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10.02.09Leser-Kommentare

venteria: Kurz vor dem Aus?

Der soziale Eventkalender venteria hat Probleme und war kurz vor dem Aus. Einen Funken Hoffnung gibt es aber noch.

Der Eventkalender venteria wird wahrscheinlich seine Pforten schliessen. venteria lief schon einige Zeit instabil, vor drei Tagen wurde der Dienst kurzerhand deaktiviert. Ein eingebettetes Video liess die Besucher mit einem Kopfkratzen zurück.

Vielen ist venteria vielleicht noch als wevent bekannt. Unter diesem Namen ging es Anfang 2007 an den Start. Die Entwickler Dennis Blöte und Sören Weber waren in der Szene bekannt und aktiv, wevent wurde schnell ein durchaus beliebter sozialer Kalender und konnte sich im deutschsprachigen Raum auch gegen den Goliath Upcoming behaupten. Die Umbenennung in venteria erfolgte im Februar 2008, weil es einen Namenskonflikt mit einem US-Unternehmen gab.

venteria

Um venteria wäre es sicherlich schade. Es war ein Dienst aus der zweiten Welle nativer Web 2.0 Anwendungen aus Deutschland, die die Design-Ästhetik und Paradigmen der internationalen Vorbilder quasi eingebaut hatten. Allerdings war und ist es ein Hobby-Projekt, dem die gebotene Aufmerksamkeit und Betreuung fehlte, nachdem sich die Interessen der Gründer anderen Dingen zuwandten.

Die Informationspolitik bezüglich der Probleme verlief suboptimal. Blog und Twitter-Account sind schön und gut, man sollte sie aber auch benutzen. Auch wenn es sich um unangenehme Informationen handelt.

Auch für Projekte von Studenten gilt: wer einen Dienst betreibt, hat eine gewisse Verantwortung den Benutzern gegenüber. Das ist mitunter deshalb wichtig, weil man diesen sonst die Möglichkeit nimmt, eine informierte Entscheidung zu treffen, mit welchen Webdiensten sie ihre Zeit verbringen. Eine loyale User-Basis versteht kommunizierte Probleme üblicherweise und bleibt. Von venteria kam nur wenig:

Vor drei Tagen gab es einen kryptischen Tweet mit dem Wortlaut:

Nichts ist perfekt, gleich springt die Uhr auf 0…

Danach war die Site deaktiviert, dafür war ein Video eingebettet. Kein Hinweis auf Probleme, an denen man arbeitet, kein weiterer Tweet, kein Blog-Eintrag, der dem geneigten Benutzer etwas Orientierung geben könnte.

Seit heute ist venteria nun wieder verfügbar, in einem wiederum eher lapidaren Tweet hiess es dazu:

für alle die ihre Daten brauchen, holt sie euch – die Seite läuft grad wieder

Erst heute Abend hat sich Dennis Blöte wirklich zu Wort gemeldet und in einem Blogeintrag seine Situation beschrieben:

Daraus habe ich den Schluß gezogen, dass es wohl das beste und ehrlichste wäre, die Seite zu schließen – denn wie wir spätestens die letzten Tage festgestellt haben, liefert die Plattform zumindest für einige Leute Infrastruktur, auf die sie sich verlassen – und eben das können wir aktuell nicht garantieren. Nichtsdestotrotz zeigt der Zuspruch den wir bekommen haben auch, dass es vorerst dumm wäre, die Seite vom Netz zu nehmen, nur weil mal der Server ausgefallen ist. Was also tun?

Das würde ich hiermit sogar gerne zur Diskussion stellen, denn schon vor dem Ausfall haben sich Leute angeboten, uns zu unterstützen. Dabei ist keine finanzielle Unterstützung gemeint, sondern vielmehr die Zusammenstellung einer Gruppe von Leuten, die sich sowohl um Weiterentwicklung als auch um den Betrieb kümmern. Über das was und wie müsste dabei sicher geredet werden, aber es wäre ein Versuch, der immerhin besser wäre, als die Seite ganz vom Netz zu nehmen. Sie bleibt somit erstmal, bis eine Lösung gefunden ist.

