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07.01.11

US-Investor Matt Cohler rät: Berlin statt Silicon Valley

ResearchGATE, das weltweit größte Social Network für Wissenschaftler, verlagert seine Zentrale von Boston nach Berlin. Ein bekannter US-Investor riet dazu, die deutsche Hauptstadt der Alternative Silicon Valley vorzuziehen.

Das Berlin sich sukzessive zu Deutschlands Startup-Mekka entwickelt, ist kein Geheimnis. Mittlerweile scheint über den Daumen gepeilt jedes zweite oder dritte Internetunternehmen, über das wir berichten, aus der Hauptstadt zu kommen. Jüngstes Anzeichen für eine sich abzeichnende (und für die hiesige Internetwirtschaft förderliche) Clusterbildung in Berlin:

ResearchGATE, das weltweit größte Social Network für Wissenschaftler, welches im September eine siebenstellige Series-A-Finanzierungsrunde mit den zwei namhaften Silicon-Valley-Investoren Benchmark Capital und Accel Partners bekannt geben konnte, verlagert nach einem Bericht von Welt Online seine Firmenzentrale von Boston nach Berlin.

Das Interessante daran: Dem von drei Deutschen 2008 gegründeten Unternehmen mit Niederlassungen in Deutschland und den USA stand nach der jüngsten Kapitalspritze die Möglichkeit offen, wie diverse europäische Webfirmen ins Silicon Valley umzusiedeln und von der dortigen, für viele Startups attraktiven Mischung aus Know-how, Kreativität, Technologiebegeisterung und Ressourcen zu profitieren.

Doch die Entscheidung fiel für Berlin, unter anderem auf Anraten von Matt Cohler. Cohler ist eine bekannte Persönlichkeit der US-Internetbranche, war einer der ersten Mitarbeiter bei Facebook und fungiert momentan als Partner bei ResearchGATE-Neuinvestor Benchmark Capital. Sein Argument: In der deutschen Hauptstadt bekäme man Entwickler zu relativ geringen Kosten. Im boomenden Silicon Valley hingegen kämpfen die expansiven Web- und Tech-Firmen mit harten Bandagen und extraordinären Gehalts- und Bonuszahlungen um die begehrten Programmierer.

Die im deutschen und europäischen Vergleich unterdurchschnittlichen Lebenshaltungskosten, das urbane Lebensgefühl sowie die kulturelle Vielfalt scheinen Berlin verstärkt zu einer ernsthaften Alternative für junge Webfirmen aus aller Welt zu machen (siehe auch diese Lobpreisungen bei Hacker News) - trotz der deutschen Bürokratie, Technophobie und im Vergleich zur USA strengeren Verbraucher- und Datenschutzgesetze (was gerade für Social-Web-Firmen zu einem Problem werden kann). "Die Amerikaner sagen, wenn Deutschland, dann Berlin", so Ijad Madisch, einer der ResearchGATE-Gründer.

Mit jedem Startup, das den Weg von ResearchGATE einschlägt oder in der deutschen Metropole neu gegründet wird, erhöht sich die Attraktivät von Berlin als Zentrum der deutschen Internetlandschaft. Die lokale Politik sollte diesen Trend umarmen und alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um die Gründung und Ansiedlung in der Hauptstadt weiter zu erleichtern.

Der Wirtschaftsstandort Berlin leidet anders als München, Hamburg oder Frankfurt seit jeher unter einem Mangel an Großunternehmen aus der Industrie- und Finanzwelt. Jetzt bekommt die Stadt eine neue Chance: Sie könnte zum deutschen, wenn nicht sogar europäischen Silicon Valley mutieren. Die Aussage von Branchenkenner Matt Cohler legt nahe, dass der Gedanke weit mehr ist als eine Utopie.

via Gründerszene

(Foto: stock.xchng)

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