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24.05.13Leser-Kommentare

Verkuppeln von Facebook-Kontakten: Warum Bang With Friends wegweisend ist

Bang With Friends hat nicht nur Fans. Doch der kalifornische Dienst, der es Facebook-Nutzern leicht machen will, potenzielle Bettgenossen und -genossinen unter ihren Kontakten zu finden, ist konzeptionell wegweisend.

Nahezu jeder Mensch, von einigen Ausnahmen abgesehen, hat gelegentlich ein Bedürfnis an zwischenmenschlicher Nähe und sexuellem Kontakt. Doch die moderne Gesellschaft und die mit ihr etablierten Moralvorstellungen, Verhaltensnormen und sozialen Konventionen sorgen dafür, dass dieses Verlangen im Alltag und öffentlichen Leben unterdrückt oder vorrangig subtil zur Schau gestellt wird. Nur wer sich in das Getümmel des Nachtlebens stürzt oder bestimmte großstädtische Gegenden aufsucht, kann beobachten, wie Menschen ihre gesitteten Masken unbekümmert fallen lassen.

Eine Folge dieser Konstellation ist, dass viele eine Anziehungskraft füreinander verspürende Personen niemals zueinander finden. Weil niemand den ersten Schritt machen möchte, weil beide die Signale nicht richtig deuten oder weil die individuelle soziale Dynamik gemeinsame Liebesabenteuer erschwert. Mit Bang With Friends versucht seit einigen Monaten ein kontroverses Startup, die Hindernisse auf dem Weg zu sexuellen Begegnungen zwischen miteinander befreundeten oder bekannten Facebook-Kontakten aus dem Weg zu räumen. Nutzer authentifizieren sich dazu bei Bang With Friends mit ihrem Facebook-Konto. Anschließend präsentiert ihnen der Service, der auch als App für Android angeboten wird (Apple, bekanntlich eher prüde, warf die Anwendung wenige Tage nach dem Debüt aus dem App Store), eine fotobasierte Übersicht ihrer Facebook-Kontakte. Gibt es darunter einige, mit denen sie gerne einmal das Bett teilen würden, markieren sie diese. Die jeweilige Person erfährt davon nichts, es sei denn, sie probiert Bang With Friends eines Tages ebenfalls aus und erwidert das sexuelle Interesse durch einen entsprechenden Klick. Bang With Friends informiert dann die "Betroffenen" per Mail und überlässt ihnen den Rest. Der kalifornische Dienst, zu dessen Initiatoren bis vor kurzem nichts bekannt war, hat angesichts des pikanten, freie und kurzfristige Liebe propagierenden Konzepts wenig überraschend nicht nur Befürworter. Ins Kreuzfeuer geriet er auch, weil er, großzügige Facebook-Privatsphäreeinstellungen vorausgesetzt, Fremden über die eigene Anwesenheit bei dem Service Auskunft gibt.

Doch moralische Bedenken, Datenschutzsorgen sowie die Zweifel an der Seriosität der Anwendung haben Bang With Friends nicht daran gehindert, den anfänglichen Ruf einer PR-Einstagsfliege abzulegen und sich zu einem ernstzunehmenden Startup zum Verkuppeln von Freunden und Bekannten zu mausern. Valleywag berichtet in einem Beitrag über den versehentlich entlarvten Bang With Friends Co-Founder Colin Hodge und nennt einige Zahlen zur Nutzung. Mehr als eine Million Menschen verwenden Bang With Friends demnach, mehr als 70.000 Logins erfolgen täglich (wobei regelmäßig Einloggen eigentlich nicht erforderlich ist). 19 Millionen Mal wurden Facebook-Nutzer von ihren Kontakten bisher als anvisierte Sexpartner auserkoren, durchschnittlich 19 pro Person. Und die wichtigste Metrik: Nach Aussage von Hodge sei es bisher zu mehr als 200.000 "Paaren" gekommen, also Situationen, in denen zwei Personen jeweils gegenseitiges Interesse signalisiert haben. Deutschland ist das Land mit den drittmeisten Nutzern, hinter Brasilien und den USA.

Ich halte das grundsätzliche Konzept von Bang With Friends für wegweisend. Ob letztlich genau dieser Service mit seiner sehr eindeutigen, auf schnellen Sex ausgerichteten Positionierung und dem kein Blatt vor den Mund nehmenden Namen die Akzeptanz der breiten Masse erhalten wird oder nicht, sei dahingestellt. Fakt ist aber, dass eine enorme Zahl an potenziellen Liebesbeziehungen aufgrund oben beschriebener Faktoren nicht zustande kommt, und dass in jedem beliebigen Moment Millionen von Facebook-Anwendern sehnsüchtig durch die Fotos von Kontakten scrollen, mit denen sie gerne ein Nacht verbringen oder zumindest auf ein echtes Date gehen würden. Wie beim klassischen, auf das Kennenlernen von zuvor Fremden ausgerichteten Onlindating ist Technologie auch in der Lage, Personen einander näher zu bringen, die zwar bereits miteinander vernetzt und damit mindestens flüchtig bekannt sind, aber es noch nicht geschafft haben, sich gegenseitig ihre Zuneigung zu zeigen. Wenn es einem Service gelingt, diesen einsamen Seelen im großen Stil ohne viel Scham und Peinlichkeit gemeinsame Dates zu verschaffen, dann steht ihm eine große Zukunft bevor. /mw

Link: Bang With Friends

Kommentare

  • Jürgen Vielmeier

    24.05.13 (16:52:32)

    Lustig, dass es gerade heute ein Update der Dating-App Tinder gab, die ein ähnliches Prinzip verfolgt. Facebook-Nutzer können ihre Freunde miteinander verkuppeln, wenn sie meinen, dass sie gut zueinander passen.

  • Hans-Peter

    26.05.13 (14:10:51)

    Und nebenbei wissen Facebook und andere Datenkraken genauestens darüber Bescheid wer es mit wem bereits gemacht hat? Das ist ja lustig.

  • Martin Weigert

    27.05.13 (07:20:19)

    Selbst wenn. So what?

  • Hallo

    30.05.13 (16:16:01)

    Hier sind genügend Antworten auf die Frage nach dem "So What": www.google.de/search?q=homosexuelle+diskriminierung+beruf

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