Vielleicht wird was daraus, aber ich wäre vorsichtig. Unzählige Startup-Weekends haben gezeigt, dass es sehr leicht ist, viele Unterstützer in einem ersten Schwung der Begeisterung zu aktivieren. Aber zwei Wochen später war wieder die Luft raus und von kaum einem der Projekte hat man je wieder gehört. Doch gerade Nachhaltigkeit und Ausdauer sind, was venteria bräuchte.

Wie auch immer, wer Ideen hat, kann sich im venteria-Blog melden. Es wäre schön auch einmal den Fall eines kollaborativ geretteten Dienstes zu sehen.

Kommentare

  • rada

    11.02.09 (10:36:42)

    Es gibt ja genug Alternativen, die, meiner Meinung nach, inzwischen sogar besser sind, siehe http://cometro.de bzw. http://venyoo.de

  • Markus Spath

    11.02.09 (10:51:09)

    Klar gibt's Alternativen (ein Tipp von mir wäre boomloop), aber man muss ja nicht das Fell des Bären verteilen, bevor er erlegt ist.

  • Klaus

    12.02.09 (06:55:38)

    Ich kann ich jedem, der sich mit einem nachhaltig tragfähigem Modell für ein Veranstaltungsportal erwärmen möchte, einmal eine andere Strategie vorschlagen anzudenken. - Denkt umgekehrt: Monetarisiert das Konzept bereits konsequent im Input mit einem Entgelt/Gebührenmodell für Veranstalter, nicht im Output mit Werbe-/Provisionserlösen - think global, surf local Konzentriert Euch auf Euren lokalen/regionalen Markt und geht dort in die Tiefe! z.B. (Metropol)region, kleiner Städteverbunde, kleinere Regionen 80% of all ist hier Nutzerseits straight local. Machts da, wo Ihr Euch auch örtlich auskennt. Die nationale/globale Weltherrschaft kann noch später angestrebt werden. Bei uns läufts so recht ordentlich und wir sind mit der Entwicklung unseres Veranstaltungsportals mehr als zufrieden. Ich sehe hier ein sehr großes Potential für regionale Business-Ideen. Ich habe das Konzept und die Entwicklung von Frankentipps.de als Slide online: http://www.Frankentipps.de/presse Aber warnen muss ich auch: Es ist hier sehr(!) schwer, die auch von Medien mit etablierte Gratismentalität von einigen Veranstaltern abzuargumentieren. Lieber bleibt bei manchem der Saal leer, als dass er einen Penny für Onlinewerbung ausgibt. Viele PR-Dienstleister selbst können mit Online-Medien wie Web-Veranstaltungskalender erstaunlicherweise auch noch nicht so wirklich etwas anfangen. Die schicken noch immer lieber PMs per E-Mail, Post und Fax. Aber das alles ist primär nicht da Problem des Medienanbieters. Das Thema hat aber auch noch weitere Potentiale: Ich weiß, dass ein sehr hoher bedarf an Digitalisierungsdiensleistungen besteht. Mehr dazu im Slide.

  • Alex

    29.03.09 (08:54:30)

    Vielen Dank erst mal an rada für das Lob. Wir bei venyoo geben uns viel Mühe einen guten Service auf die Beine zu stellen. Das galt sicher auch für die Jungs von venteria. Was Klaus angesprochen hat spielt mit in das Geschehen um venteria hinein: Es ist schwierig eine Dienstleistung aufrecht zu erhalten ohne für diese Geld zu erhalten. Dem kann ich nur zustimmen und hinzufügen: Es ist nicht nur die Frage nach dem einen Königsweg zu stellen, sondern auch die Frage, ob es diesen überhaupt gibt. Eine Sache ist es, das Produkt mit den größten Marktchancen zu erdenken. Eine andere Sache ist es, die Dienstleistung zu liefern, die man am besten kann. Die verschiedenen Zielgruppen werden schon wissen, das für sie jeweils beste Produkt auszuwählen. Edeka und Aldi können wunderbar koexistieren, teilen sich oft sogar den selben Parkplatz (genau wie Ikea und Bauhaus auch).

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