang Viren bekommen?

  • Alexander Stocker

    12.01.11 (21:45:31)

    Guter Beitrag. Bei Joanneum Research in Graz beschäftigen wir uns seit einiger Zeit intensiv mit dem IoT. Ich erlaube mir daher, hier auf meinen eigenen Blog-Beitrag zu verlinken: Das Internet der Dinge kommt http://www.alexanderstocker.at/2010/12/das-internet-der-dinge-kommt.html

  • Dr.-Schiwago-Mutter

    13.01.11 (10:38:41)

    Ich sehe das grad umgekehrt wie der Meeresbiologie: was für eine idiotische Verschwendung, die Netzinfrastruktur für tumbes "Fernsehen mit Rückkanal" zu vergewaltigen. Dann lieber den vernetzten Kühlschrank.

  • eric

    13.01.11 (11:01:02)

    Beim "Internet of Things" muss ich unweigerlich an den charmanten, aber leider relativ disfunktionalen Nabaztag-Hasen und seinen Schöpfer denken: http://www.violet.net/violets-dream.html

  • Spinnzessin

    13.01.11 (21:29:47)

    Nette Idee, aber entschuldigt mich bitte, ich muss mal eben die LKWs mit den 200.000 Tiefkühlpizzen wieder wegschicken, die mein Kühlschrank bestellt hat ;-).

  • Meeresbiologe

    14.01.11 (09:12:17)

    Hallo Schiwago, bei den jetzt aufkommenden Internetfernsehern handelt es sich, soviel ich mitbekommen habe, vorerst nicht primär und allein um Fernsehen aus dem Internet, sondern um Kombinationen der beiden Medien des herkömmlichen Fernsehens und Internet. Herkömmlicher Fernsehempfang aus dem Kabel, "aus der Luft" u.ä. wird weiter gewährleistet, nur angereichert ums Internet, insbesondere die zahlreichen Video- und Mediathekenplattformen im Internet. Reines Fernsehen aus dem Internet werden wir so schnell wohl nicht sehen, weil das die dafür nötigen Bandbreiten wohl so schnell nicht hergeben. Und den vernetzten Kühlschrank halte ich vorerst für Humbug, braucht vorerst kaum jemand. Das wäre eine Luxusentwicklung, an die beim jetzigen Stand der technischen. Entwicklung vielleicht in zehn Jahren mal zu denken ist. Ich habe das Gefühl, dass ich solchen Quatsch überhaupt nicht brauche. Obwohl eine weitere Vernetzung des Einzelhandels und von Einzelhandelsbestellungen natürlich auch einiges für sich hat. Liegt aber m.M. noch in weiter Ferne.

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