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10.06.14

Vernetztes Haus: Apples HomeKit ist kein Erfolgsgarant, aber die bislang kraftvollste Initiative

Apples Framework für das intelligente Haus, HomeKit, hat gute Voraussetzungen, das smarte Heim endlich salonfähig zu machen. Eine Garantie für Erfolg gibt es nicht. Vieles hängt davon ab, ob sich Gadget-Hersteller ködern lassen - und ob es Apple wirklich ernst ist.

HomeKitAls Apple auf seiner Entwicklerkonferenz in der vergangenen Woche die Smart-Home-Plattform HomeKit präsentierte, war das keine Überraschung: Eine entsprechende Meldung machte bereits im Vorfeld ihre Runde durch die Presse. Nun, einige Tage nach der offiziellen Ankündigung, bleibt erst einmal offen, inwieweit HomeKit, das als Teil von iOS 8 im Herbst veröffentlich wird, sich zu einem Turbolader für das intelligente Heim entwickeln kann. Vieles hängt davon ab, ob Hersteller von smarten Haushaltsgeräten und Gadgets Apples HomeKit-APIs unterstützen werden.

Das ist durchaus wahrscheinlich. Denn sie können davon ausgehen, dass der Computerhersteller die neuen Möglichkeiten zur Steuerung des Hauses über Apps in seinem Marketing hervorheben wird. Wenn dies geschieht, dürfen die Hersteller von vernetzten Glühbirnen, Waagen, Steckdosen und Klimaanlagen auf eine erhöhte Nachfrage hoffen. Genau deren Fehlen gehörte bislang zu den entscheidenden Hindernissen, was den Aufstieg des Smart Homes anging: Für Konsumenten mangelt es an Anreizen, sich ernsthaft mit dem Theme auseinanderzusetzen und Geld in Geräte zu investieren. Mit einem (oder zwei) Giganten, die in die Bekanntmachung des Themas investieren, würde sich all dies sehr wahrscheinlich ändern. Wie in diesem Mashable-Artikel erläutert, werden iOS8-Nutzer über die native HomeKit-App einzelne Räume und unterstützte Geräte mit Namen versehen und anschließend einzeln oder gruppiert per Sprachbefehl an Siri steuern können. Das Ganze funktioniert vor Ort sowie aus der Ferne. Die Kommunikation zwischen iOS und "angeschlossenen" Gerätschaften erfolgt mittels Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Außerdem lassen sich HomeKit-APIs nur nutzen, wenn eine App von Nutzern aktiv im Vordergrund eingesetzt wird. So soll unberechtigter und missbräuchlicher Einsatz des Frameworks verhindert werden.

TadoEiner der ersten Gadget-Produzenten, der einen Support von HomeKit in Aussicht gestellt hat, ist das Münchner Startup Tado. Dieses führt wie berichtet gerade eine Crowdfunding-Kampagne zur Realisierung einer smarten Fernbedienung für Klimaanlagen durch. Das ursprüngliche Fundingziel von 150.000 Dollar wurde mittlerweile erreicht. Die Münchner veranlasste dies zur Erweiterung der Aktion um ein zweites Ziel: Sollte bis zum Ende der Kampagnendauer am Mittwochabend die Marke von 200.000 Dollar geknackt werden, so erhält das tado Cooling genannte Produkt zum Debüt im Herbst sofortige HomeKit-Integration.

Tado nennt als Einsatzszenarien, die dann möglich werden, die Justierung der Raumtemperatur per Sprachbefehl oder per kurzer Betätigung des Home Buttons, oder die kombinierte Steuerung von Klimaanlagen und anderen Haushaltsgeräten beziehungsweise die Interaktion mit anderen Geräten. Ohne eingebaute HomeKit-Unterstützung wären Tado-Nutzer gezwungen, die Tado-App zu verwenden, und müssten auf die gruppierte Steuerung von Smart Devices verzichten.

Die Pläne von Tado unterstreichen den entscheidenden Vorteil des HomeKit-Ansatzes gegenüber aktuellen, isolierten, nicht direkt in ein Betriebssystem eingebetteten Lösungen zur Steuerung von Geräten wie etwa IFTTT oder SmartThings: Nutzer erhalten quasi ab Werk mit ihrem Smartphone ein zentralisiertes Tool an die Hand, dessen Urheber (Apple) sie zudem seit langem vertrauen. Schafft Apple es, sein bei Fans weitgehend exzellentes Image auf intelligente Haushaltsgeräte zu übertragen und die gewohnte Simplizität und Zuverlässigkeit zu liefern, dann steht dem vernetzten Haus eine rosige Zukunft bevor. Es sei denn, Konsumenten verzichten trotz allem auf die Anschaffung entsprechender Geräte. Wie sie sich verhalten werden, liegt derzeit zu einem signifikanten Teil in den Händen von Apple. /mw

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