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16.02.09Leser-Kommentare

Venture Capital: Schlechter als man denkt?

Dass Venture-Capital-Firmen in den letzten Jahren nicht die Performance geliefert haben, die ihre Investoren sich erhoffen, ist inzwischen weitgehend bekannt. Aber es könnte noch viel schlimmer sein, als man aufgrund der offiziellen Daten ahnt.

Besser kein Geld für VC-Fonds?Venture Capitalists, einst die unangefochtenen Könige der kapitalistischen Innovationsförderung, kämpfen um ihren Ruf. Schon neulich haben wir hier beschrieben, dass die Renditen der VC-Fonds inzwischen unter eine kritische Grenze gefallen sind.

Einige VCs haben auf diese Kritik auch schon energisch reagiert, beispielsweise Fred Wilson in seinem Blog. Seine Argumentation: Erstens sind die Renditen laut "offiziellen" Datenquellen (die praktischerweise von der Vereinigung der VC-Firmen manipuliert bereitgestellt werden) überhaupt nicht so schlecht, und zweitens gibt es neue Buchhaltungsregeln in den USA, die die Renditen künstlich verschlechtern.

Mag sein. Der Ex-VC und Angel-Investor Basil Peters beschreibt in einem Blogpost aber nun die erschreckende Wahrheit darüber, wie die Grunddaten hinter diesen Statistiken überhaupt zustande kommen.

Erstens: Anders als börsennotierte Unternehmen müssen VC-Firmen ihre Performancedaten nicht publizieren. Die Deklaration von Renditen und Investments erfolgt auf rein freiwilliger Basis und stellt auch ausschliesslich auf ungeprüfte Angaben ab. Direkt lügen wird bei dieser Datensammlung kaum jemand, denn dafür steht zu viel auf dem Spiel. Aber dass hin und wieder ein paar weniger hübsche Zahlen etwas geschönt dargestellt werden, kann man wohl nicht ausschliessen (um es mal vorsichtig zu formulieren).

Zweitens: Selbst wenn die Firmen ihre Daten liefern, erfolgt das oft ohne grosse Sorgfalt. Basil Peters gibt selbst zu, das Ausfüllen der entsprechenden Formulare gern mal an einen Junior in der Firma delegiert zu haben, der weder die nötigen Informationen noch Kenntnisse hatte.

Drittens: Weniger erfolgreiche VCs haben kaum einen Anreiz, ihre schlechten Performancedaten überhaupt zu melden. Es ist daher anzunehmen, dass die publizierten Durchschnittswerte nur den besseren Teil der VC-Fonds abbilden, und da sind die Zahlen schon mager genug.

All das ist wohlgemerkt Spekulation, denn die VC-Branche kennt kaum Transparenz. Im Moment gibt es im Zuge der Finanzkrise in den USA Bestrebungen, auch die VC-Branche stärker zu regulieren und zur Transparenz zu zwingen, aber natürlich gehen die VCs schon jetzt dagegen auf die Barrikaden.

Jedenfalls wird zunehmend klarer, dass die VC-Branche in eine Krise rutscht, und das ist für die Startupszene nicht gut.

(Foto: Neubie; CC-Lizenz)

Kommentare

  • Felix A.

    16.02.09 (18:30:03)

    "Jedenfalls wird zunehmend klarer, dass die VC-Branche in eine Krise rutscht, und das ist für die Startupszene nicht gut." Naja. Für die klassische Start-Up Szene sicherlich. Allerdings bin ich mir relativ sicher, dass Marktlücken im Web weiterhin geschlossen werden. Das was wir jetzt erleben ist die Selbstregulierung des Marktes. Und das ist auch gut so!

  • hathead

    16.02.09 (18:34:05)

    Ergänzend zu Felix: zuviel Geld macht unkreativ. Ich glaube es ist eher gut für die Startup Szene.

  • Chris

    17.02.09 (03:20:37)

    Ich versteh den Zusammenhang zwischen Überschrift und Artikel nicht bzw. ist mir die Überschrift viel zu "reisserisch". Da denkt man an klare Fakten und Erkenntnisse, warum es der VC Branche schlecht geht und nicht an 3 Punkte, von denen vielleicht maximal Punkt 3 relevant ist. Sorry, aber das war irgendwie nichts :-) Genau so gut könnte man argumentieren, dass die VCs keine "zu guten" Zahlen offiziell angeben, weil sie sicherlich über zig Methoden und Taktiken versuchen, Steuern zu sparen und da sicherlich auch nicht immer alles ganz legal ist bzw. angegeben wird. Klingt absurd, ist aber genauso wahrscheinlich wie das "Zahlen geschönt" Argument. Soviel zu Argument 1. Und warum sollte eigentlich der Junior Partner "zu gute Zahlen" angeben, wenn er allgemein nicht die richtigen Informationen hat? Genauso wahrscheinlich könnte er auch schlechtere Zahlen eintragen. Das zu Argument 2. Übrigens, Harvard Business School und diverse andere "Elite Business Schools" weigern sich, bei den Rankings der Hochschulen mitzumachen. Ob man jetzt da reininterpretieren sollte, das die HBS und Co. schlecht sind; sei einfach mal so in den Raum geworfen :-) Argument 3 ;-) Nichts für ungut, aber ein kritischer Artikel verträgt sicher auch kritisches Feedback! Ich bin auch der Meinung; die VC Branche schwächelt sicher sehr und bei all den Investments, aber wenigen Exits, frag ich mich auch sehr häufig, wie die VC Fonds denn Geld verdienen. Aber die 3 Argumente zählen irgendwie nicht :-) Der andere Artikel (Ein miserables Jahrzehnt) war wesentlich fundierter. Viele Grüße, Chris D.

