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21.11.14Leser-Kommentare

Venmo, Snapcash und viele Startups: Warten auf das WhatsApp der mobilen Geldtransfers

In den USA versenden mittlerweile Millionen Menschen untereinander kleinere Geldbeträge per Smartphone. Auch dank vergleichsweise niedriger Einstiegshürden wird der deutsche Markt bald nachziehen.

P2P-GeldtransferApple Pay und andere Dienste zum mobilen Bezahlen werden in Deutschland wohl aufgrund unvorteilhafter Rahmenbedingungen noch eine Weile auf ihren Durchbruch warten müssen. Doch das heißt nicht, dass alle das Smartphone involvierenden Finanzvorgänge hierzulande auf lange Zeit zum Nischendasein verdammt sind. Im Gegenteil. Es spricht einiges dafür, dass sogenannten Peer-to-Peer-Überweisungen zwischen zwei Personen innerhalb naher Zukunft eine Standardpraxis auch bei hiesigen Smartphone-Nutzern werden. Ich wage die Prognose, dass in einem Jahr ein Anbieter in Deutschland diesen Markt zumindest in der Zielgruppe der jungen Smartphone-Nutzer weitgehend dominiert und mindestens eine Million aktive User vorweisen kann.

Vor allem die Entwicklung auf dem US-amerikanischen Markt dient hier als Wegweiser und Orientierungshilfe. Dort hat das Thema mittlerweile die Massen erreicht. Eine maßgebliche Rolle spielt die zu PayPal gehörende Geld-App Venmo, deren kometenhaften Aufstieg wir vor einigen Wochen ausführlicher erläuterten. Besonders bei jugendlichen Amerikanern hat sich der Dienst zu einer beliebten Form des unkomplizierten Überweisens kleiner Geldsummen entwickelt. Seit kurzem ist Venmo dabei, seine Funktionalität auch in externe Anwendungen zu bringen. Der mobile Chat-Service Dasher gehört zu den ersten, der Venmos Geldtransfer-Feature den eigenen Usern bereitstellt.

Vor wenigen Tagen aber hat Venmo ernstzunehmende Konkurrenz erhalten: Snapchat, der mit zehn Milliarden Dollar bewertete Service zum Versenden von sich selbst zuerstörenden Fotos und Videos, erlaubt seinen Usern in den USA und Kanada ab sofort ebenfalls das Versenden kleiner Geldsummen. Wie Venmo ist auch Snapchat vor allem bei Anwendern jüngerer Altersgruppen populär, weshalb sich beide Apps in die Quere kommen könnten. Weder Venmo noch Snapchat publizieren übrigens Angaben zur Zahl aktiver Nutzer.

Auch Facebook wird nachgesagt, seinen von mehr als 500 Millionen Menschen genutzten Messenger mit einer Komponente für Geldtransfers ausstatten zu wollen.

In Anbetracht der umtriebigen Aktivitäten im nach wie vor eine Vorbildrolle für deutsche Startups einnehmenden US-amerikanischen Markt spricht wenig dagegen, dass P2P-Geldtransfers bei uns mit etwas Verspätung ebenfalls durchstarten. Marchbarkeits- und Nachfragenachweise gibt es aus Sicht von hiesigen Gründern und Investoren wie eben beschrieben genug. Smartphones sind auch in Deutschland mittlerweile absoluter Standard. Szenarien, in denen zwischen Freunden oder Kollegen kleine Geldbeträge den Besitzer wechseln, kennt jeder. Und obwohl die Online-Banking-Landschaft hierzulande und insgesamt in Europa fortschrittlicher ist als die der Vereinigten Staaten, profitieren Nutzer bei P2P-Apps von besonders simpler Usability und einer aufgrund der geringen Beträge praktikablen Befreiung von den sonst bei E-Banking-Lösungen üblichen Sicherheitsvorkehrungen.

ElopayDie Zahl der Akteure aus Deutschland, die sich in dem Segment ausbreiten wollen, ist schon seit längerem groß. Cringle, Payfriendz und Lendstar heißen einige der Aspiranten. Ganz neu ist Elopay aus Berlin. Anders als die einheimischen Konkurrenten besitzt das gründerfinanzierte Startup einen Newsfeed, der Transaktionen von Kontakten darstellt. Was suspekt klingen mag, hat sich für Venmo als besonders effektive Form erwiesen, Usern ein hohes Aktivitätslevel zu illustrieren und so ihre eigene Bindung an den Dienst zu erhöhen. Aus den Parallelen zu Venmo macht Elopay-Gründer Özkan Akkilic keinen Hehl. Er betont aber, dass der Feed Ausgangspunkt für eine Reihe weiterer eigenständiger Funktionen sei. In wenigen Tagen stehe das Debüt der iPhone-Applikation an.

Eine Vorhersagen dessen, was in den nächsten Monaten in dem Bereich in Deutschland geschehen wird, ist nicht schwer: Die lokalen Startups werden alles versuchen, um Aufmerksamkeit zu generieren und eine kritische Masse zu erreichen. Der ein oder andere neue Anbieter wird noch hinzukommen, vielleicht auch aus den bekannten Inkubatoren-Umfeldern wie Rocket Internet oder Project A Ventures. Die US-Größen werden irgendwann ihre Expansion auf den hiesigen Markt bekanntgeben. Vielleicht machen auch die deutschen Banken noch etwas. Am Ende wird sich ein Akteur als das “WhatsApp der schnellen mobilen Geldüberweisungen” von den diversen Verfolgern absetzen können. Wer das sein wird, steht noch in den Sternen - auch wenn die großen Anbieter wohl die besseren Karten haben. /mw

Grafik: Wallet money vector cartoon style, Shutterstock

Kommentare

  • Andy Lenz

    23.11.14 (23:03:53)

    ist mobiler "geldtransfer" nicht einfach nur ein feature verschiedener services, was per framework/library von immer modularer werdenen infrastrukarnbietern, angeboten und in hunderten apps, services und startups verbaut werden wird?

  • Martin Weigert

    24.11.14 (01:35:46)

    Das wäre sicher der Idealzustand. Die Geschichte des kommerziellen Internets hat aber gezeigt, dass am Ende immer ein gewerblicher Player den notwendigen Push ausgelöst und von diesem auch direkt profitiert hat. Siehst du Anzeichen dafür, dass das hier anders sein könnte?

  • Steffano Malledetto

    24.11.14 (10:59:23)

    mobiler Geldtransfer, da fehlt mir (als Deutscher) ein wenig die Phantasie ... Onlinebanking ja, mit TAN über Handy aber warum soll ich, irgend jemand 10 € schicken per Mobilephone macht für mich keinen Sinn, bin aber vermutlich zu alt dafür, meinen Kindern im Fast-Teenanger-Alter, Minibeträge zu übermitteln, damit die per Smartphone ihr Mittagessen in der Schulmensa bezahlen müssen, dazu braucht es erstens eine funktionierende sichere Zahlungsfunktion, sowie eine Infrastuktur dafür an der Schule Deswegen gibts Taschengeld und Essensgeld bei mir offline als Hardware ... Die Gefahr sehe dann konkret bei snapchat / snapcash eher hier beim Jugendschutz: http://www.onlinefacts.de/Was_ist_Snapcash

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