  • Andreas Göldi

    17.02.09 (04:13:35)

    @Chris: Und hier die Kritik zur Kritik: Mit Steuern haben die Zahlen nur wirklich nichts zu tun. Steuererklaerungen sind vertraulich, und es gibt keinen Grund, warum diese oeffentlichen Statistiken die gleichen Zahlen verwenden sollen. Meistens haben VCs ein klares Interesse, ihre Ergebnisse in solchen Umfragen zu positiv darzustellen. Das gilt auch fuer den ahnunglosen Junior, der im Zweifelsfall, um dem Chef zu gefallen, garantiert lieber positiv uebertreiben wird. Harvard hat bis letztes Jahr sehr fleissig an allen Rankings teilgenommen. Dass sie das nicht mehr machen, hat vorwiegend mit geaenderten Methodiken der Rating-Institutionen zu tun, die Harvard moeglicherweise keinen Top-Platz mehr ermoeglicht haetten.

  • Philipp

    17.02.09 (10:16:10)

    Die Zahlen sind durchaus interessant, wenn auch nur bedingt für den heimischen Markt relevant. Die "echten" Tech-VCs in Europa haben in den letzten Jahre recht gute Schnitte gemacht. Viel wichtiger in Deutschland, vor allem für die Web-Szene, sind die Medien-VCs und Business Angels. Die haben eine andere Herangehensweise und machen durchaus gute Returns. Vor allem, da die meisten Fonds und Vehikel nach der ersten Bubble gegstartet wurden und der große "Reinemacher" des ersten Crashes fehlt. Vielleicht ist es sinnvoll, das ganze eher auf den Deutschen Markt zu beziehen und einen regionalen Kontext einzubauen. Das Übersetzen und Rebloggen von US-Posts, die schon einige Wochen alt sind, ist doch nicht so interessant, oder?

  • Andreas Göldi

    17.02.09 (14:17:20)

    @Philipp: Hast Du Zahlen, die diese Deiner Meinung nach ueberlegene Performance europaeischer VCs belegen? Meiner Erfahrung nach orientiert sich die europaeische Investorenszene sehr stark an amerikanischen Vorbildern. Darum sind die fundamentalen Veraenderungen, die in den USA vor sich gehen, sehr wohl relevant fuer den deutschsprachigen Markt. Zudem ist das Internet bekanntlich ein globales Medium, und die hier oft diskutierten Dienste (Facebook, Twitter, etc.) sind direkt von amerikanischen VCs abhaengig.

  • Philipp

    17.02.09 (17:33:18)

    Nein, zu den EU-VCs habe ich auch keine Zahlen. Mein Kommentar war aber auch stärker auf die Medien-VCs gemünzt, die ja neben den rein finanziellen auch noch diverse andere Ziele haben können (strategische Verkäufe, Portfolioaufbau für Mutterkonzerne, Marktbesetzung in Verlagsnahen Branchen, etc.). Somit ist "Erfolg" in dieser Hinsicht natürlich nicht immer einfach zu definieren. Eine Krise würde ich nicht an die Wand malen, vor allem da die angesprochenen jüngeren VCs bisher relativ moderat investiert haben. Gerade in Deutschland haben BAs eine recht breite "hit&miss" Strategie gefahren, sind durch ihre Dealstruktur damit aber auch erstaunlich gut weggekommen. In Zukunft ist für beide Seiten der aktuelle Käufermarkt sicher nicht unangenehm. Somit wird es sicher mehr Investments in BA-ähnlichen Größen geben, die dafür auch schneller weiter verkauft werden. Gerade Deutschland ist ja nicht so vom IPO Markt abhängig und viele Bereiche (ob Medien oder Mittelstand) haben im Bereich Internet noch einiges nachzuholen. Beim Kommentar zur Internationalität gebe ich dir natürlich recht, aber gerade in Sachen Finanzierung ist Deutschland eben sehr unterschiedlich zu den USA. Dein Fokus auf die US-Themen ist ja sicherlich auch durch deine persönliche Location gegeben...

  • Andreas Göldi

    17.02.09 (17:55:45)

    @Philipp: Na ja, die Zahlen die ich habe (von Dow Jones VentureSource) sind nicht sehr klar, aber von der Tendenz her sind die europaeischen VCs weniger profitabel als ihre amerikanischen Kollegen. Zwar sind die investierten Betraege niedriger, aber die Exits sind auch meistens viel kleiner. Wenn Du mit "Medien-VCs" strategische Investoren meinst, also solche, die zu Konzernen gehoeren: Klar, die werden an anderen Massstaeben gemessen. Aber auch da sehe ich ehrlich gesagt keine besonders tollen Erfolgsstories in der letzten Zeit. In den USA kommen diese konzerneigenen VCs so langsam wieder aus der Mode, weil sie jahrelang viel Geld verpulvert haben, aber kaum echte Erfolge aufweisen konnten. Aber sehr guter Punkt bzgl. kleinerer Investments. Ich glaube auch, dass das die Zukunft liegt und bereite auch schon einen ausfuehrlicheren Artikel dazu vor.

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